| Kriegstagebuch Juni 1944 | |
| 15.6.1944 | KTB 9.Armee. Das Feindbild bestätigt sich weiter. Der Verkehr auf den Strecken im Raum Gomel - Kalinkowitschl - Schazilki hat weiter zugenommen. Es mehren sich in Frontnähe die Anzeichen sehr weit fortgeschrittener feindlicher Angriffsbereitschaft. Der Aufmarsch weiterer starker Kräfte vor der Armeefront hält an, die Zuführung und Ausladung von rund 100 Panzern ist mit Sicherheit erkannt, Motorgeräusche werden zu verschiedenen Zeiten, vor allem während der Nacht, vor der 129,, 35., 36., 134. and 383 I.D. festgestellt. Vor den inneren Flügeln der 35. and 36.I.D. ist eine artilleristische Verstärkung des Gegners im Umfang von 18 Batterien aufgeklärt worden. Verstärktes Feuer legt der Gegner am heutigen Tage anf die Front der 129. und 36.I.D. Seine Fliegertätigkeit über dem XXXXI.Pz.K. nachts und über der 383.I.D. am Tage ist lebhaft, verursacht aber keinen Schaden. Der Feind schanzt sich weiterhin an die HKL der 35.I.D. heran. Das Gen.Kdo. XXXXI.Pz.K, hält die Angriffsvorbereitungen des Feindes für abgeschlossen und bemißt den Angriffsschwerpunkt auf das Gebiet von Wjunischtsche (d.i. nach Verengung der Divisionen des XXXXI.Pz.K. 3 km südostw. der Grenze 129. zu 35.I.D. bis Sduditschi, also bis an die Beresina heran (Chef XXXXI. - Ia 9, 19.15 Uhr). Im Zusammenhang mit den feindlichen Angriffsvorbereitungen steht erhöhte Aktivität der Banden: vor allem häufen sich die Minenanschläge gegen die Bahnen. Außerhalb des Armeebereichs hat eine Bandengruppe nach sicherer Quelle den Befehl erhalten, mit allen Kräften Massenzerstörungen von Schienen durchzuführen und mit diesen Anschlägen in der Nacht zum 20. Juni zu beginnen (s.KTB vom 12.6., Anl. VII 0). Zweifellos haben auch die Banden im Gebiet der 9.Armee diesen Befehl erhalten. Mit zunehmender Aktivität ist daher zu rechnen (s.Anl.VII 1). In der Frage der Kräftezuführung zur 9.Armee und der Kräfteverschiebungen innerhalb der Armee sind heute wichtige Entscheidungen gefallen. Die Heeresgruppe kündigt die Verlegung der 20.Pz.Div. in das Armeegebiet als Heeresgruppen-Reserve an, bezeichnet den Wunsch nach Artillerie aber weiterhin als unerfüllbar und sagt dafür zu, eine Zuführung von Sturmgeschützen zu erwägen (Ia H.Gr. - Ia 9, 23,20 Uhr). Der Wunsch nach Artillerie ist vor allem vom Gen.Kdo. XXXXI.Pz.K. nochmals vorgetragen worden, da es sich artilleristisch nicht stark genug fühlt und vor seinem schmaleren Abschnitt mehr feindliche Artillerie in Stellung weiß als das XXXV.A.K. (Chef XXXXI. - Ia 9, 19,15 Uhr). Innerhalb der Armee werden daraufhin außer dem G.R.430 die Armee-Pz.Jg.Abt.743 (ohne 1 Kp.), die II./A.R.63 und nun auch die II./A.R.129 aus dem Bereich des XXXV.A.K. zum XXXXI.Pz.K. verlegt werden (s.Anl.VII 2 und X). Aus dieser Maßnahme erhellt, daß das AOK den feindlichen Angriffsschwerpunkt weiter südwestlich erwartet als bisher, obwohl man sich an der ganzen Front immer noch nicht abschließend darüber hat klar werden können, wo der feindliche Hauptschwerpunkt liegen wird. Heute hat das LV.A.K. mit der 292.I.D, vom Abschnitt der 129.I.D. (XXXXI.Pz.K.) die Front bis südwestl. Ssawin Bog (Tremlja= Knick) übernommen; die Trennungslinien zwischen 