| Kriegstagebuch Februar 1944 | |
| 11.2.1944 | KTB 9.Armee. Der Feind hat seine Angriffe südlich der Beresina eingestellt. An der gesamten Front der beiden Südkorps kommt es, abgesehen von einem im sofortigen Gegenstoß bereinigten nächtlichen Einbruch bei Ssossnowka, nur noch hier und da zu kleineren örtlichen Gefechten. Feindliche Ansammlungen im alten Schwerpunktabschnitt werden teils von eigener Artillerie unter Feuer genommen, teils von Stukas wirkungsvoll mit Bomben belegt. Die Frage, ob damit die Abwehrschlacht südlich der Beresina bereits ihr Ende gefunden hat, läßt sich allerdings wohl kaum bejahen. Ihre erste Phase ist zu Ende, angesichts der in diesem Raum immer noch vorhandenen feindlichen Kräftemassierung muß jedoch damit gerechnet werden, daß der Gegner nach Umgruppierung, Auffrischung und Munitionierung seiner Verbände erneut zum Durchbruchsversuch ansetzen wird. Immerhin dürfte eine Kampfpause eintreten. Mit Stolz kann die Armee auf den Erfolg der 26=tägigen Abwehrschlacht zurückblicken. Den 6 Divisionen des LVI. und XXXXI.Pz.K., verstärkt durch 6 Bataillone des LV. und XXXV.A.K. sowie durch Sicherungs- und Alarmeinheiten, standen auf sowjetischer Seite 29 S.D., 1 S.Brig., 1 Pz.K., 2 selbst.Pz.Rgter., 1 Art.Div. und Teile von 2 Flak-Divn. gegenüber; sie vermochten jedoch im Endergebnis nicht mehr als einen durchschnittlich, etwa 10 km tiefen Geländestreifen zu gewinnen - der erstrebte Durchbruch blieb ihnen versagt. Die Kämpfe fanden unter schwersten Bedingungen statt. Bei Witterungs- und Geländeverhältnissen, die es den Grenadieren infolge des Wasserstandes in weiten Abschnitten kaum möglich machten, sich hinzulegen geschweige denn sich einzugraben, die bei Temperaturen um 0 Grad den Kämpfer oft knietief im Sümpf einsinken ließen, haben die Divisionen des LVI. und XXXXI.Pz.K, in erbitterter. Ringen unter heldenhaftem Einsatz jedes einzelnen Soldaten und gehalten von einen unbeugsamen willen aller Führer dem Feind in Abwehr und Gegenangriff hohe Verluste zugefügt und ihn endlich zur Einstellung seiner Angriffe gezwungen. Im südlichen Abschnitt trugen die 4.Pz.Div, und die 35.I.D., im nördlichen Abschnitt die 134. und 36.I.D. die Hauptlast des Kampfes. Gegenüber 7100 eigenen blutigen Verlusten und starken Ausfällen durch Erkältungskrankheiten büßte der Feind nach vorsichtiger Schätzung insgesamt über 50 000 Mann ein, davon etwa 16 000 geschätzte Tote (5635 gezählte Tote), außerdem 630 Gefangene und Überläufer. An Material verlor er 111 Panzer, 74 Geschütze, 652 MG, 545 MPi, 124 Pz.B. und 37 Gr.W. Die Feststellung der Feindverluste ist, infolge der Unübersichtlichkeit des Geländes, allerdings, nur als Teilmeldung zu werten, ebenso stellen die Materialverluste nur einen Bruchteil des wirklichen Erfolgs dar, da von der Zählung nur die in eigene Hand gefallenen Waffen erfaßt wurden. Die wirklichen Verluste müssen als wesentlich höher angenommen werden. An der Front des XXXV. und LV.A.K. kommt es heute nur zu örtlichen Kampfhandlungen (s.Anl. II und III). |
