19.Infanteriedivision
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Kriegstagebuch Juni 1940
1.6.1940
Teisl wolkig
teils heiter
KTB 1./Pz.Jg.Abt.19
7.30 Uhr Wecken, 8.00 Uhr Kaffee-Ausgabe. 8.30 Uhr techn.Dienst und Geschützreinigen. Zugweise Appell in Ausrüstung und Gerät, zugleich Appell über
überflüssig mitgeführte Sachen.
Con 10.30 Uhr wurden zugsweise die Kriegerfriedhöfe von Poelkapelle und Langemark besichtigt. Besonderen Eindruck machte die sehr würdige Anlage des
Friedhofes der Studentenregimenter von Langemark, wo der rote Klatschmohn blüht und wo unsere Toten unter Eichen ruhen.
2.6.1940
Sonntag
Schönwetter
KTB 1./Pz.Jg.Abt.19
7.30 Uhr Wecken, 8.00 Uhr Kaffe-Ausgabe. 8.30 Uhr - 12.00 Uhr techn.Dienst und Geschützreinigen.
21.30 Uhr Abrücken der Kompanie nach Frankreich. Marschweg: Poelkapelle - Langemark - Wervicq - Roubaix nach Sainghin. Bei sinkender Dunkelheit
wurde bei Wervicq die Yser und damit die französische Grenze überschritten.
3.6.1940
Schönwetter
KTB 1./Pz.Jg.Abt.19
4.00 Uhr nach langer Nachtfahrt wurde endlich Sainghin erreicht. Die Farzeuge in einem Park abgestellte. Wir "übernachten" im Freien bis etwa 12.00 Uhr
anschliessend gab es mit Beutewein einen gemütlichen Abend.
4.6.1940
grosse Hitze
KTB 1./Pz.Jg.Abt.19
Weitermarsch gegen Mittag in Richtung auf Douai, in der Umgebung von Douai werden schon Quartiere gemacht. Aber auf dem Marsch wird die Abteilung
aufgehalten und etwa auf halbem Wege auf Bersee eingewiesen, dort Unterkunft auf einem Gut, wir schlafen an den Fahrzeugen und im Stroh.
5.6.1940
KTB 1./Pz.Jg.Abt.19
Ein Ruhetag, vor- und nachmittags Geschützreinigen und Fahrzeug-Instandsetzen. Es gibt viel Bier und viel Wein.
6.6.1940 KTB 1./Pz.Jg.Abt.19
Die Hitze dauert an die Ruhe ebenfalls. Im Land ist wenig zu organsieren, die Bevölkerung ist evakuiert, der Ort fast ganz von belgischen Flüchtlingen
die dorthin gekommen waren, ausgeplündert worden. Nur Wein ist reichlich da. Wasser ist leider sehr knapp, die Fahrzeuge können nur in ganz grossen
Abständen gewaschen werden. Uffz.Zöger wird zum Fw.befördert, Obergegr.Vahlbruch wird Uffz. Feldw.Zöger tritt als Zugtruppführer zum Zug Dörrie, Feldw.
Waldmann übernimmt wieder seine Funktion als W.u.G. Für Feld.Sechting, dessen Versetzung jetzt ausgesprochen wird, tritt Uffz.Gleisner als Zugtruppfhr.
im Zug Deiterding. Zugleich kommen 10 Ersatzmannschaften aus Well, so kann die Kompanie einen Teil der Fehlstellen wieder besetzen.
7.6.1940
grosse Hitze
KTB 1./Pz.Jg.Abt.19
Gegen Mkttag fährt die Abteilung von Bersee über Douai - Vitry en Artois nach Biache. Hier ist Unterkunft in Schulen und Privathäusern und vor allem:
ein grosser Teich, fast ein See. Noch an diesem Abend stürzt sich alles was schwimmern kann, ins Wasser.
8.6.1940 KTB 1./Pz.Jg.Abt.19
Andauernde Hitze. Morgens eine Stunde Waffenreinigen. Den Rest des Vormittags verbringen wir am Wasser, mit Booten, Latten usw. lässt sich unser Bad
in allen Richtungen durchforschen. Jezt merkt man erst wieviel geborene Seeleute wir haben. Auch da wir nicht alle mit Badehosen versehen sind,
verfolgt die Weiblichkeit von Bische uns mit grossem Interesse - Nachmittags von 14.00 - 18.00 Uhr ein Gerätappell. Noch am gleichen Abend rücken wir
weiter nach Courcelles le Conte, wo wir in Schulen gut unterkommen. Wir sind hier dicht bei Bapaume.
9.6.1940
Sonntag,
sehr warm
KTB 1./Pz.Jg.Abt.19
Ruhetag in Courcelles. Auch hier alles verlassen, z.T. geplündert, so dass wenig zu organisieren ist. Immerhin gibt es wieder Eier. Am Abend um 20.00
Uhr starten wir zu einem langen, sehr staubugen Marsch. Bei Bray geht es über die Somme, unser Zeil ist Belloy. Hier müsssen heftige Kämpfe gewesen sein,
die Dörfer hinter der Somme sind furchtbar zerschossen, viel schlimmer als wir aus Flandern kane. Belloy ist ein Trümmerhaufen, tote Pferde, Kühe und
Marokkaner machen den Ort unbewohnbar. So zieht unsere Kompanie in ein Waldstück, wo wir in der warmen Nacht prächtig schlafen.
