| Kriegstagebuch Mai 1940 | |
| 1.5.1940 | Nachlaß Ortlepp. Kav.Schtz.Rgt.6.2) Der 1.Mai brachte die Versetzung des von seinem Kommando bei der Heeresnachrichtenschule Halle zurückgekehrten Leutnant Kratzsch als Ordonnanzoffizier zum Regimentsstab. Dafür wurde Leutn. Ellinger von der 2. Kompanie als neuer Ordonnanzoffizier zum I. Bataillon versetzt. |
| 8.5.1940 | Nachlaß Ortlepp. Kav.Schtz.Rgt.6.2) Eine Bataillonsübung des I. Bataillons unter Leitung von Oberst von Unger am 8.Mai im Raum Wald - Mahlberg - Reckerscheid beschloss die Tätigkeit des Schützenregiments 6 im bisherigen Unterkunftsraum südlich Euskirchen. Die Ausbildung war beendet. Es war Frühling geworden. Bald sollte die Truppe das Gelernte in der Praxis verwerten. |
| 9.5.1940 | Nachlaß Ortlepp. Kav.Schtz.Rgt.6.2) Der 9. Mai 1940 war ein Tag schwerwiegender Ereignisse. Am Vormittag gingen bei kühlem Wetter Regengüsse in wechselnder Folge über der Eifel nieder. Nichts deutete darauf hin, dass sich grosse, entscheidende Tage ankündigten und die Stunde der Bewährung gekommen war. Mittag klarte der Himmel auf. Der Regen wich wärmendem Sonnenschein. Um 15,30 Uhr klingelte beim Regimentsstab der Fernsprecher. Kurz aber inhaltsreich war der Anruf der 7.Schützenbrigade: "Südwind, y = 21,45 Uhr". Damit war das Stichwort für das Antreten des deutschen Heeres an der Westfront gefallen. Für das Schützenregiment 6 bedeutete es: Abmarsch des Regiments um 21,45 Uhr vom Ablaufpunkt in den Bereitstellungsraum an der Gegend Winterspelt. Vom Regimentsstab wurde das Stichwort sofort an die beiden Bataillone und von diesen an die Kompanien durchgegeben. Kaum waren die Kradmelder mit dem Einsatzbefehl bei den Kompanien angekommen, als auch die Vorbereitungen für den Abmarsch einsetzten. Offiziere, Unteroffiziere und Schützen empfanden den Marschbefehl an die Grenze des belgischen Nachbarstaates als eine grosse Erleichterung. Endlich sollte es losgehen. Wochen des langen Wartens und intensivster Ausbildung hatten ein Ende gefunden. Die Truppe sollte nun zeigen, was sie gelernt hatte. Kommandeure und Offiziere des Regiments blickten mit gläubigem Vertrauen auf die ihnen anvertrauten Einheiten. Nach Einbruch der Dunkelheit standen die Kompanien mit voll aufgetankten und vorschriftsmässig gepackten Fahrzeugen auf den Anlaufplätzen. Alles war marsch- und einsatzbereit. Die Kompanieführer meldeten ihren Bataillonsführern. Dann erschallten einige kurze Befehle in der dunklen Nacht und dann ging es mit abgeblendeten Fahrzeugen westwärts zum Ablaufpunkt. Um 21,45 Uhr überschritt die Spitze des Regiments den befohlenen Ablaufpunkt, die Strassenkreuzung 1 km westlich Scheuerheck. Das Schützenregiment 6 bildete zusammen mit dem Stab des Artillerieregiments (mot) 78, dem Stab der II.Abteilung dieses Regiments mit einer Batterie, der I./Panzerregiment 25, 1./Panzerjäger Abt.42, 2./lei Flakabt. 86, 5./lei Flak Abt. 86 die Gruppe von Unger. Diese Gruppeneinteilung sollte auch für die erste Zeit nach dem Überschreiten der belgischen Grenze beibehalten werden. Der Anmarschweg zur Grenze führte bei strenger Verkehrsregelung durch Posten der deutschen Feldgendarmerie auf den genau erkundeten und teilweise neu ausgebauten Wegen und nach einem bis in die letzten Einzelheiten durchgearbeiteten Zeitplan über Junkerath, Stadtkyll, Bleialf in die Gegend um Winterspelt. Die Befestigungen des vom Führer und seinem Baumeister, Todt, geschaffenen uneinnehmbaren Westwalls, dessen Bunkeranlagen und ausgedehnten Flächenhindernisse, seine Panzerhöckeranlagen und sonstigen Befestigungswerke in der Nacht gespensterhaft wirkten, vermittelten der Truppe einen überzeugenden Eindruck von der Stärke der deutschen Westbefestigungen. Den Schützen wurde es jetzt klar, warum der Franzose es bisher unterlassen hatte, gegen dieses scheinbar uneinnehmbare Bollwerk deutscher Befestigungskunst anzurennen. Er hatte sich in seine Maginotlinie zurückgezogen und sich nur an einzelnen Stellen dazu verstanden, Teile des Vorgeländes und des Niemandslandes durch seine Soldaten besetzen zu lassen. Für den ersten Einsatz in Belgien war das I.Bataillon unter Major von Paris ausersehen, während das II.Bataillon unter Oberstleutnant Junck als Reserve zunächst am Schluss der Marschgruppe des Oberst von Unger marschieren sollte. Der Einsatz erfolgte im Verband der 7.Panzerdivision, die ihrerseits für die Überwindung der Grenzsperren vorübergehend aus dem Verbande des XV.A.K. ausschied und dem II.A.K. unterstellt wurde. Beide Korps gehörten zur 4.Armee unter Generaloberst von Kluge. |
| 10.5.1940 | Nachlaß Ortlepp. Kav.Schtz.Rgt.6.2) In der Nacht vom 9./10. Mai 1940 trat das Schützenregiment 6 im Rahmen des grossangelegten deutschen Durchbruchs der Westfront zum Kampf gegen die belgische Armee an. Am 10. Mai gegen 5,30 Uhr trafen kurz nach Sonnenaufgang die ersten Teile der Gruppe von Unger im Verbande der dem II.Armeekorps unterstellten 7.Panzerdivision im Bereitstellungsraum westnordwestlich Winterspeit ein. Durch die ungeheure Beanspruchung sämtlicher zur belgischen Grenze führenden Strassen und Wege durch die im Aufmarsch befindlichen deutschen Truppen war nach wenigen Stunden jegliche fürsorglich getroffene Verkehrsregelung über den Haufen geworfen worden. Die aufgestellten Verkehrsposten waren einfach machtlos, da jeder Verband, jede einzelne kleine Marschgruppe, es besonders eilig hatte und befürchtete, zu spät zum Angriffsbeginn zu kommen. Da die Gendarmerieposten durch widersprechende Befehle höherer Offiziere kopfscheu gemacht wurden, fuhr schliesslich jeder Verband so, wie es ihm beliebte. Auch die Marschgruppe des Oberst von Unger wurde dauernd durch überholende und sich dazwischen drängende Truppenteile der 7.Panzerdivision und Einheiten des links anschliessend eingesetzten III.Armeekorps auseinandergerissen, so dass der sorgsam ausgearbeitete und gewissenhaft zu befolgendeZeitplan vollkommen umgestossen wurde. Das I.Bataillon des Schützenregiments 6 erreichte dennoch einigermassen rechtzeitig den zugewiesenen Aufmarschraum. Die letzten Teile der Gruppe von Unger – u.a. die Panzerjägerabteilung 42 – hatten dagegen erst gegen 9,30 Uhr auf den befohlenen Stellplätzen eintreffen können. Bei den gegenüberliegenden belgischen Truppenteilen war es aber, wie sich bald herausstellen sollte, noch schlimmer, denn dort war durch das überraschende Antreten der deutschen Einheiten alles kopfscheu geworden und strebte, meist noch vor dem Eintreffen der ersten deutschen Soldaten, westwärts in das altbelgische Gebiet und hinter die angelegten Sperrstellungen. Für den ersten Angriff war folgendes befohlen worden: Die 4.Armee unter Generaloberst von Kluge durchbricht die belgischen Grenzzone zwischen Lüttich und Houffalize (einschl.) und greift beiderseits Namur über die Maas an. Erstes Ziel: Rasches Gewinnen des Ourthe-Abschnittes, bevor ihn der Gegner mit stärkeren Kräften erreicht. Das II.Armeekorps auf dem linken Flügel der 4.Armee geht gegen die Maas im Abschnitt Dinant – Hayles vor und überwindet die Grenze zwischen Radscheid und Ouren, um zunächst den Übergang über die Ourthe zwischen Rendeuz Haut und Houffalize zu gewinnen). Das Korps (7.Panzerdivision rechts, 32.Infanteriedivision links) durchbricht hierzu die feindlichen Sperrbefestigungen beiderseits Geilig und Lammerscher, später die Befestigungen nördlich Houffalize. Rechter Nachbar XV.Armeekorps, linker Nachbar 12.Armee mit der 3.Infanteriedivision des III.Armeekorps. Die 7.Panzerdivision hatte die Aufgabe, nach Überschreiten der Grenze die feindlichen Sperrstellungen beiderseits Geilig zu durchstossen und am ersten Angriffstage mit der Masse die Höhen von Samrée, mit vorgeworfenen Teilen einen Übergang über die Ourthe in der Gegend von Laroche zu gewinnen. Zwei Gefechtsgruppen sollten als erste überfallartig die Grenze bei Hemmeres und Auel überschreiten. Die Abteilung des Oberst Fürst, zu der auch das Schützenregiment 6 gehörte, hatte hierzu hinter der Räumungsgruppen Aufstellung zu nehmen und sollte dann über die Linie Neidingen – Grüfflingen – Oudler vorgehend, zunächst Mont le Ban und danach die Höhen nördlich Samrée erreichen. Rechts vom II.Armeekorps, dem die 7.Panzerdivision für den ersten Angriff am 10.Mai zugeteilt worden war, ging das Generalkommando XV unter General d.P. Hoth beiderseits der Strasse Setz – St. Vith vor. Schwache Feindkräfte, hauptsächlich Teile der belgischen Ardennenjäger-Division, standen mit geringer Artillerie in der vorderen belgischen Befestigungslinie bei Bochholz, am Salm-Abschnitt, Lienne-Abschnitt und südlich davon. Es wurde erwartet, dass die Feindkräfte im neubelgischen Raum von Eupen – Malmedy nur kurzen Widerstand leisten und dann unter Ausnutzung der zahlreichen Sperren hinhaltend kämpfend auf die Ourthelinie, in die die 1.belgische Kavalleriedivision eingerückt war, ausweichen würden. Bewegliche französische Kräfte waren an der Ourthe, spätestens an der Maas zu erwarten. Das XV.Armeekorps sollte nach Überwindung der Grenzsperren über die Ourthe in Richtung auf Dinant vorstossen. Da das schnelle Vorkommen der Panzerkräfte entscheidend für den schnellen Ablauf der Operationen in Südbelgien und in dem waldreichen Ardennengebiet war, mussten alle Massnahmen auf dieses Ziel gerichtet sein. Das Korps hatte in vorderer Linie eingesetzt: rechts die 62.Infanteriedivision und links die 5.Panzerdivision. Es rechnete darüber hinaus mit der alsbaldigen Wiederzuführung der thüringisch-fränkischen 7.Panzerdivision. Das I.Bataillon des Schützenregiments 6 unter der Führung von Major von Paris hatte gegen 5,30 Uhr seinen Platz unmittelbar vor der belgischen Grenze bei Escherath nordwestlich Winterspelt eingenommen. Der Divisionskommandeur, Generalmajor Rommel, und der Brigadekommandeur, Oberst Fürst, gaben persönlich den Spitzen die letzten Anweisungen. Der Grenzübertritt der Infanteriespitzen des II.Armeekorps war ohne feindlichen Widerstand erfolgt. Die belgischen Grenzwachtposten wurden vollkommen überrumpelt. Dann war zunächst von Feind weit und breit nichts zu sehen. Aus der Ferne hörbare Detonationen rührten von den in Eile von den Belgiern durchgeführten Brückensprengungen her. Ganze Geschwader deutscher Jagd- und Bomberflugzeuge brausten beim Morgengrauen über die Truppe hinweg in Richtung Belgien und Frankreich. Der Vorwärtsdrang der einzelnen Schützen war so gross, dass die Kompaniechefs Mühe hatten, ihre Verbände zusammenzuhalten. Jeder Schütze spürte den Drang in sich, mit dem Gewehr in der Hand ohne Befehl nach Belgien hineinzustürmen. Die Ruhe beim I.Bataillon kehrte sofort zurück, als der Kommandeur des Saalfelder Bataillons den ersten Kampfauftrag erhielt: „Erreichen von Maspelt, Gewinnung des Haltberges nordostwärts Oudler und von dort Vorstoss nach Grüfflingen“ und dementsprechend die Kompanien ansetzen konnte. Wenige Minuten vor 6 Uhr überschritt die Kampfgruppe von Paris bei herrlichem Morgensonnenschein unter dem Schutze der Überwachungsbatterien des Artillerieregiments 78 aus Jena als vorderste Einheit der 7.Panzerdivision bei Hemmeres südlich Lommersweiler die deutsch-belgische Grenze. Gleichzeitig überflogen in mehreren Wellen zahlreiche deutsche Kampfflugzeuge die belgische Grenze und wandten sich, nur wenig von der gegnerischen Flak belästigt, westwärts. Zur Umgehung der meist verminten oder gesperrten Strassen und der teilweise noch im Bau befindlichen belgischen Bunkerlinien erfolgte das Vorgehen der Schützen in ausgebreiteten Schwärmlinien meist querfeldein. Der Vormarsch des I.Bataillons gegen den Haltberg bei Oudler ging, da sich den Schützen nirgends Widerstand entgegenstellte, rasch vor sich. Die Belgier waren wie vom Erdboden verschwunden, so dass planmässig ohne Feindberührung und in voller Ordnung das erste Angriffsziel vom I.Bataillon erreicht wurde, obwohl die Zufahrtsstrassen durch Baum- und Minensperren unpassierbar waren und Gräben, Hindernisse und Panzerkampfwagenfallen in verschwenderischer Fülle angelegt worden waren, ohne dass die belgischen Truppen die Absicht zeigten, diese Sperren von Zement, Stahl, Eisen, Stacheldraht und Bäumen zu verteidigen. Die Belgier waren sich anscheinend bewusst, dass Unrecht Gut schlecht gedeihen würde und dass durch die zwangsweise Einverleibung des deutschen Gebietes von Eupen – Malmedy nur ein vorübergehender Zustand geschaffen worden war. Die Deutschen in diesen Gebieten erlebten nun zur gleichen Stunde ihre Befreiung von der belgischen Herrschaft. In den ersten Septembertagen 1939 hatte das Schützenregiment 6 dazu beigetragen, die ehemals deutschen Gebiete Oberschlesiens vom polnischen Joch zu befreien. Die Vorsehung hatte das gleiche Regiment dazu ausersehen, mitzuwirken im Westen, um vor den rein deutschen Gebieten Neubelgiens die Schranken niederzureissen, die unsere Brüder von der deutschen Heimat trennten. Die während der langen Winterzeit von den Belgiern gebauten Baum- und Minensperren konnten den deutschen Vormarsch nur wenig verzögern, keineswegs aber aufhalten. Viel grössere Sorge bereitete den Schützen das Zurückbleiben ihrer eigenen Transportfahrzeuge, die der Sperren und Hindernisse wegen der Kampftruppe nicht sogleich folgen konnten. Nach Erreichen des Haltberges erhielt das I.Bataillon Befehl, in westlicher Richtung abzudrehen und auf Eulenstein weiter vorzustossen. Inzwischen hatten auch die rückwärtigeren Teile des I.Bataillons gegen 8 Uhr die belgische Grenze überschritten und sich dem Vorgehen nach Belgien angeschlossen. Auf die anderen bisher noch nicht eingetroffenen Teile der Marschgruppe von Unger konnte nicht mehr gewartet werden. Mangels telefonischer Nachrichtenverbindungen war eine unmittelbare Befehlsübermittlung an die verspätet eintreffenden Einheiten nicht möglich, so dass alle nachfolgenden Teile der Marschgruppe durch Ordonnanzoffiziere weitergeleitet werden mussten. Infolge des trockenen und sonnigen Wetters bereitete die Umgehung der vielen belgischen Grenzsperren durch die Kraftfahrzeuge und Motorräder keine Schwierigkeiten. Das II.Bataillon des Schützenregiments 6 unter der Führung von Oberstleutnant Junck aus Rudolstadt konnte erst um 10 Uhr aus dem Bereitstellungsraum bei Bleialf am Westwall den Vormarsch über die Grenze antreten und in der Reihenfolge 5., 6., 7., 8.Kompanie über Gross Langenfeld gegen 12 Uhr auf Fahrzeugen bei Hemmeres in Belgien einrücken. Nirgends zeigte sich noch belgischer Widerstand. An bestens bestellten Feldern vorbei führte der Vormarschweg bei prallem Sonnenschein auf staubiger Strasse durch das ehemals deutsche und jetzt wieder zurückgewonnene Gebiet von Eupen – Malmedy. Die deutsche Bevölkerung war sehr erfreut, dass sie von der belgischen Verwaltung befreit wurde und bewirtete die Soldaten mit Wasser, Limonade und Schinkenbroten. Vielfach waren freilich auch Häuser und Gehöfte von den Bewohnern verlassen worden und die Bevölkerung hatte aus Angst vor Schiessereien Zuflucht in den umliegenden Wäldern gesucht. Über die befehlsgemäss wiederhergestellte Ourbrücke ging die Fahrt des II.Bataillons querfeldein auf St.Vith weiter. Die Bevölkerung im Grenzgebiet war, auch soweit sie nicht deutschen Blutes war, den deutschen Truppen freundlich gesinnt. Sie begrüsste es, dass nun endlich die seit Monaten währende Spannung gelöst war. Einzelne Ortschaften, vor allem in der Nähe ausgedehnter Sperren, waren auf belgische Anordnung hin von der Zivilbevölkerung schon vor dem Eintreffen der deutschen Soldaten vorsorglich und planmässig geräumt worden. Indessen, während sich das II.Bataillon über die Grenze schob, war das I.Bataillon zu Fuss über Deifeld (Deiffelt) und Urth (Ourthe) weiter in Richtung auf Geilig vorgestossen. Da hier die über die Bahnlinie Bastogne – Lüttich führenden Brücken von den Belgiern vor dem Rückzug gesprengt worden war und das Bataillon nicht mehr schnell genug vorwärts kam, wurde die Aufklärungsabteilung 37 vorgezogen und übernahm als Spitzengruppe der 7.Panzerdivision den bisherigen Auftrag des I.Bataillons. Beim weiteren Vorgehen wurden mehrere verlassene, sehr gut ausgebaute Feldstellungen der Belgier ohne Feindberührung überschritten. Der Gegner war vom Antreten des deutschen Heeres so überrascht, dass er gar keine Zeit mehr gefunden hatte, auch nur einen ernsthaften Versuch einer Gegenwehr zu unternehmen. Die Minenfelder und Sperren wurden von der Truppe vorsichtig umgangen. Da nichts passierte, wurden die Schützen leichtsinniger und suchten auch neben den erkundeten Wegen schneller vorwärts zu kommen. Dabei fuhr der Gefreite Zink der 3.Kompanie nur wenige Schritte neben dem Bataillonskommandeur, Major von Paris, mit seinem Krad auf eine verdeckte Mine. Krad und Fahrer flogen 10 m durch die Luft. Der Gefreite Zink war sofort tot. Es war der 1 Tote des Schützenregiments 6 auf dem westlichen Kriegsschauplatz. Der Unglücksfall hatte das Gute, dass nunmehr die Fahrzeuge des I.Bataillons in mustergültiger Marschordnung marschierten und nicht mehr, von eigenwilligen Fahrern geführt, seitwärts im Gelände vorstiessen. Ohne Feindberührung ging es über Halconreux, Courtil und Baclain im Fussmarsch nach Mont le Ban weiter. Die Fahrzeuge des I.Bataillons hatten wegen eines zerstörten Brückenübergangs zurückbleiben müssen und konnten erst in den späten Nachtstunden bis Mont le Ban nachgeführt werden. Lediglich die 4.schwere Kompanie war auf den Fahrzeugen aufgesessen vorgestossen. Sie hatte sich mit Hilfe von Bohlen und Brettern einen Übergang über die Bahn geschaffen und in Richtung auf Mont le Ban angeschlossen. Bis Mont le Ban waren, da infolge der Trockenheit die in dem stark verminten Grenzgebiet liegenden Strassen- und Wegesperren mühelos hatten umfahren werden können, unüberwindliche Hindernisse nicht aufgetreten. Zu Feuergefechten war es beim Schützenregiment 6 überhaupt noch nicht gekommen. Das schien nun anders werden zu wollen. Westlich des Dorfes Mont le Ban dehnte sich ein breites Waldgebiet aus. In diesem waren alle Strassen und Wege kilometerlang durch Baum- und Minensperren gesperrt. Hinter ihnen suchten Nachhuten der belgischen Ardennenjäger das deutsche Vorgehen aufzuhalten oder zu verzögern. Infolge des dichten Waldes mit seinem Hochwaldbestand war eine Umgehung, vor allem auch im Hinblick auf die inzwischen eingebrochene Dunkelheit nicht möglich. Das I.Bataillon musste daher das weitere Vorgehen einstellen. Während schwache Schützeneinsicherungen das Waldgebiet nach Westen absperrten, verbrachte der Grossteil des I.Bataillons die Nacht beiderseits der Marschstrasse in Mont le Ban auf den Fahrzeugen schlafend. Während dieser Zeit wurden die Pioniere zur Beseitigung der Sperren vorgezogen. Das auf Fahrzeugen vorgefahrene II.Bataillon hatte in der Gegend von St.Vith Teile des zu Fuss marschierenden I.Bataillons überholt und war unter Umgehung der Baum- und Minensperren, teils querfeldein, teils auf Wald- und Feldwegen in allgemeiner Richtung auf Laroche vorgefahren. Es wurde unterwegs durch die notwendige Beseitigung von Baumsperren und Minenfeldern über Gebühr aufgehalten. Das Bataillon wurde dann am Spätnachmittag durch Befehl über Cherain nach Mont le Ban vorgezogen, wo es um 20,30 Uhr eintraf und gleichfalls längs der Marschstrasse auf den Fahrzeugen zur Ruhe überging. Lediglich die 5.Kompanie mit ihren neuen gepanzerten Fahrzeugen wurde in der Nacht in das gesperrte Waldgebiet vorgezogen, um die Aufräumungs- und Entminungsarbeiten der Pioniere an der späteren weiteren Vormarschstrasse zu schützen. Das zur 7.Panzerdivision gehörige Kradschützenbataillon 7 erstürmte um 22 Uhr weiter nordwestlich in der Dunkelheit unter der Führung von Major von Steinkeller die starken belgischen Sperrstellungen bei Chabrehez, warf die dort stehenden Teile der 1.belgischen Ardennenjägerdivision zurück und schuf die Voraussetzungen für die ungehinderte Fortsetzung des Vormarsches zur Ourthe am folgenden Tage. Der gegenüberstehende Feind hatte am 10.Mai ausser aus belgischen Gendarmen aus Ardennenjägern, einer Mustertruppe des belgischen Heeres, bestanden. Wider Erwarten hatte sich der Gegner nirgends auf Gefechte eingelassen und ging kampflos auf die Altbelgische Grenze von 1914 und weit darüber hinaus westwärts zurück. Die an mehreren Stellen angelegten Baumsperren und versteckten Ladungen und die Minenfelder hatten den deutschen Vormarsch nur vorübergehend aufgehalten, da die Sperren selbst nicht verteidigt worden waren. Ihre Beseitigung erfolgte zumeist mittels Sprengladungen. Die Bevölkerung im neubelgischen Gebiet von Eupen - Malmedy war deutsch, sprach deutsch, fühlte deutsch und war demgemäss den deutschen Soldaten gegenüber freundlich und entgegenkommend. In den bisher besetzten altbelgischen Gebieten waren die Bewohner zum grössten Teil aus Angst vor den Deutschen geflüchtet. Dörfer und Häuser standen leer und verlassen. Da in den Nachmittagsstunden eigene Flieger gemeldet hatten, dass die Flussübergänge zwischen Lüttich und Laroche unzerstört wären, erliess das Generalkommando XV., dem die 7.Panzerdivision und damit auch das Schützenregiment 6 ab 16 Uhr wieder unterstellt worden war, am Spätnachmittag an die 5. und 7.Panzerdivision den Befehl, noch in der Nacht soweit wie möglich gegen den Ourthe - Fluss vorzugehen und nach Inbesitznahme der Flussübergänge am 11.Mai in der Frühe in allgemeiner Richtung auf Dinant vorzustossen. Tagesverlust: 1 Toter (Gefr. Zink), gefallen durch Auffahren auf eine Mine. |
| 11.5.1940 | Nachlaß Ortlepp. Kav.Schtz.Rgt.6.2) Nach dem gegen 3 Uhr morgens ergangenen Divisionsbefehl für den weiteren Vormarsch sollte die 7.Panzerdivision am 11.Mai in der Frühe in rastlosem Vorwärtsdrängen mit den vordersten Teilen die Gegend Chabrehez westlich Les Tailles erreichen. Da ostwärts der Ourthe nur schwache Feindpostierungen und auf dem Westufer der Ourthe nur schwächerer Feind, teilweise motorisierte Kräfte, ermittelt worden waren, das Eintreffen der französischen Verstärkungstruppen voraussichtlich noch nicht zu erwarten war, wurde nur mit geringer Gegenwehr der Belgier gerechnet. Die Aufgabe der jetzt wieder dem XV.Armeekorps unterstellten 7.Panzerdivision war es, zunächst alle Sperren ostwärts der Ourthe zu durchbrechen, die Ourthe-Übergänge zwischen Beffe und Laroche beiderseits Marcourt zu erzwingen und auf Marche durchzustossen. Hierzu sollte die 7.Schützenbrigade mit dem Schützenregiment 6, dem Kradschützenbataillon 7, der I.Abteilung des Panzerregiments 25 und anderen Divisionstruppen den Feind nach kurzer Bereitstellung um 6,30 Uhr westlich Chabrehez angreifen und anschliessend auf Marcourt vorgehen, um mit Artillerieunterstützung des ganzen Artillerieregiments 78 alsbald das Westufer der Ourthe zu gewinnen. Für diesen Vormarsch durch die schwierige Sperrzone zur Ourthe wurde am Morgen des 11.Mai das II.Bataillon vor das I.Bataillon vorgenommen. Unter der Führung von Oberstleutnant Junck trat das II.Bataillon mit der 5.Kompanie als Spitze beim Morgengrauen den Weitermarsch an, da sich die feindlichen Postierungen im Schutze der Nacht weiter zurückgezogen hatten. Da in den Morgenstunden auf der Anmarschstrasse des II.Bataillons zugleich die Kraftfahrzeuge des I.Bataillons, das bis hierher zu Fuss vorgegangen war, vorgezogen wurden, entstanden grössere Strassenverstopfungen, die den Weitermarsch über Gebühr aufhielten und verzögerten. Mehrfach zeigte sich in den ersten Vormittagsstunden französische Aufklärungsflugzeuge. Drei von ihnen wurden durch die der 7.Panzerdivision zugeteilte Flak abgeschossen. Nach Beseitigung der Wegesperren durch die unermüdlichen Pioniere war der Weg durch das Waldgebiet westlich Mont le Ban freigemacht, so dass der Vorstoss ohne Feindberührung auf guter Strasse über Dinaz, Wilrin, Nadrin, Samrée gut vorwärts getragen werden konnte. In Chabrehez sichtete das II.Bataillon die ersten gefangenen belgischen Ardennenjäger, die bei dem nächtlichen Vorstoss der von der 7.Panzerdivision vorab vorgehenden Kradschützen gefangen genommen worden waren. Ein französisches Aufklärungsflugzeug überflog zeitweise die Marschkolonnen des Bataillons, die deshalb mit Fliegertiefe fuhren. Bomben wurden aber nicht abgeworfen. In der Gegend von Fochamp landete Generalmajor Rommel mit seinem Fieseler-Storch-Flugzeug in der Nähe der vorbeifahrenden 7.Kompanie des Schützenregiments und befahl ihr, an die Spitze der Marschgruppe durchzugehen, dass Marcourt feindfrei sei und dem Übergang über die Ourthe nichts entgegenstehe. Bald machten grosse Strassensprengungen die Weiterbenutzung der Strasse mit Fahrzeugen unmöglich, so dass die Schützen des II.Bataillons die letzten 5 Kilometer zum Ourthe-Fluss zu Fuss zurücklegen mussten. Gegen 11,30 Uhr hatte das II.Bataillon ohne Feindberührung die Ourthe bei Marcourt erreicht und damit einen strategisch wichtigen, zudem landschaftlich schönen Abschnitt erreicht. Immer wieder war es gelungen, von den Belgiern angelegte Weghindernisse zu überwinden, sei es durch Beiseiteschieben von Bäumen oder durch Fahren über Wiesen und ungepflügte Acker. Die Schützen liessen sich jedenfalls nicht aufhalten und fanden immer wieder die Möglichkeit zur rastlosen Fortsetzung des Vormarsches. Die Flussbrücke über die Ourthe bei Marcourt hatten die Belgier aber noch vor dem Eintreffen der deutschen Spitzengruppe rechtzeitig gesprengt. Der weitere Vormarsch der Schützen wurde hierdurch nicht aufgehalten, da die Spitze und Vorhut des II.Bataillons sofort auf Flossäcken übersetzte. Die sofort vorgezogenen Pioniere des Schützenregiments 6 legten indessen auf die stehengebliebenen Brückensteine Bohlen und Bretter und schufen einen behelfsmässigen Laufsteg zum westlichen Flussufer. Das II.Bataillon konnte nach dem Übergang der Schützen über die Ourthe den Vormarsch nun zu Fuss über Warizy, Hodister, Roy, Charneux in westlicher Richtung fortführen, um das dem Bataillon zugewiesene Tagesziel Harsin südlich Marche zu erreichen. Die schweren Waffen der 8.Kompanie, vor allem die Infanteriegeschütze und Pak, mussten auf Schlauchbooten über die Ourthe gebracht und alsdann im Mannschaftszug über Roy und Charneux den Schützen nachgeführt werden. Dabei war ein schweres Stück Arbeit zu leisten und den Schützen der schweren Kompanie liefen die Schweissperlen über Gesicht und Hände. Der Pionierzug des II.Bataillons war an der Ourthe bei Marcourt zurückgeblieben, um gemeinsam mit dem vorgerufenen Pionierzug des I.Bataillons und einer Kompanie des Pionierbataillons 58 für die Fahrzeuge eine Spurtafelbrücke über den Fluss zu bauen. Unermüdlich schleppten die Pioniere das schwere Bauholz zur Brückenbaustelle. Strecke auf Strecke wurde eingebaut. Nach 1½ Stunden schwerster Arbeit stand die Brücke und schon konnten die Fahrzeuge den zu Fuss vorausgeeilten Truppen folgen. Das I.Bataillon war vorher aufgerückt und hatte vor der Ourthe seine Fahrzeuge stehen lassen, um im Fussmarsch über den schmalen Steg über den Fluss zu gehen, während die Kräder der Schützenkompanien und die Kradstaffel des Bataillons mit einer Elossackfähre übergesetzt wurden. Die schon erwähnte, vor Vollendung der Spurtbrücke gebaute behelfsmässige Brücke hatte das Heranführen der Fahrzeuge der 4.Kompanie ermöglicht. Die schweren Fahrzeuge der übrigen Schützenkompanien konnten erst am Morgen des 12.Mai nachgezogen werden, da die bei Marcourt gebaute Brücke infolge Überlastung durch den Befehlswagen des Divisionskommandeurs, Generalmajor Rommel, einstürzte und in der Nacht erst neugebaut werden musste. Die 7.Panzerdivision hatte mittags folgenden neuen Auftrag erhalten: Vorstoss Richtung Marche, dort Aufschliessen und Aufklärung gegen die Maas Richtung Dinant. Eile war geboten, denn nach den Erkundungen waren mechanisierte französische Einheiten im Landmarsch und Bahntransport westlich der Maas in nordostwärtiger Richtung angetreten. Die deutschen Bomberverbände bombardierten daher am 11.Mai vor allem auch die auf die Maas heranführenden Weststrassen zwischen Namur und Givet. Als das II.Bataillon in der Marschfolge 5., 6., 7. und 8.Kompanie in den Nachmittagsstunden mit der in dichten Schützenlinien vorgehenden 6.Kompanie als Spitze die Strasse Harsin – Marche etwa 2 km nordostwärts Harsin überschreiten wollte, schlug ihr gegen 19,30 Uhr zum ersten Male heftiges belgisches Maschinengewehrfeuer und Gewehrfeuer entgegen. Eine durch einige Panzerspähwagen verstärkte belgische Nachhutgruppe hatte sich im Orte Harsin verschanzt und hielt mit weiteren Kräften Charneux und die Höhen nordwestlich davon besetzt, um das deutsche Vorgehen aufzuhalten. Nach Einsatz des schweren Maschinengewehrs der 8.Kompanie, der vor allem die rechte Flanke abdeckte, und mit Unterstützung zweier vorgezogener Panzerkampfwagen der Division wurde das Dorf Harsin gegen 18 Uhr von Nordwesten aus durch die 6.Kompanie von rechts und die 5.Kompanie von links genommen. Die 7.Kompanie, die indessen mit den vorderen Teilen das Dorf Charneux erreicht hatte, blieb hier zunächst als Bataillonsreserve liegen und trat den Vormarsch auf Harsin erst an, als die 5. und 6.Kompanie rechts und links des Ortes gegen den auf einem Höhenzug liegenden Gegner vorgestossen waren. Da die schweren Waffen der 8.Kompanie im Mannschaftszug von der Ourthe aus herangeführt werden mussten, kamen sie mit Ausnahme des M.G.-Zuges Strobel nicht mehr vor Einbruch der Dunkelheit heran und kamen damit nicht mehr zum Einsatz. Der Angriff war bis auf einen Verwundeten ohne eigene Verluste durchgeführt worden. Auch das in der ersten Abenddämmerung einsetzende belgische Artilleriefeuer, das nach Einbruch der Dunkelheit wieder verstummte, verursachte keinen Schaden. Die feindlichen Panzerspähwagen – es handelte sich um die Spitzenfahrzeuge der französischen Hilfsarmee für Belgien – zogen sich bei der Annäherung weiterer Teile des Schützenregiments 6 im Schutze der Abenddämmerung zurück. Ein der 6.Kompanie übertragener Auftrag, zusammen mit 2 Panzern die Höhe 260 in Besitz zu nehmen, führte infolge des überaus starken feindlichen Abwehrfeuers erst nach Einsatz der 5.Kompanie gegen 20 Uhr zum Erfolg. Die zähnächst hartnäckig kämpfenden belgischen Ardennenjäger zogen sich alsdann auf Fahrzeugen, zu Pferd und auf Fahrrädern im Schutze der Dunkelheit weiter zurück. Mit Rücksicht auf die späte Abendstunde stellte das Schützenregiment 6 das weitere Vorgehen für den 11.Mai endgültig ein. Das II Bataillon sicherte während der Nacht auf den Höhen westlich und südwestlich Harsin und Chavanne und schickte stärkere Spähtrupps vor, die das Gelände südwestlich Harsin feindfrei vorfanden und nur noch schwachen Gegner auf Höhe 310 nordwestlich Harsin feststellen konnten, der dort Verteidigungsstellungen anlegte. Der Regimentsstab des Schützenregiments 6 kam nach Charneux unter, während das aufgerückte I.Bataillon mit der 3. und 4.Kompanie im gleichen Raum sicherte und mit der 1. und 2.Kompanie bei Chefneufais und Schloss Grunen Aufstellung nahm. Die Nacht verlief vollkommen ruhig, da der Gegner, wie sich am kommenden Morgen zeigen sollte, im Schutze der Dunkelheit abbaute. Der 7.Panzerdivision war es am 11. Mai gelungen, recht gut vorwärts zu kommen, während die benachbarte 5.Panzerdivision weiter nordostwärts noch zurückhing. Schon um 10,45 Uhr hatten Kradschützen der Vorausabteilung der 7.Panzerdivision auch die Ourthe bei Beffe durch eine Furt kampflos überschreiten können. Bei Marche, wo erstmalig eine französische Aufklärungseinheit festgestellt worden war, wurden zunächst stärkere motorisierte französische Kräfte erwartet. Diese Feindkräfte mussten bei den weiteren Planungen gebührend in Rechnung gestellt werden. Die 7.Panzerdivision hatte im Verlauf des 11.Mai nach dem erfolgreichen Brückenschlag über die Ourthe bei Marcourt den eigenen Angriff bis in die Linie Westrand Marche – Marloie – Ostrand Harsin vorgetragen, das erste Gefecht mit einem stark mechanisierten Verband der französischen Armee trotz Einsatzes starker Feindartillerie siegreich bestanden und feindliche Panzer westlich Waha zurückgeschlagen. Dabei war auch in der Gegend von Waha ein feindlicher Panzerangriff auf die dort in Stellung gegangenen Batterien des Artillerieregiments 78 wirkungsvoll abgewehrt worden. Nach Abwehr dieses Feindes, der westwärts der Maas stand und stärkeren Kräften, die westlich der Maas in nordostwärtiger Richtung vorwärts strebten, bestand vorerst keine Feindberührung mehr. Doch deuteten die zahlreichen von der Luftaufklärung gemeldeten Marsch- und Transportbewegungen des Gegners von Westen gegen die Maas und die ostwärts der Maas erkannten feindlichen motorisierten Einheiten darauf hin, dass der Feind noch ostwärts des Maasflusses sich dem weiteren Vorgehen des Korps vorlegen wollte. Das XV.Korps musste daher nach Überschreiten der Ourthe für den geplanten weiteren Vorstoss auf Dinant scharf zusammengefasst werden, damit Flankenbedrohungen ausgeschaltet wurden und auftretender Feindwiderstand schnell gebrochen werden konnte. Ein in den späten Abendstunden eintreffender Befehl des Armeeoberkommandos 4 ordnete für den 12.Mai das Vorgehen auf Dinant sowie das Aufschliessen des XV.Korps nach vorn an und befahl die Erzwingung des Maasübergangs zwischen Yvoir und Givet in der Gegend von Dinant unter Abdeckung der rechten Flanke gegen die starke Festung Namur und die Höhen ostwärts davon. Die feindliche Luftwaffe war am 11.Mai nur wenig tätig gewesen und hatte die Marschbewegungen im allgemeinen nicht gestört. Tagesmunitionsverbrauch: 12 000 Schuss SS-Munition Verluste:- |