| 4.3.1944 | KTB 9.Armee. Von der gesamtem Armeefront werden keine Kampfhandlungen gemeldet. Auch im gestrigen Angriffsraum beim XXXV.A.K. herrscht Ruhe; das Gen.Kdo. rechnet auch damit, daß diese Ruhe noch einige Tage andauern wird, bevor neue Angriffe einsetzen (Chef XXXV/Chef, 11.00 Uhr). Eigene Artillerie bekämpft Ansammlungen und Bewegungen im feindlichen Hintergelände. Die Luftwaffe fliegt mehrere erfolgreiche Stuka=Einsätze im Abschnitt des XXXV. und LV.A.K. (Einzelheiten des Tagesverlaufs s. Anl. II und III), und zahlreiche Aufklärer sind mit dem besonderen Auftrag unterwegs, zu versuchen, Näheres über die Auflockerung des feindlichen Schwerpunktes beim XXXXI.Pz.K. zugunsten der Angriffsgruppe nördlich der Beresina festzustellen (OB/Chef, 11.10 Uhr). Das heute ausnahmsweise wolkenlose Wetter begünstigt die Durchführung der Aufklärung sehr; man wird deshalb morgen, wenn die Luftbilder fertiggestellt sind, mit klaren Auswertungsergebnissen rechnen dürfen. Das AOK benutzt die eingetretene Kampfpause zur weiteren Ordnung der Verbände. Um die 129.I.D. wieder zu vereinigen, wird dem XXXXI.Pz.K. befohlen, das G.R.428 nunmehr herauszulösen und dem LVI.Pz.K. zu zuführen. Als Ausgleich wird das LVI.Pz.K. die drei südlichen Btl.-Abschnitte des ХXXXI.Pz.E. übernehmen, wobei ihm als Ersatz für die dort bisher eingesetzte Art.- der 134.I.D. eine RSO-Abteilung unterstellt wird (s. Anl. IV 1). |
| 5.3.1944 | KTB 9.Armee. Die Luftbildaufklärung des gestrigen Tages hat ergeben, daß tatsächlich eine erhebliche Auflockerung des feindlichen Schwerpunkts im Raum Kobylschtschina - Dubrowa (XXXXI.Pz.K.) zugunsten der Angriffskräfte vor dem XXXV.A.K. eingetreten ist. während dort 70 Batteriestellungen als geräumt festgestellt werden, zeigen die Aufnahmen vor der Front des XXXV.A.K. zahlreiche neue Feuerstellungen vorwärts der Naht 45./383.I.D. Daraufhin wird dem XXXXI.Pz.K. befohlen, die 4.Pz.Div. bis zum 9.3. zur Verfügung der Armee herauszulösen, und zwar soll das erste Pz.Gren.Rgt. bereits zum 7.3. aus der Front genommen, im Raum Paritschi untergebracht und so bereitgehalten werden, daß seine kurzfristige Verschiebung im mot=Marsch jederzeit erfolgen kann. Schon jetzt ist für den Fall eines Einsatzes dieses Regiments beim XXХѴ.А.К. die Entsendung von Einweisungskommandos zur 45.I.D. befohlen. Die Artillerie der Division wird zunächst noch eingesetzt bleiben; um jedoch auch hier eine etwa notwendige Herauslösung rasch vornehmen zu können, erhält das XXXXI.Pz.K. Anweisung, durch eine entsprechende Gesamtgruppierung seiner Artillerie bereits jetzt dafür zu sorgen, daß diese Herauslösung jederzeit und ohne umfangreiche Verschiebung der verbleibenden Artillerie erfolgen kann (s.Anl. IV 1). Von der Heeresgruppe ist gestern der Befehl zur Abgabe der noch beim LV.A.K. befindlichen Teile der 31.I.D. zur 4.Armee eingegangen (s. Anl. V 1 v. 4.3.44). Dieser Befehl trifft, obwohl er an sich vorauszusehen war, das LV.A.K. insofern sehr hart, als dadurch die für die vom Gen.Kdo. geplante Bereinigung des Brückenkopfes bei und südlich Bolschaja Konopliza zur Verfügung stehenden Kräfte nunmehr zu gering werden, um das Unternehmen noch