| Kriegstagebuch Juni 1940 | |
| 5.6.1940 | Kurze Geschichte der
72.Inf.Div. im Frankreichfeldzug: -1 Seite fehlt- 9.Zuavenregiment eingesetzt. Zahlreiche Baumschützen, gut eingebaute M.G.s. Es griffen an: Rechts I.R.266, Mitte I.R.124, links I.R.105. Die Überwindung des Oise-Aisne-Kanals gleingt an vielen Stellen sehr rasch. Die Erfolge werden ausgenutzt und durch Schwerpunktbildung wird nachgestossen, starke feindliche Widerstandsnester werden ausgespart. Es erreichen mit den vordersten Teilen: I.R.266 Ferme Neuve I.R.124 Nordrand St.Paul I.R.105 Höhenzug ostw.Selens. Abwehr kleiner feimdl.Panzerangriffe. Abwehr der durchgestossenen Teile nach zwei und mehr Richtungen (durch die ausgepsarten feindlichen Widerstandsnester bedingt). Gefährdung des Nachschubs (I.R.124 wird durch Flugzeuge mit Munition versorgt) schwieriger Brückenbau infolge gut gezieltem feindl.Inf.Feuers, Paniken in verschiedenen Verbänden. Etwa 300 Gefangene. Befehl des franz.XVII.A.K. wird erbeutet. Aus diesem war die Gliederung der Verteidigung am Oise-Aisne-Kanal zu ersehen. In diesem Befehl stand auch: Die Linie St.Paul - Trosly - Loire ist bis zum letzten Mann zu halten. Die Weygand-Linie ist im Div.Abschnitt an mehreren Stellen durchstossen. |
| 6.6.1940 | Kurze Geschichte der
72.Inf.Div. im Frankreichfeldzug: 2.Angriffstag. Weiterhin sehr starke feindl.Abwehr von kleineren Feindgruppen (Kompaniestärke) insbesondere bei St.Paul und nördl.im Wald von Guny. Hier gelingt der Übergang trotzdem die Brücke seit Stunden fertig ist, erst am Abend. Es erreichen im fortschreitenden Angriff bis in der Nacht: I.R.266 Höhe südostw.Blerancourt, I.R.124 Höhe südl.Aubin. I.R.105 Quilly - Vezaponin. Geringer Widerstand vor der Front, aber sehr heftige Strassenkämpfe in Guny, St.Paul und Trosly-Loire. Baumschützen udn zahlreiche kleine Feindgruppen in den Wäldern unterbinden fast jeglichen Nachschub. Infolge der unerwartet hohen Verluste, insbesondere beim I.R.105 und I.R.124 und der grossen physischen und seelischen Beanspruchung der ersten beiden Kampftage ist die Stimmung in der Truppe vorübergehend gedrückt. Die Regimenter griffen dennoch rücksichtslos an, seit dem 5.6. früh waren sie fast ohne Verpflegung, ohne PFerde, ohne Fahrzeuge und die Munition ging zur Neige. Bei St.Paul gefangener franz.Btl.Kdr. ist voll des Lobes über den Angriffsgeist der deutschen Infanterie und sagt weiter aus, dass das deutsche Art.-Feuer sehr gut gelegen und die erste Viertelstunde sämtliche Verbindungen zerschlagen hätte. |
| 7.6.1940 | Kurze Geschichte der
72.Inf.Div. im Frankreichfeldzug: 3.Angriffstag. Vor der Division nur noch schwache Feindkräfte nördl. der Aisne. Die Div. tgritt zur Verfolgung an. I.R.105 und I.R.124 erhalten im Laufe des Tages erstmalig Verpflegung und Munition. Ab 11 Uhr treffen die virdersten Teile der Divison an der Aisne ein. Die beabsichtigte Bildung von Brückenköpfen kann wegen Fehlens von Übersetzgerät nicht durchgeführt werden. Artillerie ist in der Nacht zum 7.6. mit der Masse im Übergang über den Oise-Aisne-Kanal und im Vormarsch nach Süden. Tagsüber geringes, am Abend stärkeres Artilleriefeuer, besonders in der rechten Flanke. Erkundung und Vorbereitung der Bereitstellung zum Angriff über die Aisne. Angriffsplan: I.R.266 und I.R.124 auf sehr schamlem Raume im rechten Divisionsabschnitt, werden durch die Masse der Artillerie unterstützt. I.R.105 mit sehr schwacher Artillerie, soll Nebenangriff durchführen. |