| 12.5.1940 | Nachlaß Ortlepp. Kav.Schtz.Rgt.6.2) Nachdem es der 7.Panzerdivision am 11.Mai gelungen war, als erste Division der 4.Armee über die Ourthe zwischen Rendeux und Laroche zu stossen und mit starken Teilen der Division die Linie Marche – Waha – Harsin zu erreichen und da ein weiteres Zurückgehen des durch französische Hilfstruppen verstärkten belgischen Gegners auf die Maas gemeldet war, sollte das XV.Korps unter General der Panzer Hoth am 12. Mai frühzeitig gegen die Maas nördlich Dinant antreten, den dort noch standhaltenden Gegner über den Fluss zurückwerfen, das Ostufer der Maas zwischen Houz und Dinant gewinnen und fest in der Hand halten. Die 7.Panzerdivision sollte links rückwärts gestaffelt in zwei Marschkolonnen gegen die Maas antreten, zwischen 7 und 7,30 Uhr die Linie Marche – Marloin überschreiten und nördlich Dinant den Maasübergang gewaltsam erzwingen. Die Stadt Dinant selbst sollte nicht angegriffen werden. Es wurden bei der 7.Panzerdivision folgende Gefechtsgruppen gebildet: Gefechtsgruppe Rothenberg (Kommandeur des Panzerregiments 25) mit dem Panzerregiment 25 (ohne II. Abt.), Kradschützenbataillon 7, 3./Panzer-Pionier-Bataillon 58 und Gefechtsgruppe von Bismarck (Kommandeur des Schützenregiments 7) mit dem Schützenregiment 7, II./Panzerregiment 25, 1./Panzer-Pionier-Bataillon 58, Panzerjägerabteilung 42 Der Stab der 7.Schützenbrigade und das Schützenregiment 6 sollten zur Verfügung der 7.Panzerdivision zunächst in den bisherigen Linien verbleiben und sich unmittelbar nach dem Durchziehen der Gefechtsgruppe von Bismarck auf die Marschstrasse Charneux – Harsin – Marloin – Jamodenne – Humain – Buissonville in Richtung Leignon marschbereit machen, so dass auf Funkbefehl unverzüglich angetreten werden konnte. Bei Erlass dieser Voranweisung der Division gegen 2.30 Uhr war noch nicht bekannt, dass der Gegner sich in der Nacht weiter zurückgezogen hatte. Die Gefechtsaufklärung beim Morgengrauen des 12.Mai ergab aber, dass der Gegner erneut ausgewichen und infolgedessen auch die Fühlung mit dem Feind verloren gegangen war. Feindkräfte konnten weder im Norden noch im Westen oder Südwesten von Harsin – Marche ausgemacht werden. Das Schützenregiment 6 verblieb zur Verfügung der Division in der bisherigen Sicherungsstellung und sollte erst auf Funkbefehl der Division nach Durchziehen des verstärkten Schützenregiments 7 unter Oberst von Bismarck vorgezogen werden. Der Vormarsch des letztgenannten Regiments sollte planmässig ab 7 Uhr auf der Strasse Chaveaux – Waha in nordwestlicher Richtung erfolgen. Das Waldgebiet der zerklüfteten Ardennen war nunmehr im allgemeinen überwunden. Der Vormarsch kam nun in ein ebeneres, weniger hügeliges Gelände. Auch war fortan mit weniger Sperren, aber um so besseren Strassenverhältnissen zu rechnen. Das Panzerregiment 25 hatte beim Morgengrauen die Ourthe bei der Furt westlich Beffe überschritten und suchte wieder Anschluss an den Feind zu gewinnen. Die Fahrzeugstaffeln des Schützenregiments wurden frühzeitig herangezogen und gegen 10 Uhr in dem Walde südlich Charneux für den weiteren Vormarsch bereitgestellt. Diese Vormarsch verzögerte sich aber trotz des warmen und sonnigen Wetters ohne Verschulden des Schützenregiments recht erheblich. Infolge der Strassenverstopfungen war das Schwesterregiment, das Schützenregiment 7, erst gegen Mittag am Ablaufpunkt eingetroffen, so dass der von der Division befohlene Vormarsch zur Maas in der befohlenen Reihenfolge statt um 7 Uhr morgens erst um 14,30 Uhr angetreten werden konnte. Damit war kostbare uneinbringliche Zeit verloren gegangen. Der Gegner hatte Zeit gefunden, seine Maasverteidigung zu verstärken und weitere Truppen, insbesondere auch französische Verbände, heranzubringen. Die Aufgabe des Schützenregiments 6 war nach wie vor der Schutz der linken Flanke der 7.Panzerdivision gegen in der Richtung Humain und Buissonville vermutete französische motorisierte Kräfte. Die Masse der Panzerdivision sollte indessen in Richtung auf Dinant durchstossen. Das Regiment fuhr in der Reihenfolge: Regimentsstab, I. Bataillon, II. Bataillon. Der eingeleitete Vorstoss der 7.Panzerdivision bis zur Maas war nicht ungefährlich, da nur unzureichende Feindnachrichten vorlagen und die Nachbardivisionen noch nicht in gleicher Höhe mit der 7.Panzerdivision standen. Eine von Leutnant von Suckow in südlicher Richtung vorgehende Aufklärungsabteilung konnte jedoch die beruhigende Meldung überbringen, dass der linke Nachbar, die 32. Infanteriedivision, sich inzwischen etwa in gleicher Höhe westwärts vorbewege. Kurz nach dem Anhalten bekam das I.Bataillon in Charneux einen neuen Auftrag, im Raum Buissonville mit den Fahrzeugen zu sichern und nach Süden und Südwesten zu sichern, da sich in den Wäldern südlich Buissonville noch feindliche Panzerkampfwagen befinden sollten. Die Gefangennahme von 3 versprengten Franzosen schien diese Vermutung zu bestätigen. Als Oberst von Unger im Dorfe Humain eintraf, erreichte ihn der Befehl der Brigade zum Weitermarsch auf der Strasse Buissonville – Leignon. Sofort wurde das I. Bataillon über Heid und Chapoix nach Leignon nachgezogen und dort um 17,30 Uhr der Aufklärungsabteilung 37 unter dem Befehl von Major Erdmann unterstellt. Während das I. Bataillon am Abend auf unmittelbaren Befehl des Generalmajors Rommel in breiter Front gegen den Lesse-Abschnitt in der Linie Conneux – Chevetogne zum Schutz der linken Flanke der Division neben der Aufklärungsabteilung eingesetzt wurde, marschierte das II.Bataillon mit dem Regimentsstab auf grösstenteils guter Strasse von Leignon über Ciney – Croix – Thynes – Lisogne in die Wälder westlich Frêche – Try weiter und dort fuhren die einzelnen Kompanien zunächst auf grossem Raum im Gelände auf. Oberstleutnant Junck und sein Bataillonsadjutant waren von Leignon aus mit dem Brigadekommandeur, Oberst Fürst, und den Führern der 5.Kompanie und des Pionierzuges vorausgefahren, um das Gelände für den geplanten Maasübergang nördlich Dinant zu erkunden. Vom jenseitigen Maasufer war das Gelände bis an die grosse Strasse Dinant – Dorinne vom Feinde gut einzusehen. Das jenseitige Flussufer war von stärkeren Feindkräften besetzt. Die Maasbrücken bei Dinant waren bereits sämtlich vom Gegner zerstört worden. Störungsfeuer der feindlichen Artillerie lag scheinbar planlos auf einzelnen Punkten des östlichen Maasufers. Französische Aufklärungsflugzeuge vom Typ Potez flogen im Tiefflug über die anmarschierenden deutschen Truppenkolonnen, wurden aber durch die der Division zugeteilten leichten 2-cm-Flakbatterien abgewehrt und zum Abdrehen gezwungen, so dass sie grösseren Schaden durch Bombenwurf nicht anrichten konnten. Nördlich Dinant bot das Gelände auf dem ostwärtigen Ufer gute Annäherungsmöglichkeiten an den Fluss. Hier sollte der gewaltsame Flussübergang am folgenden Morgen durch Handstreich erzwungen und ein Brückenkopf in solcher Tiefe geschaffen werden, dass in seinem Schutz der Brückenbau ungestört vom Feinde durchgeführt werden konnte. Das Übersetzen sollte in folgender Reihenfolge durch die Divisionspioniere und Truppenpioniere erfolgen: 2 Kompanien Kradschützen Bataillonsstab Kradschützen 7./Schützen-Regiment 6 Stab II./Schützen-Regiment 6 s.M.G.-Zug der 8./Schützen-Regiment 6 danach Rest des II. Bataillons Der zuerst gefasste Plan, noch in der Nacht mit dem II.Bataillon – das mit den Anfängen gegen 21,30 Uhr den Raum südostwärts Frêche – Try erreichte und dort mehrfach von einem französischen Aufklärungsflugzeug überflogen worden war, nachscheinend jedoch ohne entdeckt zu werden – im Schutz der Dunkelheit bis an den Flusslauf der Maas heranzugehen, wurde wegen der Weite des Weges und der Schwierigkeiten und Strapazen, die sich vor allem für die Pioniere ergeben würden, die ja die Flosssäcke die weite Entfernung an den Fluss herantragen mussten, fallen gelassen. Auf Anweisung der 7.Schützenbrigade wurde das II.Bataillon nunmehr auch fahrzeugmäßig in der Dunkelheit über Frêche – Try und Awagne in den zwischen Houx und Awagne gelegenen Wald vorfahren. Hier sassen die Schützen von den Fahrzeugen ab, die im Bogen über Awagne zurückfahrend ihren alten Bereitstellungsraum bei Frêche – Try aufsuchten und dort getarnt Aufstellung nahmen. Der Motorlärm der zurückfahrenden Fahrzeuge rief die gegnerische Artillerie auf den Plan, die mit mehreren Gruppen den Wald abstreute, ohne dass aber bei den Schützen Verluste eintraten. Die abgesessenen Schützen des II.Bataillons gingen in der Dunkelheit der Nacht bis an das Ostufer der Maas, etwa 2 km südlich Houx, heran und ruhten dort in einer Schlucht. Die Nähe einschlagende Granaten der feindlichen Artillerie richteten keinen Schaden an. Die Aufgabe des Bataillons war: im Morgengrauen auf Flosssäcken die Maas zu überqueren und auf dem Westufer des Flusses einen Brückenkopf zu bilden. Der Regimentsstab des Schützenregiments 6 verblieb in der Nacht in Lisogne. Ein Tieffliegerangriff eines französischen Flugzeugs um 21 Uhr in der Gegend von Croix auf fahrende Teile des Regiments hatte keinen Erfolg. Der 7.Panzerdivision unter dem bewährten Führer, Generalmajor Rommel, war es im Verlaufe des 12.Mai gelungen, den hinhaltend kämpfenden, aber immer weiter zurückweichenden Gegner auf Maas im Abschnitt Houx – Dinant zurückzuwerfen, als erste Truppe der 4.Armee die Maas zu erreichen und mit starken Kräften sich auf dem Ostufer der Maas im Abschnitt südlich Houx – Dinant auf den Flussübergang vorzubereiten. Dabei hatte das bei der rechten Marschkolonne der Division vorausfahrende Panzerregiment 25 unter Oberst Rothenberg einen schweren aber erfolgreichen Kampf mit Panzern und Artillerie der 1.französischen mechanisierten Division zu bestehen. Durch das scharfe Zufassen der Schützen war es dem Gegner nirgends gelungen, das Vordringen der deutschen schnellen Truppen aufzuhalten. Zwischen Marche und Dinant waren von den Belgiern mehrere sehr starke Strassenminensperren begonnen, aber nicht mehr beendet worden, so dass die eigentliche belgische Sperrzone hinter Marche als überwunden angesehen werden konnte. Überall vor den Belgiern flüchteten die Dörfer. Die Dörfer waren grösstenteils von den Bewohnern verlassen worden. Andere Zivilbewohner, die nicht rechtzeitig den Entschluss zur Aufgabe von Hof und Heim getroffen hatten, wurden unterwegs von den schnell vordringenden deutschen Truppen überholt und kamen so hinter die deutschen Linien. Da die deutsche Fliegeraufklärung ein weiteres Zurückgehen der feindlichen Streitkräfte auf dem westlichen Maasufer meldete, war anzunehmen, dass die Maaslinie nur von schwachen Feindkräften verteidigt und damit die beabsichtigte Bildung deutscher Brückenköpfe erleichtert wurde. Die Maasbrücken bei Houx und Dinant hatte der Feind zerstört. Kurz bevor die Spitzen der 7.Panzerdivision die Maas erreichten, waren sie in die Luft geflogen. Der Handstreich auf die Brücken war also nicht gelungen. Da jedoch die persönliche Erkundung des Kommandierenden Generals des XV.Armeekorps ergeben hatte, dass der Belgier wider Erwarten nur schwache Kräfte auf dem westlichen Maasufer stehen hatte, hatte General Hoth gegen 18 Uhr der 7.Panzerdivision den Befehl gegeben, sich noch am Abend des 12. Mai in den Besitz eines kleinen Brückenkopfes in der Linie Grange – Rostenne zu setzen. Das verspätete Eintreffen an der Maas, die hereingebrochene Dunkelheit und das Fehlen des Übersetzmaterials verhinderten aber die Durchführung dieses Plans. |
| 13.5.1940 | Nachlaß Ortlepp. Kav.Schtz.Rgt.6.2) Belgien hatte frühzeitig sein Grenzbefestigungssystem der französischen Maginotlinie angepasst. Die Hauptverteidigungsanlagen befanden sich beiderseits der Maas. Nördlich der französischen Maasfestung Givet war der Anschluss an das wesentlich stärkere französische Verteidigungssystem hergestellt. Das belgische Befestigungsnetz zog sich über Dinant nach Namur, Lüttich und schloss bei Maastricht an die holländischen Verteidigungsanlagen an. Während die alten Forts der Festungswerke auf dem linken Maasufer sich meist noch im dem Zustand des Weltkrieges 1914/18 befanden, waren auf dem rechten Flussufer vielfach neue und moderne Werke angelegt worden, die, wie die Kämpfe bei Lüttich und Namur zeigen sollten, erhebliche Sperren für die vorgehenden deutschen Truppen darstellten. Dinant selbst befand sich noch in dem Zustand wie im Weltkrieg. Die Stadt hatte durch eine breite Brücke über die Maas grössere militärische Bedeutung. Der Name Dinant hatte aus dem Weltkrieg einen unerfreulichen Klang im Hinblick auf die damaligen Franktireurkämpfe. In der Nachkriegszeit waren um Dinant lediglich einige neue Feldstellungen an und vor der Maas gebaut worden. Diese Arbeiten wurden zudem erst 1939 nach Beginn des Krieges ausgeführt. Die Maas im Abschnitt Houx – Dinant ist 200 m breit und 2 m tief, stellt also ein in Rechnung zu stellendes Hindernis dar. Das Fahrwasser geht vorwiegend auf der linken Flussseite. Die Ufer sind steil, oft mit Faschinen abgeboescht und durchweg 3 – 5 m hoch. Der Fluss ist durch Schleusenanlagen sorgfältig reguliert. Die Stromgeschwindigkeit erlaubt überall den Bau von Kriegsbrücken. Furten sind aber nicht vorhanden. Zwischen Dinant und Houx sind Artilleriestellungen auf beiden Seiten möglich. Besonders günstig hierzu sind die ostwärts der Maas gelegenen Waldungen nordostwärts von Dinant. Bei Houx überhöht sich das rechte Talufer über das linke und bietet bei guten Waldverhältnissen die Möglichkeit, Artillerie auf dem Ostufer gedeckt in Stellung zu bringen. Ausgebaute Verteidigungsanlagen grösseren Umfangs hatte die Fliegererkundung des Vortages weder auf dem rechten noch auf dem linken Maasufer feststellen können. Dagegen waren an mehreren Stellen Eisengittersperren angelegt. Ob und mit welchem Ziel Dinant von den Belgiern verteidigt werden würde, war nicht vorauszusehen. Da die belgischen Truppen bei Dinant sich am Vorabend des 13.Mai auf das westliche Maasufer zurückgezogen hatten und die Aufklärungsergebnisse und der Anschein dafür sprachen, dass das westliche Flussufer nur noch von schwachen belgischen und französischen Kampfgruppen, die durch Panzerkampfwagen verstärkt waren, gehalten wurde, erliess Generalmajor Rommel kurz vor der Mitternachtsstunde zum 13.Mai die Anordnungen für das überfallartige Vorgehen über die Maas bei Dinant. Die 7.Panzerdivision sollte bei Tagesanbruch den Flussübergang zwischen der Maasinsel bei Houx und dem Leffegrund unmittelbar nördlich Dinant erkämpfen, in der Linie Grange – Ferme de Hontoire – Rostenne – Bouvignes einen Brückenkopf bilden und diesen gegen jeden Feindangriff verteidigen und halten. Es wurden hierzu zwei Übersetzgruppen gebildet. Gruppe Oberst Fürst rechts und Gruppe Oberst von Bismarck links. Beide Gruppen sollten um 4,30 Uhr überraschend über die Maas vorbrechen und baldmöglichst auch schwere Waffen und Pak über den Fluss nachziehen. Das Schützenregiment 6 gehört zur Übersetzgruppe Fürst, der noch vor dem Morgengrauen über Sovet, Thynes die 2./Pion.Batln 58 mit 15 grossen und 18 kleinen Flosssäcken zugeführt werden sollten. Die pioniertechnische Übersetzbewegung sollte der Kommandeur des Pion.Batlns 58 bei der Gruppe Fürst persönlich leiten. Das Artillerie-Regiment 78 sollte mit je einer Abteilung den Kampf der Übersetzgruppen auf dem Westufer der Maas durch Feuer unterstützen, die Flak am Ostufer des Flusses die Übergangsstellen gegen Luftangriffe sichern. Vom Divisionsgefechtsstand in Barsenelle (unmittelbar südlich Ciney) sollte der Kampf um die Maas geleitet werden. Generalmajor Rommel hatte sich jedoch ausdrücklich vorbehalten, jederzeit an den Übergangsstellen selbst die Leitung zu übernehmen und mündliche Anweisungen zu erteilen. Eine kühle Nacht ging den Morgenstunden des 13.Mai voraus, die den Übergang des Schützenregiments 6 über die Maas nördlich Dinant bringen sollten. Auf Grund einer zwischen Oberst von Unger, Oberstleutnant Junck, Oberst von Bismarck und Major Binkau, Kommandeur des Pionier-Batlns 58, noch vor dem Morgengrauen stattgefundenen Besprechung war der Maasübergang zwischen Leffe und Houx auf 5 Uhr morgens festgesetzt worden. Zuerst sollten zwei Kompanien des Kradschützen-Btl.7 in Flosssäcken und unmittelbar anschliessend die Schützen des II.Bataillons Schütz.Rgt.6 durch das Pionierbataillon 58 und den Pionierzug des II.Bataillons übergesetzt werden. Das I.Bataillon hatte teilweise weit rückwärts der vorderen Front in den Flanken Sicherungsaufgaben zu erfüllen und nahm an dem ersten Übergang über den Fluss nicht teil. In den Morgenstunden waren die letzten für den Maasübergang ausersehenen Schützen auf Fahrzeugen bis in die Waldschlucht vor der Maas vorgefahren. Hier sassen sie ab und erreichten im Fussmarsch, teilweise im feindlichen Artilleriestreufeuer, den 500 m vom Flussufer entfernten Bereitstellungsraum. Während der ganzen Nacht hatte feindliches Artilleriestörungsfeuer auf den Annäherungswegen zur Maas gelegen. Das gleiche galt für das Gelände, das die 7.Kompanie als die vorderste Kompanie des II.Bataillons des Schütz.-Rgts.6 hinter der 2.Kompanie des Kradschütz. Batlns 7 bezogen hatte. Um 4,30 Uhr trat die 7.Kompanie den Marsch durch die Schlucht zur Uebersetzstelle an. Der Gegner, der anscheinend Geräusch gehört haben musste, verstärkte und verlegte sein Artilleriefeuer auf die Schlucht, durch die sich die Schützen dem Maasufer zu nähern suchten. Bald schon traten durch Granatsplitter erhebliche Verluste ein. Allein von der 7.Kompanie des Schütz.-Rgts.6 wurden 3 Mann getötet und weitere 23 Mann verwundet, darunter der Führer des 2.Zuges und der schweren M.G.-Gruppe. Als der Morgen des 13.Mai dämmerte nahm gegen 5 Uhr der denkwürdige Flussübergang nördlich Dinant seinen Anfang. Die ersten Teile des II.Bataillons waren bis an den Fluss herangegangen. Die feindlichen Batterien hatten glücklicherweise ungünstige Beobachtungs- und Feuerstellungen, so dass sie die Übergangsstellen selbst weniger einsehen konnten. Daher sahen sie auch nicht die letzten Übergangsvorbereitungen und verlegten das Sperrfeuer auf den Fluss erst dann, als die ersten Gruppen längst über den Fluss gegangen und sich auf dem westlichen Ufer eingenistet hatten. Die Feindbatterien streuten aber ohne Zielbeobachtungsmöglichkeit das dicht hinter der Übergangsstelle liegende Gelände und vor allem die tief eingeschnittene, stark gewundene und vom Westufer einzusehende Schlucht, durch die die weiteren Teile des II.Bataillons zum Fluss nachgezogen wurden, fortgesetzt ab. Immer mehr verstärkte sich auch das Feindfeuer. Aber auch jetzt blieb glücklicherweise die Übergangsstelle vorerst noch ohne feindliches Geschützfeuer. Das Vorbringen der überaus schweren Flossäcke durch den Wald bis an den Fluss verzögerte sich bei den Pionieren leider mehr, als in Rechnung gestellt worden war, so dass die bereits am Flussufer angekommenen Gruppen der Schützen untätig vor dem Ufer der Maas liegen bleiben mussten. In der dahinterliegenden Schlucht traten bei der Bereitstellung der Schützen bald weitere Verluste ein. Die deutschen Batterien und die schweren Waffen des II.Bataillons suchten die feindlichen Abwehrwaffen nieder zu halten und dem Gegner durch Vernebeln des Westufers der Maas die Sicht zu entziehen. Dadurch wurde aber die Aufmerksamkeit des Gegners nur noch mehr erregt und er bekam volle Klarheit darüber, was sich in den frühen Morgenstunden des 13.Mai im Grund des Flusstales vorbereitete und abspielte. Trotzdem die Artillerie der 7.Panzerdivision sich redlich bemühte, Maschinengewehr- und Paknester am jenseitigen Flussufer nieder zu kämpfen, gelang dies nur im beschränkten Umfange. Das Feindfeuer forderte unter den Schützen immer neue Opfer. Leutnant von Suckow, Zugführer der 5.Kompanie, war schon beim Vorgehen zum Fluss durch Granatsplitter getroffen worden und erlitt als 1.Offizier des Schützen-Rgts.6 auf dem westlichen Kriegsschauplatz den Heldentode. Mehrere Flosssäcke wurden beim Vortragen durch Granatsplitter durchlöchert, so dass sie für eine Verwendung zum Uebersetzen unbrauchbar wurden. Im Feuerschutz einiger Panzerkampfwagen und der schweren Waffen des Regiments, die die feindlichen Widerstandsnester auf dem westlichen Maasufer niederhalten suchten, bestiegen die Schützen der 7.Kompanie an zwei Übergangsstellen die von den Pionieren herangeschafften grossen Schlauchboote. Sofort wurde der Ueberwechsel vorgenommen. Es konnten aber nur der 1. und 4. Zug und Teile des 2.Zuges der 7.Kompanie übergesetzt werden. Sie erreichten im feindlichen Maschinengewehrfeuer die jenseitigen Ufererhöhungen und arbeiteten sich sofort möglichst weit westwärts vor. Die Höhe 202 wurde erreicht und am Waldrand eine Verteidigungsstellung eingerichtet, um das Nachkommen weiterer Gruppen abzuwarten. Von der 8.Kompanie war zunächst nur der Kompanietrupp und 2 Gruppen des s.M.G.-Zuges in Schlauchbooten über die Maas geschafft und dort im Verein mit der 7.Kompanie zur Erweiterung des von den Kradschützen gebildeten Brückenkopfes eingesetzt worden. Kaum hatte die erste Staffel des II.Bataillons das westliche Maasufer erreicht und die Gefechtsfühlung mit dem Gegner aufgenommen, als ein Feuerorkan der feindlichen Artillerie auf die Uebergangsstellen einsetzte. Das Feindfeuer kam aber zu spät, um den Uebergang rückgängig machen zu können. Die ersten Schützengruppen hatten bereits in Flosssäcken den Maasuferübergang erzwungen und sich trotz stärksten Beschusses durch feindliche Scharfschützen am westlichen Maasufer eingenistet. Das Artilleriefeuer des Gegners lag hinter der soeben geschaffenen Brückenkopfstellung. Dadurch wurden die übergesetzten Gruppen zwar von Verlusten verschont, aber durch die dichte Artillerieabriegelung wurde ein Nachbringen von Verstärkungen und schweren Waffen unmöglich gemacht. Ein grosser Teil der Flosssäcke wurde bei den weiteren Uebersetzversuchen leck geschossen, trieb ab oder wurde unbrauchbar. Am westlichen Maasufer hatten sich weiter südlich der Uebergangsstelle in den Uferfelsen und in den Baumgruppen sowie in dem Waldgelände vor Mt. Noir belgische Schützen, französische Kavalleristen und vereinzelt überaus lästige Heckenschützen eingenistet. Sie machten den übergesetzten Teilen des II.Bataillons bald schwer zu schaffen. Dazu kam, dass durch den dichten Artilleriesperrriegel der Uebergang des Restes der 7.Kompanie und der anderen bereitgestellten Truppen vereitelt wurde. Den unmittelbaren Feuerschutz für den Uebergang hatten deutschesseits ein schwerer M.G.-Zug sowie der s.M.G.-Zug und I.G.-Zug der 8.Kompanie und 3 Panzerkampfwagen übernommen. Es gelang diesen Einheiten aber nicht, den fast unsichtbar eingebauten Feind niederzukämpfen, so dass während des Uebersetzens über die Maas die belgischen und französischen Schützen den deutschen Angreifern weitere Verluste beibrachten. Unter anderem wurde der Kommandeur des Schützenrements, Oberst von Unger, beim Vorgehen gegen den Fluss auf dem östlichen Maasufer durch Armschuss verwundet und musste die Führung des Regiments abgeben und sich ins Lazarett begeben. Im Anschluss an die Kompanien des Kradschützen-Btlms 7, die gegen schwachen Feindwiderstand die Häuser und das Gelände um das Dörfchen Grange in Besitz nehmen konnten, waren bis 7 Uhr nur die 7. Kompanie, Oberstleutn.Junck, und der s.M.G.-Zug der 8.Kompanie des Schütz.-Rgts.6 über die Maas gebracht worden. Die 7.Kompanie besetzte im Anschluss links an die Kradschützen den Südrand des Waldes südostwärts Grange. Links daneben ging der s.M.G.-Zug der 8.Kompanie in Stellung. Der 1.Zug der 7.Kompanie wurde durch einen Sonderauftrag des Bataillonskommandeurs gegen die links vorwärts liegende Höhe 200 vorgeschoben. Dieses Unternehmen musste ohne Unterstützung durch die schweren Waffen erfolgen und führte bei erheblichen eigenen Verlusten nur teilweise zum Erfolg. Die feindliche Artillerie fügte insbesondere den bei Grange sich einschanzenden Kradschützen empfindliche Verluste bei. Darüber hinaus hatte sich der feindliche Widerstand ganz erheblich verstärkt. In der ersten Ueberraschung hatte schnell auf dem Westufer der Maas ein Brückenkopf gebildet werden können. Seine Erweiterung war erheblich schwieriger. Kampflärm aus der Gegend von Anhee zeigte an, dass auch die Vorausabteilung der 5.Panzerdivision beim Ueberwechsel auf einen kampfentschlossenen zähen Gegner gestossen war, der sich dem Vorgehen der deutschen Truppen entgegensetzte. Nachdem zwischen 6 und 7 Uhr Teile der 7.Panzerdivision bei Dinant und Teile der 5.Panzerdivision bei Yvoir auf dem Westufer der Maas Fuss gefasst hatten und die Ueberraschung des Gegners, der einen so schnellen Vorstoss über die Maas anscheinend nicht erwartet hatte, gelungen war, galt es bei zunehmendem feindlichen Widerstand und starkem feindlichem Artilleriefeuer auf die Höhen von Rostenne und die Uebergangsstellen über die Maas, die bisher geschaffenen Brückenköpfe von geringer Tiefe baldigst zu erweitern. Verstärkungsartillerie wurde herangezogen und bei der 7.Panzerdivision in Stellung gebracht. Auch der Einsatz von Stukas gegen die feindlichen Artilleriestellungen und die erkundeten Ansammlungen starker Reserven des Feindes bei Onhaye wurde von der Division angefordert und auch für den Nachmittag zugesagt. Da die gegnerische Artillerie jetzt gutliegendes Sperrfeuer auf die Uebergangsstelle des II./Schütz.-Rgts.6 legte und so jeden weiteren Uebergangsversuch im Keime erstickte, gelang es am Vormittag vorerst nicht, weitere Teile des II.Bataillons über die Maas zu setzen. Sämtliche Flosssäcke des Pionierzuges des II.Bataillons waren zerschossen und unbrauchbar, so dass schon aus diesem Grunde für einige Zeit an eine Fortsetzung der Maasüberquerung nicht zu denken war. Darüber hinaus wurden die auf dem Westufer des Flusses sitzenden Züge und Gruppen der 7. und 8.Kompanie bei Grange und am Waldrand ostwärts davon mit starken Geschützfeuerüberfällen belegt, dem sich die 7.Kompanie schliesslich nur durch örtliches Ausweichen entziehen konnte. An ein weiteres Vordringen war überhaupt nicht zu denken. Von der 5.Kompanie hatte zunächst nur die Gruppe des Uffz.Zeitz in einem Holzboot und einem Flossack den Flussübergang bewerkstelligen können. Den Rest der Kompanie war es unmöglich, an die Uebersetzstelle heranzukommen. Notgedrungen mussten die Schützen im Ufergelände liegen bleiben und dort, so gut es nur anging, gegen das feindliche Feuer Schutz suchen. Stundenlang war durch die unerwartet heftige feindliche Artilleriefeuersperre der Uebergang weiterer Teile des Regiments unterbunden, trotzdem dieser mehrfach versucht und durch das wirksame Feuer aller Batterien einer Abteilung des Art.Rgts.78 (mot) unterstützt wurde. Das bereits übergesetzte Kradschützenbataillon 7 nebst den Teilen des Schütz.Rgts.6 lagen im feindlichen Granatfeuer fest, arbeiteten sich aber doch allmählich soweit vor, dass die befohlenen Brückenköpfe gebildet und stellenweise sogar noch erweitert werden konnten. Es kam darauf an, den Brückenkopf bis zum Eintreffen weiterer Verstärkungen ungeachtet aller Verluste zu halten. Erst von 15 Uhr ab gelang es wieder, nachdem die deutsche Artillerie im direkten Schuss einen Teil der Abwehrwaffen des Feindes am jenseitigen Flussufer niedergekämpft hatte, den Rest des II./Schütz.Rgts.6 in Flossäcken und Pontons ohne wesentliche Verluste über die Maas zu setzen. Es war aber auch die höchste Zeit gewesen, denn die dünnen Schützenlinien auf dem Westufer der Maas konnte kaum länger dem wachsenden Druck des zahlenmässig und materialmässig weit überlegenen Gegners stand halten. Gleichzeitig wurde durch die nachgerückten Reserven dem bereits am frühen Morgen übergesetzten Kommandeur des II.Bataillons, Oberstleutnant Junck, der Befehl übermittelt, für den verwundeten Oberst von Unger die Führung des ganzen Schütz.Rgts.6 zu übernehmen. Die Führung des II.Bataillons wurde dem Oberltn.Kiessling übertragen, während Leutnant Insinger die 5.Kompanie übernahm. Dennoch gelang es im Laufe des Nachmittags nicht, den geschaffenen Brückenkopf bei Grange auf dem westlichen Maasufer wesentlich zu erweitern, da die bisher übergesetzten Schützenkompanien zu schwach waren, ohne Einsatz schwerer Waffen den erbitterten Widerstand der Franzosen und der bei ihnen befindlichen belgischen Einheiten zu brechen. In den Abendstunden liess das Artilleriefeuer des Feindes auf die Uebergangsstelle etwas nach, so dass auch der Regimentsstab auf das westliche Maasufer übergehen konnte, während die Schützen erneut den Versuch unternahmen, sich langsam weiter nach Südwesten und Westen vorzuarbeiten. Hier hatte indessen die geschlossen eingesetzte 5.Kompanie die Sicherung des linken Flügels des II.Bataillons in Richtung zum Ferm Mt. Noir übernommen. Die 6.Kompanie erweiterte den bereits durch die Kradschützen und durch die 5. und 7.Kompanie gebildeten Brückenkopf in südwestlicher Richtung und bekam die Höhe nördlich Rostenne als nächstes Angriffsziel zugewiesen. Der mit Sonderauftrag des Bataillons gegen eine Höhe angesetzte 1.Zug der 7.Kompanie war durch das zusammengefasste M.G.-Feuer und Schützenfeuer des eingeschanzen Gegners völlig versprengt worden, so dass bis 17 Uhr nur noch Trümmer des Zuges zurückgekehrt waren. Später gelang es jedoch, versprengte Teile des Zuges zu sammeln. 1 Toter und 4 Verwundete waren auf dem Kampffeld geblieben. Gegen 17 Uhr wurde zwischen Oberstltn. Junck und Major von Steinkeller, dem Kommandeur des Kradschützenbatlns.7, der wenige Stunden später beim weiteren Vorgehen schwer verwundet wurde, vereinbart, dass ein Bataillon des Schütz.Rgts.6 durch die Waldstücke etwa 1 km südostwärts Grange bis an den Waldrand 1 km nordostwärts Rostenne bei Mt.Noir vorgehen, während das andere Bataillon im Wald 1 km ostwärts Grange als Reserve bereitgestellt werden sollte. Das Kradschützenbatln. 7 hatte die Aufgabe, den Wald westlich Grange zu durchkämmen, über Hontoir Anschluss an die 5.Panzerdivision bei Haut le Wastia zu suchen und den Waldrand 1 km nördlich der Ferme le Hontoir zu sichern. Die übergesetzten Teile des II.Bataillons sollten um 17.30 Uhr gemeinsam mit der 5.Panzerdivision und dem Kradschützenbatln.7 einen Angriff auf das Gut Hontoir unternehmen. Bei der Gefechtslage, wie sie sich in den Abendstunden des 13.Mai darstellte, waren die schwachen Kräfte des II.Bataillons und des Kradschützenbataillons hierzu nicht in der Lage. In richtiger Erkenntnis der tatsächlichen Verhältnisse erliess Generalmajor Rommel Gegenbefehl und ordnete an, dass der angeordnete Angriff vorerst unterbleibe und die erreichte Linie für die Nacht gehalten werden sollte. Die 6.Kompanie, die noch das Waldstück westlich Mt. Noir besetzen sollte, stiess dabei gegen 18 Uhr auf gleichzeitig von Süden angreifenden Feind. Der Angriff der Franzosen wurde unter geringen eigenen Verlusten abgewehrt. Nach Verstärkung der Stellung der 6.Kompanie durch zwei Züge der 5.Kompanie war diese Verteidigungslinie von 22–23 Uhr einem Trommelfeuer mehrerer Feindbatterien ausgesetzt. Bei dem darauf folgenden feindlichen Angriff bei dem auch mehrere französische Panzerkampfwagen gegen die 6.Kompanie vorbrachen, hatte die Kompanie schwere Verluste, musste vor gewaltiger Übermacht in das Waldstück 1 km nördlich Rostenne zurückgehen, konnte aber den Angriff des Feindes mit Unterstützung der schweren Waffen des Bataillons aufhalten und schliesslich abweisen. Die 5.Kompanie und der Grossteil der 6. wurden durch den feindlichen Panzerangriff und durch das gleichzeitige Trommelfeuer der gegnerischen Batterien, vollständig auseinandergesprengt. Die schweren Waffen und die deutschen Batterien waren aber auf dem Posten gewesen. 9 Feindpanzer blieben zerschossen auf dem Kampffeld liegen. Die restlichen Stahluntüme stiessen nach Misslingen des Durchbruchs über Rostenne am Schütz.Rgt.7 vorbei, das in Dinant gleichfalls über die Maas gegangen war, und besetzten, unterstützt durch feindliches Geschützfeuer und Bomben- und Tieffliegerangriffe französischer Flieger auf die deutschen Artilleriestellungen erneut vorübergehend den Westteil der bereits geräumten Stadt Dinant, ohne jedoch die deutschen Brückenköpfe selbst anzugreifen. Der gesamte Raum des II.Bataillons des Schütz.Rgts.6 lag während der Nacht unter starkem Feuer gut schiessender französischer Batterien. Der Gegner war überraschend schnell und gut eingeschossen. Dagegen war die Sprengwirkung und Splitterwirkung der französischen Granaten im Vergleich zu den deutschen Feldhaubitzgranaten nur gering. Zur Verstärkung des II.Bataillons wurde die 3.Kompanie des I.Bataillons im Raum der 6.Kompanie als Verstärkung eingesetzt, während die 7.Kompanie nordostwärts Grange, aus dem der Gegner die Kradschützen herauswerfen konnte, nach Westen und entlang des Waldrandes nach Süden sicherte. Anschliessend nach links hatten die Reste der 6. und 5.Kompanie Aufstellung nach Süden eingenommen. Der Gefechtsstand des Regiments befand sich in der Brückenkopfstellung des II.Bataillons hinter der 7.Kompanie ostwärts Grange. Das I.Bataillon unter der Führung des Majors von Paris hatte am Maasübergang selbst zunächst keinen Anteil gehabt. Die Masse des Bataillons war am Morgen im Schloss Reux südlich Leigne zusammengezogen worden, um die Südflanke der 7.Panzerdivision zu sichern, den Feind abzuwehren, falls er unerwartet den Lesse-Fluss nordwärts überschritt und die Aufklärungsabteilung allein den Gegner nicht abwehren konnte. Sicherungsposten der 2.Kompanie blieben in Charneux und Umgebung stehen. Die Sicherungen der 3.Kompanie wehrten dabei bei La Bredte einen stärkeren feindlichen Stosstrupp ab. Der Gegner liess 3 Maschinengewehre auf dem Kampffeld zurück. Ein toter Offizier und 2 Verwundete des Feindes fielen in die Hand der 3.Kompanie. Um 10,45 Uhr erhielt das I.Bataillon von der 7.Panzerdivision Befehl, westwärts nach Frêches–Try zu marschieren. Das Bataillon zog hierauf die ausgestellten Sicherungen ein und machte sich marschbereit. Durch Funkspruch des Regiments wurde das I. Bataillon auf dem Marsche nach Westen nach Lisogne umgeleitet. Während das Bataillon dort mit Fliegerabständen weite Aufstellung nahm, fuhr Major von Paris zur Erkundung des Maasüberganges nach vorn. Um 17 Uhr kehrte der Bataillonskommandeur von der Erkundung zurück und brachte den sehnsüchtig erwarteten Einsatzbefehl mit: „Die Maas wird sofort überschritten, um das II.Bataillon auf dem westlichen Flussufer zu unterstützen.“ Die Fahrzeuge wurden nun stehen gelassen und zu Fuss ging der Vormarsch von Awagne an den Maasfluss. Auf einem provisorischen Steg überquerten die Schützenkompanien des Bataillons und der s.M.G.-Zug der 4.Kompanie zwischen 19 und 20 Uhr in der beginnenden Abenddämmerung den Fluss. Die zahlreichen frischen Soldatengräber und Granattrichter auf dem Ostufer der Maas legten Zeugnis davon ab, dass das II.Bataillon am frühen Morgen den Flussübergang hatte schwer erkämpfen müssen. Die letzten Teile des I.Bataillons wurden beim Übersetzen über die Maas durch M.G.-Feuer französischer Jagdflugzeuge und Feuerüberfälle mehrerer Feindbatterien belästigt, ohne dass jedoch Ausfälle eintraten. Ohne Verluste erreichte das I.Bataillon jenseits der Maas das ihm als Ziel zugewiesene Waldstück ostwärts Grange, richtete sich hier auf Weisung des Regiments nördlich und ostwärts Mt. Noir zur Verteidigung ein und verstärkte die schwachen Schützenlinien des II.Bataillons an den besonders gefährdeten Stellen. Kaum in den Stellungen angelangt, mussten die Kompanien des I.Bataillons stärkstes französisches Artillerietrommelfeuer über sich ergehen lassen. Jeder Schütze suchte Deckung, so gut es nur gehen wollte. Die zur Sicherung und Beobachtung eingeteilten Schützen griffen recht schnell zu den bisher im Westen meist abfällig beurteilten und doch unersetzbaren kleinen Spaten und buddelten sich in die Erde. Die Müdigkeit war rasch vergessen. So schnell hatten sich die Schützen bisher wohl noch nie in die Erde eingegraben. Und die Arbeit war nicht umsonst gewesen, denn die Erdlöcher boten guten Schutz gegen das Artilleriefeuer des Gegners und verhüteten manchen Verlust. Das Schütz.Rgt.6 konnte mit dem Ergebnis des 13.Mai ganz zufrieden sein. Wohl hatte der geschaffene Brückenkopf auf dem Westufer der Maas bei Grange keine grosse räumliche Ausdehnung, aber das moralische Ergebnis war deshalb nicht kleiner. Jedenfalls hatte die 7.Panzerdivision auch auf dem rechten Flügel zwischen Anhée und Dinant ein Sprungbrett für weitere operative Handlungen geschaffen. Grosse Erfolge standen bevor. Nach den übereinstimmenden Fliegermeldungen war das Gros der feindlichen Streitkräfte vor dem XV.Armeekorps in vollem Rückzug nach Westen begriffen. Dass es schon am 4.Tage des grossen deutschen Angriffs im Westen hierzu kam, daran hatte die 7.Panzerdivision hervorragenden Anteil gehabt. In härtesten stundenlangen Kampf mit in Felsen und Häusern und Gehöften auf dem westlichen Maasufer eingebauten Maschinengewehren und Paknestern des Feindes war durch das Schütz.Rgt.6 und das Schwesterregiment 7 unter der verantwortlichen persönlichen Leitung des Divisionskommandeurs in schwerstem feindlichen Artilleriefeuer zwischen Houx und Dinant das westliche Maasufer erkämpft und der Gegenstoss überlegener Feindkräfte am Spätnachmittag trotz der Mitwirkung französischer Panzerkampfwagen erfolgreich abgewehrt worden. Bei dem Maasübergang hatte der tüchtige Kommandeur des Pionierbataillons. 58, Major Binkau, den Heldentod gefunden. Durch einen kühnen nächtlichen Vorstoss des Schütz. Rgts.7 unter Oberst von Bismarck gegen das westlich Dinant gelegene Dorf Onhaye wurde die feindliche Maaslinienverteidigung in den Grundfesten erschüttert. Das zähe Standhalten des Schützenregiments 6 in der Brückenkopfstellung bei Grange schuf im Verein mit dem Vorgehen der 5.Panzerdivision bei Anhée die Voraussetzung, dass noch in den Abendstunden nördlich Bouvignes der Bau einer 8 to.-Kriegsbrücke eingeleitet werden konnte. Nachdem die deutsche Luftaufklärung starke rückgängige Bewegungen von der Maas in westlicher Richtung erkannt hatte, konnte deutscherseits der Schluss gezogen werden, dass der Feind unter der Deckung starker Nachhuten längs der Maas mit der Masse seiner Infanterie und Kavallerieverbände sich von der Maas westwärts absetzte. Die Maasverteidigung war also im Abschnitt Dinant in der aller kürzesten Zeit vollkommen zusammengebrochen. Es galt nunmehr, die noch auf dem Westufer des Flusses haltenden Feindkräfte zu zerschlagen, die Brückenköpfe zu erweitern, nach Beseitigung der Flankenbedrohung von Norden weiter westwärts vorzustossen und sich zum Vorgehen in Richtung Philippeville bereit zu stellen. Hierzu sollte die 5.Panzerdivision rechts, die 7.Panzerdivision links mit Panzern voraus die Linie Sossoye – Falan – Anhée gewinnen. Voraussetzung hierzu war, dass in der Nacht der Fährbetrieb aufrecht erhalten werden konnte und dass möglichst viele Panzer, Pak, Batterien und Flak-Batterien über die Maas gebracht werden konnten. Um die Stosskraft der Division zu erhöhen, wurden Generalmajor Rommel weitere Batterien und Pionierkräfte aus den Heerestruppen zugewiesen. Das XV.A.K. hatte am 13.Mai im Kampf gegen Teile der französischen 1. und 2. Kav.Div. und 5. mot.Inf.Div. den Maasübergang im Abschnitt Anhée – Bouvignes erzwungen. Die Masse des westlich der Maas erkannten Feindes war im Rückzug nach Westen begriffen. Lediglich stärkere Nachhuten hielten noch vor dem XV.Korps. Vordringlichste Aufgabe des XV.A.K. war es am Morgen des 14.Mai den Brückenkopf so zu erweitern, dass der Brückenschlag über die Maas nicht mehr unter feindlichem Artilleriefeuer lag und die Masse des Korps sich alsdann zum Vorgehen auf Philippeville bereitstellen konnte. Die notwendigen Weisungen gab der Kommandierende General noch am Spätabend des 13.Mai an die einzelnen Divisionen. Tagesverluste des Schützen-Regiments 6: gefallen: Leutn. von Suckow, 5. Kompanie, und 1 Uffz. und 7 Schützen, verwundet: Oberst von Unger, 9 Uffz. und 37 Schützen. |