mit Aussicht auf Erfolg durchführen zu können. Das AOK richtet deshalb die Bitte an die Heeresgruppe, als Ausgleich für diese Abgabe einer der Stärke der abzugebenden Teile entsprechenden Abschnitt am Nordflügel des LV.A.K. von der 4.Armee übernehmen zu lassen, Gleichzeitig wird um Rückführung der noch bei der "Nahtgruppe Chomitschi" befindlichen, zu Verbänden der 9.Armee gehörigen Teileinheiten gebeten (s. Anl. V 1). An der Front ist es heute wieder zu keinen nennenswerten Kampfhandlungen gekommen. |
| 6.3.1944 | KTB 9.Armee. Den Auftakt des Tages bildet ein am frühen Morgen nach halbstündiger Art.=Vorbereitung gegen die Front der 253.I.D. (XXXXI.Pz.K.) vorgetragener Feindangriff, der in seinem Schwerpunkt (zwischen der Straße Tschirkowitschi, Paritschi und der Beresina) auch zu einem Einbruch in den vordersten Graben führt. Den unter dem Eindruck dieses Angriffs gestellten Antrag des XXXXI.Pz.K. auf vorläufige Verschiebung des Termins zur Herauslösung des ersten Pz.Gren.Rgt. der 4.Pz.Div. (Chef ХXXXI/Iа, 9.20 Uhr), lehnt das AOK allerdings ab, in der Überzeugung, daß es sich hier um nichts anderes als um einen Fesselungsangriff handele und daß man deshalb durch eine längere Belassung des Rgt. in der Front lediglich den Feindabsichten dienen würde (Chef/Chef XXXXI, 9^35 Uhr). Kurz darauf meldet das Gen.Kdo. auch schon die erfolgte Bereinigung der Einbruchsstelle /Іа XXXXI/Iа, 11.55 Uhr). In den Mittagstunden wird ein weiterer, btl.-starker Vorstoß des Gegners gemeldet, diesmal vom linken Flügel der 45.I.D. Hier dürfte es sich aber nicht um einen Ablenkungs-, sondern um einen Erkundungsvorstoß handeln, denn auch sonst weisen in diesem Abschnitt zahlreiche Anzeichen darauf hin, daß nunmehr binnen kurzem mit dem Beginn des erwarteten Großangriffs aus dem neugebildeten Feindschwerpunkt zu rechnen ist (s. Anl. III). Der Oberbefehlshaber hat sich deshalb entschlossen, das Pz.Gren.Rgt.33 nicht, wie ursprünglich vorgesehen, in den Raum Paritschi zu stellen, sondern bereits jetzt dicht hinter die Naht 45./383.I.D. heranzuziehen. Das Gen.Kdo. XXXV.А.К., dem das Rgt. unterstellt wird, erhält Anweisung, für den Fall eines Feindeinbruchs sowohl den Ansatz einzelner Btlne. zum Gegenstoß als auch einen Gegenangriff des geschlossenen Regiments vorzubereiten (s. Anl. IV 1). Da der feindliche Angriff etwa an der Divisionsnaht erwartet wird, hat der Oberbefehlshaber noch einmal auf die Sicherstellung einer einheitlichen Befehlsführung vor allem auch bei der Artillerie verwiesen (OB/KG XXXV, 17.45 Uhr) und auf den Hinweis des Komm. Generals, daß ihm eine gewisse Knappheit an MG= Munition Sorge mache (diese Munition wird leider schon seit längerer Zeit allgemein unzureichend nachgeschoben), die sofortige Zuführung von 300 00(Schuß sS an das XXXV.A.K. befohlen (OB/KG XXXV, 17.55 Uhr). Die gestern vom AOK bei der Heeresgruppe beantragte Südverlegung der linken Ameegrenze ist - im Hinblick auf den Wiederbeginn schwerer Feindangriffe an der Rollbahn Orscha, Smolensk -vorläufig abgelehnt worden, mit dem Bemerken, daß die Frage der Gewinnung von Kräften zur