| Kriegstagebuch Mai 1940 | |
| 9.5.1940 |
KTB 1./Pz.Jg.Abt.19 Am Nachmittag des 9.6.40 machte Lt.Reimann mit der Kompanie infanteristische Geländeausbildung beim Schloß Rheydt als ein Kradfahrer ihn zurückholte. Auf dem Kompanie-Geschäftszimmer war er Befehl "Marschbereitschaft" eingetroffen. Dieser Befehl war schon mehrmals aus Übungsgründen ausgeführt worden, so wusste jeder, was er zu tun hatte und schon kurz vor 19.00 Uhr stand die Kompanie abmarschbereit. Zuerst waren wir im Zweifel ob wieder eine Übung beabsichtigt war, aber der Komp.-Chef, Herr Oberleutnant Dr.Falkenthal, der sich inzwischen zur Abteilung begeben hatte, konnte uns bei seiner Rückkehr verraten: "Diesmal ist es ernst!" Um 19.45 Uhr war der Abmarsch. Die Kompanie rückte auf vorher festgelegte Weg über Korschenbruich - Dülke - Waldnil nach Oberkrüchten, einem Dorf dicht an der Grenze. In Oberkrüchten ging die Kompanie zur Ruhe über. Sicherungen wurden aufgestellt. Das Wecken wird um 3.30 Uhr befohlen. |
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10.5.1940 strahlend schönes Wetter |
KTB 1./Pz.Jg.Abt.19 Der Abmarsch, der auf 4.30 Uhr festgelegt war, wurde verschoben. So blieben wir den ganzen Vormittag in Oberkrüchten. Ein großer Teil der Kompanie hatte Gelegenheit die Radio-Meldungen bei den Bewohnern des Ortes zu hören. nach der Essensausgabe liess der Komp.-Chef die Kompanie antreten und teilte in einer kurzen Ansprache mit, warum unser Eingreifen in Belgien und Holland nötig geworden war. Er schloss seine Rede mit der Ermahnung an jeden einzelnen, jetzt mehr denn je seine Pflicht zu tun. Etwa 9.00 Uhr morgens ging in sehr grosser Höhe unsere Luftwaffe vor. Einzelne Flugzeuge waren meist nicht zu unterscheiden aber das unausgesetzte Drühnen in der Luft war die typische Begleitmusik dieses Tages. Um 14.00 Uhr rückte die Kompanie aus Oberkrüchten ab und erreichte bald die Hauptstrasse Bordershausen - Elmpt - Roermond. Hinter Elmpt überschritten wir um 15.10 Uhr die holländische Grenze. Hier hatten unsere Vorausabteilungen schon ganze Arbeit getan! im Verein mit den Pionieren waren Sperren weggeräumt, die Wege frei gemacht usw. Gleich an der Grenze fuhren wir an einem Trupp gefangener Holländer vorbei. Damit war zugleich die Frage gelöst; Wehrt sich der Holländer? Sind die Maasbrücken unversehrt? Leider hatte der Holländer vieles, wenn auch in ungeschickter Weise egtarnt, um uns aufzuhalten. In Roermond, einem sauberen netten Städtchen, in das wir um 16.30 Uhr einrückten waren sämtliche Eisenbahn- und Strassenbrücken über Maas und Roer gesprengt. Wir stellten unsere Fahrzeuge, auf einer mit dichten Linden bestandenen Ausfallstrasse ab. Sicherungen wurden ausgestellt und der dienstfreie Teil der Kompanie entdeckte bald in eine paar Läden auf "unserer Strasse" in denen es so unerhört gute Dinge wie Kaffee und Schokolade gab. Die Bevölkerung war wohlhabend und durchaus freundlich, so kam mancher dazu den Kaffee gleich aufgebrüht zu erhalten. Etwa um 23.00 Uhr fuhren wir weiter. |
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11.5.1940 Anfangs bedeckt, dann windig, aber Sonne |
KTB 1./Pz.Jg.Abt.19 Oberhalb Roermond wurde eine Brücke über die Maas geschlagen. Die eigentlichen Maasbrücken´waren ja alle zerstört-. Aber der Bau dieser Brücke war am Vortage nicht fertig geworden. So rückten wir langsam und mit grossen Pausen auf die Übersetstelle zu, in dieser Nacht blieben alle an den Fahrzeugen. Die Brücke war von Maasbracht im S.W. an Linne hergestellt worden. Etwa 9.00 Uhr war es so weit, dass wir hinüber rücken konnten. Am jesneitigen Ufer waren einige Bunker sichtbar, die unsere Pak zerschlagen hatte. Drüben fuhren wir längere Zeit auf Straßen, an denen maaswärts durch Schilder vor Minengefahr gewarnt wurde. Tatsächlich sah man auf den so eingezäunten Feldern zerrissene Kühe liegen. Dann ging es über Thorn - Ittervoort nach Hunsel. Im Gegensatz zu den sauberen Roermond machten diese Dörfer einen recht verwahrlosten Eindruck. In Hunsel war es unsere erste Aufgabe, die gesprengte Brücke wieder herzustellen. Statt der paar Bretter, die bei unserer Ankunft über dem Bach gelegen hatten, führte bald ein tragfähiger Steg auf Bohlen hinüber. Geschickterweise hatten nämlich die Holländer bei der Sprengung eine "Sperre" aus Bohlen und Balken angelegt, so dass uns letztes Material Material zur Verfügung stand. Bei dieser Arbeit musste die Bevölkerung tüchtig Hand anlegen. Im Laufe des Nachmittags lernten wir die Schätze des Landes kennen. Neben Kaffee und Schokolade waren es jetzt Eier, die grosse Nachfrage fanden; ja man konnte sich Koteletten kaufen und braten lassen - lang entbehrte Genüsse, die ausgiebig ausgekostet wurden. Da mit baldigem Aufbruch zu rechnen war, ging die Kompanie bald zur Ruhe. Gefechtsbericht 3./Pi.19 Nach den erfolgreichen Kämpfen an der Maas bei Roermond und dem raschen Übergang über den Maas-Schelde Kanal bei Beer, stößt die 3.(mot)/Pi.19 am 11.5. mit den vordersten Teilen der Vorausabteilung vor in Richtung Beeringen. Zehlriche Pioniererkundungstrupps können Klarheit über Art, Zahl und Ort der Strassensperren und Umgehungsmöglichkeiten schaffen. |
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12.5.1940 Pfingstsonntag, klares, schönes Wetter |
KTB 1./Pz.Jg.Abt.19 Kurz nach Mitternacht fuhren wir aus Hunsel ab. Als wir aufsitzen wollten, wurden wir Zeuge eines Luftangriffes, der wohl der Maasbrücke galt; Der Feind hatte mehr zahlreiche Leuchtraketen abgeschossen, die eine unheimlich lange Brenndauer hatten und die Gegend weithin erleuchteten. Wir erreichten bei Molenbeersel die belgische Grfenze; die Marschrichtung war erst nach Westen, dann von Molenbeersel nach Kinroy nach Süden. Von hier aus behielten wir eine allgemeine Richtung westlich bei, freilich mussten wir von der grossen Hauptstrasse Hasselt - Bourg Leopold zunächst nach Süden abweichen (über Ellicum) weil der Verkehr durch Sprengungen gesperrt war. Nach der letzten dieser Umleitungen erreichten wir den Übungsplatz Beverloo eine sogenannte Dünenlandschaft. Merkwürdigerweise litt fast die ganze Kompanie bei dieser Fahrt über den Truppenübungsplatz Beverloo und in den folgenden Stunden an heftigem Brennen und Tränen der Augen. Ob das nun am Strassenstaub der ein ganz fein vorhandener Augenreizstoff, also Kampfstoff, die Ursache war, blieb ungeklärt. Von Bourg Leopold das fast ganz verlassen war, fuhren wir nach Nordwesten nach Baelen, um den re.Flügel der Div. vor Panzerangriffen zu schützen. Vor Baelen hielt uns eine grosse Sprengung auf. Während das Gros der Kompanie an der Herstellung einer Brücke arbeitete, klärte Lt.Wunderlich mit 2 Gruppen und 2 Sicherungsgeschützen die Stadt auf. Sie war feindfrei aber der VErkehr stark durch Sperren behindert. Vor der Stadt schlug der Versuch eine Durchfahrt zu schaffen fehl. Dabei versackte die Zugmaschine fast über die Ketten. Nun wurde in recht mühsamer Arbeit eine Brücke aufgebaut und die Zugmaschine flott gemacht; dann ging es nach Baelen hinein wo aus den privaten Tankstellen ausgetankt werden konnte. Der Zug Wunderlich übernahm mit allen Geschützen die Sicherung der Stadt selbst, in der Oblt.Dr.Falkenthal die Geschäfte des Stadtkommandanten übernommen hatte. In den hart westl.Baelen vorbeiführenden Ort des Albert-Kanals wurde die Züge Reimann und Dörrie in zwei Abschnitten nach Westen eingesetzt. Zug Reimann sicherte nach Westen und Norden, Zug Dörrie nach Westen und Süden. Lt.Wunderlich begab sich an diesem Nachmittag auf Fahrrädern auf eine Erkundungsfahrt, um festzustellen, wie weit jenseits des Kanals die Vorposten des Gegners entfernt seien, von dieser Erkundung kam er spät am Abend um 21.30 Uhr zurück. Gefechtsbericht 3./Pi.19 In der Nacht 11./12.5. setze ich mich mit einem Kradfahrer zur Wege- und Flußerkundung