129. und 35., zwischen 35. und 36.I.D. sind weiter nach Nordosten gerückt und damit alle drei Divisionsabschnitte des XXXXI.Pz.K. gegenüber dem feindlichen Angriffsschwerpunkt schmaler geworden. Der Div.Gef.Stand der 707.I.D. ist nach Stupehi, 15 km südostw. Bobruisk, verlegt worden, die Div. selbst soll morgen im Winkel Rollbahn Bobruisk - Rogatschew, Bahn Bobruisk - Brosha, also beiderseits der Beresina, versammelt werden (s.Anl. II, Tagesmeldung). Das AOK gibt in Ergänzung seiner Abwehrvorbereitungen weitere Anweisungen über die einzuhaltende Munitionstaktik. Für Störungsfeuer auf Infanterie- und Artillerie-Aufmarschräume wird etwa ein Viertel der Erstausstattung freigegeben. Bei feindlichem Trommelfeuer soll auf Bereitstellungsräume und vorgetriebene Annäherungsgräben ebenfalls etwa ein Viertel einer Erstausstattung verschossen werden können. Zur Abwehr der Feindangriffe selbst muß darüber hinaus für die ersten 24 Stunden eine volle Erstausstattung vorhanden sein (s.Anl.IV). |
| 18.6.1944 | KTB 9.Armee. Ein abschließendes Bild vom Stande der feindlichen Aufmarschbewegungen läßt sich durch die heutige Luftaufklärung noch nicht gewinnen. Jedoch ist die feindliche Angriffsbereitschaft erheblich weit fortgeschritten. Dafür liegen viele Anzeichen vor: vor der Front der 35. und 36.I.D., also im vermutlichen feindlichen Hauptangriffsschwerpunkt, sind mehrfach frontwärtige Bewegungen und weiteres Vorschanzen zu beobachten. Die Feindstellungen ostwärts Wjunischtsche, am linken Flügel der 129.I.D., und bei Wossohod (383.I.D.) sind stark besetzt. Geräusche von Motoren und Kettenfahrzeugen vor der 35.I.D. halten die ganze Nacht über bis morgens 6.00 Uhr an, am Tage werden Motorengeräusche bei Derbin,im Mittelabschnitt der 129.I.D., gehört. Auch aus den Räumen ostw. Shlobin, ostw. Rogatschew und ostw. des Drutbrückenkopfes ist starker Lärm von Motorfahrzeugen, zum Teil von Kettenfahrzeugen vernehmbar. Die feindliche Artillerietätigkeit lebt nun auch beim LV.A.K., bei Iwaschkowitschi und Kopatkewitschi (292.I.D.) sowie bei der 296. und 134.I.D. (XXXV.A.K, ) auf. Auf den Abschnitt der 134.I.D. schießt der Gegner mit Phosphorgranaten. Bei der 45.I.D., an der Südfront des XXXV.A.K., hält das starke feindliche Feuer an; hier wiederholt der Feind in den frühen Morgenstunden seine örtlichen Angriffe gegen die Gefechtsvorposten, die er diesmal westlich der Insel Choijun zweimal in Kp.Stärke, allerdings Vergeblich, angreift. Das AOK drängt darauf, daß die Gefechtsvorposten ostwärts der Insel ihre verlorene Stellung zurückgewinnen. Es kann nicht zugelassen werden, daß der Feind Verbesserungen seiner Ausgangsstellungen vornimmt (Chef 9 - Ia XXXV., 11.20 Uhr). Außerdem befiehlt der OB mit Nachdruck, daß die feindlichen Artilleriestellungen, soweit sie erkannt sind, bekämpft und von beiden Korps (XXXX . und XXXV.A.K.) hierfür mindestens je 3000 Schuß am Tage verfeuert werden (Ia 9 - Harko, 19.00 Uhr). Der OB wird bei seinem morgigen Besuch beim Feldmarschall Gelegenheit nehmen, eine Sonderzuweisung von Munition für diesen Kampfauftrag zu beantragen. Ob und in welchem Umfange der Feind gegenüber der 134.I.D. oder auch an anderen Stellen Raketengeschütze