Schulz Helmut
Geb.: 21.5.11 Osterode/Ostpreussen
Truppenteil:
7.4.31 Eintritt in das Reichsheer
bis
10.11.38 3./A.R.49
10.11.38- 5./A.R.49
Dienstgrade: *August 1939 Wachtmeister
Auszeichnungen:
Meldung über eine Disziplinarsache:
II./Art.-Regt.13,
Magdeburg.
MELDUNG !
Ich melde den Wachtm. Schulz, 5./A.R.49 wegen folgenden Vorfalls:
Der Wachtm. Schulz befand sich am 16.8.39 in der Kantine der II./A.R.13 in
Gesellschaft des Lt.d.R.Specht, sowie zwei Herren in Zivil und 2 Portepeeträger
der 5./A.R.49
(Reservisten). Gegen 22.30 Uhr betrat ich mit meinem Bruder, der H.J.Uniform
trug, die Kantine.
Während meines Aufenthaltes in der Kantine benahm sich Wachtm. Schulz auffällig,
indem er laut Lieder der Bewegung sang, die m.E. in vorgerückter Stunde nicht an
den
Biertisch gehören. Als ich mit meinem Bruder und Lt. Schurig, Adjutant
III./A.R.13, die Kantine verließ, stellte Vachtm. Schulz meinen Bruder an der
Tür zur Rede. Er fragte
ihn wörtlich:„Sie sind doch H.J.-Führer?" Mein Bruder bejahte. Darauf fragte Sch.:„Wie
kommt es, daß Sie sich dann mit Offizieren an einen Tisch setzen, wenn auch noch
andere Leute in der Kantine sind?"
Ich erblicke in dieser Äußerung den Versuch einer bewußten Aufhetzung meines
Bruders als H.J.- Führer gegen das Offz.-Korps in seiner Gesamtheit. Außerdem
läßt die Äußerung
erkennen, daß Sch.,trotzdem er im Gespräch wiederholt seine langjährige
Zugehörigkeit zur NSDAP, betont hatte, keine Ahnung hat, wie er sich als
Portepeeträger des Heeres
gegenüber einem Angehörigen der H.J. zu verhalten hat, weil er durch solche
Äußerungen versucht, eine Kluft zwischen Offizier und H.J.— Angehörigen zu
schaffen. Außerdem ist
es ungehörig von einem Portepeeträger, Personen, die sich in Gesellschaft von
Offizieren befinden, anzureden.
Ich war mit Lt. Schurig ungefähr 15 m voraus gegangen, stellte Sch. sofort zur
Rede. Auf meine Frage, zu welchem Truppenteil er gehöre, versuchte er
auszuweichen und sagte,
er wäre "von da drüben." Ich fragte ihn nach der Batterie, darauf antwortete er,
er wäre bei der 3./A.R.13. Ich fragte weiter, ob er Reservist oder aktiver
Soldat wäre.
Darauf sagte er, er sei Reservist.
Ich betone, daß Sch. mich richtig verstanden haben muß, da ich meine Fragen klar
und eindeutig stellte und er mir hierauf bis auf die dritte Antwort sinngemäß
richtige,
aber nicht der Wahrheit entsprechende Antworten erteilte. Nach meinen
Feststellungen und den Aussagen der in der Kantine anwesend gewesenen Hptwachtm.
Brückner, 6./A.R.13
und Uffz. Zander, Stab II./A.R.13 hat Wachtm. Sch. mehrere Glas Bier genossen,
machte aber nicht den Eindruck eines Betrunkenen.
Außerdem sagen der Hptwachtm. Brückner, 6./A.R.13 und der Uffz. Zander, Stab
II./A.R.13 aus, daß der Wachtm.d.R. R i e s c h, 5.Kw.Kol./a.R.49, der sich in
Gesellschaft
des Wachtm.Schulz befand, laut erklärt habe: „Ich bin nicht nur als Wachtmeister
einberufen, sondern auch als politischer Beobachter!"