zum Albert-Kanal in Bewegung. Überall auf den nach Westen führenden Straßen sond von den fliehenden Belgiern große Trichtersprengungen als Sperren angelegt. Die Sperren sind zwar für unsere Begriffe prmitiv, aber bei ungeheurem Munitionsaufwand doch wirksam. Wir gelangen über Hochtal nach dem großen belgischen Truppenübungs- und Schießplatz Bourg Leopold; Endlose, dunkle Baracken, verlassene Verkaufsstände an den Straßenecken und weit und breit keine Menschenseele. Von eigenen Truppen noch keine Spur. Im Ort Bourg Leopold erfahren wir von alten in flämischer Mundart sprechenden Mann, daß sich die Belgier bereits am 11.mittags hinter den Albert Kanal zurückgezogen und Straßen und Kanalbrücken gesprengt hätten. Nach weiteren Irrfahrten kommen wir schließlich bis in die Gegend von Beeringen. Vor zwei gewaltigen Sprenglöchern am Nordeingang des Ortes lassen wir das Krad stehen. Im Morgennebel- es ist etwa 4.40 Uhr arbeiten wir uns vor. Hier und da fallen einige Schüsse, auch feindliche M.G. lassen sich hören. An der Kirche im Ort treffe ich einen Zug Infanterie, der auf Rädern nachts vorwärts gestürmt ist. Nun geht es an die Kanalerkundung. Das Vorarbeiten geht reibungslos, zwar zwischen uns einige Querschläger über den Kopf - aber ungenau und ungefährlich. Durch das etwa 10m mächtige Flächendrahthindernis diesseits des Kanals geht es ohne Drahtschere mühsam kriechend hindurch. Vom Kanal ist nicht viel zu erkennen.Ich richte mich 2 Sekunden lang zu voller Größe auf und nehme dann rasch wieder Deckung In dieser kurzen Zeitspanne erkenne ich: 1.Kanalbreite etwa 45-50m, 2.Ufer 45° steil und beiderseits am unteren Teil durch Steinpflaster befestigt, 3.Höhe des Uferrandes 2,50m über dem Wasserspiegel, 4. Ufer jenseits verdrahtet und am Wasserrand mit spanischen Reitern bespickt, 5. Zustand der zerstörten Straßenbrücke Beeringen läßt unter Umständen des Herüberklettern einzelner Leute zu, 6. von jenseits irken ausser Einzelschützen auch drei feindl.M.G., 7. Bunker am Kanal nicht zu erkennen. Was sich in den 2 Sekunden des Beobachtens ereignet läßt sich nicht so schnell schildern wie es geschah. Die Erkundungsergebnisse werden gemeldet und die Kompanie wird bis in ein Häuserviertel 2km nördlich Beeringen vorgezogen. Der 2.Zug wird zum Kanalübergang mit Floßsackgerät einem 2km nordwesl.Beeringen zum Angriff angesetzten Infanteriebataillon unterstellt. Dem vorbrechenden Angriff schlägt heftiges feindliches Infanterie- und auch Artilleriefeuer entgegen. Sehr unangenehm ist die Wirkung einer von halb rechts schnell sießenden Pak, deren Stellung nicht festzustellen ist. Unsere Panzerjäger setzen sich vor den Reihen der Infanterie mit großem Schneid zur direkten Bekämpfung der erkannten Ziele ein. Der Angriff bricht dennoch zusammen, die Feindeinwirkung ist zu stark. Eine Neuvorbereitung mit stärkeren Waffen ist notwendig. Gegen Abend werden die vorn eingesetzten Teile der Infanterie zurückgenommen und da Anlehnung an die Nachbarn rechts und links besteht, im Halbkreis zur Abwehr eines möglichen Feindvorstoßes aufgeebaut. Am 12.5. gegen 22.30 Uhr - die Floßsäcke sind inzwischen auch schon zurückgezogen - gehe ich an der Stelle des mißglückten Übergangs mit 2 Mann erneut zur Kanalerundung vor. Vorn brennen einige Munitionsfahrzeuge unserer Panzerjäger, die Nacht ist sonst ziemlich dunkel. Waldstreifen und Gräben erleichtern unser Vorgehen. Dem Heranschieben an das Drahthindernis folgen das Überklettern und Vorkriechen bs zu dem weiter 60m vorn liegenden Kanalufer. Auf der Feindseite regt sich nichts. Das Glucksen der an die Steinböschung schlagenden kleinen Wellen vertuscht das unvermeidliche Geräusch unserer Annäherung. Indianerhaft, jede kleinste Deckung ausnutzend robben wir schließlich heran. Zunächst ein zaghafter Blick, dann Aufstehen und Flußbrfeitenüberprüfung durch Steinwurf. Der Wurf geht glatt bis aufs jenseitige Ufer. Flußbreite also unter 80m! Die Uferverhältnisse sind hier dieselben wie bei Beeringen. Auch die Uferüberhöhung wird festgestellt. Ergebnis: Höhe 2,80m. Alles gelingt ohne Feindeinwirkung. Nun reift der Plan noch in der gleichen Nacht, eine Sonderunternehmung mit kleinen Floßsäcken zu unternehmen. Schon auf dem Rückweg zur Kompanie wird alles besprochen. Das geplante Unetrnehmen wird bei dem Infanterie-Bataillon angemeldet. Hier erfahre ich , daß beabsichtigt sei, auf Grund des zähen und verlustbringenden Feindwiderstandes am Vortage unter Zurücklassung schwacher eigener Kräfte, die Division über Haechtel bis Hasselt zu führen, um dann aus südlicher Richtung den Feind in der Flanke fassen und aufrollen zu können. Das bedeutet einen Umweg von 50-70 Km und Zeitverlust. Ja wenn es gelingen würde, die belgische Bunkerstellung am Albert-Kanal zu knacken und etwa in Regimentsbreite durch nächtliche Handstreich die Bunker (gleichgültig ob besetzt oder unbesetzt) zu zerstören, dann hätte die Lage für die Division ein gänzich anderes Gesicht. Nach meiner Rückkehr zur Kompanie beginnt die Kleinvorbereitung. Man muß vorausschauend an tausend kleine Dinge denken und diese eingehend besprechen. |
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13.5.1940 Bedeckt, böig |
KTB 1./Pz.Jg.Abt.19 Am Abend und in der Nacht war am Kanal alles ruhig, so dass die Geschütze des Zuges Dörrie auf Befehl des Komp.-Chefs zur Rune übergehen konnten. Der enstprechende Befehl erreichte den Zug Reimann, der in sehr unübersichtlichem Gelände weiter nördlich eingesetzt war, nicht. Am frühen Morgen unternahm es Lt.Reimann,, mit dem dort eingesetzten Geschütz eine Behelfsbrücke über den Kanal zu überschreiten; durch ein Spähtruppunternehmen hatte er vorher festgestellt, dass drüben fdl.Panzer in der Versammlung begriffen waren. Uffz.Kuche mit seiner Bedienung (Schtz.1, Ogefr.Giesselmann) vollzogen den Übergang und obgleich der Feind nun zu feuern begann, ging das Geschütz ruhig in Stellung und vernichtet vier fdl.Panzer, ein fünfter wurde schwer beschädigt. Leider hatten die feindl.Panzer bei Molln einem Infanterie-Battl.grössere Verluste zugefügt; einige Trupps zogen sich im Abschnitt des Zuges Dörrie über den Kanal zurück. Um weiteren Übernachtungen dieser Art vorzubeugen, fuhr nun am Kanal I-Pak zur Sicherung auf, ausserdem wurde der Zug Wunderlich am Kanal als Sicherung eingesetzt, de Zug Dörrie noch weiter nach Süden verlegt. Da sich aber die Annahme eines neuen Panzerangriffs in diesem Abshcnitt nicht erfüllte, wurde die Kompanie im Laufe des Nachmittags weiter nach Süden verlegt. Der Ort Olm bisher Südpunkt des Kompanieabschnitts wurde zum Nordpunkt. Auf dem Weg Baelen - Bourg Leopold - Oestheam - Backenberg wurde diese neue Stellung erreicht. Auf diesem Wege wurde zum ersten mal Art.-Feuer hörbar. Oesthem war stark zerschossen. Die ersten typuischen Kriegsbilder. In Backenberg hatten Einwohner uns an die 2000 Eier überlassen - ehe wir zur Sicherung eingesetzt wurden, gab es ein ganz massives Fress-Fest! Die Sicherungsstellungen am Kanal wurden nach kurzer Erkundung durch den Chef und die Zugführer bezogen; diesmal erhielte Zug Dörrie den nördl., Zug Reimann den südl.Abschnitt. Zug Wunderlich wurde südl.Oestham besonders eingesetzt. Gefechtsbericht 3./Pi.19 So entsteht folgende Einteilung: a) Deckungstrupp jenseits: Führer 1 Offizier, dazu 2 M.G.Schützen (1 M.G., 2 Mun.-Kästen, 1 Drahtschere). Übersetzen im 1.Floßsack. b) Deckungstrupp diesseits: Führer 1 Uffz. mit 2 M.G.Schützen und 1 Beobachter 1 M.G., 2 Mun.-Kästen, 1 Drahtschere, 1 Leuchtpistole). Truppe geht in Stellung vor Beginn des Übersetzens. c) 3 Sprengtrupps unter meiner Führung, 2 Unteroffiziere mit je 1 Träger mit Drahtschere, Gewehr, Pistole, 20 Sandsäcken, kurzen Spaten; 1 Sprengmann mit 4 geb.-3kg.