| Kriegstagebuch Januar 1944 | |
| 1.1.1944 | KTB 9.Armee. "Das Jahr 1944 wird harte und schwere Forderungen stellen. Das ungeheure Kriegsgeschehen wird sich in diesem Jahre der Krise nähern. Wir holen das volle Vertrauen, daß wir sie erfolgreich überstehen." Diese V/orte aus dem Neujahrsaufruf des Führers sind auch die Gedanken, mit deren die 9.Armee ihren Blick in das neue Kriegsjahr richtet. Sie nimmt es dabei als gutes Omen, daß gerade heute der Name ihres Oberbefehlshabers im Wehrmachtbericht genannt wird; in Verbindung mit der Erfolgsmeldung über die Abwehrkämpfe bei Mormal und das Angriffsunternehmen "Nikolaus" im vergangenen Dezember. An der Front finden auch heute wieder nur örtliche Gefechte statt. Beim XXXXI.Pz.K. drängt der Gegner in überraschendem Vorstoß die eigenen schwachen Sicherungen aus Petschischtsche (nordostw. Sagorje) zurück und setzt sich in den Besitz des Dorfes. Bereits am Nachmittag wird der Ort in planmäßigem Gegenangriff wieder zurückgewonnen. Von der übrigen Armeefront wird im wesentlichen nur Späh- und Stoßtrupptätigkeit gemeldet (s. Anl. II und III). Beim XXXV.A.K. haben 383. und 6.I.D. den Befehl im bisherigen Abschnitt der 299.I.D. übernommen. Um sicherzustellen, daß die derzeit ruhige Lage von der Truppe weitgehendst zur Auffrischung verwandt wird, befiehlt das AOK, kp.- oder btl.-weise Einheiten aus der Front herauszulösen und die dabei gewonnene Ruhezeit zu vermehrter Betreuung und zur Eingliederung und Ausbildung des Ersatzes auszunutzen (Anl. IV 1). Eine heute an die Heeresgruppe abgehende Meldung gibt den derzeitigen Stand des befohlenen und vom AOK schon seit längerer Zeit angestrebten Ordnens der Verbände wieder (Anl. V 1).Sie zeigt, daß inzwi sehen - mit Ausnahme der 707.I.D. - alle Divisionen wieder ihren eigenen Abschnitt erhalten haben und nur in einigen Fällen noch Teileinheiten in fremden Abschnitten stehen. Die Vereinigung der 707.I.D., die geschlossen beim LV.A.K. eingesetzt werden soll, wird nicht eher möglich, sein, ehe nicht die Div.Gr.321 (G.R.589) vom XXIII.А.K. (4.Armee) zurückkehrt. |
| 2.1.1944 | KTB 9.Armee. Der Feind setzt seine Versuche, nordostw. Sagorje seine Stellungen zu verbessern, fort. Wieder wird um Petschischtsche gekämpft - nicht ganz mit dem gleichen Erfolg wie gestern. Man wird in diesem Abschnitt weiterhin mit örtlichen Feindangriffen zu rechnen haben. In der Tiefe des feindlichen Hintergeländes halten die schon seit einiger Zeit beobachteten umfangreichen Umgruppierungen an. Im Raum Retschiza befinden sich zwei ehemals an der südlichen Ostfront befindliche Divisionen in Auffrischung , andere Verbände wechseln (nach s.Qu.) z.Zt. ihre Räume, vor dem Nordabschnitt der Armее hat der Feind Teile seiner Stellungsdivisionen, scheinbar zu Ausbildungszwecken, aus der Front gezogen (s.Ic-Zwischenmeldung, Anl. V 5, Anl. VII). Mit Rücksicht darauf, daß - im ganzen gesehen - im Abschnitt der Armee augenblicklich keine größeren Kampfhandlungen stattfinden, während am Nordflügel der Heeresgruppenfront z.Zt. schwere Kämpfe im Gang sind, erwägt das Obkdo.d.H.Gr., in Anpassung an die derzeitige Feindlage eine Verschiebung von Kräften der 9.Armee zur 3.Pz.Armee vorzunehmen (Chef H.Gr./Chef, 11,55 Uhr). Das AOK ist der Ansicht, daß die derzeit eingetretene Kampfruhe nur von kurzer Dauer sein werde, und wenn man sich auch der Notwendigkeit nicht verschließen könne, der im gegenwärtigen Augenblick lehr bedrohten 3.Pz.Armee auch mehr Abwehrkräfte zu geben, so dürfe doch nicht verkannt werden, daß angesichts einer durchaus möglichen baldigen Wiederaufnahme der feindlichen Angriffe im Beresina-Abschnitt und am Dnjepr eine noch weitergehende Schwächung der infanteristischen und artilleristischen Kräfte der Armee nicht mehr vertretbar sei. Allenfalls wird der Austausch einer einigermaßen aufgefrischten Division gegen eine abgekämpfte Division für möglich gehalten, jedoch nur dann, wenn vorher durch entsprechende Ersatzzuführung sichergestellt sei, daß die Ablösung wenigstens durch eine zahlenmäßig gleichstarke Infanterie erfolgen kann. An reinen Abgaben hält das AOK höchstens dis Wegziehung einer Kan.Abt. für tragbar, da angesichts der geringen Gefechtsstärken und der an vielen Stellen noch fehlenden Verteidigungstiefe jede Verminderung der art. Nahunterstützung der Infanterie eine ernste Gefährdung der Abwehrkraft bedeuten würde (s.Anl. V 3). In Durchführung des Heeresgruppenbefehls zur verstärkten Bandenbekämpfung im rückwärtigen Armeegebiet beabsichtigt das AOK, aus allen im rückwärtigen Gebiet befindlichen Einheiten 10 % der Verpflegungsstärke an deutschen Soldaten herauszuziehen und zu Alarmeinheiten zusammenzustellen. Es ist beabsichtigt, mit diesen Alarmeinheiten im Eisenbahn- und Straßenschutz eingesetzte Sicherungsbataillone abzulösen, um dann mit diesen ein größeres Unternehmen gegen das Bandenzentrum um Choino - Karpilowka (südwestl. Bobruisk) durchzuführen. Neben einem Befehl an die beiden im rückwärtigen Gebiet zuständigen Kdo.