4.Panzerdivision
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Kriegstagebuch Januar 1944
8.1.1944
KTB 9.Armee.
Der Gegner tritt heute zu dem erwarteten Angriff an. Am Nordflügel der 2.Armee kommt es zu schweren Kämpfen, die auch auf den Abschnitt der 134.I.D.
übergreifen, Mehrere nördlich der Armeegrenze in Btl.-Stärke vorgetragenen Feindangriffe werden in harten Gefechten zum Teil abgewiesen, zum Teil führen
sie zu örtlichen Einbrüchen, die jedoch durch sofort einsetzende Gegenstöße bereinigt werden können.
Weniger erfolgreich ist die Abwehr im nördlichen Abschnitt des LVI.Pz.K. (2.Armee). Zwischen Rylowitschi und der Armeegrenze, am linken Flügel der 4.Pz.Div.,
stößt der Gegner bis in die Gegend südlich Sabolotje durch. Das XXXXI.Pz.K. dadurch in seiner Flanke unmittelbar bedroht, beginnt unter Einsatz beschleunigt
herangezogener Reserven mit dem sofortigen Aufbau der geplanten Sicherungslinie längs der Armeenaht.
Um 21.50 Uhr meldet das Korps, laut Mitteilung der Pz.A.A.4 sei der rechte Nachbar im Ausweichen auf die Linie Rylowitschi -Sabolotje. Anfragen beim LVI.Pz.K.
ergeben keine eindeutige Klärung der Lage. Auch die Heeresgruppe, deren Fernsprechverbindungen zum AOK 2 ausgefallen sind, zeigt sich nicht orientiert.
Ihren Vorschlag, die 9.Armee solle den Abschnitt von Rylowitschi bis Sabolotje mit übernehmen, lehnt das AOK ab, da ihm keine Kräfte zur Verfügung stehen
(Ia/Ia H.Gr., 21.40 Uhr). Es schlägt vielmehr seinerseits vor, die Bereinigung des Einbruchs durch beiderseitigen Angriff - 134.I.D. von Norden, Pz.A.A. 4
von Süden - durchzuführen und auf diese Weise den Upa=Abschnitt wieder zugewinnen. Nach Eingang einer neuen Orientierung vom Gen.Kdo.XXXXl.Pz.K., wonach
zwischen den beiden genannten Orten z.Zt. eine 2 km breite Frontlücke bestehe, südlich davon nur schwache Sicherungskräfte vorhanden seien und das LVI.Pz.K.
erklärt habe, die stark angeschlagene Pz.A.A.4 sei zur Mitwirkung bei dem vorgesehenen Bereinigungsangriff nicht im Stande, sieht das AOK sich jedoch
gezwungen, seinen Vorschlag wieder fallen zu lassen, da ein nur von Norden geführter Gegenangriff zwecklos sein würde. Es wird der Heeresgruppe deshalb
nunmehr vorgeschlagen, auf diesen (an sich notwendigen) Gegenangriff zu verzichten und dafür die 2.Armee anzuweisen, mit ihrem Nordflügel unter allen Umständen
die Höhe 2 km südlich Sabolotje festzuhalten, die 9. Armee werde dann unter Einsatz letzter Kräfte dorthin während der Nacht Anschluß zu nehmen suchen.
Die Heeresgruppe ist einverstanden, woraufhin das XXXXI.Pz.K. den Befehl erhält, außer der Herstellung der Verbindung zur 2.Armee Eingreifreserven südlich
Sabolotje bereitzustellen, um einem weiteren Vorgehen des Feindes angriffsweise entgegenzutreten. ....

4./Pz.Gren.Rgt.33:
San.Fw.Josef Specht, gefallen, K., Kuriditschi;
Obgfr.Max Pauli, gefallen H., Kuriditschi, Grablage Grab 7 am Waldrand v.Koschtschitschi;
12.1.1944
KTB 9.Armee.
Die immer weiter zunehmende Verschärfung der Lage bei der 2.Armee veranlaßt das AOK zu weiterer, insbesondere artilleristischer Verstärkung des neu übernommenen
Südabschnitts, in dem sich lediglich schwache Teile der 4.Pz.Div. und einige Sicherungseinheiten befanden. (Einzelheiten s. Ziff. 3 der Tagesmeldung, Anl. II).
Erste Teile der in Zuführung begriffenen 35.I.D. sind in den beiden Ausladebahnhöfen Krassnyj Bereg und Teluscha eingetroffen und werden im Kfz.=Marsch
beschleunigt in ihren neuen Einsatzraum gebracht. Den Befehl über diesen Abschnitt hat das XXXXI.Pz.K. dem Div.Kdo. 707.I.D. bis zum Eintreffen des
Div.Kdos. 35.I.D. übergeben, da es als Führungsstab geeigneter erscheint als der zunächst vorgesehene Brigadestab Treptow. Dieser erhält die bisherige Aufgabe
des Div.Kdos.707.I.D., den
Bau. der Riegelstellung, zugewiesen.