-Ladungen, Zündschnur, Zündschnuranzünder und Taschanlampe. Als Übersetzmittel je ein kleiner Floßsack mit Bindeleinen. Jeder Trupp soll nach dem Übersetzen einen Bunker mit 2 Ladungen erledigen. Am 13.5. früh um 3-00 Uhr geht´s los. Beim Vortragen der 4 kleinen Floßsäcke müssen verschiedene Zäune zerschnitten werden. 50m vor dem Flächendrahthindernis werden die Floßsäcke abgelegt, dann geisterhaft durch den Draht geschnitten und der Deckungstrupp diesseits angesetzt. Nun werden die Floßsäcke weiter herangeholt, 1 Floßsack ist verletzt und nicht voll einsatzfähig. Entshcluß: 1 Floßsack bleibt hier liegen, der 2.und 3.kleine Floßsack wird mit je 4 Mann besetzt. Die Spannung erreicht ihren Höhepunkt. Der 1.Floßsack wird zu Wasser gebracht. Wie ein Nachtgespenst schleicht er durch den weißen Nebel, das Einsetzen der Paddel ist kaum für uns hörbar. Drüben schneidet sich der Trupp im Liegen durch den Draht am Uferhang und geht zur Sicherung der weiteren Tätigkeit mit Front nach links in Stellung. Nun kommen die beiden Floßsäcke mit den Sprengtrupps herüber, die Spannung läßt nach. Schnell die Leute des Sprengtrupps zusammengefaßt und auf geht´s im schnellen Schritt zu den belgischen Feldstellungen. Alles wird rasch durchsucht, Bunker werden im Mittelfeld nicht gefunden, nur die Pak, die der Infanterie am Vortage so zu schaffen gemacht hat, steht gut getarnt, jedoch verlassen in einer der zahlreichen Wechselstellungen. Vom Feind ist nichts zu erkennen. In den leeren, jedoch mit Umsicht angelegten Feldstellungen, finden wir Waffen (Schlösser entfernt!), Ausrüstungsgegenstände und Verpflegung in rauhen Mangen. Nachdem unsere Suche nach Bunkern und Feind 400m links herauf ergebnislos verlaufen ist, hat keiner von uns noch Feind am Westufer des Kanals erwartet. Tatsächlich stoßen wir am Ufer auf einen in die Kanalböschung eingebauten stattlichen Bunker. Die Fallklappe vor dem in die VErsenkung führenden Eingangsschacht ist zugedeckt. Es gelingt unter Anspannung aller Kräfte die Klappe zu lüften - und nun geschieht ein Wunder. Mit dem Ruf: "Ergeben, ergeben! öffnet sich die Haupteingangstür und heraus wollen 9 belgische Soldaten unter Führung eines Sergeanten. Da heißt es schnell und beherzt handeln! Vier gegen neun - das könnte schief gehen! Mit einem Satz bin ich mit einem Unteroffizier unten, die anderen halten oben Wache mit schußbereitem Gewehr. ie Belgier wollen ihre Waffen mitnehmen, meine Antwort: "Nein, danke wir haben schon genügend belgische Gewehre gesammelt.!" Auch die Seitengewehre werden unten abgelegt! Nur die M.G.´s werden ausgebaut und zusammen mit Ersatzläufen und Gurtfüllern mitgenommen. Jeder darf seine Bagage und Fourage mitnehmen. Nun beginnt ein emsiges Leben und Treiben unten im Bunker. Mit Mühe und energischem Ton gelingt es, die versteckten Schlösser der s.M.G. hervorzulocken und einzusetzen. Hier genügen Taschenlampe und Pistole in drohender Haltung. Alles geht reibungslos. Die Belgier sind von oben bis unten mit Mänteln, Decken, Konserven, Büchsen, Tornistern, Andenken usw. bepackt. Jetzt dürfen sie hoch ans Tageslicht. Die geballten Ladungen werden mit Zündschnüren heruntergereicht. Der Bunker hat eine Frontal- und zwei durch Betonrohre gegen drekten Beschuß gesicherte Seitenscharte, die die gesamte Wasserfläche des Kanals beherrschen. Die dre Ladungen werden von innen an den Scharten angebracht. Jetzt kommt Bunker Nr.2 - also schnell nach links herüber. Hier ist das Herankommen schon bedeutend gefährlicher Die Insassen sind durch Sprengung im Nachbarbunker hellhörig geworden. Auch ist es jetzt schon 4.45 Uhr. Durch eine List gelingt es, an den zweiten Bunker heranzukommen und die Bunkerbesatzung, 1 Offizier und 8 Mann, gefangen zu nehmen. Auch dieser Bunker wird gesprengt. Aus dem Bunker 3 ist die Besatzung geflohen, auch er wird gesprengt. Alle 3 Bunker sind gefechtsunfähig. Kampfstarke Spähtrupps der Infanterie werden zum Feindufer gebracht. Die Division greift über den Kanal hinweg an. Der Angriff gelingt und fast ohne Verluste. Die Division hat den gefürchteten Albert-Kanal überwunden. Skizze |
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14.5.1940 sehr sonnig |
KTB 1./Pz.Jg.Abt.19 Überraschenderweise wurden diese Sicherungen schon bei Morgengrauen eingezogen; die Kompanie sammelte bei Backenberg und fuhr über Oesthem nach Beeringen; hier erfolgte nach längerer Wartezeit der Übergang über den Albert-Kanal, es wurde etwa Mittag bis wir auf Diest vorrückten. Die Belgier hatten den Albert-Kanal verteidigt, müssen sich aber sehr rasch zurückgezogen haben. Die Strassengräben lagen voll mit Ausrüstungsstücken aller Art; kurz vor Diest sahen wir die ersten belgischen Gefangenen; sie erzählten von der Kpflosigkeit ihres Rückzuges. Der Weitermarsch ging nördl.an Diest heran über Molenstede nach Eiland. Auch hier waren die Strassen durch mehrfache Sprengungen nur schwer gangbar. Gerade sollte der Zug Dörrie zur besonderen Verwndung der Abtlg.zugeteilt werrden, da wurde in grosser Eile die Kompanie wieder gesammelt und unser Kommandeur Herr Oberstlt.Marcks gab die Parole aus: es geht auf Brüssel! nun fuhr die Kompanie in sehr rascher Fahrt in Eiland über Sichem Aerschot - Wesemael nach Putkapel dicht vor Löwen. Mehrere Umleitungen hielten wieder den Marsch auf. Vor Aerschot kamen wir von steilen Hängen wieder hinab ins Tal und hatten plötzlich vor uns über 20 durch Schüsse getötete Pferde - bestes Material. Um sie nicht in unsere Hand fallen zu lassen hatte der Feind sie getötet. Aerschot war sehr stark durch deutsche Bomben mitgenommen; es war völlig geräumt, viele Häsuer lagen in Trümmern. Auf dem Marsch nach Wesemael musste ein Teil des Weges auf den Schwellen des Eisenbahndammes zurückgelegt werden; ein mühsames Fahren. Dann kam der Befehle "Panzerwarnung halbrechts" - und es erfolgte kein Angriff. Nach diesem Aufenthalt erreichte die Komanie Wesemael und tankte dort. Ein Aufklärer wurde leider erfolglos mit allen MG-und Karabinern beschossen. Nach dem Tanken stellte sich die Kompanie in Fliegerdeckung bereit. Hierbei geriet die 2.Kompanie mit Teilen in den Zug Reimann und den Rest der Kompanie. So kam es, dass der Befehl zum Anfahren in Richtung Putkapel die Züge Wunderlich und Dörrie zuerst nicht erreichte; Der Kompanie-Chef mit Zufg Reimann, der Kommandeur, Herr Oberstlt.Marcks mit dem Abteilungsstab und die 2.Kp. fuhren nach Putkapel hinein, wo die Hauptstrasse Aerschot-Löwen in spitzem Winkel auf die stark am Feind besetzte Dyle-Stellung zu verläuft. Etwa in der Mitte des Dorfes P. erhielten unsere Teile der Pz.Jäg.-Abt.stares MG- und Art.Feuer. Bald stellte sich heraus dass der Feind diesseits des Kanals sich quer über die Strasse eingenistet hatte und ausserdem parallel zur Vormarschstrasse auf ihrer westl.Seite. Wir sahen uns also zwei Fronten gegenüber. Die Front quer zur Strasse wurde vornehmlich von den Kompanien des II.I.R.74 gehalten. Rechts der Strasse war die 6., links die 5.Kp. eingesetzt; ihr Auftrag war Flankensicherung der Strasse. Noch vor diesen Infanterie-Sicherungen waren unter Führung von Feldw.Berlin, Uffz.Jünemann und Zöger drei MG unserer Komp.eingesetzt; dazu eins von der 2.Komp.; etwa 150m rechts zurück lag der erte Inf.Posten. Unsere MG lagen teils an der Strasse, teils ca. 50m rechts davon. Das Haus, an dem das MG.Sievers lag wurde ganz schwer von Granaten getroffen In seiner Nähe fand in den späten Nachtstunden Uffz.Jünemann den Tod. Die offene Front nach Westen, also längs der Strasse zu halten, wurde Aufgabe des Restes unserer Kompanie. Herr Oberlt.Dr.Falkenthal holte den Rest der Komp.nach Putkapel zum Eisenbahnübergang die Fahrzeuge wurden gedeckt aufgestellt. Die Mannschaften wurden zur infanteristischen Sicherung eingesetzt, dazu für jeden Zug zwei Geschütze. Zug Wunderlich stand rechts, Zug Reimann in der Mitte, Zug Dörrie links. Noch weiter links, an gefährdester Stelle lag Zug v.Korff, 3.Komp. es war in dieser Nacht nicht möglich, Verbindung zu ihm aufzunehmen. Lurz vor Mitternacht waren die Stellungen bezogen, die Geschütze wurden möglichst tief eingegraben, dann Deckungslöcher für die Mannschaften hergestellt. |
