34.Infanteriedivision
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Kriegstagebuch März 1944
5.3.1944 Rundbrief, Gren.Rgt.253:
Wenn in diesem Brief der 5.3.1944 als Beginn einer wesentlichen Entscheidung für das Rgt. besonders angegeben wird, so liegt in diesem Tage
schon unendlich viel an schwersten Aufgaben, die zu erfüllen waren. An diesem Tag begann der Russe nach einem äusserst starken Trommelfeuer
auf unsere Stellungen eine grosse Offensive. In hellen Scharen greift der Feind beim I.Btl. an, bricht ein, wird aber im Gegenstoss wieder
gworfen. Beim II.Btl. die gleichee Lage. Trotzdem ist zwischen dem I. und II.Btl. einee Lücke entstanden, die nicht mehr geschlossen werden
kann. Unsere Artillerie schiesst ausgezeichnet Sperrfeuer und bringt mit allen anderen Waffen dem Russen ungeheure Verluste bei. Auch
unsere Verluste sind sehr hoch. Schlimmer ist die Lage beim rechten Nachbarn. Dort ist dem Feind ein Einbruch gelungen, in den hinein er eine
große Anzahl Panzer schleusen kann. Ein Absetzen ist nicht mehr zu vermeideen. Die Munitionierung ist in vollem Gange. Gespanne sind unterwegs
nach vorne. Jetzt, da der Befehl zum Absetzen überraschend kommt, ist es dem Tross nicht möglich, alles zu verladen und wegzufahren. Doch mit
äusserster Anstrengung für jeden Einzelnen, für die Pferde und Fahrzeuge wäre das auch nich gegangen, obwohl der Gegner mit seinen Panzern
ständig herumkreist, wenn nicht der "General Schlamm" dieses Mal eine Katastrophe heraufzubeschwören schien. Den Hauptweg zur Brücke bei Buki
kann man nicht erreichen, da eine kleinere Brücke zerstört ist. Es bleibt nur der furchtbar verschlammte Weg am Uferrand übrig.
Hier marschieren- besser gesagt - möchten die Trossteile einschliesslich der kämpfenden Teile der Artillerie mit ihren Geschützen marschieren.
Aber der Schlamm behält sich seine absolute Macht vor. Diesmal geht es wirklich nicht. Selbst das FLuchen ist kein Landsergebet mehr, das sonst
zog. Immer enger wird die Gasse die noch frei ist und durch die man eventuell ein Fahrzeug schleusen könnte. Rechts und links türmen sich die
Panjewagen auf, die, um vielleicht anderen Gespannen die Möglichkeit zu geben, die Brücke zu erreichen, entleert werdeen mussten. Wertvolles
Gerät muss in den Fluss geworfen werden.
Doch die Männer des Trosses schaffen unentwegt, um zu retten, um vor allem die Geschütze der Artillerie zu retten, die noch hinter den Trossen
unseres Regiments stehen und nicht überholen können. Wie ein gewaltiges Donnern und Blitzen schiesst in dieser spannenden Nacht auf der anderen
Seite des Flusses 21cm Artillerie ihne Unterbrechung ihre Munition auf, um sich nachheer vielleicht selbst sprengen zu müssen. Der dauernde
Mündungsknall lässt uns ganz vergessen, dass die Panzer auf uns zu rollen.
Der Schlamm ist unerbittlich. Solche Schwierigkeiten machte er noch nie. Das hat der Feind erkannt und ihn zum wertvollsteen Bundegesnossen
seiner grossen Winterendoffenssive geemacht. Der Feind ist nahe, und der Tross arbeitet fieberhaft. Wie es weh tut, wenn man seine liebgewordenen
"Klamotten" wegschmeissen muss.
6.3.1944 Rundbrief, Gren.Rgt.253:
Als dann die ersten Morgenlichter in diese fieberhafte Arbeit hineinleuchten, hat sich der Feind im Schutzee der Dunkelheit bis auf wenige Meter
herangeschlichen und schiesst mit seinen M.G.s von überall her in den Tross und auf die Brückenstelle, die er im Handstreich zu nehmen gedachte.
Schmerzliche Bilder entstanden, unsere Männer mussten den größten Teil dessen, um was sie sich äusserst mühevoll gplagt hatten, stehen lassen.
Diesen Feind mit seinen schweren Waffen, mit seinen Panzern, die er zum Teil schon auf der anderen Seite des Flusses hatte, diese Übermacht
konnten unsere Grenadiere nicht mehr aufhalten.