bereitgestellt hat, ist mit Sicherheit noch nicht aufgeklärt worden. Jedenfalls vereinbart der Ia mit der Luftflotte, daß dem AOK täglich, möglichst für mehrere Tage im voraus, die vermutlichen Windrichtungen und Windstärken übermittelt werden, damit sich die Wirksamkeit etwaiger Gas- oder Nebelangriffe vorausschauend abschätzen läßt (Ia 9 - Chef-Meteorologe der Luftflotte 6, 16.30 Uhr). Aus sicheren Quellen verlautet, daß Marschall Shukow gegenüber der 134.I.D. den russischen Graben besuchte und an Stelle des bisherigen OB der drei weißrussischen Fronten, Rokossowisky, der angeblich erkrankt ist. den Oberbefehl über diese Fronten übernommen haben soll (Ic). Sicherung und Reservenbildung an der nördlichen Armeenaht (Trennungslinie zur 4.Armee) sind unbefriedigend (Chef-Ia XXXV, 11,20 Uhr); das dortige Waldgelände reicht gefährlich tief hinter die Front der 134.I.D.: überdies liegt in der Gegend der Trennungslinie häufig bis etwa 5.00 Uhr morgens Bodennebel (OB - Kom.Gen.XXXV., 19.40 Uhr). Die Anschluß-Div. der 4.Armee, die 57.I.D., hat 3 Btle. herausziehen müssen und kann nur zwei Kpn. als Nahtsicherung bei Rekta bereitstellen (Chef 9 - Chef 4, 11,25 Uhr). Auf Antrag der 9.Armee erklärt sich die H.Gr.Mitte daher damit einverstanden, daß das G.R.727 der 707.I.D., das als Heeresgruppenreserve hinter der Ostfront des XXXV.A.K. steht, weiter nach Norden in die Gegend Ossownik - Kruschinowka=See verlegt wird (Ia 9 - Ia H.Gr., 16,45 Uhr und Anl.IV 1). Auf Befehl der H.Gr. ist ein Sich.Rgt. mit 3 Btl. vorsorglich auf seinen möglichen Einsatz in der Front vorzubereiten.(FS. der H.Gr. vom 15.6., 23.50 Uhr). Das AOK hat das Sich.Rgt.183 des Korück vorgesehen und plant seine Versammlung in Gegend Ptitsch=Brücke der Eisenbahn Bobruisk - Staruschki mit der Absicht, mit diesem Rgt. und dem G.R.232, das als Armeereserve beim LV.A.K. steht, später vielleicht einmal die ganze 292.I.D. herauszulösen, vorausgesetzt, daß der Feind seinen Angriff nicht auch auf dieses Korps erstreckt (s.Anl. V 1 und Anl. X, 19,15 Uhr). - In der Stärkung der Schwerpunktkorps und in der Reservenbildung sind weitere Fortschritte und Veränderungen zu verzeichnen: das Gen.Kdo.XXXV.A.K. wird noch das gesamte G.R.519 aus der Front ziehen; bisher stehen erst 2 Kpn. in Reserve hinter der Mitte 296.I.D. (OB - Kom.Gen.XXXV.A.X.,. 19.40 Uhr). Das G.R.130, bisher Armeereserve hinter der 296. und 134.I.D., wird dem Gen.Kdo.XXXV.A.K. als Korpsreserve überlassen (s.Anl. X, 19.15 Uhr). Die Art.Abt. der 707.I.D. (I./A.R.657) hat das AOK der 296.I.D. unterstellt (s.Tagesmeldung, Anl. II). Diese Division selbst verlegt ihren Gefechtsstand nach Korolewskaja Ssloboda 1 (25 km südl. Bobruisk, auf dem Westufer der Beresina), um der 20.Pz.Div. Platz zu machen, deren Gefechtsstand nach Stupeni (12 km südostw. Bobruisk) kommt, indessen die 20.Pz.Div. selbst im Raum und den Orten Titowka, Stupeni, Malinowka, Mal.Bortnik, Sabolje, Chomitschi, Kotritschi, Dubrowa, Ostufer der Beresina, also beiderseits der Rollbahn Bobruisk - Mogilew und um den Korps-Gef.Stand XXXV.A.K. herum versammelt wird (s.Tagesmeldung Anl.II). Die ersten vier Züge dieser Div. sind eingetroffen (s.Tagesmeldung, Anl.II). Um das