-Behörden (Korück und Standort Kommandantur Bobruisk), wonach die Vorbereitungen zur Aufstellung der Alarmeinheiten bis zum 5.1. abzuschließen sind, richtet das AOK die Bitte an die H.Gr., dahin zu wirken, daß auch Sie im rückw. Gebiet befindlichen Luftwaffenverbände, die einen beträchtlichen Hundertsatz der dort vorhandenen Soldaten ausmachen, und die dort untergebrachten der H.Gr. unmittelbar unterstellten Einheiten in gleicher Weise dazu herangezogen werden dürfen. Ferner bittet das AOK die Rückführung des Brig.Stabes zbV 4, der sich noch im Bereich der 4.Armee befindet (s. Anl. IV 2, IV 3, V 1). |
| 3.1.1944 | KTB 9.Armee. (Seiten fehlen... vermutlich 3.oder 4.1.1944) Gef.Stand überfallen (s.dazu Anl. ІV 2). Mehrere Einbrüche werden gemeldet. Die Heeresgruppe befiehlt, ein verstärktes Btl. zunächst als Eingreifreserve an der Armeenaht 31./267.I.D. bereitzustellen und seine rasche Verschiebung im Kfz.-Marsch zur 267.I.D. vorzubereiten (Chef H.Gr./Ia, 10,50 Uhr, s.Anl. V 1). Kurz darauf wird die Inmarschsetzung der nächstgelegenen St.Gesch.Abt.(185) nach Now. Bychoff befohlen. Sie soll dem AOK 4 unterstellt werden (Chef H. Gr./Ia, 11,05 Uhr; s.Anl. V 2). Als teilweisen Ausgleich für die bisher hinter der Front des LV.A.K. stehende St.Gesch.Abt.185 ordnet das AOK die Zuführung einer Bttr. der St.Gesch.Abt.244 (bisher beim XXXV.A.K.) zum LV.A.K. an (Ia/OB, 11,07, s.Anl.IV 1). Am Abend teilt АOK 4 mit, eine Bereinigung der Feindeinbrüche sei nicht möglich gewesen; man versuche jetzt den Aufbau einer neuen HKL in Höhe des Südteils des Brückenkopfes Star.Bychoff und der als Winterstellung ausgebauten Uchljast-Stellung. Der Einsatz des Eingreif-Btl. war nicht erforderlich. In Fortsetzung der Maßnahmen zur Bildung von Reserven befiehlt das AOK die Abgabe aller in der Armee vorhandenen Pak (SF) an die Armee-Panzerjäger-Abt., der außerdem von der s.H.Pz.Jg.Abt. noch s.Pak 43 zugeführt werden (Anl.IV 4). Die in 3 Sf.-Kpn. 1 s.Pak 43-Kp. gegliederte Armee-Pz.Jg.Abt. ist als bewegliche Panzerabwehr-Reserve vorgesehen. Die abgebenden Divisionen erhalten als Ausgleich s.Pak 40. Heute ergeht der Armeebefehl für die Vorbereitung des Bandenunternehmens südl. und südwestl. Bobruisk. Die Leitung des Unternehmens wird dem Korück übertragen; die zur Verfügung stehenden Verbände (Beteiligung der Luftwaffe ist noch nicht geklärt) sollen unter dem Div.Kdo. 707.I.D. zusammengefaßt werden. (Einzelheiten s.d.Anl.). Bis zum 6.1. soll die Aufstellung der Alarm-Btle., bis zum 10.1. die Ablösung der Sicherungs-Btle. durch die Alarm-Einheiten, bis zum 14.1. die Versammlung aller Verbände beendet sein. |
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| 5.1.1944 | KTB 9.Armee. Beim linken Nachbar ist der Feind der Absetzbewegung auf die Uchljast=Stellung nur mit schwachen Kräften gefolgt und greift heute nicht an. Unter eingehender Darlegung der in ihrer möglichen Weiterentwicklung noch undurchsichtigen Feindlage vor dem LV.A.K.hat das AOK die H.Gr. darauf hingewiesen, daß es seiner Ansicht nach notwendig sei, sowohl das als Eingreifreserve bereitgestellte BtL der 31.I.D. im Armeebereich verfügbar zu lassen als auch die St.Gesch.Abt.185 bald wieder zurückzuunterstellen (Anl. V 1). Die H.Gr. befiehlt darauf dem AOK 4, die St.Gesch.Abt. ohne ausdrückliche Genehmigung nur auf dem Westufer des Dnjepr einzusetzen, im Hinblick auf eine gegebenenfalls notwendig werdende Rückführung der Abt. zur 9.Armee (Anl. V 2). Deutlicher als in der nördlichen Armeenaht beginnen sich allmählich die feindl. Angriffsabsichten am äußersten rechten Flügel der Armee abzuzeichnen. Es sind jetzt insgesamt 12 feindl.Schtz.-Divn. vor dem XXXXI.A.K., im Raum Ostaschkowitschi (hart südl. der Areegrenze) drei Flak-Divn. versammelt. Ergebnisse der Erd-und Luftaufklärung (Entminen in Frontnähe, lebhafte Bewegungen im Hintergelände) deuten auf einen bevorstehenden Angriff in südwestlicher Richtung (auf den Nordflügel der 2.) hin, wobei die dichte Frontbesetzung vor dem XXXXI.Pz.K. als Rückendeckung für einen Vorstoß auf Kalinkowitschi gedacht sein könnte. Möglich wäre allerdings auch, daß der Feind gleichzeitig oder in erster- Linie Angriffsabsichten südwestl. der Beresina hegt. Genaueres ist noch nicht zu erkennen - auf jeden Fall ist mit Fortdauer der fdl. Aktivität vor dem XXXXI.A.K. zu rechnen. Es wird deshalb dem XXXV.A.K. befohlen, die St.Gesch.Abt.244, das Div.Kdo.707.I.D.und einen Erkundungstrupp des Gr.W.Btl.19 zum XXXXI.Pz.K. in Marsch, zu setzen(Ia/Chef XXXV.,24,00 Uhr). Weitere Maßnahmen sollen folgen. Die Kampfhandlungen an der Front beschränken sich im wesentlichen auf beiderseitige Aufklärungstätigkeit (s.Anl.II und III). |