Über die weitere Kampfführung der 2.Armee fällt heute eine wichtige Entscheidung. Der Führer hat die Zurücknahme der Front auf die Pripjet=Upa=Linie genehmigt
(s. Anl, IX). AOK 2 teilt mit, daß Vorbereitungen für die Ausweichbewegung bereits in vollem Gange seien (Chef 2/Chef 9, 17.00 Uhr). Im Endergebnis wird sie
zur Aufgabe von Kalinkowitschi und Mosyr führen; das bedeutet leider, im größeren Rahnen gesehen, für den Feind die Gewinnung einer durchgehenden
Eisenbahnverbindung von Retschiza und Gomel über Kalinkowitschi nach Shitomir und Berditschew. Andererseits wird aber jetzt das Anschlußhalten zur 2. Armee,
auf dessen Wichtigkeit der Feldmarschall heute noch einmal ausdrücklich hingewiesen hat (FM/Chef, 9.50 Uhr), erheblich erleichtert werden, wenn auch damit zu
rechnen sein dürfte, daß der Feind mit verstärkten Angriffen auf der Upa=Front reagieren wird, sobald nach der Frontzurücknahme die jetzt zum Zangenangriff
von Süden und Nordosten auf die 2. Armee angesetzten Kräfte freigeworden sind. Dieser Abschnitt wird also aller Voraussicht nach Brennpunktabschnitt bleiben.
An Kampfhandlungen bringt der Tag örtliche Gefechte bei XXXXI.Pz.K., wo der Feind am Südflügel der 134.I.D. und bei Rossowo (253.I.D.) mehrfach in Kp.-Stärke
angreift. In den Morgenstunden hat der Gegner auch wieder einmal beim XXXV.A.K. einen Angriffsversuch unternommen, der erfolglos bleibt. Beim LV.AK. an der
Dnjepr=Front sind außer geringer feindlicher Aufklärungstätigkeit keine Gefechtshandlungen zu verzeichnen.
14.1.1944
KTB 9.Armee.
An der Front des XXXXI.Pz.K. nimmt die Kampftätigkeit allmählich zu. Bei Nowosselki und Zidoff (707.I.D.) fühlt der Feind erstmalig mit Spähtrupps vor, bei
Medwedoff (36.I.D.) greift er mit schwächeren Kräften an und wird abgewiesen. Bei Rossowo gelten seine mit starker Feuervorbereitung geführten Vorstöße der
Gewinnung von Petschischtsche und eines Stützpunktes nördlich Rossowo, von wo aus er einen tiefen Einblick in das Gelände nordwestlich des Ortes heben würde.
Auch hier brechen die Angriffe
im Feuer der eigenen Waffen zusammen.
Die Absetzbewegung der 2.Armee auf die Pripjet=Upa=Linie ist beendet (s.Anl. V 2). Die Heeresgruppe erwägt nunmehr eine Neuregelung der Befehlsverhältnisse
im Upa=Abschnitt, verbunden mit einer Wiederordnung der im Laufe der letzten Tage durcheinander geratenen Verbände. Es wird - unter vorläufiger
Aufrechterhaltung der Grenze bei Kaplitschi - entschieden, daß die ganze 35.I.D. der 9.Armee zugeführt werden soll, mit der Auflage, ein Btl. als Armeereserve
in die Gegend von Peski, d.h. also in den gestern Vereinbarung sgemäß vom LVI.Pz.K. zeitweise übernommenen Abschnitt zu stellen, Die noch am Südflügel der
9.Armee eingesetzten Teile der 4.Pz.Div. und 2 RSO=Abteilungen sollen dafür der 2. Armee zugeführt werden. Gegen die ebenfalls befohlene Abgabe der z.Zt. noch
in Front stehenden Sicherungskräfte wendet sich das AOK mit dem Hinweis, daß infolge der Аbschnittsverbreiterung eine Vergrößerung des rückwärtigen Gebiets um
den als starkes Bandenzentrum bekannten Raum Choino-Karpilowka erfolge. Die Heeresgruppe erklärt dazu, die endgültige Grenze werde so nach Nordwesten gezogen
werden, daß eine wesentliche Vergrößerung des rückwärtigen Gebiets nicht eintrete; infolgedessen bleibt es bei dem Befehl zur Abgabe (s.Anl. V 1 und IV 1).