Bereinigung des Brückenkopfes Bol. Konopliza aus den Verbänden der 9. und 4. Armee einer späteren Entscheidung Vorbehalten bleiben müsse. Die Rückführung der noch bei der "Nahtgruppe Chomitschi" befindlichen, zur 9.Armee gehörigen Restteile dagegen ist zugestanden worden (s. Anl. V 1). Daraufhin ordnet das AOK an, daß die Pz.Jäg.Abt. 49 (4.Pz.Div.), die zu diesen Teilen gehört, vom LV.A.K. unverzügli ch zum XXXV.A.K. weitergeleitet werdet, soll, um dort zur Verstärkung der Pz.Abwehr eingesetzt zu werden (s. Anl. IV 2). Von der Heeresgruppe ist die hocherfreuliche Mitteilung eingegangen, daß der 9.Armee im April drei personell volle Regimenter zugeführt werden. Es handelt sich um die Regimenter der zur Div. 23.Welle umgegliederten 390.Feldausb.-Div., die zur Auffüllung abgekämpfter Inf.Divn. aufgeteilt wird (s. Anl. V 4). Die 134., 45. und 129.I.D. sollen je eins dieser Regimenter erhalten. |
| 7.3.1944 | KTB 9.Armee. In den frühen Morgenstunden setzt der Angriff beim XXXV.A.K. mit voller Wucht ein. Er trifft, wie erwartet, auf die inneren Flügel der 45. und 383.I.D. zwischen Mormal und der Ola. Angesichts der überlegenen infanteristischen Kräfte, die der Gegner in den Kampf wirft, ist die verhältnismäßig sehr geringe artilleristische Unterstützung auffallend; nach den Ergebnissen der Artillerieaufklärung sind sogar weniger Batterien in den Feuerkampf getreten, als allein zu der Div.-Art. der beteiligten sechs Schtz.Divn. gehören würden (H.Arko in der Chefbesprechung, 18.00 Uhr). Der Feind trifft auf eine wohlvorbereitete Abwehr, an der die Mehrrzahl der in Gruppen von jeweils mehreren hundert Mann vorgetragenen Angriffe scheitert; nur nordwestlich Mormal gelingt ihm ein Einbruch in die HKL und im weiteren Vorstoß die Inbesitznahme des Straßenkreuzes westl. Alexandroff (s. Anl.I). Der um 10 Uhr planmäßig begonnene Gegenangriff eines Btl. der Div.Reserve (383.I.D.) wirft den Gegner wieder über die alte HKL zurück, und nur ganz schwache Feindteile können sich in nochmaligem Vorstoß auf einer im Sumpf nordwestl. Mormal liegenden Höhe erneut festsetzen und halten. Im ganzen gesehen kann das Ergebnis des Kampfes als voller Abwehrerfolg angesprochen werden. Ziel des Feindangriffs war, wie die Aussage eines gefangenen Sowjet-Offiziers ergibt, der Durchstoß auf Shlobin. Der geringe Artillerie-Einsatz läßt sich vielleicht damit erklären, daß der Gegner in Ansehung des sich von Tag zu Tag mehr verschlechternden Wetters den Angriff doch noch verfrüht und unter vorläufigem Verzicht auf das vollständige Nachziehen seiner Artillerie begonnen hat. Mit ihrer weiteren Verstärkung kann deshalb gerechnet werden. Erneut erkannte Bereitstellungen auf der Feindseite - durch Jabos und eigene Artillerie wirksam bekämpft -, ferner in Gefangenenaussagen genannte Panzeransammlungen im Wald südwestl. Mormal machen ebenfalls eine Fortsetzung der Angriffe schon für morgen wahrscheinlich, trotz der empfindlich hohen Verluste, die der Feind heute erlitten hat (s. dazu Ic=Meldungen). Hart südlich der Beresina ist es heute erneut zu Kampfhandlungen gekommen. Im Morgengrauen