| 6.1.1944 | KTB 9.Armee. Bei fortdauernder Kampfruhe an der Front nimmt die Bedrohung des rechten Armeeflügels allmählich immer deutlichere Formen an. Nach Luftaufklärungs- und s.Qu.Meldungen steht ein feindlicher Angriff auf den Nordflügel der 2. Armee unmittelbar bevor, und es ist mit Sicherheit anzunehmen, daß auch das XXXXI.Pz.K., zum mindesten sein Südflügel, von den Ausstrahlungen dieses Angriffs betroffen werden wird. Der Oberbefehlshaber begibt sich zum XXXXI.Pz.K., um die Lage an Ort und Stelle zu prüfen. Zur Herstellung eines Abwehrschwerpunktes auf dem rechten Korpsflügel befiehlt er, diesen durch Verlagerung von Inf.= und Art.=Kräften innerhalb des Korps zu verstärken, u.a. soll die Stu.Gesch.Abt.909 an die Armeenaht verschoben werden. Das XXXV.A.K. erhält Befehl, dem XXXXI.Pz.K. das Gr.W.Btl. 19 zuzuführen, ferner, das verst. Res.Btl. des Korps, dessen Herauslösung aus der Front am 5.1. befohlen worden war - (s. KTB v. 5.1.44) im Raum Paritschi bis zum 8.1. abends bereitzustellen und ein weiteres verst. Gren.Btl. als Armeereserve bei Garmowitschi zu versammeln. Vom LV.A.K. wird eine RSO=Abt. dem XXXXI.Pz.K. zugeführt werden. Als Ausgleich für die Stu.Gesch.Abt.244, deren Inmarschsetzung zum XXXXI.Pz.K. bereits gestern befohlen wurde, ist die Stu.Gesch.Abt.185 als Armeereserve im Bereich des XXXV. und LV.A.K. vorgesehen; ihre Rückführung von der 4. Armee hat die Heeresgruppe heute befohlen (FM/OB, 19,15 Uhr). Das Div.Kdo. 707.I.D. hat Auftrag erhalten, den Bau einer Riegelstellung an der rechten Armeenaht vorzubereiten (s. Anl. IV 1 und 2). Die 9.Armee steht zur Zeit zwischen zwei feindlichen Schwerpunkten. Auch nördlich der linken Armeenaht, wo der Gegner erst vorgestern die 267. und 95.I.D. (AOK 4) auf die Uchljast=Stellung zurückwarf, ist ein Wiederaufleben seiner Angriffe nicht unwahrscheinlich. Da infolge der eigenen Abwehrschwerpunktbildung keine Kräfte zur Verfügung stehen, um eine personelle oder waffenmäßige Verstärkung auch des linken Flügels herbeizuführen, die Gefahr eines feindlichen Angriffs mit den Ziel eines Vorstoßes über den Dnjepr zudem auch zeitlich nicht so dicht bevorstehend wie die an der südlichen Armeenaht erwarteten gegnerischen Angriffe, entschließt sich der Oberbefehlshaber, nach dem er gestern die zur Sicherstellung des Anschlusses zum linken Nachbarn getroffenen Maßnahmen hat überprüfen lassen, die nördliche Armeenaht durch verstärkten Stellungsbau und Anlegung von Riegelstellungen zu sichern. Hierzu befiehlt er die Gestellung von zweimal 1000 Zivilarbeitskräften durch den Standortkommandanten von Bobruisk (s.Anl. IV 6) und ihren Einsatz zu Stellungsbauarbeiten bei der 31.I.D. durch das LV.A.K. (s.Аnl. IV 5). Die für die Durchführung des Bandenunternehmens im rückwärtigen Gebiet in Aussicht genommene Beteiligung der Luftwaffenverbände ist auf Widerspruch der Lw.=Dienststellen gestoßen, die eine Beteiligung mit 10% der Verpflegungsstärke für nicht tragbar erklärt heben. Da die Heeresgruppe bestätigt hat, daß eine Heranziehung der Luftwaffe in dem vom AOK vorgesehenen Ausmaß nicht angängig sei, verzichtet das AOK auf deren Teilnahme (s.Anl.IV 4). |
| 12.1.1944 | KTB 9.Armee. Die immer weiter zunehmende Verschärfung der Lage bei der 2.Armee veranlaßt das AOK zu weiterer, insbesondere artilleristischer Verstärkung des neu übernommenen Südabschnitts, in dem sich lediglich schwache Teile der 4.Pz.Div. und einige Sicherungseinheiten befanden. (Einzelheiten s. Ziff. 3 der Tagesmeldung, Anl. II). Erste Teile der in Zuführung begriffenen 35.I.D. sind in den beiden Ausladebahnhöfen Krassnyj Bereg und Teluscha eingetroffen und werden im Kfz.=Marsch beschleunigt in ihren neuen Einsatzraum gebracht. Den Befehl über diesen Abschnitt hat das XXXXI.Pz.K. dem Div.Kdo. 707.I.D. bis zum Eintreffen des Div.Kdos. 35.I.D. übergeben, da es als Führungsstab geeigneter erscheint als der zunächst vorgesehene Brigadestab Treptow. Dieser erhält die bisherige Aufgabe des Div.Kdos.707.I.D., den Bau. der Riegelstellung, zugewiesen. Über die weitere Kampfführung der 2.Armee fällt heute eine wichtige Entscheidung. Der Führer hat die Zurücknahme der Front auf die Pripjet=Upa=Linie genehmigt (s. Anl, IX). AOK 2 teilt mit, daß Vorbereitungen für die Ausweichbewegung bereits in vollem Gange seien (Chef 2/Chef 9, 17.00 Uhr). Im Endergebnis wird sie zur Aufgabe von Kalinkowitschi und Mosyr führen; das bedeutet leider, im größeren Rahnen gesehen, für den Feind die Gewinnung