Eine endgültige Grenzziehung erfolgt noch nicht, doch dürfte anzunehmen sein, daß die Armee den jetzigen Befehlsbereich behalten wird.
An der Front des LV.A.K. tritt der Feind im Abschnitt der 296.I.D. zu einem plötzlichen Vorstoß in Kp.-Stärke an. Der Angriff bleibt zwar schon vor dem eigenen
Drahthindernis im zusammengefaßten Feuer liegen, weitere Ansammlungen des Gegners im gleichen Raum lassen jedoch auf die Möglichkeit einer Fortsetzung der
Angriffe schließen. Um, falls der Feind morgen früh erneut angreifen sollte, auch stärkeren Vorstößen gewachsen zu sein, befiehlt der Oberbefehlshaber, zur
Bildung eines örtlichen Abwehrschwerpunktes noch heute nacht das z.Zt. als Armeereserve in Rogatschew stehende Alarmbtl. des LV.A.K. nebst einer
Bttr.Sturmgeschützen zur 296.I.D. in Marsch zu setzen (s.Anl. IV 3).
Zur Festigung ler Abwehr am Nordflügel der Armee, wo leider eine fühlbare artilleristische Schwächung durch die befohlene Wegziehung der noch im Abschnitt der
31.I.D. stehenden Artillerieteile der 267.I.D.). eintreten wird, ordnet das AOK enges Fühlunghalten der Artilleriekommandeure des LV.A.K. und der 31.I.D. mit
den entsprechenden Kommandeuren im Nachbarabschnitt (4.Armee) an (s.Anl. IV 2).
19.1.1944
KTB 9.Armee.
Am Südflügel der Armee beginnt sich die Überlegenheit des Feindes gegenüber der eigenen durch die harten Kämpfe stark beanspruchten Truppe mehr und mehr bemerkbar
zu machen. Sehr ungünstig wirkt sich die geländebedingte Unmöglichkeit eines vollen Einsatzes der Artillerie aus, die ja sonst - angesichts der geringen
infanteristischen Starken - den wesentlichen Faktor der deutschen Abwehr zu bilden pflegt. Zu häufigem Stellungswechseln gezwungen vermag sie in dem unübersichtlichen
Waldgelände den Grenadieren, die gegenüber dem zahlenmäßig weit überlegenen Gegner einen schweren Stand haben, nur wenig zu helfen.
Der geplante eigene Gegenangriff bei Rossowo, das seit gestern 11 mal den Besitzer gewechselt hat, muß aufgegeben werden (s.Anl. IV 1), da neben den bisher schon im
Kampf um den Ort eingetretenen Ausfällen die für den Angriff noch zu erwartenden Verluste in keinem Verhältnis zu dem erstrebten Erfolg stehen würden.
Der Oberbefehlshaber befiehlt deshalb, in einer brauchbaren Linie zur Verteidigung überzugehen (OB/Ia, 9.50 Uhr). Im Abschnitt der 36.I.D., an der Stelle, wo seinerzeit
die nicht gelungene Schließung des "Nikolaus=Kessels zum Aufbau einer Stützpunkt=HKL im Sumpfgebiet nordwestl; Sagorje zwang, sind Feindteile bis an die Straße
Tschirkowitschi - Welikij Bor durchgesickert, die sich laufend verstärken. Um einen weiteren Durchstoß zu verhindern, werden Kräfte aus dem Abschnitt Medwedoff
freigemacht und zum Gegenangriff gegen den ein gebrochenen Feind eingesetzt.
