11. Division                                                                                                                     Div.St.Qu., 19.7.40. Abt.Ia Nr. 195/40 geh.

Erfahrungsbericht über den West-Feldzug.


Die Div.hat im West-Feldzug nur geringe Erfahrungen im Gefecht sammeln können, da sie nur bei Lille in wirkliche Gefechtsberührung getreten ist.


Die wesentlichsten Erfahrungen hieraus sind folgende:


I.Taktik.
 
1.) Usere taktischen Grundsätze haben sich auch im Westen bewährt. Die starke Wirkung zusammengefaßten Feuers der Art. und schweren Waffen vor dem Antreten der Inf.
    trat vor Lille klar zu Tage. Besondere Erfahrungen im Angriff gegen Feldbefestigungen und gegen feindliche Panzer liegen nicht vor. Die Div. ist durch die feindliche
    Luftwaffe nicht angegriffen worden.

2.) Strassensperren waren oft mit Minensperren verbunden, die vor, hinter und seitlich der Straßensperren lagen und daher nicht immer sofort erkannt wurden. Reine Minensperren
    waren meist systematisch verlegt, gut zu erkennen und daher auch leicht zu beseitigen, überwinden und Beseitigen von Minensperren bereitete keine Schwierigkeiten. Das
    Minensuchgerät hat sich vorzüglich bewährt.

3.) Das Nachführen der Gefechtsfahrzeuge der Schtz.Kp. der Inf.erfolgte geschlossen durch die Btl. unter Führung des ältesten Waffen-Uffz., die der M.G.K., I.G.Kp. und Pz.Jäg.Kp.
    selbständig durch die Kp., da häufiger Mun.Nachschub und plötzlicher Stellunswechsel ein dichteres Heranziehen an die kämpfende Truppe notwendig machte. Die Gefechtsfahrzeuge
    der Inf.Schtz.Kp. waren etwa 1/2 km von der vordersten Linie entfernt, während der Gefechtstroß unter einheitlicher Führung 3 km hinter der vordersten Linie in Anlehnung an
    Ortschaften nachgeführt wurde.

    Die Bestimmungen für den Verständigung - und Erkennungsdienst zwischen Truppe und Flugzeug haben sich bewährt. In keinem Fall ist die Div. durch eigene Flugzeuge gefährdet 
    worden.

3.) Die Verkehrsregelung durch den Feldgend.Tr. hat innerhalb des Div.Verbandes auch bei Flußübergängen reibungslose Marschbewegungen gewährleistet. Die Unterstützung und
    Ergänzung des zu schwachen Feldgend.Tr. durch die Radf.Züge der Inf.Btl. und Verkehrsregelungstrupps der mot.Verbände unter Führung energischer Offz. hat sich gut bewährt.

    Die Schwierigkeiten in der Verkehrsregelung ergeben sich erst bei Begegnung mit Kolonnen anderer Div., besonders mit denen der Luftwaffe. Diese setzten sich über alle von der  
    Armee gegebenen Bestimmungen rücksichtslos hinweg. Organe der Armee müssen hier für Abhilfe sorgen.

    Die Ausflaggung der Vormarschstraße der Aufklärungsabt. durch bunte Tuchzeichen hat sich für den Spähtrupp- und Meldeverkehr als besonders praktisch erwiesen.
    (Der Marsch in Fliegermarschtiefe erleichterte die Verkehrsregelung erheblich. Ein Durchschleusen von mot.Einheiten an Straßenkreuzungen war ohne weiteres möglich.
6.) Entsprechend dem schnellen Vormarsch der Div. und dem dauernden Wechsel der taktischen Lage hat die eingesetzte Funkaufklärung der Führung keine besonderen Ergebnisse gebracht.   
    Durch Auswertung der mitgehörten Funksprüche war die Div. jedoch über die Nachbarn auf dem Laufenden.

