7.Panzerdivision
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Kriegstagebuch Juni 1940
1.6.1940
Nachlaß Ortlepp.
Kav.Schtz.Rgt.6.2)

Der 1. Juni sah die Schützen bei Instandsetzungsarbeiten an den Waffen und Ausrüstungsgegenständen. Insbesondere wurden die Fahrzeuge gereinigt, abgeschmiert
und geputzt, sowie die Bekleidung, der man die Spuren des gewaltigen und erfolgreichen Vormarsches ansah, in Ordnung gebracht.
Die Fehlbestände an Waffen, Gerät und Fahrzeuge konnten durch Zuführungen aus der Heimat und Instandsetzungen einigermaßen ausgeglichen werden.
Die beabsichtigte personelle Auffüllung gelang jedoch nicht, da infolge der unzulänglichen Transportlage im besetzten Gebiet Ersatz nur in beschränktem Umfang
durch die Marschbataillone herangeführt werden konnte. Die den Bataillonen zugewiesenen Ersatzmannschaften (je Bataillon 49 Mann) wurden in die Einheiten
eingegliedert und in ihre künftigen Aufgaben eingewiesen. Mit erheblich verminderter Kampfstärke musste das Regiment in die Schlacht in Frankreich eintreten.
Am 1.Juni empfing Generalmajor Rommel die Kommandeure der Regimenter und Bataillone in seinem Stabsquartier, gab ihnen einen Überblick über die Leistungen der
7.Panzerdivision und sprach seinen Dank für die hervorragenden Leistungen der Truppe aus.
2.6.1940
Nachlaß Ortlepp.
Kav.Schtz.Rgt.6.2)

Am 2.Juni fanden in den Ruhequartieren die Instandsetzungsarbeiten ihren Fortgang. Die Ersatzmannschaften erhielten vorerst eine sich auf die bisherigen
Gefechtserfahrungen gründende Ausbildung am l.M.G.
Um 11,30 Uhr versammelte der wieder nach seiner Verwundung bei der Truppe eingetroffene Regimentskommandeur Oberst von Unger die Offiziere des Regiments in
seinem Stabsquartier in Noyelle - Vion, gab ihnen einen Überblick über den bisherigen Verlauf des Westfeldzuges und übermittelte ihnen den Dank des
Divisionskommandeurs und des Korpskommandeurs für die bisherigen Leistungen.
Viele Angehörige des Regiments nutzten die Ruhezeit aus, um nochmals das Kampfgelände nordwestlich und südlich Arras aufzusuchen, dort die frischen Gräber ihrer
gefallenen Kameraden zu schmücken und von ihnen Abschied zu nehmen.
3.6.1940
Nachlaß Ortlepp.
Kav.Schtz.Rgt.6.2)

Der Vormittag des 3.Juni wurde von den Einheiten zu weiteren Instandsetzungen von Waffen, Gerät, Bekleidung und Fahrzeugen ausgenutzt. Ferner wurden Belehrungen
über Plünderung, Verhalten vor dem Feinde usw. abgehalten.
Am Nachmittag fand für das ganze Regiment durch den Divisionsgeistlichen ein Feldgottesdienst statt.
Die Bataillonskommandeure hatten sich mit den Adjutanten, Ordonnanzoffizieren und Kraftfahrzeugstaffelführern am frühen Morgen bei der Division versammelt.
Von dort aus wurde unter der Leitung von Generalmajor Rommel zur Erkundung des Geländes für den geplanten Übergang über die Somme in der Gegend von Bourdon
(halbwegs Abbeville - Amiens) vorgefahren.
Die am Nordufer der Somme getroffenen Erkundungen zeitigten folgendes Ergebnis: Von den Beobachtungsstellen der bei Bourdon eingesetzten deutschen Infanterie war
von der in den letzten Tagen in französischen Berichten so oft genannten, angeblich unüberwindbaren Wegsamlinie nicht viel zu sehen. Doch war dort das Südufer
des Flusses für die Verteidigung wesentlich günstiger als das Nordufer. Die Franzosen konnten von den beherrschenden Höhen auf dem Südufer aus das ganze Vorland
nördlich des Flusses bis weit in das Hinterland einsehen. Die Sommeniederung war breit, durchweg versumpft und von mehreren Kanälen und Wasserläufen durchzogen.
Zwischenfälle ereigneten sich bei der Erkundung nicht.
Gegen 16 Uhr waren die Kommandeure mit ihren Begleitern zu den Bataillonen zurückgekehrt.
Bereits um 17 Uhr wurden Regiments- und Bataillonsführer erneut zur Division befohlen. Bald darauf traf der Befehl zur Herstellung der Marschbereitschaft für
21,30 Uhr ein. Aus der von der 7.Panzerdivision angekündigten sechstägigen Ruhezeit wurde nichts.
Durch abändernden Befehl von 19 Uhr wurde die Abmarschbereitschaft für die Bataillone allgemein wieder aufgehoben und nur für die Stäbe, Erkundungstrupps sowie
die Kompanie- und Zugführer, die Pionierzüge und die schweren Kompanien aufrecht erhalten. Die Schützenkompanien sollten noch in den bisherigen Unterkunftsräumen
verbleiben und erst in der nächsten Nacht in die erkundeten Stellungen nachgeführt werden.
Um 23,30 Uhr fuhren Stäbe und Vorkommandos mit der 4. und 8.Kompanie in die erkundeten Räume nördlich der Somme ab.
Am 3.Juni hatte General der Inf.Hoth (Chef des Stabes von Bock) den Korpsbefehl für den Angriff über die Somme am 5.Juni erlassen. Der Franzose hielt das Südufer
der Somme besetzt und hatte sich dort zur nachhaltigen Verteidigung eingerichtet.
An Feindkräften waren festgestellt worden: bei Abbeville die 5.franz. Kol.Div. und die 1.englische Panzerdivision, bei Amiens die franz. 7.Kol.Div. mit einem
Panzerverband, im Abschnitt Bray (6 km südöstlich Abbeville) - Hangest (18 km nordwestlich Amiens) die franz. 2.le.Kav.Div.
Das XV.A.K. hatte am 5.Juni früh durch überraschenden Angriff ohne Artillerievorbereitung den Übergang über die versumpfte Somme zwischen Pont Remy und Bourdon
zu erzwingen, die feindliche Verteidigungsstellung zu durchbrechen und unter Verhinderung eines erneuten Festsetzens des Gegners bis zur Linie Abancourt - Sarcus
(südwestlich Amiens) vorzustoßen.
Die deutsche 2.mot.Inf.Div. sollte sich zwischen Coquerel und l’Etoile in Besitz der Höhe Plaine d’Anvillers, den Westteil der Höhe südlich Condé Folie sowie der
Höhen beiderseits Airaines setzen, um den auf den beiden Flügeln des Korps angreifenden zwei Panzerdivisionen (5. und 7.Pz.Div.) das Vorwärtskommen zu erleichtern.
Bei Airaines sollten die motorisierten Infanteristen stehen bleiben, bis die 7.Pz.Div. vorgegangen war. Diese Division hatte über die Somme südlich l’Etoile
anzugreifen und zunächst die Höhe 116 (Pillier) südlich Condé Folie zu nehmen und nach Herübernahme der Masse der Panzer über die Somme unter Brechung jeglichen
Feindwiderstandes bis Sarcus und westlich davon über Abancourt auf der linken Flanke vorzustossen.
Der Angriffsschwerpunkt in der 1.Phase lag also bei der 2.mot.Inf.Div. Nach Bildung von Brückenköpfen sollte an den Stellen, wo dies am schnellsten möglich war,
die Panzerwaffe und je ein Schützenregiment auf Fahrzeugen über den Fluss gehen, um nach Durchbrechen der Uferverteidigung den Durchbruch durch die Weygandstellung
zu vollenden und die Verfolgung in Richtung auf die Seine anzutreten.
Unmittelbar nach Eingang des Korpsbefehls erliess auch die 7.Panzerdivision am 3.Juni gegen 19,30 Uhr den ersten Befehl für die Bereitstellung zum Angriff über die
Somme beiderseits Bourdon. Hiernach sollten bereits in der Nacht vom 3./4.Juni das Art.Rgt.78, die beiden schweren Kompanien des Schütz.Rgts.6, die Pionierzüge des
Regiments und die übrigen Divisionspioniere und die schweren Waffen des Kradschützenregiments 7 in den Bereitstellungsraum verlegt werden.
Die Masse der Division hatte nach gesondertem Befehl erst in der Nacht vom 4./5.Juni in den Aufmarschraum einzurücken. Die Führungsabteilung des Divisionsstabes
wurde nach Villes le Marcle vorverlegt.
Da das Gelingen des Sommeübergangs in erster Linie davon abhing, ob der Gegner das südliche Flussufer abschliessend nur schwach besetzt hatte, der Aufmarsch der
deutschen Angriffstruppen auf dem Nordufer verborgen blieb, wurde die völlige Tarnung gegen Erd- und Luftsicht besonders hingewiesen und es wurde ihnen das Fahren
bei Nacht ohne Licht zur Pflicht gemacht. Erkundungen mussten auf das unumgänglich notwendige Mass beschränkt bleiben.
Nach der ersten Erkundung der Sommestellung bestand folgende Absicht: Das Schütz.Rgt.6 sollte am 5.Juni früh im Angriffsstreifen der 7.Panzerdivision den Übergang
über die Somme südwestlich Flixecourt erzwingen, auf dem Südufer einen Brückenkopf bilden und alsdann gemeinsam mit den gleichzeitig antretenden deutschen Inf. und
Panzerdivisionen die neu ausgebaute starke feindliche Verteidigungslinie zwischen Abbeville - Amiens - die sogenannte Weygandlinie - zu durchbrechen. Es sollte
eingesetzt werden rechts das II.Bataillon über die Eisenbahnbrücke südwestlich Flixecourt, links das I.Bataillon von Bourdon auf Hangest.
Frankreich ahnte, was ihm bevorstand. Es wusste genau, dass der deutsche Angriff mit dem Erreichen der Küste des Ärmelkanals nicht seinen Abschluss gefunden hatte
und dass die vorübergehende Ruhe an der Somme - Aisnefront nicht darüber hinwegtäuschen konnte, dass das deutsche Heer sich auf den letzten grossen Schlag
vorbereitete. General Weygand, der 10 Tage nach Beginn des deutschen Westangriffs den Oberbefehl über das französische Heer übernommen hatte, konnte seine
grosszügigen offensiven Planungen infolge des schmachlichen Rückzugs und des Verrats der englischen Armee nicht verwirklichen. Er musste sich damit zufrieden sein,
dass es ihm wenigstens gelungen war, den ersten deutschen Vorstoss zwischen dem Ärmelkanal und der Aisne längs der im Weltkrieg heiss umstrittenen Somme zum Stehen
gebracht zu haben. Damit hatte er einen Zeitgewinn erstrebt, indem zwar die deutschen Armeen im belgisch - französischen Grenzgebiet und an der Küste nicht untätig
geblieben waren, sondern die dort befindlichen englisch - belgischen - französischen Truppen vernichtet bzw. an die Küste getrieben, aber dieser Zeitgewinn
ermöglichte ihm andererseits in Eile ein Verteidigungssystem aufzubauen, durch das er hoffte, die gefürchtete deutsche Panzerwaffe ausschalten zu können.
In einer Tiefe von über 10 km errichtete er vor allem längs der Somme in allen Dörfern, Wäldern, Städten und auf Hügeln ein Stützpunktsystem mit erheblicher
Tiefenstaffelung. Jedes Haus, jeder Hügel, jede Strassenkreuzung, jedes Bachufer wurde zu einer Festung ausgestaltet. Maschinengewehre, Panzerabwehrwaffen,
Feldgeschütze und schwere Infanteriewaffen wurden verschwenderisch im Zwischengelände eingebaut, auf Tarnung gegen Luft- und Erd sicht wurde besonderer Wert gelegt.
Breite Minenfelder sicherten das Gelände. Jedes Fenster wurde eine Schiessscharte. Millionen von Sandsäcken dienten in den Häusern der Verstärkung der Verteidigung.
Aus den Kellerlöchern starrten Gewehre und leichte Maschinengewehre. Hinter den Häusern, auf Gutshöfen und Plätzen waren Granatwerfer eingebaut.
An den Ortseingängen und auf erhöhten Geländepunkten waren Pak aufgestellt, die das Gelände weithin bestreichen konnten, so dass kein Panzer ungerupft sich nähern
konnte. Auch die Waldungen wurden in das Sperrsystem einbezogen. Strassenkreuzungen, Brücken und die Sommeuferwälder waren von Minen verseucht. Tausende von Häusern
wurden durch Eisen und Holzbalken abgestützt, mit Zement vermauert und zu Bunkern ausgebaut.
Bei der Kürze der Zeit war es natürlich nicht möglich gewesen, tiefgestaffelte fortlaufende Grabenstellungen und breite unüberwindliche Drahthindernisse zu schaffen.
Aber die Weygandlinie, die von der Mündung der Somme bis Ham, am Crozatkanal entlang bis La Fère und dann unter Ausnutzung der Kanäle und Flussläufe längs der Aisne
und des Ardennenkanals bis zur Maas reichte, war immerhin so stark, dass das französische Volk unter der suggestiven Beeinflussung von Presse und Rundfunk an die
Unüberwindlichkeit dieser Sicherungsstellung glaubte und so mehr die französische Führung in völliger Verkennung der tatsächlichen Lage glauben konnte, dass das
Material der deutschen Panzerdivisionen durch die vorangegangenen Kämpfe so gelitten hätte, dass mit einem deutschen Angriff in absehbarer Zeit kaum gerechnet zu
werden brauchte. Wie sehr selbst General Weygand, dem als früheren Generalstabschef des Marschalls Foch im Weltkrieg eine Erfahrung nicht abzusprechen war, die
Schlagkraft des deutschen Heeres unterschätzte, ging daraus hervor, dass er sich mit dem Gedanken trug, angriffsweise vorzugehen und den westlichen Teil der deutschen
Front zwischen Aisne und Maas von Osten her am linken Flügel anzugreifen und zu durchbrechen.
Die besten noch vorhandenen französischen Divisionen, vor allem die indessen aus Südfrankreich herangezogenen ausgezeichneten Kolonialsoldaten und die Bataillone,
Regimenter und Divisionen Frankreichs farbiger Einheiten, die ähnliche Gestalten von der Elfenbeinküste usw., standen nun in der Weygandlinie. General Weygand hatte
die Grundzüge der überlegenen deutschen Kampftaktik klar erkannt. Er wollte der ungeheuren Durchbruchskraft der deutschen Panzerdivisionen Schach bieten. Er wollte
mit völlig neuen Methoden, durch systematischen Ausbau einer tiefen Verteidigungslinie die deutschen Armeen vorzeitig zur vollen Entfaltung ihrer Kräfte zwingen und
sie daran hindern, an schwachen Stellen der Verteidigungsfront ihre leicht beweglichen schnellen Divisionen massiert zum Ein- und Durchbruch einzusetzen.
Schrittweise sollte sich der deutsche Soldat gegen 1000e von Geschützen und Zehntausende von Maschinengewehren, die unerbittlich Feuer und Eisen spien, vorarbeiten.
Ein deutscher Durchbruch wurde für unmöglich gehalten. Dagegen hatte bei Beginn des deutschen Angriffs folgende Kräfteverteilung inne: Vor der Heeresgruppe B stand
von der Küste des Ärmelkanals längs der Somme bis Bapaume (ostwärts Amiens) die französische 10.Armee unter General Altmayer, daran anschliessend bis in die Gegend
von La Fère die französische 7.Armee unter General Frère und alsdann an der Aisnelinie die französische 6.Armee unter General Touchon, während sich weiter ostwärts
die 2.Armee unter General Huntziger und die 3.Armee des Generals Condé anschlossen. Die Gesamtstärke der ersten feindlichen Verteidigungslinie zwischen Küste und
Aisne wurde auf 40 Divisionen, darunter mehrere Panzerdivisionen, geschätzt. Starke strategische Reserven waren im Raum nördlich Paris – Villers Cotterets – Meaux
und zwischen Marne und Maas im Raum Châlons sur Marne – Verdun mit insgesamt etwa 16 und 10 Divisionen bereitgestellt worden.
4.6.1940
Nachlaß Ortlepp.
Kav.Schtz.Rgt.6.2)

Das Vorkommando des Schütz.Rgts.6 fuhr in der Nacht zum 4.Juni über Avesnes le Comte – Frevent – Bonnières – Wavans – Bealcourt – Heuzecourt – Bernaville – Domart
en Ponthieu nach der Rederieferme südlich Surcamps, wo es gegen 4 Uhr eintraf.
Nach Tagesanbruch begann die Einweisung der Kompanie- und Zugführer. Auch die für die Angriffsführung notwendigen Erkundungen wurden vorgenommen. Diese Aufgaben
wurden so gründlich durchgeführt, dass sich ihre Erledigung bis in die späten Nachmittagsstunden hinzog.
Beim II.Bataillon erkundete Oberstleutnant Hoffmann (7.Komp.) und Oberleutnant Kiessling (5.Komp.) unmittelbar vor der Übergangsstelle an der Eisenbahnbrücke die
Bereitstellungsräume, während Obltn. Hohfeld (8.Komp.) Beobachtungs- und Feuerstellungen für die schweren Waffen festlegte.
Bei den Vorerkundungen unter der Leitung des Divisionskommandeurs war folgendes ermittelt worden: Im Angriffsabschnitt des Regiments hatte sich schwacher Feind in
Schützenlöchern eingenistet und in den kleinen Waldstücken am Hang des Südufers eingeschart. Der Gegner überwachte die Flussufer scharf. Die Ueberbrückung an der
Kreuzung der beiden Bahnlinien ostwärts Condé Folie war gesprengt. Die eigentliche Flussbrücke war noch intakt und durch deutsche Minenfelder gesperrt.
Das sumpfige Flussgelände konnte ausserhalb der Wege und Bahndämme mit Fahrzeugen nicht befahren werden. Die eigene deutsche Stellung, die meistens von dem erhöhten
Südufer einzusehen war, war stellenweise bis an den Fluss vorgeschoben, sicherte den Brückenkopf durch Maschinengewehre und hatte gute Artilleriebeobachtungsstellen
am Südrand des Waldgeländes westlich des Dorfes Ville le Marclet.
Nach dem nunmehr endgültig vorliegenden Angriffsbefehl sollte das Schütz.Rgt.6 am 5.Juni um 4,30 Uhr in der Gegend südwestlich Flixecourt an zwei Stellen über die
Eisenbahnbrücken und in Flossäcksen über die Somme gehen und auf dem Südufer der Somme einen Brückenkopf in solcher Tiefe bilden, dass den Pionieren der ungestörte
Bau schwerer Kriegsbrücken ermöglicht wurde.
Alsdann sollten die Panzerkampfwagen der Division nachgezogen und diese in südlicher Richtung vorgestossen werden.
Gegen 17 Uhr waren die übrigen Teile des Regiments von ihren Unterkunftsräumen abgefahren und hatten über Frévent, Villers l’Hôpital, Bernaville, Domart en Ponthieu
bis 22 Uhr auf etwa dem gleichen Wege, den die Vorkommandos benutzt hatten, den 8 km vor der Somme liegenden Aufmarschraum westlich Surcamps bei der Rederieferme
erreicht. Hier sassen die Kompanien ab und gingen in der Abenddämmerung unter Zurücklassung der Fahrzeuge unter der persönlichen Führung der sie hier erwartenden
Kompanieführer weiter gegen die Somme vor und zwar der Regimentsstab in den Wald westlich Ville le Marclet, das I.Bataillon nach St.Ouen und das II.Bataillon westlich
Ville le Marclet und Flixecourt.
Das Einrücken in den Bereitstellungsraum vollzog sich ohne Störung durch den Feind. Die Kompanieführer des Schütz.Rgts.6 nahmen mit der eigenen Infanterie, die den
Sommeabschnitt etwa 2 km südwestlich Flixecourt besetzt hielt, unverzüglich Verbindung auf und liessen sich über das gegenüberliegende Gelände und den festgestellten
Feind aufklären.
Gegen 23 Uhr wurden drei französische Panzerspähwagen am südlichen Sommeufer festgestellt. Es hatte den Anschein, als wenn der Gegner die deutschen A
ngriffsvorbereitungen erkannt hätte und Abwehrmassnahmen traf. Jedenfalls konnte dies aus der Beobachtung, dass der Franzose Infanterieverstärkungen nach vorn zog,
geschlossen werden. Hierzu kam weiter, dass der Feind bis tief in die Nacht hinein Artilleriestörungsfeuer auf die nördliche und ostwärtige Eisenbahnbrücke und das
nördliche Sommeufer insbesondere die Strasse l’Etoile – Flixecourt abgab.
Am 3. und 4.Juni waren deutscherseits von Norden und Nordosten Divisionen und Regimenter an die Somme herangeführt worden. Hunderte von Fliegern überwachten den
Luftraum und suchten den Gegner daran zu hindern, durch Luftaufklärung Einblick in den deutschen Aufmarsch zu gewinnen. Mit dem Tarnen gegen Fliegersicht stand und
fiel das Geheimnis der deutschen Angriffsvorbereitungen. Und doch liess sich bei der Sonnenglut des französischen Spätfrühlings die Aufmarschbewegung nicht restlos
verschleiern, selbst wenn die Bewegungen fast ausschliesslich in den Abendstunden durchgeführt und verräterische Staubwolken vermieden wurden. In den letzten Nächten
vor dem deutschen Angriff richtete die französische Artillerie Feuerüberfälle auf die auf dem nördlichen Sommeufer gelegenen Ortschaften und Waldstücke, in der
Hoffnung, das deutsche Vergeltungsfeuer herauszulocken, um so einen Anhalt über Stärke und Verteilung der deutschen Batterien zu erlangen. Umsonst. Die deutschen
Geschütze schwiegen. Der Franzose beruhigte sich darauf wieder, stellte das Störfeuer beim Morgengrauen ein und gab sich der trügerischen Hoffnung hin, dass die
Vorbereitungen zum deutschen Angriff noch nicht beendet waren und unmittelbare Gefahr nicht bestand.
Das deutsche Oberkommando des Heeres, die Heeresgruppen, die Armeekommandos, die Generalkommandos, Divisionen, Regimenter, Bataillone und Abteilungen hatten mit
deutscher Gründlichkeit alles getan, damit der letzte Angriff in Frankreich zu einem durchschlagenden Erfolg würde. Geschütze aller Kaliber waren in Stellung
gegangen. Ungeheure Munitionsmengen lagen bereit. Schlauchboote wurden im Schutze des Uferschilfes und der Holzungen einsatzbereit gemacht.
Und hinter Schützenlöchern, Bäumen, Häusern, in Strassengräben und hinter Eisenbahndämmen harrte der deutsche Soldat des Angriffsbefehls, um neuen Sieg an die
Fahne seines Regiments heften zu können.
Die deutsche Führung war also keineswegs untätig geblieben. Die deutschen Panzer- und Infanteriedivisionen waren nicht nur voll kampffähig, ihre Zahl war vielmehr
durch Neuzuführungen noch wesentlich erhöht und damit die Schlagkraft des deutschen Heeres vermehrt worden.
Nach den Weisungen des Führers sollte die Heeresgruppe B des Generalobersten von Bock zuerst zum Vorgehen auf Mittelfrankreich antreten. Am rechten Flügel der
Heeresgruppe war längs des Sommeflusses die 4.Armee unter Generaloberst von Kluge, südwestlich anschliessend in der Mitte die 6.Armee des Generaloberst von
Reichenau und am linken Flügel die 2.Armee des Generals der Infanterie von Weichs aufmarschiert.
Ziel des Angriffs war nicht die französische Landeshauptstadt. Das Ziel war erheblich weiter gesteckt: die Vernichtung der zwischen dem Rhein und Paris
aufmarschierten französischen Armeen. Nach geglücktem Durchbruch der Weygandlinie zwischen der Kanalküste und der Aisne sollten die Hauptkräfte der Heeresgruppe B
ostwärts an Paris vorbei nach Süden vorstossen, während die 4.Armee mit Front nach Westen die Deckung der Flanke gegen Überraschungen von der See her übernehmen
musste. Wenn der Durchbruch der Weygandlinie im Mittelabschnitt geglückt und hinreichend Raum in südlicher Richtung gewonnen war, sollte die Heeresgruppe A des
Generaloberst von Rundstedt über die Aisne angreifen und schliesslich später die Heeresgruppe C unter Generaloberst Ritter von Leeb aus dem Saargebiet und der
Pfalz nach Süden und von Oberrhein her nach Westen in die Maginotlinie einbrechen.
Durch den Tagesbefehl vom 5.Juni wies der Führer und Oberste Befehlshaber der Wehrmacht die deutschen Soldaten auf die Bedeutung des erneut aufgenommenen Angriffs
gegen die plutokratischen Machthaber Englands und Frankreichs hin und deutete den Weg, der zur Niederwerfung Frankreichs führen sollte, u.a. mit folgenden Worten an:
“Soldaten! Mit dem heutigen Tage tritt die Westfront wieder an. Zu Euch stossen zahllose neue Divisionen, die zum erstenmal den Gegner sehen und schlagen werden.
Der Kampf um die Freiheit unseres Volkes, um Sein oder Nichtsein für jetzt und für alle Zukunft wird damit fortgesetzt bis zur Vernichtung jener feindlichen
Machthaber in London und in Paris, die auch jetzt noch glauben, im Kriege das bessere Mittel zur Verwirklichung ihrer völkerfeindlichen Pläne sehen zu können.
Ihre geschichtliche Belehrung wird unsere Siege sein! Ganz Deutschland aber ist wieder im Geiste bei Euch......!"
5.6.1940
Nachlaß Ortlepp.
Kav.Schtz.Rgt.6.2)