| 14.5.1940 | Nachlaß Ortlepp. Kav.Schtz.Rgt.6.2) Um 2 Uhr morgens griff der Feind mit Panzerunterstützung und überlegenen Kräften überraschend die Brückenkopfstellung des Schütz.Rgts.6 bei Grange an. Die 6.Kompanie wich der Übermacht aus und zog sich etwas zurück. Glücklicherweise drängte der Feind nicht nach, so dass die 3.Kompanie Zeit hatte, sich auf Befehl des Bataillonsführers in stockfinsterer Nacht an die alte Stellung der 6.Kompanie am vorgeschobenen Waldstück südwestlich Mt. Noir erneut vorzuarbeiten. In dem nachhaltigen französischen Artilleriefeuer gruben sich die Schützen ein und hielten die erreichte Stellung gegen weitere Feindvorstösse. Die 7.Panzerdivision hatte am Morgen des 14.Mai den Befehl erhalten, den Brückenkopf Grange – Hontoir – Rostenne – Bouvignes nunmehr fest in die Hand zu nehmen, das westliche Maasufer vom Feind zu säubern und zur Erweiterung des Brückenkopfes einen Angriff auf das Dorf Onhaye vorzubereiten. Um 8,45 Uhr erliess der Kommandierende General des XV.Korps den Befehl zum Angriff der 5. und 7.Panzerdivision in Richtung Hontoir – Rostenne. Das Schütz.Rgt. 6 wurde der 5.Panzerdivision unterstellt und sollte die zunächst noch zwischen den beiden Divisionen bestehende Lücke schliessen. Während der Angriffsvorbereitungen ging bei den Kommandobehörden die später auch durch Fliegermeldungen „bestätigte“ Meldung ein, dass Oberst von Bismarck mit dem Schütz.Rgt.7 bei Onhaye eingeschlossen sei und dass starke feindliche motorisierte Kräfte sich von Philippeville in östlicher Richtung in Bewegung gesetzt hätten. Da sich im übrigen auch der feindliche Widerstand vor den Brückenköpfen noch weiter verstärkt hatte und ein mit Panzern geführter gegnerischer Angriff bei der 5.Panzerdivision zum Verlust von Haut le Wastia geführt hatte, kam bei der deutschen Führung vorübergehend der Eindruck auf, dass der Gegner entschlossen zu sein schien, das gesamte westliche Maasufer entgegen den gehegten Erwartungen der deutschen Führung wieder in Besitz zu nehmen. Glücklicherweise stellte sich bald heraus, dass das Schütz.Rgt.7 in Onhaye wohl festlag und bedrängt wurde, dass es aber keineswegs „eingeschlossen“ war. Oberst von Bismarck hatte vielmehr durch seinen kühnen Vorstoss in der Nacht vom 13./14.Mai die Entwicklung der Lage vor dem XV.Korps entscheidend im günstigen Sinne beeinflusst. Auch dem starken Feindangriff gegen die 5.Panzerdivisionwar nach Lage der Dinge und den neuesten Fliegerbeobachtungen, Gefangenenaussagen und Erkundungen nicht die Bedeutung zuzumessen, die er zuerst erhalten hatte. Der Feind begann vielmehr seine Maasverteidigung abzubauen. Starker Geschützdonner aus nördlicher Richtung aus dem Vorfeld von Namur konnte darüber nicht hinwegtäuschen. Der Vormittag des 14.Mai verlief, vom beiderseitigen Artilleriefeuer abgesehen, auffallend ruhig. Vereinzelte schwächere feindliche Vorstösse wurden mühelos abgewehrt. Der bereits am 13.Mai geplante und dann aufgeschobene Angriff zur Erweiterung des deutschen Brückenkopfes über Grange, die Ferme Hontoir bis zum Dorfe Sommières wurde nunmehr, nachdem die rechts anschliessende 5.Panzerdivision Panzer und das gesamte Schütz.Rgt.13 über die Maas gesetzt hatte, auf den Nachmittag festgesetzt. Angriffsziel für das II./Schütz.Rgt.6 war die Ferme Hontoir und das Gelände südlich davon. Rechts davon sollte ein Panzerangriff der 5.Panzerdivision auf Haut le Wastia in südlicher Richtung vorgetragen werden. Links vom II. Bataillon stellte sich das I.Bataillon in den von der 3.Kompanie gehaltenen Waldstücken südwestlich Mt. Noir bereit, um mit zwei Kompanien in vorderer Linie (rechts 1., links 2.Kompanie) und der 3.Kompanie in Reserve auf die Ferme Rostenne und Hersaint anzugreifen. Das II.Bataillon war in den Mittagsstunden besonders dem französischen Artilleriefeuer ausgesetzt und erlitt hierdurch erhebliche Verluste, so dass es wiederholt um eigene Artillerieunterstützung bat bzw. die Bekämpfung des Gegners durch Stukas anregte. Nach eingehenden und umfassenden Vorbereitungen und nachdem schwere Waffen, Flak, Pak und Panzer über die Maas gebracht worden waren, begann um 15 Uhr bei herrlichem Frühlingssonnenschein der Angriff, der in Richtung auf Sommière und Weillen weitergeführt werden sollte mit dem Ziele, sich dort zur Verteidigung nach Westen einzurichten und die Flavion-(Gué-)Übergänge nördlich Weillen in Besitz zu nehmen. Das in südwestlicher Richtung angesetzte Vorgehen verlief beim I.Bataillon reibungslos. Grösserer Widerstand war nicht mehr zu überwinden. Der Feind hatte kurz vorher im Schutze eines dünnen Nachhutschleiers die Stellungen geräumt. Die Fermen Rostenne und Hersaint konnten im zügigen Vorgehen durch die Schützen besetzt werden. 36 Gefangene, 4 s.M.G., 225 Gewehre und 10 Kisten Infanteriemunition fielen in die Hand des Bataillons, das nach kurzer Rast den Angriff an Sommière ostwärts vorbei auf Weillen weiter vortrug. Am Ortseingang von Weillen wurde das Bataillon durch ein deutsches Flugzeug wiederholt mit Maschinengewehren beschossen. Ein Verwundeter der 1.Kompanie war das Opfer. Der Brückenkopf des XV.Korps konnte durch den Nachmittagsangriff bis zur Linie Malignéebach ostwärts Warnant – Haut le Wastia – Ferme Rostenne – Ferme Cherstruvin – Weillen ostwärts Onhaye erweitert, und nachdem die Übergangsstelle über die Maas bei Houx ausserhalb des Feindlichen MG.-Feuers lag, mit dem Brückenbau für den geplanten Vorstoss auf Philippeville begonnen werden. Während das I.Bataillon gegen Abend in Weillen und auf den Höhen bei dem Orte kurze Rast machte, erfolgte ein schwerer Feuerüberfall der französischen Artillerie auf das Dorf Weillen und die anliegenden Höhen. Diesem unerwarteten Feuerüberfall des Feindes brachte der 2.Kompanie einen erheblichen Verlust. Die Kompanie beklagte 4 Tote und 10 Verwundete. Nachdem das feindliche Geschützfeuer schwächer geworden war und schliesslich ganz aufhörte, ging das I.Bataillon des Schütz.Rgts.6 nach Aufstellung starker Sicherungen bei einbrechender Nacht in Weillen zur Ruhe über. Bei sich in der Nacht entspinnenden Schiessereien eigener Spähtrupps mit aufgestöberten Feindkräften wurden Nachhuten der französischen Kavallerie aus den Waldungen westlich Weillen und im Flaviongrund vertrieben. Das II.Bataillon hatte bei dem Angriff am Nachmittag die 7.Kompanie rechts, die 5. Kompanie links und die 6.Kompanie hinter der 5. eingesetzt, beim Vorgehen um 16.30 Uhr den schwachen feindlichen Widerstand in Kürze gebrochen und das Angriffsziel, die Ferme Hontoir, genommen. Die 8.Kompanie musste abermals ihre schweren Waffen meist im Mannschaftszug vorwärtsbringen und die schweren Munitionskisten mitschleppen, da die Fahrzeuge sich noch auf dem östlichen Maasufer befanden. Die Ferme Hontoir wurde durch die 5.Kompanie unter der Führung des bereits vielfach bewährten Leutn.Insinger genommen. Dort stand in guter Tarnung gegen Luftsicht eine feindliche Batterie, die den Schützen am Vortage so schwer zugesetzt hatte. Heute war der Angriff der 5.Kompanie so rasch durchgestossen, dass dem Feind keine Zeit mehr geblieben war, die 4 Geschütze rechtzeitig aus der Stellung und in Sicherheit zu bringen. Sie wurden Beute der 5.Kompanie. Ein von feindlichen Panzern unterstützter Gegenstoss konnte einen Umschwung der Lage nicht mehr herbeiführen. Er wurde mit Unterstützung der schweren Waffen der 8.Kompanie abgewiesen. Dabei wurde ein feindlicher Panzerkampfwagen abgeschossen und brannte hinter unseren Linien aus. Ein dicht über dem Bataillon fliegendes französisches Kampfflugzeug wurde durch l.M.G.- und Gewehrfeuer zum Absturz gebracht. Bei dem gelungenen Angriff wurden etwa 130 französische Gefangene gemacht und viele Waffen aller Art erbeutet. Beim Vorgehen war das Bataillon mehrfach durch die eigenen Flieger gefährdet. So warf ein deutsches Sturzkampfflugzeug in der Nähe des 4.Zuges der 7.Kompanie überraschend 2 Bomben ab, die glücklicherweise ins freie Gelände fielen und keinen Schaden anrichteten. Gegen 17 Uhr erhielt das II.Bataillon Befehl zum weiteren Vorgehen auf die Höhen westlich Sommière. Da der Feind keinen Widerstand mehr leistete und in wilder Flucht nach Westen und Südwesten zurückgegangen war, konnte der Auftrag in kürzester Zeit, ohne dass es dabei zur Feindberührung kam, durchgeführt werden. Bei Einbruch der Dämmerung bezog das II.Bataillon nördlich des I.Bataillons am Ostrand eines Waldes Sicherungsstellung mit Front nach Westen. Vorposten wurden bis zum Grund des Flavion-(Gué-)Baches westlich des Waldes vorgetrieben, auf den Höhen westlich des Baches wurden schwacher Feind und im Bachgrund und an der Strasse Minensperren festgestellt, die vor der Fortsetzung des Weitermarsches am kommenden Morgen von den Pionieren des II.Bataillons beseitigt werden mussten. Der Regimentsgefechtsstand wurde in den Abendstunden nach dem grösseren Dorf Sommière vorverlegt. Die 7.Panzerdivision hatte am 14. Mai die mit Panzern unternommenen französischen Gegenangriffe auf dem Westufer der Maas erfolgreich abgewehrt. Nach der Erstürmung des Dorfes Onhaye konnte der linke Flügel der Division hinter dem ungestüm vorbrechenden Panzerregiment 25 unter Oberst Rothenberg in den Abendstunden den Angriff von Onhaye über Gérin, Anhée erfolgreich bis Morville vortragen. Unter persönlicher Führung von Generalmajor Rommel gelang es, die feindlichen Schützen und Panzer zurückzudrängen und die neugewonnenen Linien in den Nachtstunden zu sichern und zur Verteidigung einzurichten. Infolge eines durchschlagenden Stukaangriffs auf französische Kolonnen und Truppenansammlungen liess der Feind in den Wäldern südlich Anthée zahlreiche Fahrzeuge und Waffen im Stich. Die Widerstandskraft der der 7.Panzerdivision gegenüberstehenden Franzosen und der bei ihnen befindlichen Belgier war durch das scharfe deutsche Zufassen und die zermürbenden Stukaangriffe bereits weitgehend geschwächt. Lediglich kleinere Feindgruppen in den Flanken, die beim Vorwärtsjagen nicht gefasst worden waren, versuchten schüchterne im Endergebnis erfolglose Flankenangriffe. Von einer geregelten Gefechtsführung konnte beim Gegner kaum noch gesprochen werden. Die belgische Zivilbevölkerung war bis auf geringe Ausnahmen geflüchtet. Ortschaften, Schlösser und Gehöfte waren von den verbündeten Franzosen oft planmässig und erfolgreich ausgeplündert worden. Soweit die belgische Bevölkerung in die Waldungen geflüchtet war, kehrte sie, nachdem die Waldungen hinter den deutschen Linien lagen, zu ihren Heimstätten zurück. Das Vorgehen der 7.Panzerdivision in den Abendstunden gegen Morville war veranlasst worden durch einen Befehl, den Generalmajor Rommel nach 18 Uhr auf Grund der günstigen Lageentwicklung erhalten hatte. Hiernach sollte die Division nach Eintreffen des ihr unterstellten M.G.-Btlns 8 mit allen verfügbaren Panzerkräften nördlich der Strasse Rosée – Philippeville bis zur Strasse Ermeton – Anthée vorbrechen und die Höhen ostwärts Flavion in Besitz nehmen, um sich für den Vormarsch am 15.Mai in der Flanke zu sichern. Dem hatte die Division, wie bereits ausgeführt, Rechnung getragen und war bis Morville vorgebrochen. Da sich in den Abendstunden des 14.Mai weitere Rückzugsbewegungen des Feindes von Flavion nach Westen abzeichneten, zog die Division auf Weisung des XV.Korps nunmehr unter voller Ausnutzung der Kriegsbrücke bei Dinant die Masse der fechtenden Truppen über die Maas. Es galt, den Feind mit Panzern an der Klinge zu bleiben und den Eau-Abschnitt bei Cerfontaine bald in Besitz zu nehmen. Die Tagesbeute des Schützenregiments 6 betrug: 4 Geschütze, 6 s.M.G., 280 Gefangene und 1 abgeschossenes Flugzeug. Die Tagesverluste: tot 9 Schützen. verwundet 5 Uffz. und 29 Schützen. Der Kommandierende General des XV.Armeekorps erliess am 14. Mai in Würdigung des heldenhaften Kampfes um den Besitz des westlichen Maasufers folgenden Tagesbefehl: Seit 5 Tagen seid Ihr zum Entscheidungskampf angetreten. Ihr habt den Gegner, wo er sich stellte, im scharfen Zupacken geworfen, die Übergänge über die Maas mit unhörbarem Schneid erzwungen, den zu bildenden Brückenkopf gegen alle Angriffe siegreich verteidigt und nach Verteidigung den Gegner angegriffen und geworfen. Tief bewegt spreche ich Euch allen meinen Dank und meine besondere Anerkennung aus. Ihr könnt stolz auf Eure Leistungen sein und mit fester Zuversicht den kommenden Ereignissen entgegensehen. Jetzt gilt es, den geschlagenen Gegner zu verfolgen und ihn zur letzten entscheidenden Schlacht zu stellen. Ich bin gewiss, dass Ihr auch diese Aufgaben, die uns der Führer gestellt hat, mit dem gleichen Schwung wie bisher erfüllen werdet. Denkt immer daran, dass Ihr für Deutschlands Grösse und Unversehrtheit in den uns aufgezwungenen Kampf gegangen seid. Es lebe der Führer! Der Kommandierende General. gez. Hoth." |
| 15.5.1940 | Nachlaß Ortlepp. Kav.Schtz.Rgt.6.2) Die Lage in Südbelgien war nach der Erzwingung des Maasüberganges nördlich Dinant am Morgen des 15.Mai etwa folgende: Starke Feindkräfte hielten noch die Festungen Lüttich und Namur an der Maas. Bei der deutschen 4.Armee hatte rechts vom XV.A.K. das VIII.A.K. sich angeschickt, mit der 28.Inf.Div. südlich Jambes über die Maas vorzugehen. Links vom XV.A.K. war das II.A.K. mit der 32.Inf.Div. bis zur französischen Maasfestung Givet vorgekommen. Weiter südlich hatte die 12.Armee die französische Maasverteidigung beiderseits Sedan durchbrochen und auf dem Westufer des Flusses Fuss gefasst. Die Maginotlinie war an dieser Stelle durchbrochen worden. Dem XV.A.K. standen Teile der französischen 9.Armee gegenüber. Es wurden festgestellt vor der 5.Panzerdivision die franz. 5.teilmot.Div. und vor der 7.Panzerdivision die 1.le. Kav.Div. und im Raum westlich Anthée die franz. 18.Inf.Div. Für das XV.A.K. kam es am 15.Mai darauf an, in den Rückzug des am Vortage geschlagenen Feindes in Richtung Philippeville hineinzustossen und ihn mit vorausgenommenen Panzern über den Eau-Abschnitt zwischen Silenrieux – Cerfontaine zurückzudrücken. In erster Linie musste die 7.Panzerdivision nach Vollendung des Maasüberganges bei Dinant bis über Cerfontaine durchstossen. Dem Schütz.Rgt.6 sollte es nicht vergönnt sein, an den grossen Erfolgen der 7.Panzerdivision vom 15.Mai unmittelbar teil zu haben, da ihm die mehr defensive Aufgabe zufiel, das Vorgehen der Division im Raum nördlich der Strasse Dinant – Morville beiderseits des Flavion-abschnittes nach Norden und Nordwesten abzuschirmen. Die Nacht vom 14./15. Mai war ruhig verlaufen. Der Gegner schien nicht gewillt zu sein, unmittelbar hinter der Maaslinie länger ernsthaften Widerstand zu leisten. Die am Vorabend auf den Höhen westlich Weillen und vor dem II.Bataillon festgestellten französischen motorisierten Verbände hatten unter Zurücklassung wertvollen Geräts im Schutze der Nacht ihre Stellungen abgebaut und sich in ziemlicher Unordnung zurückgezogen. Die vorgetriebenen eigenen Aufklärungsabteilungen fanden die nächsten Dörfer völlig feindfrei. Mit dem losgelösten Gegner konnte vorerst auch keine Fühlung wieder gewonnen werden. Während bei der 7.Panzerdivision die Einheiten bis 8 Uhr westlich der Maas im Raum Morville – Onhaye – Sommière – Anhée anschliessen konnten, verzögerte sich bei der 5.Panzerdivision infolge der verspäteten Zuführung der Brückenkolonnen und des vorübergehenden Aussetzens des Fährbetriebes über die Maas durch die völlige Übermüdung der Pioniere die Versammlung der Truppen für den Weitermarsch recht erheblich. Vor den Augen der sich für den Vormarsch gliedernden Bataillone des Schützenregiments 6 schossen deutsche Jäger 2 feindliche Flugzeuge ab. Gegen 11,30 Uhr rückten die beiden Bataillone aus den Sicherungsräumen ab, um bei Gérin und Anthée Anschluss an die inzwischen auf der grossen Strasse Dinant – Philippeville vorgezogenen Fahrzeuge zu gewinnen. Die Bataillone sollten dann aufsitzen, um unmittelbar hinter den übrigen Teilen der Division die schnelle Verfolgung des nach Westen zurückweichenden Feindes aufzunehmen. Dies liess sich jedoch nicht durchführen. Zunächst mussten die Pioniere des II.Bataillons eine belgische Minensperre an der Strasse südlich Château de Montaigle beseitigen. Neuaufklärung des Regiments stellte das Gelände bis Sosoye – Chertin – Bois de Couvert als feindfrei fest. Nach Mitteilung des Generalkommandos des XV.A.K. hatten deutsche Aufklärungsflieger übereinstimmend gemeldet, dass das gesamte feindliche Gros vor dem XV.A.K. im vollen Rückzug begriffen war. Eigenartigerweise hatte trotz der 5 Tage Vormarsch von der belgischen Grenze ab mit belgischen Truppen bisher nur wenig Gefechtsfühlung bestanden. In den letzten Tagen schon hatte das Schütz. Rgt.6 fast ausschliesslich mit französischen motorisierten Kräften gekämpft. Die Belgier hatten die Verteidigung Südbelgiens im Raum zwischen Namur und Charleroi der französischen 9.Armee überlassen und ihre Truppen im Norden enger zusammengefasst in der Hoffnung, das Vorgehen der deutschen Angriffsdivisionen noch vor der belgischen Hauptstadt endgültig zum Stehen bringen zu können. Während die Masse der 7.Panzerdivision im ungestümen Vorwärtsdrang westwärts eilte, hielt das Schütz.Rgt.6 die Verbindung mit der noch unmittelbar westlich der Maas zurückhängenden 5.Panzerdivision aufrecht und sicherte die 7.Panzerdivision gegen Flankenstösse aus dem Gebiet nördlich des Flavionbaches. Nur langsam wurden die Linien weiter westwärts vorgeschoben und in Übereinstimmung mit dem Vorgehen der benachbarten 5.Panzerdivision gehalten. Im Fussmarsch erreichte das I.Bataillon schliesslich ohne Feindberührung Anthée, wo dem Bataillon die 3./Flak 86 unterstellt wurde, und das II.Bataillon Gérin. Einzelne Fahrzeuge des Regiments waren indessen den Schützen auf der Strasse nach Philippeville vorausgefahren, mussten zurückgeholt werden und trafen erst nach 18 Uhr bei den Kompanien ein. Nach Ausgabe von Verpflegung und nach erfolgter Munitionsergänzung waren die Bataillone abmarschbereit und harrten weiterer Befehle der Division für die Fortführung des Vormarsches auf Fahrzeugen nach Westen. Da ein Abmarschbefehl bei den Bataillonen bis zur Einbruch der Nacht nicht eintraf, gingen die Kompanien in ihren Aufstellungsräumen das I.Bataillon bei Gerin, das II.Bataillon in den Waldstücken westlich Anthée zur Ruhe über. Um den ungestörten Abfluss der deutschen Truppen über die erreichte Kriegsbrücke über die Maas — die Brücke wurde durch mehrfache Bombenangriffe leicht beschädigt — zu gewährleisten, konnten die rückwärtigen Teile des Regiments nur allmählich über Onhaye nachgeführt werden. Für die schweren Kompanien war es eine Unmöglichkeit, bei der sengenden Hitze die Geschütze zu ziehen und die Munition zu schleppen. Die Schützen wussten sich zu helfen, fingen freiumherlaufende belgische und französische Pferde, besorgten Geschirr und Zäumzeug und spannten die Pferde dann vor die Geschütze, um diese auf staubiger Strasse bis Onhaye nachzuführen. Das Dorf Onhaye und die dort stehenden, zurückgelassenen Feindbatterien waren bei dem deutschen Fliegerangriff schwer beschädigt worden. Auch die belgische Zivilbevölkerung hatte bei den Stukaangriff Verlust zu verzeichnen. Die übrigen Teile der 7.Panzerdivision, vor allem das Panz.Rgt.25 und das Schütz.Rgt.7, hatten am 15. Mai das Vorgehen dicht südlich an Flavion vorbei über Philippeville, Cerfontaine bis Froidechapelle erfolgreich fortgesetzt. Der unerschrockene Divisionskommandeur, Generalmajor Rommel, fuhr dabei mit dem Panzerregiment 25 der Truppe weit voraus. Französische Panzerangriffe aus der Gegend Flavion und aus den Waldstücken nordwestlich dieses Dorfes wurden durch das Panz.Rgt.25 und die Divisionsartillerie sowie nachmittags südlich und südostwärts Philippeville durch eine Kompanie des Panzerregiments 25 siegreich abgeschlagen und zersprengt. Die Batterien des Art.Rgts.78 hatten dabei einen Ansturm feindlicher Panzer durch direkten Beschuss der Stahlungetüme abgeschlagen. Dem wirksamen Artilleriefeuer fielen im Laufe des Tages 14 leichte und 6 schwere französische Panzerkampfwagen zum Opfer. Die Schütz.Brigade 7 (ohne Schütz.Rgt.6) sicherte mit Unterstützung des M.G.-Batlns 8 und der Aufklärungs-Abteilung 37 den gewonnenen Raum und richtete ihn zur Verteidigung für die Nacht ein. Das über Falaere vorgehende Panz.Rgt.31 der 5.Panzerdivision war gegen 14.30 Uhr in der Gegend von Flavion auf einen von Corenne vorbrechenden starken französischen Panzerverband gestossen, der nach langwierigem Kampf unter Verlust einer grossen Anzahl, auch schwerer Kampfwagen, zurückgeworfen wurde. Damit war die grosse Gefahr für die Nordflanke der weit vorgestaffelten 7.Panzerdivision beseitigt worden. Die Bewegungen des Feindes bei Flavion und im Raum beiderseits Charleroi nach Süden und Südwesten liessen erkennen, dass die dort stehenden oder von den benachbarten Divisionen ausweichenden Kräfte des Gegners die Absicht des Durchbruches über Beaumont nach Frankreich hin hatten. Da das rechts benachbarte VIII.A.K. noch weit zurückhing, drohte der Nordflanke des bereits weit nach Westen vorgestellten XV.A.K. eine grosse Gefahr. General Hoth war sich jedoch darüber klar, dass unter allen Umständen eine Einwirkung des Gegners gegen die Nordflanke der 4.Armee und darüber hinaus ein Durchbruch des Feindes über Beaumont nach Frankreich verhindert werden musste. Ein gewisses Wagnis musste bei wirklich grossen Operationen in Kauf genommen werden. Im Einvernehmen mit dem Armeeoberkommando 4 befahl das XV.A.K. deshalb für den 16.Mai, dass die 7.Panzerdivision so bereitgestellt werden sollte, dass sie nach Westen antreten oder durch Angriff nach Norden ein Entkommen des Feindes über Beaumont verhindern konnte, während starke Teile der 5.Panzerdivision die Deckung der Nordflanke des Korps zwischen Florennes und Walcourt mit Front nach Norden übernehmen musste. Tagesverlust: tot 1 Schütze, verwundet 1 Uffz und 1 Schütze. |
| 16.5.1940 | Nachlaß Ortlepp. Kav.Schtz.Rgt.6.2) Nach dem gegen 6 Uhr morgens ergangenen Befehl der 7.Panzerdivision sollte das Schütz.Rgt. 6 über Philippeville, Cerfontaine den Raum Milombaïs – Froidchapelle erreichen und sich hier so bereitstellen, dass auf Befehl sowohl nach Norden als auch nach Westen zum Angriff angetreten werden konnte. Falls eine Einwirkung neuer französischer Kräfte sich aus westlicher Richtung zeigen sollte, hatte die Division Anweisung, sofort zur Verteidigung überzugehen. Um 7,15 Uhr trat das Schütz.Rgt.6 aus dem Raum Onhaye – Anhée in der Reihenfolge I.Bataillon, Regimentsstab, eine schwere Artl.Abt., II.Bataillon auf Fahrzeugen den weiteren Vormarsch auf der guten Strasse Anthée – Philippeville – Cerfontaine an, um im Raum Queu de l’Herze, Champ de la Truin und Milambois sich zur Verteidigung nach Norden und Westen einzurichten. Ein vorausfahrende Erkundungstruppe des II.Bataillons konnte schwachen Widerstand einer versprengten feindlichen Gruppe bei Queu de l’Herze mühelos brechen. Unterwegs erhielt das Regiment Befehl, zunächst nur den Raum Milombois – Fourbechies – Froidchapelle zu erreichen, zu sichern und sich zum weiteren Vorgehen in westlicher Richtung einzurichten. Auf der Marschstrasse, vor allem von Anthée nach Philippeville zeigten zahlreiche liegengebliebene französische und belgische Truppenfahrzeuge, Geschütze und von Bomben erschlagene französische Soldaten und Pferde, überfahrene Kraftwagen die verheerende Wirkung der deutschen Fliegerbomben. Ausgebrannte Fahrzeuge schwelen noch, an einem Waldrande weiter nördlich hingen Teile einer schweren französischen Mörserbatterie in den Ästen. Es war ein grauenvolles Bild. Den eigenen Truppen wurde dabei aber in drastischer Weise die Überlegenheit der deutschen Waffen gegenüber denjenigen unserer Gegner vor Augen geführt. Bei Philippeville vorbeimarschierende gefangene algerische Schützen bestätigten, dass der 7.Panzerdivision teilweise französische Kolonialtruppen gegenüberstanden. Bereits gegen 10 Uhr im Sicherungsraum angekommen, bezog das I.Bataillon bei Milombois Verteidigungsstellung und zwar mit dem rechten Flügel an der Strasse Froidchapelle – Cerfontaine, mit dem linken Flügel an der Strasse Froidchapelle – Fourbechies. Links davon ging das II.Bataillon mit Front nach Nordwesten und Süden in Stellung und fand weiter links Anlehnung an die Aufklärungsabteilung 37. Schwacher feindlicher Widerstand wurde nur nordostwärts Milambois angetroffen und durch das I.Bataillon gebrochen. In Erfüllung der übertragenen Sicherungsaufgabe brachte das I.Bataillon 4 franz. Offiziere und 36 Mann als Gefangene ein. Nachdem die 7.Panzerdivision mit der Masse im Raum Cerfontaine aufgeschlossen hatte, bekam sie um 11,30 Uhr vom Kommandierenden General in Erweiterung ihres bisherigen Auftrags die Weisung, über Sivry – Monbliart gegen die französische Befestigungslinie an der belgischen Grenze, die im allgemeinen mit Daladierlinie bezeichnet wurde, vorzugehen und durch Aufklärung den Verlauf und die vermutliche Stärke der Besetzung festzustellen. Deshalb erhielt das Regiment gegen Mittag bei einer Befehlsausgabe durch Generalmajor Rommel in Rance den Befehl zum Weitermarsch hinter dem Panzerregiment 25 nach Westen und zur weiteren Verfolgung. Um 14 Uhr waren die Fahrzeuge marschbereit. Die Fahrt konnte losgehen. Doch der eigentliche Abmarschbefehl kam und kam nicht, obwohl vorgesandte Kradspähtrupps der 5.Kompanie um diese Zeit Fourbechies und den Bachgrund nördlich davon vollkommen feindfrei und im Dorfe selbst einen im Stich gelassenen französischen Panzerspähwagen aufgefunden hatten. Erst nach 19 Uhr traf der Abmarschbefehl ein. In der Reihenfolge II., I.Bataillon brachen die Einheiten gegen 20,30 Uhr auf. Die Schützen fuhren auf den Fahrzeugen aufsitzend über Fourbechies nach Rance vor und erreichten mit der Spitze gegen 22 Uhr die Gegend des kleinen belgischen Grenzstädtchens Sivry in der Nähe der französischen Grenze. Bis gegen Mitternacht hatten auch die letzten Teile des Regiments einschliesslich des Regimentsstabs mit Oberstleutnant Junck diesen Raum erreicht und bezogen nördlich der Vormarschstrasse auf einem Nebenweg ostwärts Sivry unter Ausstellung von Sicherungen nach Norden und Süden Aufstellung für die Nacht. Fliegermeldungen hatten am Nachmittag des 16.Mai folgendes Feindbild gebracht: Der Gegner floh zersprengt nach Westen und von Charleroi nach Südwesten. In Maubeuge wurden starke Zusammenballungen beobachtet. Obwohl das VIII.Korps im Laufe des Tages noch weiter zurückgeblieben war, konnte die Gefährdung des Nordflügels des XV.Korps als beseitigt angesehen werden. Es kam nun deutscherseits darauf an, einen Durchbruchsversuch der noch nördlich der Sambre, vor allem bei Maubeuge zusammengezogenen Kräfte zu verhindern. Die 4. Armee gab daher den Befehl: „Auf Avesnes durchstossen!“ Tagesverlust: 2 Tote, 1 Verwundeten. Tagesbeute: 6 s.M.G., 36 Gefangene. |
| 17.5.1940 | Nachlaß Ortlepp. Kav.Schtz.Rgt.6.2) Als die 7.Panzerdivision in der Nacht vom 16./17. Mai zum kühnen Durchstoss durch die französischen Grenzbefestigungen bei Clairfaiits in Richtung Avesnes antrat, war die Lage bei Freund und Feind im belgisch – französischen Grenzgebiet etwa folgende: Teile der belg.3.Division hielten noch die Kernwerke von Lüttich, während die franz. 4., die belg. 8.Inf.Div. und die belg. 2.Ardennenjägerdivision in der Maasfestung Namur letzten Widerstand leisteten. Von der französischen 9.Armee befanden sich die franz.4.Leichte Kav.Div. westlich der Maas südlich der Stadt Namur, die franz. 5.teilmot. Div. um Berzée – Walcourt, die franz. 1.leichte Kav.Div. bei Beaumont – französische Grenze, die französische 18. Inf. Div. südlich des breiten Waldgebietes zwischen Cerfontaine – Marienbourg im Raum westlich Nismes und die franz. 22.Inf.Div. nördlich der Maas bei Vireux. Deutscherseits hatte die 4.Armee mit dem VIII.A.K. südlich Namur die Maas überschritten, war aber gegen das XV.A.K. weit zurück. Die 5.Panzerdivision hatte die Gegend ostwärts Beaumont erreicht. Das links an das XV.A.K. anschliessende II.Korps war mit Teilen der 32.Inf.Div. bis über Nismes durchgestossen, die übrigen Teile des Korps hingen noch bis in den Raum südwestlich Givet zurück. Erfolgversprechend war weiter südlich ein Durchstoss der 12.Armee, deren Spitzen bis zur oberen Serre bei Montcornet in Richtung auf Laon durchgebrochen waren. Nachdem der Feind am 16.Mai vom XV.A.K. zersprengt worden war, sich in Auflösung nach Westen zurückgezogen hatte und der Raum Charleroi – Thuin bereits feindfrei war, musste das Korps unter Sicherung der Nordflanke nunmehr versuchen, die französischen Sicherungen in Richtung auf Avesnes zu durchbrechen. Nach dem Korpsbefehl des Generals Hoth hatte die 7.Panzerdivision am 17.Mai Avesnes in Besitz zu nehmen und sich zum weiteren Vorgehen auf Landrecies bereit zu halten. Ein glänzender Erfolg bahnte sich an. Noch in der Nacht vom 16./17. Mai durchbrachen Teile der 7.Panzerdivision unter der persönlichen Führung des Divisionskommandeurs die starken französischen Grenzbefestigungen und die Bunkersperrgebiete westlich Clairfaiits. Im nächtlichen Nachstoss, bei dem Generalmajor Rommel unmittelbar an der Spitze des Panzerregiments 25 vorausfuhr, stiess die Division kühn an Solre le Château vorbei über Sars – Poteries, Semousies auf Avesnes und die Höhen südwestlich dieser französischen Stadt durch. Dabei wurde eine mechanisierte französische Division einfach überrannt. In Avesnes entbrannte vorübergehend mit sehr starken französischen Panzerkräften ein erbitterter Nachtkampf. Die 7.Panzerdivision hatte somit als erste Division der 4.Armee eine Bresche in das französische Befestigungssystem an der belgisch – französischen Grenze geschlagen und die Bunkersperren im rücksichtslosen Vorstoss in grosser Tiefe durchstossen. Die 5.Panzerdivision hatte etwa zur gleichen Zeit Beaumont genommen und westlich davon die französische Grenze erreicht. Generalmajor Rommel hatte sich zu dem nächtlichen Vorstoss auf Avesnes entschlossen gehabt, weil er die Auffassung vertrat, dass ein nächtlicher Vorstoss weniger verlustreich sein und zur völligen Vernichtung der dort stehenden bereits stark demoralisierten französischen Truppen führen würde. So war der nächtliche Vorstoss auf Avesnes ein ganz grosser Erfolg gewesen, denn der Verlauf der Unternehmung hatte Generalmajor Rommel recht gegeben. Schon um 2,50 Uhr morgens hatte die Panzerspitze der Division ohne nennenswerte Verluste die Stadt Avesnes erreicht gehabt. Die schnelle Inbesitznahme der französischen Grenzbefestigungen und der Stadt Avesnes war entscheidend für die Weiterführung der deutschen Offensive in Nordfrankreich und Südbelgien. Der Gegner aber bezeichnete zum ersten Male die kühne 7.Panzerdivision des Generals Rommel mit dem Ehrennamen „Gespensterdivision“. Die Division erhielt durch General Hoth Befehl, vorerst nicht über Avesnes hinauszugehen, um sich nicht feindlichen Flankierungsangriffen von Norden her auszusetzen. Der Franzose und seine Heerführung erlebten eine Überraschung nach der anderen. Grosse Enttäuschung war bald überall erkennbar. Nachdem vor Tagen bereits die Maginotlinie bei Sedan durchstossen war, hatte es die 7.Panzerdivision fertiggebracht, die französischen Grenzbefestigungen an der belgischen Grenze glatt zu durchbrechen. Die Maginot – Daladier – Linie mit ihren mehreren Kilometer nach rückwärts gestaffelten Befestigungen, mit ihren Betonklötzen, ihren Zwischenwerken, ihren versenkbaren Panzerstahlkuppeln, ihren betonierten Geschützständen, mit dem breiten Gürtel von Draht- und Tankhindernissen hatte die ihr zugedachte Aufgabe nicht erfüllen können. Nicht aber deshalb, weil sie falsch oder unzulänglich aufgebaut worden war, Nein gerade im Gegenteil, weil sie von Franzosen, die seit Jahrhunderten unbestritten den Ruhm, die besten Festungsbaumeister der Welt zu sein, in Anspruch nehmen konnten, errichtet worden war und damit den Angriffsgeist der französischen Nation und Armee untergrub, wurde die vielgerühmte und als uneinnehmbar angesehene Maginotlinie und ihre nordwestliche Verlängerung das Verhängnis des französischen Heeres. Die französische Armee glaubte, im Besitz der Maginotlinie unüberwindlich zu sein. Sie war daher nicht hinreichend geschult für den Angriff und wurde schwach in der Verteidigung. So kam es, dass die siegeszuversichtlichen deutschen Angriffsdivisionen, die von Anfang an den Willen zum Sturm auf die unüberwindlich geltende Befestigungslinie hatten, das Verteidigungsnetz überrennen und damit eine Tat vollbringen konnten, die die Welt für unmöglich gehalten hatte und die einmalig in der Geschichte war. In anbetracht des ungeheuren Erfolges der Spitze der 7.Panzerdivision im französischen Grenzbefestigungsgebiet war es mit der nächtlichen Ruhepause auch für das Schütz.Rgt.6 bald vorbei. Noch war die siegreiche Spitze der 7.Panzerdivision, die im Vorgehen auf Avesnes war, schwach. Die anderen Teile der Division mussten daher den Panzern alsbald nachgeführt werden. Bereits um 1 Uhr morgens erhielt daher das Schütz.Rgt.6 Befehl zum Überschreiten der belgisch – französischen Grenze. Zunächst wurde das II.Bataillon für den Grenzübertritt fahrbereit gemacht. Die beiden Bataillone hatten am 17.Mai getrennte Gefechtsaufgaben. Während das I.Bataillon gegen 1,30 Uhr im Ost- und Südteil der belgischen Grenzstadt Sivry unter Ausstellung starker Sicherungen unterzog, sollte das II. Bataillon sofort eine Sicherungslinie an der französischen Grenze einnehmen mit dem Auftrag, nach Nordwesten, Westen und Südwesten in der Linie Genestrieux – Clairfayts und südlich zu sichern unter gleichzeitigem Bereithalten zum weiteren Vorgehen nach Westen. Um 5,15 Uhr hatte das II.Bataillon diese Linie mit der 7.Kompanie rechts und der 6.Kompanie links erreicht. Ein aus westlicher Richtung kommender französischer Reiterzug von 50 Reitern stiess bei Clairfayts unerwartet in den Rücken und in die Flanke der 7.Kompanie, als diese gerade sich anschickte, nach Westen weiter zu marschieren. Es kam zum Feuergefecht, in dem der Gegner durch M.G.