einer durchgehenden Eisenbahnverbindung von Retschiza und Gomel über Kalinkowitschi nach Shitomir und Berditschew. Andererseits wird aber jetzt das Anschlußhalten zur 2. Armee, auf dessen Wichtigkeit der Feldmarschall heute noch einmal ausdrücklich hingewiesen hat (FM/Chef, 9.50 Uhr), erheblich erleichtert werden, wenn auch damit zu rechnen sein dürfte, daß der Feind mit verstärkten Angriffen auf der Upa=Front reagieren wird, sobald nach der Frontzurücknahme die jetzt zum Zangenangriff von Süden und Nordosten auf die 2. Armee angesetzten Kräfte freigeworden sind. Dieser Abschnitt wird also aller Voraussicht nach Brennpunktabschnitt bleiben. An Kampfhandlungen bringt der Tag örtliche Gefechte bei XXXXI.Pz.K., wo der Feind am Südflügel der 134.I.D. und bei Rossowo (253.I.D.) mehrfach in Kp.-Stärke angreift. In den Morgenstunden hat der Gegner auch wieder einmal beim XXXV.A.K. einen Angriffsversuch unternommen, der erfolglos bleibt. Beim LV.AK. an der Dnjepr=Front sind außer geringer feindlicher Aufklärungstätigkeit keine Gefechtshandlungen zu verzeichnen. |
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| 16.1.1944 | KTB 9.Armee. Auf der gesamten Front des XXXXI.Pz.K. tritt der Feind zu . zahlreichen, rasch an Heftigkeit zunehmenden Angriffen an, unterstützt von starker Artillerie und in den Schwerpunkten unter rollenden Einsatz seiner Luftwaffe. Am stärksten sind die beiden Korpsflügel betroffen - es scheint, als ob der Gegner in Verfolgung seiner alten Operationsabsicht, auf Bobruisk durchzustoßen, sich zunächst die beiden dorthin führenden Wege über Gaaritschi und Tschirkowitschi öffnen wolle. Dem würde auch der Kräfteeinsatz entsprechen; die Angriffe gehen einerseits weit über den Rahmen der sonst vor größeren Angriffshandlungen üblichen Erkundungsvorstößen hinaus, sind aber andererseits noch nicht mit der Masse der zur Verfügung stehenden Verbände geführt. Dennoch kommt es zu schweren Kämpfen und auch zu feindlichen Erfolgen. Bei der 253.I.D. gelingt dem Gegner ein örtlicher Einbruch bei Rossowо im Abschnitt der 707.I.D. kann er nicht nur Nowosselki wiedernehmen, sondern sogar seinen gestrigen Einbruch auf etwa 1 l/2 km Tiefe und 5 km Breite erweitern (Einzelheiten c. Anl. II und III), Damit hat der Feind einen verhältnismäßig breiten Brückenkopf über die Upa gewonnen . Ihn wieder über den Fluß zurückzuwerfen, verspricht bei den nur schwachen eigenen Kräften und der Wahrscheinlichkeit, daß er seine Angriffe morgen mit verstärkter. Wucht fortsetzen wird, keinen Erfolg (Chef/OB, 17.15 Uhr). Der Oberbefehlshaber befiehlt deshalb dem XXXXI.Pz.K., unter Verzicht auf einen Gegenangriff in der erreichten Linie zur Verteidigung überzugehen. Unterdessen soll der Ausbau der Wischa=Linie mit allen zur Verfügung stehenden Kräften vorangetrieben werden (s. Anl. IV 3). Ferner entschließt sich der Oberbefehlshaber zu einer Schwächung der Front des XXXV.A.K., vor der sich der Feind heute ruhig verhalten hat, um die Abwehrkraft des Südflügels der Armee zu verstärken. Das XХХV.А.K., erhält Anweisung, sein Reservebataillone, eine Art.-Abt. und eine Pz.Jäg.Abt. dem XXXXI.Pz.K. zuzuführen (s. Anl. IV 4). Das als Armeereserve vorgesehene G.R.58 erhält noch keinen Einsatzbefehl, um für den weiteren Verlauf der Kämpfe zur Verfügung zu bleiben. Schon jetzt muß damit gerechnet werden, daß bei Fortdauer der feindlichen Angriffe auf das XXXXI.Pz.K, der Zwang eintreten kann, aus z.Zt. nicht angegriffenen. Abschnitten weitere Kräfte abzuziehen, um den Südflügel halten zu können, und zwar würde der überall nur schwach besetzten Front in einem solchen Falle nicht nur auf Kräfte des XXXV.A.K., sondern auch auf solche des LV.A.K. zurückgegriffen werden müssen. In einem Gespräch mit dem Feldmarschall (ОВ/FM, 20.15. Uhr) betont der Oberbefehlshaber, für wie außerordentlich gefährlich er angesichts des zu erwartenden Feindangriffs am Dnjepr eine solche Schwächung des linken Armeeflügels halte. Der Feldmarschall erklärt jedoch, er sehe die Gefahr eines solchen Angriffs als nicht nahe bevorstehend an; für den Fall, daß sie akut würde, werde er mit Kräften der 4.Armee für eine Entlastung Sorge tragen. |