7.) Die Unterlagen für die Funkregelung, insbesondere Heft 4, sind zweckmäßig gegliedert und haben sich gut bewährt.

II.Organisation.


1.) Die Reiterschwadron der Aufklärungsabt. hat sich bei dem schnellen Vormarsch der Div.als zu schwerfällig und langsam erwiesen. Vorgeschlagen wird die in Anlage 1 beigefügte
    (Gliederung einer Aufklärungsabt. zu 2 - 3 Radf.Schwadronen und 1 schweren Schwadron.

    Diese wird auch als Vorausabt. Verwendung finden können. Erfolgt der Einsatz in dieser Weise, so genügen die Reiterzüge der Inf. Rgt. für die Nah- und Gefechtsaufklärung.
2.) Der Inf.Radfahr-Zug hat sich für Aufklärungszwecke gut bewährt, besitzt aber bei Verwendung im Feuerkampf keine Feuerkraft. Daher Vorschlag:
    Zusammenfassung der 3 Züge zu 1 Radfahr-Kp. in der gleichen Gliederung wie eine Schtz.Kp. unter Führung eines Kp.Chefs.
    Vorteile:
      Einheitliche Ausbildung.
      Einheitlicher Ansatz durch Kp.Chef im Feuerkampf.
      Genügende Feuer-und Stoßkraft, wichtige Punkte schnell zu besetzen.
      Keine Schwächung der Schtz.Kp.
      Keine Verpflegungsschwierigkeiten, da Feldküche etatmäßig vorhanden.
      Der Reiterzug wird durch die Radfahr-Kp. nicht überflüssig.
3.) Die neue Gliederung der Schtz.Kp. hat sich bewährt. Sie wurde beeinträchtigt durch das von der 6.Armee befohlene Ausscheiden einer Gefechtsreserve, die zwangsläufig die
    4.Gruppe eines jeden Zuges war. Dieser Befehl wird nicht für zweckmäßig gehalten.

    Die Gruppe in Stärke von 1 : 9 hat sich bewährt.
    Der Zug zu 4 Gruppen verfügt durch die 4 l.M.G. und den l.Gr.W. über eine starke Feuerkraft.
    Die Schtz.Kp. braucht weiterhin als organischen Bestandteil eine s.M.G.-Gruppe und als entsprechende Steilfeuerwaffe eine s.Gr.W.-Gruppe, damit der in der Lage ist,
    einen klaren Schwerpunkt zu bilden.

    Der Pz.Büchsentrupp zu 3 Pz.B. erscheint ausreichend. Bisher ist die Inf.Kp. mit je 1 Pz.B. ausgestattet.
    Die Gefechtsfahrzeuge sind ausreichend und haben sich bewährt.
4.) Gliederung eines Inf.Btl. wie bisher.
    Gliederung eines Inf.Rgt.:
      Stabs-Kp, bestehend aus: Unterstab mit Musik, Nachr.Zug, Reiterzug, Kradmeldestaffel.
       I. - III.Btl.
       13.(I.G.)Kp. zu 3 schweren Zügen.
       14.(Pz.Jäg.)Kp.
       15.(Radf.)Kp.
       16.(Inf.Pi.)Kp.
5.) Auf Grund der vorgeschlagenen Neugliederung der Schtz.Kp. wird folgende Gliederung der M.G.Kp. für praktisch gehalten.
       2 s.M.G.Züge, davon 1 mot oder 4-spännig
       Grund: Bei fast allen Gefechtsarten wird die Verwendung eines beweglichen Zuges erforderlich.
       1 l.I.G.—Zug.
       Grund: Im Gegensatz zum s.Gr.W. steht das l.I.G. im gleichen
       Stellungsraum wie das indirekt schießende s.M.G. Im Interesse der einheitlichen Kampfführung ist die Vereinigung von s.M.G. und l.I.G. in einer Hand erwünscht.
6.) Um dem Rgt.Kdr. die Möglichkeit zu geben, einen wesentlichen Einfluß auf die Führung des Gefechts auszuüben, wird die Gliederung der I.G.Kp. zu 3 s.I.G.-Zügen für
    zweckmäßig gehalten.