Vieles wertvolles Gut muss gesprengt oder angesteckt werden. Hier begann ein tragisches Geschick  für unser Regimnt, das noch nicht seinen Abschluss
haben sollte, sondern sich noch steigerte.
Die Brücken wurden gesprengt, doch so mangelhaft, dass der Feind ohne grössere Schwieigkeiten mit allem Nachziehen konnte. Die rechte Flankee zur
Nachbardivision ist offen. Der Gegner kann ununterbrochen mit Panzern und Infanterie an uns vorbeirollen. Es müssem wohl noch bittere Tage kommen.
Die Absetzung vom Feind ist nicht zu stoppen. Durch den Ausfall so vieler Fahrzeuge ist die Munitionierung sehr in Frage gestellt. Des Feinde
Panzer nützen die Situation aus und richten viel Unheil an. Wenn es bei wenigen Geschützen und Farhzeugen trotzdem noch möglich gewesen ist, sie
durch diesen Schlamm hindurchbekommen zu haben, so werden sie doch bald ein Opfer der ungeheuren Übermacht. Ja, sie werden ihre Aufgabe erfüllt
haben und müssen nun, bar jeder Munition, gesprengt werden. Welche Überwindung das kostet weiss jeder, der seine Waffe liebt.
Die Kampfkraft des Rgts. wird weitaus geringer, die Reserven sind bald erschöpft. Es geht umd das Ganze. Und die kommenden Tage werden wohl keinerlei
Veränderung zu unseren Gunsten bringen. Die Reste des II.Btl. werden dem I.Btl. unterstellt. Der Russe überrennt mit über 30 Panzern die Linien. Pak
kann nicht mehr schiessen und muss gesprengt werden. Überall das gleiche Bild. Zum Glück stösst die Artillerie beim Zurückgehen auf ein Munitionslager
und geht wieder in Stellung. Kaum hat sie mit dem Schiessen begonnen, sind auch die Panzer wieder da. Es muss unter allen Umständen ein Waldstück
gehalten werden, damit wenigstens die noch übriggebliebenen Trossteile und die Artillerie fort könne. Immer wieder von Panzern verfolgt, setzt sich das
Rgt. nach Menkow ab. Alle Strassen sind von Trossteilen verschiedener Divisionen verstopft. Mit einem Male erscheinen wieder die feindlichen Panzer
vor dem Dorf und richten eine furchtbare Panik an. Der überknietiefe Schlamm will uns das Genick brechen. Kraftfahrzeuge und Bespannfahrzeuge rasen
wie wild durcheinander und flüchten. Überall Sprengung von Fahrzeugen, Panzern die sich festgefahreen haben, LKWs, eine endlose Kette von motorisierten
und beespannten Fahrzeugen muss in Flammen aufgehen. Es ist ein Bild von grösster Traurigkeit. Was aber will man machen, wenn nicht der Feind dieses
wertvolle Gut unbeschädigt haben soll. Wer Glück hat, heute mit seinem Fahrzeug noch gerettet zu werden, wird vielleicht morgen trotz all seiner Bemühungeen
das gleiche Schicksal erleiden.
Lt.Spitz, Stabskp., gefallen;
7.3.1944 Rundbrief, Gren.Rgt.253:
O.A.Dr.Beisiegel, I.Btl., gefallen;
11.3.1944 Rundbrief, Auszug aus KTB Gren.Rgt.253:
Am 11.3., 10.00 Uhr erhält die Kampfgruppe Schäfer Befehl, in Richtung Sseridinka vorzugehen. Da aber Taschlyk-Nieschy und auch Ssokirany westluch davon
bereits feindbesetzt sind, biegt di Kampfgruppe nach Südwesten, nach Polog, ab, wo sie noch vor dem Russen die Brücke erreichte. Überall ziehen russische
Kolonnen in Richtung Bug. Im Wäldchen südlich Polog wird die Kampfgruppe dem vom Korps entstandten Obstlt.Bregenzer unterstellt. Es gibt sofort Befehl, den
inzwischen wieder feindbesetzten Ort Polog zu nehmen und zu halten. Der Angriff gewinnt gut Boden. Durch Aufklärung wird festgestellt, dass der Russe bereits
auf der Rollbahn Ternowka-Dsulinka mit starkn Marchkolonnen und Panzerkräften in Richtung Dsulinka marschiert. Um der Umklammerung zu entgehen wird der Angriff
abgebrochen und diee Kampfgruppe bei Dunkelwerden nach Tschernjatka zurückgenommen, wo sie nach Norden und nach Nordosten sichert. Ein Offizier erhält den
Auftrag, mit Spähtrupps festzustellen, ob der Russe bereits die Bugbrücke Dsulinka erreicht hat. Nach ungefähr 1 ½ Stunden kehrt der Offizier zurück und meldet,
dass Dsulinka schwach feindbesetzt sei und zwei feindliche Panzer gesehen wurden.