Besonders kritisch entwickelt sich die Lage im Abschnitt des LVI.Pz.K. Hier erzwingt der Feind unter Ausnutzung seines Brückenkopfes den Übergang über die Wischa in
breiter Front, nimmt die Orte Ugly und Wischa und nähert sich der Straße Kolki - Osaritschi. Im Wald südlich Krjukowitschi kämpfen an eigenen Teilen nur noch versprengte
Gruppen: der Zusammenhang der Front ist bis Teruscha unterbrochen (KG LVI/Chef, 15.55 Uhr). Es besteht, um ihn wiederherzustellen, nur die Möglichkeit, aus dem
Upa=Abschnitt zwischen Kaplitschi und Krotoff starke Kräfte herauszulösen und sie dem Feind, der nach Westen und Norden weiter vorstößt, vorzulegen. Da jedoch dadurch die
Upa-Pront so geschwächt werden würde, daß sie zur Abwehr eines stärkeren Feindangriffs nicht mehr in der Lage wäre, erbittet das AOK auf Antrag des LVI.Pz.K. von der
Heeresgruppe die Zuführung von Kräften des rechten Nachbarn zur 4.Pz.Div., um einem Zurückeerfen des rechten Flügels der Division und damit einem Abreißen des Anschlusses
zur 2.Armee vorzubeugen (Chef/ Ia H.Gr., 16.45 Uhr). Der Feldmarschall entscheidet, daß die 5.Pz.Div. ein Rgt. in den Abschnitt Kaplitschi - Krotoff stellen soll
(s..Anl. V 4), genehmigt das Herausziehen von Teilen der 4.Pz.Div. zur Abriegelung des Einbruchs, fordert aber, daß die Front an der Upa ohne Rücksicht auf den weiter
nördlich eingebrochenen Gegner auf alle Fälle an der jetzigen Linie stehenzubleiben habe (FM/ОВ 17.30 Uhr). Die Auffassung des LVI.Pz.K., das (s.dazu Anl. IV 4) darauf
hinweist, der doppelte Auftrag, den Einbruch abzuriegeln und gleichzeitig an der Upa=Front festzuhalten, übersteige nicht nur die Kräfte des Korps, sondern werde auch ohne
Zweifel sehr bald von der Entwicklung überholt sein, erscheint dem AOK zwar nicht ganz unbegründet, im Hinblick auf den strikten Befehl des Feldmarschalls weist der
Oberbefehlshaber jedoch selbst noch einmal ausdrücklich darauf hin, daß die Front zwischen Kaplitschi und Krotoff unter allen Umständen verteidigt werden müsse; die Aufhebung
dieses Befehls behält er sich selbst vor (OB/KG LVI, 23.20 Uhr; OB/Chef, 00.20 Uhr; Chef/Ia LVI, 00.25 Uhr). Darüber hinaus aber befiehlt er dem ХХXXI. und LVI.Pz.K. den
beschleunigten Ausbau einer Riegelstellung in allgemeiner Linie Myssloff Rog - Nekraschi - Verlauf der Tremlja (s.Anl. IV 6).
Auch beim XXXV.A.K. greift der Feind im Abschnitt der 45.I.D. heute erstmalig wieder mit schwächeren Kräften an. Es dürfte sich um einen Begleitstoß zu dem mit der Masse der
Verbände südlich der Beresina geführten, auf Bobruisk zielenden Hauptangriff handeln. Seine Wiederholung in den nächsten Tagen erscheint nicht ausgeschlossen
(s.Ic=Zwischenmeldung). Der heutige Angriff kann abgewiesen, ein örtlicher Einbruch im Gegenstoß bereinigt werden.
Entsprechend dem gestrigen Antrag des AOK befiehlt die Heeresgruppe die Übernahme des Frontabschnittes am Nordflügel der Armee bis einschießlich. Now.Bychoff durch AOK 4
(s.Anl. V 1). Sic soll nach erfolgter Ablösung der dort stehenden Teile der 31.I.D. am 21.1 , 4.00 Uhr erfolgen. Das AOK gibt daraufhin dem LV.A.K. den Befehl, die 110.I.D.
(vorerst ohne 1 verst.Rgt.Gruppe) nunmehr abschnittsweise herauszulösen und zum Südflügel der Armee in Marsch zu setzen. (s.Anl. IV 3). Um die ganze Division herauslösen zu
können - und das AOK hält den Einsatz auch der zunächst noch beim LV.A.K. zurückbleibenden Rgt.Gruppe am Südflügel für unbedingt erforderlich - wird bei der Heeresgruppe die
Übernahme noch eines weiteren Abschnittes der 31.I.D. durch Kräfte der 4.Armee beantragt (s. Anl. V 2).
Von der Heeresgruppe ist die Inmarschsetzung der z.Zt. noch beim Pz.AOK 3 befindlichen 129.I.D. in den Raum Bobruisk befohlen worden. Die Division - mit Eintreffen als
Heeresgruppenreserve dem AOK 9 unterstellt - soll dort eine kurze Auffrischungszeit durchmachen (s.Anl. V 1).
   
   
22.1.1944
KTB 9.Armee.