| 18.1.1944 | KTB 9.Armee. Mit unverminderter Wucht, z.T. unter Einsatz frischer Verbände greift der Feind das XXXXI.Pz.K. weiter an. Die Schwerpunkte liegen wiederum auf den beiden Flügeln (s.Ic=Zwischenmeldung). Die Beseitigung des feindlichen Brückenkopfes westlich der Wischa gelingt auch heute nicht. Südlich Osaritschi stehen schwache Sicherungsbataillone in ungleichem Kampf mit weit überlegenem Gegner. Der Oberbefehlshaber, der beim XXXXI.Pz.K. weilt, befiehlt zur Stützung der Abwehr in diesen Abschnitt die schnelle Zuführung zweier Bataillone von LV. und XXXV.A.K. (Chef/Ia XXXV, 10.30 Uhr; Chef/Chef LV, 10.35 Uhr); beide Korps verlieren damit ihre letzten eigenen Reserven. Angesichts des bereits jetzt eingetretenen hohen eigenen Kräfteverbrauchs und des unvermindert starken Feinddrucks im Raum südlich Osaritschi hält der Oberbefehlshaber, um ein Aufbrechen der Front zu vermeiden, die Zurücknahme der HKL auf einen Brückenkopf um Osaritschi (in allg. Linie Ssytschitschi - Ostroff) für notwendig (OB/Chef, 12.30 Uhr) und läßt dies der Heeresgruppe melden (Chef/Chef H.Gr., 12.55 Uhr). Der Feldmarschall versagt jedoch sein Einverständnis zu dem geplanten Ausweichen und fordert das Halten der bisherigen Stellung (Chef/Chef H.Gr., 13.15 Uhr). Schon um 13.25 Uhr muß allerdings das AOK der Heeresgruppe mitteilen, daß inzwischen der linke Flügel der 35.I.D. durch neue Feindeinbrüche bis fast auf Osaritschi zurückgeworfen worden sei (01/01 H.Gr.). Zwischen ihm und dem stehengebliebenen rechten Flügel der 134.I.D;, der die feindlichen Angriffe hat abweisen können, klafft eine Lücke. Um eine einheitliche Befehlsführung sicherzustellen, bildet das Gen.Kdo. aus der 35. und 134.I.D.die "Gruppe Schlemmer" unter Führung des Div.Kdr. 134.I.D. und unter Zusammenfassung aller überhaupt greifbaren Soldaten gelingt es bis zum Abend, den linken Flügel der 35.I.D. im Gegenstoß wieder bis in die heute vormittag als Brückenkopf vorgeschlagene Linie vorzudrücken und den Einbruch damit zu verengen. Besonders ernst gestaltet sich die Lage am linken Korpsflügel, wo der Feind einen tiefen Einbruch westl. Rossowo erzielt und bis zur Rollbahn durchstößt (Einzelheiten s.Anl. II und III). Unter Einsatz letzter Reserven kann die Rollbahn wieder freigekämpft und der Einbruch abgeriegelt werden. Um Rossowo tobt ein erbitterter Kampf, der sich bis in die Nacht hinein fortsetzt. Der Oberbefehlshaber hat sich entschlossen, morgen das bisher als Armeereserve zurückgehaltene G.R.58, durch Sturmgeschütze verstärkt, an dieser Stelle zum Gegenangriff einzusetzen (s.Anl. IV 1). Die zunehmende Ausdehnung der Kämpfe südlich der Beresina und die Erwartung, daß sie wohl noch einige Zeit in unverminderter Härte andauern werden, läßt eine Änderung- der Befehlsverhältnisse in diesem Abschnitt zweckmäßig erscheinen. Die Zugehörigkeit des Kampfraumes teils zur 9., teils zur 2.Armee erschwert die Einheitlichkeit der Führung. Mit Rücksicht auf die am Pripjet liegende Hauptfront der 2.Armee beabsichtigt die Heeresgruppe, den Befehlsbereich der 9. Armee weiter nach Süden auf den Ab schnitt der 4.Pz.Div., gegebenenfalls auch der 5.Pz.Div. zu erstrecken. Man denkt dabei gleichzeitig an eine Freimachung des Gen.Kdo.LVI.Pz.K. zum Einsatz am rechten Flügel der 2.Armee, und ferner, da der Gesamtabschnitt südlich der Beresina für eine Führung allein durch das Gen.Kdo.XXXXI.Pz.K. zu breit erscheint, an eine Erweiterung des Befehlsbereichs des Gen.Kdos. XXXV.A.K. auf den Abschnitt der 253.I.D. (Chef H.Gr./Chef, 15.30 Uhr). Das AOK weist darauf hin, daß bei dieser Lösung eine Zerreißung des derzeitigen Brennpunktabschnittes an der Grenze 36./253.I.D.. eintreten würde, und schlägt seinerseits vor, gleichzeitig mit der 4.Pz.Div. auch das Gen.Kdo.LVI.Pz.K. der 9.Armee zu unterstellen. Diesem Vorschlag entspricht die Entscheidung des Feldmarschalls (s.Anl. V 2). Die Unterstellung soll um 24.00 Uhr in Kraft treten. Dem LVI.Pz.K., das im wesentlichen für den Bereich des südlichen Brennpunktes (Osaritschi) befehlsführend werden soll, während das XXXXI.Pz.K. die Führung in dem an der Beresina anschließenden Abschnitt mit dem Brennpunkt Rossowo behält (s.Anl. IV 1 und 2), wird auch die 35.I.D. unterstellt werden. Das AOK hat heute den Antrag an die Heeresgruppe gerichtet, am nördlichen Armeeflügel den Frontabschnitt bis Now.Bychoff, d.h. den erst vor kurzem von der 4.Armee übernommenen Abschnitt der 4.Armee wieder zurückzugeben, um dadurch die geplante Herauslösung der 110.I.D. zu erleichtern (s.Anl. IV 3). |
| 25.1.1944 | KTB 9.Armee. Dem XXXXI.Pz.K. ist der Aufbau einer neuen Verteidigungsfront in der 2.Stellung gelungen. Der Feind, der die Nachtruppen der 134.I.D. an mehreren Stellen angreift, wird abgewiesen, die Brückenköpfe Kobylschtschina und Saretschje können, gehalten werden. Vor der Front der 36. und 253I.D. schließt der Gegner mit starken Kräften auf, wobei er durch zahlreiche Verminungen und Sperren aufgehalten wird. Eigene Luftwaffe bekämpft feindliche Ansammlungen und Bereitstellungen (s. dazu Anl. II u. III). Auch beim LVI.Pz.K. ist die Kampftätigkeit heute wieder nur gering. Der Feind benutzt die Zeit zu umfangreichen Umgruppierungen. Westlich der Wischa hat er sich durch Zusammenziehung von 7 besonders