| 10.6.1940 | Kurze Geschichte der
72.Inf.Div. im Frankreichfeldzug: 6.Angriffstag. Überall zeigte der Feind Auflösungserscheinungen. Die Vorausabteilung Müller und Teile der neu unterstellten SS-Leibstandarte Adolf Hitler nahmen die Oureg-Brücken in La-Ferte-Milon, noch vor der Sprengung durch den Gegner, in Besitz. Durch diesen Erfolg erreichten die vordersten Regimenter (rechts I.R.124, das hinter dem linken Div.Abschnitt vorgeführt wurde, und Leibstandarte kampflos die Linie Brunetz - Veuilly- In dieser Linie leistete der Gegner starken Widerstand. Nach erneuter Angriffsvorbereitung gelang es Teilen der SS deN Abschnitt zu überschreiten, auf dem Südufer Fuss zu fassen und sich zu behaupten.. Gleichfalls überschritten im Verlauf des Angriffs II. und III./I.R.124 den Bachgrund nach Süden. Infolge starken fdl.Artilleriefeuers zogen sich jedoch beide Batl. im Laufe des späten Abends wider auf das Nordufer zurück. Ohne hiervon Kenntnis zu haben der Rgts.Kdr. mit einem Stabe und dem Res.Btl.I.R.124 in der Dunkelheit über den Bachabschnitt nach Süden und stiess bis in die Wälder nördl.Glandon in sehr starkes Feuer (Hptm.Müller). Auf Grund eines Befehls des Gen.Oberst v.Reichenau wurde das verst.I.R.266 von Villers-Cotteret zu einem Vorstoss nach Westen angesetzt, um dem vor V.A.K. stehenden Feind in die Flanke und Rücken zu fassen und damit den Angriff des V.A.K. Luft zu schaffen. Eine Vorausabteilung (Krad-Schützen und 7 Panzer Spähwagen der Leibstandarte, sowie Teile 14./266) stiess bis Crepy en Valois vor. DIe Mörserabt. und die s.(mot)Haupbitz-Abt. der Div. schossen Störungsfeuer auf die Süd- und Südostausgänge des grossen Waldes von Compiegne. Vor endgültiger Durchführung des befohlenen Auftrages wurde das Einstellen des Vorstosses befohlen und das verstärkte I.R.266 der Div. nachgeführt. |
| 15.6.1940 | Kurze Geschichte der
72.Inf.Div. im Frankreichfeldzug: -Seite fehlt- Die Absicht des I.R.103, noch am selben Abend bei Montereau einen Brückenkopf zu bilden, konnte wegen des Fehlens an Übersetzmitteln nicht durchgeführt werden. Der Gegner hält das Südufer besetzt und beschiesst mit etwa 1 s. und 2 l.Batterien die Anmarschstrassen, insbesondere bei Montereau. |
| 16.6.1940 |
Kurze Geschichte der
72.Inf.Div. im Frankreichfeldzug: 12.Angriffstag. 5.15 Uhr gewinnen vorderste Teile I.R.105 ohne Feindwiderstand das Südufer der Seine, bilden einen Brückenkopf und säubern Montereau. I.R.124 setzt bei Montgelard mit Schlauchbootenfähren über die Seine. Gemäß Korpsbefehl wird der Div. Gefechtsstreifen nach Westen verlegt und damit muss der Brückenkopf Montereau and die 83.Inf.Div. übergeben werden. Nach Umgruppierung war die Lage der Div. folgende, Vorausabteilung Major Stadelmaier ab 19 Uhr Poley, rechts I.R.124, links I.R.266, in und westlich Montereau I.R.105. Zu einem Brückenschlag über die 120m breite Seine kam es infolge Fehlens von Brückengerät nicht. |
| 17.6.1940 | Kurze Geschichte der