Die schweren Kämpfe, die seit dem 16.1. auf dem Südflügel der Armee entbrannt sind, stehen, wie jetzt, allmählich immer klarer hervortritt, unter dem Zeichen eines neuen sowjetischen
Großangriffsverfahrens. Der Feind berennt nicht, wie er еs sonst vielfach tut, auf breiter Front die deutschen Stellungen, sondern greift unter scharfer Bildung örtlicher Schwerpunkte einzelne
Stellen der HKL mit starken Kräften an und versucht, wenn ihm der Durchbrach gelingt, in sofortigen Eindrehen die Front aufzurollen. Gelingt ihm der Durchbruch nicht, so pflegt er nach
verhältnismäßig rascher Verlagerung seiner Schwerpunkte an anderer Stelle erneut anzugreifen. Es ist dies eine taktisch außerordentlich geschickte Angriffsart, die аn den Verteidiger
führungsmäßig größte Anforderungen stellt; sie verlangt eine in höchstem Maße wendige Anpassung an die Kampfweise des Gegners durch vorausschauende und schnelle Bildung von Abwehr Schwerpunkten
in den jeweils bedrohten Abschnitten. Von der Truppe fordert sie - gerade hier, in dem fast -überall unübersichtlichen und für den Artillerieeinsatz besonders ungünstigen Gelände - äußerste
Anstrengungen und Leistungen. Die. Tatsache, daß es bisher gelang, die fast immer mit erheblicher Überlegenheit geführten Angriffe nach kurzer Zeit wieder zum Stehen zu bringen und die Front
geschlossen zu halten, ferner, daß im ganzen gesehen - doch nur ein im Verhältnis zum Kräfteeinsatz des Feindes geringfügiger Geländestreifen verloren wurde, stellt Führung und Truppe ein
hervorragendes Zeugnis aus.
Am heutigen Tag steht die Front südlich der Beresina wiederum in äußerster Anspannung, Um den heftigen feindlichen Angriffen sandzuhalten. Abgesehen von zwei örtlichen Einbrüchen bei Dubnjaki
und bei Sakletnoje (4.Pz.Div. bzw. 253.I.D.), um die am Abend noch gekämpft wird, bleibt die HKL überall in eigener Hand (Näheres s.Anl. II und III). Besonders schwer sind die Kämpfe beim
XXXXI.Pz.K. (36. und 253.I.D.). Der Oberbefehlshaber hat deshalb befohlen, eine Rgt.Gruppe der an sich zum Einsatz am Korpsflügel des LVI.Pz.K. bestimmten 110.I.D., vorläufig am linken Flügel
des XXXXI.Pz.K. in der 2.Stellung einzusetzen, um zu verhindern, daß der Feind bei einem plötzlichen Einbruch diese eher als die eigene Truppe erreicht, denn er hofft, falls die Front noch
weiter zurückgeworfen werden sollte, die stark abgekämpften Verbände wenigstens für einige Tage in dieser Stellung sich setzen zu lassen.
Der Verbleib des I.Gde.Pz.K., mit dessen Auftreten ja nun schon seit Tagen gerechnet wird, ist nach wie vor zweifelhaft; das Vorhandensein einzelner Panzer in verschiedenen Frontabschnitten
gibt noch kein endgültiges Bild. Das AOK hält jedoch sein Auftauchen im Abschnitt des LVI.Pz.K. für besonders wahrscheinlich. Es wird deshalb befohlen, die erste soeben fertig aufgestellte
- Kompanie des Armee=Pz.=Zerstörer=Btl. dem LVI.Pz.K. zuzuführen. Die Kp. ist mit der neuen R=Panzerabwehrwaffe, dem sog. "Ofenrohr" ausgestattetj die hier erstmalig im Armeebereich zum Einsatz
kommen soll (s.Anl. IV 1).
   
   
   
26.1.1944
KTB 9.Armee.
Nach einstündiger, äußerst starker Artillerievorbereitung tritt der Feind, unterstützt von zahlreichen Panzern, mit massierten Kräften zu dem erwarteten Großangriff gegen die Front des
LVI.Pz.K. an. Während es der 4.Pz.Div. und der 110.I.D. (deren Div.Kdо. heute den Befehl über den linken Anschnitt des Korps übernommen hat) gelingt, alle Angriffe unter hohen Feindverlusten
abuschlagen - auch ein Umfassungsversuch am äußersten rechten Korpsflügel wird erfolgreich abgewehrt -, erzielt der Gegner im Abschnitt Ssawitsschi - Krjukowitschi einen breiten und tiefen Einbruch.
Sofort eingeleitete Gegenmaßnahmen des Korps, die bis zum Abend noch keinen Erfolg, gehabt haben, sollen in die Nacht hinein fortgesetzt werden, da ein Gegenangriff in der Frühe des morgigen Tages,
nachdem der Feind Zeit gehabt hat, sich in der Einbruchsstelle zu verstärken, weit weniger Aussicht auf Erfolg bieten würde.
Beim XXXXI.Pz.K. kommt es an mehreren Stellen zu örtlichen Gefechten. Die noch vorwärts der HKL haltenden Sicherungen werden zurückgeworfen. Im übrigen schließt der Feind vor der gesamten Korpsfront
auf - alle Anzeichen deuten darauf hin, daß er seine starken Angriffe auch hier in Kürze wieder Aufnahmen wird. Der Brückenkopf Kobylschtschina geht in den Abendstunden nach wechselvollem Kampf
verloren.