General Weygand hatte Ende Mai 1940 mit den noch im Innern Frankreichs befindlichen Reserven im Anschluss an die noch intakte Maginotlinie bis zur Sommemündung in
Eile eine neue Abwehrfront errichtet und nach Lage der Möglichkeiten ausgebaut. Diese Stellung musste nun von deutschen Heer überwunden werden. Die deutsche Führung
hatte schon während der Schlacht in Flandern in der denkbar kürzesten Zeit die Angriffsarmeen neu gruppiert und war gewillt, trotz allem die neue französische
Verteidigungslinie mit ihren gleichlaufenden Strombarrieren gute Widerstandsmöglichkeiten für den Gegner so bald als möglich an mehreren Stellen kräftige
Angriffskeile in diese Weygandlinie hineinzutreiben, um mit den rasch nachgezogenen schnellen Truppen Seine, Marne und möglichst auch Loire noch vor dem Feinde zu
erreichen und grosse Teile des französischen Heeres zu vernichten oder einzukesseln.
Die Angriffsführung an der unteren Somme war seitens der Heeresgruppe B (Befehlshaber Generaloberst Bock, Chef des Stabes Generalleutnant von Salmuth,
Ia Oberst i.G.Hasse) der 4.Armee unter Generaloberst von Kluge (Chef des Stabes Generalmajor Brennecke, Ia Oberst i.G.Wutmann) übertragen worden.
Bei der 4.Armee waren die schnellen Truppen (5.Panzerdivision, 7.Panzerdivision, 2.mot.Division und 11.Schützenbrigade) im XV.A.K. unter General der Infanterie Hoth
zusammengefasst.
Der 4.Armee wurden für den Fall „Rot“ (Tarnname des Angriffs über die Somme) unterstellt:
II.A.K. (Befehlshaber: Gen.d.Inf.von Stülpnagel, Chef des Stabes: Oberst i.G. Koch) mit der 12., 32., 57.Inf.Division und vorerst auch der 11.Schützenbrigade.
XV.A.K. (Befehlshaber: Gen.d.Inf. Hoth, Chef des Stabes: Oberstlt. i.G.von Bernuth, Ia: Oberstlt.i.G.Frh.von Elverfeldt) mit der 5.Panz.Div., 7.Panz.Div. und
         2.mot. Div.
XXXVIII.A.K.(Befehlshaber: Gen.Ltn.von Manstein, Chef des Stabes: Oberst i.G.Hauffe) mit der 6., 27. und 46.Inf. Div. und der 1.Kavalleriedivision.
Links anschliessend an die 4.Armee waren aufmarschiert: die 6.Armee unter Generaloberst von Reichenau und die 9.Armee unter Gen.der Inf.von Strauss.
Eine starke Reserve der Heeresgruppe B war im Raum um Arras zusammengezogen. Nach der auf „Rot“ (Tarnname des Angriffs) sollte die Operation gegen das
französische Heer in 3 Abschnitten durchgeführt werden.
Im 1.Abschnitt sollte die Linie Chantilly - Südrand des Forstes von Compiègne - Soissons unter Inbesitznahme von Le Havre, Rouen und von Brückenköpfen unterhalb
Paris genommen werden, während im 2.Abschnitt — der Hauptoperation — die Masse des französischen Heeres im Gebiet Paris - Belfort - Metz geschlagen und die
Maginotlinie zum Einsturz gebracht werden sollte.
Der 3.Abschnitt diente der Vernichtung der Reste des französischen Heeres und dem Übergang über den Oberrhein.
Der Aufmarschplan zufolge hatte die 4.Armee aus der Linie Abbeville - Amiens über die Somme anzugreifen und unter scharfer Zusammenfassung ihrer Kräfte gegen die
untere Seine zwischen Rouen und Vernon vorzustossen. Brückenköpfe waren auf dem Südufer der Seine bei Rouen, Les Andelys und Vernon zu gewinnen. Gleichzeitig war
Le Havre durch eine gemischte schnelle Abteilung zu nehmen, während gegen Paris über Beauvais bis zur Seine und Oise zwischen Mantes und Beaumont lediglich
starke Sicherungskräfte vorzutreiben waren.
Die 4.Armee hatte sich für den Angriff wie folgt gegliedert:
 II.A.K. auf dem rechten Flügel von St.Valery sur Somme bis Pont Remy mit der 11.Schütz.Brig., 12., 57. und 32.Inf.Div.,
 XV.Panzerkorps anschliessend bis Yzeux mit der 5.Panz.Div., 2.mot.Div. und 7.Panz.Div.,
 XXXVIII.A.K. auf dem linken Flügel bis Longpré (2 km nordwestlich Amiens) mit der 6., 46. und 27.Inf.Div.,
Armeereserve: 1.Kavalleriedivision nördlich Avesnes le Comte.
In den ersten Morgenstunden des 5.Juni rückten in dunkler, mondscheinloser Nacht die Schützenkompanien des Schütz.Rgts.6 zu Fuss in Begleitung von
Artillerieverbindungskommandos des Art.Rgts.78 in die Angriffsstellung unmittelbar nördlich der Somme ein, um hier zunächst die Wirkung des kurzen deutschen
Artillerieüberfalls auf die französischen Stellungen abzuwarten. Von einem langandauernden artilleristischen Vorbereitungsfeuer auf die Feindstellungen am Südufer
der Somme wurde bewusst abgesehen, um den Gegner nicht vorzeitig zu warnen. In der Überraschung sollte der Erfolg liegen. Nur mit Unterstützung der beiden leichten
Abteilungen des Art.Rgts.78 und der schweren Infanteriegeschütze sollte die Division an 2 Stellen den Übergang über die sumpfige Niederung und die Somme erzwingen.
Diese Aufgabe war dem Schütz.Rgt.6 übertragen worden.
Die deutschen Batterien bekämpften von 4,25 Uhr ab die von der Beobachtungsabteilung 44 in den vorangegangenen Nächten festgelegten Feindbatterien jeglichen
Kalibers. Die französische Artillerie war, wie sich schon nach kurzer Zeit herausstellen sollte, gut auf dem Posten. Sie schoss schnell, gewandt und überschüttete
die erkannten Übergangsstellen, Brücken, Beobachtungspunkte und Angriffsspitzen mit einem gewaltigen Eisregen. Später entzog sie sich oft durch mehrfachen
Stellungswechsel einer wirkungsvollen Bekämpfung und Ausschaltung.
Bei der Eigenart des Geländes an der unteren Somme musste der Angreifer von vornherein gebührend in Rechnung stellen, dass die Überwindung des ziemlich breiten
und dazu noch versumpften Flusses erhebliche Schwierigkeiten bereiten und die befohlene Bildung tiefer Brückenköpfe auf dem südlichen Sommeufer erhebliche Opfer
fordern würde, wenn die Zusammenarbeit zwischen Schützen, Panzern, Infanterie, Pionieren und Artillerie einerseits und Erdkampftruppe und Luftwaffe andererseits
nicht gewährleistet war. Die deutsche Luftwaffe hatte schon erhebliche Vorarbeit geleistet, deren Auswirkungen bei Beginn des Hauptangriffs fühlbar wurden.
Sie hatte zwei Tage vor Angriffsbeginn schlagartig alle bekannten Flugplätze in Mittel- und Ostfrankreich, insbesondere die Flughäfen und Flugzeugwerke in der
weiteren Umgebung von Paris, mit starken Bombengeschwadern angegriffen, den Grossteil der französischen Fliegerwaffe vernichtet und damit die unbestrittene
Luftherrschaft über den französischen Raum erstritten. So war unsere Fliegerwaffe am 5.Juni in die Lage versetzt, ihre Hauptkräfte zur Entlastung der Erdtruppe
an der Angriffsfront einzusetzen, die feindliche Luftaufklärung auszuschalten und die Widerstandszentren der Weygandlinie durch die bei dem Gegner besonders
gefürchteten Sturzkampfflugzeuge anzugreifen.
Der bei der Erzwingung des Maasübergangs nördlich Dinant verwundete Kommandeur des Schütz.Rgts.6, Oberst von Unger, war gerade rechtzeitig aus dem Lazarett zur
Truppe zurückgekehrt, um die Führung des Regiments bei dem entscheidenden Angriff selbst zu übernehmen. Oberstlt.Junck war daraufhin von der Regimentsführung
zurückgetreten und führte wieder als Kommandeur sein II.Bataillon persönlich zum Angriff vor.
In der Reihenfolge 5., 7., Stab, 6.Kompanie rückte das Bataillon bis 500 m vor den Sommefluss.
Der Angriff sollte sich beim Schütz.Rgt.6 wie folgt abwickeln:
Um 4,25 Uhr sollte der Angriff durch schlagartiges Einsetzen eines Feuerüberfalls der gesamten deutschen Artillerie und der schweren Waffen der Division auf
erkannte oder vermutete Feindziele am Südufer des Flusses, insbesondere auch auf die Waldstücke in der rechten Flanke des Angriffsabschnittes der Division
einsetzen.
Um 4,30 Uhr hatte das Übersetzen der vordersten Teile des Schütz.Rgts.6 an den vorgesehenen Übergangsstellen zu erfolgen. Ziel des II.Bataillons (rechts) war
der Westhang der Höhe 116 bis zur höchsten Erhebung, des I.Bataillons (links) Osthang der Höhe 116 und das langgezogene Waldstück ostwärts davon.
Nach gelungener Brückenkopfbildung durch das Schütz.Rgt.6 sollten das Panz.Rgt. 25, die Aufklärungsabteilung und das Schütz.Rgt.7 über den Fluss nachgezogen
werden, um mit vorausfahrenden Panzerkompanien und sonstigen Kraftfahrzeugen nach Südwesten bis Montagne – Faye durchzustossen.
Das Schütz.Rgt.6 sollte später zu Fuss, gegebenenfalls auch auf den nachgeführten Fahrzeugen, folgen.
Das II.Bataillon musste beim Angriff über die Eisenbahnbrücke südwestl.Flixecourt vorgehen und sich zu diesem Zweck rechtzeitig in der vorausgehenden Nacht
in dem Buschgelände mit 5., 7. und 6.Kompanie hintereinander bereitstellen, um in der genannten Reihenfolge sowohl über die Eisenbahnbrücken als auch mit
Flossäcksen hart oberhalb der Brücken über die Somme zu setzen. Nach geglücktem Flussübergang sollte sich die 5.Kompanie im Schutze des Steilhanges nach
links verschieben, um den bewaldeten Westhang der Höhe 116 zu nehmen, während die im Angriff links daneben eingesetzte 7.Kompanie die Höhe selbst besetzen
sollte. Die 6.Kompanie hatte als Bataillonsreserve hinter der 5.Kompanie zu folgen, den Schutz der rechten Flanke zu gewährleisten und sich zum jederzeitigen
Einsatz bereit zu halten. Der Pionierzug hatte die Flossäcke rechtzeitig vorauszuschaffen und die Minensperren auf der Eisenbahnbrücke zu beseitigen.
Die schweren Waffen des Regiments sollten sich am Feuerschlag der Artillerie beteiligen und waren sofort über den Fluss nachzuziehen, sobald das jenseitige
Flussufer fest in deutscher Hand war.
Um 4,25 Uhr setzte schlagartig der Feuerüberfall der vereinten deutschen Batterien und aller schweren Waffen des Schütz.Rgts.6 und der benachbarten
Angriffsregimenter ein. Das südliche Sommeufer wurde von den deutschen Granaten geradezu überschüttet und war bald in Staub und Rauch gehüllt. Im Schutze
des Feuerwalzens der beiden leichten Artillerieabteilungen des Art.Rgts.78 und der schweren Infanteriewaffen, durch den alle erkannten Feindstellungen und
Beobachtungspunkte niedergehalten wurden, eilten die vorderen Gruppen der Schützen über Wassergräben, Sumpf und Schilfboden zur Somme, setzten auf die Minute
genau um 4,30 Uhr in den bereitliegenden Schlauchbooten und auf den behelfsmässig wiederhergestellten Eisenbahnbrücken nordwestlich Bourdon über den nördlich
der Somme verlaufenden alten künstlichen Schifffahrtskanal.
Ein Stosstrupp der 5.Kompanie unter Obltn.Fraass gewann im Laufschritt über die Brücke zuerst das jenseitige Ufer der Somme. Der Übergang ging flott und trotz
des sofort einsetzenden französischen Artilleriefeuers ohne Verluste vor sich. Schwieriger war die Überwindung des breiten Sumpfgürtels bis zum eigentlichen
Sommefluss. Aber auch dieses Hindernis wurde überwunden. Bald war die 25 m breite Somme und ihre Nebenläufe mit Schlauchbooten überquert. Auf Trampelpfaden
bahnten sich die vorderen Kompanien, vor allem die 2., 5. und 7.Kompanie durch dichtes Schilf und auf schwankendem Boden den Weg über die Flussniederung in
Richtung auf die Hügelkette, auf der sich die Weygandstellung befand. Die Masse der 5.Kompanie hatte indessen in geschickter Ausnutzung einer Feuerpause der
französischen Artillerie auf einer Eisenbahnbrücke die Somme überschritten und im Sprung den jenseitigen Steilhang erreicht. Auf dem südlichen Flussufer zog
sich die Kompanie an dem erwähnten Hang entlang in Richtung auf das Dorf Hangest.
Auch die 7.Kompanie hatte mit der Masse im Laufschritt über die teilweise zerstörte Eisenbahnbrücke das jenseitige Sommeufer erreicht. Die Pioniere der
beiden Bataillone hatten beim Flussübergang gute Arbeit geleistet und die ersten Gruppen in Flossäcken ohne Verluste auf das Südufer gebracht. Erst als die
Spitzengruppen der Schützen dort festen Fuss gefasst hatten, setzte hier das feindliche Sperrfeuer ein. Da aber war es schon zu spät. Der Flussübergang der
Schützen war überraschenderweise glatt verlaufen.
Die Schützen hatten es schwer gehabt, sich durch das stellenweise dichte Unterholz an den Fluss vorzuarbeiten. In treuer Waffenkameradschaft schlugen die
Pioniere durch das unwegsame Gelände Gassen, überbrückten breite Flussarme und teichartige Sümpfe und schufen so die Voraussetzungen, dass die vordersten
Teile der Sturmtruppen auf dem südlichen Sommeufer festen Fuss fassen konnten, ehe das Artilleriesperrfeuer des Gegners in seiner ganzen Stärke losbrach.
Als der Gegner so richtig erfasst hatte, was in der Morgendämmerung des 5.Juni gespielt wurde, sassen bereits starke Stosstrupps und grosse Teile der
Sturmtruppen auf der ganzen Breite der Front der 4.Armee unmittelbar vor seiner Verteidigungslinie. Noch aber war der Kampf nicht entschieden.
Die feindliche Abwehr setzte in einem Ausmass und in einer Zweckmässigkeit ein, wie sie der deutsche Soldat bei dem Franzmann bisher im Westfeldzug noch
nicht erlebt hatte. Aber weder Maschinengewehre, noch Nahkampfgeschütze, Granatwerfer und schwerste Artillerie konnten den Angriffsgeist der deutschen
Schützen und Infanteristen bezwingen. Ungeachtet der eintretenden Verluste arbeiteten sie sich im Dunst des Sommnenebels und im schwarzen Rauch der
einschlagenden Granaten pausenlos vorwärts, um befehlsgemäss in die feindlichen Verteidigungslinien einzubrechen.
Da der eigentliche Flussübergang sich fast geräuschlos abgespielt hatte und zudem die berstenden Granaten alles übertönten, bemerkte der Feind die
deutschen Schützen erst, als die ersten Teile der Strasse Condé Folie – Hangest erreicht hatten. Der Gegner, der bisher mit den nicht niedergekämpften
Geschützen schweren und leichten Kalibers nur die Übergangsstellen über die Somme unter Störungsfeuer gehalten hatte, lenkte nun sein stärkstes Abwehrfeuer
unmittelbar auf den Raum vor seinen Stellungen. Die Maschinengewehre und Gewehre der 2.Kompanie nahmen das Feuer gegen die französischen Kolonialsoldaten
auf, während die 5. und 7.Kompanie sich noch 200 m weiter vorwärts arbeiteten, um näher an den schwer zu fassenden, gut eingebauten Gegner heranzukommen.
Beim I.Bataillon hatte die Spitzengruppe der 2.Kompanie unter der Führung von Unteroffizier Schmidt in kürzester Zeit den Höhenrand gewonnen. Starkes Feuer
aus der rechten Flanke machte sich unangenehm bemerkbar. Es wurde durch den Einsatz eigener schwerer Maschinengewehre ausgeschaltet. Unentwegt ging der
Kampf, ungeachtet der sich verstärkenden Feindabwehr, weiter, bis sich die gesamte Höhenstellung in der Hand der 2.Kompanie befand. Als sich das Feuer des
Feindes aus der rechten Flanke verstärkte und auch die gegnerische Artillerie in zunehmendem Masse, wenn auch mit auffallend viel Blindgängern, in den
Kampf eingriff, blieb der Angriff der Spitze des I.Bataillons liegen. Die eigenen Maschinengewehre reichten zur Niederkämpfung des hartnäckig kämpfenden
Gegners nicht aus. Erst als der 2.Zug der 2.Kompanie unter Feldwebel Schaarschmidt das vor der Kompaniefront liegende Waldstück von links umfasst und damit
die Flankenbedrohung ausgeschaltet hatte, kamen die Schützen wieder vorwärts und konnten das Waldstück ganz besetzen und sichern.
Beim Dorfe Bourdon zeichnete sich der Unteroffizier Schädlich mit seiner Pak aus. Die zum Behelfsbrückenbau an der Somme eingesetzten Panzerpioniere wurden
an der Baustelle durch schweres Maschinengewehrfeuer aus dem gegenüberliegenden Dorfe Hangest bei ihrer Arbeit behindert. Ohne Befehl und ungeachtet des
schweren Artilleriefeuers des Feindes brachte Unteroffizier Schädlich sein Pak in Stellung, vernichtete ein M.G.-Nest nach dem anderen mit Sprenggranaten
und hielt auch die farbigen Franzosen in den Häusern mit Panzergranaten nieder, so dass im Schutze seines Feuers einige Pioniertrupps das südliche Sommeufer
erreichen konnten. Durch den mutigen Einsatz des Unteroffiziers Schädlich wurde den Pionieren rechtzeitig wertvolle Unterstützung zuteil. Die wurde auch
später in einem besonderen Dankeschreiben der Pioniere ausdrücklich hervorgehoben.
Beim II.Bataillon musste zur Säuberung der in der rechten Flanke befindlichen Waldstücke, aus denen das Bataillon sehr lästiges Feuer erhielt, die 6.Kompanie
eingesetzt werden, die sich gegen hartnäckigen Feind, unter dem sich auch Schwarze befanden, von Waldstück zu Waldstück mühsam vorarbeiten musste.
Die 5.Kompanie rechts und die 7. links kamen indessen schnell voran. Die erstgenannte Kompanie wurde von dem eingesetzten Gegner unter starkes M.G.- und
Gewehrfeuer genommen, wich gutliegendem französischen Geschützfeuer aus und bildete den befohlenen Brückenkopf. Auch die 6.Kompanie hatte indessen den
Steilhang des südlichen Sommeufers erstiegen und war gegen den Feind vorgegangen, der gut getarnt und in geschickter Ausnutzung des Geländes den Angreifern
starkes Maschinengewehrfeuer entgegensetzte und der 6.Kompanie, die bei der geringen Deckung im Vorgelände der feindlichen Stellung nicht in der Lage war,
die eigenen Maschinengewehre in Stellung zu bringen, erhebliche Verluste bereitete. So fiel der gesamte Zugtrupp des 1.Zuges einschliesslich des Zugführers.
Die Kompanie suchte schliesslich teilweise in einem Wäldchen Unterschlupf, das von der feindlichen Infanterie unter starkem Maschinengewehrbeschuss gehalten
wurde. Der Kompanieführer entschloss sich daher, mit 2 Gruppen rechts umfassend anzugreifen. Das Vorgehen scheiterte jedoch infolge des starken feindlichen
Abwehrfeuers.
Die 7.Kompanie hatte einen Zug gegen das links vor ihr liegende, stark feindbesetzte Waldstück angesetzt und den Gegner mit Unterstützung der eigenen
Artillerie aus dem Wald hinausgeworfen, später wurde dieser Wald vom I.Bataillon besetzt und die 7.Kompanie hier herausgezogen.
Der M.G.-Zug der 8.Kompanie war den Schützenkompanien schnell gefolgt und konnte wirksam bei Gewinnung des Vorgeländes der Höhe 116 und später der Höhe selbst
eingesetzt werden. Der Geschützzug, der gleichfalls aus eigenem Antrieb folgen wollte, wurde dagegen längere Zeit auf dem Nordufer der Somme zurückgehalten,
da die Panzer an den Flussübergangsstellen das Vorfahrtrecht hatten.
Das I.Bataillon hatte, nachdem die anderen Kompanien des Bataillons die Somme überschritten hatten, westlich und südwestlich des Dorfes Hangest einen
Brückenkopf von etwa 3 km Tiefe gebildet. Weitere Verstärkungen kamen zunächst nicht mehr über den Fluss heran, da das Abwehrfeuer der französischen Artillerie,
auch schwerster Batterien, pausenlos auf die Brückenstellen und der Brückenkopfstellung lag. Diesem Feindfeuer fiel u.a. auch der langjährige Bataillonsschreiber
des I.Bataillons, Oberfeldwebel Rödiger, zum Opfer.
Die 7.Kompanie und die 5.Kompanie lagen indessen weiterhin im schweren Feuergefecht mit dem in der rechten Flanke in einem Waldstück eingesetzten Gegner. Auch
das eigene Artilleriefeuer brachte die flankierend eingesetzten Maschinengewehre des Gegners nicht zum Schweigen. Von Nutzen war es, dass der s.M.G.-Zug der
8.Kompanie unter Führung von Feldwebel Strobel dem Bataillon überraschend schnell über die Somme gefolgt und mit je 1 Zug bei der 5. und 7.Kompanie zum Einsatz
gekommen war. Wünschenswert wäre auch das Instellunggehen des Infanteriegeschützzuges auf dem südlichen Sommeufer gewesen. Dies war aber wegen der strengen
Regelung der Reihenfolge des Flussüberganges nicht möglich.
Wohl hatten die vordersten Teile der 7.Kompanie gegen 11 Uhr eine Höhe erreicht. Es war aber nicht die befohlene Höhe 116. Der Angriff des II.Bataillons blieb
hier zunächst liegen. Der gebildete Brückenkopf konnte nach Abdeckung der Flanke durch Einsatz aller über den Fluss gebrachten schweren Waffen gegen Feindvorstösse
gehalten werden. Voraussetzung für ein weiteres erfolgreiches Vorgehen war: die Waldstücke in der rechten Flanke zu nehmen und zu säubern. Von der erfolgreichen
Durchführung dieser Aufgabe, die Oberstlt.Junck der 6.Kompanie übertrug, hing das Gelingen des weiteren Angriffes ab.
Die 6.Kompanie war indessen recht in der grossen Mulde, die 500 m südlich der Bahnunterführung in den Hang hineinführte, vorgegangen. Als sie der Bataillonsbefehl
zur Säuberung des Waldstückes erreichte, lag der 1.Zug im Feuer eines feindlichen Maschinengewehres fest und kam nicht mehr vorwärts. Bei einem Versuch, seinen
Zug trotzdem vorzureissen, erlitt der schneidige Zugführer, Feldwebel Seifert, den Heldentod. Der 2.Zug kämpfte sich nun ausserhalb des feindlichen Feuerbereiches
bis an das Waldstück südlich des Punktes 46 vor, blieb aber dann, als es am jenseitigen Waldrand in Stellung gegangen war, liegen. Unteroffizier Orth fand dabei
als Gruppenführer den Heldentod.
In dieser Lage entschloss sich Oberltn.Driver, mit zwei Gruppen des 3.Zuges weit rechts ausholend den Feind von der Flanke zu fassen. Der Versuch scheiterte im
feindlichen Abwehrfeuer. Glücklicherweise trafen bald darauf die ersten Panzer auf dem Südufer der Somme ein und stellten sich in der Mulde bereit. Oberltn.Driver
zog darauf seinen 2.Zug aus dem Walde in die schützende Mulde zurück und griff später von hier aus zusammen mit den Panzern das grössere Waldstück an.
Mit Handgranaten und Seitengewehren bahnten sich die Schützen gegen den sich weiterhin zäh wehrenden Feind Bahn, eroberten die Waldstücke und befreiten den 1.Zug
aus seiner üblen Lage.
Um 14.30 Uhr befand sich die 6.Kompanie, die in kurzer Zeit an Toten 6 Unteroffiziere und 11 Schützen, an Verwundeten 1 Unteroffizier und 24 Schützen verloren hatte,
auf gleicher Höhe mit den übrigen Kompanien des Bataillons. Die Beute der Kompanie betrug 30 Gefangene, 4 s.M.G. und 3 l.M.G.
Der allgemein vorübergehend ins Stocken geratene Angriff des Schütz.Rgts.6 konnte erst, nachdem es gelungen war, einige Panzer über die Somme zu bringen, mit ihrer
Unterstützung auf der ganzen Linie bis zum befohlenen 1.Angriffsziel langsam weiter vorgetragen werden. Den hartnäckigsten Widerstand leisteten etwa 250 schwarze
französische Soldaten (Senegalesen) im Dorfe Hangest. In diesem Orte waren die Keller zu Bunkern ausgebaut und meistens sogar ausbetoniert. Mehrfach hatte die
1.Kompanie versucht, gegen die hervorragend verteidigte Ortschaft anzugehen. Vom Rücken her hatten wohl Teile der Kompanie in Hangest Fuss gefasst und unangefochten
die ersten Häuser erreicht. Hier aber setzte zuerst von rechts, alsdann von allen Seiten M.G.- und Gewehrfeuer des Gegners ein. Mit Handgranaten wurden von den
Schützen die nächstgelegenen Häuser gesäubert. Da aber an den Maschinengewehren mehrfach Ladehemmungen eintraten, die Handgranaten bald verbraucht waren und nur ein
Zug sich bis ins Dorf hatte vorarbeiten können, blieb der weitere Angriff stecken. ...... setzten sich bald im Rücken des in Hangest eingedrungenen 1.Zuges der
1.Kompanie fest. Die hier kämpfenden afrikanischen Truppen leisteten, obwohl ein grosser Teil der Schwarzen betrunken war, verbissenen Widerstand und es gelang den
deutschen Soldaten zunächst nicht, die Ortschaft Hangest ganz in unsere Hand zu bringen. Mit Hilfe der beiden dem 1.Zuge befindlichen l.M.G.-Gruppen glückte es
schliesslich, dem in Hangest eingedrungenen Zuge sich im mörderischen feindlichen Feuer auf eine Anhöhe hinter dem Dorfe zurückzuziehen und dort sich notdürftig
einzugraben. Zu einer anderen Verwendung bereit, schlug der Zug alsbald zur 1.Kompanie durch. Hangest blieb vorerst im feindlichen Besitz.
Nach 12 Uhr richteten die Schützenkompanien sich in der erreichten Linie der Brückenkopfstellung zur Verteidigung ein. Gefechtsvorposten der 5.Kompanie wurden
bis zu der von der 7.Kompanie besetzten Höhe 116 vorgeschoben.
Die Masse des II.Bataillons schanzte sich nordostwärts davon, mit der 6.Kompanie rechts, der 5.Kompanie in der Mitte und der 7.Kompanie links ein. Ein von stärkeren
Feindkräften von der Höhe 104 vorgetragener Gegenangriff brach im Abwehrfeuer der 7.Kompanie und der bei ihr eingesetzten s.M.G.-Gruppe der 8.Kompanie zusammen.
Dem Gegner wurden beim Zurückgehen durch das alsbald einsetzende deutsche Abwehrfeuer schwere Verluste beigebracht. Die rege Artillerietätigkeit hielt auf beiden
Seiten auch in den ersten Nachmittagsstunden unvermindert an. Das Hauptaugenmerk der feindlichen Batterien, insbesondere der schweren und weittragenden Batterien
war auf die Sommeniederung, die deutschen Brückenübergangsstellen und die unbeschädigten Eisenbahnbrücken gerichtet. Auf letzterer vollzog sich im Abschnitt des
II.Bataillons der Flussübergang der Panzerkampfwagen der Division. Die Panzer stellten sich in einer Mulde 300 m südostwärts eines kleinen Wäldchens hinter der
6.Kompanie, die bei Höhe 116 einen besonders harten Kampf zu bestehen gehabt hatte, für das weitere Vorgehen bereit.
Nachdem bis 15 Uhr die Masse der Panzerabteilung, der Aufklärungsabteilung, des Kradschützenbataillons und das Schützenregiment 7 über die Somme gesetzt und bis
zum Sammelraum im Schutze des Steilhanges vorgezogen waren, kam gegen 16 Uhr der 2.Teil des deutschen Angriffs südlich der Somme zur Durchführung.
Das Schütz.Rgt.6 rückte dabei in die 2.Kampflinie. Der Hauptstoss wurde von den anderen Teilen der Division weitergetragen. In enger Zusammenarbeit mit den
Kameraden in den schwarzen Uniformen setzte das Schütz.Rgt.6 um 16,30 Uhr hinter dem Panz.Rgt.25 und dem Schütz.Rgt.7 zu Fuss den weiteren Vormarsch in südlicher
Richtung fort. Das Vorgehen kam für die Franzosen so überraschend, dass die feindliche Artillerie kaum noch zum Schuss kam. In den Waldstücken hielten sich noch
weiterhin französische Kampfgruppen. Sie wurden zunächst weiter gar nicht beachtet, denn es galt den Hauptangriff vorwärts zu tragen.
Im anstrengenden Marsch, mit Schiessereien nach allen Seiten, wurde unter dauernder Bedrohung in der rechten Flanke vom Regiment gegen 17 1/2 Uhr die Gegend
westlich des Dorfes Le Quesnoy erreicht. Hier wurde das Schütz.Rgt.6 in der Vormarschbewegung angehalten. Le Quesnoy erwies sich als ein äusserst stark ausgebauter
französischer Stützpunkt, der aber unter dem Eindruck des Panzerdurchbruchs von Rommels „Gespensterdivision“ nicht planmässig verteidigt wurde.
Die Hauptstellung der soviel gepriesenen „Weygandstellung“ war von den Schützen schneller durchbrochen worden, als sie es selbst erhofft hatten.
Die schweren Kompanien des Regiments, die zunächst in ihren Stellungen auf dem Nordufer zurückgeblieben waren, wurden nun an die Bataillone, bei denen sich die
M.G.-Gruppen bereits befanden, herangezogen.
Kaum hatten die Kompanien die befohlenen Sicherungsstellungen ostwärts Le Quesnoy bezogen und die rückwärtigen Teile der Bataillone nach vorn aufgeschlossen, als
ein Befehl der 7.Panzerdivision einlief, der das Vorziehen des Regiments in den Raum Montagne–le Faye anordnete. Dort sollte das Regiment für die Nacht in
Sicherungsstellung gehen.
Als die Spitzen des II.Bataillons sich auf den befohlenen Marschweg dem Dorfe Montagne näherten, wurde durch Gegenbefehl die Marschbewegung abgestoppt und das
Regiment angewiesen, in die alten Stellungen bei Le Quesnoy zurückzugehen. Die Rücknahme war durch die allgemeine Lage notwendig geworden.
Das links der 7.Panzerdivision vorgehende XXXXVIII.A.K. und die rechts der 7.Pz.Div. angesetzte 5.Pz.Div. hatten ihre Tagesziele nicht erreicht und hingen gegen
die 7.Pz.Div. erheblich – teilweise 10 km – zurück. Hierdurch war eine erhebliche Gefährdung der beiden Flanken der 7.Pz.Div. eingetreten, so dass es ein Gebot
der Vorsicht war, einen Teil der 7.Pz.Div. zurückzuhalten, um so mehr ostwärts im Abschnitt der Nachbardivision in den Abendstunden lebhafter Gefechtslärm hörbar
wurde.
Die 7.Pz.Div. richtete sich in dem Raum südlich der Somme in einer Tiefe von 15 km und einer Breite bis 3 km für die Nacht zur Verteidigung ein, säuberte die
eroberten Ortschaften und Waldungen von den Resten versprengter französischer Truppen und sicherte die Beute, die aus Tausenden von Gefangenen und zahlreichen
Geschützen und Pak bestand. Die eigenen Verluste waren demgegenüber verhältnismässig gering.
Durch das langanhaltende Gefecht und durch die Marschbewegungen bei dem warmen Wetter und infolge der fehlenden Verpflegung war die Truppe bei der Ankunft in
Le Quesnoy arg ermüdet. Dennoch kamen die Schützen noch nicht zur Ruhe, da sie sich ihre Unterkünfte teilweise erst erobern mussten. Das I. Bataillon fand den
Ort Le Quesnoy noch voller Franzosen, die sich erbittert zur Wehr setzten und Haus für Haus, wenn auch ohne einheitliche Kampfführung, verteidigten. Bei der
Säuberung des Ortes brachte das I.Bataillon 200 meist schwarze Franzosen als Gefangene ein. Der Gegner hatte den Widerstand im Dorfe erst aufgegeben, als der
Ort an mehreren Stellen brannte. Ein französischer Bataillonskommandeur fiel bei dem Ortsgefecht unverwundet in deutsche Hand.
Auch das II.Bataillon hatte bei einem eigenen Verlust von 18 Toten und 34 Verwundeten im Laufe des Tages grosse Beute gemacht. 13 Offiziere und 230 Mann, meist
..... und Marokkaner, wurden gefangen eingebracht.
Auf die 6.Kompanie entfielen hiervon allein 170 Gefangene, von denen allein 140 durch 3 Mann des Kompanietrupps im Schloss Le Quesnoy sur Afraires gefangen
wurden. Im Walde unmittelbar südlich Le Quesnoy, an dessen Ostrand die Verteidigungsstellung des II.Bataillons verlief, stand verlassen die französische
15 cm-Haubitzbatterie, die den deutschen Sommeübergang so sehr erschwert hatte. Im neuen Sicherungsraum wurden ausser dieser Batterie auch zahlreiche
l. und s.M.G. erbeutet. Das Bataillon besetzte gegen 23 Uhr ostwärts Le Quesnoy mit der 7. rechts, der 5. in der Mitte und der 6.Kompanie links den befohlenen
Verteidigungsraum. Die Kraftfahrzeuge erhielten den Befehl, möglichst noch in der Nacht über die Somme zu gehen und Anschluss an die Bataillone zu suchen.
Das Panz.Rgt.25 und die Aufklärungsabteilung der 7.Panz.Div. hatten am Abend die beherrschenden Höhen um Montagne-Le Faye erreicht. Nach Aufschliessen der
rückwärtigen Teile stiessen die Spitzen der Division in der Nacht noch bis Camps en Amiénois vor, wobei das Panz.Rgt.25 mehrere Feindpanzer zur Strecke brachte.
Tausende von Gefangenen fielen in die Hand der 7.Panz.Div., die am ersten Angriffstage der Schlacht in Frankreich einen Keil von 3 km Breite und 15 km Tiefe
in das feindliche Verteidigungssystem südlich der Somme hineingetrieben hatte.
Der 5.Juni war ein Ehrentag des Schütz.Rgts.6 und der gesamten 7.Panz.Div. Der Division des Generalmajors Rommel war es als erster gelungen, eine Bresche in
die französische Weygandlinie zu schlagen und die Sommelinie südwärts zu durchstossen und nach beiden Seiten aufzubrechen. Der Franzose hatte, nachdem er sich
von der 1.Überraschung am Morgen erholt hatte, in Dörfern und Waldstücken fanatischen Widerstand geleistet. Die Häuserkämpfe waren langwierig und kräftezehrend.
Auch Panzer konnten keine nennenswerte Hilfe bringen, da diese nach den bisherigen Erfahrungen im Strassen- und Häuserkampf nicht mit Erfolg eingesetzt werden
konnten und nur unnötige Ausfälle erlitten haben würden.
Die Stärke des Gegners im allgemeinen und die fanatische Gegenwehr der Senegalesen der 5.franz.Kol.Div. war erheblich unterschätzt worden. Infolge des
hartnäckigen Widerstandes der farbigen Franzosen konnte das XV.A.K. im ganzen gesehen die für den ersten Angriffstag gesteckten Ziele nicht überall erreichen.
Am weitesten vorgedrungen war unzweifelhaft die 7.Panz.Div. Trotzdem war es aber überall gelungen, auf dem Südufer der Somme festen Fuss zu fassen und alle
Gegenangriffe des Feindes abzuschlagen. Am linken Flügel der 7.Panz.Div. hatten die schwarzen Franzosen der 5.Kol.Div. den Schützen in den zäh verteidigten
Dörfern Hangest schwer zu schaffen gemacht. Während die Masse der Division ab 16 Uhr aus der 3 km tiefen Brückenkopfstellung erfolgreich nach Süden angetreten
war und infolge des vorbildlichen Zusammenwirkens aller Waffen durchbrechen konnten, hielt der Franzose in Hangest stand. Erst nachdem Teile der Panzer, des
s.IG.-Zuges, der Pioniere und des Kradschützenbataillons 7 zur Säuberung eingesetzt waren, konnte Hangest gegen 19 Uhr in Besitz genommen werden.
Die meist mit langen und breiten Buschmessern ausgerüsteten N.... hatten bis zuletzt ihrer Gefangennahme erheblichen Widerstand entgegengesetzt. Sie waren
durch Ausgabe reichlicher Alkoholmengen zu dem sinnlosen Widerstand aufgepeitscht worden. Zahlreiche schwarze Soldaten fielen betrunken in deutsche Gefangenschaft.
Die Franzosen hatten hinter der Somme nur die tiefgegliederte „Weygandlinie“ ausgebaut, sonstige rückwärtige Verteidigungsanlagen waren nicht vorhanden. Dies
schloss jedoch nicht aus, dass der Gegner sich auf einem weiter rückwärts gelegenen Höhengelände nicht erneut festsetzen würde. Südlich Hornoy erhebt sich eine
zusammenhängende Höhenstufe, die das vorliegende Gelände um etwa 50 m überhöht und den Franzosen gute Artilleriewirkung auf weite Entfernung bot.
Der Schlüsselpunkt dieser Stellung waren die Höhen südwestlich Hornoy.
Die 4.Armee hatte bei anfangs nur schwachem M.G.- und Artillerieabwehrfeuer des durch den plötzlichen Angriff am Morgen überraschten Gegners im gesamten Armeebereich
die Übergänge über die Somme verhältnismässig leicht erzwungen.
Bis 7 Uhr hatten erreicht gehabt: das II.A.K. die Höhen ostwärts Arras und bei Moyenneville, das XV.A.K. die Linie Liercourt – Condé Folie – Hangest, das XXXVIII.A.K.
die Nordränder des Waldes westlich Picquigny und südlich Ailly s.S. Später machte sich überall planmässiger Feindwiderstand und das Auftreten stärkerer
Artilleriegruppen bemerkbar. Bis zum Abend war die 4.Armee wohl auf ihrer ganzen Front in die 1.Widerstandslinie des Feindes eingebrochen, es war aber nach den
raschen Anfangserfolgen in stützpunktartig ausgebauten Ortschaften und Wäldern mit dem zäh sich verteidigenden Feind zu schweren Kämpfen gekommen. Der Gegner hatte
im allgemeinen die drei Regimenter einer Division nebeneinander eingesetzt, dafür aber innerhalb der Regimenter die einzelnen Bataillone hintereinander weit in die
Tiefe gegliedert. Die feindliche Artillerie zeichnete sich durch schnelle und wendige Feuerzusammenfassung aus. Während das II.A.K. in den Abendstunden noch zwischen
Fresnoyville – Frireulles – Moyenneville – Limeux kämpfte, hatte das XV.A.K. die Linie Allery – Le Quesnoy – Camp en Amiénois erreicht.
General Hoth entschloss sich, am 6.Juni ohne Rücksicht auf das Zurückhängen des linken Armeeflügels, der noch hart südlich der Somme in schwere Kämpfe verwickelt
war und trotz der im eigenen Rücken befindlichen Widerstandsnester mit ganzer Kraft den Durchstoss zu erneuern, um die beiderseits Hornoy gelegene rückwärtige
französische Stellung zu durchbrechen. Da Flieger den Anmarsch starker feindlicher Verstärkungen bei Grandvilliers, Sarcus und am Bresle-Abschnitt gemeldet hatten,
war keine Zeit zu verlieren, um so mehr nach einer Mitteilung der Armee bei Beauvais eine stärkere Feindgruppe von 2 – 3 Divisionen erkannt worden war.
Der 7.Panz.Div. fiel am 6.Juni die Aufgabe zu, unter Abdeckung der linken Flanke in Richtung Poix die Höhen beiderseits Lachapelle zu gewinnen.
Sobald die 5.Panz.Div. auf die gleiche Höhe mit der 7.Panz.Div. gekommen war, sollte Letztere das Vorgehen auch fortsetzen.
Der Angriff des XV.A.K. war am 5.Juni noch nicht beendet. Die Ablösung der 2.lei.Kav.Div. durch die 5.Kol.Div. hineingestossen. Hieraus erklärte es sich, dass der
Gegner den unerwartet heftigen Widerstand leisten konnte.
Die Verluste des Schütz.Rgts.6 am 5. Juni betrugen:
tot: 3 Unteroffiziere, 22 Schützen,
verwundet: 4 Unteroffiziere, 43 Schützen,
vermisst: 1 Schütze.
6.6.1940
Nachlaß Ortlepp.
Kav.Schtz.Rgt.6.2)