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15.5.1940 Heiter |
KTB 1./Pz.Jg.Abt.19 Vor dem linken Abschnitt unserer Stellung war ein Bunker erkannt worden; um etwa 1.00 Uhr trat ein Spähtrupp unter Führung von Lt.Reimann auf, diesen Bunker auszukundschaften. Es gelang bis direkt an den Bunker heranzukommen; der Bunker feuerte nicht, obgleich der Spähtrupp Reimann versuchte, das Feuer herauszulocken. War er besetzt oder nicht? Um ,2.30 Uhr bekam unsere Kompanie zum ersten mal im ganzen mittelstarkes Art.-Feuer leichteren Kalibers (der Zug Reimann war schon am Abend stark befeuert worden) Der Schwerpunkt des Feuers lag noch links von unserer Stellung, die Einschläge lagen z.T. 20-30m vor unserer Stellung. Vorher und nachher schlugen vereinzelte sMG-Garben bei uns ein. Dieser Feuerüberfall war in diesem Krieg der erste; man darf sagen, dass es die Feuertaufe war, für alle die, die den Polenkrieg nicht mitgemacht hatten. Die Haltung der Komp.war ruhig und besonnen. Als wir gegen 10,00 Uhr aus dieser Stellung herausgezogen wurden, wurden die Verluste dieser Nacht bekannt. Uffz.Jünemann war gefallen, ein mächtiger Splitter war ihm tief in die Brust gefahren und hatte sein Leben sofort eine Ende gesetzt. Von den besonders ausgesetzten Bedienungen waren mehrere tüchtige Soldaten verletzt: Eggersglüs, Krüger, Buerke. Um 14.30 Uhr lag auf unserer Bereitstellung in Putkapel wieder schweres Art.-Feuer, das aber keine Verluste forderte. Am Vortage war Oblt.Wollikens, 3.Komp. durch einen Durchschuß durch den Oberschenkel verwundet worden. Auf Befehl der Abtg. wurde Lt.Wunderlich zur 3.Komp. versetzt, um sie zu führen. Seinen Zug übernahm sofort Feldw.Diterding, Zugtruppführer wurde Feldw.Sechting. um 17.00 Uhr ging dem Komp.-Chef der Befehl für den am folgenden Tage befohlenen Angriff zu. Hierzu wurde vom Chef und den Zugführern das Gelände nordostw. vor Löwen genau erkundet; es kam nicht soweit dass die Komp. diese Bereitstellungen bezog. Kaum war die Erkundung beendet, da wurde der Angriff um einen Tag verschoben. Der Komp.wurde ein Ruhetag zugetanden; gegen 21.00 Uhr fuhren wir in Putkapel ab und bezogen in einem Wald, der ausserhalb des feindl. Granatfeuers lag, eine neue Bereitstellung und gingen endlich zur Ruhe über. |
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16.5.1940 Schönwetter |
KTB 1./Pz.Jg.Abt.19 An diesem "Ruhetag" kam früh um 5.30 Uhr ein Kradfahrer von der Division; wir hatten sofort Feuerstellung an der Hauptstrasse Diest-Löwen dicht ostwärts Löwen zu beziehen. Ein Panzerangriff von SW war gemeldet. Auf dem kürzesten, wegen Wirkungsmöglichkeit der feindl.Artillerie nicht ganz ungefährdeter Wege fuhren wir vor und waren in kürzester Zeit in der befohlenen Stellung udn warteten auf den Angriff gut 2 Stunden, dann rief man uns zurück. Der Angriff war schon durch Stukas zerschlagen. Wir überlegten uns, ob wir an den ganzen Angriff überhaut glauben sollten es kam uns sehr wahrscheinlich vor, dass wir infolge einer Falschmeldung aus unserem süüsen Morgenschlummer gerissen wurden. Um den von Artillerie belegten Weg nach A-Henhove - Holsbeck nicht zum zweiten Mal benutzen zu müssen, fuhr die Kompane in weite Bogen um das Wald- und Bergmassiv n.ostw.Löwen hinten herum und kam so über Cortryk-Dutzel wieder nach Holsbeck. Hier bezogen wir in einigen Gehöften am Ostrand dieses Ortes endlich eine Ruhestellung - endlich konnten sich alle gründlich waschen, nach Hause schreiben und vor allem essen. Das wurde gründlich besorgt; Der Schatz des Ortes an Essen und sonstigen Fressalien war unerschöpflich hoch. Hier in Holzbeck setzt sich auch eine Mode endgültig durch, die allen Uniformen in dieser Zeit eine lustige nd neuartige Note gab Der Staub der Wege verursachte an der Kragenbinde (die man alle 3 Std.häte wiederum wechseln müssen) ein recht lästiges Kratzen und Jucken vorallem, als wir in Baelen ankamen, war es kaum erträglich gewesen. Es dauerte garnicht lange, da waren seidene Halstücher in allen Farben und Mustern "organisiert". In Holsbeck, wo der Inhalt ganzer Läden buchstäblich auf der Strasse lag, kamen auch die letzten zu solchem Schmuck. Und noch eine Einzelheit aus Holzbeck; es fand sich ein Gramophon und es fand scih ein Stapel Platten dazu. Und unter den Platten war der Schlager von der Siegfriedlinie, ein Hassgesang gegen Deutschland. "We shall hang ir wasching on the Siegfried line" und HErr Hitler sollte gehängt wrrden. Die Kameraden haben diese Platte an einem Steinhaufen zerschlagen. Aber es ist doch in vieler Hinsicht typisch ,dass diese Platte schon bis in diesen Winkel des neutralen Belgien gekommen war. |
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17.5.1940 Sehr sonnig, abends trüb |
KTB 1./Pz.Jg.Abt.19 An diesem Morgen begann nach einem richtigen Trommelfeuer durch die Art. der Angriff auf de Dyle-Stellung. Wir earen dazu nicht eingesetzt, sondern vollzogen den Übergang mit dem Gros der Div. Wie es im WInter am Lippe-Seitenkanal geübt worden war, ging die Infanterie vor. Pioniere besorgten in leichten und schweren Schlauchbooten das Übersetzen. Die Geschütze des Zuges Reimann und ein Geschütz des Zuges Dörrie wurden mit Schlauchbooten übergesetzt - dann wurden diese Geschütze mit Beiwagenmachinen, die gleichzeitig übergesetzt waren zur Sicherung des Brückenkopfes vorgezogen, aber schon um 11.20 Uhr war die Pionier- brücke fertig. Im Mannschaftszug setzt der Zug Dörrie über und schon kurz darauf konnte Hauptfeldw.Sommer die Fahrzeuge der Komp.mit dem geschlossenen Zug Deiterding herüberfahren. Alsbald begann der Vormarsch auf Brüssel, zwei bis drei Mal wurden Bereitstellungen gebildet, um mit der Infanterie auf gleicher Höhe zu bleiben und ihr Vorgehen zu sichern. Dann erreichte uns der Befehl uns neu zu gliedern; es wurden neue Vorausabteilungen gebildet und diesen wurde unsere Komp. unterstellt - die dritte Komp., die in der ersten Kriegswoche diese Aufgabe mit grösstem Schneid bewältigt hatte, war damit abgelöst. Der Zug Reimann wurde der 5.Kp.I.R.74, Zug D, Dörrie der 6.Komp., Zug Deiterding der 7.unterstellt. Da Brüssel nicht berührt werden sollte, bogen die V.-Abteilungen in Cortenberg nach Norden ab und wandten sich in Stenookerzeel wieder nach Westen auf Vielvorde zu. In Steenokerzeel liegt das Palais das Otto von Habsburg bewohnte - schade dass wir ihm keinen Besuch abstatten konnten. Der Sekt, den das Pfarrhaus von Steen stiftete verwöhnte uns indes mit diesem Manko. Von Steenokerzeel an marschierte die 3.Komp. mit dem Zug Reimann und dem Komp.Trupp vorn; dann die 6. mit Zug Dörrie und die 7. it Zug Deiterding. Alles ging glatt bis wir nach Vielvorde kamen. Feldw.Berlin hatte mit zwei MG Krädern den Kern der Stadt glatt und ohne Feindberührung durchfahren, als er am anderen Ausgang, kurz vor der gesprengten Brücke schärfstes MG-Feuer und bald auch Feuer aus Granatwerfern bekam. Während Feldw.BErlin nur einen lecihten Streifschuss an der Bcke bekam, wurde Gefr.Steding am Oberschenkel erheblich verletzt. Gegen die Granaten bot dies Haus, hinter dem Feldw.Berlin mit dem MG-Schtz.Deckung nahm, bald keine Deckung mehr, vielmehr stürzte eine Wand ein, woebi Gefr.Binnebössel arge Quetschungen und Prellungen erhielt, auch Gefr.Kaufhold wurde verletzt. So muusten 4 Mann Deckung nehmen in einer Kanalröhre. Alle Versuche, Feldw.Berlin mit den Vewundeten daraus zu befreien schlugen fehl. Lt.Reimann setzte sich mehrfach selbst dabei ein, selbst unter dem Schutz des 8,8cm Geschützes gelang es nicht , die