    Die Gliederung der Inf.Pz.Jäg.Kp. in 4 Züge zu je 3 Geschützen ist sehr zweckmäßig. Erwünscht ist die Zuteilung eines zweiten M.G. für jeden Zug, sodaß die Kp.mit
    8 l.M.G. und einem 2—cm-M.G.Zug auf Selbstfahrlafette zum Truppenluftschutz ausgestattet ist.

7.) Die Inf.Pi.Züge haben sich gut bewährt.
    Die Aufgaben der Inf.Pi.Züge sind jedoch so vielseitig, daß die Stärke eines Zuges nicht genügt. Die Verstärkung auf eine INF.Pi.Kp. wird daher vorgeschlagen.
    Eine 4.Kp. beim Div.Pi.Btl., die zugweise des Inf.Rgt. zugeteilt werden kann, ist unzweckmäßig.
    Die Ausstattung des Inf.Pi.Zuges an Waffen und Gerät ist unzureichend. Es fehlen: 8 M.Pist., Sprengmittel, Zug- und Druckzünder, Minen, mindestens 3 große Floßsäcke,
    je Gruppe 1 Minensuchgerät, Halteleinen, Haltetaue. Ausstattung des Inf.Pi. Zuges mit 1 kl.Feldküche erscheint zweckmäßig.

    Beweglichhachung des Inf.Pi.Zuges durch Kraftzug erscheint zweckmäßig.
8.) Wenn die Div.Nachr.Abt. bei zukünftigem Einsatz nicht wesentlich mit der Verbindung zum Korps belastet wird, braucht der Art.Kdr. einer Inf.Div. keine besondere
    Nachr.Einheit.

9.) Die Gliederung der Pz.Jäg.Abt. mit 3 Kp. genügt allen Anforderungen. Um Zuführung der fehlenden 3.Kp. wird gebeten.
     Als Vorausabt. verwandt, bedarf sie noch zusätzlich:
     1 Pz.Spähzug zu 3 l.Pz.Spähtrupps (6 Pz.Spähwagen),
     1 M.G.Zug (mot)
     1 l.I.G.Zug (mot)
10.) Die Gliederung des Pi.Btl. mit 3 Kp. ist unzureichend. Eine 4.Kp.(mot) wird zur Erhöhung der Kampf- und Einsatzkraft für erforderlich gehalten.
     Unter der Voraussetzung, daß die Inf.Pi.Züge auf Inf.Pi.Kp. verstärkt werden, ist am Endziel die Vollmotorisierung des Pi. Btl. zu 4 Kp. zu fordern.
     Vorteil: Schnelles Vorwerfen zum Bilden eines Brückenkopfes und zum Brückenbau.
     Verwendung als Vorausabt. der Div. zur Gewinnung wichtiger Punkte.
     Soll es bei der Gliederung des Pi.Btl.(tmot) bleiben, so wird folgende Lösung vorgeschlagen:
        Stab und N.Zug: vollmot.
        1.u.2.Kp.: 1.Zug auf Fahrrädern, je Zug 4 Gefechtsfahrzeuge (wie Inf.).
        Fortfall der Mun.- und Masch.Trupps und Verstärkung der l.Pi.Kol.
        Beibehaltung von 1 Pkw. und 5 Krädern.
        Gefechtsfahrzeuge gummibereift und so eingerichtet, daß M.G. verladen werden können.
        3.u.4.Kp.: vollmot.

III. Bewaffnung u. Ausrüstung.


1.) M.Pist., M.G., s.I.G., s.Gr.W. und Stielhandgranate haben sich besonders gut bewährt. Auch die Wirkung der Pz.Jäg.Kanone bei Verschuß von Sprenggranaten gegen gut
    eingenistete, kaum sichtbare M.G.Nester und von Häuserkämpfen auf nächste Entfernung ist hervorragend.