XXXXI.Pz.K., vor dessen Front bis heute 115 neue Feind-Bttrn. aufgeklärt worden sind (s.Anl.X, 19,15 Uhr) weiterhin mit armeeeigenen Kräften artilleristisch zu verstärken, werden ihm heute auch noch die II./A.R.129 und die 3./A.R.817 (Langrohr-Bttr.) zugeführt (s.Anl. VII 1, 2). Damit hat das AOK auf Kosten des LV. und XXXV.A.K. alles zur artilleristischen Vorbereitung des XXXXI.Pz.K. auf die feindliche Offensive getan, was es in der augenblicklichen Lage tun und verantworten kann. Der OB wird bei seinem morgen Besuch beim Feldmarschall auch die Frage weiterer Zuführung von Artillerie zum wiederholten Male anschneiden. Jedoch darf nicht damit gerechnet werden, daß die H.Gr. noch Kräfte zur Verfügung stellen kann, da der Feind Verstärkung auch vor der 2.Armee zuführt und diese Armee mit zunehmender Abtrocknung der Pripjet-Sümpfe ihre Front verdichten muß. Auch bei der 4.Armee, vor allem an der Autobahn Smolensk - Borissoff und bei der 3.Pz.Armee zeichnen sich feindliche Angriffsschwerpunkte ab (OB - Chef, 11.00 Uhr). |
| 19.6.1944 | KTB 9.Armee. Die Anwesenheit Marschall Shukows als Oberbefehlshaber der Feindfront gegenüber dem Abschnitt der H.Gr.Mitte wird durch die Aussage eines gefangenen russischen Fliegers bestätigt. In diesem Zusammenhang erinnert man sich an eine etwa 14 Tage zurückliegende Meldung des Londoner Rundfunks, wonach die russische Sommeroffensive dieses Jahres eine Überraschung bezüglich ihrer Zielrichtung bringen werde. Die alte Zielrichtung Südwest (Lemberg, Balkan) scheint zugunsten der Zielrichtung Nordwest, dh. zugunsten der Rückeroberung Weißrußlands vorläufig aufgegeben worden zu sein. Wie Gefangene immer wieder aussagen, betont der politische Unterricht für die Rotarmisten die Befreiung der noch besetzten Teile und die Erreichung der alten Grenzen der Sowjetunion als erstes Ziel. Die neue Zielrichtung entspricht auch der bolschewistischen Kriegsführung, die mit Offensiven in bandenverseuchte und aufständische Gebiete gute Erfahrungen, gemacht hat. Wie eng die Aufträge an die Banden mit der neuen Offensive gekoppelt werden, läßt sich schon aus dem Befehl entnehmen, Massenanschläge gegen die Eisenbahnen durchzuführen (vgl.KTB vom 15.6.44). Nach s.Qu. hat der Zentralstab der Bandenbewegung am 18.Juni folgenden Befehl gegeben: "In den nächsten Tagen beginnen die Kampfhandlungen der amerikanischen Luftstreitkräfte auf die Luftstreitkräfte des Gegners -im vorläufig noch unbesetzten Gebiet." Es wird den Banden befohlen, notgelandeten amerikanischen Fliegern jede Hilfe zuteil werden zu lassen und sie in sowjetisches Gebiet abzuschicken (s.Anl.VII 3). Der Schwerpunkt der feindlichen Offensive dürfte sich also zweifellos bei der Heeresgruppe Mitte befinden. Der Eisenbahnaufmarsch des Gegners hält im bisherigen Umfang an und läuft in die bisherigen Schwerpunkte s. der Beresina und n. Rogatschew aus. Die Bewegungen und Motorgeräusche vor der gesamten Front des XXXXI.Pz.K., vor der 45.I.D., o. Shlobin und zwischen Rogatschew und Blisnezy halten an; vor der 383.I.D. (Südfront des XXXV.A.K.) lebt der Verkehr ebenfalls wieder auf. Der feindliche Artilleriebeschuß auf die Abschnitte der 35. und 134.I.D. hat sich verstärkt. Zahlreiche