vier zu bergen. Erst am nächsten Morgen um 7.00 Uhr wurden sie aus der mehr als unbequemen Lage erlöst. Kurz nachdem Feldw.Berlin mit seinem Trupp zum ersten mal angeschossen war, kam die Spitze der Kompanie an dieselbe Stelle ohne etwas vom Feind zu ahnen, wurde auch sie scharf unter Feuer genommen. Das Geschoss eines Granatwerfers detonierte unmittelbar neben dem Oblt.Dr.Falkenthal und Uffz.Consior, die als erste vorgingen, Uffz.Consior wurde auf der Stelle getötet, Oblt.Dr.Flakenthal durch einen Splitter in der Wade verletz. Von dem Sicherungsgeschütz, das driekt auf folgre, erhielt Uffz.Bruns einen leichten Streifschuss. Da aber sofort heftiges MG-Feuer einsetzte, musste das Geschütz zunächst im Stich gelassen werden. Lt.Reimann hat es später aus dem Feuer geholt. Nach diesen bösen Erfahrungen wurde die Stadt Vielvorde, deren Einwohner zurückzukehren begonnen, durch die Infanterie und die Geschütze der Pak Züge systematisch abgekämmt. Der Verdacht, dass Spione und Franktireurs sich in der Stadt aufhalten, lag allzu nahe, aber diese Aufklärungstrupps kamen ohne Ergebnis zurück. Um 22.00 Uhr kam es zu einem artilleristischen Feuerüberfall, der vor allem der B.-Stelle unserer Artillerie im Kirchturm von Vielvorde galt. Rasch wurden die Fahrzeuge aus de gefährdeten BEreich gebracht und im Keller zur Nachtruhe übergegangen. Durch den Verlust des Chefs ud eines der fähigsten Uffz. war ein groser Ausfall entstanden, daher gliederte sich die Kompanie neu. |
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18.5.1940 sehr sonnig |
KTB 1./Pz.Jg.Abt.19 Am nächsten Morgen war der ganze Spuk wie weggeblasen. ohne weitere Zwischenfälle setzten die Kompanen des II.I.R.74 über den Kanal, die 1.Oz.Jäg.Abt.19 musste der Fahrzeuge wegen weiter warten, bis eine feste Pontonbrücke fertig war, darüber wurde es etwa 11.00 Uhr. In geschlossener Ordnung am .18.5.40 rückte die Kompanie nach Moysse und noch etwas darüber hinaus, vor uns war die 2. hinter uns die 3.Kompanie. Da plötzlich wurden von rechts drei Panzerwagen sichtbar. Zwei konnten sich sofort hinter eine Deckung in Sicherheit bringen, der dritte wurde von den Geschützen des Zuges Reimann und Dörrie sofort unter Feuer genommen und vernichtet werden, da wurden links wieder drei Panzer sichtbar. Leider war die Entfernung für einen Abschuss zu groß. Von vorn kam die Meldung, dass sich noch mehr Panzer im Anmarsch befanden. Lt.Reimann gabohne zu zögern das Zeichen zum Anfahren und fuhr mit zwei Geschützen seines Zuges und drei Geschütze des Zuges Dörrie nach vorn. Die übrigen Geschütze konnten z.Zt. nicht so schnell folgen, weil sie erst aufprotzen mussten. Darauf wurden sie von den anderen Vorgesetzten, Herrn Oberstlt.Marcks und Oblt.Sandau zur Sicherung eingesetzt. Als die fünf Geschütze bei den vorderen Stellungen an einem Schlosse ankamen, hatte die dort eingesetzte Pak der A.A.19 wieder einen Panzer abgeschossen. Lt.Reimann und Dr.Dörrie gingen vor, um aufzuklären, von wo die nächsten Panzer zu erwarten waren. Inzwiscchen waren unter Umgehung unserer vordersten Teile und damit auch der fünf vordersten Geschütze, feindl.Panzer gegen den Rest der Komp. un die 2.Komp. vorgegangen. Einige km vor Asche gingen die Geshütze auf Befehl von Herrn Obstlt. in Stellung. Zugleich mit den Panzern begann ein M.G.-Nest zu schießen. Dieses wurde von Uffz.Schmid bekämpft, dem Obergefr.Vahlbruch mit seiner Bedienung gelang es, einen Panzer abzuschiessen, den ein 8,8cm Pak-Geschütz aus viel geringerer Entfernung verfehlt hatte. Während nach diesem Erfold die Kompanie sich ordnete und den ersten fünf Geschützen nachmachte, erfolgte wieder die Unterstellung der Züge von den Komp.der V.Abtlg. Heute war die 6.Komp.mit dem Zug Dörrie vorn. Der Marsch ging über Asche - Eschene - nach Teralphene. Gleich hinter Asche gab es unliebsamen Aufenthalt Herr Oblt.Lujenski, Chef der 6.Komp., war mit dem Krad ca.100m vorausgefahren und hinter einer Kurve verschwunden. Wri nachfolgenden sahen einen Pkw. und ein Krad um die Ecke wischen; später stellte sich heraus, dass die Insassen ein engl.Oberst und zwei Offz., hinter der Kurve den Oberlt.Lujenski angehalten hatten - nur weil in ihrem Wagen kein Platz war, nahmen sie ihn nicht mit - aber seine schöne Maschinenpistole musste er hergeben. Noch ehe wir am vordersten Geschütz, Uffz.Warmboldt, dies alles wussten, kam der Ruf: "Panzerwagen von vorn" - auf meinen Befehl fuhr das Geschütz vor, protzte an der Kurve ab und schoss den hier sichtbar werdenden Panzer mit einem Schuss ab. Volltreffer. Leider war es dann zu spät geworden, den Wagen mit dem Obersten und der Machinenpistole zu verfolgen. Auch wollte jeder von den Infanteristen etwas anderes gesehen haben, so dass wir in der Richtung nichts unternehmen konnten, ehe Oblt.Lujenski zurückkam und seinem Ärger Luft machte. Schon nach wenigen Kilometern wurden wieder Panzer sichtbar, obgleich Uffz.Röbbelen und Gefr.Rose mit dem Geschütz des 3.Zuges darauf feuerten, war wegen grosser Entfernung nichts zu machen. Bald war nun der Orsteingang Teralphene erreicht; das vorderste Geschütz jetzt Uffz.Knabe mit Bedienung protzte ab, die Infanteristen sassen von ihren Fahrrädern ab, die Strassen des Städtchens wurden systematisch abgekämmt. Während die übrigen GEschütze ohne besondere Ereignisse die Nebenstrassen der Stadt abgingen, hatte Uffz.Knabe bei dem sich Lt.Dr.Dörrie befand, allerhand Erfolge. An der Kirche wurde ein Mannschaftswagen in Brand geschossen und ein Panzer von dem nur der Bug sichtbar war, bekämpft. An der nächsten Ecke stand wieder ein Panzer und beschoss un mit MG, die Schüsse lagen aber zu kurz. Leider hatte Knabes GEschütz gerade jetzt eine Hemmung. Aber 200m weiter haben wird diesen Feind auch gepackt, er konnte nicht hinter den Eisenbahndamm zurück, weil eine Sprengung und zwei von seinen Kameraden verlassene, brennende Kampfwagen ihm den Weg versperrten. Ausserdem standen in Teralphene zwei weitere von Engländern in Brand gesetzte Panzer. Damit gab es für uns an diesem Tage keine Möglichkeit mehr für einen Einsatz, eider geret die Infanterie, die mit uns marschiert war und mit uns gekämpft hatte, in grösste Schwierigkeiten. Am Bahndamm und an der Deuche? hatte der Feind sich festgesetzt und beschoss mit grässter Präzision alles, was sich blicken liess. Gegen Abend wurde der Ort arg mit Art.belegt, sodass uns nichts übrig blieb, als die Fahrzeuge gedeckt aufzustellen und in den Kellern zu verschwinden. Verluste enstanden uns nicht nur ein Fahrzeug wurde leicht beschädigt. Die B.-Stelle des Feindes, ein Wasserturm wurde vom Geschütz des Uffz.Röbbelen unter Feuer genommen und 10 mal getroffen. |
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19.5.1940 Sonntag sonnig und klar |
KTB 1./Pz.Jg.Abt.19 Am Morgen war der Widerstand des Feindes gebrochen, die tapferen Kameraden vomm I.R.74 konnten endlich abgelöst werden. Der Brückenbau ud die Einebnung der Strassen dauerte fast den ganzen Tag, sodass wir erst gegen Abend abrücken konnten. Eine neue, sehr starke V.-Abtlg. wurde unter Führung von Herrn Oberstlt. Marcks gebildet; Sie umfasste die ganze P.19 ausser der 3.Kompanie, die noch in Ruhe lag.Die schwere Pak-Komp.560, die A.A.19, eine mot.P.Komp.udn eine Batt. A.R.62 also fast alle noch gefechtskräfte der Div. Ziel des Marsches war zunächst Audenarde. Wir fuhren mit der ganzen V.-Abteilung in den sinkenden Abend hinein und kamen bei Vollmondschein vor einem kleinen Dorf bei Boude an. Hier bezogen wir teils an den Fahrzeugen teils in Scheunen Nacht-Quartiere. Von den Einwohnern wurden wir für Engländer gehalten - im Städtchen vorher allerdings hatten wir Freudenkundgebungen erlebt, weil die Engländer endlich weg waren. |
| 20.5.1940 |