- und Gewehrfeuer unter schweren Verlusten zurückgeschlagen wurde, Kompanie- und Zugführer beteiligten sich mit Gewehren am Feuergefecht und schossen, im Anschlag stehend freihändig zahlreiche Reiter ab. Der Rest des Feindes wurde gefangen genommen. Kurz darauf wurde der Regimentsgefechtsstand an den Westrand des Dorfes Sivry in unmittelbare Nähe der französischen Grenze vorverlegt. Die 7.Panzerdivision begnügte sich nicht mit der Einnahme von Avesnes. Der Appetit kam beim Essen. Sie wollte noch weiter nach Westen Boden gewinnen. Um 8,45 Uhr wurde sie zur Wegnahme des Sambre – Übergangs bei Landrecies angesetzt, mit Teilen, die später durch die 5.Panzerdivision abgelöst werden sollte, hatte sie auch die Brücke von Berlaimont in die Hand zu nehmen. Die 4.Armee beabsichtigte, alsdann das XV.A.K. nach Überschreiten der Sambre gegen den Kanal l’Escaut zwischen Valenciennes – Cambrai anzusetzen. Da sich das Antreten der 5.Panzerdivision über Gebühr verzögerte und das Vorgehen durch die sorgsam ausgebaute Bunkerstellung beiderseits Solre le Château aufgehalten wurde, mussten Teile auf Seitenwegen abseits der Hauptstrasse über Clairfaiits ausholen. Die 7.Panzerdivision war ferner genötigt, um Flankenbedrohungen zu vermeiden, vorerst mit schwachen Kräften nördlich Avesnes gegen Maubeuge zu sichern. Nachdem das Panzerregiment 25, an dessen Spitze Generalmajor Rommel fuhr, in der Nacht die französische Grenze überschritten hatt und sich schon weit auf französischem Gebiet befand und die gefürchtete Maginot- oder auf Daladierlinie mit Hilfe der Pioniere überraschend schnell im kühnen Wagen durchbrochen war, trat auch um 10,30 Uhr vormittags das durch die 1. und 3.leichte Batterie vom Flak Rgt.86 und die 1./Panzerjägerabteilung 42 verstärkte II. Bataillon des Schütz.Rgts.6 den weiteren Vormarsch auf der Strasse Sivry – Avesnes – St. Remy – Berlaimont an mit dem weitgesteckten Auftrag, den Sambreübergang bei Aulnoye zu erzwingen und bei Berlaimont einen Brückenkopf für den Übergang der 5.Panzerdivision über die Sambre zu bilden. Zahlreiche Marschstockungen verzögerten die Vormarschbewegung erheblich. Stellenweise leisteten auch versprengte Gegner noch Widerstand. Französische Festungstruppen hielten hinter der Front der 7.Panzerdivision stellenweise noch Bunker besetzt und mussten dort noch niedergekämpft werden. Das II.Bataillon hatte aber hierzu keine Zeit, sondern überliess diese Säuberungsarbeiten den nachfolgenden Truppen. Unentwegt setzte es vielmehr in verhältnismässig schneller Fahrt in der Reihenfolge 5., 7., 8. und 6.Kompanie den Marsch auf Avesnes fort. Die nach Überrennen der französischen mechanisierten Division weit vorgestaffelten Teile der Panzerdivision hatten indessen am Vormittag den Kampf und die Verfolgung erfolgreich zur Sambre bei Landrecies fortgesetzt und waren über Marbaix, Maroilles gegen die bei Landrecies befindlichen Brücken vorgestossen. Mit Staunen mussten die Schützen von Regiment 6 sehen, wie ein meisterhaft ausgebautes, gewaltiges Befestigungssystem fast ohne Schuss überrannt worden war. Deutscher Kampfwillen, deutscher Mut, schnelle Entschlossenheit und ruhige Nerven hatten sich stärker erwiesen als Beton- und Stahlklötze. Die so oft vom Feind und der jüdischen Weltpresse als uneinnehmbar bezeichneten bis zur Küste des Ärmelkanals verlängerte Maginotlinie hatte dem nächtlichen Durchbruch der Panzer der 7.Panzerdivision keine Stunde standgehalten. Panzerkuppeln, Betondecke, Flächenhindernisse, Flankenrinnen, Tankfallen und Unterstände aller Art bildeten ein breites Befestigungssystem, das deutlich die Spuren des nächtlichen Kampfes zeigten. Die Panzerkampfwagen des Regiments Rothenberg hatten die Flächenhindernisse einfach niedergewalzt und zahlreiche Bunker zerschossen oder angeknackt. Die bewährten Pioniere der Division hatten dabei unersetzbare Hilfe geleistet. Freilich war die in die Daladierlinie gesprengte Gasse vorerst nur sehr schmal. Daneben stand der Franzose auf beiden Seiten noch ungebrochen in den Befestigungswerken und Bunkern und hielt den Frontalangriffen stand. Die 7.Panzerdivision kümmerte dies nur wenig, was in ihrem Rücken geschah. Für sie galt einzig und allein die Losung: Vorwärts! Die sagenhafte Stärke der französischen Maginotlinie hatte dem Führungswillen deutscher Offiziere und dem Durchbruchswillen der deutschen Soldaten nicht stand gehalten. In über 10 Jahren Bauzeit war unter dem Einfluss des französischen Kriegsministers Maginot ein Befestigungswerk von der französischen Alpenbefestigung bei Belfort beginnend längs des westlichen Rheinufers bis Lauterburg, dann nach Westen umbiegend unmittelbar hinter der französischen Grenze entlang bis in die Gegend von Sedan entstanden, das nach Ansicht der Fachleute schlechterdings als uneinnehmbar galt. Nach Wiederherstellung der deutschen Wehrfreiheit 1936 in der bisher entmilitarisierten Rheinzonen, bei Beginn des Baues des deutschen Westwalls und während der ersten ruhigen Monate dieses Krieges hatte Frankreich Zeit gefunden und Gelegenheit genommen, die Maginotlinie entlang der französisch – belgischen Grenze bis zum Ärmelkanal bei Dünkirchen zu verlängern. Es wurde, gestützt auf übertriebene Berichte in der französischen Presse, Erklärungen des Ministerpräsidenten Daladier und anderer führender Männer jenseits des Rheins im französischen Volk der unheilvolle Glaube geweckt, dass Frankreich hinter dieser „Maginot – Daladier – Linie“ vom Rhein bis zur Kanalküste vollkommen gesichert sei, dass kein deutscher Soldat seinen Fuss auf die heilige Erde Frankreichs setzen konnte, hauptsächlich wohl im Vertrauen auf die Stärke der Maginotlinie hatte sich Frankreich am 3.September 1939 dazu hinreissen lassen, ohne eigentlichen Grund seinen östlichen Nachbarn herauszufordern. Und nun hatte das deutsche Heer gezeigt, dass es für den deutschen Soldaten keine uneinnehmbare Befestigungslinie gab. In wenigen Stunden war der Spuk von der „Uneinnehmbarkeit“ zerstoben und die unter ungeheuren finanziellen Opfern ausgebaute Befestigungslinie war durchbrochen und damit wertlos geworden. Erst um 15,30 Uhr konnte die durch die gepanzerte 5.Kompanie gebildete Bataillonsspitze des II./Schütz.Rgts.6 mit dem I.Zug unter Feldwebel Müller voran, Aulnoye, einen Vorort von Berlaimont erreichen. Hier prallte die 5.Kompanie in voller Fahrt an der Brücke über die Sambre auf einen offenbar ahnungslos von Nordwesten heranmarschierenden motorisierten Feindverband. Zwei französische Panzer fuhren über die Sambrebrücke bis dicht an die Fahrzeuge der 5.Kompanie heran und eröffneten dann auf allerkürzeste Entfernung das Feuer. Die ersten zwei Fahrzeuge der Kompanie bogen aus und fuhren links der Strasse auf eine Wiese. Während hier die ausgeschwärmten Schützen in Stellung gingen, wurde ein Fahrzeug der 5.Kompanie durch Geschützfeuer eines französischen Panzers in Brand geschossen. Es entwickelte sich um Berlaimont ein mehrstündiger recht erbitterter Kampf, bei dem zur Abwehr des motorisierten Gegners nach und nach alle schweren Waffen des II.Bataillons eingesetzt werden mussten. Die 1./Flak 86 und eine Batterie des Artillerie – Rgts.78 unterstützten den Kampf in wirkungsvoller Weise. Der Panzerjägerzug der 8.Kompanie unter Feldwebel Bergmann zeichnete sich in dem Kampf gegen den zahlenmässig überlegenen Feind und die französische Panzerwaffe besonders aus. Er schoss mit seinem Zug allein drei starke Panzerspähwagen, einen bewaffneten Personenkraftwagen und 2 Pak zusammen und setzte sie ausser Gefecht. Wirksame Unterstützung leistete auch der Kavalleriegeschützzug Täumer. Bis 17 Uhr gelang es aber, den besonders durch seine Panzerspähwagen sehr lästigen Gegner über den Sambrefluss zurückzuwerfen. Hecken- und Dachschützen leisteten weiterhin hartnäckigen Widerstand. Beim Zurückziehen der Fahrzeuge der 5.Kompanie wurde ein weiteres Fahrzeug durch ein hinter einer Sperre stehendes Pakgeschütz in Brand geschossen. Nach Einsatz der 6.Kompanie rechts und der 7.Kompanie links neben der 5.Kompanie wurde der Angriff mit Unterstützung des Panzerjägerzuges, des Kavalleriegeschützzuges und der Flak weiter erfolgreich fortgesetzt. Der Gegner hatte in den Häusern am westlichen Sambreufer gute Stellungen bezogen und war mit den schweren Waffen des II.Bataillons nur schwer zu fassen. Der Angriff brachte dem Bataillon selbst nicht unerhebliche Materialverluste. So wurden, wie bereits erwähnt, zwei Sonderfahrzeuge der 5.Kompanie, eine Pakprotze der 8.Kompanie und anderes Gerät vom Gegner durch Volltreffer beschädigt. Die Fahrzeuge brannten aus und wurden unbenutzbar. Die 7.Kompanie versuchte dann weiter nach Berlaimont vorzudringen. Sie bekam aber beim Vorziehen starkes feindliches Pakfeuer. Auch die feindlichen Maschinengewehre wurden recht lästig. So blieb der Angriff im stärksten feindfeuer liegen, bis der Kompanieführer je einen Zug rechts und links der Strasse ansetzte, während die s.M.G.-Gruppe aus erhöhten Stellungen das Vorgehen deckte. Durch die Granatwerfergruppe und einen Kavalleriegeschützzug der 8.Kompanie wurde das Vorgehen wirksam unterstützt. Bei der Durchführung des Angriffs zeichnete sich vor allem die 5.Gruppe unter der Führung von Uffz.Kahler aus. Um 18 Uhr wurde der Angriff des II.Bataillons nach Umgliederung der Kräfte von allen 3 Kompanien gleichzeitig vorgetragen. Der vereinigten Kraft des Bataillons gelang es, auf dem westlichen Sambreufer festen Fuss zu fassen und in Berlaimont auf dem westlichen Flussufer einen kleinen Brückenkopf zu schaffen. Hierbei zeichnete sich vor allem die 6.und 7. Kompanie aus. Erstere hatte über Aulnoye rechts umfassend über die Sambre angegriffen, Berlaimont vom Feinde gesäubert, die Höhen nördlich des Ortes erreicht und beiderseits der grossen Strasse Sicherungsstellung eingenommen. Letztere hatte die Eisenbahnbrücke am jenseitigen Ufer besetzt und so das Vorgehen und die Säuberung des gewonnenen Geländes um Berlaimont erleichtert. Die 7.Kompanie machte 35 Gefangene und erbeutete 39 Fahrzeuge, davon waren 16 gepanzert. Die eigenen Verluste der Kompanie betrugen 1 Toter und 6 Verwundete. Mit der Schaffung des Sambebrückenkopfes bei Berlaimont war der Auftrag des II.Bataillons durchgeführt. Dem alsbald auf dem Kampffeld eintreffenden Kommandeur des Panzerregiments der 5.Panzerdivision konnte die erfolgreiche Bildung des Brückenkopfes gemeldet werden. Das II.Bataillon unter Oberlt. Kiessling hatte mit der schnellen Wegnahme des Sambreüberganges bei Berlaimont eine Glanzleistung vollbracht, auf die es stolz sein konnte. Als es die übertragene schwere Aufgabe gelöst hatte, traf von Osten kommend, die Vorhut der 5.Panzerdivision ein, die den Auftrag hatte, das II./Schütz.Rgt.6 an dieser Stelle abzulösen. Nach Durchschleusen der zum Einsatz kommenden Teile der 5.Panzerdivision wurde die 5.Kompanie nach links abgedreht und nahm an der grossen Strasse nordwestlich Avesnes vorübergehend eine Sicherungsfront gegen Avesnes ein, bis die Ablösung des gesamten Bataillons durchgeführt war. Stolz blickte das II.Bataillon auf seine Gefangenen: 4 französische Offiziere, 250 Unteroffiziere und Mannschaften und 20 französische Sanitätsoffiziere. Nach dem Herausziehen des II.Bataillons aus seiner Stellung um Berlaimont erreichte es über Leval – Noyelles das Dorf Maroilles nordostwärts von Banderesies und sicherte sich nach allen Seiten. Meldeverbindung zum I.Bataillon in Landrecies wurde sofort hergestellt. Bei einem Luftkampf in der Nähe des Ortes Maroilles sprang ein englischer Fliegeroffizier mit dem Fallschirm ab und wurde vom II.Bataillon als erster englischer Gefangener der Division eingebracht. Da die Vormarschstrasse von Maroilles bis Landrecies von Hunderten verlassener französischer Kraftfahrzeuge aller Art gesperrt war, wurde der Pionierzug des II.Bataillons und einige Sonderfahrzeuge der 5.Kompanie angesetzt, um die Strasse nach Möglichkeit noch im Laufe der Nacht zu säubern und für den Durchgangsverkehr frei zu machen. Die Geräteverluste der gepanzerten 5.Kompanie bestanden aus zwei ausgebrannten gepanzerten Sonderfahrzeugen. Das I.Bataillon des Schütz.Rgts.6 nahm am frühen Morgen des 17.Mai Verbindung mit der Aufklärungsabteilung 37 auf, die in der vorausgegangenen Nacht in Gemeinschaft mit Panzern der Division durch die gefürchtete Maginotlinie durchgebrochen war und bereits das französische Städtchen Avesnes erreicht hatte. Um 7,30 Uhr trat das Batalilon mit der 3.Kompanie als Spitze den Vormarsch an, überschritt um 8,15 Uhr die belgisch – französische Grenze, brach schwachen feindlichen Widerstand, und beseitigte eine noch feindbesetzte Sperre bei l’Epines südlich Solre le Château. Das Spitzenfahrzeug der 7.Kompanie wurde dabei durch ein französisches Pakgeschoss ausser Gefecht gesetzt. Die feindliche Panzerabwehrkanone wurde daraufhin durch ein vorgezogenes Pakgeschütz der 4.Kompanie durch Volltreffer niedergekämpft. Der französische Richtkanonier wurde beim Vormarsch ohne Kopf hinter seinem ausser Gefecht gesetzten Pak aufgefunden. Einige Bunker, dessen französische Besatzung mit Maschinengewehrfeuer die vorfahrenden Schützen aus der Flanke belästigte, wurde von der Divisionsartillerie durch direkten Beschuss niedergekämpft. Beim weiteren Vormarsch wurde vom I.Bataillon um 10,15 Uhr Avesnes erreicht. Die Bunker der Maginotlinie konnten, obwohl sie teilweise noch von französischen Festungstruppen besetzt waren, dem I.Batalilon keinen Schaden mehr zufügen. Sie waren durch das schnelle Vorgehen der 7.Panzerdivision auf die Sambrebrücken automatisch ausgeschaltet worden. Ihre Säuberung und die Ausräumung ihrer hartnäckigen Besatzungen wurde rückwärtigen deutschen Kampftruppen überlassen. Hierzu hatten die Schützen keine Zeit. In Avesnes sah sich der als Einweiserposten aufgestellte Kradmelder des I.Bataillons plötzlich einer entgegenkommenden französischen Marschkolonne gegenüber. Entschlossen wies er den Franzosen den Weg nach rückwärts an. Der über die Abwesenheit deutscher Truppen überraschte Franzose fügte sich dem einzigen deutschen Soldaten, ohne auch nur den geringsten Versuch einer Gegenwehr oder einer Überwältigung des Postens zu machen. Die Kampfkraft der französischen Armee, die in vielen Jahrhunderten glorreiche Siege errungen hatte, war längst gebrochen. Der französische Soldat wusste 1940 kaum, wofür er eigentlich gegen die Deutschen kämpfte, ob für ein neues Polen, für die Erhaltung der englischen Weltherrschaft, ob zur Befriedigung des Rache Judas oder für das eigene französische Vaterland. Er kannte kein klares Kriegsziel, war unwillig in den Krieg gezogen und betrachtete oft die Gefangenschaft als Erlösung. Auf mündlichen Befehl von Generalmajor Rommel wurde die 3.Kompanie mit zugeteiltem Pak und einem Kav.Geschütz–Halbzug nach der Ankunft in Avesnes unverzüglich nach Landrecies vorgeschickt, um dort zusammen mit einer Nachhut der Aufklärungsabteilung 37 hinter dem bereits weiter nach Westen durchgestossenen Panzerregiment 25 an der Sambre einen Brückenkopf zu bilden und zu verhindern, dass dieser Flussübergang von durchgebrochenen oder seitwärts eindringenden Feindkräften zurückgewonnen wurde und für die nachfolgenden eigenen Divisionstruppen verloren ging. Die Strasse von Avesnes nach Landrecies bot ein Bild heilloser Flucht des Gegners. Fahrzeugkolonnen aller Waffen hatten sich auf fast 3 km Länge derartig ineinandergeschoben, dass das Durcheinander kaum noch zu entwirren war. Hunderte von Franzosen, die bei ihren halbzerschosssen oder zerstörten Fahrzeugen geblieben waren, ergaben sich ohne Widerstand und wurden ohne Bewachung nach rückwärts abgeschoben. In schneller Fahrt setzte die 3.Kompanie über Marbaix und Maroilles die Sambre bei Landrecies zu erreichen. Landrecies war ein kleines französisches Landstädtchen. Am Ortseingang traf die 3.Kompanie auf starken Feindwiderstand. Der Franzose hatte sich in einer Kaserne festgesetzt und leistete heftigsten Widerstand, der aber durch das mutige Vorgehen der Schützen bald gebrochen werden konnte. Mehrere französische Gefangene wurden eingebracht, darunter ein dicker französischer Feldgeistlicher im schwarzen Ornat. Nachdem der Rest der Verteidiger in Stärke von 200 Mann gefangen worden war, war der Weg zur Sambre frei und die beiden über den Fluss führenden Brücken konnten kampflos genommen werden. Der Versuch, auf dem westlichen Flussufer den Brückenkopf im befohlenen Umfange zu bilden, schlug jedoch infolge des überaus starken Gegners und seiner vorzüglichen Abwehrwaffen fehl. Nur an einer Stelle konnte die 3.Kompanie auf dem westlichen Sambreufer Fuss fassen. Bei einem schneidigen Stosstruppunternehmen, das zur Ausräucherung von zwei französischen Maschinengewehrnestern führte, erlitt der Führer des Unternehmens, Leutnant Mahr, den Heldentod. Ein deutscher Panzerkampfwagen, der sich aus eigenem Entschluss seines Führers an dem Stosstruppunternehmen des Leutnants Mahr beteiligt hatte, wurde dabei von einem französischen Panzerspähwagen ausser Gefecht gesetzt. Die deutschen Panzerleute blieben aber unverletzt. Mit Rücksicht auf die Wichtigkeit des Sambreüberganges bei Landrecies wurde gegen 13 Uhr durch Funkspruch der 7.Panzerdivision nunmehr das gesamte I.Bataillon des Schütz.Rgts.6 auf den Sambreübergang bei Landrecies angesetzt. Aber der Gegner war nicht gewillt, tatenlos zuzusehen, wie sich die Schützen an den wichtigen nach Le Cateau führenden Strassenübergang bei Landrecies einnisteten. Gegen 13,45 Uhr setzten, noch ehe die übrigen Teile des I.Bataillons in Landrecies eingetroffen waren, stärkere französische Angriffe vom westlichen Sambreufer aus ein mit dem Ziele, die wichtigen Flussbrücken wieder in französische Hand zu bringen. Die Lage wurde noch kritischer, als von hinten kommend drei französische 32-Tonnen-Panzer überraschend die 3.Kompanie in Landrecies angriffen, in den Ort eindrangen, von der Hauptstrasse aus in die Häuser und in die Schützenstellungen feuerten, sowie mit ihren Panzerkanonen 8 Kraftwagen der Kompanie und der zugeteilten Truppenteile in Brand schossen. Obwohl Flak und Pak die französischen Panzer aus nächster Nähe beschossen und auch mehrere Volltreffer erzielten, gelang es nicht, die Panzerung der Ungetüme zu durchschlagen und die Panzer ausser Gefecht zu setzen. Die 3 französischen Panzer fuhren ungestört durch die Strassen von Landrecies und richteten weiterhin grosse Verheerungen an. Da es der 3.Kompanie an panzerbrechenden Waffen fehlte, wurde die Lage der Kompanie kritisch. Durch Funk forderte sie vom Bataillon Hilfe und Unterstützung an. Der Brückenkopf auf dem westlichen Sambreufer konnte von der 3.Kompanie gegen den von drei Seiten anstürmenden Feind nicht gehalten werden und wurde vorübergehend aufgegeben. Die Schützen der 3.Kompanie zogen sich auf den am Ostufer gelegenen Ortsteil von Landrecies zurück und wiesen hier den nachdrängenden Feind ab. Indessen hatte die 2.Kompanie mit dem s.M.G.-Gruppe am West- und Südausgang von Avesnes Sicherungsstellung bezogen. Die übrigen Teile des Bataillons standen zur Verfügung von Major von Paris. Auf Grund der dringenden Funksprüche der 3.Kompanie, die allein nicht in der Lage war, bei Landrecies auf dem westlichen Sambreufer den befohlenen Brückenkopf zu halten, obwohl ihr durch die Aufklärungsabteilung 37 Entlastung geworden war, trat das I.Bataillon gegen 16 Uhr den Marsch nach Westen an mit dem Auftrag der Division, den Brückenkopf bei Landrecies zu verstärken und zu halten. Die Division ging dabei von der Annahme aus, dass die 3.Kompanie den Brückenkopf auf dem westlichen Sambreufer noch fest in der Hand hielt. Gegen 19,30 Uhr erreichte das Bataillon Landrecies und liess der schwer bedrängten und durch den Kampf mit den französischen Panzerkampfwagen erschöpften 3.Kompanie die heissersehnte Unterstützung zuteil werden. Nachdem es weiter einer Batterie des Artillerie – Regiments 78 gelungen war, zwei der 32 – Tonnenpanzer zusammen zu schiessen, traten die 2. und 3.Kompanie gegen 20 Uhr zum Angriff auf das westliche Sambreufer an, nahmen die verlorengegangene Stellung der 3.Kompanie zurück, bildeten einen neuen Brückenkopf am Westufer der Sambre und hielten ihn gegen den zunehmenden feindlichen Druck. Links der Strassenbrücke jenseits des Flusses bildete die 3.Kompanie einen Verteidigungsriegel, rechts der Brücke bezog die 2.Kompanie eine Verteidigungsstellung. Schwere Waffen der 4.Kompanie gingen am Ostufer der Sambre in Stellung. Die 1.Kompanie hatte am 17.Mai einen Sonderauftrag ausserhalb des Bataillonsverbandes zu erfüllen. Sie zeichnete sich dabei durch schnelles Vorgehen aus. Sie war dem Kradschützen–Bataillon 7 unterstellt worden und sollte nach dem Überschreiten der Sambre bei Pommereuil, etwa 6 km ostnordöstlich Le Cateau, Sicherungsstellung beziehen. In schneller Fahrt wurde durch die teilweise noch vom Feinde besetzten französischen Ortschaften durchgefahren und das westliche Sambreufer erreicht. Hinter Landrecies geriet die Kompanie in das Feuer französischer Panzerkampfwagen, die meist aus Furcht vor der deutschen Artillerie versteckt auf abgelegenen Seitenstrassen standen. Dennoch schlug sich die 1 Kompanie bis Pommereuil durch. Hier traf die Kompanie auf weit überlegenen Feind, der mit Maschinengewehren, Pak und Flak heftigstes Feuer auf die Fahrzeuge der Kompanie eröffnete. Durch Volltreffer ging ein Fahrzeug der Kompanie mit der gesamten Besatzung verloren. Während des französischen Feuerüberfalls, der von den Schützen nur durch Maschinengewehrfeuer und Handgranatenwurf erwidert werden konnte, zeichnete sich Feldwebel Freitag durch besondere Kaltblütigkeit aus. Während sein verwundeter Fahrer mit Bauchschuss quer über der Maschine lag, steuerte er im Beiwagen stehend das Kraftrad und brachte es aus dem Feuerbereich. Ein anderer Kraftfahrer machte sein Fahrzeug, das Panzer erlitten hatte, trotz der um ihn fliegenden Geschosse wieder fahrbereit, während die Wagenbesatzung im Halbkreis um das Fahrzeug liegend, durch Gewehrfeuer die andrängenden Franzosen abwehrte. Da Panzer in den engen Strassen von Pommereuil nicht zur Unterstützung eingesetzt werden konnten, musste sich die 1.Kompanie aus eigener Kraft durchschlagen und ohne Unterstützung durch die Panzerwaffe den Ort halten. Bei Einbruch der Dunkelheit erreichte die 1.Kompanie die Stellung des nur noch aus 67 Mann bestehenden Kradschützen–Bataillons 7, gab sich neben ihm ein und verstärkte seine Stellung. Unter Verlust von 8 Toten hatte die 1.Kompanie Schütz.Rgt.6 sich bis zum befohlenen Ziele durchgekämpft. Die vom I.Bataillon (2., 3., und 4.Kompanie) für die Nacht bei Landrecies auf dem westlichen Sambreufer eingenommene Stellung war auch in der Dunkelheit feindlichen Infanterie- und Panzerangriffen ausgesetzt. Alle Feindangriffe konnten jedoch abgewiesen werden. Die für den weiteren Vormarsch der 7.Panzerdivision wichtigen Sambrebrücken blieben fest in der Hand des Bataillons. Der Regimentsstab blieb in der Nacht in Maroilles, wo sich auch das II.Bataillon eingefunden hatte. Dem ungestümen Vorwärtsdrängen der 7.Panzerdivision war am 17.Mai ein grosser Erfolg beschieden gewesen. Die Sambrebrücken bei Landrecies befanden sich infolge des kühnen Vorgehens des Schützenregiments 6 fest in deutscher Hand. Bei Fortsetzung des Vorstosses bis dicht vor Le Cateau fielen unüberschaubare Gefangene, erhebliche Kriegsbeute aller Art, darunter zahlreiche Panzerkampfwagen, in die Hand der Division. Darüber hinaus war der Raum zwischen Avesnes und Landrecies besetzt worden. Das II.Bataillon Schütz.Rgt.6 unter der Führung des schon vielfach bewährten Oberlt.Kiessling hatte ausserdem im Gefechtsstreifen der 5.Panzerdivision bei Berlaimont am Westufer der Sambre einen weiteren Brückenkopf gewonnen und feindliche Gegenangriffe abgewehrt, während die Aufklärungsabteilung 37 unter Major Erdmann auf dem westlichen Sambreufer von Landrecies aus auf Englefontaine (6 km südlich Le Quesnoy) vorgestossen war. Verzweifelte französische Gegenstösse, die vor Le Cateau mit Unterstützung schwerster Feindpanzer geführt wurden, brachen im Abwehrfeuer der 7.Panzerdivision zusammen. Auf Anweisung von Generalmajor Rommel wurde am 17.Mai bei der 7.Panzerdivision erstmalig die „Rollbahn“ eingerichtet, die dem Zweck diente, ein reibungsloses, schnelles Vorbewegen von Fahrzeugen auf dem am besten geeigneten und genau bezeichneten Strasse ohne Behinderung durch weiter rückwärts liegende Truppen zu ermöglichen. Die Rollbahn wurde dem Strassenkommandanten der Division, Major Hauenschild, unterstellt, der für Beschilderung, Einrichtung der Auskunftsstellen und Innehaltung der besonders befohlenen Rollbahn – Verkehrsvorschrift verantwortlich war. In Nordfrankreich hatten die deutschen Truppen im Laufe des 17.Mai Gewaltiges geleistet. Von südlich Maubeuge bis in die Gegend von Carignan südwestwärts von Sedan, war nunmehr die verlängerte Maginotlinie an mehreren Stellen auf einer Breite von über 100 km durchbrochen worden. Es war ein durchschlagender Erfolg errungen worden, den man kaum gewagt hatte, zu erhoffen. Damit war aber allein es nicht getan, sondern darüber hinaus wurde die Verfolgung des Gegners unentwegt und ohne Rücksicht auf die Sicherung der eigenen Flanken fortgesetzt. Auch die französischen Panzerkräfte, die sich an und westlich der Sambre unseren Panzern entgegengestellt hatten, wurden im harten Panzerkampf zurückgeschlagen und mussten manchen Stahlkoloss ausgebrannt auf dem Kampffeld zurücklassen. Durch das tatkräftige Zufassen der „Gespensterdivision“ des bewährten Weltkriegsoffiziers, Generalmajor Rommel, waren am 16./17.Mai von der 7. Panzerdivision 1–2 feindliche Divisionen zerschlagen worden. Das Loch in der Daladierlinie bereitete der französischen Heerführung erhebliche Kopfschmerzen. Dem Feind war eine erfolgversprechende Verteidigungs auch an der Sambre unmöglich gemacht worden. Da sich im Wald von Mormal zwischen Berlaimont und Englefontaine und im Raume um Maubeuge noch starke Feindkräfte befanden, die am 18. #Mai versuchen würden, in westlicher Richtung durchzubrechen und sich das Zurückziehen anderer Gruppen des Gegners über Valenciennes und Douai nach Westen abzeichnete, kam es für das XV.A.K. und vor allem die 7.Panzerdivision nunmehr vordringlich darauf an, mit der Masse der Truppen möglichst schnell die Sambre zu überschreiten und die Gegend bei und nördlich Cambrai zu gewinnen. Von grossem Nutzen war es, dass die Sambrebrückenköpfe bei Berlaimont und Landrecies frühzeitig in die Hand der 7.Panzerdivision gefallen waren und Vortrupps der Division weit über den Fluss vorgreifend, schon in Englefontaine und vor Le Cateau Fuss gefasst hatten. Die amtliche Tagesbeute des Regiments 6 betrug: 252 Gefangene, 3 Pak, 8 gepanzerte Munitionsschlepper, 4 Panzerspähwagen, über 50 Fahrzeuge. Die Verluste des Schütz.Rgts.6 betrugen: tot: Leutnant Mahr von der 3. Kompanie, ferner 1 Uffz. und 19 Schützen, verwundet: 5 Uffz. und 9 Schützen. Dazu kamen eine Reihe Leichtverwundeter, die bei der Truppe verblieben waren. |
| 18.5.1940 | Nachlaß Ortlepp. Kav.Schtz.Rgt.6.2) Da der Feind im belgisch – französischen Grenzgebiet im Zurückgehen über Bavai – Valenciennes nach Südwesten begriffen war, beabsichtigte das XV.A.K. am 18.Mai, durch überholende Verfolgung dieses Ausweichen des Gegners zu verhindern. Die 7.Panzerdivision hatte daher den Auftrag erhalten, auf Cambrai vorzugehen. Ein Versuch französischer Festungstruppen im Verein mit Resten der Einheiten, die an den Vortagen von der 7.Panzerdivision geschlagen worden waren, die Befestigungsanlagen südostwärts Maubeuge zu halten, war als gescheitert anzusehen. Die Feindstellungen waren am 17.Mai auch hier durchbrochen worden. Mehrere 1000 Gefangene waren die Beute des XV.A.K. Grosses Mengen Kriegsgerät wurde erbeutet. Es war damit zu rechnen, dass am 18.Mai starke Feindkräfte aus dem Raum um Maubeuge in westlicher Richtung zu entkommen suchten, nachdem die 7.Panzerdivision bei Avesnes, Berlaimont, Landrecies und Le Cateau den Weg nach Süden und Südwesten verlegt hatte. Der Oberbefehlshaber der 4.Armee wies das XV.A.K. am Morgen des 18.Mai an, rechtsgestaffelt über die Linie Berlaimont – Landrecies vorgehend den ihm gegenüberstehenden Feind zurückzuwerfen und den Abschnitt des L.Escaut – Kanals bis Valenciennes und Cambrai zu gewinnen. Die Uebergänge sollten für ein späteres Vorgehen nach Westen offen gehalten werden. Dieser Auftrag führte die beiden Panzerdivisionen des Korps auseinander. Er setzte die 5.Panzerdivision in einer Richtung an, die den Fortgang des Angriffs nicht begünstigte und sich in den nächsten Tagen äusserst ungünstig auswirken sollte. In Ausführung der Weisungen des Generalobersten von Kluge sollte die 7.Panzerdivision, 9 Uhr Le Cateau durchschreitend, nach Cambrai eilen, bei und nordwärts Cambrai über den Kanal gehen und die Uebergänge offen halten. Zugleich hatte sie die Südwestflanke des Korps zwischen Le Cateau und Cambrai zu sichern. Das XV.A.K. wurde durch Zuführung des Stabes des XXXIX.A.K. und der 11.Schütz.Brig. wesentlich verstärkt. Ausserdem wurde die Zuweisung einer SS.-Division in Aussicht gestellt. Die 7.Panzerdivision blieb dem XV.A.K. unmittelbar unterstellt. Das Schütz. Rgt.6 erhielt am Morgen des 18. Mai folgenden Auftrag: „Rechte Seitensicherung für das entlang der grossen Strasse Le Cateau – Inchy auf Cambrai vorstossenden Panzerregiments und Bildung eines Brückenkopfes nördlich Cambrai, hierzu folgender Marschweg: Landrecies – Pommereuil – Forest – Viesly – Quievy – Kanal nördlich Cambrai." Befehlsgemäss trat das zum Grossteil wieder vereinigte Schütz.Rgt.6 um 10 Uhr den weiteren Vormarsch in westlicher Richtung in der Reihenfolge I., Regimentsstab, II.Bataillon. Die ersten Morgenstunden des Tages waren vor dem Abmarsch des I.Bataillons bei Landrecies etwas unruhig verlaufen. Gegen 2 Uhr entstand bei der 3.Kompanie eine grosse Schiesserei. Der Franzose bedrängte die Kompanie und die 2. Kompanie und versuchte, über die Flussbrücke nach Landrecies einzubrechen. Um die 2.Kompanie nicht durch eigenes M.G.-Feuer zu gefährden, wurden ihre Posten sicherheitshalber auf das Ostufer der Sambre zurückgenommen. Genau so schnell wie der Feind gekommen war, verschwand er jedoch auch wieder. Die Wiederholung des französischen Angriffs mit Hilfe mehrerer Panzerkampfwagen hatte keinen besseren Erfolg. Das I.Bataillon hatte Befehl, von Landrecies aus hinter den Panzern der Gruppe Illgen zu marschieren, mit den schon weiter vorgegangenen eigenen Panzern und den Kradschützen Verbindung aufzunehmen und etwaige französische Panzerangriffe auf Le Cateau und Forest abzuschlagen. Beim Vorwärtsschreiten des eigenen Panzerangriffs auf Cambrai sollte das Bataillon nördlich der Marschstrasse der Panzer vorrücken und die Panzer gegen die feindliche Angriffe aus nördlicher und nordwestlicher Richtung schützen. Die Vormarschstrasse bot den Schützen das Bild eines fluchtartigen französischen Rückzuges. Allein entlang der Strasse lagen zahlreiche mit Waffen, Gerät und Munition voll beladene französische Fahrzeuge. Deutsche Panzer hatten den Rückzug verlegt gehabt. Ein Teil der Begleitmannschaften war zusammengeschossen worden. Andere hatten sich ergeben oder waren über die Felder geflüchtet. Die Pioniere des II.Bataillons hatten in der Nacht und in der frühen Morgenstunde einen nicht alltäglichen Auftrag zu erledigen gehabt. Sie mussten die Marschstrasse von diesen Fahrzeugen freimachen. Viel Zeit war dabei nicht zu verlieren. Die Arbeit musste in kürzester Zeit beendet sein. Mit Unterstützung von drei schweren Zugmaschinen der 5.Kompanie wurden die Fahrzeuge von der Strasse gezogen und dann kurzerhand in den Strassengraben gekippt. Das Vorgehen des Schütz.Rgts.6 auf Cambrai ging keineswegs so glatt und reibungslos vonstatten, wie man geglaubt und erwartet hatte. Bereits am Osteingang von Pommereuil erhielt einige von der Gruppe Illgen zurückgebliebene Panzer, die vor der Spitzenkompanie des I.Bataillons des Schütz.Rgts.6 herfuhren, starkes Pak-, M.G.- und Gewehrfeuer von feindlichen Kräften, die anscheinend von Süden über Le Cateau vorgestossen sich zwischen die 1.Kompanie und das Bataillon eingeschoben hatten. Sofort wurde ein Stosstrupp der 2.Kompanie im Feuerschutz von 2 deutschen Pak auf das Dorf angesetzt, um eine französische Panzerabwehrkanone, die aus günstiger Stellung aus einer Toreinfahrt schoss, ausser Gefecht zu setzen. Der Gegner – Teile eines französischen M.G.-Batls – wehrte sich hier jedoch mit anerkennenswerter Zähigkeit. Beim Versuch, gegen die erwähnte Panzerabwehrkanone vorzugehen, fiel Leutn.Schiel als Führer des Stosstrupps. Der Adjutant des I.Batls., Oberleutn. Bücken, setzte sich daraufhin sofort kurzentschlossen aus eigenem Antrieb an die Spitze des führerlosen Stosstrupps und erlitt wenige Minuten später an der Spitze des Trupps bei dem Versuche, das den Vormarsch hemmende Panzerabwehrgeschütz auszuheben gleichfalls den Heldentod. So fielen innerhalb weniger Minuten zwei bewährte Offiziere des I.Bataillons. Der Franzose hatte sich mit Teilen eines abgeschnittenen Bataillons in Pommereuil in Häusern und Höfen festgesetzt und leistete hartnäckigen Widerstand. Da das Gefecht nicht vorwärts kam und das Gewehr-, M.G.- und Pistolenfeuer des Gegners aus den Häusern und Schuppen, aus Hecken und Gärten immer stärker wurde, musste zuerst der Rest der 2.Kompanie und schliesslich auf Veranlassung des indessen auf dem Kampffeld angekommenen Regimentsführers die gesamte 3.Kompanie nördlich Pommereuil eingesetzt werden. Ein Zug vom Panzerregiment 25 und Teile der 1./Panz.Jg.Abt.42 griffen zur Unterstützung der Schützen in das Gefecht ein und nahmen lohnende Ziele unter Feuer. In Anbetracht des in Pommereuil angetroffenen unerwartet heftigen Widerstandes des Gegners hatte das II.Bataillon, das als rechte Seitensicherung für das entlang der grossen Strasse auf Cambrai vorstossende Panzerregiment über Landrecies hinter dem I.Bataillon und dem Regts.Stab des Schütz.Rgts.6 heranmarschierte, gegen 11,15 Uhr am Südwestausgang von Landrecies längeren Halt gemacht. Bald darauf wurde die in der Nähe befindliche Artillerie- und Flakstellung sowie die weiter rückwärts gelegenen Sambreuferübergänge der 7.Panzerdivision von mehreren französischen Bombern mit Bomben, Sprenggranaten und M.G.-Feuer angegriffen. Von 6 der angreifenden Feindflugzeuge wurden jedoch 5 von der deutschen Flak und unseren Jägern vor den Augen der Schützen abgeschossen. Kurz nach der Mittagsstunde wurde das II.Bataillon zur Entlastung des bei Pommereuil im zermürbenden Kampfe stehenden Schwesterbatalllons rechts nach Norden herumgezogen und erreichte, nachdem es unter grossen Schwierigkeiten gelungen war, das Bataillon nach vorn zu ziehen, mit der 6.Kompanie rechts, mit der 5.Kompanie links nur mit geringem Feindwiderstand den Nordrand des Bois l’Evêque, etwa 5 km ostwärts Le Cateau, um sich nach Durchkämmen des Waldes dort zum Angriff auf Forest bereitzustellen. Auf Befehl des inzwischen beim Schütz.Rgt.6 eingetroffenen Brigadekommandeurs wurde das Dorf Forest jedoch zunächst nicht angegriffen, sondern gegenüber den in Feldstellungen geschickt verschanzten Gegner eine Verteidigungslinie bezogen. Das Bataillon wurde, wie bereits am Vorabend, wiederholt von feindlichen Fliegern aus grösserer Höhe angegriffen. Durch kleinere Splitterbomben und M.G.