Salvengeschützstellungen im Schwerpunkt vor dem XXXXI.Pz.K. sind aus der Luft aufgeklärt worden. Mit Großeinsatz von Nebel muß gerechnet werden. Gesteigerte Bekämpfung der feindlichen Artillerieräume wird ausdrücklich befohlen, den Gen.Kdos.XXXXI. Pz.K. und XXXV.A.K. werden für die nächsten 24 Stunden weitere je 2000 Schuß le.F.H. hierfür zugewiesen (s.Anl.VII 1 und 2). Der Feldmarschall sagt für den morgigen Tag eine einmalige ganz besondere Zuteilung von 18 000 Schuß le.F.H. zu (F.M. - OB, 19.05 Uhr). Auf dem linken Flügel der 129.I.D. (XXXXI.Pz.K.) hat der Feind heute mit neuartiger MG-Munition geschossen. Das Geschoß knallt stärker als übliche Munition, entwickelt bei seinem Aufschlag eine Detonation, die etwa ein Viertel so stark wie die Detonation einer Handgranate ist, und eine bläuliche Flamme in der Größe eines Medizinballs hat. Diese Munition ist bisher nur sei Dunkelheit angewandt worden, ihre Splitterwirkung ließ sich nicht feststellen (s.Anl.II, Tagesmeldung). Für das XXXXI.Pz.K. fordert der OB von der Heeresgruppe mindestens noch je eine Abteilung Ie.F.H., s.F.H. und Mörser (OB - Harko, 10.35 Uhr). Die H.Gr. teilt jedoch gegen Abend mit, daß über Zuführung von Artillerie noch keine neue Entscheidung gefallen sei; die Forderung des AOK nach Panzerzügen für die Strecke Bobruisk - Staruschki dagegen solle erwogen und eine Sturmgeschütz-Brigade der 4.Armee werde so bereitgestellt werden, daß sie auch bei der 9.Armee Kampfaufträge übernehmen könne (Ia H.Gr./Ia, 18.00 Uhr). Alle Forderungen der Armee nach infanteristischer Verstärkung werden jedoch von der Heeresgruppe mit dem Satz abgelehnt: "Wir können nicht unsere einzigen zwei Divisionen hinter der 9.Armee aufstellen" (Ia H.Gr. - Chef 9, 9.00 Uhr). Auf die Nachricht aus s.Qu. hin, daß sich der Gegner mit Gasabwehr befasse, hatte das AOK angefragt, ob man deutscherseits nicht daran denken müsse, die für den Fall der Eröffnung des Gaskriegs vor kurzem ausgegebenen Stichworte nunmehr in Kraft zu sehen. Die H.Gr. teilt dazu mit, daß es sich bei den Stichworten nach wie vor um einen allgemeinen Hinweis handele (Ia H.Gr./Ia, 18.30 Uhr). Im Zuge der Reservenbildung im Abschnitt südlich der Beresina ist ein Btl. G.R.232 (LV.A.K.) durch Teile des Armeesturm-Rgts. nunmehr herausgelöst wordon (s.Anl. II, Tagesmeldung). Das G.R.232 soll nach völligem Herauslösen als Armeereserve im Raum Leski - Gat - Kurin -Kowali (an der Trennungslinie 292./129.I.D.) mit dem Auftrag verlegt werden, Einsatzmöglichkeiten im Abschnitt Kopatkewitschi - Korma (292. bis Mitte 35.I.D.) zu erkunden (s.Anl.IV 1). An den Korück ergeht der Befehl, das Sich.Rgt.183 bis zum 23.6. zur Verfügung der Armee hinter der Eisenbahn Bobruisk - Staruschki in die Orte Salaweny, Poretschje und Bol.Demenka zu verlegen. Dies Regiment erhält den Befehl, sich auf die Herauslösung eines Rgt. der 292.I.D., auf die Abriegelung etwaiger feindlicher Einbrüche im Abschnitt Kopatkewitschi - Korma (wie G.R.232) und auf den Schutz der Bahnstrecke zwischen Nowosselki und Tschernyje Brody einzustellen. Das Rgt. hat ferner die Eisenbahnbrücke über den Ptitsch bei Bol.Demenka stark zu sichern (s.Anl.IV 2). — Von der 20.Pz.Div. sind weitere 12 Züge eingetroffen. Der Komm.Gen.des XXXV.A.K., Gen.d.Inf.Wiese, ist abberufen worden, um die 19.Armee in Südfrankreich als OB zu übernehmen (IIa -Chef, 18,45 Uhr). Mit dem Stolz über diese Auszeichnung verbindet die 9.Armee leider die Gewißheit, daß das Ausscheiden dieses an den Erfolgen der 9.Armee maßgebend beteiligten Generals im Hinblick auf die bevorstehende Feindoffensive ein schwerer Verlust für sie ist. |