kampfkräftigen Schtz.Div., die anscheinend durch Heranführen von Verbänden aus dem Raum Osaritschi noch verstärkt werden, eine Kräftegruppe von erheblicher Stoßkraft geschaffen, offensichtlich mit der Absicht eines Durchbruchs über die Tremlja. Auch das I.Gde.Pz.K. scheint er hier herangezogen zu haben. Man muß deshalb in diesen Abschnitt mit einem baldigen Wiederaufleben heftiger Kämpfe rechnen. Auf bauend auf den Erfahrungen des bisherigen Kampfverlaufs und in der Erwartung, daß der Feind seine Durchbruchsversuche südlich der Beresina weiter fortsetzen wird, läßt der Oberbefehlshaber an die beteiligten Korps eine grundsätzliche Kampfanweisung ergehen (Anl. IV l). Davon ausgehend, daß der Feind seine Erfolge in erster Linie der in dem größtenteils unübersichtlichen Waldgelände besonders unangenehm fühlbaren zahlenmäßigen Schwäche der eigenen Infanterie verdankt, wird befohlen, durch vermehrten Einsatz schwerer Waffen in Geländeabschnitten mit guter Beobachtungsmöglichkeit dort infanteristische Kräfte einzusparen und und diese dann zur Verdichtung der Front in unübersichtlichen Abschnitten einzusetzen. Um dem neuen feindlichen Angriffsverfahren, der plötzlichen und überraschenden Bildung örtlicher Angriffsschwerpunkte, wirksam entgegentreten zu können (was vor allem dann Erfolg verspricht, wenn Gegenstöße sofort geführt werden und nicht erst dann, wenn schon größere Einbrüche erzielt sind), wird die Zurückhaltung zahlreicher kleiner Stoßgruppen befohlen, denen die Aufgabe zufällt, die feindlichen Angriffsspitzen im Gegenstoß solange aufzuhaltcn, bis stärkere Reserven zur Stelle sind - hierzu soll je Schwerpunktabschnitt ein durch Sturmgeschütze verstärktes Btl. bereitgehalten werden. Endlich wird angeordnet, unter Einsatz aller Mittel den Ausbau von Riegel- und rückwärtiger Stellungen so zu fördern, daß in Falle eines Feindeinbruchss mindestens eine als Auffanglinie geeignete Stellung als Rückhalt für den Neuaufbau der Verteidigung vorhanden ist. Das geschieht in der klaren, Einsicht, daß es in dem gegenwärtigen Kampf darauf ankommt, unter allen Umständen einen feindlichen Durchbruch zu verhindern und gleichzeitig die größtmögliche Abnützung der gegnerischen Kräfte zu erreichen. Wenn in Anbetracht der eigenen zahlenmäßigen Unterlegenheit bei dieser dieser Art der Kampfführung einzelne Geländestreifen verloren gehen, so muß dies - wenn auch ungern - in Kauf genommen werden. Zu diesem Zweck soll, hinter der derzeitigen HKL ein dichtes Netz neuer Stellungen entstehen (srAnl. I op. und IV 1 v. 27.1.44). Dem XXXV.A.K. wird aufgegeben, seine neu entstandene Beresina= Flanke durch Einsatz von Alarmeinheiten zu verstärken und dafür Sorge zu tragen, daß auch artilleristisch die sofortige Bekämpfung übergesetzter Feindteile sichergestellt ist - auch hier kommt es entscheidend darauf an, jeden gegnerischen Vorstoß schon im Keime zu ersticken. Als Führungsstab für diesen Abschnitt hat das AOK dss Div.Kdo. 707.I.D. zur Verfügung gestellt. |
| 26.1.1944 | KTB 9.Armee. Nach einstündiger, äußerst starker Artillerievorbereitung tritt der Feind, unterstützt von zahlreichen Panzern, mit massierten Kräften zu dem erwarteten Großangriff gegen die Front des LVI.Pz.K. an. Während es der 4.Pz.Div. und der 110.I.D. (deren Div.Kdо. heute den Befehl über den linken Anschnitt des Korps übernommen hat) gelingt, alle Angriffe unter hohen Feindverlusten abuschlagen - auch ein Umfassungsversuch am äußersten rechten Korpsflügel wird erfolgreich abgewehrt -, erzielt der Gegner im Abschnitt Ssawitsschi - Krjukowitschi einen breiten und tiefen Einbruch. Sofort eingeleitete Gegenmaßnahmen des Korps, die bis zum Abend noch keinen Erfolg, gehabt haben, sollen in die Nacht hinein fortgesetzt werden, da ein Gegenangriff in der Frühe des morgigen Tages, nachdem der Feind Zeit gehabt hat, sich in der Einbruchsstelle zu verstärken, weit weniger Aussicht auf Erfolg bieten würde. Beim XXXXI.Pz.K. kommt es an mehreren Stellen zu örtlichen Gefechten. Die noch vorwärts der HKL haltenden Sicherungen werden zurückgeworfen. Im übrigen schließt der Feind vor der gesamten Korpsfront auf - alle Anzeichen deuten darauf hin, daß er seine starken Angriffe auch hier in Kürze wieder Aufnahmen wird. Der Brückenkopf Kobylschtschina geht in den Abendstunden nach wechselvollem Kampf verloren. Schwache Feindteile, die heute am Südflügel des XXXV.A.K, die Beresina nördl. Schazilki übergesetzt sind, können nach kurzem Gefecht wieder zurück geworfen werden. Die Tatsache, daß dieser Vorstoß überhaupt möglich war, zeigt jedoch, daß die hier stehenden eigenen schwachen Kräfte -zu einer ausreichenden Überwachung des Flussabschnitts nicht in der Lage sind. Der Oberbefehlshaber befiehlt