erzielt der nahe der gestrigen Einbruchsstelle im Abschnitt der 253.I.D. mit 150 Mann angreifende Feind wiederum einen Einbruch, dessen Bereinigung erst nach erbittertem Kampf gelingt. Ein am Nachmittag nochmals vorgetragener Angriff gleicher Stärke bleibt allerdings schon vor der HKL im zusammengefaßten Feuer der schweren Waffen liegen. Obwohl diese Angriffe beim XXXXI.Pz.K. nach wie vor nur als Fesselungsvorstöße zu beurteilen sein dürften, ist die Bewertung der südlich der Beresina stehenden Feindkräfte eine im ganzen noch keineswegs geklärte Frage (Chef in der Chefbesprechung, 18.00 Uhr). Die nach s.Qu. anzunehmende weitere Nordverlegung der Grenze zwischen der 65. und 48. Sowjet. Armee etwa in die Gegend von Poganzy stimmt zwar zu der durch das Hinüberwechseln zahlreicher Verbände auf das linke Beresina=Ufer erfolgten nicht unbeträchtliclen Auflockerung des alten Schwerpunktes und der durch den heutigen Angriff klar bewiesenen neuen Schwerpunktbildung zwischen Beresina und Dnjepr, läßt aber die Möglichkeit, daß der Feind seine Durchbruchsabsichten südlich der Beresina nicht aufgegeben hat, durchaus noch offen. Daß diese Durchbruchsabsichten zum mindestens im Zuge der Süduferstraße weiterbestehen dürften, kann man vielleicht daraus entnehmen, daß trotz der Grenzänderung der Befehlsbereich, m.a.W. der Angriffsstreifen der jetzt erheblich verstärkten 48. Armee immer noch auf das Südufer des Flusses übergreift, andererseits dürfte dаher der taktische Zusammenhang eines Durchbruchsversuchs südlich und nördlich der Beresina mit Beginn der wärmeren Witterung geländemässig zerrissen werden, und zwar weniger durch das Aufbrechen der Beresina als durch die Unpassierbarkeit des Sumpfwaldes vor der 45.I.D. Da es jedoch bekannt ist, daß die sowjetische Führung ihre taktischen Grenzen oftmals ohne viel Rücksicht auf operative Absichten zieht, bleibt die Möglichkeit eines Fortbestehens der Durchbruchsabsicht auch im alten Schwerpunkt Kobylschtschina, d.h. also am rechten Flügel der 65.Armee, durchaus bestehen, ganz abgesehen davon, daß mit örtlichen Kräftezusammenziehungen südlich der Beresina ganz allgemein auch weiterhin jederzeit gerechnet werden muß. Auf Grund diese Feindbeurteilung - der Erwartung einer verstärkten Fortsetzung der Angriffe beim XXXV.A.K. und der Ungewißheit über das Feindbild südlich der Beresina entschließt sich der Oberbefehlshaber unter Beschleunigung der Herauslösung der 4.Pz.Div., deres Stab und Versorgungstruppen in den vorbereiteten Auffrischungsraum Bobruisk verlegt werden sollen, einerseits nun auch das Art.Rgt. der Division an der Front nördlich der Berezina einzusetzen, andererseits das zweite Pz.Gren.Rgt. (ohne II./12), verstärkt durch 1 Kp.Pz.Jäg., zur Verfügung der Armee nach Paritschi zu stellen und dem XXXXI.Pz.K. die Herauslösung zweier weiterer Gren.Btlne. als Armeereserve unter Sicherstellung kurzfristiger mot.-Abmarschbereitschaft zu befehlen (s.Anl. IV 1). Mit diesen Maßnahmen hofft das AOK sowohl der Lage beim XXXV.A.K. als auch beim XXXXI.Pz.K. gerecht zu werden und für alle Möglichkeiten ihrer Weiterentwicklung nach Kräften gerüstet zu sein. |