| 23.6.1944 | KTB 9.Armee. Während bei der 4. Armee die feindliche Offensive in vollem Umfang begonnen hat leitet der Gegner seinen Angriff auf die Front der 9.Armee mit starken Teilangriffen ein. Ein in den Morgenstunden nach heftiger Art.-Vorbereitung von etwa 2 Btln. geführter Feindangriff im Abschnitt der 196.I.D. (XXXV. A.K.) wird in sofortigen Gegenstoß abgewiesen. Das XXXXI.Pz.K.greift der Gegner, unterstützt von starken Art.= und Gr.W.=Feuerzusammenfassungen, mit Teilen von 8 Divisionen 25 mal in Stärke von 2 - 5 Bttn. auf etwa 40 km Breite an; die Angriffsschwerpunkte liegen an den von Kobylschtschina nach Norden und Nordwesten führenden Straßen. Panzer sind nirgends beteiligt, die Infanterieangriffe gehen jedoch erheblich über das Maß der üblichen Erkundungsvorstöße hinaus. Offenbar will der Gegner an schwachen Stellen Einbrüche erzielen, um aus ihnen dann mit seinen Hauptkräften zum Durchbruchsangriff anzutreten. Es kommt zu harten Kämpfen, am Abend befindet sich jedoch die HKL bis auf zwei kleinere Einbruchsstellen, deren Bereinigung noch nicht abgeschlossen ist, wieder fest in eigener Hand (Einzelheiten s.Anl.II und III). Vom AOK werden, da die hinter der 35.I.D. stehenden Reserven eingesetzt werden mußten, im Hinblick auf die zu erwartende Fortsetzung des Angriffs beschleunigt Maßnahmen zur Bildung neuer Reserven getroffen. Das LV.A.K. erhält Befehl, schnellstens ein Rgt. der 292.I.D. aus der Front herauszulösen, wozu ihm das Sich.Rgt.183 zugeführt und unterstellt werden wird. Es ist beabsichtigt, das herausgelöste Rgt. in den Bereich, des XXXXI.Pz.K. zu verschieben (s.Anl.IV 4). Dorthin werden auch weitere Reserven näher herangezogen: Das G.R.232 hinter die 129.I.D. (s.Anl.IV 1), das G.R.747 hinter die 35.I.D. (s.Anl.IV 2). Beide Regimenter werden noch in der Nacht in den neuen Bereitstellungsräumen eintreffen. Ferner ist -in einem Planspiel mit dem Kdr. der 20.Pz.Div. und den Ersten Generalstabsoffizieren des XXXXI.Pz.K. und des XXXV. A.K.- die Einsatzplanung für die 20.Pz.Div. besprochen und für die hauptsächlich, in Frage kommenden Fälle festgelegt worden. Kurz nach Mitternacht beantragt das AOK unter nochmaligem Hinweis auf die außerordentlich starke feindliche Art.=Massierung beim XXXXI.Pz.K. die Zuführung weiterer Kräfte (Chef/Ia H.Gr., l,05 Uhr 24.6.44). Dem Antrag, nach Möglichkeit Werfer zuzuführen, erklärt die Heeresgruppe nicht entsprechen zu können. über den zweiten Antrag, eine auf dem Südflügel der 4.Armee stehende Stu.-Gesch.Brigade zum XXXXI.Pz.K. zu verschieben, ist eine Entscheidung vorläufig noch nicht zu erhalten. Dagegen genehmigt die Heeresgruppe, daß die 2o.Pz.Div. ab 4 Uhr morgens marschbereit gehalten wird. (Befehl an 2O.Pz.Div.: Id/Ia 2o.Pz., 1,15 Uhr). |
| << Mai 1944 Juli 1944 >> | |