72.Inf.Div. im Frankreichfeldzug: 13.Angriffstag. Im ununterbrochenen Fährbetrieb werden die Fahrzeuge des I.R.124 und 266 durch die Pioniere übergesetzt. Im Einvernehmen mit der 83.Div. geht die Artl. und die Fahrzeuge des I.R.105 über die Kriegsbrücke in Montereau über. Der Vormarsch wird in 2 Kolonnen um 6.00 Uhr angetreten. Vorausabt.Stadelmaier erreicht Souppes, Vorausabt.Hptm.Baake (I.R.124) Margis. Nach Brechung schwachen Widerstandes in diesen Orten werden mehrere hundert Gefangene und zahlreiche Beute gemacht. Die grsprengten Brücken in diesen Orten werden unter Einsatz von Gefangenen wiederhergestellt. Beide Vorausabteilungen werden unter Führung Major Stadelmeiers im Laufe der Nacht Richtung Dampierre angesetzt. in allen Ortschaften verzögern schwache feindl.Postierungen deren Vorgehen. Gegen 11.00 Uhr war es den Pionieren gelungen, durch Einbau verschiedenartigsten Geräts eine 8 t-Brücke bei Montelard fertigzustellen. Über sie gehen die restlichen Teile der Division über. Um 15.00 Uhr wird sie abgebaut, damit Pioniere und Gerät frei werden. Die Nachricht, daß Marschall Petain in einer Rundfunkansprache erklärt hat, Frankreich müsse die Waffen strecken, wird von der Truppe begeister aufgenommen. |
| 18.6.1940 | Kurze Geschichte der
72.Inf.Div. im Frankreichfeldzug: 14.Angriffstag. In der Verfolgung des geschlagenen Gegners erreichen I.R.124 und I.R.266 in vorderster Linie die Loire. Keine Feindberührung. Die Vorausabteilung Stedelmaier fand alle Brücken gesprengt vor und sicherte an der Loire das Einrücken der Regimenter. Die Gefangenenzahl wächst (weit über 1000). Die Beute an den Strassen ist sehr gross. Zahlreiche Gefangene sind froh, daß der Krieg für sie zu Ende ist und werden ohne jede Bewachungsmannschaft nach Norden in das Gefangenenlager in Marsch gesetzt. Der Gegner hält das Südufer der Loire in einer gut ausgebauten Dammstellung besetzt und schießt mit etwa 2-3 Batterien Störungsfeuer in den Div.Abschnitt. Die Zahl der Flüchtlingskolonnen ist derart groß, daß nur durch scharfe Maßnahmen seitens der Div. der Vormarsch an die Loire durchgeführt werden kann. |
| 22.6.1940 | Abendmeldung 1.Geb.Div.an
Gen.Kdo.XXXXIV.A.K.,22.6.40. Abfahrt des verstärkten G.J.R.99 (ohne II.) hat sich wegen Mangels an Fahrzeugen verzögert. Voraussichtlich Abfahrt früher Vormittag 23.6. Ab 16.00 Uhr wurde Rgt.98 hinter Linie Meneherl(?) - Lunvillers (?) zurück- Übergabe an 72.Inf.Div. hat stattgefunden. ..... |
| 23.6.1940 | Kurze Geschichte der
72.Inf.Div. im Frankreichfeldzug: -Seite fehlt- Chateuroux u.besonders im Artillerie-Depot Neuvy-Pailloux (40 Eisenbahngeschütze schwersten Kalibers und 45 Küstenmörser) aufgefunden. Die Vorausabteilung wird durch Pz.Jg., Pioniere und Radfahrer verstärkt und Major Stadelmeier unterstellt. |
| 24.6.1940 | Kurze Geschichte der
72.Inf.Div. im Frankreichfeldzug: Fortsetzung des Gefangenen- und Beuteabtransportes. Die Eisenbahngeschütze werden auf der durch Pi.B.72 wiederhergestellten Strecke Chateauroux - Bourges, abtransportiert. |
| 25.6.1940 | Kurze Geschichte der
72.Inf.Div. im Frankreichfeldzug: Waffenstillstandstag. Um 1.35 Uhr trat der Waffenstillstandsvertrag in Kraft. Spontan feierten die Truppen mit Freudenfeuern, Liedern und einem SiegHeil auf den Führer und Obersten Befehlshaber, diese merkwürdige Stunde. Bei der Feier auf dem Div.-Gefechtsstand hielt der Div.Kdr. eine kurze Ansprache an die Angehörigen der Führungsstaffel, in der er betonte, daß wir diesen gewaltigen Sieg, sowie überhaupt alles einzig und allein dem Führer verdanken. |
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