| 8.3.1944 | KTB 9.Armee. Wider erwarten hat der Gegner einen Angriff auf das XXXV.A.K. heute nicht forgesetzt. Er unternimmt lediglich einige kp.-starke, erfolgloe Vorstöße nordwestl. Mormal. Die Feindteile, die sich gestern dort erneut diesseits der alten HKL festgesetzt hatten, werden zurückgeworfen. Artillerie der 383.I.D. zerschlägt eine feindliche Bereitstellung westl. Mormal, im übrigen sind außer beiderseitigem Störungsfeuer und normaler Spähtrupptätigkeit hier wie an der gesamten Armeefront keine besonderen Kampfhandlungen, zu verzeichnen. Im Hinblick darauf, daß bei der erfolgreichen Abwehr des jetzigen Angriffs leider auch die eigenen Verluste, insbesondere bei der 383.I.D., nicht gering waren, hat das Gen.Kdo. XXXV.A.K. die Bitte um eine Verstärkung dieser Division ausgesprochen (Chef XXXV/Chef, 16.40 Uhr). Der Oberbefehlshaber ordnet daraufhin an, daß das auf Grund des gestrigen Befehls heute nacht beim XXXXI.Pz.K. herausgelöste erste Reservebatl. (I./446; 134.I.D.) dem XXXV.A.K. als Armeereserve zugeführt werden und dort I./18 ablösen soll, das seinerseits in die Front eingeschoben werden wird (Ia/Chef XXXV, 20.00 Uhr; s.a.Anl. IV 1). Zum Antrag des AOK auf Genehmigung der geplanten Frontzurücknahme bei der 35. und 110.I.D. (LVI.Pz.K.) auf eine für die Schlammperiode geeignete rückwärtige Stellung ist inzwischen das grundsätzliche Einverständnis des OKH ergangen. Der Oberbefehlshaber hat dazu heute - in Begleitung des Chefs der Heeresgruppe -beim Gen.Kdo. LVI.Pz K. noch einmal die genaue Linienführung der neuen Stellung besprochen und festgelegt. Der Befehl des AOK für das Absetzen, (s.Anl. IV 2) ordnet an, daß unter Einebnung bzw. Zerstörung des Nordteils der zwischen der alten und neuen HKL liegenden Art.Schutzstellung deren Südteil bei Durchführung der Ausweichbewegung bis auf weiteren Befehl als vorgeschobene Stellung gehalten und ferner durch Belassung starker Nachtruppen insbesondere an den durch das Sumpfgelände führenden Landbrücken angestrebt werden soll, das Aufschließen des Feindes so lange und so verlustbringend wie möglich zu verzögern. Der Zeitpunkt der Frontzurücknahme ist noch nicht festgelegt; er wird sich wohl auch über die vom Gen.Kdo. LѴІ.Рz.К. vorgeschlagene Frist hinaus verzögern, da das AOK eine besondere Maßnahme mit der Absetzbewegung zu verbinden gedenkt, deren Vorbereitung sich bis dahin voraussichtlich nicht wird beenden lassen: es ist geplant, aus der frontnahen Zone der Armee alle nicht arbeitsfähigen Einheimischen in den aufzugebenden Raum zu bringen und bei der Frontzurücknahme dort zurückzulassen, insbesondere die zahlreichen Fleckfieberkranken, die bisher in besonderen Dörfern - untergebracht worden sind, um eine gesundheitliche Gefährdung der Truppe nach Möglichkeit auszuschalten. Der Entschluß, sich von dieser, auch ernährungsmäßig erheblichen Bürde nunmehr auf diese Weise zu befreien, ist vom AOK nach genauer Erwägung und Prüfung aller sich daraus ergebenden Folgerungen gefaßt worden. |
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