Schwache Feindteile, die heute am Südflügel des XXXV.A.K, die Beresina nördl. Schazilki übergesetzt sind, können nach kurzem Gefecht wieder zurück geworfen werden. Die Tatsache, daß dieser Vorstoß
überhaupt möglich war, zeigt jedoch, daß die hier stehenden eigenen schwachen Kräfte -zu einer ausreichenden Überwachung des Flussabschnitts nicht in der Lage sind. Der Oberbefehlshaber befiehlt
deshalb, noch eine Alarmeinheit aus rückwärtigen Diensten zusammenzustellen und in diesen Abschnitt zur Verstärkung einzusetzen (OB/ Chef, 13.10 Uhr).
Heute um 16.00 Uhr hat der als Chef des Generalstabes zum LV.A.K. versetzte Ia der Armee, Oberst i.G. Hölz, die Dienstgeschäfte an seinen Nachfolger, Oberstlt.i.G. Ulms, übergeben. Mit dem Wirken
seines bisherigen Ersten Generalstabsoffiziers verbindet das AOK Erinnernugen an schwere, aber auch an stolze Zeiten.
Nach den Großschlachten im Kampfraum Rshew, an deren Generalstabsmäßiger Vorbereitung und Durchführung er maßgeblichen Anteil hatte, war sein eigentliches organisatorisches Meisterstück die
"Büffelbewegung", jene mit uhrwerkmäßiger Genauigkeit geplante und abgelaufene erste große Absetzbewegung der Armee. Auch im neuen Kampfraum Orel, bei der Vorbereitung des "Zitadelle"=Unternehmens,
dann später bei der Durchführung der Absetzbewegungen auf die Hagen-und Pantherstellung und endlich bei den Abwchrkämpfen im Dnjepr-Raum dankt die 9.Armee seiner Arbeit viel, und es sind hohe Worte
der Anerkennung, mit denen der Oberbefehlshaber und der Chef des Generalstabes ihrem ersten Mitarbeiter anläßlich seines Scheidens diesen Dank aussprechen.
   
   
29.1.1944
KTB 9.Armee.
Die Kämpfe südlich der Beresina dauern in unverminderter Härte an. Sie stellen die Abwehrkraft der Truppe, die bei dem derzeitigen naßkalten Wetter außer den Kampfverlusten auch sehr starke,
zahlenmäßig z.T. sogar überwiegende Ausfälle durch Erkältungskrankheiten aller Art zu verzeichnen hat, auf eine schwere Probe.
Beim LVI.Pz.K. setzt der Feind seine Angriffe aus der gestrigen Einbruchsstelle heraus fort und kann erneut Gelände gewinnen. Während die 4.Pz.Div. starke Feindangriffe unter Bereinigung eines
örtlichen Einbruchs abwehren, die 35.I.D. sogar durch einen eigenen erfolgreichen Gegenangriff den scharf nachdrängender Feind zeitweilig zurückwerfen kann, wird der bei Gora stehende rechte Flügel
der 110.I.D. durch starke Angriffe des Feindes durchbrochen und auf die Linie Cholina - Medwed zurückgeworfen. Hier erst kann nach beiderseits verlustreichen Kämpfen der feindliche Stoß aufgefangen
werden. Der Gegner führt laufend Verstärkungen in den Einbruchsraum nach.
Gegen Abend meldet das LVI.Pz.K., daß die gespannte Lage in diesem Raum keineswegs seine einzige Sorge für den morgigen Tag sei. S.Qu.-Nachrichten und Luftaufklärungsmeldungen zufolge müsse mit
einem unmittelbar bevorstehenden Versuch des Gegners gerechnet werden, durch Umgehung von Kolki von Süden her auf das Westufer der Tremlja zu gelangen. Gleichzeitig seien Fesselungsangriffe gegen
die Ostfront des Korps zu erwarten. Ein Gelingen dieser feindlichen Umfassungsаbsicht bedeute aber eine erhebliche Bedrohung der noch ostw. der Kolki=Enge stehenden 4.Pz.Div. denn für den Fall, daß
dann ihre Zurücknahme hinter die Tremlja erforderlich werden sollte, sei nur eine einzige für Fahrzeuge geeignete Brücke bei Kolki vorhanden, zu der auch nur ein einziger Fahrdamm führe.
Der linke Flügel der 2.Armee stehe aus Geländegründen ohnehin erst bei Ssubischtsche (südwestl.- Kolki befinden sich nur schwache Sicherungen), deshalb bittet das Korps darum, um ein geordnetes
Abfließen der 4.Pz.Div. sicherzustellen, sich mit seinem rechten Flügel in der Nacht vom 30./31.1. in die als Stellung vorbereitete Linie Ssubischtsche - Kolki- Ssawin Rog absetzen zu dürfen.