KTB 1./Pz.Jg.Abt.19 Am nächsten Morgen ging die Fahrt weiter. Audenarde hatte sich als stark feindlchst erwiesen. Daraufhin wurde das Marschziel geändert, es ging weiter nach Süden auf BErchen - Kerkhove, Ziel blieb der Übergang über die Schelde. Als auch vor Berchen starker feindl.WIderstand spürbar wurde, den die V.-Abteilung allein nicht brechen konnte, war ihre Aufgabe erfüllt. Die Kopanie sammelte sich in den Gehöften von Kwasdestraat und stellte sich bereit. Auf dem Marsch des gestrigen und heutigen Tages hatte es mehrere Fahrzeugausfälle gegeben, so war die Ruhe doppelt willkommen. Gegen Abend, als wir gerade das Nachtlager herzurichten begannen, wurden wir auf Befehl der Abteilung in das Schloss Calanhof zurückgezogen. Teils an den Fahrzeugen, teils im Keller wurde hier die Nacht verbracht. |
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21.5.1940 Heiter, dann bedeckt |
KTB 1./Pz.Jg.Abt.19 Am Morgen wurden wir durch das Erscheinen von Feldküche und Betriebsstoffwagen geweckt. Die schönste Überraschbung war, dass es endlich Post aus der Heimat gab. Die Verpflegung die die Küche mitbrachte, war gleichfalls hoch willkommen, denn set wir die Dyle-Stellung hinter uns hatten, war die "Ernährungslage" in manchem anders geworden. Wo wir jetzt hingekommen waren, hatten meist schon die Engländer gehaust, und die eben zurückkehrende Bevölkerung hatte kaum das Nötigste. Brot von ihr zu bekommen, war oft kaum möglich, Eier wurden sehr viel seltener. So mussten auf unserem Schloss bald die Hühner daran glauben. Auf einer benachbarten Farm war das Stück für 1.00 RM zu haben - einige sollen auch "englisch" gekauft worden sein. So ist es uns auf diesem Schloß nicht schlecht gegangen und dann hatten wir ja noch den Wein den die Engländer teils nicht gefunden, teils liegen gelassen hatten. Wir lagen den ganzen Tag abmarschbereit, leider kam unsere Infanterie am jenseitigen Ufer der Schelde nicht so voran, wie man gehofft hatte. So konnten die Pioniere noch keine Brücke bauen, die unsere Fahrzeuge tragen konnte. So blieben wir auf unserem Schloß. An diesem Tage wurde Lt.Reimann und Gefr.Domke von Herrn Oberstlt.Marcks das E.K.II.K.verliehen. Dazu sprach HErr Oberstlt. der ganzen Kompanie seine Anerkennung aus für ihre Haltung, als sie als V.-Abt.eingesetzt war. |
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22.5.1940 Bedeckt, ein paar Regentopfen |
KTB 1./Pz.Jg.Abt.19 Auch an diesem Tag kamen wir nicht weiter. Zwar hatten die Unsern jenseits der Schelde Fortschritte gemacht - waren doch inzwschen vier Divisionen an unserem Abschnitt eingesetzt - aber mit der Brücke haperte es noch; erst am Nachmittag erfuhren wir, dass eine 2to Brücke erstellt sei. So wurde wieder viel gegessen, viel geschlafen und sehr viel nach Hause geschrieben. |
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23.5.1940 Starker Nebel mittags auf- klarend, abends Gewtter |
KTB 1./Pz.Jg.Abt.19 Um 1.30 Uhr wurden wir geweckt und fuhren von unserem Schloß ab. um 2.30 Uhr setzten wir auf der 2to Brücke über die Schelde, dazu musste abgesessen und abgeprotz werden, weil die leichte Brücke nur die verminderte Last ertrug. Das Gelände, durch das wir dan kamen war durch den dreitätgigen Artilleriekampf sehr verwüstet. Fast kein Haus war mehr heil, überall lag verendetes Vieh; im Boden oft Trichter neben Trichter. Die Luft war voll BRandgeruch. Langam kamen mit Sack und Pack die Bewohner zurück. Viel haben sie von ihrem Besitz meist nicht mehr vorgefunden. Dagegen hatten wir bald Proben davon, über welchen Nachschub die Engländer verfügten. Schiffszwieback, Waffeln, vor allem Schokolade und beste Seife fanden wir kistenweise. Für Kaffee, der bei uns kapp zu werden begann (in Ostbelgien war er so rechlich gewesen) entschädigte uns ein recht netter Fund an Wein. Es war Heint-Sauternes dazwischen. Aber nicht lange. Um den Vormarsch der Infanterie zu deckenm bezogen wir wiederholt Bereitstellungen, schliesslich machten wir den grössten Sprung von Tieghem nach Vichte. Die allg Richtung des Marsches war westsüdwestlich, der nächste Widerstand des Feindes war an der Lys zu erwarten. Von Vichte fuhr die Komp.nach Deerlyk und darüber hinaus. Auftrag war, festzustellen, ob eine bestimmte Häusergruppe n.westl.davon feindfrei war. Sie war es. Danach probirten wir einige Bereitstellungen aus, die erste vor Deerlyk in der Nähe unserer Art. Die haben wir bald verlassen, denn der Gegner schoss sich auf unsere Art. ein und da gingen wir lieber. Die nächste war in Deerlyk, wo wir bald gute Keller fanden; auf Befehl der Abteilung mussten wir aber noch weiter zurück in Gehöfte hinter Deerlyck, wo wir herrlich schliefen. |
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24.5.1940 Schönwetter |
KTB 1./Pz.Jg.Abt.19 An diesem Tage setzte die Infanterie über de Lys, aber wie nun scchon oft, warten wir vergebens darauf, noch an diesem Tag überzusetzen. Es gibt Post; Die Gescchütze und Fahrzeuge werden durchgesehen und in Ordnung gebracht. Voraus ist eine gewaltige Schlacht im Gange, unsere Luftwaffen greift mit starken Kräften ein und das Feuer unserer Art.ist wohl noch nie so stark gewesen wie heute. Lt.Reimann gibt an Hand einer Skizze bekannt, welch gewaltige Umfassungs- und Vernichtungsschlacht vor uns im Gange ist. Am Abend wird die Brücke über die Lys geschlagen, wir wissen dass es am Morgen fest los gehen soll. |
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25.6.1940 Schönwetter |
KTB 1./Pz.Jg.Abt.19 Um 5.30 Uhr werden wir durch den Kradmelder aus unseren Strohscheunen herausgeholt, um ?.00 Uhr sind wir schon ein tüchtiges Stück marschiert - zwischen Deerlyck und der Lys gibt es noch eine kurze Pause die es uns möglich macht noch rasch Kaffee zu machen und zu frühstücken. Inzwischen werden neue V.-Abteilungen gebildet. Ihr Führer ist diesmal Herr Obstlt.Simon der Kern des II.S.R.5 Unsere Züge werden auf die einzelnen Kompanien aufgeteilt. Zug Deiterding zur 5., Zug Dörrie zur 7.Komp., Zug Thielbörger übernimmt den Panzerschutz für die mot.Pi-Einheit. Der Vormarsch über die Brücke - Herr Obstlt.Marcks ist Brückenoffizier, geht langsam, den noch wenige km jenseits leistet der Gegner Widerstand. Benehowe liegt noch unter leichtem fdl.Art.-Feuer., sodass wir es rasch wieder verlassen. Das Vorgehen nach Stokeny (nur etwa 4km) geht glatt, aber dort verstärkt sich der infanteristische Widerstand derart, dass richtig angegriffen werden muss. Am Ausgang von Stokeny treffen wir die 3.Komp., sie ist lange vor der V.-Abteilung über die Lys gesetzt und hat den Brückenkpf gesichert. Sie hat den Bahndamm zwischen Stokeny und St.Catherine(?) so stark besetzt gefunden, dass sich die einzelnen Züge auf Stokerij zurückgezogen haben. Unsere Pak-Züge gehen mit der Infanterie vor, müssen aber bald zurückbleiben, weil es für uns keine Möglichkeit gibt einzugreifen. Auf de Gefechtsstand der V.