    Der mittl.Flammenwerfer hat sich infolge seiner Schwere nicht bewährt. Meist wurde die Bedienung vor dem Einsatz abgeschossen.
    Der Säbel bei der Reit.Schwadron und den Inf.Reiter-Zügen ist überflüssig.
    Die Ausstattung jeder Einheit der Nachschub-Dienste mit wenigstens 1 M.G. zur Abwehr von Feuerüberfällen und Fliegerangriffen hat sich als notwendig erwiesen.
2.) Als besonders wirksam wurde vom Feinde s.M.G., s.Gr.W., s.I.G., s.F.H., Stuka und Pz. empfunden.
    Das M.G. war wegen seiner schnellen Schußfolge, der s.Gr.W. wegen seiner Treffgenauigkeit, Wirkung und hohen Schußfolge gefürchtet. Ähnliche Angaben wurden über die
    Wirkung des s.I.G. und der s.F.H. gemacht.

3.) Der Gefechtswagen der Inf. ist an sich gut, ist jedoch zu stark beladen und für 2 Pferde auf schlechten Wegen und bei Steigungen zu schwer. Bei Zuteilung von 2 weiteren
    Pferden hat er sich auch auf schlechten Wegen und auf dem Gefechtsfeld gut bewährt.

    Die Bremsen entsprechen nicht der schweren Beladung. Bei starkem Gefälle ist stets eine Zuteilung von Aufhaltemannschaften notwendig, um das Heißlaufen der Bremsen zu
    verhindern.

4.) Die Bewaffnung des Pi.Btl. mit der M.Pist. ist aus Mangel noch nicht durchgeführt. Je Gruppenführer ist 1 M.Pist. erforderlich. Bewaffnung mit s.M.G. ist nicht notwendig. 
    Ausstattung mit 1 Pak-Zug bei der 3.Kp. ist dagegen sehr erwünscht.

5.) Das bisher eingeführte Minensuchgerät hat sich sehr gut bewährt Ausrüstung je Pi.Kp.(auch Inf.Pi.Kp.) mit 3 Geräten erwünscht.
6.) Die vorgesehene Ausstattung der Schtz.- und Pi.Kp.mit 3 Pz.B. und s.m.K.(H)-Munition wird für zweckmäßig gehalten Ausstattung mit s.m.K.(H)-Munition allein genügt nicht.
7.) Die Fallschirmleuchtpatrone hat sich infolge ihrer langen Leuchtzeit bewährt. Eine größere Ausstattung der Pz.Jäg.
     Kp. mit dieser Patrone ist erwünscht. Ausstattung mit Leuchtpatronen ist im allgemeinen zu gering. Erhöhung des Solls auf Doppelte erscheint zweckmäßig.
8.) Zum unmittelbaren Truppenluftschutz wird die Einführung einer Sonderwaffe (2 cm-M.G.mot), nach Möglichkeit auf Selbstfahrlafette für zweckmäßig gehalten. Ein Zug, bestehend
    aus 6 2-cm-M.G. der Inf.Pz.Jäg.Kp. angegliedert und mit Vorteil und mit Vorteil auch gegen andere Ziele verwandt werden.

9.) Von den feindlichen Waffen waren besonders die französische Art. und die s.Gr.W. sehr wirksam. Eine Überlegenheit gegenüber unseren Waffen bestand jedoch nicht.