Hier glaube man endgültig halten zu können, während ein längeres Verbleiben in der sehr ungünstigen, auf die Dauer unhaltbar jetzigen Linie nicht möglich sein werde (Chef LVI/Chef, 19.50 Uhr).
Der Armeechef erklärt dazu, er halte es keineswegs für richtig, die Front der 4.Pz.Div. ohne Feinddruck zurückzunehmen, angesichts der Feinddrohung müsse im Gegenteil deren rechter Flügel auf Kosten
der übrigen Front verstärkt werden, damit die Stellungen vorwärts Kolki gehalten werden könnten. Da auch der Gegner z.Zt. an bestimmte Bewegungslinien, gebunden sei, könne man den erwarteten Angriffen
von Osten durch Bildung örtlicher Abwehrschwerpunkte an den Straßen-und Wegen sehr wohl begegnen. Im übrigen dürfe man sich erst dann absetzen, wenn der Feinddruck dazu zwinge, denn nur dadurch sei
eine Abnutzung der gegnerischen Kräfte zu erzielen. - Die Entscheidung des Oberbefehlshabers über den Antrag lautet aus den gleichen Erwägungen ablehnend; dem LVI.Pz.K. wird, das Halten der jetzigen
Stellung unter Verstärkung der Abwehr südlich Kolki befohlen (s.Anl.IV 2). Die Heeresgruppe hat zugesagt, daß auch die 2.Armee ihren linken-Flügel durch Bereitstellung von Eingreifreserven verstärken
wird, um der Gefahr eines feindl. Durchbruchs auf der Armeenaht vorzubeugen. -
Auch an der Front des XXXXI.Pz.K. kommt es wieder zu harten Kämpfen. Die Angriffe des Gegners können zumeist abgeschlagen, eingebrochene Feindteile im Gegenstoß zurückgeworfen werden. In seinem
Angriffsschwerpunkt, bei Kobylschtschina, hat der Feind allerdings einen größeren Einbruch erzielt, dessen Bereinigung trotz mehrfacher, von Sturmgeschützen unterstützter Gegenangriffe noch nicht
gelungen ist. Vorereitungen zur Wiederholung des Angriffs mit verstärkten Kräften sind im Gange.
Im Hinblick auf die im Laufe der Kämpfe stark abgesunkene Abwehrkraft der Truppe hält das AOK es für notwendig, zur Gewährleistung einer weiteren erfolgreichen Kampfführung die baldige Freigabe
der 129.I.D. zum Einsatz im Kampfraum südl. der Beresina bei der Heeresgruppe zu beantragen. Dem AOK ist bekannt, daß die Heeresgruppe an einen Austausch, der 129.I.D. mit der 4.Pz.Div. denkt, es
hält diese Lösung jedoch nicht für zweckmäßig, weil nach seiner Ansicht in erster Linie ein feindlicher Durchbruch über Paritschi verhindert und deshalb vor allem das XXXXI.Pz.K. in seiner Kampfkraft
gestärkt werden muß. Es wird daher der Heeresgruppe vorgeschlagen, mit der 129.I.D. zunächst die beim XXXXI.Pz.K.im Brennpunkt der Abwehr stehende 36.I.D. abzulösen, sie kurze Zeit aufzufrischen und
dann, zur herauslösung der 4.Pz.Div. zu verwenden. Zur sofortigen Verstärkung der 36.I.D. und zur Beschleunigung der späteren Ablösung stellt das AOK ferner den Antrag, schon jetzt da Art.Rgt. der
129.I.D. zusätzlich im Abschnitt der 36.I.D. einsetzen zu dürfen.
Der ehemalige Oberbefehlshaber der 9.Armee, Gen.Oberst Model, weilt heute zu einen kurzen Besuch beim AOK.
30.1.1944
KTB 9.Armee.
Der Feind setzt seine schweren Angriffe gegen das LVI.Pz.K. und XXXXI.Pz.K. fort.