-Beschuss traten nur geringfügige Verluste ein. Indessen hatte sich jedoch die Umgehungsbewegung der 3.Kompanie nördlich Pommereuil ausgewirkt. Die Kompanie war über 400 m deckungsloses Gelände in Einzelsprüngen, wie es auf dem Exerzierplatz geübt worden war, gegen einen stark vom Feind besetzten Waldrand vorgegangen und hatte den Gegner, der zahlreiche Tote und Verwundete auf dem Kampfplatz liess, in die Flucht geschlagen. Bei dem Kampf um den Ort setzte Uffz.Wacker von der 2.Kompanie einen leichten französischen Panzer ausser Gefecht. Gegen 15 Uhr, als das bisher diesige Wetter aufklarte, war der Kampf um Pommereuil zu Gunsten der deutschen Schützen entschieden. Der Rest der französischen Kampftruppe, 1 Hauptmann mit 45 Mann, streckte die Waffen und fiel gefangen in die Hand des I.Bataillons, das in dem Kampfe selbst 2 Offiziere (Obltn. Bücken, Ltn.Schiel) und 2 Mann verloren hatte und 2 Uffze. und 3 Mann als Verwundete beklagte. Noch während des um Pommereuil tobenden schweren Kampfes hatte Major von Paris gegen 15 Uhr den Befehl erhalten, mit seinem I.Bataillon nicht weiter auf Forest vorzugehen, sondern mit einer Abteilung des Panzerregiments 25 die unmittelbar nördlich Le Cateau liegende Ortschaft Montay anzugreifen und dann längs der grossen Strasse auf Cambrai vorzustossen. Im überschlagenden Einsatz fuhr immer eine Kompanie vor, während die andere sicherte. Da der Gegner nirgends nennenswerten Widerstand leistete, konnte das Bataillon nach Erreichen der Strasse Forest – Montay aufschliessen, dann westlich Le Cateau die nach Cambrai führende vollständig geradlinig verlaufende Hauptchaussee erreichen und nach Heranziehen der bei Pommereuil stehenden Kräfte in Richtung Cambrai weitermarschieren. Der Marsch wurde auf Fahrzeugen ausgeführt. Etwa 1 km ostwärts Inchy erhielt das I.Bataillon von Generalmajor Rommel Befehl, zusammen mit den Panzern unverzüglich auf Cambrai durchzustossen. Da von den Panzern weit und breit nichts zu sehen war, setzte sich das Bataillon ohne die Panzer in Marsch. Der Divisionskommandeur fuhr ein Stück mit der Spitzenkompanie mit. Als das Bataillon aus der Südflanke Feuer erhielt, riss die Marschkolonne auseinander. Die Spitzenkompanie fuhr allein weiter. Sorgfältig wurde jedes Dorf umfahren. Granaten einer eigenen Batterie schlugen in die entfaltet fahrende Kompanie ein, glücklicherweise ohne Verluste zu verursachen. Die Spitzenkompanie wartete dann, um die auseinandergerissenen Teile des Bataillons wieder aufschliessen zu lassen. Bei Säuberungsaktionen an den von Norden her auf die Cambraier Hauptstrasse stossenden Nebenstrassen wurden 50 Franzosen gefangen eingebracht, die ahnungslos auf Fahrrädern und Kraftwagen von der Seite in die deutschen Schützen hineingefahren waren. Nachdem sich das Bataillon wieder gesammelt hatte und auch die Fühlung mit den Panzern aufgenommen worden war, ging die Fahrt im Schutze der Panzerkampfwagen gegen das teilweise in Flammen stehende Städtchen Cambrai weiter. Obwohl die kühne Fahrt mehrfach durch Flankenstösse französischer Panzerfahrzeuge und Spähwagen, sowie auch durch französische Jagdflugzeuge gestört wurde, liessen sich die Schützen nicht aufhalten. Feindlicher Widerstand, wo immer er sich auch entgegenstellte, wurde durch die vorausfahrenden Panzer in kürzester Zeit gebrochen, so vor allem in den Dörfern Ignieul und Avoingt. Immer wei- ter ging die Fahrt der aus dem Weltkrieg berühmt gewordenen Stadt Cambrai entgegen. Flach wie ein Teller war die Ebene, in der vor 23 Jahren im Weltkrieg in der bekannten Tankschlacht die feldgrauen deutschen Soldaten ihren Mann gestanden hatten. Die Abenddämmerung war längst hereingebrochen. 500 m nördlich Avoingt verliess das I.Bataillon infolge einer den Vormarsch hemmenden Strassensperre die Hauptchaussee nach Cambrai und besetzte im Schutze einiger Panzer den in unmittelbarer Nähe ostwärts Cambrai gelegenen Höhenzug. Nach Brechung schwachen feindlichen Widerstandes erhielt Major von Paris von Generalmajor Rommel Befehl, unter Ausbiegung von Cambrai nordwärts vorzustossen und unmittelbar westlich Escaudoeuvres einen Brückenkopf auf dem westlichen Kanalufer zu bilden. Mit entfaltet fahrenden Fahrzeugen ging es bei einbrechender Dunkelheit in Richtung auf die festgestellten starken französischen Feldbefestigungen. Die Spitze des Kolonne hatten Panzerkampfwagen und Panzerspähwagen übernommen. Wie Stosskeile wirkten die nach beiden Seiten mit Leuchspurmunition feuernden Panzer. Von einer feindlichen Gegenwehr war nicht viel zu spüren. Bald näherte sich das Bataillon dem Ziele Escaudoeuvres, einer Fabrikvorstadt im Norden von Cambrai. Kurz vor Mitternacht gelang es dem I.Bataillon zusammen mit einigen Panzern gerade noch rechtzeitig 3 über den Kanal führende Brücken zu erreichen und unversehrt in Besitz zu nehmen. Die bereits eingebauten Sprengladungen mit fast 8 Zentner Sprengstoff wurden beseitigt. Das Vorgehen gegen die fast unverteidigten Brücken war dem Gegner völlig überraschend gekommen, so dass ihm Zeit zur Gegenwehr nicht geblieben war. Der Franzose hatte niemals damit gerechnet, dass deutsche Soldaten um die Mitternachtsstunde einen solchen Handstreich unternehmen würden. Zusammen mit den Panzern bildete das I.Bataillon auf dem Westufer des Kanals bei Escaudoeuvres einen Igel. Die 3.Kompanie sicherte die Brücke und nahm Front nach Osten, die 1.Kompanie nach Norden, die 2. nach Westen und die 4.Kompanie nach Südwesten. Die entschlossene Bildung des Brückenkopfes auf dem westlichen Kanalufer, in Gewehrschussweite vom Nordrand von Cambrai entfernt, war ein neues Ruhmesblatt für das Schütz.Rgt.6. 200 Franzosen liessen sich überrumpeln und konnten gefangen eingebracht werden. Mehrere französische Kraftfahrzeuge versuchten in später Nacht in Unkenntnis der Lage über die Sambrebrücke zu fahren und wurden dabei von den Schützen abgefangen. So bekam das Bataillon Gelegenheit, seine im Kampf zerschossenen Fahrzeuge wieder zu ersetzen. Vergeblich versuchte um die Mitternachtsstunde ein starker französischer Spähtrupp, der sich geschickt über Mauern und durch die Gärten unseren Sicherungen genähert hatte, die verloren gegangene wichtige Brückenkopfstellung nördlich Cambrai zurückzugewinnen. Im Feuer der schweren Maschinengewehre brach der Angriff in kürzester Zeit verlustreich für den Gegner zusammen. Das II.Bataillon, bei dem sich ab 16 Uhr der Brigadekommandeur aufgehalten hatte, fand, als es gegen 17 Uhr von Bois de l’Evêque auf das Dorf Forest vorging, das Gelände vor dem Ort und in seiner weiteren Umgebung frei von feindlichen Truppen. Ein Bunker wurde von der 5.Kompanie genommen. Dabei wurden widerstandslos 25 Franzosen gefangen genommen. Oberlt.Kiessling zog, da Feindkräfte nicht mehr gesichtet wurden, die Fahrzeuge heran, liess die Kompanien des Bataillons aufsitzen und fuhr auf Befehl des Regiments über Montay nach Neuvilly weiter. Bei dieser Fahrt nach der westlich Neuvilly gelegenen Höhe 121 geriet das glücklicherweise weit auseinandergezogene Bataillon in M.G.- und Pakfeuer aus dem Dorfe Neuvilly und von den Höhen ostwärts davon, vor allem die 5.Kompanie, die die Spitze der Fahrkolonne bildete, war dem Feuer des Gegners ausgesetzt gewesen. Es handelte sich um durch Kampfwagen verstärkte Feindkräfte, die sich einen Weg nach Osten zu bahnen versuchten. Auch Neuvilly war durch starke motorisierte Kräfte besetzt. Schweres feindliches Granatwerferfeuer lag auf der Marschstrasse des Bataillons. Die 6.Kompanie war, nachdem sie bereits in Fontaine au Bois auf Gegner gestossen war, westlich des Ortes von feindlichen Kräften angeschossen worden und hatte, durch das feindliche Sperrfeuer vorübergehend aufgehalten, eine Höhe südlich Bousies erreicht. Bei dem Gefecht wurden Leutn.Reichert und 2 Mann verwundet, 1 Uffz. und 1 Mann erlitten den Heldentod. Bei Fortführung des Vorgehens auf Fahrzeugen über Montay auf Neuvilly geriet die Kompanie in das Vorhutgefecht der 5.Kompanie in Neuvilly, das sich bis in die späte Nacht hinzog. Die 7.Kompanie nahm bei Montay mit Front nach Nordwesten Sicherungsstellung für die Nacht ein. Die 8.Kompanie hatte mit allen ihren Teilen die Schützenkompanien wirksam unterstützt. Der Kav.Geschützzug und der s.M.G.-Zug kämpften vor allem Feindkräfte nieder, die die Flanke des Bataillons bedrohten. Das Pakgeschütz Ullrich schoss einen feindlichen Spähwagen und 1 Pak ab. Auch M.G.-Nester wurden erfolgreich niedergekämpft. Das Vorgehen des II.Bataillons war überall vom Feind zum Stehen gebracht worden. Es entwickelte sich ein hartnäckiges Gefecht. Die Kompanien, vor allem die 5., konnten sich erst nach Unterstützung durch die schweren Waffen der 8.Kompanie und Artilleriehilfe bei Einbruch der Dunkelheit befehlsgemäss vom Feinde lösen und auf das Höhengebiet um die Rambottelieur – Ferme zurückgehen. Die Masse des Bataillons bezog auf den Höhen erneut Stellung und hielt diese in der Nacht. Der Gegner wich bei Einbruch der Dämmerung stellenweise zurück, nachdem kurz vorher noch erkundende feindliche Panzerspähwagen durch Pakfeuer zum Abdrehen gezwungen worden waren. Das II.Bataillon nahm in den schweren Kämpfen 1 Offizier und 24 Mann gefangen. Die Masse der 7.Panzerdivision hatte nach Brechen stärkeren Widerstandes und nach Abwehr eines von Catillon an der Sambre kommenden Panzerangriffs im allgemeinen die Gegend unmittelbar ostwärts des Kanals und ostwärts Cambrai erreicht. Weiter südlich verteidigte der Franzose noch zäh die Sambreabschnitte. Die Stadt Cambrai selbst war noch von starken Feindkräften besetzt. In Fortführung des Angriffs war am 18.Mai die gesamte 7.Panzerdivision, mit den Panzerspitzen weit voraus, auf den Ostteil von Cambrai vorgestossen. Da es dem I.Bataillon des Schützen-Rgts.6 unter Major von Paris zugleich gelungen war, am Nordufer des Kanals nördlich Cambrai bei dem Dorfe Morenchies einen Brückenkopf zu bilden, waren die Voraussetzungen für eine günstige Verteidigungsstellung gegen den aus nördlicher Richtung zu erwartenden Feinddruck geschaffen worden. Die Division stand am Spätnachmittag mit je einer Kampfgruppe Front nach Norden am Ost- und Nordostrand von Cambrai, bei Escaudoeuvres – Morenchies, bei Caudry, bei Inchy und Le Cateau. Die 7.Panzerdivision hatte die Tagesziele nur teilweise erreichen können. Infolge des Steckenbleibens des Angriffs der 5. Panzerdivision in dem ausgedehnten Mormalwald westlich Berlaimont war die Lage des XV.A.K. am Abend des 18.Mai nicht so besonders günstig. Ein weiteres Vorgehen in der befohlenen Richtung auf Valenciennes hätte eine völlige Zersplitterung der eigenen Kräfte gebracht. General Hoth entschloss sich daher, am 19.Mai nicht weiter in Richtung Valenciennes marschieren zu lassen, sondern die Verfolgung in allgemein westlicher Richtung fortzusetzen, dazu die 5.Panzerdivision scharf nach Süden an die 7.Panzerdivision heranzuziehen und die Linie Inchy – Cambrai zu gewinnen. Die 7.Panzerdivision, der Teile der SS „Totenkopf“-Division unterstellt waren, musste vorerst die Brückenköpfe bei Landrecies und Le Cateau gegen alle Feindangriffe halten, bis durch das Eingreifen des neu herangeführten XXXIX.A.K., das über Le Quesnoy gegen die Linie Solesmes – Ventegies au Bois im Rücken des Feindes angreifen sollte, der gegenüberstehende Gegner geschlagen war. Erst dann sollten die Feindkräfte bei Catillon beseitigt und die 7.Panzerdivision nach Abschluss der Kämpfe um Le Cateau scharf nach Westen zusammengezogen werden, damit die Vormarschbewegung in dieser Richtung wieder aufgenommen werden konnte. Die Gesamtbeute des Schütz.Rgts.6 am 18. Mai betrug: 180 Gefangene; 5 Pak, 10 Kraftfahrzeuge, 1 Panzerspähwagen, 2 Panzerkampfwagen. Ausserdem wurden gemeinsam mit der unterstellten Flak 4 feindliche Flugzeuge abgeschossen. Verluste des Regiments: tot: 2 Offiziere (Oberlt. Bücken, Ltn. Schiel) und 9 Mann, verwundet: 1 Offizier (Ltn. Reichert), 18 Mann und zahlreiche Leichtverwundete, die beim Regiment blieben. |
| 19.5.1940 | Nachlaß Ortlepp. Kav.Schtz.Rgt.6.2) Obwohl die Masse der französischen 9.Armee bereits vor zwei Tagen zersprengt worden war und sich ihre Reste ohne einheitliche Führung auf dem Rückzug nach Westen und Südwesten befanden, hatten einzelne Abteilungen und Gruppen der Armee, oft auf sich allein gestellt, am 18.Mai so hartnäckigen Widerstand geleistet, so dass der Vormarsch der 7.Panzerdivision auf Cambrai nicht durchgedrungen war. Als das XV.A.K. mit der 7.Panzerdivision am Morgen des 19.Mai erneut zum Vorgehen auf Cambrai antrat, war die Lage bei den benachbarten Truppen der 4.Armee etwa folgende. Es standen: rechts: VIII.A.K. mit der 28.Inf.Div. vor Maubeuge, linker Flügel XV.A.K. mit der 5.Panzerdivision im Wald von Mormal. links: XXXXI. A.K. mit 6.Panz.Div. halbwegs Cambrai – St. Quentin bei Le Cateau 2.Panz.Div. ostwärts Roisel 1.Panz.Div. westlich St. Quentin und XIX.A.K. an der Serre ostwärts La Fère und die 12.Armee – mit dem rechten Flügel zurückhängend – zwischen Hirson und Laon. Da sich hiernach noch starke Teile des französischen Heeres in der Nähe der belgisch – französischen Südgrenze weit rückwärts befanden, kam es darauf an, dass die deutschen Stossdivisionen am 19.Mai viel Gelände in westlicher Richtung gewannen, um den weiter nördlich und nordwestwärts stehenden Feindtruppen die Rückzugsstrassen zur unteren Somme abzuschneiden. Das XV.A.K. musste deshalb am 19.Mai die Verfolgung nach Westen fortsetzen, scharf nach Süden zusammenfassen und die Linie Iwny – Cambrai gewinnen. Die 7.Panzerdivision hatte die Brückenköpfe bei Landrecies und Le Cateau gegen alle Feindangriffe zu halten, bis sich das Eingreifen des XXXXI.A.K., das aus der Linie Le Quesnoy – Jolimetz auf Solesmes antreten sollte, auswirkte. Das I.Bataillon des Schütz.Rgts.6 verblieb am Morgen des 19.Mai zunächst in den Stellungen des Brückenkopfes am Kanal westlich Escaudoeuvres. Da mit starken Angriffen des Gegners mit dem Ziele der Rückgewinnung dieser wichtigen Schlüsselstellung gerechnet werden musste, wurde die günstigste Widerstandslinie festgelegt und ausgebaut. Die Fahrzeuge nahmen weiter rückwärts fliegergedeckte Aufstellung. Feindliche Jäger und Aufklärer umkreisten tagsüber mehrfach die Brückenkopfstellung und wurden von den Kompanien durch M.G.-Feuer abgewehrt. Der Pionierzug des Bataillons säuberte das Dorf Escaudoeuvres und machte die Verkehrswege in Erwartung des weiteren Vormarsches der Division frei. Hierbei wurden zahlreiche Gefangene und eine Reihe französischer Militärfahrzeuge sichergestellt. Beim Gegner herrschte, wie durch die Aussagen der Gefangenen wiederholt bestätigt wurde, immer noch völlige Unklarheit über die tatsächliche Lage im Raume unmittelbar nordostwärts Cambrai. Mehrfach fuhren auch im Laufe des Tages französische Personenkraftwagen ahnungslos auf der Hauptstrasse von Solesmes oder Le Quesnoy direkt in die Stellungen des I.Bataillons, wo die Insassen der Fahrzeuge dann höflich aber bestimmt zum Aussteigen aufgefordert wurden. Auf diese Weise fiel auch ein französischer Major in die Hände des Bataillons. Er konnte sehr wichtige Aussagen machen. Er hatte nämlich den Auftrag, in der Gegend um Cambrai Stellungen für sein Bataillon zu erkunden und konnte bei der Gefangennahme nicht begreifen, dass sich deutsche schnelle Truppen schon seit dem Vorabend hier bei Cambrai im Rücken der französischen Linien befanden. Das II.Bataillon hatte am frühen Morgen Befehl erhalten, das Vorgehen in nordwestlicher Richtung fortzusetzen und nordostwärts Cambrai bei Cagnoncles eine neue Sicherungslinie gegen aus Richtung Solesmes erwartete Feindkräfte zu beziehen. Das Bataillon fuhr aufgesessen um 6.30 Uhr aus seiner Sicherungsstellung bei der Rambottelieur–Ferme ab, und folgte der Hauptstrasse auf Cambrai in der Absicht, neue Verteidigungsstellungen auf dem Höhenrand ostwärts Cagnoncles (8 km nordostwärts Cambrai) zu beziehen. In Beauvois, halbwegs Le Cateau und Cambrai, wurde das Bataillon jedoch von Generalmajor Rommel persönlich angehalten und in Abänderung des bisherigen Auftrages zum Schutze der Strasse Cambrai – Le Cateau gegen Feindangriffe aus nördlicher Richtung in einer fast 25 km breiten Front angesetzt. Dieser Einsatz war notwendig geworden, weil auf allen Seitenstrassen, die von Solesmes in südlicher oder südwestlicher Richtung führten, Feindkräfte im Rücken und in der Flanke der 7.Panzerdivision die Strasse Le Cateau – Cambrai zu erreichen oder zu überqueren suchten. Die Kompanien des II.Bataillons wurden sofort in die neue Linie Neuvilly – Viesly – Bevillers – Carnières abgedrängt. Die am linken Flügel eingesetzte 5.Kompanie traf beim Beziehen der Verteidigungslinie vor dem Dorfe Cauroir (6 km ostwärts Cambrai) auf starkverschanzten Feind, der die am Eingang des Dorfes errichtete Barrikade besetzt hielt. Nur mit Mühe, unter Verlusten und nach Unterstützung durch eigene Artillerie, einen Infanteriegeschützzug und ein Pak der 8.Kompanie konnte die 5.Kompanie den Feind vor der besetzten Stellung bei der Cambrai – Ferme abwehren. Teile der 6.Kompanie erreichten die genannte Ferme und setzten sich hier fest. Zu beachten ist dabei freilich, dass sich diese Kämpfe unmittelbar im Rücken des in der Brückenkopfstellung von Escaudoeuvres stehenden I.Bataillons abspielten. Nach Abwehr eines feindlichen Vorstosses nahm die 5.Kompanie mit Unterstützung von Panzerkampfwagen lose Verbindung nach links mit den im Brückenkopf von Escaudoeuvres stehenden I.Bataillon auf. Vor dem sich verstärkenden Feinddruck musste die 5.Kompanie, die vor allem durch schweres feindliches Granatwerfer- und M.G.-Feuer belästigt wurde, die langsam in Richtung auf Escaudoeuvres vorgeschobene Stellung wieder zurückbiegen, so dass die unmittelbare Verbindung mit dem I.Bataillon vorübergehend wieder abriss. In der neu bezogenen Stellung wies jedoch die 5.Kompanie die weiteren Feindvorstösse ab und brachte bei Säuberung des Ortes Cauroir und der Umgebung 10 Offiziere und 350 Mann gefangen und 2 Geschütze als Beute ein. Die beiden anderen Schützenkompanien des II.Bataillons konnten die zugewiesenen Sicherungslinien kampflos besetzen und machten dabei durch schnelles Zupacken eine Reihe Gefangener. In der Mitte der Front des II.Bataillons war die 7.Kompanie zwischen Cerniéres, Bevillers und Boussieres eingerichtet. Hier verlief der Tag ruhiger als am linken Flügel, so dass die s.M.G.-Gruppe der Kompanie abgezogen und zur Unterstützung des linken Flügels bei der 5.Kompanie eingesetzt werden konnte, wo es gegen 16 Uhr gelungen war, die vorübergehend verlorenen Stützpunkte Cambrai – Ferme und Cauroir dem Gegner wieder zu entreissen, die dort befindlichen Sperren zu beseitigen und weitere Gefangene einzubringen. Dabei erzielte die 7.Kompanie besondere Erfolge. Sie nahm den Stab der französischen 9.mechanisierten Division mit mehreren Offizieren, Dolmetschern und 40 Mann gefangen. Der Divisionskommandeur selbst war leider im letzten Augenblick entkommen. Mit Unterstützung einer im Kompanieabschnitt eingesetzten s.M.G.-Gruppe der 8.Kompanie wurden ferner 12 Fahrzeuge des Feindes ausser Gefecht gesetzt, wobei Teile der Fahrzeugbesatzungen in deutsche Kriegsgefangenschaft gerieten. Die schweren Waffen der 8.Kompanie waren auf der ganzen, überaus breiten Bataillonsfront verteilt und bewährten sich vor allem bei der Niederkämpfung von Feindkolonnen, die sich aus nordostwärtiger Richtung Cambrai zu nähern versuchten. Die am rechten Flügel des II.Bataillons eingesetzte 6.Kompanie wehrte einen aus Solesmes und Briastre vorgetragenen Vorstoss stärkerer feindlicher Kräfte bei Viesly ab. Das Vorgehen des Gegners hatte nur geringen Angriffscharakter gezeigt. Anscheinend handelte es sich hierbei um eine Feindgruppe, die von einer weiter nordostwärts stehenden Division des deutschen XV. oder XXXIX.A.K. gedrückt worden war und nun verzweifelt sich einen Weg nach Süden zu bahnen suchte. Bei Säuberung des Geländes nördlich Viesly und südlich Quiévy wurden 80 Gefangene eingebracht. Beim I.Bataillon war der Nachmittag wider Erwarten ruhig verlaufen. Am Abend fuhr der Bataillonskommandeur im Panzer zur Befehlsausgabe zur 7.Panzerdivision und erhielt dort den Auftrag mit dem Bataillon während der Nacht in der bisherigen Brückenkopfstellung zu verbleiben. Nach Eintreffen des unter Schwierigkeiten auf den noch durch versprengte Feindkräfte bedrohten Nachschubstrassen vorgezogenen Gefechtsstrosses wurde verpflegt, aufgeklart und ergänzt. Für den Abend richtete sich das Bataillon wie in der vergangenen Nacht in der Brückenkopfstellung zur Abwehr ein. Die Verteidigung des Nordrandes von Escaudoeuvres wurde durch Einsatz des Pionierzuges und einer Gruppe der 1.Kompanie verstärkt und die Strasse nach Valenciennes durch ein Pak und ein s.M.G. abgesperrt. Die 7.Panzerdivision hatte am 19.5. die Strasse Le Cateau – Cambrai von versprengten Feindteilen gesäubert und war dann bis auf den Ostrand der von starken französischen Kräften besetzten Stadt Cambrai vorgedrungen. Das Schütz.Rgt.7 unter Oberst von Bismarck hatte im Laufe des Tages einen weiteren Brückenkopf am Kanal südlich Cambrai erzwungen. Die 5.Panzerdivision hatte den Austritt aus dem Mormalwald erzwungen und war auf Solesmes abgedreht, wo es in einem völlig unübersichtlichen, von Hecken durchzogenen Gelände unerwartet zähen Widerstand angetroffen hatte. Generalmajor Rommel, von starkem Vorwärtsdrang beseelt, hatte die Absicht, mit seiner 7.Panzerdivision noch in der Nacht auf Arras durchzubrechen. Da die Lage in den Flanken der Division völlig ungeklärt und zu befürchten war, dass die Truppen durch die Anstrengungen der vorausgegangenen Kampftage übermüdet waren, hatte General Hoth erhebliche Bedenken gegen Rommels kühne Planung gehegt. Generalmajor Rommel zerstreute aber diese Befürchtungen seines Korpskommandeurs. Rommel glaubte, wegen des sehr günstigen Geländes und des Durcheinanders, das beim Feinde unverkennbar herrschte, das Ziel mit geringerem Kräfteaufwand und weniger verlustreich erreichen zu können, als das am Tage möglich schien. General Hoth liess daher seine Bedenken fallen und gab seine Zustimmung zum nächtlichen Vorgehen der 7.Panzerdivision auf die im Weltkrieg heiss umkämpfte Stadt Arras. Aus der erhofften Nachtruhe wurde es daher beim I.Bataillon des Schütz.Rgts.6 abermals nichts. Um 22.30 Uhr erhielt nämlich das I.Bataillon unter ausdrücklicher Aufhebung der bisher getroffenen Anordnungen die Funknachricht, dass um 23 Uhr die Panzer des Panzerregiments 25 mit dem Übergang über die Kanalbrücken bei Escaudoeuvres beginnen würden. Demzufolge hatte das I.Bataillon sich zum nächtlichen Abmarsch vorzubereiten, da es sich den Panzern anschliessen sollte. Es zog die Fahrzeuge heran, liess aber zunächst die Sicherungen in den bisherigen Stellungen stehen. Nachdem die Voraussetzungen durch die schnelle Inbesitznahme des Brückenkopfes von Escaudoeuvres am Vorabend durch das Schütz.Rgt.6 geschaffen worden waren, begann die 7.Panzerdivision im Schutze leichten Nebels um die Mitternachtsstunde den Vormarsch in Richtung auf Arras. Der Regimentsführer, Oberstlt.Junck, hatte sich um 21 Uhr auf dem Gefechtsstand des II.Bataillons zu einer Besprechung eingefunden. Der ursprünglich für den Abend befohlene, dann aber abgesagte Weitermarsch auf Arras sollte auf Grund der überaus günstigen Fliegeraufklärungsergebnisse nun doch noch in der Nacht steigen. Die weit auseinandergezogenen Sicherungen des II.Bataillons wurden deshalb eingezogen. Um die Mitternachtsstunde stand das Bataillon am Ende der rechten Marschgruppe der Division, zusammen mit den Batterien der I./Art.Rgts.78 zur Fortsetzung des weiteren Vorgehens bereit. Das II.Bataillon hatte im Laufe des Tages 14 Offiziere, 435 Mann als Gefangene eingebracht. Da dem XV.A.K. weiterhin das im Norden freigewordene XVI.A.K. mit der 4. und 3.Panzerdivision und der 20.mot.Inf.Div. über Charleroi zugeführt werden sollte, wurde aus den gesamten Kräften des XV., XXXIX. und XVI.A.K. am Nachmittag des 19.Mai die “Gruppe Hoth” (3., 4., 5., 7.Panzerdivision, SS.Div.Totenkopf, Leibstandarte Adolf Hitler, 20.mot.Div. und 11.Schütz.Brig.) gebildet. Damit wurden die gesamten schnellen Truppen zum entscheidenden Stoss nach Westen zur Vollendung der Umfassung der in Restbelgien und Nordfrankreich eingeschlossenen feindlichen Armeen zusammengefasst. Der gesamte Munitionsverbrauch des Schütz.Rgts.6 am 19.Mai belief sich auf 40 500 s.S., 10 000 s.M.K., 7500 Leuchtspur, 10 425 S.m.K (H), 100 Panzergranaten, 300 Inf.Geschütz – Granaten 18. Die Beutezahlen waren: 685 Gefangene, 22 Offz. (darunter 3 Offiziere des Divisionsstabes der französischen 9.mechanisierten Division), 2 Geschütze und 13 Kraftfahrzeuge. Die eigenen Verluste des Regiments betrugen demgegenüber nur 3 Tote und 9 Verwundete. |
| 20.5.1940 | Nachlaß Ortlepp. Kav.Schtz.Rgt.6.2) Nachdem der Feind in Nordfrankreich an der belgischen Grenze seine bisherige Rückzugsrichtung nach Südwesten in eine mehr westliche Richtung umgelenkt hatte, um vor dem Herankommen der deutschen Verfolgungsdivisionen in das Innere Frankreichs zu entkommen, musste durch schnellstes Vorwärtstreiben der deutschen Verfolgung nach Westen in den Raum Arras – Amiens den noch in Belgien stehenden französischen und englischen Divisionen das Entkommen nach Süden und Südwesten verwehrt werden. Im Zuge dieses Wettrennens zum Ärmelkanal war die 7.Panzerdivision am Vorabend des 20.Mai um 23 Uhr auf Arras angetreten, um sich durch einen nächtlichen Vorstoss überraschend in den Besitz der Stadt zu setzen, während das XVI.A.K. in Richtung auf Douai vorging, die aus Douai herausführenden Strassen sperren und das XXXIX.A.K. die Kanalübergänge beiderseits Iwny erzwingen und südlich der Seekette beiderseits des La Sensée – Flusses gegen die Strasse Douai – Arras und Iwny – Arras vorgehen sollte. Um 1 Uhr hatte das Schütz.Rgt.6 in stockfinsterer Nacht hinter dem Schütz.Rgt.7 in der Reihenfolge I., Regimentsstab, II.Bataillon den Vormarsch auf Arras angetreten. Die bei Arras verminten Strassen und die noch von starken englischen und französischen Kräften besetzte Stadt Cambrai sollten durch weite Ausholung nach Norden umgangen werden. In langsamer Fahrt erreichte das Schütz.Rgt.6 auf staubigen Feldwegen und Nebenstrassen das 6 km nordwestlich Cambrai liegende Dorf Raillencourt und damit wieder die Strasse Cambrai – Arras. Die im Norden durch einen grossen Halbbogen umgangene Stadt Cambrai lag, obwohl noch feindbesetzt, nunmehr unmittelbar im Rücken der 7.Panzerdivision. Da der erste Teil des Nachtmarsches quer durch das Gelände oder ausschliesslich über Feldwege führte, in der Stockfinsternis die Verbindungen innerhalb der Kolonne abrissen und die Fahrer durch die Anstrengungen der Vortage sehr ermüdet waren, traten sehr häufig Störungen auf, so dass der Vormarsch sehr verzögert wurde. Teile der 4.Kompanie hatten den Anschluss an die Kolonne verloren, waren zu weit nach Süden gefahren und dort auf starke französische Sperren gestossen, aus denen sie heftigstes Feuer erhielten. Die Kompanie hatte dabei 5 Verwundete. Nach Irrfahrten im Gelände fand die Kompanie schliesslich bei Raillencourt wieder Anschluss an das Bataillon. Noch abenteuerlicher war die Fahrt der 3.Kompanie verlaufen, die ahnungslos nach Verfehlen der richtigen Marschstrasse in die von starken Feindkräften besetzte Stadt Cambrai hineingestossen war. Dennoch gelang es der Kompanie zu entwischen, indem sie mit Höchstgeschwindigkeit durch die Stadt brauste, ehe die verdutzten Franzosen so recht begriffen hatten, was eigentlich geschehen war. Diese Begebenheiten bewiesen, dass unsere Gegner der 7.Panzerdivision nicht mit Unrecht die Ehrenbezeichnung “Gespensterdivision” gegeben hatten. Da der Gegner die Strassenbrücke bei Marquion (halbwegs Cambrai und Arras) bereits vor dem Anrücken der Schützen gesprengt hatte und eine Wiederherstellung durch die Pioniere längere Zeit in Anspruch nehmen würde, versuchte die Marschgruppe die Sprengstelle durch Ausweichen nach Norden zu umgehen. Unter Beigabe von Panzern erkundete ein Zug der 1.Kompanie des Schütz.Rgts.6 den Weg zur Strassenbrücke bei Sauchy – Cauchy. Er traf nirgends auf Feind, fand aber die Brücke gesprengt vor, so dass sich nicht mehr benützt werden konnte. So ging weitere kostbare Zeit verloren mit den notwendig werdenden Erkundungen nach anderen Übergängen. Mit dem schnellen Vorgehen auf Arras und der Überraschung wurde es nichts. Das I.Bataillon sicherte indessen, während nach neuen Möglichkeiten gesucht wurde, die gesprengten Kanalbrücken zu überwinden, die Nordflanke der Division im Raum Cauchy – Cauchy – Epinoy mit Front nach Norden und Nordosten. Das II.Bataillon hatte infolge der stundenlangen Marschstockungen auf der Fahrt über Cauroir um 5 Uhr Escaudoeuvres durchfahren und wurde, da der weitere Vormarsch des I.Bataillons ins Stocken geraten war, um 6 Uhr bei Raillencourt von der Hauptstrasse nach Norden und Nordosten abgedreht, um etwa aus dieser Richtung kommende Feindkräfte abzuwehren. In igelförmiger Aufstellung sicherte das Bataillon mit der 6.Kompanie ostwärts Sailly les Cambrai, mit der 7.Kompanie nordostwärts Sancourt und mit der 8.Kompanie nördlich Epinoy. Der Bataillonsgefechtsstand wurde bei Haynecourt eingerichtet. Nachdem die Divisionserkundung südlich der Vormarschstrasse nordostwärts Inchy en Artois eine unzerstörte Kanalbrücke vorgefunden hatte, wurde um 10 Uhr der Vormarsch in der Reihenfolge I., II.Bataillon über Marquion und Inchy en Artois wieder aufgenommen. Bei Baralle wurde die Strasse Cambrai – Arras erneut erreicht und auf dieser die Fahrt fortgesetzt. Major von Paris führte nun I. Bataillon voraus und erhielt von Oberstlt.Junck Befehl, mit dem Bataillon ostwärts Arras im Raum um Monchy eine Verteidigungsstellung mit Front nach Norden einzunehmen. Um 12 Uhr hatte das nachfolgende Bataillon, das unterwegs auf der Fahrt bei Haucourt durch englische Bomberflieger angegriffen worden war und dabei 9 Kompanie Verwundete beklagte, den Raum um Vis en Artois erreicht und richtete sich anschliessend um Monchy halbkreisförmig mit Front nach Norden und Nordosten zur Verteidigung ein. Es wurden eingesetzt: links die 1.Kompanie in Anlehnung an den Westrand von Monchy, in der Mitte die 3.Kompanie und rechts die 2.Kompanie mit Verbindung zum II.Bataillon. Das II. Bataillon war über Haynecourt, Inchy, Cagnicourt, Villers vorgefahren. Bei Cagnicourt war es in den Maschinengewehrangriff eines tieffliegenden englischen Jägers geraten, wobei 4 Verwundete auf dem Platze blieben. Nach Wiedererreichen der nach Arras führenden Hauptstrasse bei Hauceourt wurde das Bataillon vom Regimentsführer nach Norden abgedreht. Gegen 14 Uhr bezogen die 6.Kompanie im Raum ostwärts Hauceourt südostwärts Eterpigny, die 5.Kompanie um Bois Notre Dame und die 7.Kompanie bei Eterpigny mit Front nach Norden und Nordosten Sicherungsstellung. Der Bataillons–Gefechtsstand wurde in der Schule von Remy eingerichtet. Wegen der an diesem Tage auffallend regen Tätigkeit der gegnerischen Luftwaffe musste das Unterziehen der Fahrzeuge beschleunigt durchgeführt werden. Die englischen Flugzeuge, die u.a. beim Angriff auf das I.Bataillon ein Geschütz der dem Bataillon zugeteilten 1./Panz.Jäg.Abt.42 vernichtet hatten unternahmen auch bei Remy einen Tieffliegerangriff auf den Stab des II.Bataillons. Glücklicherweise traten dabei Verluste nicht ein. Auch auf die fahrenden Kompanien des II.Bataillons hatten die englischen Flieger unterwegs mehrere Tieffliegerangriffe ausgeführt und die Marschkolonnen mit kaum nennenswertem Erfolg mit Bomben beworfen. Unangenehmer war dagegen das feindliche Artilleriefeuer, das vor allem ständig auf der Hauptstrasse und auf dem Strassenkreuz südlich Dury lag. Da unmittelbar westlich Arras starker Feind angetroffen wurde, liess sich die Absicht Generalmajor Rommels, Arras durch Überrumpelung zu nehmen, nicht mehr durchführen. Alle Anzeichen sprachen vielmehr dafür, dass Franzose und Engländer in Arras überaus starke, jedenfalls der 7.Panzerdivision zahlenmässig weit überlegene Truppen mit starker Artillerie zusammengezogen hatte. Die Bataillone des Schütz.Rgts.6 verblieben deshalb am Nachmittag und in der Nacht in den bezogenen Stellungen ostwärts Arras. Vorübergehend auflebendes feindliches Artilleriefeuer verursachte keine Verluste. Das II.Bataillon trieb Spähtrupps bis Hamblain und zum Scarpe-Fluss vor. Hamblain wurde feindfrei vorgefunden. Nach Einwohnermeldungen waren die dort befindlichen französischen Truppen bereits am Vorabend in nördlicher Richtung über die Scarpe abmarschiert. Der in den Mitternachtsstunden des 20.Mai in Richtung auf Arras begonnene Angriff der 7.Panzerdivision hatte trotz der bei Marquion vom Feind gesprengten Kanalbrücke teilweise zum Erfolg geführt, wenn auch das eigentliche Vormarschziel Arras nicht besetzt werden konnte. Um 6 Uhr hatten die Spitzen der Division bereits Villiers erreicht gehabt. Gegen 8 Uhr stand die weit nach Westen vorgetriebene Aufklärungsabteilung der Division vor Agny, 6 km südlich Arras. Bei Cagnicourt waren zahlreiche Engländer gefangen in die Hand der Spitze gefallen. Im Laufe des Tages war dann die Masse der Division über Umwege bis auf die Höhen unmittelbar südwestwärts und südlich Arras bei Tilloy und Beaurains aufgerückt. Das Panzerregiment 25, bei dem sich auch Generalmajor Rommel befunden hatte, stellte dabei seine bewährte Kampfkraft erneut unter Beweis. In der Linie Senséebach – Ecourt St.Quentin – Eterpigny – Boiry Notre Dame – Monchy – Höhe 1 km ostwärts Tilloy – Tilloy – Beauvains – Wegegabel 1 km südostwärts Agny richtete sich die 7.Panzerdivision in den Abendstunden zur Verteidigung ein, nachdem ein mit starken Panzern über die Scarpe auf Lécluse vorgetragener Feindangriff abgefangen und von der verstärkten Aufklärungsabteilung 37 abgewehrt worden war. Die der Gruppe Hoth unterstellte SS. Totenkopfdivision hatte bis 18 Uhr die Gegend südwestlich und ostwärts Cambrai erreicht. Diese Division und die 7.Panzerdivision wurden im Laufe des Tages dem XXXIX.A.K.unterstellt, das vorübergehend bei Bouchain nordostwärts Cambrai einen Brückenkopf gebildet hatte, der aber in den Abendstunden infolge eines starken feindlichen Panzerkampfwagenangriffs wieder geräumt werden musste. Das XVI.A.K. hatte einen schweren Kampf mit dem neuerdings von Norden in den Wald von Mormal eingedrungenen französischen V.A.K. zu bestehen gehabt. Das französische Heer hatte in den 10 Tagen Westfeldzug unerwartet harte Schläge einstecken müssen. Der Angriffsgeist der deutschen Divisionen hatte den französischen Kriegs- und Verteidigungsplan des Generals Gamelin vollkommen über den Haufen geworfen. Das Vertrauen der französischen Staatsführung, der Politiker, des Volkes und der Militärs in den Oberbefehlshaber der französischen Truppen war erschüttert. In dieser kritischen Zeit trat an der Spitze des französischen Heeres ein Personenwechsel ein, dem eine Bedeutung nicht abzusprechen war. Nachdem schon Daladier vor mehreren Wochen auf englischen Wunsch als Ministerpräsident gestürzt worden war, musste nun auch sein bisheriger Vertreter, der ihm blind ergebene „philosophische“ General Gamelin, der vor lauter Überlegungen und vor Zweifeln Bedenken sich zu keiner klaren Entscheidung hatte aufraffen können, den gleichen Weg gehen. An seine Stelle trat ein Mann, der nicht nur das Vertrauen des französischen Volkes und des Staatspräsidenten Lebrun, sondern vor allem des des neuen Ministerpräsidenten Reynaud und das seines Amtsbruders in England, Winston Churchill, besass: General Weygand. Dunkel wie seine Abstammung – er soll der uneheliche Sohn des Kaisers Maximilian von Mexiko mit einer Saarländerin gewesen sein – waren seine Pläne. Weygand war dem deutschen Generalstab und der deutschen Führung kein Unbekannter. Als General Foch im Weltkriege auf Weygand aufmerksam geworden war, stieg Weygand in kürzester Zeit zum Chef des Stabes des französischen Heeres empor. Im Jahre 1935 wegen Überschreitens der Altersgrenze in den Ruhestand versetzt, übernahm er jetzt nun die höchste Befehlsgewalt, die die französische Nation zu vergeben hatte. Er wurde Oberstkommandierender des gesamten französischen Heeres, wie es einst sein Meister Foch gewesen war. General Weygand war durch seinen Deutschenhass bekannt, den er während der Friedensverhandlungen in Versailles als Mitarbeiter des Marschalls Foch und später während der Besatzungszeit im Rheinland mehrfach unter Beweis gestellt hatte. 1922 hatte er hervorragenden Anteil an der Rettung Polens vor der bolschewistischen Überflutung gehabt. Später war er Befehlshaber im Orient gewesen. 1939 war es seiner Tätigkeit zuzuschreiben, dass die Türkei mit England und Frankreich ein Bündnis abschloss. General Weygand stand bis zu seiner Berufung in die jetzige Stellung als Oberbefehlshaber der Alliiertentruppen in Syrien, bereit von hier aus über die Türkei oder über den Balkan die Kriegsfackel in den unruhigen und unbefriedigten Südosten Europas zu werfen. Ehe er zur Verwirklichung seiner weitgesteckten Pläne im Orient kam, war General Weygand nun berufen worden, eine weitaus wichtigere und auch schwierigere und vordringlichere Aufgabe zu lösen: den deutschen Vormarsch in Nordfrankreich zum Stehen zu bringen und Frankreich vor dem Zusammenbruch zu retten. Ob General Weygand in dem biblischen Alter von 74 Jahren der ihm übertragenen verantwortungsvollen Aufgabe gewachsen war, mussten die nächsten Tage und Wochen entscheiden. Verluste des Schütz.Rgts. 6: tot 1 Uffz., 3 Mann, verwundet 6 Uffz. und 13 Mann. |