IV. Heeresversorgung:

1.) Über Munitionsversorgung nach Neuorganisation der Nachschubdienste liegen Erfahrungen nicht vor, da ein Mun.-Verbrauch über die bei der Truppe befindliche Ausstattung
    hinaus bei keinem Einsatz eintrat. Einsatz der Fahrkolonnen als Gefechtsstaffel des Artillerie-Kommandeurs war nie erforderlich.
2.) Verwaltungsdienste:
    Bei dem schnellen Vormarsch war es für Schlächterei-Zug und Bäckerei-Kompanie erforderlich, alle 2-3 Tage den Einsatzort zu ändern, um nicht zu große Entfernungen zur
    Verpfl.-Ausgabestelle zu bekommen. Schlächt.-Zug konnte trotzdem die Fleischversorgung der Division einschl. zugeteilter Verbände sicherstellen.
    Für Bäck.-Kp. jedoch bedeutete der Wechsel des Einsatzortes den Ausfall einer Tagesleistung. Die Brotversorgung der Division einschl. zugeteilter Verbände (zeitweise
    19 000 Köpfe) konnte nur dadurch durchgeführt werden, daß die Brotportionen von der Armee auf 650 g und vorübergehend auf 500 g herabgesetzt wurden.
    Da aber die Truppe bei großen Anstrengungen 750 g Brot verlangt, wird Zuteilung eines 6.Backanhängers und von 10 Bäckern für erforderlich gehalten.
    Ferner ist eine ständige Eingliederung eines Nachschubzuges beim Div.Verpfl.-Amt erwünscht, da die Aufgaben beim Div.Verpfl.-Amt eingearbeitete Kräfte verlangen.
3.) Sanitätsdienste:
    Die Gliederung der Sanitätsdienste hat sich im allgemeinen bewährt.
    Die Division ist nur mit einem Kr.Kw.-Zug ausgestattet. Es hat sich jedooh beim Einsatz gezeigt, daß ein zweiter Kr.Kw.Zug erforderlich ist.
    Bei den Artl.Abt. wird ein bespannter San.-Gerätewagen benötigt.
4.) Veterinärdienste:
    Die Gliederung der Veterinärdienste hat sich bewährt.
    Die Zahl von 6 Pferdetransportwagen (Büssing) bei der Vet.Kp. war nicht ausreichend, da die Vet.Kp. beim Vormarsch auch den Abschub von Pferden in die Vet.Dienste der Armee 
    übernehmen musste. Zwei weitere Pferdetransportwagen sind erforderlich.
    Bei der Vet.Kp. werden ferner ein 5to Lkw. für Hufbeschlaggerät und- mittel, ferner ein m.Lkw. als B u. G-Wagen zur Versorgung der Kfz. der Komp., die auf dem Vormarsch stets 
    große Fernfahrten machen mussten, benötigt.
5.) Der Feldgend.-Trupp der Division war während des Vormarsches, vor allem durch die Aufgaben der Verkehrsregelung, oft stark überlastet. Eine Verstärkung um zwei Gruppen wird
    für zweckmäßig gehalten. Auf keinen Fall reicht die Stärke des Gend.Trupps zur Bewachung und zum Abtransport einer größeren Anzahl von Gefangenen aus. Es war während des
    Vormarsches oft sehr schwierig. für diese Zwecke das erforderliche Bewachungspersonal aus, der Truppe zu bekommen.
6.) Allgemeines:
    a) Eine erhebliche Erhöhung des Pferdesolls ist erforderlich. (Inf.Regt. etwa 60, Artl.Rgt. 3o, Pi.Btl. u. San.Kp. je 8 Pferde), Verschiedene planm.zweispännige Fahrzeuge
       (Feldküchen,Fahnenschmied-Waffenmeisterwagen usw.) mussten bei dem schnellen Vormarsch vierspännig gefahren werden.
       Der Ausfall von Zugpferden konnte stets durch Beutepferde gedeckt werden, dagegen nicht der Ausfall von Reitpferden.
    b) Die handelsüblichen Fahrzeuge (Fahrzeuge versch. Bauart) haben sich bei den Fahr.Kol. nicht bewährt; sie waren vielfach sehr wenig leistungsfähig. Ausstattung durchweg
       mit Hf.1 ist erwünscht,
    c) Die Kfz-Ausstattung einer Inf.Division hat sich bei dem Vormarsch als unzureichend erwiesen, U.a. reichte der Laderaum der V.Trosse nicht aus, da stets befehlsgemäß drei
       Sätze Verpflegung, drei Rationen Hafer und mindestens eine Ration Heu mitgeführt werden mussten.
       Dem Gen.Kdo. wurde ein Vorschlag für Mehrausstattung mit Kfz. vorgelegt.
       Eine reichlichere Ausstattung mit Kfz erscheint auch zweckmäßig, um die Lasten ausgefallener Kfz. auf andere Kfz. übernehmen zu können. Bei der planmäßigen Kfz.Ausstattung
       ist eine Beladung bis zur Überbelastung erforderlich; ein Übernehmen von Lasten ausgefallener Kfz. also ausgeschlossen.
    d) Die Division ist nur mit zwei Kw.-Werkstattzügen (1 planmäßigen und einem behelfsmäßigen) ausgestattet. Ausbau zur Werkstattkompanie (kriegsgliederungsmäßig bei Div. erster
       Welle sonst vorgesehen) ist erwünscht. Erwünscht wäre ferner eine reichlichere und vielfältigere Ausstattung der Kw-Werkstattzüge, wie auch des A.K.P., mit Kfz-Ersatzteilen.
    e) Eine Betriebsstoffkolonne mit nur 25 cbm Fassungsvermögen reicht selbst bei nur planmäßiger Kfz.-Ausstattung nicht aus. Erforderlich sind mindestens 3o cbm. Bei
       Mehrausstattung der Division mit Kfz. muß das Fassungsvermögen noch weiter erhöht werden.
       Die Betriebsstoffkolonne musste auf dem Vormarsch vielfach 5oo km und mehr hin und zurück zum Betriebsstoffempfang zurücklegen. Die A.B.L. lagen viel zu weit hinter der
       Truppe. Zweckmäßig ist die Ausstattung der Betriebsstoffkolonne mit einigen kleineren Lkw., neben 4 to Lkw. f) Das neueingeführte Nachtmarschgerät hat sich sehr bewährt.
       Die Ausstattung aller Mot.-Teile, insbesonders aller Kolonnen mit diesem Gerät, wäre erwünscht.
    g) Es fehlten vielfach Kräfte zur Bewachung u. Sicherstellung von vorgefundenen Lagern. Meist konnten die Lager beim Weitermarsch nur der Armee gemeldet werden, eine
       Bewachung war nicht möglich. Hierdurch sind wertvolle Bestände von Lebensmitteln, Rohstoffen usw. der Plünderung und den Verderb anheimgefallen.
       Erwünscht wären speziell für solche Zwecke bestimmte Kräfte der Armee, die der Truppe unmittelbar folgen.
7.) Die l.Artillerie der Division ist mit l.F.H.16 statt 1.F.H.18 ausgestattet. Hieraus ergab sieh eine kritische Lage während des Gefechts bei Lille, da l.F.H. 16-Munition
    nicht verfügbar war.
    Ausstattung auch der Ostpreußischen Divisionen 1.Welle mit l.F.H. 18 ist erforderlich, um einen einheitlichen Mun.-Nachschub zu gewährleisten.
8.) Die Erfahrung hat gezeigt, daß der Troß der Division einen derartigen Umfang angenommen hat, daß er unter ungünstigen Verhältnissen außerordentliche Schwierigkeiten
    hervorrufen kann. Diese sind infolge Ausbleibens jeglicher Luftangriffe und militärischer Rückschläge nicht eingetreten.
    Eine Beschränkung der Troße durch Verringerung des mitzuführenden planmäßigen Geräte und durch Vollmotorisierung der rückwärtigen Dienste (mit Ausnahme der Vet.Kp.)
    erscheint daher notwendig.