Die 4.Armee beabsichtigte am 6.Juni, unter scharfer Zusammenfassung der Kräfte den gelungenen Einbruch in die feindliche Stellung zum Durchbruch nach Süden zu
erweitern.
Die Nacht war beim Schütz.Rgt.6 ruhig verlaufen. Zur grössten Überraschung stellte sich heraus, dass im Schlosspark Le Quesnoy nur wenige 100 m neben Teilen
des Schütz.Rgts.6 eine französische Kompanie genächtigt hatte, ohne dass hiervon in der Nacht etwas gemerkt worden war. Die französische Kompanie konnte ohne
Schwierigkeiten entwaffnet und gefangen genommen werden.
Das Nachziehen der Kraftfahrzeugstaffeln ging nicht ohne Schwierigkeiten vor sich. Die Kraftwagen wurden auf der Fahrt bei St.Quentin nördlich der Somme in der
Nacht von feindlichen Bombern angegriffen und trafen teilweise erst im Laufe des späten Vormittags des 6.Juni bei den Kompanien ein.
Das verspätete Eintreffen der Fahrzeuge verzögerte die Fortsetzung des Vormarsches und die Verfolgung des in der Weygandstellung geschlagenen Gegners. Erst um
die Mittagsstunde konnte das Regiment, mit dem I.Bataillon an der Spitze, die entfaltete Marschbewegung hinter den Panzern und dem Schütz.Rgt.7 über Montagne
und Fricamps in den Raum Eplessier – Poix angetreten. An der Strasse 1 km westlich Eplessier wurde das Bataillon durch den Regimentskommandeur in ihren neuen
Verteidigungsraum eingewiesen.
Die 7.Panz.Div. war für den Vormarsch scharf zusammengefasst worden. Unter Vermeidung der Wälder, Wege und der an diesen liegenden Ortschaften zogen die Schützen
im Schutze der vorausgehenden Panzer querfeldein und in voller Entfaltung in dem flachwelligen Gelände auf Fahrzeuge südwärts. Der Gegner führte mehrfach aus
Omnibussen neue Reserven heran und suchte Widerstand zu leisten, der aber überall infolge des rücksichtslosen Einsatzes von Führer und Mann gebrochen werden
konnte. Auch Gegenstösse vereinzelter feindlicher Panzer hatten keinen Erfolg. Zahlreiche Panzerkampfwagen des Gegners wurden abgeschossen und zahlreiche
Gefangene eingebracht.
Mittags hatte General Hoth südlich Camps der 7.Panz.Div. Befehl zum Durchstoss bis Meigneux gegeben, während die 5.Panz.Div. zum Vorgehen beiderseits Hornoy
angesetzt wurde. Das II.Korps hing weiterhin weit zurück, so dass Abschirmungen der Westflanke des XV.A.K. notwendig wurden. Auch die 2.mot.Div. hatte den
Vormarsch erst sehr spät antreten können, da sie erst die feindlichen Widerstandsnester am Südufer der Somme säubern musste. Die Ortschaft Airaines im Rücken
der 7.Panz.Div. war nach wie vor in der Hand des Gegners.
Das I.Bataillon des Schütz.Rgts.6 bezog bei Eplessier eine Verteidigungsfront nach Süden, um die übrigen weiter vorgehenden Truppen der Division gegen
Überraschungen aus der Flanke zu sichern. Im Laufe der mehrfachen Tieffliegerangriffe feindlicher Jagdflugzeuge gelang es den dem I.Bataillon zugeteilten
leichten Flakbatterien zwei französische Jäger abzuschießen. Bei einer Aufklärung durch die 3.Kompanie überrumpelte ein aus nur 3 Mann bestehender Spähtrupp
unter der Führung des Unteroffiziers Zillug an einem Bahndamm durch entschlossenes und schnelles Handeln eine französische Abteilung und machte 25 Gefangene.
Beim II. Bataillon wurde die 5.Kompanie um St.Segrée, die 7.Kompanie rechts am Waldrand und dazwischen die Pioniere eingesetzt. Die an den Nordrand von
St.Segrée vorgeschobene 6.Komp. hatte zugleich den Auftrag, den Waldrand nördlich der Eisenbahnlinie zu säubern und das Waldgelände ostwärts St.Segreé zu
durchkämmen. Der Bataillonsgefechtsstand wurde im Schloss Segré eingerichtet. Die Verbindung zu der rechten Nachbardivision, der 5.Panzerdivision, wurde
hergestellt.
Trotz des Einsatzes starker feindlicher Panzerkräfte, die immer wieder gegen Front und Flanke der 7.Panz.Div. ansetzten, hatte die „Gespensterdivision“ im
Laufe des Tages den hartnäckigen Feindwiderstand niedergekämpft, Waldstücke und Ortschaften gesäubert und sich den Weg bis zum Tagesziel erzwungen.
Der Gegner büsste hierbei gleichfalls zahlreiche Gefangene ein und erlitt schwere blutige Verluste. Der rechte Nachbar schloss im Laufe des Tages etwas auf.
Die linke Nachbardivision war im Anschluss an den von der 7.Panz.Div. geschlagenen Bresche bis in den Raum Poix vorgestossen.
Am rechten Flügel des XV.A.K. war die 5.Panz.Div. um 5 Uhr über die Linie Allery – Airaines – Montagne zum Angriff angetreten. Die Luftaufklärung hatte auf
Strassen und Bahnen zwischen Paris und Amiens nur geringen Verkehr festgestellt.
Bis 13 Uhr hatte bei der 4.Armee das II.Korps die allgemeine Linie Höhen ostwärts Dargnies – Maisnières – Wiry au Mont, das XXXXVIII.A.K. am linken Flügel
die Strasse Molliens Vidame – Saisseval erreicht, während das XV.A.K. mit der 5.Panz.Div. bei Caulières, mit der 7.Panz.Div. bei St.Aubin Montenoy stand.
Der Gegner war zweifellos durch den Angriff am Vortage schwer erschüttert und kämpfte nordwärts des Bresle- und Poixabschnittes nur noch mit schwachen
Nachhuten. Durch den kühnen Vorstoss des XV.A.K. über die Strasse Aumale – Poix brach die feindliche Verteidigungsfront vor der Mitte der 4.Armee mehr und
mehr zusammen.
Am Abend stand das II.A.K. unmittelbar vor dem Bresleabschnitt, das XXXXVIII.A.K. war mit dem rechten Flügel im Vorgehen auf die Höhen bei Poix.
Die Spitzen der 7.Panz.Div. hatten Fouilloy und Hescamps (südostwärts Aumale) erreicht. Die 5.Panz.Div. war bis Caulières vorgedrungen.
Hieraus ergab sich die Aufgabe der 4.Armee für den 7.Juni: Fortsetzung des Angriffs in der bisherigen Gruppierung bis zur Vollendung des sich anbahnenden
Durchbruchs.
Die Armee stellte deshalb dem XV.A.K. für den 7.Juni folgende Aufgabe: XV.A.K. stösst weiter durch und setzt sich, abschnittsweise vorgehend, zunächst in
den Besitz der Höhen westlich und südwestlich Forges les Eaux.
Da bei einem weiteren Vorstoss nach Süden mit feindlichen Einwirkungen gegen die Südostflanke des Korps und wegen des Zurückbleibens des II.Korps auch mit
Angriffen gegen die immer tiefer werdende Westflanke des XV.A.K. zu rechnen war, entschloss sich General Hoth, am 7.Juni die 5. und 7.Panz.Div. unter
Abdeckung ihrer Südostflanke insbesondere gegen Beauvais auf gleiche Höhe und sprungweise zunächst bis auf die Höhen von Formerie und ostwärts
vorzuschieben zu lassen.
Die 7.Panz.Div. sollte im ersten Sprung die Gegend von Feuquières unter Abdeckung gegen Grandvilliers und Marseille en Beauvaisis erreichen.
Auf besonderen Befehl des Korps sollte die Division dann bis Saumont la Poterie unter Abdeckung gegen Gournay en Bray vorstossen.
Tagesverlust: tot 1 Schütze, verwundet 7 Schützen.
7.6.1940
Nachlaß Ortlepp.
Kav.Schtz.Rgt.6.2)

Am 7.Juni wurde Major von Paris 6,30 Uhr zum Befehlsempfang zu Generalmajor Rommel gerufen. Das Schütz.Rgt. sollte nach dem erhaltenen Befehl im
entfalteten Vorgehen hinter Panzern und der Divisions-Aufklärungsabteilung auf Feuquières vorstossen und dort zur Sicherung mit Front nach Süden eingesetzt
werden.
Um 9,30 Uhr begann der Vormarsch ohne Fahrzeuge, meist querfeldein. Die Spitze hatte zunächst das II.Bataillon, das angewiesen war, die Höhen 197 und 184
zu besetzen und bis zum Durchmarsch des I.Bataillons zu sichern. Während ein eigener Panzerangriff rollte, besetzte das Bataillon die Höhen etwa 1 km
südostwärts Souplincourt. Das I.Bataillon rückte nun bis Feuquières vor, wo es für einige Stunden die befohlene Sicherung der Division übernahm.
Das II.Bataillon hatte indessen die Fahrzeuge herangezogen, setzte die Marschbewegung auf diesen fort und zwar hinter dem I.Bataillon über Agnières in der
Marschfolge 5., Stab, 8., 6. und 7.Kompanie, und erreichte, nachdem bei Feuquières ohne Aufenthalt weitermarschiert worden war, gegen 16 Uhr mit der
Spitzenkompanie Colagnies le Bas. Hier ging es auf Befehl von Oberst von Unger in eine Sicherungsstellung mit Front nach Süden und Westen.
Schon 1/2 Stunde später nach dem Bataillon befehlsgemäss wieder das entfaltete Vorgehen in der bisherigen Marschfolge in Richtung St.Samson auf.
Nach Erreichen dieses Zieles flossen die Kompanien in die den Bataillonen zugewiesene Sicherungslinie Doudemouville – Villers – Bahnlinie westlich Hericourt
ab.
Die Versuche des Feindes, durch frische Reserven und auf Omnibussen herangeführte Bauleute und Unpaar eine neue Widerstandslinie einzurichten, waren
erfolglos geblieben, da diese Einheiten, noch ehe sie sich eingerichtet hatten, von den deutschen Panzern und den Schützenverbänden auf Kraftfahrzeugen
überrascht wurden. Obwohl wegen der weiterhin anhaltenden Flankengefährdung der Vormarsch der 7.Panz.Div. nur abschnittsweise durchgeführt werden konnte,
erlitt das Vorgehen keinerlei Verzögerung, da nennenswerter Feindwiderstand nicht mehr zu spüren war. Unaufhaltsam ging es in Richtung auf Rouen vorwärts,
um die dortigen Seineübergänge unversehrt in die Hand zu bekommen. Gelang dies nicht, dann war geplant, das XV.A.K. nach der Einnahme von Rouen auf
Le Havre abzudrehen, um vor dem Unterlauf der Seine die noch zurückhängenden Feindkräfte abzuschneiden und die wertvollen Ölvoräte im Hafengebiet in
deutsche Hand zu bringen.
Ab 19 Uhr erreichten die Kompanien des Schütz.Rgts.6 den Sicherungsraum Doudemouville – Villers – Hericourt – Höhen südostwärts Colagnies und richteten
sich mit dem I.Bataillon links, dem II.Bataillon rechts zur Verteidigung nach Süden und Osten ein. Der Marsch war planmässig und ohne Feindberührung
vonstatten gegangen. Unterwegs wurden mehrfach versprengte Franzosen aufgefunden und gefangen genommen. Allein das II.Bataillon konnte 64 Gefangene
einbringen. Drei feindliche Panzerkampfwagen hatten am Spätnachmittag vergeblich versucht, die Stellung des I.Zuges der 7.Kompanie zu durchbrechen.
Sie bekamen so starkes Feuer, das sie unverrichteter Sache wieder abzogen.
Nach Erreichen der befohlenen Linie bildete die 6.Kompanie am Südrand von Doudemouville bis 800 m ostwärts des Ortes eine Igel, während die 5.Kompanie
anschliessend hart südlich der Strasse Doudemouville – Villers bis zum Westeingang Villers, die 7.Kompanie bis zur Bahnlinie westlich Hericourt sicherte.
Die letztgenannte Kompanie nahm in Villers 25 zurückgebliebene Franzosen gefangen. Der Grossteil der 8. Kompanie kam mit dem Bataillonsstab und den
Pionieren in Mercastel unter, wo im Schlosse der Gefechtsstand des Bataillons eingerichtet wurde. Die Berührung mit dem im fluchtartigen Zurückgehen
befindlichen Feinde wurde nicht wieder hergestellt.
Der Grossteil des I.Bataillons sicherte beiderseits Haucourt. Der Regimentsgefechtsstand wurde in St.Samson eingerichtet.
Die Masse der 7.Panz.Div. war bereits um 1 Uhr nachts in tiefer Gliederung in zwei Kolonnen, rechts eine Panzerkompanie unter der Führung von
Hauptmann Schulz — dieser Offizier wurde Ende 1943 als Kommandeur des Panz.Rgts.25 mit der höchsten deutschen Tapferkeitsauszeichnung, dem Eichenlaub
mit Schwertern und Brillanten zum Ritterkreuz ausgezeichnet und fand Anfang des Jahres 1944, als er gerade den Befehl als Kommandeur der 7.Panz.Div.
übernommen hatte, bei einem deutschen Gegenstoss in Russland den Heldentod —, dahinter das verstärkte Schütz. Rgt.7, links das Panzer-Rgt. 25
(ohne 1 Komp.), dahinter Aufkl.Abt. und das verstärkte Schütz.Rgt.6, leichte und schwere Flak und schwere Artillerie, zum weiteren Angriff angetreten.
Das rasche Vorbrechen der Division im Laufe des 7.Juni überraschte den Gegner vollständig. Die Ortschaften wurden beim Vorgehen im allgemeinen
unbesetzt liegen gelassen. Grosse Beute, darunter schwere Feldbatterien, und zahlreiche Gefangene wurden eingebracht. Die Panzerkomp. des Hauptmanns
Schulz schnitt dabei an der Strasse am Wald von Saumont feindlichen Kolonnen den Weg ab und brachte allein über 1000 Gefangene und mehrere Feindpanzer
ein. Das Vorgehen wurde in der offenen linken Flanke durch die Artillerie der Division in hervorragender Weise abgeschirmt. Zwischen der 5. und
7.Panz.Div. befanden sich noch stärkere Feindkräfte, die sich aber wenig aktiv zeigten.
Bei der 4.Armee befanden sich zwar immer noch weit hinter der vorderen Front in Hornoy, Airaines und westlich Amiens feindliche Widerstandsnester, die
noch nicht hatten beseitigt werden können. Andererseits liess an der Front der Widerstand des Gegners merklich nach, so dass das II.Korps den
Bresle – Abschnitt überschreiten und das XXXXVIII.A.K. Poix einnehmen konnte.
Das XV.A.K. konnte im Laufe des Tages den Durchbruch erweitern und am linken Flügel das Vorgehen bis in die Gegend ostwärts Forges les Eaux vortragen.
Am Abend des 7. Juni stand das XV.A.K. mit der 5. und 7.Panz.Div., in der Gegend Gaillefontaine - Saumont, mit der 2.mot. Div. bei Aumale.
Rechts davon hatte das II.A.K. ostwärts Eu und am Südufer der Bresle bei Gamaches und Senarpont Brückenköpfe gebildet, während das XXXXVIII.A.K. die
Höhen ostwärts Sarrus und den Raum Guizancourt - Bergicourt und mit Vorausabteilungen Frémontiers und Contre erreichte.
Trotz Einschiebens von Reserven hatte der Gegner den Durchbruch der 5. und 7.Panz.Div. bei Formerie nicht mehr verhindern können.
Am 7.Juni abends konnte daher der Durchbruch der Weygandstellung als auf der ganzen Linie gelungen angesehen werden. Der 7.Panz.Div. kam das Verdienst
zu, im rücksichtslosen Vorstoß als erste Division die feindlichen Stellungen durchbrochen zu haben. Sie hatte auch alle Versuche, durch mit Eiltransport
heranbeförderte französische Einheiten das aufgerissene Loch zu verstopfen und das Gleichgewicht der Lage wieder herzustellen, erfolgreich abgewehrt und
den Weg nach Südwesten freigekämpft. Nirgends konnte im Gefechtsraum der 7.Panz.Div. noch Feind in nennenswerter Stärke festgestellt werden.
Dagegen befanden sich vor dem II.A.K. noch starke Feindkräfte, die noch heftigen Widerstand leisteten. Ihnen blieb nur noch der Weg zur Küste des
Ärmelkanals nach Le Havre an der Seinemündung oder ein gewaltsamer Durchbruch nach Südosten.
Nach dem am Spätabend ausgegebenen Korpsbefehl sollte die 7.Panz.Div. am 8.Juni von Saumont über Sigy auf Elbeuf vorgehen, die Seinebrücken
handstreichartig in Besitz nehmen, den grossen Seinebogen zwischen Moulineaux und Elbeuf abschliessen und die von Südosten heranführenden Strassen am
Andelle - Abschnitt abriegeln.
8.6.1940
Nachlaß Ortlepp.
Kav.Schtz.Rgt.6.2)