| 21.5.1940 | Nachlaß Ortlepp. Kav.Schtz.Rgt.6.2) Nach den Weisungen der 4.Armee sollte die Gruppe Hoth am 21.Mai die überholende Verfolgung fortsetzen und mit vorgestaffeltem linken Flügel bis zur Kanalküste vorstossen. Die Gruppe Kleist hatte bereits die Strasse Doullens – Amiens überschritten und bei Amiens auf dem Südufer der Somme einen Brückenkopf gebildet. Auf Grund des Feindbildes vom Abend des 20.Mai war sich General Hoth jedoch darüber klar geworden, dass es sich bei dem weiteren Vorgehen der Gruppe vorerst nicht um eine „überholende Verfolgung“ sondern nur um eine Umfassung der feindlichen Verteidigungslinie beiderseits Arras handeln konnte und dass der Hauptangriff wegen der beherrschenden Höhen nördlich Arras nicht über Douai, sondern westlich Arras unter Ausholen über St.Pol geführt werden musste. Voraussetzung für das Gelingen war, dass möglichst starke eigene Kräfte (XXXXI.A.K.) südlich Arras herum mit linkem Flügel auf St.Pol geführt wurden und diesen Flügel weitere starke Kräfte zur etwaigen Seitenabschirmung nach Nordwesten folgen. Die Absicht, das XVII.A.K. über den Delle – Abschnitt auf Douai – Arras vorgehen zu lassen, musste vorerst fallen gelassen werden. Auch das vom Oberkommando der 4.Armee geforderte Vorstossen des XV.A.K. trug Gefahren in sich, solange noch starke Kräfte des Feindes bei Arras standen und sich anschickten, nach Südwesten durchzubrechen. General Hoth trat deshalb für eine starke Zusammenfassung seiner Kräfte westlich Arras ein und erhielt die Zustimmung der Armee, auch das XVI.A.K. auf Arras heranzuziehen, so dass er dort die Masse seiner Gruppe vereinigen konnte. Der Grossteil des dem rechten Flügel der Gruppe Hoth gegenüberstehenden französischen V.Korps war am 19. und 20.Mai über Valenciennes nach Westen ausgewichen. Im Walde von Mormal hielt es aber noch Teile der 5.nordafrikanischen Division. Demzufolge waren an die unterstellten Kommandobehörden der Gruppe Hoth u.a. folgende Weisungen ergangen. Das XXXX.A.K. hatte südlich Arras ausholend mit rückwärtsgestaffeltem linken Flügel die Gegend Marest – Anvin – nördlich und nordwestlich St.Pol zu erreichen und sich dort so bereitzustellen, dass das Korps sowohl nach Norden wie nach Nordwesten zum Ärmelkanal vorstossen konnte. Das XVI.A.K. sollte nach Bereinigung der Lage im Wald von Mormal gegen die Linie Etrun – Cambrai vorgehen und die dortigen Kanalübergänge gewinnen. Die im Verband des XXXIX.A.K. eingesetzte 7.Panzerdivision sollte am frühen Morgen des 21.Mai mit der SS.Totenkopfdivision an Arras vorbei und unter Abschirmung der Ostfront dieser Stadt das Vorgehen nach Nordwesten fortsetzen. Von Bedeutung war es, dass die Aufklärungsabteilung der 7.Panzerdivision schon am Vorabend nordwestlich Arras das Dorf Acq an der Scarpe erreicht und hier einen mit Panzern geführten feindlichen Angriff abgeschlagen hatte. Die Voraussetzungen für das Gelingen der übertragenen Aufgaben schienen also gegeben zu sein. Aber das Schicksal wollte es anders. Mit dem 21.Mai brach für das Schütz.Rgt.6 ein überaus ereignisreicher Tag an. Das Regiment stand am Morgen südostwärts und ostwärts Arras in einer Verteidigungsstellung mit Front nach Norden und Nordosten. Sie begann bei Dury mit dem rechten Flügel (II.Bataillon) und endete links bei Monchy (I.Bataillon). Das I.Bataillon hatte die Nacht in Granattrichtern aus dem Weltkrieg auf den Höhen westlich Monchy verbracht. Nach einer gegen 8 Uhr von der Division eintreffenden Orientierung war damit zu rechnen, dass das Schütz.Rgt.6 den ganzen Tag in dieser Sicherungsstellung verbleiben würde. Es sollte aber alles ganz anders kommen, wie man sich gedacht hatte. Der Vormittag verlief bei den Bataillonen in den bisherigen Stellungen ostwärts und südostwärts Arras ohne nennenswerte Ereignisse. Ein kampfkräftiger Offiziersspähtrupp der 7.Kompanie fand Etaing noch feindbesetzt. Der Gefreite Schenker und der Oberschütze Günther zeichneten sich bei dem Unternehmen durch umsichtiges und mutiges Verhalten besonders aus, hielten den nachdrängenden Feind durch Gewehrfeuer auf und ermöglichten so die Rücknahme des eigenen Spähtrupps in einen deckenden Wald. Noch um 9 Uhr hatte Oberstlt. Junck bei einer Besprechung auf dem Gefechtsstand des I.Bataillons befohlen, die Stellungen auszubauen da das Regiment voraussichtlich längere Zeit in dieser Stellung liegen würde. Aber schon kurz nach 10 Uhr erhielt der Regimentsführer Oberstlt.Junck auf seinem Gefechtsstand am Nordrande des Dorfes Vis en Artois durch Funk Befehl, sich ab 11 Uhr abmarschbereit zu halten, um mit dem gesamten Schütz.Rgt.6 hinter dem Panzerregiment 25 den Vormarsch in westlicher Richtung in der Marschfolge Schütz.Rgt.6 vor Schütz.Rgt.7 fortsetzen zu können. Der Vorstoss sollte unter südlicher Umgehung von Arras in nördlicher Richtung vor sich gehen. Sofort erliess der Regimentsstab die notwendigen Befehle. Kurz vor der Mittagsstunde stand das gesamte Regiment fahrbereit nördlich der grossen französischen Nationalstrasse Mézières – Arras. Betrachten wir nun die Ereignisse bei den einzelnen Bataillonen. Das II.Bataillon trat um 11,30 Uhr entfaltet den Marsch auf Fahrzeugen aus dem Raum um Remy in der Reihenfolge 6., 5., 8. und 7.Kompanie an, um über Haucourt, Vis en Artois – hier befand sich ein sehr grosser englischer Soldatenfriedhof aus dem Weltkrieg – Guémappe, Wancourt zunächst im Raum südostwärts Tilloy an das I.Bataillon aufzuschliessen. Das Regiment war durch zwei Züge der Panzerjäg.Abt.42 und der 3./Flak 86 verstärkt worden. Auch das links vom Schütz.Rgt.6 eingesetzte Schwesterregiment 7 sammelte sich zur Fortsetzung des Vormarsches. Gegen 13 Uhr begann der eigentliche Marsch. Das I.Bataillon führte. Mit der 2.Kompanie als Spitze und der dahinter folgenden schweren 4.Kompanie ging es 3 km ostwärts Tilloy von der Hauptchaussee in südwestlicher Richtung, um im entfaltenen Vorgehen im aufgesessenen Gelände erfasst unter Ausnutzung der noch von den Engländern und Franzosen besetzten Stadt Arras im Süden über Neuville, Agny und Warlus in eine Linie etwa 8 km westlich Arras einzuschwenken. Genaue Nachrichten über die Lage und die Stellungen des Gegners lagen beim Schütz.Rgt.6 noch nicht vor. Doch sollte nach neueren Meldungen Arras feindfrei bzw. von eigenen Truppen besetzt sein. Diese Meldungen waren unglaubwürdig und es sollte sich schon nach wenigen Stunden zeigen, dass sie tatsächlich völlig unrichtig waren. Es befand sich zu dieser Zeit kein einziger deutscher Soldat in Arras. Im Gegenteil. Der Engländer hatte in der Stadt starke Kräfte, vor allem auch Panzerkampfwagen, zusammengeballt. Verbindung zu dem weiter vorn befindlichen eigenen Panzerregiment 25 wurde vom I.Bataillon mehrfach gesucht, jedoch nicht gefunden, so dass Oberstlt.Junck noch um 14 Uhr über den Aufenthalt der eigenen Panzer, hinter denen er herfahren sollte, nicht unterrichtet war. Während des Umgehungsmarsches südlich Arras erhielt die an der Spitze des I.Bataillons fahrende 2.Kompanie plötzlich aus nördlicher Richtung zunächst schwaches Pak- und Infanteriegeschützfeuer. Da bei der notwendig werdenden Entfaltung grosse Zwischenräume eingenommen worden waren, traten Verluste auch vorerst nicht ein. Der Beschuss aus der Nordflanke wurde auch keine allzu grosse Bedeutung beigemessen und dies lediglich als Bestätigung aufgefasst, dass Arras noch vom Feinde besetzt war. Die Dörfer Agny und Warlus wurden ohne weitere Hemmnisse erreicht. Ohne Aufenthalt wurde die Fahrt in Anlehnung an die Bahnlinie Achicourt – Étrun in nördlicher Richtung fortgesetzt. Als aber die Spitze des I.Bataillons die Strasse Arras – Beaumetz überschritten und die Höhen 1 km nördlich der Strasse erreicht hatte, wurde die 2.Kompanie ganz überraschend auf allerkürzeste Entfernung von einigen getarnt in Lauerstellung in einem Hohlweg westlich Dainville aufgefahrenen englischen Panzerkampfwagen angeschossen. Die Schützen der Spitzenkompanie (2.Kompanie) sprangen sofort von den Fahrzeugen und nahmen sofort den Kampf gegen die schweren Feindpanzer auf. Das bei der Spitze eingesetzte Panzerabwehrgeschütz unter Uffz.Buchmann wurde, noch ehe es gegen die Panzer wirken konnte, zusammengeschossen und der Geschützführer schwer verwundet. Die 2.Kompanie war in eine Falle geraten und konnte sich insbesondere gegen die Panzer, die den Hohlweg auf und ab fuhren, in dem offenen Gelände nicht erwehren. Die Beschiessung des Panzers durch einige beherzte Schützen aus Gewehren und Maschinengewehren mit Sondermunition blieb wirkungslos. Der Spitzengruppenführer, Feldwebel Köhler, und mit ihm der grösste Teil seiner Leute, fiel den Maschinengewehren des Feindpanzers zum Opfer. Hauptmann Schleifer, Ob.Lt.Schröter, Lt.Ellinger und einige Schützen fanden anfangs hinter den Fahrzeugen der Spitzenkompanie einigermassen Deckung. Der Gegner hatte indessen bald Verstärkungen, insbesondere an Infanterie, herangezogen und nahm die stehen gebliebenen Fahrzeuge der 2.Kompanie unter systematisches Feuer. Weitere Teile des I.Bataillons wurden zersprengt, um so mehr infolge des Ausfalls mehrerer Offiziere und des Zerreissens der Verbindung in lauter kleine Gruppen und Grüppchen die einheitliche Führung bald verloren ging. Hauptmann Schleifer und Oberleutnant Schröter erlitten bei der Beschiessung des Fahrzeuges, hinter dem sie Schutz gesucht hatten, durch Feindbeschuss den Heldentod. Der Bataillonskommandeur, Major von Paris, wurde zuletzt bei den Panzerabwehrgeschützen der 4.Kompanie gesichtet. Dann ging jede Spur von ihm verloren. Sein Befehlswagen war schon vorher vom Gegner in Brand geschossen worden. Was war eigentlich geschehen? Starke englische Truppen hatten sich im Süd- und Südwestteil von Arras versammelt. Von hier aus waren zahlreiche englische Panzerkampfwagen in die Flanke der Schützen und der Artillerie der 7. anzerdivision gestossen in der Absicht, von Arras nach Süden bzw. Südwesten durchzubrechen und sich mit der Hauptmacht der französischen Armee südlich der Somme zu vereinigen. Den südlich und südwestlich Arras stehenden Teilen der 7.Panzerdivision waren durch den unerwarteten Flankenstoss der Panzer schwere Verluste zugefügt. Ein Gegenstoss der eigenen Panzer war undurchführbar, weil diese nicht benachrichtigt werden konnten. Sie standen zudem schon erheblich weiter nordwestlich Arras und hatten von der Krise, die sich unmittelbar südlich der Stadt bei der 7.Panzerdivision entwickelt hatte, keine Kenntnis. Aber den südlich Arras stehenden Truppen der 7. anzerdivision war es in heldenhaftem Standhalten gelungen zu verhindern, dass stärkere feindliche Infanteriemassen dem englischen Panzervorstoss folgen konnten, so dass dieser im Endergebnis stecken blieb und ernsthafte Auswirkungen für die Gesamtoperationen nicht heraufbeschwor. Indessen hatte sich der Kampf südlich Arras durch den Einsatz weiterer englischer Panzerkampfwagen noch mehr verschärft. Mit grosser Mühe gelang es den Resten der 2.Kompanie schliesslich doch, sich dem vernichtenden Feuer der englischen Panzer zu entziehen und in südlicher Richtung auszuweichen. Die kläglichen Überbleibsel der 2.Kompanie sammelten sich alsdann unter der Führung von Stabsfeldwebel Behning westlich der Chaussee Arras – Beaumetz – Doullens in zwei kleinen Waldstücken etwa 1 km ostwärts Berneville und bezogen hier im Abschnitt des am linken Flügel der 7.Panzerdivision eingesetzten Schütz.Rgts.7 eine Verteidigungsstellung. Da auch der Bataillonsstab des I./Schütz.Rgts.6 vollkommen auseinandergerissen worden war und der Bataillonskommandeur selbst vermisst wurde, liess die Abwehr der englischen Panzer die einheitliche Leitung vermissen. Zum Unglück hatten sich in der gleichen Zeit, als die 2.Kompanie in die englische Falle geraten war, auch bei den anderen Teilen des Bataillons in Abwehr eines wuchtig geführten englisch – französischen Panzerangriffs aus nördlicher Richtung erbitterte Kämpfe entwickelt. Der Reststab des I.Bataillons war zudem auch ohne Verbindung mit seinen Kompanien und den übrigen Teilen des Regiments. Die Nachrichtenmittel versagten. Die 4.schwere Kompanie war hinter der 2.Kompanie hergefahren und hatte gleichfalls unerwartet aus Agny, das die an der Spitze des Bataillons fahrende 2.Kompanie schon passiert hatte, Maschinengewehrfeuer gegen die rechte Flanke erhalten. In der Annahme, dass es sich nur um einige versprengte feindliche M.G.-Gruppen handelte, entfaltete sich die 4.Kompanie nach links und setzte über die Bahnlinie den Vormarsch unbekümmert des feindlichen Feuers fort, bis plötzlich der Ruf „Feindliche Panzer“ über das Feld gellte. Zugleich kamen schon Teile der 2.Kompanie zurück. Nach einer vorübergehenden Verwirrung sammelte der Kompanieführer die auseinandergesprengte 4.Kompanie in einer Bodenwelle jenseits des Bahndammes und gliederte sie hier zur Abwehr. Als dann die englischen Panzer gegen die dünne Schützenlinie vorfuhren und überrannten, zogen sich die Reste der 4.Kompanie in Richtung auf ein etwa 1 km weiter rückwärts gelegenes kleines Waldstück zurück. Von den beiden Kav.Geschützen und dem schweren M.G.-Zug der 4.Kompanie war ebenso wie von den hinter der 4.Kompanie folgenden zwei Schützenkompanien des II.Bataillons nichts mehr zu sehen. Im Schützenfeuer der englischen Panzer ging es im beschleunigten Tempo auf das erwähnte Waldstück zurück. Hier, am rechten Flügel des Schütz.Rgts.7, fanden sich unter der Führung von Hauptmann Georgi die Reste der 4.Kompanie zusammen. Auch der s.M.G.-Zug der Kompanie fand hierher den Weg. Generalmajor Rommel stand mit seinem Stab unmittelbar hinter der neuen Sicherungsstellung der 4.Kompanie in einem Hohlweg und schickte alles, was er an Truppen auf dem Schlachtfeld zusammenraffen konnte, zur Bildung einer Widerstandslinie nach vorn. Geschütze der Artillerie gingen dahinter in Stellung und nahmen im direkten Beschuss die englischen Panzerkampfwagen auf dem Gefechtsfeld unter Feuer. Ein schwerer englischer Tank erhielt auf den Turm einen Volltreffer und platzte auseinander. Die den Panzern folgende Feindinfanterie blieb im freien Feld liegen und folgte nicht weiter südlich. Der feindliche Durchbruchsversuch war zunächst aufgehalten worden. Indessen rauschten in den Abendstunden die vom Stab der 7.Panzerdivision angeforderten deutschen Stukas heran und räumten unter den im Vorfeld kämpfenden Panzern gründlich auf. Die 4.Kompanie, die in mehrere Teile auseinandergesprengt war, hatte bei den Kämpfen südwestlich und südlich Arras bei dem Dorfe Agny Verluste an Menschen und vor allem auch an Material erlitten. Ein Kavalleriegeschütz (Infanteriegeschütz) das bei Beginn des Kampfes an einem Strohhügel zur Panzerbekämpfung in Stellung gegangen war, hatte der Feind mit der gesamten Bedienung zusammengeschossen. Den Spitzenpanzerabwehrgeschützen der Kompanie war es nicht besser ergangen. Von Pak – Zug kamen zunächst nur einzelne Verwundete zur Kompanie zurück. Die 3.Kompanie wurde unmittelbar nach Beginn des Kampfes im Dorfe Agny von feindlichen Panzern aus der Nordflanke aus der Gegend der Zitadelle von Arras angefallen und musste in Häusern und Kellern des Ortes Deckung nehmen. Der Engländer stiess mit schweren Panzerwagen und Infanterie kraftvoll durch den Ort durch und räumte mit Maschinengewehren, Handgranaten und Nahkampfmitteln im Dorfe Agny auf. Teile der 3.Kompanie in Stärke eines Zuges wurden von den Engländern aus den Kellern der Dorfhäuser gehoben und mitsamt ihres Führers, Oberfeldwebel Dietrich, von den Engländern gefangen abgeführt. Kleine Reste der 3.Kompanie konnten sich in Agny in einzelnen Häusern behaupten, trotzdem die englischen Panzer bis tief in die Nacht hinein durch das Dorf fuhren und die wenigen noch übrig gebliebenen Widerstandsnester der Schützen unter Feuer nahmen. Die 1.Kompanie war südlich Agny in dem vollkommen deckungslosen, ebenen Gelände von den über Agny weiter vorbrechenden schweren Feindpanzern überrascht worden. Die Schützen der Kompanie sprangen von den Fahrzeugen, setzten sich energisch zur Wehr und richteten sich am Bahnwärterhaus an der von Arras nach Bapaume führenden Eisenbahnlinie zur Verteidigung ein. Glücklicherweise gelang es hier, die Fahrzeuge rechtzeitig der Schusswirkung der Panzer zu entziehen und einigermaßen unbeschädigt zurückzuführen. Die zugeteilte Panzerabwehrkanone bekämpfte wirkungslos die feindlichen fahrbaren Festungen. Die Pak–Granaten waren zu schwach, um die schwere Panzerung der Tanks zu durchschlagen. Immer näher rollten die stählernen Kolosse des Feindes heran. Aus allen Rohren der Panzer blitzten die todbringenden Salven. Der Engländer versuchte von rechts und links die 1.Kompanie mit Infanterie zu umzingeln und fuhr zugleich mit den Panzerkampfwagen bis auf 10 Meter an die Schützennester der Kompanie heran. Die leichten Maschinengewehre der 1.Kompanie hielten in den dichten Reihen der englischen Infanterie reiche Ernte. Unaufhörlich tackten die Maschinengewehre und suchten den Tod. Da griffen die unheimlichen Kästen des Feindes abermals in den Kampf ein. Die Munition war erschöpft. Viele Unterführer und Schützen waren gefallen. Auch war der Rückzugsweg durch die englischen Truppen abgeschnitten. So wurde schliesslich der 1.Zug der 1.Kompanie am Bahnwärterhaus von der hinter den Panzern nachstossenden englischen Infanterie umstellt und nach vergeblicher Gegenwehr von den Engländern gefangen genommen. Nur schwächere Kräfte der 1.Kompanie entgingen der Vernichtung. 10 Tote und 16 Verwundete der Kompanie bedeckten das Kampffeld südlich Agny, weitere 53 Mann wurden vermisst oder waren in englische Gefangenschaft gefallen. Ein Teil der in englische Hand gefallenen Schützen der 1.Kompanie hatte gerade noch Zeit, die Maschinengewehrschlösser und wichtige Papiere zu vernichten. Dann begann der Leidensweg der Gefangenschaft. Die Engländer zeigten sich den Gefangenen gegenüber keineswegs als „Gentlemen“. Die Taschen der Feldblusen der Schützen wurden nach Uhren und Wertsachen durchsucht, Schulterklappen und Tressen als „souvenirs“ von den Uniformen der Deutschen gerissen. Wie Angehörige der Kompanie, die damals vorübergehend in englische Gefangenschaft gefallen waren, später berichteten, wurden die Gefangenen wie eine Herde zusammengetrieben, nach Achicourt geführt und von dort auf Lastkraftwagen weiter nach Arras abbefördert. Nur die Verwundeten blieben in Achicourt zurück, fanden aber keinerlei ärztliche Pflege und wurden in einem heruntergekommenen Gasthof zusammengepfercht. Bei einer gegen Mitternacht sich entspinnenden Schiesserei gelang es einigen der Leichtverwundeten aus Achicourt zu entfliehen und sich bis in das sumpfige Gelände vor der Zitadelle von Arras durchzuschlagen. In alten Granattrichtern und halbzerfallenen Stellungen aus dem Weltkrieg hielten sie sich ohne Essen und Trinken bis zum 24.Mai versteckt und schlugen sich dann zu einem auf Arras angesetzten Spähtrupp des deutschen M.G.-Bataillons 8 durch. Der Engländer hatte am Nachmittag des 21.Mai südlich und südwestlich Arras unzweifelhaft einen grossen Erfolg erzielt. Er hatte das I.Bataillon des Schütz.Rgts.6 vollständig auseinander gesprengt und zum Teil vernichtet oder gefangen genommen. Nur einzelne schwache Widerstandsgruppen unter tatkräftigen und energischen Unterführern kämpften völlig ohne Verbindung mit den übrigen Teilen der Division und auf sich allein gestellt verzweifelt gegen die feindliche Übermacht. Reserven standen den Bataillonen nicht mehr zur Verfügung. Auf fremde Hilfe konnte vorerst nicht gerechnet werden. Der Regimentsführer, Oberstlt.Junck, hatte kurz nach Beginn des Kampfes mit der 1.Staffel des Regimentsstabes das Waldstück auf Höhe 105,2 km südlich des Bahnhofs Dainville, erreicht, wo sich auch eine Beobachtungsstelle der I./Art.Rgt.78 befand. Dem Gegner gelang es in kurzer Zeit, diesen Wald vollständig durch Panzerkampfwagen zu umstellen, so dass der Regimentsstab von allen Verbindungen abgeschnitten und auf sich allein gestellt war. Mit Hilfe des Artilleriebeobachters konnten aber die feindlichen Panzer in und um Dainville erfolgreich bekämpft werden. Zum Angriff auf Höhe 107 nördlich Dainville bereitgestellte englische Infanterie wurde durch gutliegendes Artilleriefeuer zersprengt. Zwei vor dem Walde, in dem sich der Regimentsführer befand, in Stellung gegangene Kavalleriegeschütze des I.Bataillons waren gleich zu Beginn des Kampfes vor den Augen von Oberstlt.Junck in kürzester Frist zusammengeschossen worden. Glücklicherweise war es dem Regimentsführer wenigstens noch gelungen, das II.Bataillon durch Funkspruch von der Auftauchung starker englischer Panzerverbände im Raum südlich Arras in Kenntnis zu setzen und ihm Befehl zum Angriff rechts vom I.Bataillon gegen Achicourt zu übermitteln. Später setzten die Funkverbindungen ganz aus. Das II.Bataillon hatte dem verzweifelten Kampf des Schwesterbataillons nicht tatenlos zugesehen. Als es auf der Fahrt querfeldein etwa 1 km südostwärts Agny ankam, war lebhafter Gefechtslärm hörbar. Durch zurückfahrende Gefechtsfahrzeuge des I.Bataillons erhielt das Bataillon nähere Kunde von dem feindlichen Panzerüberfall aus der Flanke von Arras. Oberstlt.Kiessling liess das Bataillon sofort halten und bereitete sich zur Abwehr vor. Im gleichen Augenblick erhielt er durch Funk vom Regimentsführer den Befehl, den Südteil des zwischen Arras und Agny liegenden Dorfes Achicourt anzugreifen. Oberstlt.Kiessling übertrug diesen Auftrag der 6.Kompanie, die aus der Bewegung heraus zum Angriff auf Achicourt ansetzte. Die ebenfalls weiter nach vorn gezogene 5.Kompanie kam nicht mehr zum Einsatz. Die schweren Waffen des Bataillons, insbesondere die 3 Pak- und 2 Kav.Geschütz-Züge sowie die dem Bataillon unterstellten Flakgeschütze wurden sofort vorgezogen und an der Strasse nach Arras bei der Strassengabel 1 km südostwärts Agny in Stellung gebracht. Als die 6.Kompanie, die unmittelbar hinter dem Stab des II.Bataillons folgte, der bald darauf von englischen Panzerkampfwagen aus der Flanke angeschossen wurde, etwa 200 m von den ersten Häusern des Dorfes Agny entfernt war, sollte der Kompanie der englische Panzerkampfwagenangriff aus dem Süd- und Nordteil von Agny entgegen. Die Kompanie konnte zwar noch den Südostteil von Agny erreichen, musste hier aber, um dem Feuer der Panzer zu entgehen, schnell in den Häusern Zuflucht suchen. Die Engländer durchsuchten die Häuser des Dorfes, warfen in die Keller, in denen sie deutsche Soldaten vermuteten, Handgranaten und setzten einzelne Häuser in Brand. Ein Teil der 6.Kompanie wurde gefangen genommen, ein Teil vollständig zersprengt. Der Rest der Kompanie verbarg sich, bis der Feind in den Abendstunden auf Arras zurückging, in den Häusern von Agny und verbrachte dort die Nacht. Indessen war auch der Regimentsstab in den Strudel des Kampfes gezogen worden. Als schon der Grossteil der Fahrzeuge des I.Bataillons an den Feind verloren gegangen war und die englischen Panzer weiter südwärts rollten, liess der Regimentsführer, der in dem bereits erwähnten Waldstück südlich Dainville sich niedergelassen hatte, die Panzer vorbeistossen. Da an dieser Stelle den Panzern glücklicherweise keine englische Infanterie folgte, blieb dem Regimentskommandeur das Schicksal, in englische Gefangenschaft zu fallen, erspart, trotzdem die Engländer seitlich weit über das Waldstück hinaus nach Süden vorgestossen waren. Auch die übrigen Teile des II.Bataillons gerieten kurz nach dem Vorrücken der 6.Kompanie in den englischen Panzervorstoss, so dass sie ihr folgende 5.Kompanie keine Zeit mehr für einen planmässigen Einsatz hatte. Die Kompanie zog sich nach dem Absetzen in den Schutz der Häuser zurück. Hierdurch wurde die Kompanie, ohne dass sie selbst ins Gefecht kam, vollständig auseinander gerissen und verlor ohne Kampf 2 Verwundete und 6 Vermisste. Der erste Ansturm der fahrenden englischen Festungen wurde durch Pak-, Flak- und Geschützfeuer des II.Bataillons abgeschlagen. Später griff Artillerie und 8,8 cm Flak erfolgreich in den Kampf ein. Aber die englischen Panzer sammelten sich im Schutze künstlichen Nebels in einer nach Norden führenden Mulde und brachen wenige Minuten später erneut gegen das II.Bataillon vor. Dieser Flankenangriff des Gegners führte mitten in die noch im Aufmarsch begriffenen Kompanien des II.Bataillons hinein. Wohl gelang es der Pak, der Flak und den Kav.Geschützen des Bataillons mehrere der Feindpanzer kampfunfähig zu schiessen und ausser Gefecht zu setzen. Der Angriff selbst konnte aber nicht abgeschlagen werden, da immer neue Panzer aus dem Nebel auftauchten. Trotz aller Gegenwehr und trotz des tapferen Ausharrens der schweren Waffen des Bataillons gelang es dem Gegner, die Abwehrfront des Bataillons fast vollständig zu zerschlagen, in die dünne Verteidigungslinie einzubrechen und die gesamte Front des II.Bataillons zum Einsturz zu bringen. Da der Grossteil der schweren Waffen der 8.Kompanie zusammengeschossen oder von den Panzern überfahren wurde, andere Waffen wegen Munitionsmangel ausfielen, gelang dem Gegner hier ebenso wie beim I.Bataillon der örtlich begrenzte Einbruch. Ohne die schweren Waffen waren die Schützenkompanien gegen die Feindpanzer wehrlos. In Unordnung zogen sich die Reste der Schützen des Bataillons im Feuer der englischen Panzerkampfwagen unter empfindlichen Verlusten in südöstlicher Richtung zurück. Erst im Dorfe Mercatel an der Nationalstrasse Bethune - Arras - Château Thierry fanden die durcheinander geratenen und meistens führerlosen Verbände des II.Bataillons einen Rückhalt. Hier waren frische Einheiten der SS.Totenkopf-Division in den Kampf geworfen worden und hatten ausgeschwärmt, eine Aufnahmestellung bezogen. Zugleich ging deutsche Feldartillerie in offene Feuerstellung und nahm die wirksame Bekämpfung der englischen Panzer und der hinter ihnen folgenden englischen Infanterie auf. Der Feindangriff kam nun endgültig zum Stehen. Die feindliche Infanterie hatte im deutschen Abwehrfeuer grosse Verluste erlitten. Ein Teil der englischen Panzer wurde zusammengeschossen und blieb bewegungsunfähig auf dem Schlachtfeld zwischen Arras - Agny - Mercatel - Beaurains liegen. Ein Teil der 6.Kompanie hatte sich, als die Panzer bei Agny durchgebrochen waren und die Kompanie zersprengt hatten, nach Norden auf Achicourt gewandt in der Absicht, sich dort zu sammeln und dann zu den deutschen Linien durchzuschlagen. Dieser kühne Plan misslang. In Achicourt wurden die Schützen von weit überlegener englischer Infanterie eingeschlossen und nach kurzem Kampf von den Engländern gefangen genommen. Einen Teil der in Gefangenschaft gefallenen Schützen der 6.Kompanie gelang es aber bereits in der nachfolgenden Nacht, den Engländern zu entwischen und sich zu den deutschen Truppen durchzuschlagen. Dies Unternehmen war dadurch wesentlich erleichtert worden, dass die Engländer durch die militärische Lage in Nordfrankreich und Westbelgien grosse Sorgen hatten und die Überwachung der Gefangenen vernachlässigten. Die 8.Kompanie hatte mit dem bei der 6.Kompanie marschierenden Spitzenpanzerabwehrgeschütz unter Uffz.Zerries zuerst das Feuer gegen die englischen Panzer aufgenommen gehabt. Auch die anderen Panzerabwehrkanonen waren schnell zur Stelle und griffen gegen 16,30 Uhr unter Führung des Zugführers die schweren Feindpanzer an. Trotz des Ausharrens im schweren Abwehrfeuer der feindlichen Panzer und trotz der einwandfrei erzielten mehrfachen Treffer konnte die Pak-Waffe den englischen Stahlungetümen nicht Herr werden. Dem Oberschützen Gabrian gelang es, den ersten englischen Panzer durch einen Schuss in den Motor zur Strecke zu bringen. Der Oberschütze selbst fand kurz darauf den Heldentod. Auch die 4 Kav. Geschütze und einige s.M.G. der Kompanie waren vorgezogen und zur Panzerbekämpfung eingesetzt worden. Es glückte ihnen aber nur, den englischen Panzerangriff vorübergehend zum Stehen zu bringen. Die schweren englischen Kampfwagen nebelten sich ein, griffen dann nach kurzer Zeit erneut an und brachen in die Stellungen der schweren Waffen der 8.Kompanie ein. Alles was keine Deckung fand, wurde von den umherfahrenden Feindpanzern niedergeschossen oder überfahren. Trotzdem gelang es Feldwebel Bergmann und der Pak und dem Gefr.Zausch mit dem Kav.-Geschütz unmittelbar nördlich Agny je einen feindlichen Panzerkampfwagen kampfunfähig zu schiessen. Aber die feindliche Übermacht war zu gross. Die den Panzern folgende englische Infanterie drang bis an die Geschütze und M.G.-Stellungen der Kompanie vor, schoss einen Teil der Bedienungen nieder und führte die Mannschaften, die sich nicht rechtzeitig in Sicherheit hatten bringen können, in die Gefangenschaft ab. Die Reste der 8.Kompanie schlossen sich den Schützen unter Führung des Leutnants Insinger an und sammelten sich nördlich Mercatel. Aus dem Panzergefecht von Agny konnte die 8.Kompanie nur 4 s.M.G., 1 Pak und 1 Kav.Geschütz retten. Grosse Teile der Kompanie mit dem Kompanieführer waren in englische Gefangenschaft gefallen oder wurden vermisst. Bei dem englischen Panzerangriff, der von 15 - 19 Uhr ununterbrochen währte, handelte es sich um einen verzweifelten Durchbruchsversuch und Entlastungsvorstoss der nordwärts der Linie Arras-St.Pol stehenden starken französischen und englischen Kräfte, die durch den kühnen Vorstoss deutscher Panzerverbände bis zur unteren Somme und der Flussmündung bei Abbeville vom Gros der französischen Streitkräfte südlich der Somme abgeschnitten waren. Die noch in Belgien und an der Nordgrenze Frankreichs stehenden eingeschlossenen Feindarmeen suchten mit allen Mitteln den dünnen deutschen Abschliessungsring zu durchbrechen und Verbindung mit den weiter südlich stehenden Hauptkräften aufzunehmen. Der 1.Versuch war bei Arras durch den Widerstand der 7.Panzerdivision gescheitert, wenn auch unter überaus schweren Opfern des Schütz. Rgts.6 und der übrigen Teile der Division. Trotz der tapferen und bis zum letzten Einsatz durchgeführten Abwehr des II.Bataillons einschliesslich der schweren Waffen der 8.Kompanie und der Pak des zugeteilten Zuges der Panz.Jäg.Abt.42 gelang es erst nach Eingreifen der Artillerie und der 3./Flak 86 den feindlichen Vorstoss zwischen Wailly und Mercatel endgültig zum Stehen zu bringen. Erst gegen 19 Uhr konnte Oberstlt.Junck wieder Verbindung zum Divisionsstab bekommen und über die Vorfälle des Nachmittags berichten. Generalmajor Rommel hatte die schweren Kämpfe gegen die englischen Panzer jedoch unmittelbar hinter dem I.Bataillon des Schütz.Rgts.6 selbst miterlebt und rechtzeitig die notwendigen Massnahmen eingeleitet. Auf seine Anforderung griffen nun nach 19 Uhr stärkere deutsche Stukaverbände in den Kampf südlich und südwestlich Arras ein. In mehreren aufeinanderfolgenden Anflügen wurden bereitgestellte Panzer des Feindes zerschlagen und damit war die Angriffsstärke des Gegners weiterhin erheblich geschwächt worden, so dass bei Arras die Hauptgefahr für die Nordflanke der zur unteren Somme vorgestossenen deutschen Schnellverbände, beseitigt war. Als der Abend sich neigte, sammelten sich die Trümmer des Schütz.Rgts.6 auf dem heiss umkämpften Kampffeld und zwar das II.Bataillon bei seinen zum Grossteil erhalten gebliebenen Kraftfahrzeugen 1 km südostwärts Mercatel, die Reste des völlig zerschlagenen I.Bataillons in der Nähe des Regimentsstabes nördlich Wailly. Von den einzelnen Kompanien des I.Bataillons fanden sich allmählich weitere Gruppen und Züge ein, so Teile der 2.Kompanie unter Führung des Stabsfeldwebels Behning, Teile der 4.Kompanie unter Führung von Hauptmann Georgi, sowie Teile des Bataillonsstabes. Da das II.Bataillon des Schütz.Rgts.7 sich bereits bei dem Dorfe Wancq, etwa 15 km nordwestlich Arras, befinden sollte, erhielt das I.Bataillon Befehl, unter der Führung von Hauptmann Georgi nach Acq zu marschieren und dort zu sammeln. Mit nur 160 Mann des I.Bataillons trat Hauptmann Georgi auf persönlichen mündlichen Befehl des Generalmajors Rommel bei einbrechender Nacht an brennenden Panzern und Strohdiemen, an zerschossenen Häusern und Dörfern vorbei, die Fahrt ins Ungewisse mit dem Marschziel Acq an. Um den zweifellos von den bei Arras stehenden englisch - französischen Kräften geplanten Durchstoss von Arras auf Doullens zu verhindern beabsichtigte die Gruppe Hoth den vordringenden Feind über die Scarpe zurückzuwerfen. Um 20,45 Uhr hatte daher das XXXIX.A.K. den Befehl erhalten, die auf Mercatel durchgebrochenen englischen Panzer durch eigene Panzer, Flak und Artillerie noch in den Abendstunden des 21.Mai über die Strasse Arras - Beaumetz zurückzudrücken, um am 22.Mai früh durch einheitlich geführten Angriff südlich Arras vorbei die Strasse Dainville - Beaumetz in Besitz zu nehmen und sich dann zum Vorgehen über die Scarpe in Richtung Pernes bereitzustellen. Ein am Spätabend einlaufender Armeebefehl forderte für den 22.Mai den Angriff auf den von Norden her vorgehenden Feind und sein Zurückwerfen über die Linie Arras - St. Pol - Hesdin - Etaples. Auch Oberstlt. Junck hatte gegen 21 Uhr von Generalmajor Rommel Befehl erhalten, mit dem Regiment erneut anzutreten und noch in der Nacht über Duisans - Etrun zum Scarpeabschnitt zwischen Bray - Acq (westlich Arras) zu marschieren. Bis 22 Uhr waren die Reste gesammelt und das II.Bataillon hatte, wie bereits angeführt, unter Führung von Hauptmann Georgi den Nachtmarsch angetreten. Das I.Bataillon bestand, als es von Höhe 105 nördlich Wailly antrat aus folgenden Teilen: eine aus den Resten des I./Schütz.Rgts.6 zusammengestellte Kompanie unter Hauptm.Georgi mit 100 Gewehren, 1 Zug s.M.G. der 4.Kompanie 1 Halbzug Kav.Geschütze unter Führung von Leutn.Kalklösch, mit dem II.Bataillon hatte Oberstleutnant Junck vorerst keine Verbindung. Gemeinsam mit den Resten des I.Bataillons unter der Führung von Hauptmann Georgi fuhr der Regimentsstab gegen 22,30 Uhr durch Nacht und unheimliche Stille an brennenden Strohhaufen und zerschossenen Feindpanzern, mitten durch das noch von Feindgruppen besetzte Gelände am Ostrand von Warlus vorbei durch Agnez les Duisans, westlich Etrun vorbei in Richtung auf das kleine Dörfchen Acq an der Scarpe vor. Ein späterer Befehl der 7.Panzerdivision klärte den Regimentsstab darüber auf, dass das II.Bataillon des Schütz.Rgts.7 entgegen den bisherigen Vermutungen die Gegend von Acq noch nicht erreicht hatte, da es überhaupt noch nicht angetreten war. Durch rasches Vorfahren gelang es dem I./Schütz.Rgt.6 durch mehrere noch von schwachen englischen Kräften besetzte Ortschaften zu fahren, ohne dass es zu grösseren Kampfhandlungen kam, während die später nachfolgenden Teile des Schütz.Rgts.7 in den gleichen Ortschaften auf überlegene englische Kräfte und zahlreiche Feindpanzer stiessen und nicht weiter kamen. Regimentsstab und I.Bataillon erreichten trotz der abenteuerlichen Nachtfahrt den zugewiesenen Aufmarschraum nicht mehr bis Mitternacht. Unterwegs hatten sich in der stockfinsteren Nacht zwei englische Panzerspähwagen im I. Bataillon versehentlich angehängt in der irrigen Annahme, eine englische Marschkolonne vor sich zu haben. Ahnungslos fuhren die Engländer, die wohl kaum ahnen konnten, dass deutsche Truppen sich hier nachts hinter der englischen Front auf Fahrzeugen umher bewegten, hinter den Schützen her. Als der Feind seinen Irrtum erkannte, gaben die englischen Panzerspähwagen sofort Feuer. Sofort deutscherseits quer gestellte Fahrzeuge die Marschkolonne versperrten dem Gegner aber den Weg, so dass es beherzten Schützen der 4.Kompanie unter Führung des Uffz.Holzhey gelang, die beiden englischen Panzerspähwagen einzukreisen, kampfunfähig zu machen und die überraschten Engländer gefangen zu nehmen. Im deutschen M.G.