10.6.1940
sehr schwül
nachmittags
bedeckt
KTB 1./Pz.Jg.Abt.19
Es fehlt in unserem Wald ganz an Wasser. Wachen fällt daher aus - und wir sind doch so stuabig. An den Waffen kann auch nicht viel gemacht werden. Wir
sind daher recht froh, als am frühen Nachmittag der Befehl kommt, über Roye - Cenny nach Roye sur Metz, weiter fahren. Die Kompanie liegt dort in einem
grossen Gehöft, es gibt Wasser ,Hühner und Schafe.
11.6.1940
Nachmittags
und nachts
Regen
KTB 1./Pz.Jg.Abt.19
Ruhe in Roye etwas techn.Dienst, Instandsetzen der Kelidung und immer wieder Radio hören. Nach den neuesten Nachrichten ist seit einigen Tagen grosse
Nachfrage. Der Wehrmachtsbericht gibt wenig Details , nur merken wir, dass es rasend schnell voraus gehen muss; wir machen täglich einen Sprung von
30-40 km und doch sind wir immer hinten. Was müssen sie vorne leisten!
12.6.1940 KTB 1./Pz.Jg.Abt.19
Noch ein Tag in Roye. Es regnet sich langsam ein. Keine besonderen Ereignisse. Heute wird bekannt dass Reims und Rouen gefallen sind - über das Tempo
unseres Vorgehens können wir nur noch staunen.
13.6.1940
kühl,wolkig
um Mittag
Regenschauer
KTB 1./Pz.Jg.Abt.19
Endlich ein Einsatz - wenn auch ohne Erfolg. Wecken 3.45 Uhr, Abmarsch 4.45 Uhr. Bei Compiegne setzen wir über die Oise, der rechtsseitige Vorort hat
stark gelitten. Vor dem imposanten Schloss halten wir kurz, dann geht es in schneller Fahrt durch den Wald von Compiegne. Kurz vor dem Ausgang des
Waldes eine eingleisige Bahnlinie - auf der muss der D-Zug Wagen gestanden haben, in dem der Waffenstillstand unterzeichnet wurde.
Unsere Aufgabe ist 3-4km südl.vonn dem Wald Auffangstellung zu beziehen; unsere Infanterie soll den Wald durchkämmen - es können noch Franzosen darin
sein. Wir warten von 7.30 Uhr bis 15.00 Uhr ihne jedes Ergebnis; der Wald ist leer. Wir rücken ab über Morienval nach Bonneuil. in seiner Nähe beziehen
wir in Prieure St.Arnoult ein sehr gutes Quartier ein sehr grosser Gutshof mit vielen Nebengebäuden hat Platz für uns alle. Im Keller ist Wein. Unter
allen Vorsichtsmassregeln durchsucht Fw.Berlin die Häuser nach Negern. Er fand nur einen einzigen und der war aus Holz.
14.6.1940
Bedeckt,am
Mittag heiter
KTB 1./Pz.Jg.Abt.19
Leider müssen wir schon um 6.00 Uhr am nächsten Morgen heraus, um 8.00 Uhr geht es weiter nach Chevreville. Die Landschaft ist, ie schon beim Marsch am
vorigen Tag entzückend hübsch. Wir haben nun die Isle de France erreicht es ist ringsum oft wie ein Garten. Es ist hier den Spuren nach zu urteilen, nicht
mehr viel gekämpft worden. In Checreville war die Unterunft nicht leicht herzustellen - es muste allerhand ausgeräumt werden. Kurz vor 14.00 Uhr kam die
überraschende Nachricht dass Paris von uns eingenommen ist. Diese Stimmung, als es endlich alle glaubten ist nicht zu schildern!
15.6.1940
bedeckt,
nachm.Gewitter
KTB 1./Pz.Jg.Abt.19
Gegen Mittag rückte die Kompanie aus Montfermeil ab. Dieser Tag und eins der grössten Erlebnisse des Feldzuges bringen: den Marsch durch Paris! Fahrzeuge
und Anzug werden so gut es geht auf Hochglanz gebracht - dann geht es los. Die Abteilung rückte durch die Porte de Vincennes nach Paris ein; auf gerader
Straße geht es zur Place de la Republique - hier hat der Divisionskommandeur , Herr Generl von Knobelsdorff Auftellung genommen und nimmt den
Vorbeimarsch seiner Division ab. Der Marsch führt über den Bvd.Diderot an die Seine dann über die Insel vorbei ian der Kirche Notre-Dame. Drüben wird der
Bvd.St.Germain errecht und an dem alten -weitere Seiten nicht vorhanden-
 
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