Generalmajor Rommel hatte demgemäss der 7.Panz.Div. und dem Schütz.Rgt.6 für den 8.Juni als Marschziel die Seine südlich Rouen angegeben.
Die einzelnen Kampfgruppen sollten mit der zugeteilten Artillerie dem weichenden Feind im stürmischen Vormarsch folgen.
Der am 8.Juni früh eintreffende Befehl des Armeoberkommandos 4 sah den Ansatz der 5.Panz.Div. auf Neufchâtel en Bray zur Unterbrechung der rückwärtigen
Verbindungen des Feindes vor dem II.Korps vor.
Die 7.Panz.Div. hatte nach Südwesten und Süden zu sichern. Das gesamte XV.A.K. sollte sich darauf einrichten, zusammen mit weiter zugeführten
motorisierten Kräften am frühen Nachmittag über die allgemeine Linie westlich Neufchâtel - Buchy weiter auf Rouen vorzudringen.
General Hoth sah seine wichtigste Aufgabe vorerst darin, alsbald die Übergänge über die Seine in die Hand zu bringen. Er setzte daher die 5.Panz.Div.
über Buchy zur Besetzung von Rouen an, während die 7.Panz.Div. über Sigy auf Elbeuf vorstossen und die Seinebrücken dort in Besitz nehmen sollte.
Die Sicherung der Nordflanke erfolgte durch die 2.mot. Div., die der Südostflanke durch die neu herangeführte Brigade Senger.
Diese neu von der Heeresgruppe B aufgestellte gemischte Schnelle Brigade stand unter dem Befehl von Oberst von Senger, dem bisherigen Kavallerieführer 1.
Zur Brigade gehörte u.a. das Inf.Btl.z.b.V. 100, das M.G. Batl.6 und das Grenzwacht-Radfahrbataillon Runge.
Der Ansatz der 7.Panz.Div. auf Elbeuf war auf den Vorschlag des Generalmajors Rommel erfolgt, der glaubte, dort am ehesten eine unversehrte Brücke über
die Seine vorzufinden, weil der Feind wohl in erster Linie die Brücken im Raum von Rouen zerstören würde.
Die am Spätabend des Vortages aus Saalfeld eingetroffenen Ersatzmannschaften wurden den einzelnen Kompanien, beim II.Bataillon vor allem der durch die
Kämpfe am meisten mitgenommenen 6.Kompanie, zugeteilt.
Der Vormittag, der die Kompanien des Schütz.Rgts.6 allgemein in den am Vortage eingenommenen Schutzstellungen sah, verlief ohne Ereignisse.
Da der Widerstand des Gegners weiter nachgelassen hatte, entschloss sich der Armeeführer, Generaloberst von Kluge, am Vormittag des 8.Juni, nunmehr
dem XV.A.K. freien Lauf zu geben und zwar der 5.Panz.Div. auf Rouen, der 7.Panz.Div. auf Pont de l’Arche südlich von Rouen.
Mit Rücksicht auf die angestaute Bresle sollten die 11. und 32.Inf.Div. nördlich Aumale vorgehen und die 57. und 31.Inf.Div. dahinter folgen, während
die 2.mot. Division zur Abdeckung der Nordflanke des XV.A.K. auf Formerie angesetzt wurde. Die kühne Operation trug ein gewisses Wagnis in sich.
Das musste aber in Kauf genommen werden, wenn man grosse strategische Erfolge erzielen wollte.
Indessen war aus den Nachrichten über die Feindbewegungen, insbesondere der französischen Reserven der Schluss zu ziehen, dass der Gegner sich auf der
Gesamtfront der Heeresgruppe erneut zur Schlacht stellen würde. Um den sich zwischen Oise und Seine verteidigenden Gegner doppelseitig umfassend zu
schlagen, war deshalb beabsichtigt, den Schwerpunkt des Angriffs auf die Flügel der Heeresgruppe B zu verlagern.
Hierzu war die Masse der 4.Armee, die bisher in Richtung auf die untere Seine vorging, in südlicher Richtung abzudrehen. Sie sollte daher nach
Inbesitznahme von Rouen mit starkem linken Flügel in die Linie Gournay en Bray - Crevecoeur le Grand eindrehen, um durch einen Vorstoss über die Oise
in den Kampf der 6.Armee eingreifen zu können. Für diese Aufgabe wurde der 4.Armee zusätzlich das XIV.A.K. unterstellt.
Noch ehe es jedoch zur Ausführung dieses Befehls kam, war der Feind sowohl vor der 6. als auch vor der 4.Armee weiter ausgewichen. Die vorgesehenen
Operationen an der Oise waren nun nicht mehr notwendig. Die Heeresgruppe hob daher die erteilten Aufträge und die Unterstellung des XIV.A.K. wieder
auf und gab der 4.Armee den Befehl, die ursprüngliche Vormarschrichtung beizubehalten und unter Sicherung gegen Paris und die starken feindlichen
Kampfreserven im Raum um Beauvais zwischen Rouen und Vernon Brückenköpfe über die Seine vorzutreiben.
Nachdem auch die 5.Panzerdivision weiter westlich auf gleicher Höhe mit der 7.Panz.Div. vorgekommen war, setzte das Schütz.Rgt.6 in den ersten
Nachmittagsstunden bei sonnigem und sehr heissem Wetter auf der Vormarschstrasse der 7.Panz.Div. hinter dem Schütz.Rgt.7 den Marsch über St.Samson,
Hericourt, Villers, Ménerval, Mesnil, La Chapelle, Boisney, Cattenay, Blainville, Mortainville, La Grange gegen Rouen fort.
Vorgesehen war, dass das Regiment bei Oissel über die Seine gehen sollte, um dort einen Brückenkopf zu schaffen. Generalmajor Rommel hatte persönlich
die Führung der Vorhut der Division, die aus der Aufkl.Abt., dem Kradschütz.-Btl., 1.Kompanie Panzer und 1 Feldhaubitz- und 1 leichte Flak-Batterie
bestand, übernommen.
Die Fahrt ging nur langsam vorwärts. Sie führte oft quer durch das Gelände und meist über staubige Feld- und schmale Waldwege. Viele Marschstockungen
verzögerten die Bewegungen. Die Stockungen mehrten sich noch in den Nachtstunden, so dass stundenlanger, unfreiwilliger Aufenthalt eintrat und bis
Mitternacht der befohlene Raum nicht erreicht werden konnte. Auch die englischen und französischen Flieger waren tagsüber besonders lebhaft, so dass
die Bewegungen aus Fliegerdeckungsgründen zeitweise abgestoppt werden mussten.
Geringer Widerstand schnell vorgeworfener französischer und englischer Verbände konnte dagegen nach kurzem Kampf gebrochen werden.
Die Spitze der Division war am Vormittag unter der persönlichen Führung von Generalmajor Rommel zum Andelle-Abschnitt bei Sigy vorgestossen und hatte
mit einigen 38 t-Panzern durch eine Furt auf dem Westufer des Flusses Fuss gefasst.
Da Teile der Vorhut an einer anderen Stelle eine Sprengung der Andellebrücke rechtzeitig hatten verhindern können und bereits bis La Hallotière
vorgestossen waren, wurde der Kampf bei Sigy abgebrochen und um 18 Uhr die Masse der Division zum entwickelten Vorgehen auf Rouen angesetzt.
Die rechte Gruppe war die Hauptkolonne. Bei den vorausgefahrenen Panzerregiment befand sich auch der Divisionskommandeur.
Durch Gefechte mit abgeschnittenen Feindgruppen wurde der Vormarsch jedoch mehrfach verzögert, so dass bis Mitternacht die Seine nicht erreicht werden
konnte. Die Spitzen der 5. und 7.Panz.Div. waren bis zu diesem Zeitpunkt etwa bis auf 12 km vor Rouen vorgedrungen.
Der Feind schien gewillt zu sein, in der Linie Unterlauf der Seine Schutzstellung von Paris erneuten Widerstand zu leisten. Fliegerbeobachtungen stellten
starken Eisenbahnverkehr von Cherbourg in Richtung Lisieux und von Vitry le Francois in Richtung Meaux, sowie Ausladungen bei und südlich Rouen und
nördlich Paris fest. Im Hafen von Cherbourg befanden sich 4 grosse Kriegsschiffe und 35 mittlere und kleinere Schiffe.
9.6.1940
Nachlaß Ortlepp.
Kav.Schtz.Rgt.6.2)

Der Nachtmarsch des Schütz.Rgts.6 hatte mitten durch eine französische Division hindurchgeführt. Bei dem Gegner war nach der Niederlage an der Somme
bereits eine heillose Verwirrung eingetreten, so dass er sich fast nirgends mehr zur Wehr setzte und keinen Versuch machte, die weit vorstossenden
deutschen Truppen abzufangen. Dennoch wurden durch kleinere Plänkeleien erhebliche Marschstockungen und -verzögerungen verursacht.
Erst gegen 8 Uhr wurde vom Schütz.Rgt.6 La Neuville erreicht. Das II.Bataillon machte die Vormarschstrasse frei und rastete einige Stunden neben der
Strasse, bis weitere Marschbefehle eintrafen. Das I. Bataillon legte in der Gegend südostwärts Martainville eine mehrstündige Marschpause ein.
Die Spitze der 7.Panz.Div. (Panz.Rgt. 25, Kradschütz.Btl.7) hatte in der Nacht zum 9.Juni noch einen grossen Erfolg errungen. Sie war am Spätabend des
8.Juni infolge Geländeschwierigkeiten und Plänkeleien mit englischen Truppen anfangs nur langsam vorangekommen.
Am 8.Juni um 21 Uhr hatte Generalmajor Rommel den Vorstoss des Panz.Rgts. und der Kradschützen über Boos auf die Seinebrücke bei Elbeuf, den der
Aufklärungsabteilung mit einer Panzerkompanie auf die Brücken bei Tourville angeordnet.
In dunkler Nacht ging es unaufhaltsam der Seine zu. Bei Boos wurde ein feindliches Panzerabwehrgeschütz zusammengeschossen. Der Angriff rollte nach
Beseitigung dieses Hindernisses unaufhaltsam weiter und wurde durch die Dunkelheit der Nacht begünstigt. Französische Postierungen und die Einwohner
in den Ortschaften hielten die Truppen der Division für Engländer. Ein Posten einer französischen Flak-Batterie, der an der Strasse bei St.Aubin stand,
erwies sogar Ehrenbezeigungen.
Zwei Stunden nach Mitternacht wurde das Seineital bei Sotteville erreicht. Die sofort vorgezogenen Kradschützen gingen mit Unterstützung durch 5 eigene
Panzer auf die Seinebrücke bei Elbeuf vor. Ehe die Sturmtruppen aber die Brücke erreicht hatten, wurde sie vom Gegner in der letzten Minute in die Luft
gesprengt. Auch das Schütz.Rgt.7, das die Brücke bei Tourville in Besitz nehmen sollte, fand dort nur noch eine bereits gesprengte Seinebrücke vor.
Während die schwarzen Rauchwolken der bei Rouen in Brand stehenden Tankanlagen den Himmel verdüsterten und nach dem sehr schwülen Wetter der Vortage
gegen Mittag ein Gewitter mit erfrischendem Regen heraufgezogen war, erhielt das Schütz.Rgt.6 den Befehl, beschleunigt den Vormarsch in Richtung auf
Rouen fortzusetzen, um im Laufe des Nachmittags des 9.Juni südostwärts der bekannten Hafenstadt bei dem Dorfe Oissel über den Seine einen Brückenkopf
zu bilden.
Auf dem ganzen Marsche kam es nirgends zu grösseren Kampfhandlungen mit dem Feind. Der Franzose hatte nach der schnellen Überrennung der Weygandlinie
die Lust zum Kampf in offener Feldschlacht verloren.
Mehrfach wurden unterwegs flüchtende französische Kolonnen von den verlasteten deutschen Schützen überholt, von den Verbindungen zu ihren Einheiten
abgeschnitten, zum Kampf gestellt oder gefangen genommen. Viele französische Soldaten warfen schon bei der Annäherung der deutschen Fahrzeuge die
Waffen fort, hoben die Hände hoch und ergaben sich. Da kein Schütze entbehrlich war und Zeit auch nicht zu verlieren war, wurden die Gefangenen ohne
Bewachungsmannschaften einfach längs der Vormarschstrasse zurückgeschickt. Sie waren so ermüdet und gebrochen, dass sie widerstandslos die deutschen
Weisungen befolgten. Die Gefangenen machten durchweg einen erschöpften und niedergeschlagenen Eindruck. Die Kampfmoral des Gegners war im Sinken.
Die Zahl der Überläufer erhöhte sich. Die französische Kampfführung beschränkte sich hauptsächlich auf die Zerstörung wichtiger Eisenbahn- und
Strassenbrücken, die Vernichtung kriegswichtiger Industrieanlagen und die Verwüstung von Vorräten und von Kriegsmaterial. Zu einer Entscheidungsschlacht,
zu einem energischen Widerstand konnte sich die französische Führung anscheinend nicht mehr aufraffen.
Da der Gegner auch die Seineübergänge bei Oissel im letzten Augenblick unmittelbar vor dem Erscheinen der ersten deutschen Truppen gesprengt hatte,
konnte das Regiment dort einen Brückenkopf zu bilden nicht mehr ausführen. Das Schütz.Rgt. fuhr daher in den ersten Nachmittagsstunden in Richtung
südostwärts Rouen weiter.
Das II.Bataillon ging über Bois au Blosseville vor, um dort den Zipfel zwischen Seine und der Stadt Rouen mit Front nach Norden zu besetzen.
Das I.Bataillon wurde im gleichen Raum mit Front nach Südwesten angesetzt.
Da indessen gegen 13 Uhr die Nachricht eingelaufen war, dass die 5.Panzerdivision die Übergabe der wichtigen Stadt Rouen erzwungen hatte, war die
Einnahme der Sicherungslinie gegen Rouen nicht mehr notwendig. Die Bataillone des Schütz.Rgts. erhielten deshalb Befehl, nach eingehender Durchsuchung
der Ortschaften nach versprengten französischen Soldaten im Raume südostwärts Rouen unterzugehen.
Das II.Bataillon rückte darauf nach St.Pierre und Lefaux, das I.Bataillon nach Mesnil. Bei der Durchsuchung der Quartiere in den genannten Orten
wurden noch zahlreiche französische Soldaten, teilweise bereits in Zivilkleidung, in ihren Verstecken aufgestöbert. Sie liessen sich ohne Widerstand
gefangen nehmen und schienen froh zu sein, dass für sie der Krieg zu Ende war. Die Schützen zogen dann am Nachmittag in den zugewiesenen Quartieren unter.
Mit der Einnahme von Rouen durch die 5.Panz.Div. war ein grosser, entscheidender Erfolg erzielt worden. Rouen war früher Hauptstadt der Normandie, liegt
am rechten Ufer der Seine, noch 130 km vom Meer entfernt und hat 120 000 Einwohner. In Rouen wurde 1431 die Jungfrau von Orleans durch die Engländer
hingerichtet. Durch Brand und Bombardierung gingen 1940 mehrere Wohnbezirke zugrunde. Durch das Eingreifen der deutschen Wehrmacht wurde jedoch das
Wahrzeichen der Stadt, die berühmte Kathedrale, ein Hauptwerk französischer Gotik vor der Vernichtung bewahrt.
Die Schützen des Rgts.6 kamen aber am 9.Juni nach dem Einrücken im Unterkunftsraum noch nicht zur Ruhe.
Um 19 Uhr wurden sie in den Quartieren alarmiert. Das Regiment hatte Befehl zur Säuberung des Waldstückes nordostwärts Rouen erhalten und setzte hierzu
das I.Bataillon rechts, das II.Bataillon links an.
Das II.Bataillon marschierte ohne Fahrzeuge nach Nordosten auf Épinay und kämmte das Gelände bis zur Linie Quicreville – Nationalstrasse bei Punkt 110
durch. Grössere Feindabteilungen wurden, von einigen Versprengten abgesehen, nirgends angetroffen.
Nach Erfüllung der gestellten Aufgabe zog das II.Bataillon mit der 6. und 7.Kompanie gegen 23 Uhr in Le Joucquets, mit dem Stab und dem Rest des Bataillons
in Quievreville im Schutze der ausgestellten Sicherungen unter.
Das I.Bataillon war um 21 Uhr abgesessen mit der 2.Kompanie als Spitze in nördlicher Richtung auf Rouchérelles angetreten, hatte das Gelände zwischen
dem Ort und den bisherigen Quartieren Mesnil durchstreift, zahlreiche Gefangene eingebracht und ging dann in Rouchérelles in Unterkunft.
Die vom Feind mit „Gespensterdivision“ bezeichnete thüringisch-fränkische 7.Panz.Div., die überall dort auftauchte, wo sie nicht vermutet wurde, hatte
ihren Namen wieder alle Ehre gemacht. Munitionswagen, ausgebrannte Betriebsstoffwagen, zerschossene Panzer, zerfetzte Pariser Strassenomnibusse,
zertrümmerte Fahrzeuge aller Art und Unmengen von Waffen und Kriegsgerät der Franzosen und Engländer kennzeichneten den Verlauf der Vormarschstrasse der
7.Panz.Div.
Im Raum der gesamten 4.Armee waren am 9.Juni gute Fortschritte erzielt worden.
Dem II.A.K. war es am Vormittag gelungen, den Bresle-Abschnitt an verschiedenen Stellen zu überschreiten. Die gegnerischen Kräfte zogen sich
eigenartigerweise in westlicher Richtung zurück, so dass die Vermutung auftauchte, dass es sich hierbei hauptsächlich um englische Kräfte handelte, die
Anschluss an ihre Schiffe suchten. Im scharfen Nachdrängen hatte das II.Korps bis zum Spätnachmittag mit dem Anfang seines vorgeworfenen linken Flügels
die Gegend südlich Neufchâtel en Bray, bis zum Abend mit der 11.Schütz.Brig. und der 57.Inf.Div. die Linie Le Fresne – St. Riquier, mit der 31., 12. und
32.Inf.Div. die Linie Ménonval – Nesle – Mesnil erreicht.
Das XV.A.K. hatte mit der 5.Panz.Div. den nördlich der Seine gelegenen Hauptteil von Rouen besetzt. Auf Grund der Lageentwicklung bis zum 9.Juni mittags
war der ursprünglich geplante Vorstoss auf Le Havre in den Hintergrund getreten. Wichtiger war die Bildung eines starken Brückenkopfes bei Rouen, das
Vorgehen einer Panzerdivision auf Tôtes und einer stärkeren Kampfgruppe auf Dieppe, um die hinter der Bethune stehenden Feindkräfte, die anscheinend der
Seinemündung zustrebten oder ihre Einschiffung an der Küste erhofften, einzuschliessen und ihre Vernichtung durchzuführen. Durch ein Vorgehen auf
Dieppe – St.Valery en Caux bestand die Möglichkeit, den vor dem II. Korps zurückgehenden Feind von der Seine abzuschneiden. Es war beabsichtigt, die
5.Panz.Div. auf Totes, die 7.Panz.Div. und 2.mot.Div. auf die Strasse Rouen – St. Saens, die Brigade Senger auf dem Seinebogen zwischen Rouen und
Pont de l’Arche anzusetzen.
Bereits um 13 Uhr waren die ersten Befehle zum Abdrehen der Masse der 5.Panz.Div. und 2.mot.Div. nach Nordwesten ergangen.
Die 7.Panz.Div. sollte folgen, sobald eine südlich Rouen gelegene als unbesetzt gemeldete Eisenbahnbrücke genommen war. Die Masse der Division sammelte
im Raum südostwärts Rouen.
Um 18,30 Uhr war dem XV.A.K. vom Oberbefehlshaber der 4.Armee der Vorstoss bis zur Küste des Aermelkanals freigegeben worden. Im Raum vor dem II.Korps
standen nach den letzten deutschen Fliegermeldungen noch starke Feindkräfte, die kämpfend in Richtung auf Le Havre auszuweichen suchten.
Ihr Entkommen musste auf alle Fälle verhindert werden.
Das XXXVIII.A.K. am linken Flügel der 4.Armee hatte Les Andelys erreicht, dort einen Brückenkopf geschaffen und war mit der Masse des Korps im Vorgehen
über Lyons la Forêt – Morgny.
Die 9.Armee hatte den Oise überschritten und Soissons besetzt. Die Heeresgruppe A unter Generaloberst von Rundstedt war zwischen Aisne und Maas zum
Angriff nach Süden angetreten.
Die Durchbruchsschlacht an der Somme war abgeschlossen. Ungeheures hatte die 7.Panz.Div. und damit nicht zuletzt auch das Schütz.Rgt.6 geleistet.
Generalmajor Rommel verlieh seinem Dank für das Geleistete durch den am 9. Juni erlassenen Tagesbefehl Ausdruck:
“Tagesbefehl.
In 4 Tagen ist es der Division gelungen, den Übergang über die Somme zu erzwingen und eine 115 km lange Strecke zu durchstossen, so dass in der Nacht
zum 9.Juni die Seine erreicht war.
Unter erbitterten Kämpfen, insbesondere mit Angehörigen der schwarzen Rasse, gelang es der Division am 5. und 6.Juni als erste die
Hauptverteidigungsstellung der Franzosen auf dem Südufer der Somme zu erstürmen und durchzubrechen.
Alle Truppenteile der Division haben in vorbildlicher Zusammenarbeit nur das Ziel der Verfolgung des Feindes vor Augen, zum Gelingen des Durchbruchs
beigetragen. Trotz dieser schweren Durchbruchskämpfe trat die Division am 7.Juni früh erneut an, brach jeden sich noch bietenden Feindwiderstand und
stiess mit ungehörtem Schwung wiederum als erste bis zur Seine durch. Der Gegner wurde hierbei so schnell überrannt, dass es ihm trotz Zuführung neuer
Kräfte nicht gelang, noch ernsten Widerstand zu leisten. Etwa 5000 Gefangene und eine unübersehbare Beute an Waffen, darunter besonders schwere
Artillerie, Munition und Gerät sind ein äusserliches Zeichen des grossen Erfolges der Division.
Dass trotz des sehr starken Verbrauches an Betriebsstoff und Munition die Division ohne Halt bis zur Seine durchstossen konnte und vor jedem neuen
Antreten der Nachschub aller Art gedeckt war, so dass ferner die Versorgung unserer Verwundeten bis in die vorderste Linie ständig sichergestellt war,
ist ein besonderes Verdienst aller Angehörigen der Rückwärtigen Dienste.
Rückblickend auf unsere Erfolge gedenken wir in erster Linie unserer Gefallenen und verwundeten Kameraden, die ihr Leben und ihre Gesundheit
Grossdeutschland opferten. Ihr Einsatz bahnte der Division den Weg in das Herz Frankreichs.
Jedem Angehörigen der Division danke ich für seinen vollen Einsatz. Mit Genugtuung, an hervorragender Stelle zum Gelingen der Gesamtoperation
beigetragen zu haben, treten wir nunmehr an, um uns den Endsieg zu erkämpfen.
Vorwärts 7.Panzerdivision!
Es lebe Grossdeutschland! Es lebe der Führer!
gez. Rommel.
10.6.1940
Nachlaß Ortlepp.
Kav.Schtz.Rgt.6.2)