- und Gewehrfeuer hatte der Gegner, nachdem der 1.Panzerspähwagen durch eine wohlgezielte Handgranate ausser Gefecht gesetzt worden war, die Waffen gestreckt. Ohne eigene Verluste hatten 10 Schützen der 4.Kompanie 28 Engländer gefangen. Mehrere Engländer blieben tot oder verwundet auf dem Kampffeld des nur wenige Minuten währenden Gefechts. Kurz nach Mitternacht nahm der Regimentsstab und das I.Bataillon ringsum von englischen Truppen umgeben, in einem Waldstück 400 m südwestlich des Dorfes Acq vor der Scarpe Aufstellung und schanzte sich nach Aufstellung von Sicherungen ein, bis das Bataillon, das sich in der Nacht wegen der ringsum stehenden Engländer ganz ruhig verhalten hatte, und deshalb auch vom Gegner nicht entdeckt worden war, am Morgen des 22.Mai vom Schütz.Rgt.7 entsetzt werden konnte. Teile der 4.Kompanie und des Bataillonsstabes unter der Führung von Leutnant Kalklösch, die auf dem Nachtmarsch den Anschluss an die übrigen Teile der Kolonne verloren hatten, blieben in der Nacht in einem Hohlweg südlich Acq stehen. Andere Teile des Bataillons hatten unter der Führung von Oberstlt.Noack Anschluss an das II.Bataillon gefunden und sich in der Nacht in dem kleinen Wäldchen bei Punkt 105 nördlich Wailly (5 km südwestlich Arras) zur Verteidigung mit Front nach Arras eingerichtet. Das II.Bataillon hatte gleichfalls gegen 22 Uhr den Befehl zum Weitermarsch über Ficheux - Wailly - Duisans auf Bray erhalten. Eine halbe Stunde später fuhr das Bataillon an. Beim Überschreiten der Eisenbahn nördlich Wailly wurde es jedoch durch den Nachrichtenoffizier des Regiments, Oberlt.Schöne, angehalten, da das Schütz.Rgt.7 auf starken Feind gestossen war. Das Bataillon erhielt den Befehl, den Marsch einzustellen und sich am Nordost- und Nordwestrand des Wäldchens 1 1/2 km nördlich Wailly zur Verteidigung einzurichten. So war das Regiment durch dazwischenstehende englische Kräfte in zwei Teile zerrissen. Zwischen dem I.Bataillon bei Acq und dem II.Bataillon nördlich Wailly hatten sich starke englische Kräfte eingeschoben. Verbindung zwischen den einzelnen Teilen des Regiments bestand nicht mehr. Der Regimentsführer, Oberstlt.Junck, befand sich beim I.Bataillon. Sein durch den Feind getrennter Stab war bei Wailly beim II.Bataillon. Das II.Bataillon bezog die angewiesene Verteidigungslinie am Walde um Wailly mit Front nach Nordwesten und stellte durch Spähtrupps in dem weiter nördlich gelegenen Orte Dainville starke Feindkräfte mit Panzerkampfwagen fest. Wider Erwarten verlief die Nacht beim II.Bataillon ruhig. Das II.Bataillon hatte im Kampf um Agny durch Beschuss aus englischen Panzern 6 Kräder und 1 Protzlafette verloren. Bei der Abwehr des Panzerangriffs war an der Spitze seines Kav.Geschützzuges Leutn.d.R.Täumer von der 8.Kompanie gefallen. Der 21. Mai war der kritischste Tag in der Geschichte des Schütz.Rgts.6 während des Westfeldzuges. Die 7.Panzerdivision sollte an diesem Tage südlich und westlich Arras herum den Angriff gegen den Scarpe-Abschnitt beiderseits Acq vortragen. Das weit vorausfahrende Panzerregiment 25 führte auch trotz Auftretens starker feindlicher Panzerverbände den Angriff bis zum Scarpeabschnitt durch. Die den Panzern folgenden Schützenregimenter waren jedoch durch mehrere starke feindliche Panzerkampfwagenangriffe aus Arras und den Vororten in der empfindlichen rechten Flanke gefasst, zur Verteidigung gezwungen und unter schweren eigenen Verlusten und grossen Einbussen an Material, vor allem Maschinengewehren und Panzerabwehrkanonen, zurückgedrängt worden. Die beiden Bataillonskommandeure des Schütz.Rgts.6 hatten sich bis zur Nacht nicht bei den Resten der Schützen eingefunden und waren zunächst verschollen. Nur den Überresten des I./Schütz.Rgts.6 war es gelungen, in der Abenddämmerung die Scarpe in der Gegend südlich Acq zu erreichen. Das Schütz.Rgt.7 unter Oberst von Bismarck hatte wohl das Dorf Berneville südwestlich Arras in Besitz nehmen können, war aber von den Feindkräften am weiteren Vorgehen gehindert worden. Bei der Abwehr der feindlichen Panzerangriffe bei Agny und Umgebung konnte die Erfahrung gemacht werden, dass die Sondermunition aus Gewehr und Maschinengewehr, sowie auch die Panzerbüchse nur gegen leichte gepanzerte Panzerspähwagen Erfolg hatten, wenn auch bei schwereren Wagen Punktfeuer mit S.m.K.-Munition auf Turm- und Sehschlitze eine Beeinträchtigung der Bewegungsfähigkeit infolge Einschränkung des Gesichtsfeldes für Fahrer und Richtschütze zur Folge hatte. 3,7 cm - Pak und 2 cm - Flak hatten bei leichten Panzerkampfwagen noch volle Wirkung, nicht aber bei mittleren und schweren Panzern. Panzerungen von etwa 10 mm Stärke wurden von diesen Abwehrwaffen nicht durchschlagen. Grössere Wirkung zeigte die Beschiessung mit Panzergranaten der Feldhaubitzen und der 8,8 cm - Flak. Beim Einsatz dieser Waffen wich der Gegner im allgemeinen dem Feuer aus und ging zurück. Nach einer Zusammenstellung des Regimentsstabes betrugen die Gesamtverluste des Regiments am 21. Mai: Regimentsstab: tot 1 Schütze, verwundet 1 Schütze. I.Bataillon: tot: 2 Offiziere, 8 Uffz., 22 Schützen, verwundet: 1 Offizier, 9 Uffz., 22 Schützen, vermisst: 12 Uffz. und 80 Schützen. II.Bataillon: tot: 1 Offizier, 5 Uffz., 20 Schützen, verwundet: 6 Uffz., 18 Schützen, vermisst: 11 Uffz. und 64 Schützen. Insgesamt: tot 3 Offiziere, 13 Uffz., 43 Mann, verwundet: 2 Offiziere, 15 Uffz. und 41 Schützen, vermisste 23 Uffz. und 167 Schützen. Die Zahl der Vermissten war ursprünglich ganz erheblich grösser. Soweit diese Vermissten in den nächsten Tagen zur Truppe zurückkehrten, sind sie in den vorstehenden Zahlen unberücksichtigt geblieben. Von den Offizieren hatten den Heldentod erlitten: Hauptmann Schleifer von der 2., Oberleutnant Schröter vom Stab des I.Bataillons und Leutnant Träumer von der 8.Kompanie. Verwundet waren Oberleutnant Schöne vom Regimentsstab und Leutnant Fischer von der 1.Kompanie. An Gerät gingen verloren: 3 leichte Kav.Geschütze, 2 3,7 cm - Panzerabwehrgeschütze, 6 schwere M.G., 25 leichte M.G., 4 schwere und 4 leichte Granatwerfer. Dem stand folgende Beute gegenüber: 25 Gefangene, 6 Panzerspähwagen, 12 zusammengeschossene feindliche Panzerkampfwagen. 2./Pz.Jg.Abt.42: Lt.Haselwander Herbert, gefallen 5km süd-südwestl.Arras, Granatsplitter Rücken u.Gesäß |
| 22.5.1940 | Nachlaß Ortlepp. Kav.Schtz.Rgt.6.2) Am 22. Mai gegen 4 Uhr erhielt Oberstleutnant Junck etwa 1 km südlich Acq folgenden Funkspruch der Division: "Schützenregiment 6 Verteidigungsstellung auf Höhe 105 nördlich Wailly" Da es bereits hell wurde und keinerlei schweren Waffen mehr zur Verfügung standen und zwischen dem derzeitigen Aufenthaltsraum des I.Bataillons bei Acq und der befohlenen Stellung auf Höhe 105 sich starke Feindkräfte befanden, entschloss sich Oberstlt.Junck nach getarnter Aufstellung der Fahrzeuge in einem kleinen Waldstück am Südausgang von Acq die Brücken über den Scarpe - Bach zu sperren und dann das II.Batallion heranzuziehen. Gegen die sich noch in der Nacht eingeschanzten Kompanien des I.Bataillons hatte der Gegner überraschenderweise keinen ernstlichen Angriff bei Acq unternommen. Das Regiment blieb zunächst mit den übrigen Truppen der Division ohne unmittelbare Verbindung, da der Funk nicht funktionierte. In der Nacht zum 22.Mai und am frühen Morgen dieses Tages hatten sich unerwarteterweise noch viele Versprengte und Vermisste des Schütz.Rgts.6 bei ihren Einheiten in den anderen Kompanien des Regiments eingefunden. Die meisten der von den Engländern gemachten Gefangenen konnten in den folgenden Tagen dem Gegner entkommen und kehrten zum Schütz.Rgt.6 zurück. Aber von den beiden vermissten Bataillonskommandeuren war am 22.Mai noch keine Spur zu entdecken. Versprengte der 6.Kompanie waren auf andere deutsche Truppen gestossen. Ein Teil der Kompanie wurde vom Kompanieführer gesammelt und war am Abend über Ficheux - Wailly, Berneville, Agnez auf Acq marschiert und hatte dort wieder Verbindung mit dem II.Bataillon aufgenommen. Der Rest der 6.Kompanie bezog für die Nacht 1 km ostwärts Acq Sicherungsstellung. Bei der Sammlung der Kompanie ergab sich, dass sie am 21.Mai im feindlichen Panzerangriff 7 Tote, 2 Verwundete und 59 Vermisste gehabt hatte. Weitere Schützen des Bataillons konnten im Laufe des Vormittags auf dem Kampffeld und in den inzwischen von den Engländern aufgegebenen Ortschaften südlich Arras durch Hauptmann Cunitz gesammelt und zu einer Einheit zusammengefasst werden. Sie wurden auf Befehl des Regiments auf den wenigen noch unversehrt gebliebenen Fahrzeugen dem I.Bataillon zugeführt. Es handelte sich dabei vor allem um die Teile des Bataillons, die von feindlichen Panzerangriff im Dorfe Agny überrascht und dort eingeschlossen worden waren. Bei Agnez les Duisans stiessen weitere 50 Mann unter Führung des Ordonnanzoffiziers zum Bataillon. Das I.Bataillon hatte infolge seiner zahlenmässigen Schwächung in den Kämpfen des 22.Mai keinen Anteil und richtete sich nach Neuaufstellung am Abend im Raume westlich Bray mit Front nach Nordosten ein. Weitere Teile des I.Bataillons, insbesondere von der 4.Kompanie, fanden sich am Nachmittag ein. Diese wurden am Tage mehrfach von umherstreifenden englischen Panzerspähwagen angeschossen und mussten in Deckung gehen. Auch versprengte englische Infanteristen trieben sich noch im Kampfgelände des Vortages umher und konnten gefangen genommen werden. Erst am Spätabend des 22.Mai fand sich die Masse der 4.Kompanie bei ihrem Kompanieführer, Hauptmann Georgi, wieder zusammen. Das II.Bataillon wurde gegen 8,15 Uhr aus der Sicherungslinie nördlich Wailly durch die 11.Schützenbrigade abgelöst und trat auf Fahrzeugen den Weitermarsch, dabei rechts und links durch eigene Panzer der 5. und 7.Panzerdivision gesichert, über den Ostrand von Berneville, Warlus, Agnez les Duisans auf Bray an. Die 5.Kompanie hatte nachts südlich Duisans gesichert und setzte in der Frühe mit Panzerunterstützung das Vorgehen fort. Unterwegs kam es zu keiner Feindberührung. Der Gegner hatte sich weiter nordostwärts auf Arras zurückgezogen. Lediglich beim Überschreiten der Höhen südostwärts Agnez beschoss der Engländer von Arras aus die fahrende Marschkolonne mit einigen lagen Granaten, ohne dass aber Verluste an Menschen oder Material eintraten. Als die 7.Kompanie ein Dorf passierte, wurde sie von einem auf dem Kirchturm aufgestellten Maschinengewehr beschossen. Durch sofortige Abwehr aller Waffen wurde das M.G. in kürzester Zeit ausser Gefecht gesetzt. Gegen 10,45 Uhr war bei der Gruppe Hoth folgender Befehl des Oberkommandos der 4.Armee eingelaufen: "Die Armee tritt sofort gegen Calais an, um den Feind von der Küste abzuschneiden. Mittellinie des Angriffs zwischen Gruppe Hoth und Gruppe von Kleist: Avesnes - Le Comte - St. Omer. Für Gruppe Hoth wird es darauf ankommen, baldigt das Höhengelände südlich und südwestlich Bethune fest in die Hand zu nehmen...." Daraufhin erhielt das XXXIX.A.K. den Auftrag, mit linkem Flügel bei Aubigny die Scarpe zu überschreiten. Gegen Arras mussten starke Sicherungen stehen bleiben. Indessen war südlich Bray die Wiedervereinigung des am Vortage auseinandergerissenen Teile des Regiments und des Regimentsstabes erfolgt. Nach Erreichen der Strasse Arras - Haute Avesnes bei der halbwegs Haute Avesnes und Etrun gelegenen Höhe 105 wurde das II.Bataillon unter dem Schutz der auf der Höhe sichernden Begleit - Panzerkampfwagen von Generalmajor Rommel aus der Bewegung heraus zum Angriff auf Ecoivres und Mont St.Eloy und das Alleuxwäldchen mit der 5.Kompanie rechts auf Mont St. Eloy und der 7.Kompanie links auf das Alleuwäldchen angesetzt. Unterwegs hatte die 5.Kompanie im Dorfe Agnez les Duisans Feuer von Scharfschützen erhalten. Nach Überquerung der Hauptstrasse Arras - St. Pol stellte sich die 5.Kompanie unter Panzersicherung nach Maroeuil bei Bray zum Angriff auf Mont St.Eloy bereit. Das breite und versumpfte Bett der Scarpe bereitete dem Übergang unüberwindliche Schwierigkeiten. Die 5.Kompanie drehte daher nach links ab, überschritt dort die Scarpe und griff die Höhen nördlich Bray an. Der Rest der 8.Kompanie unter Führung von Feldwebel Bergmann wurde mit den noch vorhandenen 4 Maschinengewehren, 1 Pak und 1 Kav. Geschütz eingesetzt. Bald darauf erhielt die 5.Kompanie aus Richtung Arras schweres Artilleriefeuer. Ein weiteres Vorgehen ohne ausreichende eigene Artillerieunterstützung war unmöglich geworden. Gleichzeitig gingen englische Panzerkampfwagen gegen den Nordwestrand des Dorfes Mont St.Eloy vor. Nach einstündigem Artillerietrommelfeuer setzte der Engländer unter dem Schutze mehrerer Panzerkampfwagen aus südöstlicher Richtung zum Infanterieangriff auf das Dorf Mont St.Eloy an. Der von zahlenmässig sehr starken, den deutschen Verteidigern weit überlegenen Kräften geführte englische Angriff schlug durch. Die beiden bei der 5.Kompanie eingesetzten 2 cm - Flakgeschütze waren nicht in der Lage, die feindlichen Panzer aufzuhalten oder gar niederzukämpfen. Weitere schwere Abwehrwaffen standen der 5.Kompanie nicht zur Verfügung. So blieb den Schützen der Kompanie, dem Feuer der englischen Panzerkampfwagen vollkommen schutzlos preisgegeben war, nichts weiter übrig, als vor dem Feuer der Panzerkampfwagen in den Häusern und Kellern des Dorfes Mont St.Eloy Deckung zu suchen. Die englischen Panzerkampfwagen durchfuhren den Ort und schlugen jeden Versuch eines Widerstandes mit Hilfe ihrer stärkeren Waffen nieder. Die den Ungetümen auf dem Fusse folgende englische und französische Infanterie hatte daher ein leichtes Spiel, die Schützen der 5.Kompanie aus Häusern und Kellern auszuräuchern. Der grösste Teil der Schützen der 5.Kompanie wurde vermisst und wahrscheinlich von den Engländern gefangen genommen und in Richtung auf Arras zurückgebracht. Auch der Kompanieführer, Leutnant Insinger, wurde seit dem Gefecht bei Mont St.Eloy vermisst. Der Verlust des Dorfes Mont St. Eloy in der rechten Flanke der 7.Panzerdivision war vor allem darauf zurückzuführen, dass der rechte Nachbar mit seinen starken Kräften bei Punkt 107 nicht auf gleicher Höhe mit dem Schütz.Rgt.6 gekommen war. Ein kleiner Teil der 5.Kompanie hielt sich in einzelnen Kellern, kämpfte weiter und ergab sich trotz mehrfacher englischer Aufforderung nicht. Diese tapferen Männer der 5.Kompanie harrten aus, trotzdem das ganze Dorf von Engländern und Franzosen umstellt war, und wurden am Vormittag des folgenden Tages bei der Zurückeroberung des Dorfes Mont St. Eloy durch das Schütz.Rgt.13 der 5.Panzerdivision aus der ungemütlichen Lage befreit. Weitere 5 Unteroffiziere und 45 Schützen der 5.Kompanie, die bereits in feindliche Kriegsgefangenschaft gefallen waren und von den Franzosen systematisch ausgeplündert worden waren, konnten bei dem fluchtartigen Zurückgehen der Franzosen aus der Gefangenschaft befreit und am 24.Mai ihrer Kompanie wieder zugeführt werden. Die Verluste an Waffen und Gerät waren nicht so schnell zu ersetzen. Auch die 7.Kompanie hatte beim Überschreiten einer Höhe bei Mont St.Eloy starkes Feuer erhalten. Trotzdem konnte die Höhe besetzt werden. Die zugeteilten schweren Waffen der Kompanie bezogen Stellung. Als um 17 Uhr der feindliche Panzerangriff mit 6 Panzern erfolgte, musste die Kompanie wegen Fehlens jeglicher Panzerabwehrwaffen auf und über das Dorf Mont St.Eloy ausweichen. Der Gegner drängte mit Panzern und Infanterie sofort nach. Hierbei fiel durch Feindschuss Leutnant von Restorff beim Durchstoss englischer Panzerkampfwagen mit 4 Schützen des 2.Zuges den Heldentode. Nur einen Teil der 7.Kompanie gelang es, aus dem Ort in ein versumpftes Waldstück zurückzugehen. 8 Unteroffiziere und 43 Schützen der Kompanie fielen in englische Gefangenschaft. Von der 8.Kompanie waren gegen den angreifenden Gegner vor allem die beiden M.G.-Gruppen unter der Führung von Feldwebel Strobel und das Infanteriegeschütz des Uffz.Schmidt zum wirksamen Einsatz gekommen. Abends 17 Uhr war auch der Kompanieführer der 8.Kompanie wieder bei seiner Einheit eingetroffen. Er hatte die Nacht in englischer Gefangenschaft verbracht, sich zur Aufklärungsabteilung 20 durchgeschlagen und war über die Division in Vis en Artois zum Bataillon zurückgekehrt. Infolge des erfolgreichen englischen Durchbruchs bei Mont St.Eloy war das II.Bataillon gezwungen, wenn es nicht vollständig vom Gegner überrannt werden wollte, bis auf den Nordostrand von Ecoivres zurückzugehen. Hier leistete das II.Bataillon erbitterten Widerstand, wies angreifende Feindabteilungen ab und behielt Ecoivres gegen Feindangriffe fest in der Hand. Um 21 Uhr erhielt das II.Bataillon Schütz.Rgt.6 die Nachricht, dass es am nächsten Morgen durch Teile der 5.Panzerdivision abgelöst werden würde. Nach Verbindungsaufnahme mit der ablösenden Truppe ging das Bataillon auf Grund der getroffenen Vereinbarungen gegen Mitternacht auf die Eisenbahnlinie südlich Ecoivres zurück, wo in den ersten Morgenstunden des folgenden Tages die Ablösung durch die 2. und 3.Kompanie des Schütz.Rgts.13 stattfand. Der linke Flügel der 7.Panzerdivision war im Laufe des Tages mit dem Panzerregiment 25 voraus bis zur Linie Villers au Bois - Camblain l'Abbé vorgekommen und hatte schwere feindliche Artillerie im Raum nordwestlich Arras niedergekämpft. Der 22.Mai hatte somit der Gruppe Hoth weitere heftige Kämpfe in der Gegend von Arras und bei Cambrai gebracht. Nordwestlich Arras war am Nachmittag durch einen englischen Panzerangriff gegen den rechten Flügel der Division des Generalmajors Rommel eine vorübergehende Krise entstanden, die jedoch bald überwunden wurde. Bedrohlicher war in den Mittagsstunden die Lage bei Cambrai. Ein überraschend über die Senke bis an den Nordrand von Cambrai vorgetragener feindlicher Panzerangriff traf die weit auseinandergezogene Gruppe Hoth (XXXIX.A.K. im harten Kampf westlich Arras, XVI.A.K. noch ostwärts des La Selle - Abschnittes) an der empfindlichsten Stelle. Nur dem Einsatz aller verfügbaren Verbände, schweren Waffen, Panzer, Flak, Artillerie, Pioniere usw. gelang es mit Unterstützung der 12. und 32.Inf.Div. die Lage zu meistern und den Gegner bis zum Abend über die Senke zurückzuwerfen. Die Verluste des Schütz.Rgts.6 an Toten und Verwundeten betrugen: tot 1 Offizier (Leutn.von Restorff) und 4 Schützen, verwundet Stabsfeldw. Auschner (am 1.4.40 zum Offz. befördert) und 4 Schützenvermisst............ Unter den Vermissten befand sich der Kompanieführer der 5.Kompanie, Leutnant Insinger. |
| 23.5.1940 | Nachlaß Ortlepp. Kav.Schtz.Rgt.6.2) Die 4.Armee hatte noch in der Nacht zum 23.Mai folgenden Befehl erlassen: "Gruppe Hoth nimmt am 23.Mai im Angriff mit zusammengefassten Kräften die Höhen südwestlich Bethune und setzt sich in Besitz der Linie Anzin (5 km nordwestlich Arras). Souchez - Aix Noulette - Barlin - Hesdigneul." Die Gruppe Hoth hatte also am 23.Mai den Ring um die in Nordfrankreich abgeschnittenen französischen und englischen Kräfte an der Südfront enger zu schliessen, das Höhengebiet nördlich und nordwestlich Arras zu nehmen und alsdann die Kräfte zum Vorgehen auf St.Omer bereitzustellen. Das XXXIX.A.K. sollte hierzu Arras von Süden und Westen absperren, das Vorgehen über die Scarpe fortsetzen und den Höhenrand zwischen Bouvigny und Bruay in Besitz nehmen. Die rechte Flanke des Korps war durch tiefe Staffelung in der Gegend Mont St.Eloy zu sichern. Die 5.Panzerdivision hatte erst dann über die Scarpe zu gehen, wenn die 7.Panzerdivision die oben genannten Höhen erreicht hatte. Die der Gruppe Hoth neu unterstellte SS-Verfügungsdivision sollte von St.Pol auf Pernes und Lillers antreten und nördlich davon die Brücken des La Bassee-Kanals in die Hand nehmen. Das XXXIX.A.K. trat mit der 5. und 7.Panzerdivision aus dem am Vortag über die Scarpe erkämpften Brückenkopf nach Norden an. Mit der 11.Schützbrigade und Teilen der 5.Panzerdivision wurden die Einschliessung der Stadt Arras weitergeführt. In den Morgenstunden des 23.Mai waren die beiden Bataillone des Schütz.Rgts.6 durch Teile des Schütz.Rgts.13 abgelöst worden. Die Feindberührung am linken Flügel der 7.Panzerdivision war abgerissen. Der Gegner hatte, nachdem er den Weg nach Süden über die Scarpe verlegt gefunden hatte, nordwärts Anschluss an die dort stehenden Hauptkräfte der Engländer und Franzosen gesucht. Der Regimentsstab und die beiden Bataillone traten nach Ablösung sofort den Marsch über Haute Avesnes und Agnières nach Norden in den Raum um Villers Châtel an. Die bereits am Nordufer der Scarpe stehenden Teile des Regiments hatten sich der Marschbewegung angeschlossen. Von Villers Châtel erfolgte der Weitermarsch über den Wald d’Olhain auf Ruitz. Hier und bei Barlin bezogen beide Bataillone nordostwärts der Dörfer eine Verteidigungsstellung und zwar das II.Bataillon unter Oberleutn.Hoffmann mit der 7.Kompanie links und der 6.Kompanie rechts. Da das Bataillon keine nennenswerten eigenen Panzerabwehrwaffen mehr besass, wurden beim Bataillon 1 Pak und 2 leichte Feldhaubitzen zur Panzerabwehr eingesetzt. Auf Befehl der 7.Panzerdivision wurden von den Resten des Schütz.Rgts.6 wieder zwei Bataillone gebildet, das I.Bataillon unter Hauptmann Cunitz und das II.Bataillon unter Oberleutn.Hoffmann. Die 7.Kompanie wurde durch Zuteilung von 30 Mann der 5.Kompanie wieder auf eine Gefechtsstärke von 70 Mann gebracht, der Rest der 5.Kompanie wurde der 6.Kompanie zugewiesen. Die neuformierten Bataillone gruben sich in der neuen Stellung ein und zwar das I.Bataillon im Zuge der Strasse Bruay - Barlin, rechts daneben das II.Bataillon. Der linke Flügel des I.Bataillons nahm Verbindung zu der dort eingesetzten, dem XV.A.K. unterstellten SS.Totenkopfdivision auf. Feindberührung bestand nicht. Von rechts her war mehrfach mässiger Gefechtslärm hörbar. In Richtung Bethune auf Houchin vorgetriebene Spähtrupps trafen nirgends auf den Gegner. Gewitzigt durch die bitteren Erfahrungen vom 21. und 22.Mai gruben sich die Schützen alsbald ungefordert zum eigenen Schutz Panzerdeckungslöcher. Als die SS.Totenkopfdivision am Nachmittag weiter in Richtung auf Bethune vorrückte, erhielt das Schütz.Rgt.6 um 16,30 Uhr den Befehl, nach Ablösung durch SS.-Verbände zur Verfügung der 7.Panzerdivision an den Südostteil des Wäldchens d’Olhain zurückzugehen. Das I. und II.Bataillon verbrachten anschliessend die Nacht in Ruhe in Häusern des Dorfes Verdrel. Der Regimentsgefechtsstand war in Ruit. Sicherungen waren nach allen Seiten ausgestellt. Links vom Schütz.Rgt.6 standen jetzt SS.-Truppen, rechts das Schütz.Rgt.7, das Kradschützenbataillon 7 mit einigen Panzern vom Panz.Rgt.25. Rechter Nachbar der 7.Panzerdivision war die 5.Panzerdivision. Im Laufe des Tages trafen die in den Kämpfen des 21.Mai vermissten beiden Bataillonskommandeure, Major von Paris und Oberlt. Kiessling, wieder beim Regiment ein. Beide waren vorübergehend in englische Gefangenschaft gefallen. Hauptmann Cunitz übergab das neuformierte I.Bataillon an den bisherigen Kommandeur, Major von Paris, der sich nach dem Panzerangriff bei Agny wieder zur eigenen Truppe durchgeschlagen hatte und inzwischen durch Generalmajor Rommel das Eiserne Kreuz verliehen bekommen hatte. Ausser dem Bataillonsführer Oberlt.Kiessling war auch der Adjutant des II.Bataillons aus der englischen Gefangenschaft zurückgekehrt. Oberleutn.Hoffmann trat von der Führung des II.Bataillons zurück und wurde wieder Chef der 7.Kompanie. Anstelle des seit dem Vortage vermissten Leutn.Insinger übernahm der bisherige Führer der Kraftfahrstaffel des II.Bataillons, Leutn.Frass, die Führung der 5.Kompanie, während Oberlt.Lindemann von der 6.Kompanie als Kraftfahrzeugstaffelführer befohlen wurde. Die Gefechtsstärke des II.Bataillons war indessen wieder auf 9 Offiziere, 60 Unteroffiziere und 350 Mann, ausschliesslich der Fahrer der Gefechtsfahrzeuge, angestiegen. An schweren Waffen waren beim II.Bataillon noch vorhanden: 1 Pak, 1 Inf.Geschütz, 4 s.M.G. sowie 35 l.M.G. Beim englischen Panzerangriff am 21.Mai waren u.a. auch die Funkunterlagen verloren gegangen und anschliessend in die Hand des Feindes gefallen, so dass vom Regiment ein Notschlüssel herausgegeben werden musste. Zum Ortskommandanten von Verdrel wurde Major von Paris ernannt. Zur Sicherung der Ortsunterkunft wurde ihm 1 Pak - Zug zugeteilt und Stellungen bezogen. Da das Regiment voraussichtlich am 24.Mai in der bisherigen Stellung verbleiben sollte, wurden auch die Feldküchen nach Verdrel herangezogen. Die zahlreichen Flüchtlingskolonnen belgischer und französischer Zivilisten bedeuteten bald eine Gefahr für die deutsche Armee, da sie nicht nur die Marschbewegungen der deutschen Truppen behinderten, sondern auch die Möglichkeit von Spionage nicht ausschlossen. Auf Anweisung des XXXIX.A.K., dem die 7.Panzerdivision noch unterstellt war, wurden nunmehr im eigenen Interesse der deutschen Truppen Flüchtlingsbewegungen durch die vorderen deutschen Linien mit allen Mitteln verhindert und die marschbewegungen behindernden Zivilistenkolonnen rücksichtslos von der Marschstrasse gewiesen. Auch die zahlreichen Deserteure der französischen Armee, die sich meist in Zivilkleidung in und zwischen den Linien herumtrieben, wurden zusammengetrieben und als Gefangene nach rückwärts abgeschoben. Die 7.Panzerdivision hatte am 23.Mai den Angriff bis zur Linie Aix Noulette - Hersin - Barlin - Ruit vorgetragen, sich dort zur Verteidigung eingerichtet und starke feindliche Panzerangriffe aus der Gegend Noeux les Mines und Lens abgeschlagen. Die Gesamtverluste des Schütz.Rgts.6 am 21. und 22.Mai betrugen: Offiziere: 4 tot, 2 verwundet, 3 vermisst, Unteroffiziere: 3 tot, 16 verwundet, 68 vermisst, Schützen: 12 tot, 59 verwundet, 484 vermisst. Wenn sich auch noch ein grosser Teil der Vermissten in den Tagen nach dem Gefecht wieder bei den Einheiten einfand, so war doch der 21. und 22.Mai der verlustreichste Tag des Regiments im Westfeldzug. Hinzu kam noch, dass auch ein Teil der Vermissten später als tot festgestellt wurde, so dass sich die Zahl der Toten noch erhöhte. Durch die verlustreichen Kämpfe, vor allem am 21.Mai waren die Iststärken der Einheiten (einschliesslich der Fahrer) arg zusammengeschrumpft. Sie betrugen nach dem Stande vom 23.Mai noch: Offiziere Unteroffiziere Schützen ------------------------------------------------------------------ 1.Kompanie 1 4 45 2.Kompanie - 12 90 3.Kompanie 1 15 105 4.Kompanie 3 17 92 5.Kompanie - 5 46 6.Kompanie 2 9 97 7.Kompanie 2 9 114 8.Kompanie 1 18 86 Stab I.Bataillon 5 9 25 Stab II.Bataillon 3 8 24 Pionierzug I/6 - 1 19 Pionierzug II/6 - 4 44 Regimentsstab und Nachrichtenzug 4 14 68 |
| 24.5.1940 | Nachlaß Ortlepp. Kav.Schtz.Rgt.6.2) Der Vormittag des 24.Mai, den beide Bataillone in den Ruhequartieren in Verdrel verbrachten, wurde zur Instandsetzung und zum Reinigen von Fahrzeugen, Waffen und Gerät, sowie zur Neugliederung der Bataillone benutzt. Auch jetzt fanden sich immer noch einzelne der aus den Kämpfen vom 21. und 22.Mai vermissten Unteroffiziere und Schützen bei ihren Kompanien ein und wurden von ihren Kameraden mit herzlicher Freude begrüsst. Das I.Bataillon war durch die Rückkehr zahlreicher Vermisster in die Lage versetzt, wieder 4, wenn auch schwache Kompanien zu bilden: die 1. unter Oberltn. Noack, die 2. unter Leutn. Meinhold, die 3. unter Hauptm. Cunitz, die 4. unter Hauptm. Georgi. Bataillonsadjutant wurde Oberltn. Kocian. Die Gruppe Hoth hatte am 23.Mai mit der Inbesitznahme der Höhen südlich und südwestlich Bethune dem Gegner ein Gelände entrissen, das für die Fortführung der Operationen von grösster Bedeutung war. Am La Bassée-Kanal konnte der Gegner kaum noch nennenswerten Widerstand leisten. Wohl befand sich Arras noch in Feindes Hand und auch ostwärts der Stadt leistete der Feind vor der 12.Inf. Div. noch hartnäckigen Widerstand. Aber dieser Gegenwehr war nur die letzte Verzweiflung, denn Arras lag eigentlich schon mehr hinter den deutschen Linien. Vor dem XXXIX.A.K. wich der Gegner zweifellos nach Norden und teilweise auch nach Nordosten aus. Da die Engländer und Franzosen sich auch um das Industriezentrums Lille mit Front nach Osten und Südosten zäh verteidigten, war anzunehmen, dass diese Kräfte das Zurückgehen stärkerer Feindkräfte nach Westen auf die Kanalküste decken sollte. Ein erfolgversprechender Durchbruch dieser auf engstem Raum zusammengedrängten Kräfte nach Süden war wenig wahrscheinlich. Der Ring um diese Feindkräfte musste immer mehr verengt werden, nur so war die Vernichtung zu erreichen. Die 4.Armee plante deshalb, am 24.Mai die Kräfte ostwärts Arras enger zusammen zu schliessen, um am 25.Mai weiter anzugreifen. Die Gruppe Hoth sollte alsdann in nordwestlicher Richtung vorgehen. Dem XXXIX.A.K. fiel die Aufgabe zu, den Höhenrücken Souchez - Aix Noulette - Barlin fest in die Hand zu nehmen, sich in dieser Linie einzugraben und die Stellung Westrand Liévin - Bully - Südrand Noeux les Mines zu sichern. Links vom XXXIX.A.K. sollten die vordersten Teile des XVI.A.K. auf Bethune durchstossen. Die Verteidigungsfront der Engländer und Franzosen in Nordfrankreich und Südwestbelgien war durch den kühnen Vorstoss deutscher Panzerdivisionen und schneller Verbände in zwei Teile auseinandergerissen worden. Die deutschen schnellen Truppen hatten in den ersten Tagen des letzten Drittels des Monats Mai den Druck nach Norden verstärkt und damit die von den übrigen Armeen abgeschnittenen Divisionen der alliierten Truppen in Nordfrankreich und Südbelgien bis zum Morgen des 24.Mai in den Raum Calais - Watten - Hazebrouck - Bethune - Lievin - Arras - Douai - Lourches - Denain - Valenciennes - Roubaix - Courtrai - Gent - Neuzeen zusammengedrängt. Deutscherseits stand die 6.Panzerdivision vor Calais, die 2.Panzerdivision vor Boulogne. Die Südfront des Durchbruchskeils zum Ärmelkanal wurde an der unteren Somme zwischen Abbeville und Amiens durch das XIV.A.K., daran anschliessend die Front zwischen Somme, Aisnekanal und Aisne durch die Divisionen der 12., 2. und 16.Armee nach Süden gegen die neuaufmarschierten französischen Armeen abgeschirmt. Der neue Oberbefehlshaber der Franzosen, General Weygand, befand sich in keiner beneidenswerten Lage. Es kam nun deutscherseits darauf an, möglichst schnell den grossen Kessel in Südfrankreich zu beseitigen. Die feindlichen Armeen mussten hier auf immer engeren Raum zusammengepresst werden, bis sie die Waffen streckten oder vernichtet waren. Im Zuge dieser Operationen wurde die 7.Panzerdivision weiter nordwärts gegen den La Bassée - Kanal im Raum Bethune angesetzt. Das Schützenregiment 6 bekam deshalb am 24.Mai mittags den Auftrag, über Hersin und Sains en Gohelle in den Raum nordwestlich des letztgenannten Dorfes zu marschieren, um bei Sains en Gohelle und Bully eine Verteidigungsstellung mit Front nach Norden und Osten einzunehmen. In Ausführung des erhaltenen Befehls rückten die beiden Bataillone gegen 14,20 Uhr von Verdrel ab. Gegen 15,30 Uhr traf das Regiment bei klarem, sonnigen Frühlingswetter im befohlenen Abschnitt ein. Bei der Ankunft im Dorfe Boyeffles hatten die Bataillone von Generalmajor Rommel unmittelbare Anweisung erhalten, im entfaltenen Vorgehen auf Fahrzeugen die Höhen ostwärts Boyeffles zu gewinnen. Während die Fahrzeuge des I.Bataillons in einem Waldstück südostwärts Boyeffles unterzogen, erreichten die Kompanien des Bataillons zu Fuss die grosse Strasse Arras - Bethune und nahmen nordwestlich des Nordrandes von Aix Noulette bis zum Bahndamm von Bully am Rande des dortigen nordfranzösischen Kohlenreviers die befohlene Verteidigungslinie -- rechts angelehnt an die 5.Panzerdivision, links an das II.Bataillon -- ein. Beim II.Bataillon sicherte die 6.Kompanie rechts, die 5.Kompanie links. Ein Zug der 7.Kompanie stand am Nordausgang von Sains en Gohelle. Der Gefechtsstand des II.Bataillons war am Nordwestausgang von Pt.Sains, derjenige des Regiments in Sains en Gohelle. Feindberührung bestand nirgends. Von der Stellung des Regiments aus war in südwestlicher Richtung die Kirche auf den berühnten, im Weltkrieg heissumstrittenen Lorettohöhe zu sehen. Der Boden war dort im Weltkrieg vom Blute von 40 000 französischen Gefallenen gedüngt worden, die alle um die „Lorettohöhe“ herum ihre letzte Ruhestatt gefunden hatten. Dem Schützenregiment 6 waren unterstellt: I/Art.Rgt.78, I/Panz.Jäg.Abt.42 und die 1. und 3./lei Flak 86. Da die Bataillone des Regiments fast keine schweren Waffen mehr besassen, insbesondere die Panzerabwehrkanonen zur Abwehr feindlicher Panzer fehlten, wurden den Bataillonen einige Geschütze der Batterien der I./Art.Rgts.78 für die unmittelbare Bekämpfung von Panzerkampfwagen unterstellt. Glücklicherweise erhielt das aus den Kämpfen um Arras geschwächte Schütz.Rgt.6 im Laufe des 24.Mai eine willkommene Verstärkung. Gegen 21 Uhr kehrte Leutn.Dr.Schulz von der 7.Kompanie mit 79 Unteroffizieren und Schützen der 5. und 7.Kompanie aus französischer und englischer Gefangenschaft zum II.Bataillon zurück. Die Gefangenen waren von den Franzosen in völkerrechtswidriger Weise behandelt worden. Sie wurden von unseren Gegnern vollkommen ausgeraubt. Die Stahlhelme wurden ihnen abgenommen. Selbst das Privateigentum und lebensnotwendige Ausrüstungsgegenstände wie Hosenträger wurden den in französische Gefangenschaft gefallenen Schützen abgenommen worden. In entwürdigender Weise wurden ihnen weiterhin sogar die Hosenknöpfe abgeschnitten, um Fluchtversuche unmöglich zu machen. Die Franzosen -- selbst Offiziere -- hatten die deutschen Gefangenen geschlagen, angespuckt und misshandelt. Soweit die Schützen in englische Hand gefallen waren, wurden ähnliche Klagen nicht laut. Die Engländer hatten sich ihren Gefangenen gegenüber eigenartigerweise verständiger gezeigt. Da Leutn.Insinger, der bisherige Führer der 5.Kompanie, auch weiterhin vermisst blieb, behielt Oberlt.Frass die Führung der Kompanie bei. Die vorübergehend auf die 6. und 7.Kompanie aufgeteilten Schützen wurden ihren Stammkompanien zurücküberwiesen, die Kompanien neu formiert und dann anschliessend bis südlich Mazingarbe vorgezogen, wo sich die Kompanien zur Verteidigung einrichteten. Der Vorstoss der 7.Panzerdivision vom 21.Mai hatte bis vor den La Bassée - Kanal und zur Inbesitznahme der Linie Aix Noulette - Mazingarbe - Westrand Camblain - Annequin - Beuvry (3 km südostwärts Bethune) geführt. Es kam nun am folgenden Tag darauf an, mehr gegen den Kanal einzuschwenken und den rechten Flügel der Division bis zum Nordrand von Vermelles zu verlängern. Bei der Gruppe Hoth hatte das XXXIX.A.K. mit der 20.mot.Division ohne auf feindlichen Widerstand zu stossen, am gleichen Tage die Vimy - Höhe in Besitz genommen, während die 5.Panzerdivision, die am 23.Mai erreichte Linie Lorettohöhe - Aix Noulette hielt und den rechten Flügel nach Givenchy vornahm. Die 7.Panzerdivision war aus der Linie Südand Bully - Nordrand Hersin - Nordrand Barlin bis zur Strasse La Bassée - Beuvry vorgegangen und war am Südufer des Kanals auf nur schwache englische Sicherungen gestossen. Die mit der Säuberung der Stadt Arras betraute 11.Schütz.Brig. wurde vorzeitig herausgezogen und über St. Pol der Gruppe von Kleist zugeführt. Das II.A.K. hatte gegen zähen Feindwiderstand die Stadt Bailleul in Besitz genommen, während beim XVI.A.K. die SS.Totenkopf-Division nördlich Bethune bei Hinges am La Bassée - Kanal einen kleinen Brückenkopf gebildet hatte, der aber auf ausdrücklichen Befehl des Führers wieder geräumt wurde. Am 25.Mai sollte die 4.Armee mit dem rechten Flügel im Anschluss an die 6.Armee angreifen und mit dem linken Flügel aufschliessen. Hierzu musste die Gruppe Hoth im Zusammenwirken mit dem II.A.K. den Kanal beiderseits Bethune erreichen. Diesseits des La Bassée - Kanals waren schwache Feindkräfte im Raum nordwestlich Arras nur noch gegenüber der 7.Panzerdivision bei Bethune festgestellt worden. |