deshalb, noch eine Alarmeinheit aus rückwärtigen Diensten zusammenzustellen und in diesen Abschnitt zur Verstärkung einzusetzen (OB/ Chef, 13.10 Uhr). Heute um 16.00 Uhr hat der als Chef des Generalstabes zum LV.A.K. versetzte Ia der Armee, Oberst i.G. Hölz, die Dienstgeschäfte an seinen Nachfolger, Oberstlt.i.G. Ulms, übergeben. Mit dem Wirken seines bisherigen Ersten Generalstabsoffiziers verbindet das AOK Erinnernugen an schwere, aber auch an stolze Zeiten. Nach den Großschlachten im Kampfraum Rshew, an deren Generalstabsmäßiger Vorbereitung und Durchführung er maßgeblichen Anteil hatte, war sein eigentliches organisatorisches Meisterstück die "Büffelbewegung", jene mit uhrwerkmäßiger Genauigkeit geplante und abgelaufene erste große Absetzbewegung der Armee. Auch im neuen Kampfraum Orel, bei der Vorbereitung des "Zitadelle"=Unternehmens, dann später bei der Durchführung der Absetzbewegungen auf die Hagen-und Pantherstellung und endlich bei den Abwchrkämpfen im Dnjepr-Raum dankt die 9.Armee seiner Arbeit viel, und es sind hohe Worte der Anerkennung, mit denen der Oberbefehlshaber und der Chef des Generalstabes ihrem ersten Mitarbeiter anläßlich seines Scheidens diesen Dank aussprechen. |
| 28.1.1944 | KTB 9.Armee. Gegen äußerst zähеп Feindwiderstand, nach schweren und beiderseits verlustreichen Waldkämpfen, gelingt nach Heranführung neuer Kräfte die Bereinigung des gestern nördlich Ssemenowitschi erzielten Einbruchs, nachdem der bereits zum weiteren Angriff aus der Einbruchsstelle nach Norden angetretenen Gegner im Morgengrauen durch zusammengeraffte Troßteile der 134.I.D. aufgehalten werden konnte. Beim XXXXI.Pz.K, beschränkt sich der Feind heute im übrigen auf zahlreiche, über die ganze Front verteilte Angriffe und Vorstöße, die, obwohl sie an me mehreren Stellen, vor allem bei der 36.I.D., zu harten Gefechten, bei der 134.I.D. sogar zu einem vorübergehenden Einbruch führen, doch im wesentlichen nur als starke Aufklärung zu werten sein dürften, mit der der Feind die neue Stellung abtastet (s.Anl. II und III). Mit dem baldigen Wiederbeginn größerer Angriffe muß jedoch gerechnet werden: vor dem XXXXI.Pz.K. ist heute noch eine zweite der bisher zwischen Dnjepr und Beresina, stehenden Divisionen festgestellt worden. Damit steht im Raum südl. Shlobin nur noch eine einzige bekannte feindl. Schtz.Div. in Front; welche Verbände der Gegner z.Zt. außerdem dort noch eingesetzt hat, ist im Augenblick ungeklärt. Es ist allerdings anzunehmen, daß noch weitere Kräfte vorhanden sind - eine geringere Besetzung der Gräben hat bisher nicht festgestellt werden können und Spähtrupps des XXXV.A.K. sind nach wie vor auf lebhaften Widerstand gestoßen. Vermehrte Aufklärung ist befohlen (s. Anl. IV 11). Der Schwerpunkt der Kämpfe liegt heute wieder beim LVI.Pz.K., wo der Gegner im Abschnitt der 35.I.D. erneut angreift, die mangels ausreichender Kräfte nur unzulängliche Abriegelung der alten Einbruchsstelle sprengt und einen tiefen. Einbruch erzielen kann. Versuche, die entstandene Lücke zu schließen oder wenigstens das feindliche Vorgehen aufzufangen, scheitern: der Feind dringt bis auf das Höhengelände 2 km südsüdwestl. Mewed vor. Der Oberbefehlshaber, der sich entschlossen hat, dem rechten Armeeflügel unter Rückgriff auf letzte Möglichkeiten des XXXV. und LV.A.K. noch weitere Verstärkungen zuzuführen (insgesamt 2 Btle.; s. Anl. IV 1), hält angesichts der offenbaren Aussichtslosigkeit, mit den vorhandenen Kräften einen Gegenengriff zu führen, eine Zurücknahme der Front der 35.I.D. zum Aufbau einer neuen HKL für notwendig, um einem Weiterstoßen des Feindes bis zur 2.Stellung vorzubeugen und zu verhindern, daß den noch vorn stehenden schweren Waffen der Division der Rückweg abgeschnitten wird. Nach erfolgter Genehmigung dieser Absicht durch den Feldmarschall (FM/ОВ, 20.50 Uhr) erhält das LVI.Pz.K. Befehl, sich in allgemeiner Liпіе ostw. Ssawitschi -Ssawin Rog - südl. Gora erneut zur Abwehr zu gliedern (OB/KG LVI, etwa 21.00 Uhr). Infolge der für die jetzige Jahreszeit so ungewöhnlich warmen Wetters hat die Verschlammung der Wege die sich schon in den letzten Tagen verschiedentlich sehr unangenehm bemerkbar machte, im Bereich des LVI.Pz.K, inzwischen ein derartiges Ausmaß angenommen, daß das Korps binnen kurzem eine Lahmlegung seines gesamten mot=Versorgungsverkehrs befürchtet, auf den es umso mehr angewiesen ist, als die Bahn von Ratmirowitschi nach Süden z.Zt. erst gebaut wird (KG LVI/Chef, 10.10 Uhr). Leider verfügt das dem AOK je erst seit kurzem unterstellte LVI.Pz.K. noch nicht über eine genügende Anzahl von Zivil-Arbeitsabteilungen, die sich bei den übrigen Korps inzwischen bestens bewährt haben. Um beschleunigte Abhilfe zu schaffen, veranlasst das AOK die Zuführung von insgesamt 1600 Kriegsgefangenen, Zivilisten und Angehörigen des OD zum LVI.Pz.K., teils zum Wegebau, teils zum Weiterbau der Bahnstrecke. Die Heeresgruppe hat die Rückgabe der zum AOK 2 gehörigen Sicherungsbataillone, die sich noch beim LVI.Pz.K. befinden und auf Grund ihrer stark abgesunkenen Gefechtsstärken bereits aus der Front gezogen worden sind (Chef/Chef H.Gr., 17.1.44, 2.1.05 Uhr), zur 2.Armee befohlen (Anl. V 1). Auch das AOK ordnet an, die eigenen Sicherungsbataillone den Korück zur Auffrischung zuzuführen (s. Anl. IV 3). |