Das XV.A.K., das nach den Worten des Generalobersten von Kluge in der Schlacht an der Somme der Stosskeil der 4.Armee, die stählerne Spitze, gewesen war,
hatte eine neue Aufgabe erhalten.
Die 7.Panzerdivision hatte noch in der Nacht zum 10.Juni von General der Inf. Hoth den Befehl bekommen, um 5 Uhr südöstlich Rouen auf die Küste des
Ärmelkanals bei Veulettes anzutreten, um dem Entkommen der vor dem II.A.K. zurückgehenden Feindkräfte nach Le Havre oder ein Einschiffen an der Küste
zu verhüten. Zu diesem Zwecke sollte die Division westlich des Durdent-Flusses mit Front nach Osten eine Aufnahmestellung beziehen.
Die Nacht zum 10.Juni war beim Schütz.Rgt.6 ruhig verlaufen.
Am frühen Morgen ging dem Regiment der Befehl für die Durchführung des neuen Auftrags zu. Es sollte nicht mehr in südlicher bzw. südwestlicher Richtung,
sondern zur Abwechslung einmal in nördlicher bzw. nordwestlicher Richtung gehen. Auf Anweisung von Generalmajor Rommel hatten die Bataillone ab 7,30 Uhr
in ihren Unterkunftsräumen fahrbereit zu stehen.
Der Abmarsch wurde jedoch auf 5,30 Uhr vorverlegt. Der Auftrag des Schütz.Rgt.6 lautete: Verstärktes Schütz.Rgt.6 erreicht mit Anfang 7,15 Uhr über
Roncherolles, Fontaine, La Muette, Houppeville, Manaunay den Ablaufpunkt Pissy. Die Gefechtstrosse sollten zunächst in den Unterkunftsräumen verbleiben,
ab 7,00 Uhr in Roncherolles sammeln und später nachgezogen werden.
Das II.Bataillon fuhr auf den Fahrzeugen aufsitzend, um 5,30 Uhr in der Unterkunft aufbrechend, auf der Strasse Roncherolles – Fontaine – La Muette nach
Pissy, um sich dort zum weiteren Vorgehen hinter den Panzern bereitzustellen.
Pissy wurde um 7,30 Uhr erreicht. Dem II.Bataillon auf den Füssen folgte das I.Bataillon.
Der Aufenthalt in Pissy war nur von kurzer Dauer. Oberst von Mellenthin erteilte hier den Auftrag, hinter dem Panzerregiment 25 über Barentin, Strassengabel
2 km ostwärts Yvetot, Baon, Hautot, Thiouville, Ourville, Bertreville unverzüglich weiter zu fahren, mit erhöhter Fahrgeschwindigkeit gegen die Küste des
Ärmelkanals bei Veulettes vorzustossen und alsdann in der Linie Veulettes – Cany Barville – Ourville Front nach Osten gegen starke französische Kräfte und
Teile des englischen Expeditionskorps einzunehmen, die dort den Versuch unternehmen wollten, sich in den Kanalhäfen einzuschiffen und sich in Sicherheit
zu bringen, dabei die französischen Divisionen ihrem Schicksal zu überlassen.
Die 7.Panz.Div. war dazu ausersehen, den Ring um den Feind im Westen und Südwesten zu schliessen, den Weg zum Meer und zur Seinemündung zu verlegen und
den Gegner in Gemeinschaft mit anderen deutschen Verbänden zu vernichten.
Bei Annäherung an die Strassengabel 3 km ostwärts des Ortes Yvetot stiess das an der Spitze des Regiments fahrende II.Bataillon unter Oberstlt.Junck gegen
11 Uhr auf eine aus ostwärtiger Richtung kommende motorisierte feindliche Kolonne, die sofort von der Artillerie und Flakartillerie der 7.Panz.Div. unter
gutliegendem Feuer genommen und teilweise vernichtet oder zersprengt wurde. Die anderen Teile der Division setzten unbekümmert um das sich bei Yvetot
entspinnende Gefecht den Vormarsch fort, um baldmöglichst die Küste des Atlantischen Ozeans zu erreichen und die Küstenstrasse abzuriegeln.
Die feindliche Kolonne bei Yvetot wurde zum Teil zusammengeschossen. Die Reste des Gegners wurden an der Fortsetzung der Fahrt zur rettenden Küste gehindert
und zum Rückzug gezwungen. Der Feind war vollkommen überrascht worden. Er war ohne ausreichende Marschsicherung gefahren und hatte nicht im geringsten damit
gerechnet, in dieser Gegend schon deutsche Truppen anzutreffen. Ein Teil der mit Munition beladenen Fahrzeuge war infolge der wirksamen Beschiessung in die
Luft geflogen. Zur Gegenwehr und zum Instellunggehen war der englischen Artillerie überhaupt keine Zeit geblieben. Soweit Zeit hatten ihr die Rudolfstädter
Schützen nicht gelassen. Die Munitionswagen explodierten, die Zugmaschinen mit den 15 cm – Geschützen kippten bei dem Versuch zu wenden in den Strassengraben
und blieben liegen. Der Abteilungskommandeur, ein älterer englischer Oberst, fiel mit zahlreichen verwundeten und unverwundeten Kanonieren in deutsche
Kriegsgefangenschaft. Herrliche englische Lastkraftwagen wurden Beute der schnellen deutschen Angreifer.
Das II.Bataillon setzte nach kurzem, durch den Kampf mit der motorisierten englischen Kolonne notwendig gewordenem Aufenthalt die Fahrt fort. In der Gegend
von Thiouville erhielt Oberstlt.Junck folgenden Auftrag: “Besetzung des Westufers des Durdent – Flusses.
Abschnitt rechte Grenze: Strasse Quainville – Cany Barville, linke Grenze: die Kanalküste. Verteidigung dieser Linie mit Front nach Osten unter Anlehnung
rechts an I.Bataillon. Die Panzer sollen dabei zusammen mit der Aufklärungsabteilung den Rücken sichern.”
Bei der weiteren Fortsetzung der Fahrt prallte eine andere motorisierte, aus ostwärtiger Richtung vorfahrende feindliche Fahrzeugkolonne an der Strasse
Fécamp – Cany Barville auf die vor dem II.Bataillon herfahrenden Panzerkampfwagen der Division. Es kam zum Gefecht. Die feindliche Kolonne wurde durch
wirksames Geschütz- und Flakfeuer zersprengt, so dass die Schützen nicht mehr einzugreifen brauchten. Ein Teil der Fahrzeuge des Gegners blieb vernichtet
oder fahrunfähig auf dem Kampffeld liegen.
Nachdem der Gegner abgedrängt worden war, rollten die Kompanien des II.Bataillons auf Fahrzeugen über Quainville um 15 Uhr in den befohlenen
Verteidigungsabschnitt ein und zwar rechts die 6.Kompanie bis zum Südrand von Crosville, links die 5.Kompanie zwischen dem Südrand Malleville und dem
Südrand Paluel.
Die 7.Kompanie wurde später dazwischen eingeschoben. Der 1.Zug der 7.Kompanie erhielt Auftrag, in und bei Vittefleur drei kleine Brücken zu sperren und
zu sichern. Die schweren Waffen der Kompanie und der unterstellten s.M.G.-Gruppe der 3.Kompanie wurden zum Feuerschutz erhöht eingesetzt, während ein
Zug der 1./Panz.Jäg.Abt.42 den Panzerschutz übernahm.
Die Küste des Atlantischen Ozeans war erreicht. Als Generalmajor Rommel in seinem Kübelwagen das Meer erblickte, sprang er heraus und lief in der ihm
eigenen impulsiven Art zum Strand hinab, um mit beiden Beinen zugleich ins Meer zu springen aus Freude darüber, dass es der Zähigkeit seiner Truppen
gelungen war, in so kurzer Zeit die Küste des Ärmelkanals zu erreichen und damit die noch weiter ostwärts stehenden starken Feindkräfte abzuriegeln.
Die Kompanien des Schütz.Rgts.6 richteten sich in Erwartung verzweifelter feindlicher Durchbruchsversuche in den zugewiesenen Kampfräumen zur Verteidigung
ein, besonders an den am rechten Flügel vorhandenen Bachübergängen.
Ein Zug der 5.Komp., der die unmittelbar an der Küste des Ärmelkanals liegende Ortschaft Veulettes besetzen sollte, prallte dort auf eine von Osten
kommende in Richtung auf Le Havre fahrende motorisierte englische Kolonne und stellte sich zum Gefecht. Der Engländer leistete zunächst hartnäckigen
Widerstand, so dass die 5.Kompanie einen weiteren Zug einsetzen musste. Den vereinten Kräften der 5.Kompanie gelang es schliesslich, den Gegner
zurückzudrängen.
Um 17,30 Uhr war Veulettes in der Hand der tapfer kämpfenden 5.Kompanie. Bei der Säuberung des Dorfes wurden noch 15 Engländer gefangen. Auf der entlang
der Küste führenden Strasse griffen später zwei englische Panzerkampfwagen aus Richtung Paluel an. Das der 5.Kompanie zugeteilte Geschütz Ulrich schoss
den mittleren und den leichten englischen Kampfwagen ab.
Der Erfolg der 5.Kompanie war gross. Gegen 100 englische Kraftfahrzeuge waren vernichtet oder erbeutet worden. Ein vor der Küste westlich Veulettes
liegender feindlicher Zerstörer, der entweder die Reste der hier befindlichen Feindteile an Bord nehmen oder das Heranführen besonderer Transporte
sichern sollte, wurde durch die deutsche Flak unter Feuer genommen und zog sich schliesslich brennend zurück. Andere englische Kriegsschiffe fuhren auf
See vor Veulettes vorbei und beschossen den Ort mit Schiffsgeschützen, ohne jedoch Schaden anzurichten.
Spähtrupps der 6.Kompanie durchstiessen die Stadt Cany Barville ohne Feindberührung. Die Masse der abgesessenen Kompanie erreichte ausgeschwärmt die
Strasse Cany Barville – Vittefleur und richtete sich ostwärts der Strasse und am Nordrand von Cany Barville zur Verteidigung nach Osten ein.
Das II.Bataillon hatte ohne Feindberührung den Raum Tal des Durdentflusses zwischen Cany Barville und südlich Grainville erreicht und sperrte befehlsgemäss
nach Osten ab.
Ein Versuch von zwei englischen Panzern, in Schütze der Abenddämmerung bei Cany Barville die Stellung der 3. ompanie zu durchbrechen, wurde vereitelt.
Die beiden Panzer wurden von der Pak des Baons zusammengeschossen und brannten aus. Schon vorher war ein mit Munition beladenes Raupenfahrzeug von der der
3.Kompanie zugeteilten gleichen Pakbesatzung der 4.Kompanie vernichtet worden. Weitere Durchbruchsversuche wagte der Gegner hier nicht mehr.
Der Regimentsstab zog in Quainville (Ouainville?) unter. Er ordnete mit Rücksicht auf die unsichere Lage an, dass noch in der Nacht zum 11.Juni bei allen
Einheiten Geiseln festgenommen wurden.
Das Panz.Rgt.25 war am frühen Morgen bis in die Gegend Pissy – Pôville – Roumare vorgezogen und dann zum Durchstoss zur Küste angetreten. Westlich Cany
Barville wurden auf Fécamp zurückflutende feindliche Kolonnen der französischen 31.Division versprengt.
Um 15.30 Uhr hatte das Regiment nach einem Marsch von über 100 km unter völligem Verbrauch des Betriebsstoffes Les Petits Dalles an der Kanalküste erreicht
und westlich des Durdentabschnittes Aufstellung mit Front nach Osten genommen. Zwei Kompanien wurden nach Fécamp in Marsch gesetzt und verhinderten dort
Verschiffungen des Gegners.
Das Schütz.Rgt.7 war über Bois, Doudeville, Barentin, St.Clair, Hautot, Bermonville auf Ourville vorgegangen und hatte sich im Abschnitt Hericourt –
Grainville – Bertheauville mit Front nach Nordosten zur Verteidigung eingerichtet.
In den Abend- und Nachtstunden verhinderte das Regiment mehrere Durchbruchsversuche des Gegners.
Die Einschliessungsaktion durch die 7.Panz.Div. war so blitzschnell erfolgt, dass die feindliche Nachrichtenübermittlung vollkommen versagte und bei dem
Gegner der Eindruck entstand, dass deutsche Fallschirmjäger eingesetzt waren, um den Gegner am Rückzug abzuschneiden.
Beim Oberkommando der 4.Armee war noch zur Mittagsstunde des 10.Juni die Auffassung vertreten worden, dass die Masse des Gegners im Raum zwischen der
unteren Somme und der Mündung der Seine sich rechtzeitig der deutschen Umklammerung entzogen hätte und der Angriff des XV.A.K. nach Nordwesten sich als
Luftstoss erweisen würde.
Demgegenüber war das XV.A.K. auf Grund der Aufklärungsergebnisse der Meinung, dass sich nur geringe Teile des Feindes rechtzeitig aus dem gefährdeten
Gebiet zurückgezogen haben konnten, die Masse des Gegners noch vor dem II.A.K. stand und daher alle Kräfte des XV.A.K. zwischen Rouen und Veulettes
eingesetzt werden mussten, um das Entkommen des Gegners auf Le Havre zu verhindern. Aus aufgefundenen Beutebefehlen war zu entnehmen, dass sich die Masse
der französischen 40.Inf.Div. am 9.Juni noch in den grossen Waldungen nördlich Neufchâtel – Tôtes – Bellencombre befunden haben musste.
General Hoth sah sich in seiner Auffassung, noch starke Feindkräfte gegenüber zu haben, bestärkt, als bei der 5.Panz.Div. und 2.mot.Div. am Abend des
10.Juni eine Krise entstanden war dadurch, dass starke Feindkolonnen von Osten kommend durchzubrechen versuchten. Es befanden sich also zweifellos noch
stärkere Feindkräfte im Sack und es galt, unverzüglich den Ring um diese Kräfte fest zu schliessen.
Auch die anderen Divisionen des XV.A.K. hatten Anteil an den sich anbahnenden Erfolgen im Raum von St. alery. Wie schon erwähnt, waren bereits am 9.Juni
kurz nach der Mittagsstunde die ersten Befehle zum Abdrehen der 5.Panz.Div. und 2.mot.Div. nach Nordwesten ergangen.
Die 2.mot.Div., die in der Linie Gaillefontaine – St. Martin sicherte, sollte auf Motteville – Ostendorf Yvetot antreten, während die im Anschluss an
die Division nach Westen stehende 5.Panz.Div. sich dort versammelte.
Die 5.Panz.Div. hatte am 9.Juni mittags den Befehl erhalten, die Linie Tôtes – St. Saens zu besetzen und einen Durchbruchsversuch des Gegners zu verhindern.
Da zwei Marschgruppen (rechts Oberst Degener, links Generalmaj.Haarde) vorgehend, wurde am Abend St.Victoir l’Abbaye und Tôtes erreicht.
Die Division hatte am 10.Juni mit dem unterstellten MG-Bataillon 8 in der Linie Neuf Brosc – St.Martin – Tôtes einen Durchbruch des Feindes auf Rouen zu
verhindern und sich so bereit zu halten, dass sie jederzeit auf Befehl des Korps auf Dieppe antreten konnte. Zur Entlastung des rechten Flügels wurde am
Vormittag ein erfolgreicher Panzerangriff auf Bellencombre durchgeführt. Am Nachmittag trat die Division von Tôtes aus auf die Linie Bacqueville – Saane –
St. Just an, erreichte aber nur Eurville und die Gegend St.Pierre Bénouville.
Die 2.mot.Div. war südlich der 5.Panz.Div. über Clères in die Gegend Yvetot vorgeführt worden, um ein Entkommen des Gegners Richtung Yvetot zu verhindern.
Sie fand am Abend Doudeville stark feindbesetzt vor und konnte die Stadt nicht mehr einnehmen.
Das II.A.K. hatte Befehl, den Feind südlich Dieppe auf das von Süden und Westen heranmarschierende XV. A.K. zurückzuwerfen. Da der Gegner in der Nacht mit
der Masse vor dem Korps nach Westen abgezogen war, wurde nennenswerter Widerstand nicht angetroffen, die Bethune erreicht und die Aufträge vorgetragen.
Auf Grund einer Besprechung des Oberbefehlshabers des Heeres mit der Heeresgruppe B vom 10.Juni waren neue Weisungen für die Weiterführung der Operationen
erlassen worden. Die nächste Aufgabe der 4. Armee war hierin wie folgt umrissen:
“4.Armee vernichtet den vor ihrem rechten Flügel zurückgehenden Feind und schafft sich durch Vertiefung der Brückenköpfe zwischen Rouen und Vernon die
 Möglichkeit, mit der Masse der Armee die Seine, wenn der Befehl hierzu eintrifft, überschreiten zu können. Die Armee muss nach wie vor bereit sein, auf
 Befehl Le Havre wegzunehmen. Die Sicherungsaufgabe gegen den Nordwestrand des Gebietes von Paris bleibt bestehen.”
Die 4.Armee hatte im Laufe des 10.Juni entscheidende Erfolge errungen. Nachdem sie die untere Seine erreicht und zwischen Rouen und Vernon mehrere
Brückenköpfe geschaffen hatte, stand die Masse des XV.A.K. im Rücken des noch weit rückwärts befindlichen Teils der französischen 9.Armee im Raum
südwestlich Dieppe.
Der Ring um diese zurückgehenden feindlichen Kräfte war nach dem Vorstoss der 7.Panz.Div. auf die Küste westlich St.Valery en Caux geschlossen.
Bis zum Abend hatten erreicht:
Das II.A.K. mit der 11.Schütz.Brig. und der 57.Inf.Div. den Bethune- bzw. Warenneabschnitt von Arques la Bataille bis Torcy le Grand, mit der 31. und
32.Inf.Div. die Bahnlinie zwischen Longueville – St. Victor.
Das XV.A.K. mit der 5.Panz.Div. die Linie Bacqueville – St. Laurent en Caux, mit der 2.mot.Div. den Raum nordwestlich Yerville.
Die 7.Panz.Div. stand mit der Masse beiderseits Cany Barville bis zur Küste mit der Front nach Osten, während ein kleinerer Teil der Division bei
Fécamp in Richtung Le Havre gegen die untere Seine abschirmte. Die Brigade Senger befand sich im Vorgehen auf Tôtes.
Das XXXVIII.A.K. hatte mit der 65.Inf.Div. Brückenköpfe über die Seine westlich Andé – Courcelles, mit der 46.Inf.Div. Brückenköpfe bei Vernon in der Hand.
Die 7.Panz.Div. hatte am 10.Juni durch den Sturmmarsch von der Seine an die französische Kanalküste nördlich Le Havre abermals eine Meisterleistung
vollbracht, die der Bezeichnung „Gespensterdivision“ alle Ehre machte. In einer 30 km langen Linie hatte sie im Raum St.Valery zur Seine abgeschnitten,
ihre Einschiffung in den Kanalhäfen verhindert und zugleich die feindliche Ersatztruppen einen Riegel vorgeschoben.
Die Tagesbeute des Schütz.Rgts.6 betrug 16 Offiziere, 200 Gefangene, 2 schwere Panzer, 2 Pak, über 100 Kraftfahrzeuge.
Die Verluste betrugen: verwundet 2 Unteroffiziere, 8 Schützen verwundet.
11.6.1940
Nachlaß Ortlepp.
Kav.Schtz.Rgt.6.2)

Die Lage der 7.Panz.Div. stellte sich am Morgen des 11.Juni wie folgt dar: Das Schütz.Rgt. 6 stand mit Front nach Osten an der Kanalküste bei Veulettes,
Paluel, westlich Cany Barville bis südlich Bénouville. Von dort nach Süden schloss sich das Schütz.Rgt.7 mit Front nach Osten in der Linie Grainville –
Hanouard – Cherville – Hérichourt an. Die Masse der Artillerie war mit Schussrichtung nach Osten hinter den beiden Schützenregimentern in Stellung gegangen.
Eine 10cm–Batterie (6./Art.Rgt.68) war unmittelbar an der Kanalküste bei Veulettes in Feuerstellung gebracht worden.
Die nach Westen offene Flanke der 7.Panz.Div. wurde 3 km ostwärts Fécamp von der Aufklärungsabteilung und dem Kradschützenbataillon 7 mit der zugeteilten
5./Art.Rgt.78 mit Front nach Westen gesichert.
Wider Erwarten war die Nacht zum 11.Juni ruhiger verlaufen, als nach den Umständen erwartet werden konnte. Lediglich im Abschnitt der 7.Kompanie hatten
einige Engländer den Versuch unternommen, sich durch die Linien der Kompanie durchzuschmuggeln. Der Versuch wurde rechtzeitig erkannt und vereitelt.
Obwohl in der Nacht durch das Verschieben von Teilen der 7.Panz.Div. Lücken in der Front entstanden waren, durch die der Gegner nach Westen oder Südwesten
hätte durchbrechen können, hatte er einen ernsthaften Versuch hierzu nicht gemacht.
Ein beim Morgengrauen vom II.Bataillon vorgesandter Spähtrupp stellte den gegenüberliegenden Höhenrand (Höhe 70 südlich) als feindfrei fest. Dagegen wurde
in den Ortschaften Conteville und Paluel geringe feindliche Belegung festgestellt. Auch vor dem I.Bataillon wurde nur Gegner in geringer Stärke ermittelt.
Als gegen 6,30 Uhr eine Fahrzeugkolonne des Gegners vor dem Abschnitt der 7.Kompanie aus Paluel herauskam und in ostwärtiger Richtung vorfahren wollte,
wurde sie von der Kompanie und der ihr zugeteilten s.M.G.-Gruppe der 8.Kompanie unter wirksames Feuer genommen. 13 Fahrzeuge wurden vernichtet.
Deutsche Flakgeschütze verhinderten späterhin einen weiteren Ausbruchsversuch des Gegners und schossen eine auf Vittefleur vorfahrende motorisierte
Feindkolonne zusammen. Dabei gingen mehrere Kraftfahrzeuge in Flammen auf, so dass der Gegner zum Ausbruchversuch aufgab und sich in seine Ausgangsstellung
zurückzog. Anschliessend wurde er sich allmählich über den Ernst der Lage klar: Die feindlichen Streitkräfte sahen sich eingeschlossen und wussten nicht
mehr, wohin sie sich wenden sollten.
Die Panz.Aufkl.Abt.37 war am Nachmittag des 10.Juni entlang der Küste bis vor Fécamp vorgedrungen, um den Rücken der zwischen Veulettes und Héricourt mit
Front nach Nordosten und Osten stehenden beiden Schützenregimenter der Division zu sichern. Nachdem dort einige Küstengeschütze genommen worden waren,
wurden in den Abendstunden des 10.Juni Teile des Panz.Rgts.25 und des Kradschützenbataillons 7 in Richtung Fécamp nachgeführt, um die sich zäh verteidigende
Hafenstadt von Osten und Südosten einzukreisen und von der Verbindung mit Le Havre abzuschneiden.
In den ersten Morgenstunden des 11.Juni wurde dieses Ziel erreicht und das Kradschützen-Bataillon 7 grub sich auf den Höhen westlich und südwestlich Fécamp ein.
Die Vormittagsstunden wurden beim Schütz.Rgt.6 zur Verbesserung der eigenen Stellungen benutzt. Vor der Küste kreuzten im Ärmelkanal in Sichtweite des
Schütz.Rgts. drei feindliche Zerstörer oder Torpedoboote, ein Unterseeboot und ein grösserer Transporter von etwa 10 000 Tonnen.
Sie erwarteten die englischen Truppen, die aber nicht kamen, da sie durch die deutschen Truppen an der Einschiffung gehindert wurden.
Einige aus Schiffsgeschützen auf das Tal bei Vittefleur abgegebene Schüsse richteten keinen Schaden an. Durch das Feuer der an der Küste stehenden
6./Art.Rgt.68 wurde ein englisches Vorpostenboot versenkt.
Immer wieder tauchten vor dem Regimentsabschnitt kleinere Trupps versprengter Franzosen und Engländer auf, die den Versuch unternahmen, in westlicher
Richtung die deutschen Linien zu durchbrechen und sich so der Einkreisung zu entziehen. Alle diese Versuche konnten von den Schützen aus den weiter ausgebauten
Stellungen mühelos abgewehrt und zahlreiche Gefangene eingebracht werden.
Feindliche Bomberflugzeuge, die den deutschen Einkreisungsring mit Bomben bewarfen, wurden durch die der 7.Panz.Div. zugeteilte Flakartillerie beschossen und
vertrieben, sowie überhaupt am Bombenabwurf gehindert.
Dem Feind war es im Laufe des Vormittags nirgends gelungen, nach Westen oder Südwesten durch die Linien der 7.Panz.Div. durchzubrechen. Einzelne feindliche
Kolonnen rannten zwar auf die Sperrfront der Division auf, waren dann aber, auch wenn sie nur von schwachen deutschen Kräften angeschossen wurden, ohne
weiteres gegen die Küste abgedreht. Die Führung des eingeschlossenen Feindes zeigte eine auffallende Untätigkeit.
Das XV.A.K. hatte ursprünglich lediglich beabsichtigt gehabt, dem Gegner im Süden und Westen den Weg zu verlegen und ihn durch Angriff von Osten zusammen mit
dem II.A.K. zur Übergabe zu zwingen. Da über die Mittagsstunde die Fliegermeldung eintraf, dass der Gegner bei St. Valery und ostwärts davon versuchte, auf
Schiffen zu entkommen, gab es kein Zögern mehr. General Hoth befahl den sofortigen konzentrischen Angriff. Die 5. und 7.Panz.Div. sollten mit Panzern von
Osten und Westen entlang der Küste vorstossen, um jede Einschiffung zu verhindern, während die Schützen und die 2.mot.Div. sofort von Süden her in Richtung
nach der Küste vorgehen sollten.
Auf Befehl von Generalmajor Rommel wurde am linken Flügel des Regiments die eingesetzte 5.Kompanie des Schütz.Rgts.6, die schon am frühen Morgen ihre
Stellung auf Anweisung der Division auf die jenseitige Panzer nordostwärts Punkt 70 vorgeschoben hatte, gegen 14 Uhr aus dem Bataillonsverband herausgelöst,
durch die s.M.G.-Gruppe Stroh und 2 Pak verstärkt und der Division unmittelbar unterstellt, um bei dem Vorstoss des Panz.Rgts.25 unmittelbar entlang der
Küste auf St.Valery mitzuwirken. Die Kompanie fuhr auf Fahrzeugen hinter den Panzern her über Conteville, Le Tot und St.Leger.
Nach Brechung zähen Feindwiderstandes der Hecken- und Scharfschützen in Le Tot wurde der Feind nach hartem Kampf geworfen und wich nach Ausserkampfsetzung
von drei englischen Panzerkampfwagen entlang der Küste auf die Stadt St.Valery zurück.
Der 3.Zug der 5.Kompanie verblieb in Le Tot und machte bei dem ihm übertragenen Säuberung des Ortes 100 Gefangene. Die Masse der Kompanie setzte den Angriff
gegen St.Valery fort und bezog bei St.Leger Sicherungsstellung.
Der 1.Zug der Kompanie fuhr mit Generalmajor Rommel bis an den Stadtrand von St.Valery heran. Der Divisionskommandeur forderte die eingeschlossenen Feindkräfte
zur Kapitulation auf. Diese lehnte der Engländer ab. Nur etwa 1000 Engländer und Franzosen leisteten der ersten Aufforderung zur Waffenstreckung Folge, obwohl
ein grosser Teil von St.Valery durch das Geschützfeuer der Division in Flammen stand. Der Feind hatte sich verzweifelt gewehrt, vor allem mit leichter und
schwerer Artillerie und Pak.
Da indessen durch die Vortruppen der 7.Panzerdivision und benachbarter Einheiten der Ring um die weiter ostwärts eingeschlossenen Teile des Feindes verengt
worden war, erhielt das gesamte Schütz.Rgt.6 gegen 19 Uhr Befehl, zur Verstärkung dieses verkleinerten Kessels etwa 5 km weiter ostwärts vorzurücken, um
Anschluss an das von Süden nach Norden vorgehende M.G.-Bataillon 8 von der 2.mot.Division zu bekommen. Lediglich die 5./Schütz.Rgt.6 behielt ihre alte Aufgabe
bei.
Gegen 20 Uhr trat das Regiment den Vormarsch von Paluel an. Das II.Bataillon (6.Kompanie rechts, 7.Kompanie links) sollte rechts im Anschluss an das I.Bataillon,
später links an das Schütz.Rgt.7 angelehnt, beiderseits Ingouville in Stellung gehen und hatte Auftrag, das Dorf Néville zu nehmen.
Schwere Waffen der 8.Kompanie, besonders eine s.M.G.-Gruppe und der Geschützzug Weiss wurden bei der 7.Kompanie eingesetzt.
Nach anfangs schnellem Vorwärtskommen blieb der Angriff infolge eines bewundernswert zähen und starken Feindwiderstandes bei Höhe 113 nördlich Sasseville und
Ingouville, sowie bei St.Riquier liegen. Die mit den Fahrzeugen absitzend über Thiouville auf Ingouville angesetzte 7.Kompanie erreichte im Fussgefecht Punkt 81
südlich Ingouville und geriet in heftiges Feindfeuer aus Ingouville und St.Riquier. Die beiden s.M.G.-Gruppen der 7.Kompanie erwiderten das Feuer sofort,
während ein Zug 2 cm – Flak den Ortsrand von Ingouville unter Feuer nahm. Zwei eigene Maschinengewehre fielen durch Treffer aus.
Ein bei der Kompanie befindlicher Artillerieverbindungsoffizier lenkte nun das Feuer der leichten Feldhaubitzen auf den Ortsrand. Dennoch kam der deutsche
Angriff nicht voran. Drei Tote und 7 Verwundete waren bei der 7.Kompanie die Opfer des Angriffs. Da die 6.Kompanie weiter rechts zurückhalten liegen geblieben
und trotz aller Bemühungen nicht auf gleiche Höhe mit der 7.Kompanie gekommen war, musste die Stellung der 7.Kompanie in der Nacht zur Vermeidung grösserer
Verluste hinter die Strasse Cany Barville - St. Valery zurückgenommen und mit Front nach Nordosten umgebogen werden.
Die 6.Kompanie, die bei Vittefleur abgesessen war, um über die Höhe 87 St.Riquier anzugreifen, wurde nach Erreichen der Höhe 87 am Ostausgang von St.Riquier von
heftigem l. und s.M.G.-Feuer überschüttet und fast gleichzeitig von 4 feindlichen Panzerkampfwagen angegriffen. Sie hatte einen schweren Kampf zu bestehen.
Bei dem Vorgehen auf St.Riquier und der Abwehr der Angriffe des Gegners wurde der Führer der 6.Kompanie, Oberlt.Driver, verwundet.
Die Führung der Kompanie übernahm Leutn.Bransch. Da die Kompanie dem feindlichen Feuer fast schutzlos ausgesetzt und eine Wiederholung der Panzerangriffe des
Gegners zu erwarten war, wurde sie auf Anweisung von Oberstlt.Junck in der Dunkelheit bis zur Höhe 87 zurückgenommen, erhielt den Auftrag am Südrand dieser
Höhe mit Front nach Osten auf St.Riquier eine Verteidigungslinie einzunehmen und Verbindung mit der rechts benachbarten 7.Kompanie des Schütz.Rgts.7 herzustellen.
Lediglich zwei M.G.Trupps der Kompanie verblieben nachts am Ostausgang von St.Riquier, da sie den Befehl zum Zurückgehen nicht rechtzeitig erhalten hatten.
Der hinter der 7.Kompanie vorgehende Stab des II.Bataillons wurde zugleich mit der 7.Kompanie westlich der Hauptstrasse von Grenaten mehrerer Feindbatterien
überschüttet. Da auch das M.G.-Feuer des in St.Riquier und Ingouville verschanzten Gegners sich wesentlich verstärkte und die Schützen in dem fast deckungslosen
Gelände fast keine Deckung fanden, gab Oberstlt.Junck sein Einverständnis zur Zurückverlegung auch der übrigen Teile des Bataillons. Das Bataillon zog sich darauf
im Schutze der Nacht auf St.Sylvain zurück. Um den Widerstand des Gegners zu erschüttern, nahm die Divisionsartillerie Ingouville und die dort befindlichen
feindlichen Truppen unter starkes Geschützfeuer, das bis in die tiefe Nacht andauerte.
Das I.Bataillon hatte mit der 1. und 2.Kompanie gegen 23 Uhr die Strasse Cany Barville - Fultot bei Sasseville erreicht. Die 3.Kompanie unter Hauptmann Cunitz war
am Abend im kühnen Vorgehen darüber hinaus bis Punkt 113 nördlich Sasseville vorgedrungen, hatte die wichtige Höhenstellung besetzt und kam dann, nachdem sie sich
durch fette Klee- und wogende Getreidefelder vorgearbeitet hatte, gleichfalls nicht weiter vorwärts, da sie starken Gegner vor sich hatte, der sich am Dorfrand
von Ocqueville eingeschanzt hatte und diesen hartnäckig verteidigte. Auch durch das überaus gutliegende Artilleriefeuer konnte der Gegner nicht zum Weichen
gebracht werden. Die 3.Kompanie stand allein auf weiter Flur, die anderen Kompanien des Bataillons waren noch nicht heran und die Abenddämmerung senkte sich über
die Landschaft. Es entspann sich ein schwerer Kampf, der bis in die tiefe Nacht fortgeführt wurde, aber keine Entscheidung brachte.
Infolge der Dunkelheit und der unüberschaubaren Lage musste das Gefecht schliesslich eingestellt werden. Das Bataillon bezog in Anlehnung nach rechts an das
M.G.-Btl.8 für die Nacht eine Verteidigungsstellung und sicherte die erreichte Linie.
Da infolge des hartnäckigen Feindwiderstandes und des späten Angriffsbeginns die beiden Bataillone des Regiments die von der Division befohlenen Angriffsziele
nicht hatten erreichen können, entstand folgende Lage:
Zwischen der auf der Höhe 87 liegenden 6.Kompanie und dem I.Bataillon war eine Lücke von fast 3 km Breite aufgerissen worden. Das II.Bataillon hatte sich ausserdem
gezwungen gesehen, den rechten Flügel der entlang der Strasse Cany Barville - St. Valery liegenden 7.Kompanie in Richtung auf die Höhe 87 mit Front gegen die noch
in den Händen des sich erbittert wehrenden Gegners befindlichen Dörfer St.Riquier und Ingouville zurückzunehmen.
Oberst von Unger erkannte die grossen Gefahren, die aus der eigenartigen Lage seines Regiments entstehen konnten und brachte sie dem Divisionskommandeur gegenüber
zur Sprache. Die Division traf daraufhin unverzüglich die notwendigen Massnahmen, um eine weitere Gefährdung des II.Bataillons des Schütz.Rgts.6 auszuschliessen.
Noch im Verlaufe der Nacht vom 11./12.Juni sollten in die zwischen den beiden Bataillonen klaffende Lücke die 6. und 7.Kompanie des Schütz.Rgts.7 eingeschoben
werden, während die 5.Kompanie des gleichen Regiments die zwischen der 6. und 7.Kompanie des Schütz.Rgts.6 entstandene Lücke ausfüllen sollte.
Zur Verstärkung der Abwehr- und Feuerkraft des Regiments wurden im weiteren im Verlaufe der Nacht eine Pionierkompanie und die schwere Inf.Geschütz-Kompanie
5/705 zugeschoben.
Das vorgezogene II./Schütz.Rgt.7 grub sich in der Nacht südlich St.Riquier ein, da die Verbindung des Bataillons und des Schütz.Rgts.6 vollkommen
durcheinandergeraten waren. Die Stellung der vorgehenden Verbände verlief um Mitternacht:
5./Schütz.Rgt.7 Höhe 72 südostwärts St.Sylvain, im Anschluss daran auf dem Höhenrücken nach Süden 6. und 7./Schütz.Rgt.6, südlich St. Riquier das II./Schütz.Rgt.7
ohne die 5.Kompanie.
Trotzdem das Schütz.Rgt.6 nach harten Kämpfen um die befestigten Stellungen bei Le Tot und an der Strasse St.Sylvain - St. Valery bis dicht vor den letztgenannten
Hafenort herangerückt war und die Batterien der Division aus beherrschenden Stellungen alle im Hafen liegenden Schiffe und Kutter versenkt hatten, leistete der
Feind hartnäckigen Widerstand. Das Panz.Rgt.25 sollte die Höhen ostwärts und westlich St.Valery in Besitz nehmen, um das Einschiffen der feindlichen Truppen zu
verhindern. Da der Gegner sich geschickt getarnt aufgestellt hatte und sich die Engländer der Hoffnung hingaben, in der Nacht eingeschifft zu werden und daher
heldenhaften Widerstand leisteten, kam der Panzervorstoss nur langsam bis vor St.Valery. Es gelang dem Regiment etwa 1 200 Franzosen gefangen zu nehmen.
Das Schütz.Rgt.7 hatte nach Einsatz des M.G.-Batlns 8 das I.Bataillon aus der Front gezogen und am Abend auf Befehl der Division bis unmittelbar südwestlich
St.Valery bei St.Léger vorgeschoben, um den Hafen St.Valery nach Westen abzuschirmen. Von der Höhe etwa 1 km ostwärts St.Léger konnte der Hafen St.Valery
vollkommen übersehen werden. Die feindlichen Frachter, die im Schutze von Zerstörern dabei waren, die Einschiffung der eingeschlossenen englischen Truppen
vorzunehmen, wurden von der Divisionsartillerie und 8,8 cm - Flakbatterien sofort unter zusammengefasstes Feuer genommen, dass die weitere Einschiffung
unterbunden wurde. Ein Hilfskreuzer wurde versenkt, ein Zerstörer schwer beschädigt, zwei Transporter in Brand geschossen und 4 weitere erheblich beschädigt.
Trotz Androhung schärfster Beschiessung der Stadt im Falle der Ablehnung der schriftlichen Kapitulationsaufforderung des Generalmajors Rommel hatten die
englischen Offiziere die Übergabe verweigert. Die gestellte Frist bis 21 Uhr lief ab, ohne dass sich die Engländer ergaben. Sie bauten vielmehr auf den Hafenmolen
in St.Valery Barrikaden und brachten Geschütze und Maschinengewehre in grosser Zahl gegen die nachdrängende 7.Panz.Div. in Stellung. Auch die Beschiessung der
Stadt durch das zusammengefasste Feuer der gesamten schweren und leichten Artillerie brachte trotz der ausserordentlich starken Wirkung den zähen Engländer nicht
zum Wanken. Er ergab sich nicht und hoffte immer noch, dass er in der kommenden Nacht von den eigenen Schiffen abgeholt und wie bei Dünkirchen rechtzeitig in
Sicherheit gebracht werden würde.
Da der Gegner die Kapitulation abgelehnt hatte, wurde St.Valery in der Nacht erneut von der Feldartillerie und der herangezogenen schweren Artillerie sowie der
Flak unter Feuer genommen und die eigene bis unmittelbar vor die Stadt vorgeschobene Sicherung der 5.Komp. des Schütz.Rgts.6 bis Le Tot zurückgenommen.
Zugleich wurde durch Beschuss mit Nebelgranaten die gefährdete eigene rechte Flanke der Division abgeschirmt.
Der schnelle und energische Vorstoss des XV.A.K. am 10.Juni zur Kanalküste hatte im Rücken von 3 – 4 feindlichen Divisionen geführt. Nachdem in der Nacht zum
11.Juni das XV.A.K. Durchbruchsversuche des eingeschlossenen Feindes abgewehrt hatte, konnte es im Laufe des Vormittags den Ring um die eingekesselten Feindteile
weiter verengen und befand sich in den Abendstunden im Angriffe auf St.Valery, um die dort geplanten Truppenverladungen der Engländer zu verhindern.
Die nach Nordwesten kämpfend an die Küste ausgewichenen Reste der französischen Nordarmee waren gestellt und kaum in der Lage, wesentliche Teile bei St.Valery
einzuschiffen.
Nachdem die 5.Panz.Div. um die Mittagsstunde weitere Befehle zum Vorgehen in Richtung auf die Küste erhalten hatte, trat sie an, erreichte die Höhen beiderseits
Greuville, später La Gaillarde, anschliessend die Küste, schwenkte dann nach Westen um in Richtung St.Valery ein und kam bei sich ständig verstärkenden
Feindwiderstand bis südlich Veules les Roses.
Die 2.mot.Div. nahm gegen 13 Uhr Doudeville, machte 700 Gefangene und rückte bis zum Abend an die Bahnlinie nördlich Anglesqueville – Bourville – Fontaine vor.
Das II.A.K. erreichte die Eisenbahnlinie Dieppe – Rouen und ruhte unter Sicherung nach Westen. Die 12. und 32.Inf.Div. sollten am 12.6. zur Seine abmarschieren
und schieden für den weiteren Kampf um St. Valery aus.
Am Abend des 11.Juni stand
das II.A.K. mit der 11.Schütz.Brig. und der 57.Inf.Div. in der Gegend westlich und südwestlich Dieppe, 31.Inf.Div. in Fontaine le Dun,  12. und 32. Inf.Div. um Auffay,
das XV.A.K. hatte erreicht mit der 5.Panz.Div. über La Gaillarde die Gegend südlich Veules les Roses, der 2.mot.Div. den Raum beiderseits Ermenouville, mit den
Schützen der 7.Panz.Div. die Linie ostwärts des Durdentabschnittes, während Panzer im Vorstoss auf St.Valery waren.
Die Brigade Senger sammelte zwischen Varneville – Sterville und mit Teilen an der Seine bei Rouen.
Das XXXVIII. A.K. hatte die Eure erreicht und befand sich im weiteren Vorgehen.
Südlich der unteren Seine hatte der Gegner ausser Teileinheiten zwei neuaufgestellte Divisionen eingesetzt. Die Reste der völlig zerschlagenen französischen 10.Armee
sammelten hinter der unteren Seine. Starke englische Bombergeschwader griffen in die Kämpfe an der Küste und um die Seinebrückenköpfe ein.
Die 7.Panz.Div. hatte am 10. und 11.Juni im Anschluss an die Durchbruchskämpfe bis zur Seine hervorragende Leistungen vollbracht, in einem eintägigen Sturmmarsch die
Küste des Ärmelkanals nördlich Le Havre erreicht und in einer Frontlinie von 30 km dem Gegner den Rückzug nach Westen und die Möglichkeit eines Entsatzes der
eingeschlossenen Feindkräfte durch Eingreifen anderer Feindgruppen von Westen her verhindert. Ohne Rücksicht auf die völlig offene eigene Westflanke und trotzdem der
Gegner im Osten mit dem Tempo der “Gespensterdivision” nicht Schritt gehalten hatte, war es, wie Generalmajor Rommel in einem Tagesbefehl vom 11.Juni treffend zum
Ausdruck brachte, der 7.Panz.Div. gelungen, die gefahrvolle Aufgabe zu lösen und in vorbildlich kurzer Zeit die von der Armeeführung gesteckten Ziele zu erreichen.
Beste Feinddivisionen der französischen 10.Armee, unter ihnen die neuaufgestellte 40.franz.Inf.Div., die franz. 31.Geb.Div., die mot. 51.englische Division und
Versprengte verschiedener anderer Einheiten, insbesondere auch der englischen 1.Panzerdivision, waren dank dem Stosskraft und dem Angriffsgeist der 7.Panz.Div. in
einen Kessel um St.Valery eingeschlossen und sahen ihrer baldigen Gefangennahme oder Vernichtung entgegen. Trotz stärkster feindlicher Überlegenheit war es am 11.Juni
dem Panz.Rgt.25 und dem Schütz.Rgt.6 gelungen, sich weiter an St.Valery heranzuschieben, während gleichzeitig die Panz.Aufkl.Abt.37 und das Kradschütz.Btln.7 trotz
der gewaltigen Anstrengungen der Vortage am westlichen Ende die feindlichen Stellungen gestürmt, den Gegner zurückgedrückt und bei Fécamp sein Entweichen über das
Wasser verhindert hatte. Ein Teil der französischen und englischen Streitkräfte kapitulierte hier, obwohl die gegenüberstehenden Truppen der 7.Panz.Div. zahlenmässig
unterlegen waren. Stolz waren die Schützen des Schütz.Rgts.6, dass sie ihr Teil zum Gelingen des grossen Werkes hatten beitragen können.
Die Tagesbeute des Regiments betrug u.a, 50 Kraftfahrzeuge mit Gerät und Munition, 1 Panzer, 4 mittlere französische Flakgeschütze und zahlreiche Gefangene.
Die Verluste beliefen sich auf 1 toten und 3 verwundete Unteroffiziere und 7 tote und 11 verwundete Schützen.
12.6.1940
Nachlaß Ortlepp.
Kav.Schtz.Rgt.6.2)