| 25.5.1940 | Nachlaß Ortlepp. Kav.Schtz.Rgt.6.2) Das XXXIX.A.K. hatte für den 25.Mai Befehl erhalten, nach Massgabe des Vorgehens des linken Flügels des II.A.K. Kräfte herauszuziehen und im Raum westlich und nordwestlich Arras zu versammeln. Die am linken Flügel des Korps stehende 7.Panzerdivision sollte am 25.Mai starke Kräfte bis zum La Bassée - Kanal vorschieben und die südlich dieses Kanals stehenden englischen Sicherungskräfte nordwärts und nordostwärts zurückdrücken. Die Nacht vom 24./25 Mai war beim Schütz.Rgt.6 vollkommen ruhig verlaufen. Am Vormittag des 25.Mai wurden die Stellungen weiter ausgebaut und befestigt. Nach Heranbringen der Feldküchen gelangte warmes Essen zur Verteilung. Besondere Freude rief es bei den Schützen hervor, dass erstmalig seit Beginn des Vormarsches im Westen Feldpost aus der Heimat ankam und ausgeteilt werden konnte. In den ersten Nachmittagsstunden wurde bekannt, dass das Regiment abgelöst werden sollte, um zwischen Vermelles und Noyelles, etwa 5 km nördlich der bisherigen Stellung, Ruhequartiere zu beziehen. Tatsächlich trat um 16 Uhr der Befehl ein, dass die Bataillone unter Räumung der eingenommenen Sicherungslinie bei den Fahrzeugen sammeln sollten, um sich für den gegen 19 Uhr zu erwartenden Abmarsch nach Vermelles bereit zu halten. Ab 17,30 Uhr waren die Bataillone, die im Laufe des Tages Spähtrupps über 6 km vorgetrieben hatten, ohne mit dem Gegner in Gefechtsberührung zu kommen, fahrbereit. Aber auf Befehl der 7.Panzerdivision musste die Verlegung des II.Bataillons unterbleiben. Das Bataillon zog bis 22 Uhr unter Ausnutzung örtlicher Sicherungen im Südwestteil von Pt.Sains unter. Dem I.Bataillon wurde, da der ursprünglich als Unterkunft vorgesehene Ort Vermelles sich als ungeeignet für die geschlossene Unterbringung erwies, das Dorf Aix Noulette als neues Quartier zugewiesen. Das Bataillon rückte am späten Abend nach Aix Noulette ab, konnte aber die vorgesehenen Unterkünfte an diesem Tage nicht mehr erreichen, da die Ortschaften und die Verkehrsstrassen auf dem Wege nach Aix Noulette vollkommen von Flüchtlingen überfüllt waren. Am 25.Mai hatte die Gruppe Hoth in gleicher Höhe mit dem II.A.K. und der Gruppe von Kleist den La Bassée - Kanal auf der ganzen Breite erreicht. Gegenüber der Gruppe Hoth standen zwei englische Divisionen, die durch französische Artillerie verstärkt waren und von denen zu erwarten war, dass sie Vorstösse gegen Bethune und La Bassée richten würden. Demgemäss hatte die Gruppe Hoth vorerst den Kanal zu halten. Zur Ablösung der eingesetzten Panzerdivisionen sollte das I.A.K. herangeführt werden, damit die Panzertruppen und die Schützenregimenter in die Lage versetzt waren, alsbald die Verbände zu ordnen und das Gerät für den weiteren Einsatz zur endgültigen Niederschlagung Frankreichs instand zu setzen. |
| 26.5.1940 | Nachlaß Ortlepp. Kav.Schtz.Rgt.6.2) Der Marsch des I.Bataillons in die Ruhequartiere hatte sich durch die Tausende und Abertausende französischer und belgischer Flüchtlinge, die Strassen und Ortschaften mit ihren Fahrzeugen und ihrem Flüchtlingsgut sperrten, erheblich verzögert gehabt. Erst am 26.Mai gegen 9 Uhr konnten die Kompanien des Bataillons des Major von Paris die neuen Unterkünfte in und um Aix Noulette beziehen. Die Ruhe wurde benutzt, um Waffen, Gerät und Kraftfahrzeuge in Ordnung zu bringen. Aus einem aufgefundenen grossen französischen Verpflegungslager konnte der Truppe zur Aufbesserung der Verpflegung Wein und Sekt ausgegeben werden. Das II.Bataillon, das am frühen Morgen Gefechtstross und Instandsetzungsstaffel nachgezogen hatte, verblieb in der alten Unterkunft und widmete sich der Neuordnung der Verbände und dem notwendigen Instandsetzungsdienst. Der Regimentsstab blieb 800 m südostwärts Pt.Sains. Der schwülen Witterung der Vortage folgte ein Gewitter mit anschliessendem Landregen. Das Generalkommando des XV.Armeekorps (Gruppe Hoth) erliess vor Beginn neuer Kämpfe um den La Bassée - Kanal und das nordwärts vorgelagerte Gelände am 26.Mai folgenden Tagesbefehl: "Soldaten des XV. Armeekorps! Das von Anfang an gesteckte Operationsziel, die Einkesselung der in Belgien stehenden Feindkräfte, ist erreicht. Ausbruchsversuche werden ihr zurückweisen, die Kanalküste wird in kurzem in deutschen Besitz sein. Als wir vor 14 Tagen aufbrachen, ahnte keiner von uns die jetzt erreichte Grösse des Erfolges. Die schnelle Überwindung der feindlichen Sperrzonen bis zur Ourthe dank des Einsatzes der Pioniere bis zu ihrer völligen Erschöpfung, der Maasübergang bei Houx und Dinant, die Kämpfe im Brückenkopf zwischen Haut le Wastia und Ohaye, die Panzerschlacht bei Flavion, der Durchbruch durch die französischen Befestigungen westlich Sivry, die nächtliche Verfolgung über Avesnes - Le Cateau bis Arras und die Kämpfe im Forst von Mormal und Le Quesnoy sind Erfolge, die von entscheidendem Einfluss auf die Operationen des gesamten Deutschen Heeres gewesen sind. Ihr seid die Träger dieser Erfolge. Euch gebührt höchster Soldatenruhm. Eure Führer waren es, die fast unerschöpfliche Anforderungen an Euch stellen mussten. Ihnen gebührt das Verdienst, dass die Verfolgung keine Stunde zum Stehen kam. Ihr wisst jetzt, welche Kräfte in Euch stecken, welchen Anstrengungen Ihr fähig seid, wenn der Wille zum Vorwärts in Euch lebendig gehalten wird. Deutsche Panzer und deutsche Luftwaffe bahnten Euch den Weg in kühnen unausgesetzten Angriffen. Nur an einigen Stellen waren die Verluste schwer. Im Vergleich zu dem Erreichten sind sie erträglich. Neue Kämpfe stehen uns bevor. Der Gegner wird die erlittene Niederlage nicht hinnehmen. Mit reichen Kampferfahrungen, mit unbändigem Stolz auf unsere Leistungen und dem festen Vorsatz, unseren gefallenen Führern und Kameraden nicht nachzustehen, gehen wir in den neuen Kampf. Ich werde wieder höchste Leistungen fordern, vor allem entschlossenes und mannhaftes Vorwärts der Schützen, auch wenn keine Kampfwagen eingesetzt sind. Jeder nehme sich vor, sich in seinem Kampfgeist und der Verachtung des feindlichen Feuers von keinem Kameraden übertreffen zu lassen und seinem Führer willig und tapfer zu folgen. Es lebe der Führer. gez. Hoth, General der Infanterie und Kommandierender General des XV.A.K." Indessen hatte sich die Masse der 7.Panzerdivision zum Übergang über den Kanal zwischen La Bassée und Bethune bereitgestellt und sein Südufer von südwestlich La Bassée bis 4 km westlich Bethune besetzt. Die Gewinnung von zwei Brückenköpfen auf dem nördlichen Kanalufer durch das Schwesterregiment aus Jena schuf die Voraussetzung für die Fortführung des Angriffs zur weiteren Einschliessung der in Nordfrankreich und Belgien eingekesselten französisch - englisch - belgischen Armeen. Noch am Abend begann darauf das Pionierbataillon 58 mit dem Bau einer 8 Tonnen - Brücke über den durch versenkte Kähne und Schleppen stark gesperrten La Bassée - Kanal. Indessen hatte der Führer die Beseitigung der Feindmassierung im Kessel Valenciennes - Douai - Bavai gefordert. Hierzu sollten von der Gruppe Hoth Teile der 5. und 7.Panzerdivision mitwirken. Der Gruppe Hoth fiel die Aufgabe zu, am 27.Mai früh über die allgemeine Linie La Bassée - Bethune in Richtung Lille - Armentières anzugreifen und schwächere Kräfte als Flankensicherung zur Bildung eines Brückenkopfes gegen Estaires vorzutreiben. Demgemäss erhielt das XXXIX.A.K. mit der 5. und 7.Panzerdivision den Auftrag, beiderseits der Strasse La Bassée - Lille bis auf die Höhen von Fournes durchzustossen und sich dann zum weiteren Vorgehen in Richtung Lomme (5 km nordwestlich Lille) bereit zu halten. Durch rasche Inbesitznahme der Höhen westlich La Bassée sollte der Angriff des XVI.A.K. auf Richebourg unterstützt werden. |
| 27.5.1940 | Nachlaß Ortlepp. Kav.Schtz.Rgt.6.2) Da der Feind weiterhin den La Bassée - Kanal - Abschnitt hielt, um die Rückzugsbewegungen aus dem Raum La Bassée - Lille - Estaires nach Nordwesten zu decken, fiel der Gruppe Hoth am 27.Mai die Aufgabe zu, die feindliche Verteidigung am La Bassée - Kanal zwischen Bethune und La Bassée zu durchbrechen und in Richtung Lille - Armentières in die feindliche Rückzugsbewegung hineinzustossen. Um 2 Uhr morgens wurde das Schütz.Rgt.6 in seinen Unterkünften alarmiert. Die Bataillonskommandeure wurden fernmündlich zum Regiment befohlen und kamen bald mit dem Befehl zurück, dass das Regiment um 5,20 Uhr in der Reihenfolge II., Regimentsstab, I.Bataillon marschbereit stehen sollte. Der Grund für die Alarmierung war folgender: Das Schütz.Rgt.7 hatte am Abend des 26.Mai, als das Schütz.Rgt.6 für kurze Zeit in Ruhe lag, westlich der Stadt La Bassée auf dem Nordufer des gleichnamigen Kanals in Richtung Bethune zwei Brückenköpfe erkämpft und besetzt. In der Nacht zum 27.Mai wurde jedoch das I.Bataillon des Schütz.Rgts.7 durch überlegene englisch - französische Streitkräfte, denen zahlreiche Panzer zugesellt waren, teilweise wieder auf das südliche Ufer des Kanals zurückgedrängt. Nunmehr wurde das Schütz.Rgt.6 eingesetzt, um das Schwesterregiment in dem schweren Kampf zu unterstützen und anschliessend den deutschen Angriff näher an die Stadt Lille heranzutragen. Das I.Bataillon stand um 5,20 Uhr anmarschbereit in Aix Noulette. Es marschierte in der Marschfolge Stab, 2., 1., 4. und 3.Kompanie und Pionierzug. Der Ordonnanzoffizier des Bataillons war um 6,20 Uhr nach Cuinchy am La Bassée - Kanal zum Befehlsempfang beim vorausgefahrenen Regimentsstab befohlen worden. Das II.Bataillon, in der Reihenfolge 5., 7., 8. und 6.Kompanie an der Spitze der Marschgruppe fahrend, hatte um 5,45 Uhr seinen Unterkunftsraum verlassen und war befehlsgemäss auf Fahrzeugen bis zum Nordausgang von Vermelles vorgegangen, wo es von Oberstlt.Junck weitere Marschanweisungen empfing. Die Fahrzeuge wurden an der Bahnlinie vor Cuinchy abgestellt. Das Bataillon zog sich alsdann zu Fuss an den vom Pionierbataillon 58 in der Nacht bei Cuinchy gebauten Übergang über den Kanal d’Aire (La Bassée - Kanal) heran und ging nach kurzer Bereitstellung südlich der Strasse La Bassée - Cuinchy auf das nördliche Kanalufer über, um zunächst hart nördlich der Übergangsstelle den westlicheren, noch in deutscher Hand verbliebenen kleinen Brückenkopf des Schützenregiments 7 zu verstärken und durch das Vorschieben der 5.Kompanie nach rechts, der 7.Kompanie nach links in nordöstlicher Richtung bis zum Dorfe Cantelux zu erweitern. Der Übergang des II.Bataillons erfolgte ungestört vom Feinde. Die 6.Kompanie folgte hinter der 7.Kompanie als Bataillonsreserve, überschritt bei Cuinchy den Kanal und sicherte in ostwärtiger Richtung gegen die Stadt La Bassée. Die 8.Kompanie hatte sowohl rechts der 5., als auch links bei der 7.Kompanie je eine M.G.-Gruppe, die Panzerabwehrgeschütze im Abschnitt der 7.Kompanie eingesetzt. Der Geschützzug war südlich des La Bassée Kanals zurückgeblieben, da die Kanalbrücken für die nachzuführenden Panzerkampfwagen der Division freigehalten werden mussten. Als sich gegen die Mittagsstunde auch das I.Bataillon anschickte, den Uferwechsel vorzunehmen, setzte stärkeres überraschendes feindliches Artilleriefeuer zur Störung des deutschen Aufmarsches ein. Der Engländer klammerte sich in dem unübersichtlichen Gelände geschickt an die Ortschaften und leistete im allgemeinen nachhaltigen Widerstand, so dass die auf dem Nordufer des La Bassée - Kanals gebildeten Brückenköpfe bis zur Mittagsstunde im Bereich des XXXIX.A.K. nur unwesentlich hatten erweitert werden können. Das sumpfige Kanalufer und die zahlreichen versenkten Kähne erschwerten den Brückenbau und das notwendige schnelle Nachziehen der Kampfwagen und der Artillerie. Besonders schwierig waren die Verhältnisse bei der 5.Panzerdivision, die ihre Panzer über die Brücken der 7.Panzerdivision nachziehen musste. Der Engländer hatte zudem zahlreiche Panzerkampfwagen eingesetzt, die das Vorgehen recht erschwerten, so dass der deutsche Angriff erst spät am Nachmittag in Schwung kam. Der deutschen Artillerie gelang es mit Unterstützung durch die deutsche Luftwaffe bald, das auf den Stellungen des Schütz.Rgts.6 liegende feindliche Geschützfeuer auszuschalten. Das die 7.Kompanie belästigende flankierende M.G.- und Schützenfeuer aus einem Gehöft 500 m westlich Cantelleux wurde unter Einsatz eigener Panzer niedergekämpft. Das Schütz.Rgt.7 hatte am Vormittag mehrfache englische Panzerkampfwagenangriffe aus La Bassée gegen die Brückenkopfstellung nördlich und nordwestlich Cuinchy abgewehrt und den Pionierzug die Fortführung des Baues der beiden Kriegsbrücken über den Kanal ermöglicht. Die 8 Tonnen - Brücke war um 7,30 Uhr, die 16.Tonnen - Brücke bis 13,30 Uhr fertiggestellt. Nunmehr konnte mit dem Übergang der schweren deutschen Panzer begonnen werden. Da beabsichtigt war, den Angriff des II.Bataillons des Schütz.Rgts.6 erst dann weiter vorzutragen, wenn Anlehnung rechts an die 5.Panzerdivision und links an das Schütz.Rgt.7 bestand, blieb das Bataillon bis nach 16 Uhr in den erreichten Linien liegen. Hier war es wiederholt, zum Teil sehr heftigem Granatfeuer des weiter nordwärts stehenden Engländers ausgesetzt. Vor der 7.Kompanie verstärkte sich der zunächst schwache Feind am Westrand von Violaines und schob sogar stärkere Gefechtsvorposten bis auf 100 m an die Kompanie heran. Das I.Bataillon hatte hinter dem II.Bataillon Aufstellung genommen und war bisher nur wenig ins Gefecht gekommen. Nach Vollendung der Kriegsbrücken der 7.Panzerdivision sollte am Nachmittag der Brückenkopf aus der Linie Cantelleux nördlich Givenchy erweitert werden. Die durch die 5.Panzerbrigade des Generalmajors Haarde auf zwei Panzerregimenter verstärkte 7.Panzerdivision wurde in der vordersten Linie zum Durchstoss der englischen Stellungen gegliedert. Nach völliger Bereitstellung der Schützenregimenter 6 und 7 und nach dem Vorschieben von deutschen Panzerkampfwagen auf das nördliche Kanalufer und ihrem Anrollen in nordostwärtiger Richtung begann um 16 Uhr der Angriff auf Violaines und Le Transloy. Der Angriff wurde durch die eigene Artillerie mustergültig vorbereitet. Als das II.Bataillon auf das erste Angriffsziel, das Dorf Violaines, eintrat, schlug ihm nur noch schwaches feindliches Abwehrfeuer entgegen. Der geringe Widerstand des Gegners war bald gebrochen. Um 16,30 Uhr war Violaines, das von der Artillerie in Brand geschossen in hellen Flammen stand, in der Hand des II.Bataillons. Die dem Bataillon beigegebenen Panzer stiessen weiter vor. Gemeinsam mit der 5.Panzerdivision rechts und dem Schützenregiment 7, dessen 2. und 3.Kompanie jedoch während des Angriffs wiederholt in den linken Flügel des II.Bataillons gerieten, und so die Bewegungen hemmten, wurde der Vorstoss auf das weitere Angriffsziel des Schütz.Rgts.6, das Höhengelände um Fournes, erfolgreich vorgetragen. Die Strasse La Bassée - Estaires wurde erreicht. Hier stockte der Angriff kurze Zeit, da die Strasse noch unter eigenem Artilleriebeschuss lag und der beigegebene vorgeschobene Beobachter keine Verbindung mit seiner Batterie bekam. Nach Vorverlegen des Geschützfeuers ging der Angriff flüssig in Richtung auf Lille weiter. Das I./Schütz.Rgt.7 konnte dem schnellen Vorgehen nicht folgen und hing bald weit zurück. Die vorstossenden deutschen Panzerkampfwagen räumten unter den Engländern und Franzosen mächtig auf und brachten Gefangene in Stärke einer Kompanie ein. Die 5.Kompanie des Schütz.Rgts.6 hatte allein bei der Säuberung von Violaines 60 englische Soldaten als Gefangene aufbringen können. Unter ihnen befanden sich auch Schotten mit ihren bekannten kurzen Röckchen. Der Feindwiderstand liess bald merklich nach. Auch das anfangs sehr heftige englische Artilleriefeuer war fast ganz verstummt, da sich die englischen Batterien im Stellungswechsel nach rückwärts befanden. Einzelne gegnerische Widerstandsnester wurden durch schwungvolles Vorgehen gegen die Strasse La Bassée - Lille überrannt. Ein hart westlich Fournes eingeschanztes englisches Maschinengewehr wurde durch flankierenden Einsatz der 6.Kompanie von rechts schnell erledigt. Hierbei wirkte auch der Panzerspähwagen des Divisionskommandeurs, Generalmajor Rommel, unmittelbar mit. Um 22 Uhr war der Ort Fournes besetzt. Hier mussten die Bataillone erst etwas verschnaufen und die in der Dunkelheit durcheinandergeratenen Verbände neu ordnen. Indessen erhielt das Regiment Befehl, in der Gegend von Escobecques beiderseits der Strasse einen Igel zu bilden und zu sichern. Nach dem Nachtgefecht bei Fournes war die Feindberührung verloren gegangen, da sich der Gegner sehr schnell weiter zurückzog und von den Verfolgern absetzte. Anstelle des durch das rastlose Vorgehen ermüdeten II.Bataillons wurde nun das I.Bataillon in die erste Linie genommen. Bald schon ging es ostwärts in Richtung auf den wichtigen nordfranzösischen Industrieraum Lille weiter. Kurz vor Mitternacht war der befohlene Raum erreicht. Das I.Bataillon sicherte in Front mit der 1.Kompanie nach Osten, der 3.Kompanie nach Norden und der 2.Kompanie nach Westen. Die schwere Kompanie verblieb zur Verfügung des Bataillons. Etwa 3 km weiter vorgeschoben hatten deutsche Panzerkampfwagen vor dem Bataillon Schutzstellung für die Nacht bezogen. In Escobecques erbeutete die 3.Kompanie des Schütz.Rgts.6 neun verlassene englische Panzerkampfwagen. Die gleiche Kompanie nahm anschliessend eine auf der Strasse aus Armentières heranmarschierende feindliche Abteilung in Stärke einer Kompanie unter überraschendes Schützenfeuer, zwang den Gegner zur Übergabe und führte ihn in Gefangenschaft ab. Insgesamt fielen dem I.Bataillon im Laufe des Kampfes fast 300 Gefangene in die Hand. Das II.Bataillon bildete nach Erreichen des Raumes Beaucamps - Ligny am Südflügel des Regiments einen Igel und bezog Sicherungsaufstellung nach allen Seiten. Der Regimentsgefechtsstand wurde in Beaucamps eingerichtet. Während das XXXIX.A.K. mit der 5. und 7.Panzerdivision die Gegend westlich Haubourdin und Escobecques erreichen konnte, war das XVI.A.K. mit der 4.Panzerdivision und der SS.Totenkopfdivision nur unerheblich vorangekommen, so dass ein Teil des Gegners von Lille auf Armentières ausweichen konnte und sich der Umklammerung entzog. Der Panzerangriff der durch die Panzerbrigade Haarde von der 5.Panzerdivision verstärkten Panzerwaffe der 7.Panzerdivision hatte zu einem vollen Erfolg geführt. Das vorausfahrende Panzerregiment 25, wo sich zeitweise auch der Divisionskommandeur aufgehalten hatte, hatte nach hartem Kampf mit vielen feindlichen Panzern und nach Niederkämpfung der Panzerabwehr des Gegners kurz nach Mitternacht befehlsgemäss bei Lomme die Strasse Lille - Armentières erreicht, wo sich die gesamte Division zur Unterstützung bereitstellte. Der Führer und Oberste Befehlshaber der Wehrmacht verlieh am 27.Mai dem verdienstvollen Kommandeur der 7.Panzerdivision, Generalmajor Rommel, in Anerkennung der grossen Verdienste der Division auf dem westlichen Kriegsschauplatze das Ritterkreuz zum Eisernen Kreuz. Durch diese Verleihung war zugleich der Angriffssgeist und das Vorwärtsdrängen des zur Division gehörigen Schütz.Rgts.6 ausgezeichnet worden. Verluste: tot 1 Uffz., 4 Schützen, verwundet 14 Schützen. |
| 28.5.1940 | Nachlaß Ortlepp. Kav.Schtz.Rgt.6.2) Das Panzerregiment 25 der 7.Panzerdivision hatte im Laufe der Nacht zum 28.Mai die Gegend westlich Lomme erreicht, 50 feindliche Panzer vernichtet, zahlreiche Panzerabwehrwaffen zerstört, feindliche Kolonnen aller Art zersprengt und über 500 Gefangene gemacht. Angriffe des Feindes in der Nacht und in den ersten Morgenstunden des 28.Mai brachen im Feuer des I.Bataillons des Schütz.Rgts.6 zusammen. Das kühle und trübe, dann regnerische Wetter liess im Laufe des Vormittages eine grössere Kampftätigkeit nicht aufkommen. Gegen Mittag traf beim Regiment Befehl zum Weitermarsch in Richtung auf Lille ein. Bei strömendem Regen marschierte die Spitze des Regiments, die vom I.Bataillon gebildet wurde, aus den Sicherungsräumen zu Fuss ab. Der Vormarsch ging vorerst nach dem am Westrande von Lille gelegenen Fort d’Englos, das kampflos besetzt werden konnte. Der Franzose hatte das Fort Hals über Kopf geräumt. Das I.Bataillon erbeutete hier grössere Bestände an Artilleriemunition, Bekleidungs- und Ausrüstungsgegenständen. Unmittelbar vor dem Westrande der Industriestadt Lille wurde nach Festlegung einer Hauptkampflinie für das gesamte Regiment zwischen Capinghem und Englos eine Verteidigungsstellung mit Front nach der nur wenige Kilometer ostwärts gelegenen Stadt Lille bezogen und ausgebaut. Vom I.Bataillon ging die 3.Kompanie im Fort d’Englos, die 1.Kompanie nördlich davon, dann anschliessend die 2.Kompanie in Stellung. Der s.M.G.-Zug der 4.Kompanie übernahm die Sicherung auf den Dächern des Forts. Am Spätnachmittag in Richtung auf Lille vorgehende französische Spähtrupps stiessen vor der Bataillonsfront am Bahndamm auf Teile der 5.Panzerdivision und wurden abgewehrt. Das II.Bataillon war in der Marschordnung 5., 6., 7. und 8.Kompanie um 16,15 Uhr südostwärts Capinghem eingetroffen und hatte sich hier sofort zur Verteidigung mit der Front nach Osten gegen die Stadt Lille eingerichtet. Es wurden eingesetzt die 6.Kompanie rechts, die 7.Kompanie links. Gefechtsvorposten der 5.Kompanie fanden ostwärts der Strasse Armentières - Lille Aufstellung. Die übrigen Teile des Bataillons einschliesslich des Pionierzuges wurden in Reserve gehalten. Der Regimentsstab bezog im Dorfe Capinghem seinen Gefechtsstand. Die Linien und das Hauptkampffeld wurden in den Abend- und Nachtstunden ausgebaut. Infanteriekämpfe fanden im Laufe des Nachmittags und Abends im Gefechtsabschnitt des Schütz.Rgts.6 nicht statt. Das geringe feindliche Artillerie - Störungsfeuer verursachte keinerlei Schäden. Feindvorstösse aus Lille heraus wurden abgeschlagen. Einheiten der Division nahmen neben dem bereits erwähnten Fort d’Englos auch das Fort Senarmont in Besitz. Als in der Nacht auf der Strasse von Lille sich eine stärkere französische Abteilung näherte, wurde sie durch die Aufmerksamkeit der Horchposten rechtzeitig entdeckt, bis 20 Meter herangelassen und dann von der 3.Kompanie zusammengeschossen. Dank der Geistesgegenwart von 2 Horchposten, die dabei zwischen die Franzosen geraten waren, gelang es 2 Offiziere und 112 Mann gefangen zu nehmen. In der Linie Fort d’Englos - Wasserturm Lomme - Fort Senarmont - Ostrand Pérenchies - Verlinghem - Fort Vert Galant bis an den Kanal Basse Deule richtete sich die 7.Panzerdivision für die Nacht zur Verteidigung ein. Verluste: tot 2 Schützen, verwundet 4 Schützen. |
| 29.5.1940 | Nachlaß Ortlepp. Kav.Schtz.Rgt.6.2) Die Gruppe Hoth beabsichtigte nunmehr, das XXXIX.A.K. in der Linie Strasse Lille - Armentières stehen zu lassen und mit der 4.Panzerdivision gegen Armentières vorzubrechen, um ein Ausweichen der auf und in Armentières im Zurückgehen befindlichen Kräfte des Gegners zu verhindern. Das Feindbild stellte sich etwa wie folgt dar: Die Gruppe Hoth hatte die feindliche Verteidigung bis zur Linie Lomme - Lez Macquart durchstossen, wenn auch auf dem linken Flügel noch Teile der englischen 2.Division in der Gegend Estaires - Merville hielten. Grössere Abteilungen des Feindes hatten sich rechtzeitig aus dem Raum um Lille in nordwestlicher Richtung über Armentières und Bailleul zurückgezogen. Die Gruppe von Kleist hatte durch Vorstoss auf Poperinghe die belgisch - französische Grenze überschritten und stand nunmehr westlich Ypern. Die 4.Armee ordnete daher für den 29.Mai den Vorstoss auf Bailleul an, wobei dem XXXIX.A.K. die Aufgabe zufiel, ein weiteres Abfliessen von Feindkräften nach Westen und Nordwesten zu verhindern. Am 28.Mai hatte der König der Belgier für das belgische Heer den Entschluss gefasst, den weiteren durch die deutschen Umzingelungsbewegungen sinnlos gewordenen Widerstand ein Ende zu bereiten und um Waffenstillstand zu bitten. Der Führer hatte die Bitte angenommen. Auf Grund der bekanntgegebenen deutschen Bedingungen kapitulierte nun am 29.Mai die gesamte belgische Armee. Damit war das belgische Heer aus den Reihen unserer kämpfenden Feinde ausgeschieden. In Westbelgien standen nunmehr nur noch englische und französische Divisionen und suchten sich der Einschliessung zu erwehren. Die Nacht vom 28./29.Mai war, von geringfügigem und wirkungslosem Artilleriefeuer abgesehen, beim Schütz.Rgt.6 ruhig verlaufen. Der Stellungsausbau wurde fortgesetzt. Gegen 9,30 Uhr lief beim Schütz.Rgt.6 die Meldung ein, dass Lille in deutsche Hand gefallen sei. Als die Nachricht durch die 7.Panzerdivision ihre Bestätigung erhalten hatte, wurden die Schützen mit Rücksicht auf das unfreundliche, kühle und regnerische Wetter in die Häuser hinter der Verteidigungslinie liegenden Ortschaften zurückgezogen. Nur schwache Postierungen blieben in den bisherigen Linien stehen. Diese Sicherungen wurden gegen 11 Uhr auf Anordnung des Regiments weiter geschwächt, so dass schliesslich nur noch je Kompanie 1 - 2 Gruppen in der Sicherungslinie standen. Die Masse des Regiments hielt sich in den Häusern in Bereitschaft. Diese Sicherung musste aufrecht erhalten bleiben, da hier und da noch schwache Feindteile trotz der Kapitulation Ausbruchsversuche aus Lille unternahmen. Um 11,30 Uhr gab französische Artillerie sogar noch mehrere Schüsse auf die Strasse Englos - Lomme ab. Das erfolgreiche Fortschreiten des deutschen Angriffs im Raum Armentières - Bailleul - Lille liess die alsbaldige Herausnahme der 7.Panzerdivision und der halben 5.Panzerdivision aus der Front und ihre Verlegung in den Raum um und westlich Arras zu. Ein Teil der 5. Panzerdivision hatte den Nordwestrand von Lille abgeschlossen und mit der 267.Inf.Div. Haubourdin gesäubert. Die dabei gemachte Beute war unübersehbar. Zahlreiche Gefangene, darunter der Oberbefehlshaber der französischen 1.Armee, wurden eingebracht. Um 16,30 Uhr erhielt das gesamte Schütz.Rgt.6 Abmarschbefehl in einen westlich Arras gelegenen Unterbringungsraum. Die Kompanien des I.Bataillons sollten an die westlich des Forts d’Englos stehenden Fahrzeuge rücken, während das II.Bataillon bei den Fahrzeugen bei Ennetières sammeln sollte. Der ursprüngliche Abmarschbefehl wurde jedoch durch einen weiteren ergänzenden Befehl erheblich eingeschränkt. Als das II.Bataillon gerade mit den Fahrzeugen abrücken wollte, befahl Generalmajor Rommel, dass zunächst nur das I.Bataillon in den neuen Raum marschieren könne. Der Regimentsstab und das II.Bataillon sollten mit einigen Batterien Artillerie und Flak als Nachhut und Rückensicherung vor Lille stehen bleiben und etwaige feindliche Ausbruchsversuche aus dem teilweise besetzten Lille abwehren. Das II./Schütz.Rgt.7 blieb gleichfalls zurück und wurde Oberstlt.Junck vorübergehend unterstellt. Das II.Bataillon ging hierauf nach Capinghem zurück und wurde beiderseits des Dorfes mit dem rechten Flügel am Fort d’Englos und dem linken Flügel nördlich der Hauptstrasse im Anschluss rechts an die 5.Panzerdivision, links an das II./Schütz.Rgt.7, eingesetzt. Um 21,30 Uhr waren die befohlenen Stellungen durch das II.Bataillon Schütz.Rgts.6 eingenommen. Artilleriefeuer schweren Kalibers lag in den Nachtstunden hinter den Stellungen des Bataillons und richtete keinen Schaden an. Vorgeschickte Spähtrupps stellten fest, dass stärkere französische Infanteriekräfte noch den Eisenbahndamm ostwärts des Dorfes Lomme besetzt hielten. Das Regiment brachte im Laufe des Tages 80 Franzosen gefangen ein, darunter mehrere Offiziere. Um 17 Uhr war das I.Bataillon abgerückt. Als Unterkunftsraum war ihm die Gegend um Avesnes le Comte, Hauteville, Latre St. Quentin zugewiesen worden. Der Marsch des Bataillons führte über Ennetières nach Escobecques, wo das Bataillon auf persönlichen Befehl von Generalmajor Rommel in der Fahrt angehalten wurde und die Nachricht erhielt, dass es allein in den befohlenen Raum zu führen habe, da das Schwesterbataillon die Nachhutdeckung der Division übernehmen musste. Bis zu der neugebauten 16 Tonnen-Brücke westlich La Bassée ging die Fahrt über Fournes ohne Störung vor sich. Das Durchschleusen des Bataillons über die Kanalbrücke dauerte dagegen aber 6 Stunden, da die Zufahrtsstrassen zur Brücke restlos verstopft waren. Da zudem das Kanalbett tief eingeschnitten war und die An- und Abfahrt daher sehr steil waren, gab es beim Kanalübergang zeitweilige Hemmnisse. Viele Fahrzeuge konnten überhaupt nur unter Zuhilfenahme einer Zugmaschine die Zu- und Abfahrt zur Kanalbrücke überwinden. Das Bataillon wurde bis Mitternacht vollständig auseinandergerissen und musste sich schliesslich am Nordausgang von Fournes erneut sammeln. Nachdem der erste Abschnitt des Krieges gegen die Westmächte siegreich beendet war und weit über 100 000 Gefangene und unzählbares Kriegsgerät von der 4.Armee eingebracht worden war, sprach Generaloberst von Kluge als Oberbefehlshaber der 4.Armee den beteiligten Truppen, insbesondere den schnellen Verbänden, durch Tagesbefehl vom 29. Mai für ihre Tapferkeit und Hingabe seine Anerkennung aus und knüpfte daran die Erwartung, dass bei Beanspruchung aller Kräfte und voller Einsatzbereitschaft der Feind bald erneut angegriffen und geschlagen und damit der Krieg rasch und siegreich beendet werden würde. |
| 30.5.1940 | Nachlaß Ortlepp. Kav.Schtz.Rgt.6.2) Nachdem sich kurz nach Mitternacht zum 30.Mai die einzelnen Fahrzeuge des I.Bataillons des Schütz.Rgts.6 nach dem Kanalübergang am Nordausgang von Vermelles vereinigt hatten, setzte die Marschkolonne des I.Bataillons um 3 Uhr die Fahrt in den Unterkunftsraum bei Avesnes le Comte fort. Da während des schwierigen Übergangs über die Kanalbrücke Teile einer deutschen Infanteriedivision am Bataillon vorbeigezogen waren, mussten sich die Schützen mit ihren Fahrzeugen auf einer restlos verstopften Marschstrasse erst Bahn suchen. Erst als die grosse Strasse Béthune - Arras bei St. Pols erreicht war, ging es in flottem Tempo bis La Targette. Dort wurde nach Südwesten abgedreht und Avesnes le Comte über Maroeuil, Éleu und Habarcq erreicht. Der Bataillonsstab und die 3.Kompanie wurden in Hauteville, der Rest des Bataillons einschliesslich der der 1.Kompanie vorübergehend unterstellten Pionierzüge in Avesnes le Comte untergebracht. Um 8 Uhr waren die Unterkünfte bezogen. Die Schützen holten den versäumten Schlaf nach und ruhten von den Strapazen des Vortages aus. Nachdem am 30.Mai früh 1,30 Uhr erlassene Befehl des XXXIX.A.K., das weiterhin der Gruppe Hoth unterstellt blieb, sollte das Korps am 30.Mai den Raum westlich und südwestlich Lille von den noch dort stehenden versprengten Teilen des Feindes säubern. Während die 267.Inf.Div. gegen den Raum Loos - Le Marais - Haubourdin bis zur Deule und die Gefechtsgruppe Haarde zur Sperrung bei Sequedin - Lambersart - Le Corbeau angesetzt wurde, sollten die in den Nachtstellungen verbliebenen Teile der 7.Panzerdivision sich auf den Höhen vom Lomme bereit zur Verfügung des Generalmajors Haarde zum Einsatz am Nordflügel der Gefechtsgruppe Haarde bereithalten. Beim II.Bataillon war die Nacht zum 30.Mai in den Stellungen um Capinghem ruhig verlaufen. Beim Morgengrauen wurden gegen 4 Uhr zwei Spähtrupps der 6.Kompanie beiderseits der Hauptstrasse auf die Bahnlinie ostwärts Lomme angesetzt. Sie fanden sowohl den Bahndamm noch von französischer Infanterie, als auch eine starke Sperre mit Pak und M.G. hart westlich der Bahnlinie auf der Hauptstrasse besetzt. Die beiden Spähtrupps waren unbemerkt vom Gegner bis nahe an den Feind herangekommen, wurden dann aber entdeckt und unter heftiges Feuer genommen. Der eine Spähtrupp wurde vom Feind vollständig zusammengeschossen, der andere kehrte mit 2 Verwundeten zurück. Vom Feind wurden 7 Franzosen und Algerier eingebracht. Der Verlust der 6.Kompanie betrug 2 Tote, 2 Verwundete und 1 Vermissten. Das zunächst trübe und kühle Wetter klarte gegen Mittag etwas auf. Die Sonne kam zum Durchbruch und trocknete die Strassen ab. Die Temperatur freilich blieb zunächst noch verhältnismässig niedrig. Nachdem gegen Mittag Infanterie im Gefechtsraum des II. ataillons des Schütz.Rgts.6 angekommen war und sich zum Vorgehen auf die Stadt Lille anschickte, traf um 14,30 Uhr für den Regimentsstab und das II.Bataillon der Befehl zum Abrücken in den neuen Unterkunftsraum westlich Arras ein. Die Sicherungen westlich Lille wurden darauf eingezogen, die Infanterie wurde eingewiesen und dann gingen die Schützen zu Fuss zu ihren Fahrzeugen zurück. Um 15,30 Uhr erfolgte der Abmarsch. Die Fahrt führte etwa den gleichen Weg, den am Vorabend das I.Bataillon gefahren war, über Englos, Beaucamps, Ligny und die 16 Tonnen - Brücke bei La Bassée. Auf den durch andere Einheiten verstopften Strassen kam das II.Bataillon bis La Bassée nur langsam vorwärts. Als der Kanal südlich Givenchy überquert war, ging es im flotten Tempo über Hersin, Aubigny und Hernaville vorwärts. Um 21 Uhr war der neue Unterkunftsraum erreicht. Es kamen unter: der Regimentsstab in Noyelle und Vion, der Stab des II.Bataillons, die 5. und 6.Kompanie einschliesslich der Instandsetzungsstaffel in Lattre St.Quentin, die 7.Kompanie in Barly und die 8.Kompanie in Flosseux (Fosseux). Die Tagesbeute des II.Bataillons betrug 14 Gefangene. Während des Feldzuges in Belgien und Nordfrankreich hatten das XV.Armeekorps, zu dem auch die 7.Panzerdivision gehörte, folgende Divisionen bzw. Teile dieser Divisionen gegenübergestanden: Belgier: 1.Ardennenjäger Division (Ardennenjäger - Rgt. 3), 1.belgische Kavalleriedivision. Franzosen: Weisse 2., 4., 13., 16., 18., 19., 22., 32.Infanteriedivision, marokkanische 1. und 3. Inf.Div., nordafrikanische 1., 2., 3., 4., 5. Inf.Div., motorisierte 1., 5., 9., 12. und 15. Division, 1.und 2.Kavallerie - Division, 1., 3. und 4.mechanisierte leichte Kavallerie - Division, 1.Panzerdivision, 101.Festungsdivision. Engländer: 2., 5., 23. und 50. Inf.Div., 2.Panzerdivision. Die Beute des XV.Armeekorps umfasste u.a. über 30 000 Gefangene und 220 vernichtete oder zerstörte Panzerkampfwagen. Von dieser Beute entfielen allein 6850 Gefangene und 48 Panzer auf die 7.Panzerdivision, die u.a. am 17.Mai eine Gefangenenzahl von über 3 500 Mann hatte melden können. Die Schützen des Schütz.Rgts.6 hatten allen Grund dazu, stolz zu sein, dass sie an diesen Erfolgen ganz hervorragenden Anteil hatten. Verluste: tot 3 Schützen, verwundet 2 Schützen, vermisst 1 Uffz. |
| 31.5.1940 | Nachlaß Ortlepp. Kav.Schtz.Rgt.6.2) Grosse Ereignisse werfen ihre Schatten voraus. Während in Westbelgien und an der französischen Kanalküste bei Dünkirchen die Reste der französischen und englischen Divisionen, denen es nicht geglückt war, rechtzeitig über Aisne oder Somme nach Süden auszuweichen, auf immer engerem Raum zusammengepresst wurden, traf das Oberkommando der Wehrmacht die Vorbereitungen zum entscheidenden Angriff auf Frankreich. Die Massnahmen waren so umfassend, dass die Gewähr bestand, dass Frankreich und sein Heer in nur wenigen Wochen endgültig in die Knie gezwungen waren. Erhebliche Umgruppierungen der deutschen Streitkräfte wurden notwendig. Die Angriffstruppen mussten vorher noch einige Tage Ruhe haben, damit sie mit frischer Kraft den ihnen übertragenen Aufgaben meistern konnten. Im Zuge der Umbildung der Angriffsarmeen wurde mit dem 31.Mai die Gruppe Hoth aufgelöst. Die beiden Panzerdivisionen - 5. und 7.Panzerdivision - unterstanden wieder dem XV.A.K. unmittelbar. Die Divisionen blieben in den zugewiesenen Unterkunftsräumen, um die nach 3 Wochen ununterbrochenen Kämpfen notwendige Auffrischung durchzuführen. Vom Grenzübertritt an hatte die 7.Panzerdivision und damit auch das Schütz.Rgt.6 bisher kaum einen richtigen Ruhetag gehabt. Unter ihrem hervorragenden Kommandeur, Generalmajor Rommel, hatte die Division die belgische Sperrstellung durchbrochen, die Maasübergänge bei Dinant erzwungen, die Sambrestellung durchstossen und war dem fliehenden Feind über Cambrai, Arras und die historischen Schlachtfelder des ersten Weltkrieges zwischen Ypern, La Bassée und Lille über den La Bassée - Kanal gefolgt, um mitzuwirken, die endgültige Vernichtung der eingeschlossenen Kräfte der Feinde im französisch - belgischen Grenzraum herbeizuführen. Am 31.Mai wurde die 5.Panzerdivision durch den Unterkunftsraum der 7.Panzerdivision in westlicher Richtung durchgezogen. Alle Strassen mussten vorübergehend für diese Division freigemacht werden. Indessen hatte die 7.Panzerdivision Ruhe. Die Ruhetage wurden vom Schütz.Rgt.6 ausgenutzt, um Fahrzeuge, Waffen und Gerät nachzusehen und die Kleidungsstücke in Ordnung zu bringen. Aus Saalfeld trafen 100 Ersatzmannschaften ein, die auf die Bataillone verteilt wurden. Die Schützen bemühten sich, soweit es mit den zur Verfügung stehenden Mitteln durchführbar war, ihre Unterkünfte wohnlicher zu gestalten. Das II.Bataillon musste am 31.Mai infolge Überfüllung der Quartiere im zugewiesenen Raum die Unterkunft wechseln. Nach der Umlegung waren untergebracht: Stab, Nachrichtenstaffel: Schloss Fosseux, 5. Kompanie: Lattre St. Quentin, 6. Kompanie: Noyelle - Vion, 7. Kompanie: Barly, 8. Kompanie: Fosseux, Pionierzug, Instandsetzungsstaffel, Gefechtstrosse: Lattre St. Quentin. Die Gesamtaufälle des II.Bataillons in der Zeit vom 10.5. - 29.5. hatten betragen: 5 Offiziere, 46 Unteroffiziere, 243 Schützen, 3 Infanteriegeschütze, 2 Pak, 6 schwere Granatwerfer, 20 M.G.34. |
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Quellen:
2) BAMA
N 787/111