Im Interesse der Zusammenarbeit zwischen Partei und Wehrmacht bitte ich, neben
der dienstlichen Erledigung, diese Äußerung der zuständigen Parteidienststelle
zuleiten zu
wollen. Ich bitte mich von dem Veranlaßten in Kenntnis setzen zu wollen.
Vernehmung:
Auf Befehl der Batterie vernahm ich heute den Wachtm.Schulz, 5./A.R.49.
Mit Gegenstand der Vernehmung vertraut gemacht und zur Wahrheit ermahnt, sagte
Sch. folgendes aus:
Zur Person: Ich heisse Helmut Schulz, bin am 21.5.11 in Osterode/Ostpr. geboren,
am 7.4.31 in das Reichsheer eingetreten und am l0.ll.38 von der 3./A.R.49 zur
5./A.R.49
versetzt worden.
Zur Sache: Ich befand mich am 16.8.39 in der Kantine der II./A.R.13. Ich saß am
Tisch mit dem Herrn Lt.d.R. Specht, der in Uniform war, Herrn Lt.d.R.Heuke, der
in Zivil
war und einem Zigarettenvertreter, auch drei Reservisten der 5.Kolonne waren
dabei. Als ich einmal ausgetreten war und zurückkam, rief mich ein Lt.vom
A.R.13, der mit noch
einem Offz. und einem Hitlerjugendführer am Nebentisch saß, heran und fragte
mich nach dem Nürnberger Abzeichen von 1929, das ich angesteckt trug. Er fragte
mich auch, wie
lange ich in der Partei wäre und wo. Die Unterhaltung dauerte nur kurze Zeit.
Irgendwelche Vorhaltungen sind mir nicht gemacht worden. Ich hatte an den Abend
allmählich etwa
20 Glas Bier getrunken. Ich ging dann einmal nach dem Zigarettenautomat in
Vorraum, um Zigaretten zu kaufen, dabei traf ich an der Tür den H.J.-Führer vom
Nebentisch. Ich
sagte zu ihm: "Ein Moment mal, kann ich Sie mal sprechen?" Er antwortete etwas,
was ich nicht verstand und wandte sich den Ausgang zu. Ich sagte dann zu ihm, er
könnte sich
mit uns auch unterhalten und wollte mich kameradschaftlich mit ihm unterhalten.
Ich muß mich dabei geärgert haben darüber, daß er sich auf meine Anrede abwandte.
Die Worte,
die ich ihm da gesagt habe, kann ich nicht wörtlich wiederholen, ich wollte nur
zum Ausdruck bringen, daß ich als alter Kämpfer ebensoviel geleistet habe wie
ein H.J.-Führer,
sodaß er sich ruhig mit mir unterhalten könnte. Ich habe nicht beabsichtigt ihn
irgendwie aufzuhetzen, da ich dazu gar keinen Grund hatte. Von den anderen
Herren habe ich
nichts gesehen. Das sich Herr Lt. Gebhardt, der die Meldung erstattet hat, noch
ein Zweites mal an mich gewendet hätte und mich zur Rede gestellt hätte mit
bestimmten Fragen
nach meinem Truppenteil usw., dessen kann ich mich nicht mehr entsinnen. Da die
erste Unterhaltung in der Kantine in hellem Licht geschah, konnte Herr
Lt.Gebhardt sehen, daß
ich zun Regiment 49 gehörte, da wir damals noch die Schulterklappen trugen.
Mich durch falsche Angaben herauszulügen, hatte ich keinen Grund, da ich in dem
Zeitpunkt mir nicht bewußt war, irgendetwas Ungehöriges getan zu haben. Ich
bedauere den Vorfall,
der unter der Einfluß des genossenen Alkohols geschah, ich hatte nicht die
Absicht irgendjemand zu nahe zu treten.