Die Nacht zum 12.Juni verlief ruhig, obwohl nach dem Ausgang des nächtlichen Kampfes mit einer erheblichen Beunruhigung gerechnet worden war. Durch starkes deutsches
Artilleriefeuer auf St.Valery, den Hafen und die Küstenstreifen war das Einschiffen der Engländer unterbunden worden. Der Feind war zudem schon so zermürbt, dass er
kaum noch längere Zeit dem ungestümen deutschen Angriff widerstehen konnte. Nennenswerte Zwischenfälle waren auch in den Morgenstunden nicht eingetreten. Das war
zum Grossteil auf das scheusslich regnerische Wetter zurückzuführen, das jede grössere Tätigkeit bei Freund und Feind unmöglich machte. Aus Ingouville fielen zwar ab
und zu in der Nacht Schüsse und aus St.Riquier waren Schanzgeräusche vernehmbar, aber zu grösseren Handlungen raffte sich der Gegner nicht auf. Lediglich etwa 4 km
ostwärts St.Valery hatte der Engländer bei Veules les Roses nochmals eine Anzahl Schiffe zusammengezogen und im Schutze der Nacht und mehrerer Zerstörer Einschiffungen
vorzunehmen. Da die Schiffe durch die Flak unter wirksames Feuer genommen wurden, mussten sie unverrichteter Dinge das Weite suchen.
Die von der 7.Panz.Div. bereitgestellten Reserven trafen erst kurz vor Tagesbeginn beim Schütz.Rgt.6 ein. Das II.Bataillon des Schwesterregiments 7 verstärkte den
Abschnitt des II./Schütz.Rgts.6. Die 5./Schütz.Rgt.7 war zwischen der 6. und 7./Schütz.Rgt.6 eingeschoben, während die Masse des II.Bataillons Schütz.Rgt.7 die Lücke
zum I.Bataillon des “Majors von Paris” schloss. Der spätestens bei Tagesanbruch erwartete starke englische Durchbruchsversuch in Richtung Ourville – Le Havre blieb
überraschenderweise aus. Der Feind hatte sich anscheinend unter dem Eindruck des während der Nacht unterhaltenen Störungsfeuers ostwärts abgesetzt, so dass
Generalmajor Rommel Befehl zum Vorverlegen der eigenen Linien in günstigere Stellungen weiter ostwärts geben konnte.
Gegen 10 Uhr trat das Schütz. Rgt.6 nach vorausgegangenem Vorbereitungsschiessen der schweren Waffen und der unterstellten schweren Inf.Geschütz – Kompanie erneut
zum Angriff an, um die gestern vergeblich erstrebten Ziele zu erreichen.
Das II.Bataillon hatte dazu den Befehl erhalten, rechts an das I.Bataillon, links an das Schütz.Rgt.7 angelehnt, über Ingouville – Néville vorzustossen, eine Linie
etwa 800 m nördlich Néville bis zum Südrand von Néville in Besitz zu nehmen und sich dort zur Verteidigung einzurichten. Bei dieser Sachlage kam die Verstärkung der
bisher eingenommenen Kampflinie durch Teile des Schwesterregiments 7 nicht mehr zur Auswirkung. Andererseits erfuhr die Kampfkraft des II.Bataillons durch die gerade
bei Angriffsbeginn erfolgte Zuführung der 5.Kompanie eine erhebliche Verstärkung. Mit der 5.Kompanie aufgesessen auf den Fahrzeugen, mit den übrigen Kompanien des
Bataillons zu Fuss, trat das Bataillon bei bewölktem Himmel und erquicklich warmem Wetter um 11 Uhr an und nahm Ingouville ohne Feindwiderstand. Der Gegner hatte den
Ort kurz vorher geräumt und sich unter Zurücklassung von etwa 40 Verwundeten und zahlreichem Kriegsgerät, wie M.G., Pak und Gewehren ostwärts zurückgezogen.
Die 6.Kompanie hatte schon vorher aus eigenem Entschluss mit Unterstützung einer Kompanie des Schütz.Rgts.7 den Ort St.Riquier besetzt und konnte so die dort seit
dem Vorabend alleinstehende Gruppe der Kompanie mit den verwundeten Kompanieführer befreien.
Alsdann nahm die 6.Kompanie Verbindung zum Bataillon auf und wurde rechts der 7.Kompanie an der Hauptstrasse nach St.Valery eingesetzt mit dem Auftrag, hinter der
7.Kompanie den Südwestteil von Ingouville zu erreichen und sich dort zur Verfügung des Bataillons, das auf Néville vorging, zu halten.
In Néville leistete der Gegner dagegen einen erheblichen Widerstand. Der Ort war für die Verteidigung wie geschaffen, da er von einer hohen Mauer und
undurchdringlichen Hecken umgeben war. Nach Säuberung der vor dem Ort liegenden Einzelgehöfte stiess die 5.Kompanie am Strassenkreuz auf eine durch Pak gesicherte
Strassensperre. Bei dem Versuch ihrer Räumung erhielten mehrere Fahrzeuge der Kompanie Paktreffer. Die Kompanie ging hierauf im s.M.G.-Feuer etwas zurück, um die
kostbaren Fahrzeuge dem Pakfeuer zu entziehen. Auch die übrigen aus Ingouville vorstossenden Schützenkompanien des II.Bataillons gerieten in gutliegendes
M.G.- und Schützenfeuer, so dass das Vorgehen bald gehemmt war. Durch Artillerie, Pak, Inf.Gesch., und s.M.G. wurde der Gegner systematisch auf wirksamste Weise
bekämpft. Die listigen Maschinengewehre des Feindes wurden allmählich ausgeschaltet.
Um 15 Uhr war der Grossteil des heiss umkämpften Ortes Néville in der Hand der am rechten Flügel des II.Bataillons vorgehenden 5.Kompanie und der links über die
nördlich Néville liegende Höhe angreifenden, durch den Bataillons–Pionierzug verstärkten 7.Kompanie. Stundenlang tobte das Strassengefecht in einzelnen Teilen
von Néville weiter. Um die Kirche herum hatte sich eine stärkere Feindgruppe in den Häusern eingeschanzt und leistete Gegenwehr bis die letzten Widerstandsnester
durch die schweren Granatwerfer und durch den Einsatz der rasch nachgezogenen 6.Kompanie niedergekämpft waren.
Drei gepanzerte Fahrzeuge, 1 feindliche Feldkanonenbatterie und zahlreiche Strassenfahrzeuge fielen in die Hand der 7.Kompanie. Französische Offiziere und Soldaten,
die sich ohne Waffen in Sicherheit bringen wollten, wurden gefangen genommen.
Bei den bis in die Nachtstunden sich hinziehenden Säuberungsaktionen in Néville und Ingouville fielen unabschätzbare Mengen an Beute und Gefangenen in die Hände
des Bataillons. Bis zum Abend wurden allein vom II.Bataillon 45 englische und französische Offiziere mit 1750 Mann als Gefangene eingebracht, eine Zahl, die sich
im Laufe der Nacht noch beträchtlich erhöhte. Im Gefechtsabschnitt der 5.Kompanie streckten unter Führung eines Parlamentärs 900 Mann die Waffen. Den grössten
Erfolg hatte die 6.Kompanie, bei der im Laufe des Abends 1285 Gefangene, darunter 45 Offiziere, gezählt wurden bei einem eigenen Verlust von nur 2 Toten und 4 Verwundeten.
Für die Nacht wurde folgende Verteidigungslinie bezogen: rechts die 5.Kompanie am Südostrand von Néville von Punkt 84 bis zum Kirchweg von Néville. 7.Kompanie
anschliessend bis 800 m nördlich des Dorfes, 6.Kompanie im Igel um den Nordost-, Ost- und Südostrand von Ingouville.
Auch das I.Bataillon hatte am 12.Juni heftige Kämpfe bestanden und grosse Erfolge erzielt. Es führte zunächst um 11 Uhr den Angriff gegen das vom Feind heftig verteidigte
Dorf Ocqueville und ein ostwärts davon liegendes Waldstück.
Der Gegner kämpfte mit dem Mute der Verzweiflung und leistete trotz der vorausgegangenen umfassenden Beschiessung der feindlichen Verteidigungsstellungen den drei in
vorderster Linie eingesetzten Schützenkompanien hartnäckigsten Widerstand. Die französisch – englische Artillerie sprach während des ganzen Tages ein gewichtiges Wort.
Aber die Kameraden von Art.Rgt.78 aus Jena blieben die Antwort nicht schuldig und suchten die Feindbatterien niederzuringen. Nur schrittweise konnten sich die 1. und
3.Kompanie gegen den in geschickter Weise zur Verteidigung hergerichteten Ortsrand vorarbeiten. Baumschützen, eingebaute Maschinengewehre und Pakfeuer aus der rechten
Flanke hielten vorübergehend den Ansturm der Schützen auf. Dann aber wurde der Feind von der 3.Kompanie von Hecke zu Hecke zurückgedrängt.
Die 1.Kompanie musste den Angriff in dem völlig deckungslosen Gelände vorläufig einstellen, da jeder Versuch eines weiteren Vorarbeitens von dem das Gelände völlig
beherrschenden Gegner abgewehrt wurde. Die 1.Kompanie wurde deshalb hinter die 3.Kompanie genommen und führte dort den Angriff weiter. Als es der dem Bataillon
unterstellten s.I.G.-Kompanie 5/705 gelungen war, eine auf dem Kirchturm von Ocqueville festgestellte feindliche Beobachtungsstelle niederzukämpfen und damit ein
beobachtetes Artillerieschiessen beim Gegner auszuschliessen, gewann der Angriff des I.Bataillons schneller an Boden. Die Schützenkompanien mit der 3.Kompanie voran
drangen in das Dorf Ocqueville ein und besetzten mehrere Häuser. Im Dorfe fand der Kampf seine Fortsetzung, da der Engländer jedes Haus und jedes Gehöft verteidigte.
Englische Maschinengewehre machten der 3.Kompanie in der rechten Flanke viel zu schaffen. Erst als es gelang, in einem Weizenfeld ein flankierendes M.G. zum Schweigen
zu bringen und einen überlebenden englischen M.G.-Schützen, der glaubte, dass sein letztes Stündchen geschlagen hatte, gefangen zu nehmen, gewann der deutsche Angriff
langsam im Dorfe Boden. Stundenlang hatte das Strassen- und Ortsgefecht hin und her gewogt und nur schrittweise drang das I.Bataillon gegen den zähen Verteidiger
weiter erfolgreich vor. Endlich gelang es Hauptm.Cunitz von der 3.Kompanie, den Gegner von der Zwecklosigkeit weiteren Widerstandes zu überzeugen.
Gegen 16 Uhr ergaben sich die Reste der feindlichen Dorfbesatzung. 9 Offiziere und 240 Mann wanderten in deutsche Kriegsgefangenschaft.
Die bei St.Valery gefangenen englischen Truppen waren Eliteeinheiten des englischen Heeres, die in Disziplin und Haltung einen tadellosen Eindruck machten, aber doch,
wahrscheinlich infolge Fehlens eines tatkräftigen Führers nicht die moralische Kraft gefunden hatten, in der Nacht den dünnen Einkreisungsring im Westen von St.Valery
zu sprengen. Von einem zahlenmässig unterlegenen Gegner liessen sich mehrere feindliche Divisionen widerstandslos entwaffnen.
An der Küsten, am Nordflügel der Einkreisung von St.Valery hatten sich die Engländer im Laufe des Tages an der Steilküste etwa 6 km nordostwärts St. Valery bei Veules
les Roses bemüht gehabt, im Schutz englischer Kriegsschiffe einzuschiffen. Der Feuerkampf zwischen einer 8,8 cm – Flakbatterie der 7.Panz.Div. und einem englischen
Kriegsschiff hatte zum Ausfall von 3 deutschen Flakgeschützen geführt. Als auch die übrige weittragende Artillerie der Division in den Feuerkampf eingriff, konnte
ein englischer Hilfskreuzer in Brand geschossen und die weitere Einschiffung der englischen Truppen verhindert werden.
Zugleich war das Panzerregiment 25 in den westlichen Stadtteil von St.Valery eingedrungen. Der Divisionskommandeur der 7.Panz.Div., Generalmajor Rommel, hatte wie so
oft im Westfeldzug am Tage von St.Valery wieder eine Probe seines persönlichen Mutes gegeben. Vor den Panzern und Schützen war er kurz vor Beginn des geplanten
Zermürbungsfeuers im offenen Küstengelände in die von über 100 000 Engländern und Franzosen besetzte Stadt gefahren und bis zum Marktplatz vorgestossen.
Hier rief er englischen Soldaten zu, den englischen Kommandanten zu benachrichtigen, dass jeder Widerstand nutzlos sei, da die Stadt von deutschen Truppen umstellt wäre.
Nach kurzer Zeit stellte sich ein älterer englischer General ein und nahm die Weisungen des jungen deutschen Generals mit pour le mérite und Ritterkreuze entgegen.
Im Ostteil der stark durch die deutsche Beschiessung beschädigten Stadt standen zur gleichen Zeit noch Tausende und Abertausende französischer und englischer Soldaten.
Sie zögerten jedoch, den Kampf gegen die in den Ort eingedrungenen zahlenmässig geringen deutschen Panzerkampfwagen aufzunehmen. Überrascht durch das plötzliche
Auftauchen der deutschen Panzer leisteten die ersten Feindgruppen der Aufforderung zur Waffenstreckung Folge. In seiner Befehlsstelle wurde von den Schützen des
Schütz.Rgts.6 der Kommandeur des französischen IX.A.K. aufgestöbert und Generalmajor Rommel zugeführt. Der französische General konnte nur noch die Kapitulation seiner
Truppen melden und begründete dies damit, dass seine Soldaten ohne Munition wären. Bald wurden weitere 4 Generale, darunter der Kommandeur der englischen 51.Division,
gefangen eingebracht.
Generalmajor Rommel kam es darauf an, baldmöglichst den Küstenstreifen nordwestlich St.Valery von den Engländern zu säubern, um ihnen die Möglichkeit zu nehmen, etwa
in der nächsten Nacht auf kleinen Schiffen die französische Kanalküste zu verlassen. Er verlangte deshalb von den gefangenen Führerpersönlichkeiten die sofortige
Waffenstreckung ihrer gesamten Einheiten und das unverzügliche Inmarschsetzen ihrer Verbände mit weissen Tüchern in den Raum südostwärts und ostwärts St.Valery.
Die Gefangenenzahl war unübersehbar. Vorerst wurden etwa 12 000 gezählt. Weitere Tausende lagerten im Gelände und konnten von den schwachen Kräften der 7.Panz.Div.
gar nicht erfasst werden. Es war daher überaus wertvoll, dass es dem Pz.Rgt.25 indessen gelungen war, die Höhen 68 und 83 ostwärts St.Valery zu besetzen und dort die
Verbindung mit der von Osten her heranrückenden 5.Panz.Div. aufzunehmen.
Das I.Bataillon des Schütz.Rgts.7 hatte um 10 Uhr Befehl erhalten, sofort St.Valery im Sturm zu nehmen. Das Bataillon trat an und stiess bis in die Stadt vor, wo der
letzte Widerstand des Gegners im Nahkampf durch Handgranaten in kürzester Frist gebrochen wurde. Zu Tausenden kamen nun die Engländer und Franzosen aus den Kellern
hervor, ergaben sich und wurden sofort in endlosen Kolonnen im Laufschritt aus dem Ort herausgebracht. Unzählige Beutefahrzeuge, z.T. zerschossen, hintereinander-
und aufeinandergefahren lagen in St.Valery. Überall standen verlassene Geschütze und lag wertvollstes Kriegsgerät.
Das I.Bataillon des Schütz.Rgts.6 erhielt Befehl, für die Nacht in Ingouville Quartiere zu beziehen. Auf dem Marsche nach den Unterkünften wurde das Bataillon
angehalten und ihm durch neuen Befehl das Dorf Ourville als Quartierraum zugewiesen, da die Division nach Beendigung der Kämpfe in einem weiter südlich gelegenen
Raum zur Ruhe übergehen sollte. Um 23 Uhr wurde das Dorf Ourville erreicht und dort untergezogen.
Auch das II.Bataillon wurde um 22 Uhr aus seinen Sicherungslinien herausgezogen und sollte nach Heranziehen der Fahrzeuge im Raum um Grainville in Quartier gehen.
Das Bataillon kam jedoch erst in den ersten Morgenstunden des folgenden Tages im neuen Unterbringungsraum an.
Auch die übrigen Divisionen des XV.A.K. hatten Anteil an dem grossen Erfolg bei St.Valery gehabt. Vor der 5.Panz.Div. hatte sich der Feind am 12.Juni nur noch
vereinzelt zur Wehr gesetzt. Die am Strand des Meeres in Stellung gehende Artillerie der Division nahm wirksam einen mit Truppen beladenen 3000 to – Transporter
unter Feuer, schoss ihn in Brand und zwang die bereits eingeschifften englischen Soldaten, das Schiff wieder zu verlassen und zum Strand zurückzuwaten.
Die 2.mot.Div. besetzte das stark verminte St.Colombe, die Dörfer Ermenouville, Houdetot und Cailleville, nahm dort u.a. einen französischen Divisionsstab gefangen
und erbeutete 3 Batterien, 30 Panzerwagen und machte über 1000 Gefangene.
Am Abend des 12. Juni hatten erreicht:
Das II.A.K. mit der 31.Inf.Div. den Raum nördlich der Strasse Bacqueville – Longueville, mit der 32. und 12.Inf.Div. den Seineabschnitt Rouen – Pont de l’Arche,
das XV. A.K. mit der 5.Panz.Div., 7.Panz.Div. 2.mot.Div. und 57.Inf.Div. den Küstenraum zwischen Fécamp – Yvetot – Verville – Bacqueville, mit der 11.Schütz. Brig.
anschliessend nach Osten bis zur Yarenne.
Die Brigade Senger stand mit Teilen südlich Rouen, mit der Masse südwestlich Bolbec.
Im Laufe des 12.Juni hatte der Oberbefehlshaber des Heeres die Heeresgruppe B nochmals darauf hingewiesen, dass die südlich der Seine vorgetriebenen Brückenköpfe
von der 4.Armee unter allen Umständen zu halten waren, um später von dort aus weiter vorstossen zu können. Darüber hinaus verlangte die politische Führung die
schleunige Einnahme von Le Havre.
Gegen den geforderten Einsatz einer Panzerdivision erhob jedoch Generaloberst von Kluge bei der Heeresgruppe eindringliche Einwendungen, da Le Havre früher oder
später von selbst fallen, die dort angesetzte Panzerdivision aber bei dem geplanten Vorstoss aus den Brückenköpfen fehlen würde. Daher schied die 4.Armee aus.
Nunmehr war die 18.Armee in die Front eingeschoben worden.
Der Kommandierende General des XV.A.K. dankte durch Tagesbefehl vom 12.Juni den Soldaten seines Korps für die Leistungen seit dem Durchbruch an der Somme und wies
auf die operativen Auswirkungen des draufgängerischen Vorgehens der schnellen Truppen des XV.A.K. hin. Der Befehl hatte folgenden Wortlaut:
“Soldaten des XV. Armeekorps!
Wieder liegt ein siegreicher Feldzugsabschnitt hinter Euch; wieder sind die Anstrengungen, die ich von Euch fordern musste, durch die Vernichtung des Feindes
gekrönt. Der Kommandierende General des französischen IX.A.K., die Kommandeure der 51.englischen, der französischen 40., 31., 2.leichten, 5.leichten Division und
zahlreiche Generale haben sich mit den Trümmern dieser Divisionen – etwa 25 000 Mann – uns ergeben,
Ihr Entweichen zur See ist durch den entschlossenen Einsatz der Artillerie, den Kampfgeist, der Flak und das ungestörte Vorgehen der Schützen hinter den Kampfwagen
verhindert worden. Schwere blutige Verluste haben die Widerstandskraft des tapfer kämpfenden Feindes gebrochen, unzählige Waffen, wertvolles Gerät aller Art
bedecken das Schlachtfeld und zeigen jedem von Euch die Grösse unseres Erfolges. Wichtiger noch ist die operative Auswirkung unseres Sieges auf die Gesamtfront
des Deutschen Heeres: Ihr seht die Front, die nach den Sieg an der Somme und das schnelle Durchstossen über Forges und Argueil die im Entstehen befindliche neue
französische Widerstandslinie ins Wanken gebracht hat. Der Rückzug des französischen Heeres in das Innere Frankreichs wird die Folge unseres Sieges sein.
Die äusserste Ausnützung der Beweglichkeit unserer Waffen und die Wucht der Panzer haben den Erfolg herbeigeführt, wo der Feind sich setzte, ist durch das
Zusammenwirken aller Waffen sein Widerstand bald gebrochen. Unendlich überlegen hat sich die deutsche Führung der französischen und englischen gezeigt.
Unzählige Einzeltaten zeugen von der Leistungsfähigkeit des Deutschen Soldaten. Im Vertrauen auf sie konnte die kühne Umgehung gewagt werden, die zur völligen
Einkesselung des Feindes führte.
Ich bin sicher, dass Ihr die Anerkennung und den Dank des Führers finden werdet. Ich bin stolz darauf, an der Spitze solcher Truppen zu stehen und werde Eure
Hingabe nie vergessen. Ich bitte Euch auch weiterhin Vertrauen zu mir und Euren Führern zu haben, wie ich und sie Euch bis zum Letzten vertrauen.
Es lebe der Führer und unser geliebtes Deutsches Volk.
gez. Hoth
General der Infanterie.”
Die Verluste des Schütz.Rgts. 6 am 12. Juni betrugen:
tot: 1 Unteroffizier, 9 Schützen,
verwundet: 2 Unteroffiziere, 14 Schützen.
vermisst: 1 Schütze.
Die Gesamtverluste des Regiments im Kampf um St. Valery vom 10. – 12. Juni beliefen sich auf:
1 verwundeten Offizier,
2 tote und 7 verwundete Unteroffiziere,
16 tote und 33 verwundete Schützen,
1 vermissten Schützen.
13.6.1940
Nachlaß Ortlepp.
Kav.Schtz.Rgt.6.2)