-Abteilung weiss man nicht genau, wie weit die vordersten Teile der Infanterie gekommen sind . so können wir es nicht wagen, mit Sprenggranaten einzugreifen. Und da die Strasse westl.Stokerij lange unter de Feuer von Granatwerfern und MG liegt, muss unsere Kompanie einige Stunden gut verteit in Deckung liegen bleiben. Endlich, es war schon fast Mittag geworden, war der Widerstand am Bahndamm gebrochen und die Infanterie stiess durch St.Catherine hindurch vor. Nun erhielt Lt.Dörrie von Oberstlt.Simon den Befehl, den Ort nach drei Seiten gegen Panzerwagen zu sichern. Das Vorgehen durch St.Catherine schien nicht gefahrlos zu sein, einzelne Schützen könnten noch in den Häusern sein. Der Zug Dörrie fuhr bs zur Eisnbahnhaltestelle die ausserhalb des Ortes liegt. Das Geschütz Rose war zur Verfügung des Oberstlt.Simon geblieben. Mit einigem Abstand folgte Fw.Deiterding und zwei Geschütze, er sollte ebenfalls jenseits St.Catherine eine Panzersicherung übernehmen. Zugleich kam Lt.Reimann mit B-Krad an, um bei den vordersten Teilen seiner Kompanie zu sein. Die drei Geschütze des Zuges Dörrie protzten gerade ab - denn der Ort sollte im Mannschaftszug, Rohr voraus durchfahren werden, weil wir vor Schützen aus Häusern gewarnt wurden. in diesem Augenblick schlug schlug zwischen das Geschütz Warmboldt und Knabe eine deutsche 10,5cm Granate ein. Die Wirkung war furchtbar: Lt.Reimann wurde durch mehrere Splitter an Ober- und Unterschenkel schwer verletzt. Uffz.Knabe erhielt eine Bauchverletzung, Uffz.Warmbold, Gefr.Hartmann und Brüningk wurden ebenfalss durch grosse und kleine Splitter mehrfach verwundet. Später stellte sich heraus, dass die hier verschossene Granate in der Munitions-Anstalt fälschlich einen Stempel erhalten hatte, der ihr eine grösere Ladung zuschrieb. Da die Ladung aber geringer war, als die Verantwortlichen am Geschütz ahnen konnten musste die Granate erheblich zu kurz auftreffen. Lt.Dörrie sammelt den Rest des Zuges- es waren noch genug Mannschaften genug für zwei Geschütze´- unnd führte den Auftrag aus, so gut es ging, zugleich wurden die GEschütze des Zuges Deiterding sinngemäss eingesetzt. Oberstlt.Simon dem das Geschehene sofort gemeldet wurde, unterstellte alle Teile der Pz.Abw. in diesem Raume vorläufig, denn Lt.Dörries Auftrag war, in weitem Bogen aus St.Catherine heran, etwa zu der Linie, die das II.I.R.59 inzwischen erreiht hatte, einen Panzerschutz aufzubauen. In Zusammenarbeit mit der 3.Komp. wurde dieser Befehl ausgeführt. Inzwischen war Lt.Lindemann von Oberlt.Sandau der die Abtlg.führte, dazu bestimmt worden, die Komp. zu führen; nach einigen Stunden traf Oberlt.Jahn ein, der dann die Kompanie endgültig übernahm. Wir wurden aus den Stellungen herausgezogen, der Ort wurde geräumt, hinter der Bahnlinie richteten wir uns zur Verteidigung ein. Weiter vor uns war der Gegner mit starken Kräften angeschlossen worden, dort sollte am folgenden Tag einfach der Sack zugezogen werden - da brauchten wir am anderen Ende nur eine bestimmte Linie zu halten und keine durchzulassen. Die vorher erkundeten Stellungen wurden rasch bezogen - von vorn war der Ruf durchgekommen: "Starker Panzerangriff von N. und W.- das hatte uns zu ungewöhnlicher Eile angetachelt. Der Panzerangriff blieb aber aus - es war wieder einer der Fälle, für den man dem kl.Latrinus ein Denkmal setzen sollte. Gemächlich graben wir uns ein die Geschütze ein und tarnten uns. Die Kühle und (zum ersten Mal) die regnerische Nacht verbrachten wir an den Geschützen. |
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26.5.1940 Sonntag, trübe Regenschauer |
KTB 1./Pz.Jg.Abt.19 Auch am Morgen kam der erwartet Panzerangriff auch nicht. So hatten unsere Mannschaften verhältnismässig Ruhe, wenn auch immer zwei am Geschütz bleiben mussten. Aber die anderen konnten inzwischen schreiben, waschen, essen usw. Am frühen Nachmittag kam der Befehl zur Weiterfahrt; die Infanterie war wieder zum Angriff übergegangen und war jetzt in mehr nördl.anstatt wie bisher westlicher, also auf Ingelmunster und Iseghem zu. Wir stellen uns in einem Gehöft etwas n.ostw. in St.Catherine bereit, dann ging es auf der Hauptstrasse nach Dorrschock dicht vor Ingelmunster wo wir uns bereitstellten. Hier traf Fw.Waldmann bei der Kompanie ein, da der Zug Dörrie so schwere Ausfälle an Unteroffizieren gehabt hatte, sollte er diese Lücke auffüllen helfen. Uffz.Herr blieb weiter z.B.V. des Zugführers. Die Sicherung des ganzen Bereichs übernahm erst der zweite Zug, dann mit Einbruch der Dunkelheit der 1.Zug. Notferustellungen wurden erkundet, links und um uns war starkes Artilleriefeuer, so dass wir einen Feuerüberfall für die Nacht befürchteten. Glücklicherweise kam es nicht dazu. Zwei Geschütze des Zuges Deiterding gingen bei Anbruch der Dunkelheit nach Ingelmunster vor und sicherten dort das Innere der Stadt, indem sich zunächst kaum mehr Widerstand regte; ein ganzes Rgt.war ungehindert passiert. am nächsten Morgen dagegen, wurden sie unter schweres Feuer genommen. |
| 27.5.1940 |
KTB 1./Pz.Jg.Abt.19 Früh um 4.00 Uhr wurde die Kompanie geweckt mit dem Auftrag, in Ingelmunster in Schlauchbooten über den Roulers-Kanal zu setzen und jenseits einen grösseren Raum zu sichern. Wir fuhren bis an den Kanal und der Einsatz der Geschütze wurde der Karte nach festgelegt. Aber es kam wieder alles ganz anders. Schon beim Übersetzen bekamen wir Feuer aus Karabinern und MG. An dem feindseitigen Ufer des Kanals begann gleich eine Pak - das Parktor war mit der Strasse, die vom Kanal ins Innere führte, vom Feind eingesehen. DIe 2.Kompanie hatte ihre Geschütze auf dieser Strasse vorgebracht und lag im starken Feuer fest. Endlich konnte sie mit Krädern zwei Geschütze durch Feuer weiter nach vorn bis an das andere Parktor bringen. Wir umgingen diese Schwierigkei zum Teil, indem wir zunächst zwei Geschütze gut gedeckt durch einen tiefen Graben in den Park hinein zogen. Vorsichtig und unter Ausnutzung jeder gingen diese zwei Geschütze, die des Uffz.Bruns und des Gefr.Rose durch den Park vor, dabei befanden sich Lt.Dr.Dörrie, Uffz.Herr auch Gefr.Hermeling als Melder zu Fuss. Die beiden GEschütze lagen mehrfach unter schwerem MG Feuer fest. Schliesslich kamen kamen sie ohne Verluste an den feindwärtigen Ausgang des Parkses an, wo sie unter verhältnismässig guter Deckung aufgestellt werden konnten. Kaum waren wir dort angelangt, als am Ende der Strasse, die auf das Parktor zuläuft, ein feindliches Fahrzeug sichtbar wurde. Wie sich bald herausstellte war es ein Lkw. des Gegners, den Gefr.Rose als Richtschütze mit zwei Schüssen ausser Gefecht setzte. Lt.Dörrie wurde nun durch Oberlt.Jahn wieder nach hinten gerufen. Inzwischen hatte es vorn von allen Dächern zu schiessen begonnen; die Infanterie musste nun daran gehen, den ganzen Ort systematisch durchzukämmen. Wenn auch unsere Pak nicht gerade sehr wirksam hier eingesetzt war (es stellte sich als Fehler heraus, dass man uns überhaupt dorthin geschickt hatt) - so half sie doch nach Kräften der Infanterie bei ihrer Aufgabe. Gefr.Rose (wieder als Richtschütze setzt unter Leitung von Uffz.Herr zwei MG.-NEster mit Sprenggranaten ausser Gefecht. Dabei hat die GEscchützbedienung sich feindl.Feuer aussetzen müssen und hat sich in tapferster Weise herangehalten. Gleich darauf erfolgte ein ganz massiver Überfall des Feindes mit Granatwerfern auf das Parktor. Zum Glück konnten mehrere Leute sicch in sichere Deckung begeben. Nur Gefr.Möller urde durch einen Streifschuss an der Backe leicht verletzt. Später wurden auf Weisung von Oberleutnant Jahn die Geschütze am Ausgang von Ingelmunster eingesetzt, um dort nach Norden zu sichern, die 2.Komp. mit ihren 2 Geschützen sicherte nach W. Auch diese Aufgabe war unangenehm und gefährdet, da immer noch aus den Häusern geschossen wurde. Inzwischen waren unsere Übersetzmannschaften mehrfach beschossen worden; dabei war Soldat Mook, der sich nicht in Deckung begab, schwer verletzt. Lt.Dr.Dörrie der von vorn zurückkam, führte Geschütze und Mannschaften in den Park in eine Bereitstellung. Während die Geschütze durch den Graben gezogen wurden, erfolgte ein leichter Art.-Überfall (ohne Verluste). Kaum war alles drüben und beretgestellt, da wurde die Kompanie zurückgezogen, sie sammelte jenseits des Kanals, zog über die Brücke, die eben fertig geworden war; wir waren nun zu anderem Einsatz befohlen. Lt.Dr.Dörrie holte die beiden ganz vorn eingesetzten GEschütze zurück - kaum waren sie zum Mannschaftszug fertig, da prasselte ein Artilleriefeuer über Ingelmunster und zwar gerade über desen Stadtteil, wieder, wie wir es noch nicht erlebt hatten. In einer Feuerpause marschierten die Geschütze los zum diesseitigen Ortseingang - hier wurden sie wieder von einem viertelstündigem Feuerschlag festgehalten. Im Marsch-Marsch ging es dann zur Kompanie zurück. Kräder halfen schliesslich die Geschütze rascher zur Kompanie zu bringen, die schon wartete. Schweißgebadet aber glückstrahlend über so viel Schwein kamen die Bedienungen bei der Komp.an. Sieben Gefangene haben wir schliesslich auch noch aufgegabelt. Unsere nächste Bereitstellung bezogen wir bei Boschmolens. Der Marsch dorthin war nicht ganz leicht, weil wir in die Kolonnen der einmarschierenden Division gerieten. Schliesslich war alles andere beisammen, und nach dem anstrengenden Vormittag hatten wir etwas Ruhe. Am späten Nachmittag wurde auf Weisung des Kommandeurs eine neue Bereitstellung wenige km südwestl. Boschmolens bezogen. Hier wurden Geschütze gereinigt. Nachtfeuerstellungen ausgebaut und endlich tief und fest geschlafen. |