| 30.1.1944 | KTB 9.Armee. Der Feind setzt seine schweren Angriffe gegen das LVI.Pz.K. und XXXXI.Pz.K. fort. Der ѵош Gen.Kdo. LVI.Pz.K. am Südflügel des Korps erwartete Angriff bleibt aus. Der Gegner greift vielmehr mit starken Kräften die Mitte der Korpsfront an und erzielt, während seine insbesondere im Abschnitt zwischen Ssawin Rog und Cholina sehr heftigen Angriffe an der zähen Abwehr der eigenen Truppe scheitern, auf der Naht 4.Pz.Div./35.I.D. einen Einbruch, der zum Verlust von Krjuscha und Kurgan führt (Karte 1 : 100 000). Der eigene Gegenangriff bleibt in starkem feindlichen Abwehrfeuer unter hohen eignen Verlusten liegen. Da es darauf ankommt, ein Weiterstoßen des Feindes nördlich der Straßen Kolki - Osaritschi zu verhindern (wodurch die noch vorwärts der Enge stehenden Teile abgeschnitten werden würden), befiehlt das AOK, eine starke Abriegelungsfront zwischen Straße und Tremlja herzustellen, und zwar durch Heranziehung von Kräften aus dem Südteil des Brückenkopfes (s.Anl. IV 11). Der rechte Flügel der 35.I.D. wird hinter die Tremlja zurückgenommen. Beim XXXXI.Pz.K gelingt es, den Einbruch bei Kobylschtschina im wesentlichen zu bereinigen, Der Schwerpunkt der Feindangriffe hat sich heute in den Abschnitt der 36.I.D. verlagert, wo gegen Mittag zwei Divisionen, mit je einem Schtz.Rgt. in Front, zwischen Keltscho und Jaswin unter stärkster Feuerunterstützung durch Artillerie und Granatwerfer zum Angriff antreten. Der Gegner wird unter sehr hohen Verlusten abgewiesen - angesichts der beträchtlichen Unterlegenheit der eigenen Kräfte ein -ausgesprochener Abwehrerfolg. Erneute Bereitstellungen, vor allem ostw. Weltescho, lassen jedoch baldige Wiederaufnahme der Angriffe erwarten. Hinsichtlich des Einsatzes der 129.I.D. ist von Seiten der Heeresgruppe eine Entscheidung noch nicht gefallen. Der Antrag des AOK, das Art.Rgt. der Div. schon jetzt im Abschnitt der 36.I.D. zusätzlich einsetzen zu dürfen, wird dagegen bereits heute genehmigt (Ia H.Gr./ Chef, 10.55 Uhr). Da im Kampfraum südlich der Beresina mit einem Abflauen der sowjetischen Angriffe vorerst nicht zu rechnen ist, hat sich der Oberbefehlshaber zu einem nochmaligen Rückgriff auf Kräfte des XXXV.А.K. zur Gewinnung neuer Reserven entschlossen. Das Korps erhält Befehl, den Rgt.Stab und das I./533 (383.I.D.) aus der Front herauszulösen und als Armeereserve in den Raun nördlich Paritschi in Marsch zu setzen (s.Anl. IV 1). (Das III./533 ist bereits gestern beim XXXXI.Pz.K. zur Bereinigung des Einbruchs bei Kobylschtschina eingesetzt und inzwischen der 134.I.D. unterstellt worden). Das Gen.Kdo.LV.A.K., das Anweisung erhalten hat, die Frage der Herauslösung eines weiteren Btl. ebenfalls zu prüfen, meldet, daß bei Rückführung des z.Zt. abgegebenen, noch beim LVI.Pz.K. befindlichen Alarm-Btl. ein Btl. der 296.I.D. zur Verfügung gestellt werden könne (Chef LV/Ia, 19.30 Uhr). Diese weitere Schwächung des XXXV.A.K. und LV.A.K. glaubt der Oberbefehlshaber deshalb vornehmen zu können, weil der Feind vor beiden Korps ausgesprochene Verteidigungsformationen in seine Front eingeschoben hat; vor dem LV.A.K. ist im Abschnitt der 296. I.D. das 115.Befestigungsrayon, vor den XXXV.A.K. nordostw. Mormal durch einen eigenen erfolgreichen Stoßtrupp das 383. M.G.-Art.Btl., also ein ähnlicher. Verband, festgestellt worden (s. Ic=Morgenmeldung). Mit Angriffsabsichten des Gegners in diesen Abschnitten dürfte deshalb kaum zu rechnen sein. Ob allerdings die vor dem LV.A.K. frei gewordenen Divisionen ebenso wie die vorher im Raum zwischen Dnjepr und Beresina eingesetzten nach Süden abgezogen worden sind, läßt sich z.Zt. noch nicht sagen. Zur Erinnerung an die Wiederkehr des Tages der nationalsozialistischen Revolution sind heute die Angehörigen des AOK zu einer schlichten Feierstunde zusamnengetreten. In einer Ansprache, in der der Oberbefehlshaber die Bedeutung dieses Tages würdigt, erneuert er das Treuegelöbnis der 9.Armee ihrem obersten Befehlshaber gegenüber, nicht eher zu ruhen, bis das Ziel, das der 30.1.1933 allen Deutschen gesetzt hat, erreicht sein wird. |
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