Nach dem Erfolge bei St.Valery wurde der Ansatz des XV.A.K. auf Le Havre hinfällig. Zur Bereinigung der Lage an der unteren Seine übergriff die Brigade Senger
kampflos von der wichtigen französischen Hafenenstadt besitz.
Das XV.A.K. räumte das Kampffeld zwischen Fécamp und St.Valery auf und verblieb zur Instandsetzung von Fahrzeugen und Gerät im bisherigen Raum. Zur gleichen
Zeit sammelte die Masse der 4.Armee in den Brückenköpfen südlich der Seine zum weiteren Vormarsch in das Innere Frankreichs.
Die Einheiten des II./Schütz.Rgts.6 trafen am 13.Juni bis gegen 2 Uhr morgens im neuen Unterkunftsgebiet ein.
Es wurden untergebracht:
Stab, Pionierzug, 8. Kompanie: Grainville,
                  5. Kompanie: Bertheauville,
            6. und 7.Kompanie: Gerponville.
Der Gefechtsstand des II. Bataillons wurde in der Bürgermeisterei eingerichtet. Das I.Bataillon verblieb in Ourville. Der Regimentsstab nahm in Hanouard Quartier.
Da das Schütz.Rgt. mehrere Tage in den Ruhequartieren verbleiben sollte, wurden die Verbände neu geordnet und die zugeteilten und unterstellten Truppenteile zu
ihren Stammformationen in Marsch gesetzt. Die Ruhezeit wurde ausgenutzt, um die dringendsten Instandsetzungsarbeiten an Waffen, Gerät, Bekleidung und vor allem
an den Fahrzeugen auszuführen. Darüber hinaus wurde die Körperpflege nicht ausser acht gelassen. Die abkömmlichen Teile der Kompanien wurden zum Baden an den
Ärmelkanal gefahren und fanden am Strande des Atlantischen Ozeans Erholung und Entspannung. Zugleich begannen die Bataillonsärzte mit der vorgeschriebenen
Wiederholungsschutzimpfung gegen Typhus.
Im Laufe des Tages verlegten der Bataillonsstab II und der Pionierzug ihre Quartiere von Grainville nach Gerponville, wo der Stab im Gut am Südausgang der
Ortschaft eine gute Unterkunft fand.
Insgesamt hatten sich von den Engländern und Franzosen in dem Raum St.Valery während der dreitägigen Vernichtungsschlacht etwa 42 000 Mann ergeben müssen.
Die Beute war unübersehbar. Nur kleinere Trupps hatten sich durch rechtzeitige Einschiffung der Gefangennahme entziehen können. Die Luftwaffe und die Artillerie
des Korps hatten die für den Abtransport bereitgestellten Schiffe wirksam bekämpft.
Der Erfolg der 7.Panz.Div. in der Vernichtungsschlacht bei St.Valery war ein gewaltiger. In der Zeit vom 10. – 13.Juni nahm die Rommelsche Division 12 727 Mann
gefangen, davon 80% Engländer. Unter den Gefangenen der 7.Panzerdivision befanden sich: Gen.Ltn.Ihler, der Kommandeur des französischen IX.A.K., Gen. Maj.Gastey,
der Kommandeur der französischen 2.leichten Division, Oberst Evain, der Führer der französischen 5.leichten Division, Gen. Maj.Durant, der Kommandeur der
französischen 31.Inf.Div., General Fortune, der Kommandeur der 51.englischen mot. Division.
An Waffen und Gerät wurden von der Division eingebracht:
271 l.M.G., 57 s.M.G., 52 Panzerbüchsen, 3 500 Gewehre, 3 Granatwerfer, 56 Geschütze, 17 Flak, 22 Pak. Unter der Fahrzeugbeute waren 48 Panzerkampfwagen,
2 Panzerschlepper, 8 gepanzerte Fahrzeuge, 9 Kettenfahrzeuge, 586 Lastkraftwagen, 247 Personenkraftwagen, 229 Kräder, 42 Sanitätskraftfahrzeuge, 18 Bagagewagen,
3 Tankwagen, 4 Fahrräder, 244 sonstige Kraftfahrzeuge, 148 Pferde und Maulesel.
Im Kampf wurden von der Division 4 Flugzeuge abgeschossen und durch Flak, das Art.Rgt.78 und die Panzeraufkl.Abt.42 mit bestem Erfolg Seeziele unter Feuer
genommen. Hierbei wurden 1 feindlicher Hilfskreuzer versenkt, 2 Transporter und 1 Tender in Brand geschossen, während 1 Zerstörer und 4 Transporter durch
Volltreffer Beschädigungen erlitten.
Die 5.Panz.Div. nahm ausser den obenannten hohen Offizieren noch den Kommandeur der französischen 40.Inf. Div. gefangen.
Generaloberst von Kluge als der Befehlshaber der 4.Armee sprach der 7.Panz.Div. für den grossen Erfolg seinen Dank und seine Anerkennung aus.
14.6.1940
Nachlaß Ortlepp.
Kav.Schtz.Rgt.6.2)

Am 14. und 15.Juni wurden die Ruhestunden weiter zur Instandsetzung von Fahrzeugen, Waffen und Gerät ausgenutzt. Die erste Munitionsausstattung der Kompanien
wurde ergänzt und aufgefüllt. Bei sonnigem Wetter hatten weitere Teile der Kompanien Gelegenheit am Kanal bei St.Valery und Veulettes ein erquickendes Bad
im Atlantischen Ozean zu nehmen.
Mit grosser Freude wurde am 14.Juni die weltgeschichtliche Nachricht von dem Einmarsch deutscher Truppen in die französische Landeshauptstadt Paris aufgenommen.
Am 10.Tage der “Schlacht in Frankreich” hatte unser tapferster Gegner, der Franzose, seine Hauptstadt verloren. Der Kampf aber ging nun hinter Paris weiter bis
zur Vernichtung oder Kapitulation des Feindes.
15.6.1940
Nachlaß Ortlepp.
Kav.Schtz.Rgt.6.2)

Am 15.Juni fand beim Stabe der 7.Panz.Div. eine Kommandeurbesprechung statt, bei der Gen.Maj.Rommel den Befehl zur Fortsetzung des Marsches am folgenden Tage
in einen südlich der Seine gelegenen Rastraum bekanntgab. Nach Rückkehr der Bataillonskommandeure wurden die Kompaniechefs und -führer mit den weiteren Aufgaben
der Division bekannt gemacht. Die Führung der 6.Kompanie übernahm nunmehr Oblt. Fraaß.
Auch der Ansturm der Heeresgruppe A und das Eingreifen der Heeresgruppe C hatte grosse Auswirkungen.
Am 15.Juni fiel Verdun in die Hand der deutschen 16.Armee. Die Inbesitznahme der im Weltkrieg mit Strömen von Blut und im Endergebnis doch ergebnislos umkämpften
Festung war mehr als ein grosser Sieg; die Einnahme der als uneinnehmbar angesehenen Festung war das Anfang vom Ende. Der französische Soldat verlor nunmehr den
letzten Rest des Glaubens an einen Sieg und fand sich von diesem Zeitpunkt an meist schon mit der Niederlage ab.
Nun war auch der inzwischen zur Staatsführung berufene Sieger von Verdun im Weltkrieg, der greise Marschall Pétain, gezwungen, vorurteilslos die Lage des
französischen Heeres zu überprüfen, um sich, ehe es unwiderruflich zu spät war, so bitter es auch sein mochte, zu dem allein übrig bleibenden Entschluss
durchzuringen, dem sinnlos gewordenen Kampf des geschlagenen französischen Heeres alsbald ein Ende zu bereiten. Noch aber war der Entschluss, die französische
Armee und das gesamte französische Volk durch eine Kapitulation vor dem sicheren Untergang zu retten, nicht erfolgt. Noch hatten die Waffen das Wort!
Der Oberbefehlshaber des Heeres hatte nach der Einnahme der französischen Landeshauptstadt Paris die Absicht, die französischen Armeen im Innerfrankreich durch
scharfe Verfolgung zum Kampf zu stellen, und die im nordostwärtigen Festungsbereich befindlichen Kräfte abzuschneiden. Nach vollständiger Neugliederung der
Heeresgruppen A und B und wesentlicher Verstärkung der Heeresgruppe A fiel der nunmehr nur noch aus der 4., 18. und 6.Armee bestehenden Heeresgruppe B die Aufgabe
zu, den rechten Flügel beschleunigt südwärts vorzutreiben und damit die Verbindungen der französischen Armeen zur Küste des Atlantischen Ozeans abzuschneiden.
Mitte und linker Flügel der Heeresgruppe sollten den Feind gemeinsam mit der Heeresgruppe A beiderseits Orléans über die Loire zurückwerfen.
Da vor der 4.Armee nunmehr im allgemeinen nur noch schwacher Feind zu erwarten war, wurde dem XV.A.K. als nächste Aufgabe die Inbesitznahme von Brest und
Cherbourg zugewiesen.
Im Laufe des 15.Juni änderte aber das Oberkommando der 4.Armee seine Absichten. Es hielt den Ansatz der 7.Panzerdivision auf Cherbourg für ausreichend und
beabsichtigte in Abänderung der bisherigen Planung, die Masse des XV.A.K. an Rennes vorbei auf Nantes anzusetzen, um die Loireübergänge in die Hand zu bekommen
und dort Brückenköpfe zu bilden.
Der Abschluss der Vernichtungsschlacht um St.Valery wurde am 14.Juni durch folgenden Divisionstagesbefehl der 7.Panzerdivision gewürdigt:
“Tagesbefehl!
Ich konnte gestern mittag den Kommandierenden General des XV.A.K. den Abschluss der Einkreisungsschlacht um St.Valery melden. Gleichzeitig übergab ich ihm
die gefangenen Kommandeure. Es waren dies der Kommandierende General des IX.französischen A.K., die Divisionskommandeure der 2. und 5.französischen leichten
mechanisierten Division, der 31.französischen Gebirgsdivision und der 51.englischen motorisierten Division mit ihren gesamten Stäben.
Die 5.Panzerdivision nahm den Divisionskommandeur der ebenfalls eingeschlossenen 40.neuausgestellten Inf.Div. gefangen.
Den französischen Kommandeuren gab ich den Befehl, ihre Truppen in deutsche Kriegsgefangenschaft abmarschieren zu lassen.
Damit fand ein weiteres Kapitel in der Kriegsgeschichte der jungen Panzerwaffe seinen ruhmreichen Abschluss.
Die Auswirkung dieses Erfolges können wir heute noch nicht übersehen, nur feststellen, dass dem Gegner eine ungeheure Einbusse an Menschen und Material
zugefügt wurde. Eine Übersicht lässt sich bisher nicht aufstellen. Rund 12 000 Gefangene wurden gezählt.
Zu den bisherigen Gegnern trat ein neuer Feind: die englisch-französischen Seestreitkräfte. Durch rücksichtsloses Zufassen wurden auch hier dem Feinde
empfindliche Verluste bei seinen Einschiffungsversuchen durch Artillerie und Flak zugefügt.
Meine besondere Anerkennung gilt heute den Flakverbänden der Division. Ihre nicht immer leichte Aufgabe, der Erdtruppe bei entfaltetem Vormarsch und Gefecht
zu folgen, hat sie zu meiner vollsten Zufriedenheit gelöst. Unerschrocken hat sie den Kampf mit der zahlenmässig weit überlegenen feindlichen
Schiffsartillerie aufgenommen und den Gegner trotz schwersten Feuers niedergekämpft und zur Umkehr gezwungen.
Der Name der 7.Panzerdivision wird für alle Zeiten mit dem ihrer Panzer-Flakverbände verbunden sein.
Der Oberbefehlshaber der 4.Armee hat heute der Division seinen Dank und seine besondere Anerkennung ausgesprochen.
gez. Rommel.”
Die Schlacht um St. Valery war nun zu Ende. Hinzugefügt sei noch, dass die Engländer bis zum Vormittag des 12.Juni zähesten Widerstand geleistet hatten.
Die Franzosen zeigten sich weicher. Der französische Oberkommandierende hatte schon vor der weissen Flagge gehisst, die aber von den Engländern sofort
wieder eingezogen worden war. Erst, als sich keine Möglichkeit zur Einschiffung mehr bot, hatten auch die englischen höheren Offiziere sich zur Übergabe
bereit gefunden, um so mehr durch die frühzeitige Abschnürung der Nachschubwege den eingeschlossenen englischen Truppen die Munition fehlte. So hatten
sie am Nachmittag des 12.Juni eben nur noch die Wahl gehabt: sich zu ergeben oder sich vollkommen zusammenschiessen zu lassen. Sie hatten das
Vernünftigste getan und sich ergeben. So war durch geringe deutsche Kräfte und mit geringsten eigenen Verlusten ein zahlenmässig stärkerer Gegner
niedergerungen worden.
Welche Erfolge die 7.Panzerdivision in den Tagen der Schlacht um St.Valery erzielt hatte, ging aus folgenden Zahlen hervor:
Es wurden von ihr seit dem 5.Juni 1940 über 50 120 Gefangene eingebracht. Die Umfassungsbewegung der Division bei St.Valery schloss mit einer Gesamtzahl
von 42 000 Gefangenen ab. Unter der Kriegsbeute der Division befanden sich:
306 l.M.G., 65 s.M.G., 52 Panzerbüchsen, 3591 Gewehre, 3 Granatwerfer, 85 Geschütze, 20 Flak, 36 Pak, 77 Panzerkampfwagen, 2 Panzerspähwagen,
2 Panzerschlepper, 8 gepanzerte Fahrzeuge, 9 Kettenfahrzeuge, 630 Lastkraftwagen, 4 Eisenbahnzüge, 330 Personenkraftwagen, 93 Munitionskraftwagen,
248 Kräder, 44 Sanitätskraftwagen, 18 Bagagewagen, 3 Tankwagen, 151 sonstige Kraftfahrzeuge, 194 Pferde, 18 Troßfahrzeuge.
Abschliessend sei hinzugefügt, dass die Division in der gleichen Zeit 13 Flugzeuge abschoss, 1 Hilfskreuzer versenkte und mindestens 3 Truppentransporter
in Brand schoss.
16.6.1940

Nachlaß Ortlepp.
Kav.Schtz.Rgt.6.2)

Durch Fernschreiben vom 15.Juni hatte der Oberbefehlshaber des Heeres die Heeresgruppe B darauf hingewiesen, dass nunmehr die alsbaldige Besetzung der Häfen
Cherbourg, Brest, Lorient, St.Nazaire aus militärpolitischen Gründen notwendig sei. Nichtsdestoweniger sollte aber die Masse der 4.Armee in Richtung auf Le Mans
an der unteren Loire angesetzt bleiben.
Zur Erledigung der übertragenen Aufgabe musste das Oberkommando der 4.Armee auch auf das in Ruhequartieren liegende XV.A.K. zurückgreifen und es beschloss,
dieses bewährte Panzerkorps mit seinen Schnellen Truppen unverzüglich über die Seine heranzuziehen. Eile war um so mehr geboten, weil die Franzosen teilweise
fluchtartig nach Süden und Südwesten zurückgingen und die Auflösungserscheinungen bei zahlreichen französischen Einheiten unverkennbar immer grösseren Umfang
angenommen hatten. Die Schnellen Truppen der 4.Armee sollten daher im Laufe des 16.Juni so bereitgestellt werden, dass sie am 17. früh über die vordere Linie
der Infanterie der 4.Armee vorbrechen konnten.
Am frühen Morgen des 16.Juni waren die Kräfte der 4.Armee wie folgt verteilt:
II.A.K. mit der 32.Inf.Div. im Raum Bernay - Boisney, 12.Inf.Div. nordwestlich Beaumesnil - Champignolles, 31.Inf.Div. Louviers, Brigade Senger westlich Orbec,
XXXXVIII.A.K. mit der 6., 27., 46.Inf.Div. in der Linie Tillières - Laons - Dreux - La Chapelle Forainvilliers,
XV.A.K. im Abmarsch aus dem Versammlungsraum südlich Dieppe - Fécamp,
1.Kav.Div. südwestlich Meulon.
Das I.A.K. stand mit der 11. und 1.Inf.Div. nach dem Uferwechsel bei Courcelles und Vernon auf dem südlichen Seineufer.
Das Höhere Kommando XXXI war neuerdings mit der 57.Inf.Div. zum Küstenschutz eingesetzt.
Am 16.Juni trat die 7.Panz.Div. im Verband des XV.A.K. frühzeitig aus dem bisherigen Unterbringungsraum Veulettes - Fécamp an der Küste am Rande des Schlachtfeldes
von St. Valery zu neuem Einsatz an.
Frühzeitig waren die Fahrzeuge des Schütz.Rgts.6 fertig gemacht worden. Um 6 Uhr erfolgte der Abmarsch hinter der Panzeraufklärungsabteilung 37 in der Reihenfolge
I.Bataillon, Regimentsstab, II.Bataillon.
Auf dem Marschweg Ourville, Yvetot, St. Clair, Fréville, St. Paer, St.Pierre, St. Jean, Rouen ging es zunächst in den befohlenen Rastraum um La Neuville, der
gegen 10,45 Uhr erreicht wurde. Hier wurde gerastet, verpflegt und aufgetankt.
Um 13 Uhr erfolgte der Weitermarsch in den für die Nacht befohlenen Unterkunftsraum um Couches und Orvaux. Dem Schütz.Rgt.6 waren marschtechnisch folgende Einheiten
unterstellt: II./Art.Rgt.78, I. und 3./le.Flak 86, 1./Panz.Jäg.Abt.42. Die unterstellten Einheiten gliederten sich unterwegs in die Marschkolonne des Regiments ein.
Bei sonnigem, warmen Wetter ging es über Pont St.Pierre, Amfreville nach Teunedes, wo gegen 14,30 Uhr die Seine erreicht wurde.
An der Spitze der 7.Panz.Div. hatte die Panz.Aufkl.Abt.37 die Seine auf der grossen Brücke überschritten. Ihr folgte das Schütz-Rgt.6 mit der zugeteilten Artillerie,
den beiden Flakbatterien und der Panzerjägerkompanie, dann der Divisionsstab, I./Art.Rgt.78, Panz.Rgt.25, Kradschützenbatln.7, stab Art.Rgt.7, II./Art.Rgt.45,
Schütz.Rgt.7 und die rückwärtigen Dienste der Division. Die Zerstörung des Seineüberganges durch die Franzosen war so unsachgemäss und stümperhaft durchgeführt, dass
es den deutschen Pionieren nicht schwer gefallen war, in kürzester Zeit wieder eine brauchbare Brücke herzustellen. Bei niedriger Wolkendecke ging der Flussübergang
ohne Störungen durch feindliche Flieger vor sich. Die weitere Fahrt, die teilweise im flotten Tempo erfolgte, führte über Poses, Tounedos, St. Cyr, Louviers,
Hondouville, Brosville, Glisolles.
Bei der Durchfahrt durch Glisolles wurden den Bataillonen durch den Ordonnanzoffizier des Regiments die Unterkunftsräume für den Abend zugewiesen.
Das I.Bataillon fuhr nach Conches weiter, traf dort gegen 17 Uhr ein und bezog nach Ausstellung örtlicher Sicherungen Quartier. Auch der Regimentsstab kam am
Nordosteingang von Conches unter.
Das II.Bataillon zog südlich Glisolles unter und zwar mit dem Stab und dem Pionierzug im Schloss d'Orvaux, 5. Kompanie in Orvaux, 6. Kompanie in Nogent le Sec,
7.Kompanie in Le Boslaon, 8.Kompanie on Gaudreville la Rivière.
Das II.Bataillon hatte unterwegs am Ostausgang von Rouen einen Lastkraftwagen verloren, der mit einem Personenkraftwagen zusammenstiess, Feuer fing und vollständig
ausbrannte.
Das Oberkommando des Heeres forderte nach wie vor die alsbaldige Besetzung der wichtigen Häfen der Bretagne. Wurde das XV.A.K., das im Übergang über die Seinebrücken
begriffen war und einzig und allein für die Erledigung dieses Auftrags der Führung in Frage kommen konnte, von der 4.Armee gegen die verschiedensten Häfen der
Bretagne abgezweigt, dann würden die Kräfte des Panzerkorps Hoth völlig zersplittert und für den entscheidenden Vorstoss gegen die untere Loire ständen der 4.Armee
ausreichende Kräfte nicht mehr zur Verfügung. Das Heeresgruppenkommando B konnte sich der Schlüssigkeit dieser Darlegungen des Oberbefehlshabers der 4.Armee nicht
entziehen und erklärte sich damit einverstanden, dass zunächst nur der vordringlich wichtige Kriegshafen Cherbourg durch stärkere Teile des XV.A.K. weggenommen,
gegen die übrigen Häfen der Bretagne aber vorerst aus der Gegend um Rennes gesichert werden sollte. Damit blieb es auch weiterhin die Hauptaufgabe der 4.Armee,
möglichst schnell beiderseits Angers auf dem Südufer der Loire Brückenköpfe zu schaffen und dem Feind die Einrichtung einer wohlausgebauten Verteidigungsfront an
der Loire unmöglich zu machen.
Das X.A.K. sollte den Uferwechsel über die Seine erst am 18.Juni vornehmen, da die Kriegsbrücken durch das XV.A.K. und durch den angestauten Versorgungsverkehr für
die südlich der Seine vorgehenden Divisionen überlastet waren. Trotz der seitens des Generals der Inf.Hoth vorgebrachten Bedenken gegen ein Zerreissen seines Korps
und trotz seines Vorschlags, die 7.Panz.Div. mit der Brigade Senger allein auf Cherbourg, die Masse des Korps auf Brest anzusetzen, um dadurch die Flanke zu decken,
das Vorgehen der 4.Armee zu sichern und gleichzeitig eine Weiterführung des Kampfes durch englische Truppen auf dem europäischen Festland auszuschliessen, verblieb
der Oberbefehlshaber der 4.Armee bei seiner Entscheidung, dass die Masse des XV.A.K. zum Vormarsch gegen die Loire anzutreten habe.
Nachdem die 4.Armee am 16.Juni den Feindwiderstand zwischen Seine und Loire gebrochen und die Eure nordwestlich La Loupe erreicht hatte, sollte die Masse der Armee
des Generalobersten von Kluge am 17.Juni ihren Angriff nach Südwesten mit Stossrichtung auf Angers fortsetzen.
17.6.1940
Nachlaß Ortlepp.
Kav.Schtz.Rgt.6.2)

Die Hauptmasse des geschlagenen französischen Heeres setzte ihren ungeordneten Rückzug gegen die Loire fort. Die 7.Panz.Div. folgte diesem weichenden Gegner nicht,
sondern war für eine andere, gleichfalls wichtige Aufgabe vorgesehen. Das XV.A.K. hatte für den 17.Juni den Auftrag erhalten, zwischen dem II. und XXXVIII.A.K.
vorgehend, den noch angegriffenen Gegner zu durchbrechen und sich vorerst in den Besitz der Linie Sées - Alencon zu setzen, um danach mit der Masse des Korps die
Flussübergänge beiderseits Mayenne in die Hand zu nehmen. Hierzu sollte die 7.Panz.Div. um 7 Uhr mit kampfkräftigen Teilen die Linie Conches - Damville - Creton
überschreiten.
Nach Erreichen von Sées hatte die 7.Panz.Div. den Auftrag, westlich des Orneabschnitts auf Cherbourg vorzugehen, um diesen wichtigen Hafen zu besetzen.
Hierzu wurde ihr die Brigade Senger unterstellt und aus der 7.Panz.Div. und der Brigade Senger wurde die "Gruppe Rommel" gebildet.
Um 6 Uhr in der Frühe setzte das Schütz.Rgt.6 die Fahrt in Richtung auf den wichtigen französischen Kriegshafen Cherbourg in der Reihenfolge I.Bataillon,
Regimentsstab, II.Bataillon fort. Das Regiment sollte auf der Marschstrasse Conches - Breteuil - Bourth - Chaudai - Laigle hinter der Panz.Aufkl.Abt.37 fahren.
Ostwärts des Ortes Laigle wurde eine Marschpause eingelegt. Schon vorher hatten sich am frühen Morgen hinter dem I.Bataillon die I./Art.Rgt.78 und die
1./lei.Flak 86 in die Marschkolonne des Regiments eingegliedert.
Nach der Rast bei Laigle wurde um 11 Uhr in schneller Fahrt der weitere Vormarsch in zunächst südwestlicher Richtung, dann in allgemein westlicher Richtung
fortgesetzt mit der Absicht, Cherbourg von Westen und Südwesten anzugreifen und zu nehmen. Der Divisionskommandeur mit der Panz.Aufkl.Abt.37 und dem
Kradschützenbataillon 7 hatte die Spitze. Es folgten das Schütz.Rgt.6, Panz.Rgt.25, Pionierbataillon 58 und Schütz.Rgt.7.
Nach anfangs zahlreichen Stockungen, die vor allem durch Auftauchen versprengter Franzosen an und seitwärts der Marschstrasse verursacht wurden, ging die
Fahrt flüssig und teilweise in einer Geschwindigkeit von 60 km in der Stunde vorwärts. Das I.Bataillon machte unterwegs über 200 Gefangene. Die Fahrt führte
mehrfach durch bewaffnete französische Truppeneinheiten hindurch von Laigle über St.Martin, La Ferriere, Moulins, Courtomer, Gaprée, Frêneaux auf Chailloué.
Ohne Zwischenfälle wurde eine französische Ortschaft nach der anderen durchfahren. Feindlicher Widerstand wurde nirgends angetroffen. Überall gab es nur
erstaunte Gesichter über das plötzliche Auftauchen der deutschen Truppen.
Ueber Mortree, Avoine, St. Brice, ging es in Abänderung des ursprünglichen Marschweges in schneller Fahrt alsdann über Flers, Vire, Coutance nach Le Buisson,
das um Mitternacht erreicht wurde. Damit befand sich das Schütz.Rgt.6 abermals in der Nähe des Atlantischen Ozeans und zwar ostwärts der englischen
Kanalinsel Jersey. Die von französischen Soldaten voll besetzte Orte Flers, Tinchebray und andere wurden dabei einfach durchfahren, ohne dass sich die
Schützen irgendwie mit den bewaffneten französischen Truppen aufhielten. Die Franzosen wurden lediglich aufgefordert, ihre Waffen niederzulegen.
In Lessay stand der grosse Flugplatz in hellen Flammen und zeigte den Schützen in der Dunkelheit weithin den Weg.
Während des letzten Stücks des Vormarsches wurde das II.Bataillon, das anfangs am Schluss der Marschgruppe des Oberst Unger gefahren war, am I.Bataillon
vorbei nach vorn gezogen. Das Bataillon musste nämlich 3 km südlich La Haye halten, da der Gefechtstross des Bataillons von 3 französischen Panzerkampfwagen
angegriffen worden war, die längs der Kolonne, die sich auf einer schmalen Strasse festgefahren hatte und nicht drehen konnte, entlangfuhren und mit ihren
Panzerkanonen und Maschinengewehren in die verteidigungsunfähigen Fahrzeuge des Bataillons hineinfeuerten. Hierbei wurde ein Teil des Gefechtstrosses
zersprengt, ein Teil fahrunfähig geschossen. Da zwei Betriebsstoffwagen durch das Gefecht ausgefallen waren, konnten die 2. und 3.Kompanie den völlig
aufgebrauchten Betriebsstoffvorrat nicht ergänzen. Bei dem französischen Panzerwagenangriff wurden auch die Feldküche der 3.Kompanie und die
Munitionsfahrzeuge der 1. und 3.Kompanie beschädigt. Die Explosion eines brennenden Munitionswagens konnte durch den Schaumlöschangriff einiger beherzter
Männer glücklicherweise verhindert werden. Da alle Versuche, Kraftstoff heranzubringen, ergebnislos blieben, musste das I.Bataillon die Nacht auf
Fahrzeugen oder im Strassengraben verbringen.
Am Spätabend hatte die Spitze der 7.Panz.Div. La Haye du Puits erreicht, wo in der Dunkelheit Arbeiterkolonnen unter Leitung französischer Offiziere im
Begriff waren, Strassensperren zu errichten. Die Arbeiterkolonnen wurden einfach überrannt. Etwa 6 km nordwestlich La Haye du Puits kam es gegen Mitternacht
zu einem harten Kampf, bei dem auf der Feindseite auch mehrere Geschütze eingesetzt wurden. Die Aufklärungsabteilung hatte empfindliche Verluste und kam
trotzdem nicht vorwärts.
Unbeschreiblicher Jubel herrschte bei den Schützen, als gegen 18 Uhr durch Funkspruch die Nachricht bekannt wurden, dass der französische Marschall des
Weltkriegs, der greise Pétain, der die Stellung eines französischen Ministerpräsidenten angenommen hatte, eine Rede gehalten hatte, die darin ausklang,
dass die französische Armee die Waffen strecken müsse und dass daher der Führer um die Bekanntgabe der Bedingungen für den Abschluss seines
Waffenstillstandes gebeten worden war. Die letzten Sektflaschen wurden daraufhin herbeigeholt und Vorfeiern auf den bevorstehenden Waffenstillstand
abgehalten. Wer hätte das am 10.Mai gedacht, als vom Regiment die belgische Grenze überschritten wurde, dass kaum 6 Wochen später das stolze und mächtige
Frankreich am Ende seiner Kraft war? Der Zusammenbruch des einst so tapferen französischen Heeres war auch von den einfachen Schützen in den letzten
Tagen schon als nahe bevorstehende erkannt worden. Die französischen Überläufer hatten in bedenklichen Umfange zugenommen. Ganze Trupps leisteten keinen
Widerstand mehr und trugen oft, ohne dass die deutsche Aufforderung freiwillig ihre Waffen zusammen.
Unterwegs war das II.Bataillon auf ein französisches Regiment gestossen, dass zum grossen Teil aus gutausgerüsteten marokkanischen Truppen bestand, die
aber wenig Neigung zur Fortsetzung des Kampfes mit den unüberwindlichen deutschen Truppen zu haben schienen. Das Regiment hatte von der Bereitwilligkeit
der französischen Regierung zum Abschluss des Waffenstillstandes gehört, hatte daher keine Lust zum Weiterkämpfen mehr und warf zum grossen Teil die
Waffen fort.
Nachdem die französische Regierung durch die spanische Regierung beim Führer die Bedingungen für das Einstellen der Feindseligkeiten erfragt hatte, kam
es darauf an, die Operationen der deutschen Wehrmacht unter schärfster Verfolgung des geschlagenen Feindes mit Nachdruck fortzusetzen. Ehrenpflicht der
deutschen Wehrmacht war es, noch vor Abschluss des Waffenstillstandes Cherbourg und Brest, das Rüstungszentrum Le Creusot und die Befestigungslinie
Verdun - Toul - Belfort in deutschen Besitz zu bringen. Auf Grund einer entsprechenden Weisung des Führers schlug das Oberkommando der 4.Armee vor, mit
der zur Gruppe Rommel zusammengefassten 7.Panz.Div. und der Brig.Senger, weiterhin auf Cherbourg und mit den übrigen Teilen des XV.A.K. (5.Panz.Div.,
2.mot.Div. und 11.Schütz.Brig.) auf Brest vorzugehen. Der Vorschlag fand die Billigung von Generaloberst von Bock. Die Stossrichtung der Hauptkräfte
der 4.Armee blieb jedoch weiter auf Angers gerichtet, da nach den Weisungen der Heeresgruppe die rastlose Verfolgung des fliehenden Gegners unter
Aufbietung aller Kraft fortgesetzt werden musste. Zur Erleichterung der Befehlsübermittlung schied die "Gruppe Rommel" vorübergehend aus dem Verband
des XV.A.K. aus und wurde der 4.Armee unmittelbar unterstellt.
Nach Fliegerbeobachtungen gingen am 17.Juni englische Kräfte über Carentan - Valognes auf Cherbourg zurück. Dort lagen 1 Kreuzer, 4 Zerstörer und
9 Frachter vor Anker. Gefangenenaussagen zufolge war Cherbourg als Sammelplatz für versprengte französische Einheiten bestimmt worden.
Es war anzunehmen, dass der Engländer versuchen würde, seine noch auf dem Festland befindlichen Truppen in Cherbourg einzuschiffen und durch stärkere
zäh kämpfende Nachhuten wie bei Dünkirchen die Verschiffung zu decken. Dem musste zuvorgekommen werden.
Das XV.A.K., dessen Durchziehen durch das II.Korps ohne Schwierigkeiten durchgeführt worden war, hatte am 17.Juni erreicht,
 mit der 7.Panz.Div. die Gegend La Haye und südlich davon,
 mit der 2.mot.Div. die Gegend Mortree - Tomville,
 mit der 5.Panz.Div. und 11.Schütz. Brig. den Raum Alencon - Lignières,
 mit der Brig.Senger Falaise - Condée.
Tagesverluste des Schütz.Rgts.6: tot 2 Schützen, verwundet 1 Unteroffizier und 2 Schützen.
18.6.1940
Nachlaß Ortlepp.
Kav.Schtz.Rgt.6.2)