12.3.1944 Rundbrief, Auszug aus KTB Gren.Rgt.253:
Um 2 Uhr tritt die Kampfgruppe an um den Bugübergang gewaltsam zu erzwingen – voran drei Panzer, dahinter etwa 200 Mann. Es herrscht ein furchtbares
Schneetreiben. Bereits 1,5km nordostwärts Dsulinka stoßen wir auf eine russ.Salvengeschützstellung. Offenbar hält der Feind uns für eigene Truppen und verhält
sich ruhig. Major Schäfer gibt den Befehl, die Stellung zu überrennen.
Mit „Hurrah“ stürzt sich die Kampfgruppe in die Orgelstellung. Durch Volltreffer wird
ein Geschütz vernichtet, die restlichen werden von unseren Panzern überrollt. Ein feindlicher Lkw aus Dsulinka wird von der Infanterie vernichtet.
Bei dem Angriff fällt Stabsarzt Dr.Korthaus.
Die Kampfgruppe marschiert weiter auf Dsulinka zu. Der Kampf selbst gestaltet sich schwierig; aber der
Angriffsschwung der Kampfgruppe ist einmalig. Jeder weiß, es geht um Sein oder Nichtsein. Am Nordosteingang des Dorfes stehen 2 T 34, die von unserem Panther
sofort zusammengeschossen wurden. Mit „Hurrah“ wird das Dorf gestürmt. Überall türmen die Russen, doch bald lebhaft feuernd. Alle Häuser sind von den Russen
besetzt. Unsere Panzer schießen auf T 34. Das russische Feuer wird immer stärker, die feindliche Infanterie ist schwach geworden. Aber auch bei uns sind große
Lücken entstanden. Aus einem Haus stürzt ein deutscher Oberarzt mit erhobenen Händen; er war gefangen und sollte gerade erschossen werden.
Der Feind wird immer aktiver, unsere Verluste steigen. Oberleutnant Kühn, unser Adjutant, erhält einen Brustschuss, läuft aber weiter. Nach nochmals 200 Metern
erhält er einen Kopfschuss und ist sofort tot. Granatwerfer und M.G.-Feuer liegt mitten in unserem dichten Haufen. Überall brechen unsere Männer zusammen, von
allen Seiten brausen feindliche Panzer heran. Es sind schwere Verluste in unseren Reihen.
Vor der Brückenstelle wird der feindliche Druck wieder stärker. Der Panther fährt an den Bug heran und schießt hinüber. Es stellt ich glücklicherweise bald
heraus, dass drüben eigene Truppen sind. Der Panther, das Sturmgeschütz und die Hummel bauen sich vor der Brückenstelle auf. Sie bekommen schweres feindliches
Feuer durch Panzer. Die Hummel erhält einen Volltreffer, sämtliche Insassen sind tot. Für die Verwundeten werden Bretter über di Brückenreste gelegt. Bald ist
alles drüben. Der total erschöpfte Rest der Kampfgruppe marschiert weiter nach Ustje, wo er im Ostteil zur Sicherung der Bachmulde nördlich und südlich des
Baches angesetzt wird. Um 22.30 Uhr wird Alarmbereitschaft befohlen. Der Feind war in der Dunkelheit mit Booten zwischen Bereski und dem Wäldchen südlich davon
über den Bug gesetzt. Bei dem Angriff auf Dsulinka schoss der Panther 16, das Sturmgeschütz 5 Panzer ab.
Besonders hoch waren die Ausfälle an Offizieren. Es fielen: Oblt.Kühn, Oblt.Joedecke, Oblt.Kaune, Stabsarzt Dr.Korthaus, Lt.Burget; vermisst wurde Lt.Hannig,
verwundet Lt.Fischer und Lt.Dengel.
 
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