Anlage 1 zum Erfahrungsbericht über den Westfeldzug 11.Div.
   Vorschlag Uber die Gliederung einer Aufklärungsabt.
     1.) Stab (vollmot. auf Kübelwagen Kfz.12 und BMW-Krädern)
     2.) Nachr.Zug (tmot.)
        a) mot.Teile auf Kfz.12
        b) Radf.Teile 10 Torn.Fu.Tr. auf Truppenfahrrad.
     3.) 2-3 Radf.Schwadronen in bisheriger Stärke und Zusammensetzung.
         Darüber hinaus M.G. und Gr.W.-Staffel (mot) unerläßlich. Ausstattung mit BMW.-Maschinen notwendig)
     4.) 1 schw.Schwadron bestehend aus:
        a) 1 Zug l.Pz.Wagen, 2 Pz.Spähtrupps mit modernen Allradantriebswagen.
        b) 2 Kav.Gesch.Zügen (mot) in bisherigen Stärke, ausgestattet nur mit Kfz.12 (Einheitsfahrgestell mit 4-Radantrieb
        c) 1 Pz.Jäg.Zug mit 6 Pz.Jäg.Kanonen und 4 2-cm M.G. ausgestattet. mit Kfz.12.
        d) 1 Pi.Zug (mot) auf Lkw. (Diesel.Lkw. auf Einheitsfahrgestell).
        e) Gefechts-, Gepäck- und Verpfl.Troß (mot) auf Lkw (Diesel-l.Lkw. auf Einheitsfahrgestell).
           Stärke, Zusammensetzung und Ausstattung entsprechend der vorgeschlagenen Gliederung einer A.A., außerdem 1 Werkstattwagen für Kfw. und 1 Kr.Transportwagen.
           Jeder Troß muß mit 1.M.G.34 und Funkgerät ausgestattet sein.