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28.5.1940 Erst heiter dann starker Gewitterregen |
KTB 1./Pz.Jg.Abt.19 Als wir uns - spät genug - erhoben, kam die Nachricht, dass die beglischen Trippen sich ergeben haben. Unser Herr Oberstleutnant hat selbst als Parlamentär in Ostende an den Verhandlungen teilgenommen. Fortan darf kein Belgier mehr als Feind behandelt werden. Einstweilen blieben wir in unseren Stellungen bei Boschmolens, kurz nach Mittag rücken wir ab. Wir hietlen Verbindung zwischen den V.-Abteilungen und dem Gros der nachrückenden Infanterie. Obgleich diese zum Teil mit Rädern ausgerüstet war, ging der Marsch für uns mit schneckenhafter Langsamkeit. Unser Marsch führte über Westrosebecke - Poelkappel - Langemark - Bixschote, kurz hinter Poelkapelle wurden wir aufgehalten und in eine Bereitstellung eingewiesen, die wir bis zum folgenden Tag behielten. Schon bald kam uns auf unserem Marsch die belgische Armee in langen Kolonnen entgegen. Verbände, Front nach Osten hielten beiderseits der Strasse. Zu unserer Überraschung machte das alles den Eindruck ziemlicher Ordnung - wir hatten diesen Gegner bereits viel mehr in der Auflösung begriffen geglaubt. Vom Himmel herab ergoss sich unendlicher Regen; in dem grauen Licht dieses Abends sah dieser ruhmlose Rückzug diesrr Armee besonders trübselig aus. Bald hinzer Peschendaele erinnert der erste Soldatenfriedhof daran, dass unsere Väter hier vier Jahre lang dem Feind gegenüber gelegen hatten, nachdem der erste gewaltige Angriff trotz aller Opfer nicht gelungen war. Vor Poelkapelle ein riesiger englischer und ein kleiner deutscher Friedhof; auf dem Markt in Poelkapelle zwischen lauter jezt erbeuteten Wagen ein Tank des Weiltkrieges - ein ungeschickter Riese im Vergleich zu den flinken Panzern von heute. Die Vormarschstrasse der Division führt weiter an dem Friedhof der Langemark-Kämpfer; Hier stehen drei Bunker von einst. So weit ist das Gros der Kompanie an diesem Tage aber nicht gekommen, ain paar Krad-Fahrer, die voraus fuhren erzähöen davon. Zunächst ist tiefe Stille, bei Einbruch der Dämmerung fängt weit im Westen bei Ypern und am Yser-Kanal unsere Artillerie wieder an zu grollen und zu rumoren. Unsere jetzige Ausgangsstellung ist etwa gleich mit der Front von einst. Aber welcher Unterschied diesmal wissen wir, dass wir den Feind, denselben Feind wie damals, nur noch einen kräftigen Stoss zu geben brauchen. Nun sausen wieder die Granaten über die Kampffelder wie einst, über die tausend und aber tausend Gräber in diesem Land. Aber wir wissen, morgen, spätestens übermorgen geht es weiter über den so heiss umkämpften Yser-Kanal. Und so ist das vereinzelte Feuer, das hier hörbar wird wie ein Salutschiessen für die Toten, dere Kampf wir hier zum siegreichen Ende führen. |
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29.5.1940 Kühl und wolkig am Mittag heiter abends starker Nebel |
KTB 1./Pz.Jg.Abt.19 Wir liegen an der gestrigen Stellung in Ruhe. Die Infanterie braucht nach einem Gewaltmarsch eine Erholungspause, und auch wir sind froh, uns und unserer Waffen von Neuem instand setzen zu könne. Mit befreitem Lächeln kehren ringsum die Flüchtlinge in die Heimat zurück. Gefr.Enter bekam als erster Gefreiter der Division das E.K.I, verdienter Lohn für den ständigen Einsatz diese tapferen Kameraden.- Leider kam aus dem Lazarett die Nachricht, dass Soldat Mook an seiner Wunde verstorben ist. Am späten Nachmittag traf Lt.von Grone wieder bei der Kompanie ein; durch den Krieg wurde seine Uk-Stellung alsbald aufgehoben. Er übernahm sogleich den 1.Zug, den erst Lt.Reimann, jetzt Fw.Thielbörger fürs erste dessen Funktion im Kompanietrupp; Uffz.Zöger blieb mithin Zugtruppführer im Zug von Grone. Am Abend war die Brücke über die Yser bei Het Sas fertig und nachdem Lt.Dörrie auf Befehl der Abtlg. Ort und Anmarschwege dorthin erkundet hatte, fuhr die Kp. Langemark nach Bixschoote und weiter auf einen Acker nahe der Brücke, wo wir uns bereit stellten. E war dunkel geworden und starker Nebel lag über dem Land - so bekamen wir einen Eindruck dann, was es bedeutet hat, in solchen Nächten in Flandern kämpfen zu müssen. Als die Kp.hier hielt, konnte se einen Luftangriff auf die Brücke und auf Bixschoote beobachten der zum Glück erfolglos blieb. Ähnlich wie damals in Hausel beobachtete, schoss der Feind zwei Leuchtraketen ab, die sehr lange brannten. Dann warf der Feind zwei Bomben ab, die vor Bixschoote detonierten. Oberlt.Jahn fuhr mit den Zugführern über die Brücke, erkundete die Wege und erhielt den Auftrag, um Ingelschoote herum zu sichern. Die Züge wurden entsprechend eingesetzt. Zug Dörrie ganz um Ingelschoote herum, Zug v.Grone südl., Zug Deiterding nördl.davon mit je zwei Geschützen. Freilich mussten wir uns sagen, dass diese Sicherung nicht sehr zweckmässig war, denn bei dem Nebel war kaum 50m Schussfeld. |
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30.5.1940 Kühl, bedeckt |
KTB 1./Pz.Jg.Abt.19 Es war auch lediglich eine Vorsichtsmassnahme gewesen dass man uns dort einsetzte vom Feind war nichts zu sehen. Wir machten einen Stellungswechsel über Lizerne und Boesinghe - zwei bis drei km westl.Boesinghe stellten wir uns in einem Gehöft bereit. Zuydschoote und Lizerne hatten wir belgische Pak stehen sehen, beide übrigens in Häusern und Mauern eingebaut. Die eine von ihnen wurde herbei geholt und mit Ersatzteilen aus der anderen schussfertig gemacht. Nur gelang es leider nicht, Zielfernrohr dafür aufzufinden. Aber die Notvisiere waren immerhin intakt. Ein verlassener Panzerwagen wurde in der Nähe gefunden und flott gemacht - zum grössten Vergnügen der Kompanie stunkelte August Giesselmann damit über die ausgedehnte Kuhweide es sah aus, als wenn er mit dem Ding galoppierte. Schliesslich ka mdie Nachricht, das wir nicht mehr gebraucht wurden. Der ringsum eingeschlossene Feind war vernichtet, die deutschen Truppen, die die Umzingelung immer mehr verengt hatten, reichten sich die Hand.- Wir wurden zurück geschickt in unsere Quartiere, von denen wir tags zuvor abgefahren waren; ausdrücklich zur Ruhe, wie uns geagt wurde. Über Het Sas - Bixschoote - Langemark - Poelkapelle Westrosebeke ging es in flottem Marsch in jene drei Gehöfte nördl.Poelkapelle, wo wir schon einmal gewesen waren. Von 16.00 18,00 Uhr techn.Dienst und Geschützreinigen. Zwischendurch kleiner Bombenabwurf. |
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31.5.1940 Erst bedeckt dann heiter |
KTB 1./Pz.Jg.Abt.19 7.30 Uhr Wecken, 8.00 Uhr Kaffee-Empfang, 8.30 - 13.00 Uhr techn.Dienst mit GEschützreinigen. Also tiefe, tiefe Ruhe. Unter den Monat Mai mit dem Krieg gegen Holland und Belgien dürfen wir damit wohl den Schlussstrich machen. Wir rechnen damit, dass wir nach ein paar Tage der Ruhe und Neugliederung in Frankreich eingesetzt werden, oder wo es sonst sein mag. Der zweite grosse Abschnitt jedenfalls ist ebenso in 18 Tagen zum Ende geführt worden wie der erste Abshchitt in Polen. |
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