Der ѵош Gen.Kdo. LVI.Pz.K. am Südflügel des Korps erwartete Angriff bleibt aus. Der Gegner greift vielmehr mit starken Kräften die Mitte der Korpsfront an und erzielt, während seine insbesondere
im Abschnitt zwischen Ssawin Rog und Cholina sehr heftigen Angriffe an der zähen Abwehr der eigenen Truppe scheitern, auf der Naht 4.Pz.Div./35.I.D. einen Einbruch, der zum Verlust von Krjuscha und
Kurgan führt (Karte 1 : 100 000). Der eigene Gegenangriff bleibt in starkem feindlichen Abwehrfeuer unter hohen eignen Verlusten liegen. Da es darauf ankommt, ein Weiterstoßen des Feindes nördlich
der Straßen Kolki - Osaritschi zu verhindern (wodurch die noch vorwärts der Enge stehenden Teile abgeschnitten werden würden), befiehlt das AOK, eine starke Abriegelungsfront zwischen Straße und
Tremlja herzustellen, und zwar durch Heranziehung von Kräften aus dem Südteil des Brückenkopfes (s.Anl. IV 11). Der rechte Flügel der 35.I.D. wird hinter die Tremlja zurückgenommen.
Beim XXXXI.Pz.K gelingt es, den Einbruch bei Kobylschtschina im wesentlichen zu bereinigen, Der Schwerpunkt der Feindangriffe hat sich heute in den Abschnitt der 36.I.D. verlagert, wo gegen Mittag
zwei Divisionen, mit je einem Schtz.Rgt. in Front, zwischen Keltscho und Jaswin unter stärkster Feuerunterstützung durch Artillerie und Granatwerfer zum Angriff antreten. Der Gegner wird unter
sehr hohen Verlusten abgewiesen - angesichts der beträchtlichen Unterlegenheit der eigenen Kräfte ein -ausgesprochener Abwehrerfolg. Erneute Bereitstellungen, vor allem ostw. Weltescho, lassen
jedoch baldige Wiederaufnahme der Angriffe erwarten.
Hinsichtlich des Einsatzes der 129.I.D. ist von Seiten der Heeresgruppe eine Entscheidung noch nicht gefallen. Der Antrag des AOK, das Art.Rgt. der Div. schon jetzt im Abschnitt der 36.I.D.
zusätzlich einsetzen zu dürfen, wird dagegen bereits heute genehmigt (Ia H.Gr./ Chef, 10.55 Uhr).
Da im Kampfraum südlich der Beresina mit einem Abflauen der sowjetischen Angriffe vorerst nicht zu rechnen ist, hat sich der Oberbefehlshaber zu einem nochmaligen Rückgriff auf Kräfte des XXXV.А.K.
zur Gewinnung neuer Reserven entschlossen. Das Korps erhält Befehl, den Rgt.Stab und das I./533 (383.I.D.) aus der Front herauszulösen und als Armeereserve in den Raun nördlich Paritschi in Marsch
zu setzen (s.Anl. IV 1). (Das III./533 ist bereits gestern beim XXXXI.Pz.K. zur Bereinigung des Einbruchs bei Kobylschtschina eingesetzt und inzwischen der 134.I.D. unterstellt worden).
Das Gen.Kdo.LV.A.K., das Anweisung erhalten hat, die Frage der Herauslösung eines weiteren Btl. ebenfalls zu prüfen, meldet, daß bei Rückführung des z.Zt. abgegebenen, noch beim LVI.Pz.K.
befindlichen Alarm-Btl. ein Btl. der 296.I.D. zur Verfügung gestellt werden könne (Chef LV/Ia, 19.30 Uhr). Diese weitere Schwächung des XXXV.A.K. und LV.A.K. glaubt der Oberbefehlshaber deshalb
vornehmen zu können, weil der Feind vor beiden Korps ausgesprochene Verteidigungsformationen in seine Front eingeschoben hat; vor dem LV.A.K. ist im Abschnitt der 296. I.D. das 115.Befestigungsrayon,
vor den XXXV.A.K. nordostw. Mormal durch einen eigenen erfolgreichen Stoßtrupp das 383. M.G.-Art.Btl., also ein ähnlicher. Verband, festgestellt worden (s. Ic=Morgenmeldung). Mit Angriffsabsichten
des Gegners in diesen Abschnitten dürfte deshalb kaum zu rechnen sein. Ob allerdings die vor dem LV.A.K. frei gewordenen Divisionen ebenso wie die vorher im Raum zwischen Dnjepr und Beresina
eingesetzten nach Süden abgezogen worden sind, läßt sich z.Zt. noch nicht sagen.
Zur Erinnerung an die Wiederkehr des Tages der nationalsozialistischen Revolution sind heute die Angehörigen des AOK zu einer schlichten Feierstunde zusamnengetreten. In einer Ansprache, in der der
Oberbefehlshaber die Bedeutung dieses Tages würdigt, erneuert er das Treuegelöbnis der 9.Armee ihrem obersten Befehlshaber gegenüber, nicht eher zu ruhen, bis das Ziel, das der 30.1.1933 allen
Deutschen gesetzt hat, erreicht sein wird.
 
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