Erfahrungen Stoßgruppe Tamm 31.5.40

Die Gliederung der Pz.Jäg.Züge in 2 Geschütze und die dadruch mögliche Verstärkung der Geschützbedienung für Straßenkämpfe hat sich als zweckmäßig erwiesen. Der Zug ist beweglicher,
2 Geschütze können alle einem Stoßtrupp anfallenden Aufgaben erledigen.
Die Wirkung der 3.7cm Sprenggranate auf kleine Ziele ist die Wirkung von Granaten der Feldhaubitze gleichzusetzen. Die Pak bietet ein wesentlich kleineres Ziel als die Feldhaubitze,
ist beweglicher und hat eine höhere Feuergeschwindigkeit. Außerdem macht sich bei der Feldhaubitze der Rückstoß des Geschützes auf dem glatten Steinpflaster unvorteilhaft bemerkbar.
Dagegen verspricht der Einsatz der Feldhaubitze größeren Erfolg gegen Ziele, deren Lage nicht genau festzustellen ist. Die moralische Wirkung dürfte bei beiden Geschützen
dieselbe sein, der Knall der Pak ist mindestens ebenso groß wie der der Feldhaubitze.
Die Stoßtrupps müssen ausser mit Handgranaten auch mit genügend Sprengmunition versehen sein, um in lange Mauern Löcher zum Eindringen sprengen zu können. Ein frontaler Angriff
in einer vom fdl.Feuer bestrichenen Straße erfordert große Verluste. Es ist zweckmäßiger, in die Häuser- oder Mauerreihe einzudringen und sich von innen in der Angriffsrichtung
vorzuarbeiten. Hierzu wird die Sprengmunition benötigt.
Die Zuteilung besonderer Deckunsgzüge zum Abriegeln von St-unleserlich- in Flanke und Rücken und zum Säubern der genommenen Häuser ist notwendig. Bei Fehlen der Deckungszüge wird
die Stoßkraft stark geschwächt. Der Einsatz einer kleinen Stoßgruppe ohne eigenen Gefecht-unleserlich- Rahmen einer fremden Division ist schwierig und hat sich in diesem Falle
als ungünstig erwiesen. gez.Tamm.