Die Spitze der 7.Panz.Div. war, wie bereits erwähnt, 6 km nordwestlich La Haye du Puits auf starke, vom Feind energisch verteidigte Strassensperren
gestossen. Bei dem sich entwickelnden Nachtgefecht hatte die Aufklärungsabteilung der Division erhebliche Verluste erlitten, so dass Generalmajor
Rommel den Kampf abbrechen liess, bis die Artillerie der Division in Stellung gegangen und der Tag angebrochen war. Oberstlt.Junck bekam unmittelbar
vom Divisionskommandeur den Auftrag, im Morgengrauen zum Angriff auf die Sperre bei Sauveur, 6 km nördlich La Haye du Puits, anzutreten.
In der Nacht vom 17./18. Juni hatten daraufhin die Kompanien des II.Bataillons nach dem durchgeführten Auftanken den Befehl erhalten, bis La Haye du
Puits auf die weiter vorn befindliche Artillerie aufzuschliessen, da im Morgengrauen gegen den nördlich und nordostwärts La Haye befindlichen Feind
zum Angriff angetreten werden sollte.
Die 6.Kompanie durchsuchte den Südteil von La Haye du Puits nach versprengten Feinden, war dann im Nordwestteil vorübergehend untergezogen und
gegen 8 Uhr auf St.Symphorien vorgegangen.
Beim I.Bataillon konnte die Betriebsstofffrage erst in den Morgenstunden gelöst werden. Das II.Bataillon gab einen Teil des nicht vordringlich
benötigten Benzins an das Schwesterbataillon ab, um dessen Fahrbereitschaft wieder herzustellen. Darüber hinaus wurde aus den in La Haye befindlichen
Ziviltankstellen, soweit diese nicht beschädigt waren, aufgetankt. Die als Spitzenkompanie am Vorabend vorgefahrene 2.Kompanie war am Nordausgang
von La Haye angeschossen worden und hatte weiter nördlich befestigte feindliche Sperren festgestellt. Das II.Bataillon machte bei der Säuberung des
Ortes zahlreiche Gefangene und hielt sich dann zur Verfügung des Regiments für das weitere Vorgehen in La Haye bereit.
Die 2.Kompanie als Spitzenkompanie fand bei Sauveur de Pierre starken Feindwiderstand an, den es erst zu überwinden galt, ehe der Vormarsch
fortgesetzt werden konnte. Im Dorfe hatten französische Marinesoldaten eine gut ausgebaute Verteidigungsstellung besetzt. Auf der Strasse, die über
sumpfige Wiesen führte, war zudem in überaus geschickter Weise eine Baumsperre angelegt. Die Kompanie versuchte den hinter der Sperre liegenden
Feind zur freiwilligen Niederlegung der Waffen zu bewegen. Der Kompanieführer der 2.Kompanie und der Führer des 2.Zuges, die unter Winken mit
Taschentüchern bis zur Sperre vorgegangen waren, gaben den französischen Soldaten zu verstehen, dass Frankreich verkündet habe, dass es die Waffen
niederlegen wolle. Der französische Offizier erklärte jedoch, ohne Weisung von oben die Waffen nicht niederlegen zu können. Da weitere Verhandlungen
mit dem Gegner keinen Erfolg versprachen, begannen alsbald die Feindseligkeiten von neuem. Die Seele des feindlichen Widerstandes in St. Sauveur
waren einige Flakverbände. Die Schützen der Kompanie hatten aber bei den erfolglosen Kapitulationsverhandlungen die Stellungen der schweren
französischen Waffen einsehen können. Es bot deshalb keine Schwierigkeiten, diese durch Volltreffer der Panzerabwehrgeschütze ausser Gefecht zu
setzen. Nach kurzem aber hartnäckigem Kampf zog sich der Gegner um 8,30 Uhr nordwärts zurück, nachdem der Angriff um den Übergang nördlich St.Nicolas
auch vom II.Bataillon durch den Einsatz der 5. und 8.Kompanie unterstützt worden war, Nach Beseitigung der sehr tiefen Baum- und Balkensperren
konnte der Vormarsch des Schütz.Rgts.6 nach der unvorhergesehenen Verzögerung weitergehen.
Das Schütz.Rgt.6 war indessen durch die I./Art.Rgts.78, die 1./Panz.Jäg.Abt.42 und die 4./Kradschütz.Batln 7 und eine Flakbatterie verstärkt worden.
Das II.Bataillon übernahm nun die Führung mit der 5.Kompanie auf den gepanzerten Fahrzeugen und der 4./Kradschütz.Btln.7 als neue Spitze.
Auf der befohlenen Marschstrasse ging es ohne Gegenwehr des Feindes über Barneville, Les Pieux in Richtung auf Cherbourg weiter. Barneville und
Les Pieux wurden durchfahren, ehe die dort eingesetzten französischen Soldaten und Zivilisten die angefangenen Strassensperren vollenden konnten.
Bei einer Strassengabel etwa 1,5 km westlich der Kirche von Canville stiess das II.Bataillon auf eine schwache französische Nachhut mit
Maschinengewehren. Pak und zwei Geschützen. Nach kurzem Feuergefecht wich der Gegner aus und im überraschenden Tempo ging die Fahrt auf den
Kriegshafen Cherbourg weiter. Ohne nennenswerten Feindwiderstand erreichte das II.Bataillon den Raum südlich Octeville bei Le Pont, wo die Spitze
starkes französische Geschützfeuer erhielt. Cherbourg lag in Sicht- und Reichweite der Schützen und ihrer Waffen!
Auf der Fahrt Barneville - Martinvast stiess die 5.Kompanie auf eine durch Pak gesicherte Minensperre, die der Gegner bei der Annäherung der
deutschen Truppen zur Entzündung brachte. Während des Vorgehens gegen Cherbourg ging dem Spitzenbataillon unterwegs der Befehl zu, den
Kriegshafen, das Rathaus Cherbourg mit den angrenzenden Häuservierteln zu besetzen und den Bürgermeister festzunehmen.
Beim Bahnbübergang etwa 4 km südwestlich Cherbourg stiess die Spitze um 13,15 Uhr nördlich des Dorfes Le Pont abermals auf eine starke
feindliche Strassensperre. Es kam zu Verhandlungen mit der Feindbesatzung, die sich ergeben wollte und bereits weisse Tücher zeigte, plötzlich
schoss eine französische 7,5 cm - Batterie aus allernächster Nähe Schnellfeuer auf die auf der Strasse haltenden Fahrzeugkolonnen der 5.Kompanie,
bei der sich auch Generalmajor Rommel befand. Die gepanzerten Fahrzeuge mussten schnell verlassen werden. Die Schützen suchten, so gut es im
Gelände möglich war, Deckung. Generalmajor Rommel setzte persönlich den vordersten Zug, dann die ganze 5.Kompanie und das II./Schütz.Rgt.6
rechts um die Sperre herum zum Angriff an und schob sich alsdann durch Hecken und Zäune nach rückwärts durch, um schnellstens die übrigen
Teile der Division zum Angriff auf Cherbourg einzuweisen. Pak, Maschinengewehre und sonstige schwere Waffen des Feindes, später auch schwere
Artillerie, griffen in den Kampf ein. Selbst schwerste Schiffsartillerie beteiligte sich an dem auflebenden Feuerkampf und setzte dicke
Brocken auf die Vormarschstrasse des Regiments.
Darüber hinaus wurde das II.Bataillon aus zwei Forts beiderseits der Vormarschstrasse in Höhe des Südrandes des Bois du Mt. de Rock von
Artillerie und von Cherbourg her durch ein Schnellfeuergeschütz beschossen. Nur durch erhöhe Fahrgeschwindigkeit konnten sich die Schützen
dem feindlichen Feuer entziehen, das anscheinend von dem über dem Hafengelände von Cherbourg stehenden französischen Fesselballons geleitet
wurde.
Eine Weiterfahrt nach Cherbourg hinein war unter diesen Umständen unmöglich geworden. Die Schützen sassen von den Fahrzeugen ab und
versuchten nun zu Fuss die zugewiesenen Räume zu erreichen. Schon während des Vorarbeitens wurden die Kompanien von vereinzelten
Gewehrschützen beschossen. Das Feuer verstärkte sich bald mehr und mehr, als die vordersten Teile das Strassenkreuz von Octeville erreicht
hatten. Flankierendes französisches Maschinengewehrfeuer zwang die vorgehenden Schützen zum Niederlegen.
Das II.Bataillon bildet nun um die grosse Strassengabel einen nach Südwesten offenen Igel, schob die 6.Kompanie zum Schutz der rechten
Flanke bis an die Eisenbahnlinie ostwärts Le Pont, die 5.Kompanie an die Eisenbahnunterführung von L’Oraille bis an die Hauptstrasse und
die 7.Kompanie von der Hauptstrasse Octeville - Cherbourg bis zum Bach und südlich davon heran. Teile der 8.Kompanie wurden in den Kampf
geworfen. Ein der 5.Kompanie beigegebenes Panzerabwehrgeschütz trat zuerst ins Gefecht. Versprengte Engländer, die den Kriegshafen
Cherbourg zu erreichen suchten, in der Hoffnung, sich dort wie bei Dünkirchen "siegreich" auf die rettenden Schiffe zurückziehen zu können,
wurden abgeschnitten und gefangen genommen. Feindliche Batterien streuten den Raum, in dem das II.Bataillon lag, ständig mit Störungsfeuer ab.
Das französische Artilleriefeuer verstärkte sich mehr und mehr. Verluste traten ein. Das weitere Vorgehen kam ins Stocken. Eine Kolonne von
6 englischen Kraftfahrzeugen versuchte auf der von Süden nach Cherbourg hineinführenden Strasse die Stadt zu erreichen. Sie geriet in das
Feuer des II.Bataillons und musste zwei in Brand geschossene Fahrzeuge zurücklassen. Gleich zu Beginn des Gefechts mit diesen englischen
Fahrzeugen wurde der bewährte und überall geschätzte Chef der 5.Kompanie, Oberltn.Kiesling, der nach den schweren Kämpfen um Arras
vorübergehend das II.Bataillon geführt hatte, schwer verwundet und starb bald darauf an den Folgen der schweren Verletzungen.
Als die 6.Kompanie die Bahnlinie Cherbourg - Martinvast südlich Octeville, einem Vorstadt von Cherbourg, überschritten hatte und von
stärkeren Feindkräften am weiteren Vorgehen gehindert wurde, musste das II.Bataillon zur Verteidigung gegen den zähen Widerstand
leistenden französischen Marinetruppen übergehen.
Das I.Bataillon, das vom Divisionskommandeur links der Strasse zum Angriff auf die Höhen dicht südwestlich des Kriegshafens angesetzt
wurde, hatte nach Erreichen von Virandeville aus den Forts von Cherbourg schweres Granatfeuer erhalten. Auch hinderten mehrere Sperren
das weiteren Vorgehen des Bataillons auf Fahrzeugen. Die Kompanien sassen daher ab und gliederten sich zum Fussgefecht. Die in Stellung
gehenden Pak des Bataillons versuchten die französische Strassensperre zusammenzuschiessen. Dabei fiel an der Richtmaschine seines
Panzerabwehrgeschützes der kampferfahrene Unteroffizier Schädlich von der 4.Kompanie.
Während des ganzen Nachmittags lag auf den Stellungen des Regiments dauerndes Streufeuer der schweren französischen Artillerie aus dem
Raum um Cherbourg. Dazu kam das lästige Schiessen der Feldartillerie und der von links und halblinks flankierenden Maschinengewehre des
Gegners. Die an der Strassensperre von Le Pont stehenden Panzerabwehrgeschütze des Feindes beherrschten die Vormarschstrasse des
Schütz.Rgts.6.
Der Angriff der deutschen Schützen kam zum Stehen und lief sich endgültig fest. Unter dem Feuer der französischen Geschütze hatten auch
die rückwärtigen Teile des Regiments, so die Fahrzeugstaffeln, zu leiden. Verluste an Mannschaften und Fahrzeugen waren nicht zu
vermeiden.
So verlor das II.Bataillon, das im Gefecht bei Barneville einen Opfer - Personwagen eingebüsst hatte, durch Pakbeschuss vor Cherbourg
noch einen Horchwagen und eine Protzkalette.
Auch beim I.Bataillon waren ausgebrannte Fahrzeuge zu beklagen. Die inzwischen in Stellung gebrachten schweren Waffen des Regiments,
insbesondere die Granatwerfer, beschossen feindliche M.G.-Stellungen im Vorgelände des Kriegshafens und zwangen den Gegner an mehreren
Stellen, sich weiter in das Innere der Stadt Cherbourg zurückzuziehen.
Da der Angriff der 7.Panz.Div. auch an anderen Stellen keinen Boden mehr gewann, wurde um 20 Uhr ein Stukaangriff auf den Hafen von
Cherbourg und die dort liegenden Forts angesetzt. Zur gleichen Zeit nahmen die schweren Waffen des Regiments und der zugeteilten
4./Kradschütz.Batln.7 die französischen Sperren und Verteidigungslinien vor der Stadt, vor allem bei Le Pont, unter Feuer.
Gefangenenaussagen zufolge befanden sich ausser sehr starken französischen Truppen auch noch 2 000 Engländer in Cherbourg. Sie sollten
am Abend zwischen 21 und 23 Uhr von den auf dem Meere kreuzenden englischen Kriegsschiffen aufgenommen und in Sicherheit gebracht werden.
Dichter Qualm lagerte den ganzen Tag über Cherbourg. Unaufhörliche Detonationen zeigten an, dass die deutschen Sturzbomber gute Vorarbeit
geleistet hatten. Noch aber wehte die Trikolore im Winde flatternd auf den Forts der Seefestung. Weit draussen auf dem Meere, ausserhalb
der Schussweite der deutschen Artillerie, dampfte hier und da ein kleines feindliches Kriegsschiff.
In den Kriegshafen von Cherbourg getrauten sich die französischen Marinefahrzeuge aber nicht mehr so recht herein. Durch die Angriffe
der deutschen Stuka war es dort überaus ungemütlich geworden.
Zur Sicherung während der Nacht wurde das II.Bataillon nach 21 Uhr unter Belassung einer schwachen Sicherung an der Strassengabel südlich
Le Pont, die später durch einen Zug von Kradschütz.Btl.7 ersetzt werden sollte, herausgezogen und im rechten Anschluss an das I.Bataillon
in der Linie zwischen dem Fort le Tot bei Punkt 79 und dem Forts de Fourches südwestlich des Kriegshafens mit Front nach Nordosten
eingesetzt, da dort geringere Gegenwehr des Feindes erwartet wurde. Das Bataillon ging zu Fuss zurück und fuhr dann auf den Fahrzeugen
aufgesessen über Vacheux - Nouanville bis les Margrannes vor. Da die Strassen durch das im gleichen Raum vorgehende Schütz.Rgt.7 vollständig
verstopft waren, konnte das II.Bataillon teilweise erst am 19.Juni gegen 3 Uhr im befohlenen Raum eintreffen und dort zur Verteidigung übergehen.
Das Vorgehen des I.Bataillons brachte in den Abendstunden insofern einen Erfolg, als das vom Feind aufgegebene Fort le Tot besetzt werden konnte.
1 Offizier und 35 Mann wurden gefangen. In einer Sandsackbarrikade leisteten um 21 Uhr französische Marinesoldaten verzweifelten Widerstand,
konnten aber den Vorwärtsdrang der Schützen nicht standhalten. Auf den Höhen unmittelbar vor Cherbourg richtete sich das I.Bataillon nach Einbruch
der Nacht igelförmig zur Verteidigung ein. Das Bataillon brachte insgesamt 150 Gefangene ein.
Das Regiment leitete um die Mitternachtsstunde den Bataillonen Zettel in französischer Sprache des Inhalts zu, dass Cherbourg eingeschlossen sei
und von der Artillerie aller Kaliber beschossen und von Stukas bombardiert werden würde, falls die Befestigungen und der Hafen nicht bis zum
19.Juni 8 Uhr übergeben würden. Diese Zettel, die weiter die Weisung enthielten, im Falle der Kapitulation das Feuer sofort einzustellen und auf
Dächern, Mauern und Plätzen der Stadt weisse Fahnen zu zeigen, sollte noch in der Nacht zum 19.Juni durch französische Gefangene in die Stadt
gebracht und dort den öffentlichen Stellen und den Kommandanten übergeben werden.
General Rommel hatte indessen am Nachmittag Teile der Artillerie und Flak in Stellung bringen lassen, die mit Schnellfeuer die Höhen in nächster
Nähe der Hafenanlagen abstreuten. Bald nahmen die Forts das Feuer gegen die Artillerie der 7.Panz.Div. auf und deckten in kürzester Zeit die
leichten Batterien und die Flakbatterien der Division zu.
Aus dem ausserordentlich starken Feuer des Gegners aus den Forts und von den auf hoher See manövrierenden englischen Kriegsschiffen musste
geschlossen werden, dass Cherbourg gut bewaffnet war und der gegenüberliegende Feind den Kriegshafen hartnäckig verteidigen wollte.
Generalmajor Rommel gab deshalb Anweisung zum Einsatz der gesamten Teile des Panz.Rgts.25. Auch das Schütz.Rgt.7 wurde vom Divisionskommandeur
persönlich in den Abendstunden auf den Höhen südwestlich und westlich des Kriegshafens eingesetzt. Die deutschen Batterien bezogen soweit vorn
Geschützstellungen, um am 19.Juni die Schützenregimenter beim Angriff wirksam unterstützen zu können.
Die Rückwärtsbewegungen des Gegners waren am 18.Juni auf der ganzen Front der Heeresgruppe B weitergegangen. Bei der 4.Armee war die Gruppe
Rommel bis in die Gegend hart südlich Cherbourg vorgestossen und stand vor dem Westteil von Cherbourg. Das II. und XXXVIII.A.K. hatten über
Mortagne - Bellême - Nogent le Rotroux die Linie Alencon - Mamers - Bonnétable, Vorausabteilungen Montsurs, Silléle Guillaume und Le Mans
erreicht.
Die 1.Kav.Div. stand bei St. Calais.
Die Verluste des Schütz.Rgts. am 18.Juni betrugen:
tot: 1 Offiz. (Obltn. Kiessling von der 5.Komp.), 2 Unteroffiziere und 6 Schützen,
verwundet: 3 Unteroffiziere und 5 Schützen.
19.6.1940
Nachlaß Ortlepp.
Kav.Schtz.Rgt.6.2)

Wie bereits erwähnt, hatte der Führer und Oberste Befehlshaber der Wehrmacht die Einnahme Cherbourgs vor Abschluss des zu erwartenden
Waffenstillstandes als eine Ehrenpflicht des deutschen Heeres bezeichnet.
Der 19.Juni brachte daher den restlosen Einsatz aller bei Cherbourg stehenden deutschen Truppen, um das vom Führer gesteckte Ziel zu erreichen.
Das II.Bataillon des Schütz.Rgts.6 war erst am 19.Juni um 3 Uhr morgens in der neuen Linie angekommen und hatte wie folgt Stellung bezogen:
rechts die 6. Kompanie mit dem Pionierzug um Punkt 60, links anschliessend die 5.Kompanie und am linken Flügel am Fort le Tot die 7.Kompanie.
Die Nacht war, vom störenden Artillerie- und Gewehrfeuer abgesehen, verhältnismässig ruhig verlaufen.
Am Morgen lebte die Tätigkeit der französischen Geschütze erneut auf. In der ersten Frühe hatte sich Generalmajor Rommel in die vorderste
Linie des Schütz.Rgts.6 auf dem kahlen Berg dicht südwestlich Cherbourg begeben. Die Front war auffallend ruhig. Es war die bekannte Stille vor
dem Sturm. Nur einige Forts schickten ihre Granaten in den Raum, in der sich die 7.Panz.Div. eingegraben hatte.
Um 8,30 Uhr wurde durch Generalmajor Rommel persönlich dem II.Bataillon der Befehl gegeben, in die Stadt bis zur Hauptstrasse, die von
Nordwesten nach Cherbourg hereinführt, durchzustossen, diese Strasse jedoch nicht zu überschreiten, da der Kriegshafen von Cherbourg erst durch
eigenes Artilleriefeuer sturmreif geschossen werden sollte.
Vorgesandte Spähtrupps fanden den Südwestteil der Stadt Cherbourg bereits feindfrei. Der Divisionskommandeur gab daraufhin dem Kommandeur des
Schütz.Rgts.6 den Befehl, auch das I.Bataillon in gleiche Höhe vorgehen zu lassen wie das II.Bataillon. Das Bataillon des Majors von Paris lag
noch vor der Redoute de Couplers, die der Feind heftig verteidigte, fest.
Befehlsgemäss traten die Kompanien an. Aber um 9 Uhr überbrachte der Ordonnanzoffizier des Regiments den Befehl, dass das II.Bataillon nur mit
dem linken Flügel bis zur Hauptstrasse bei den scharfen Knick südwestlich des Kriegshafens vorzugehen hatte. Im übrigen sollte der Stadtteil
südlich des Kriegshafens Cherbourg in der Verlängerung der Hauptstrasse nach Süden besetzt werden.
Es gelang dem II.Bataillon in den Vormittagsstunden, diesen Befehl ohne Feindberührung durchzuführen. An der grossen nach dem Hafen führenden
Hauptstrasse erhielten die Schützen nur noch vereinzeltes Gewehrfeuer.
Die 5.Kompanie schickte darauf um 10 Uhr zwei französische Zivilisten in die Stadt hinein, um den Festungskommandanten zur Vermeidung weiteren
unnützen Blutvergiessens zur Übergabe der Stadt auffordern zu lassen. Da die Aufforderung ohne Erfolg blieb, nahm die Besetzung der Randgebiete
von Cherbourg durch die Kompanien des Schütz.Rgts.6 ihren Fortgang.
Beim I.Bataillon hatte Major von Paris die vor der Front der 2.Kompanie gelegene Redoute de Couplers zur Übergabe aufgefordert. Der Gegner sah
das Nutzlose weiteren Widerstandes ein, streckte um 9 Uhr im Fort die Waffen und die 1. und 4.Kompanie konnten in dieses Festungswerk einrücken.
5 Offiziere und 150 Franzosen wanderten in die Gefangenschaft. Beim Vorgehen wurden dann bis 11,30 Uhr vom I.Bataillon weitere Teile von
Cherbourg besetzt.
Indessen hatten die schweren Batterien der Division das im Hafengebiet liegende Fort Central durch zahlreiche Volltreffer zum Schweigen gebracht,
so dass auch das Schütz.Rgt.7 beauftragt werden konnte, bis zum Kriegshafen vorzustossen. Der an der Küste eingesetzten Aufklärungsabteilung
fielen mehrere französische Strandbatterien in die Hände. Südostwärts von Cherbourg war die Brigade Senger eingetroffen und schickte sich an, den
Raum ostwärts der Stadt bis zur Küste vom Feind zu säubern.
Um die Mittagsstunde erhielt das Schütz.Rgt.6 nunmehr den Befehl zur Besetzung des eigentlichen Kriegshafens. Oberst von Unger setzte hierzu
das I.Bataillon links, das II.Bataillon rechts an. Beim II.Bataillon sollte rechte die 6.Kompanie mit dem Pionierzug längs der in das Fort le Tot
führenden Strasse vorstossen und links von der Strassenbiegung nach Nordosten vorgehend die 7.Kompanie angreifen. Die 5.Kompanie wurde zur
Verfügung des Bataillons in Reserve gehalten.
Inzwischen waren seit dem Vormittag Verhandlungen mit dem Kommandanten von Cherbourg zwecks Übergabe der Kriegsfestung und des Hafens eingeleitet
worden, so dass zunächst weitere deutsche Angriffshandlungen unterbleiben sollten, bis das Ergebnis der Verhandlungen feststand. Die 7.Kompanie
konnte noch rechtzeitig von dem Vorgehen abgehalten werden. Die 6.Kompanie hatte aber den Befehl nicht erhalten und war nach Überschreiten der
Bahnlinie bis an die Hauptstrasse der Stadt vorgedrungen, in heftiges Maschinengewehr- und Gewehrfeuer aus einem Waldstück hart jenseits der
Strasse geraten und kam nicht weiter vorwärts, um so mehr auch aus den Bäumen beiderseits der Strasse heftiges Feuer einsetzte. Auf der Strasse
stehende eigene Panzer erwiderten sofort das Feuer. Hinter Steinplatten, die an dieser Strassenstelle den Weg säumten, fanden die Schützen der
6.Kompanie, die vergeblich den Gegner im Hinblick auf die schwebenden Übergabeverhandlungen durch Winken mit weissen Tüchern zum Einstellen des
Feuers zu veranlassen suchten, Schutz. In dieser gefährlichen Lage verblieb die 6.Kompanie, die auch vergeblich auf das Eingreifen der anderen
Kompanien wartete, bis zur Übergabe des Kriegshafens und der Forts.
Die eigentliche Übergabe des wichtigen französischen Kriegshafens Cherbourg spielt sich etwa wie folgt ab: Generalmajor Rommel hatte schon bei
Tagesanbruch zahlreiche französische Gefangene nach Cherbourg hineingeschickt mit der Aufforderung, an den Kommandanten der Festung, die Stadt
zu übergeben, da weiterer Widerstand nutzlos sei und Cherbourg sich im Falle der Weigerung nur der Gefahr der Beschiessung mit modernsten
Mitteln aussetzen würde. Es erschienen schliesslich auch der Polizeipräfekt und ein Deputierter aus Cherbourg, die sich erboten, wegen der auch
nach ihrer Ansicht unvermeidbaren Kapitulation der Festung mit dem Militärkommandanten in Cherbourg in Verbindung zu treten.
Generalmajor Rommel erklärte dabei um 12,30 Uhr ausdrücklich, dass er schon seit 8 Uhr auf die Übergabe warte und nicht mehr länger Geduld habe.
Er billigte den beiden französischen Zivilisten schliesslich noch eine Frist bis 13,15 Uhr zu. Die französischen Unterhändler fuhren dann im
Wagen in die Stadt zurück und wurden dabei vom Kriegshafen her von der eigenen französischen Artillerie lebhaft beschossen. Kurz vor 13,15 Uhr
erhielt Generalmajor Rommel die Nachricht, dass der Kommandant trotz allen Zuredens der beiden Zivilisten die Kapitulation der Stadt abgelehnt
habe.
Generalmajor Rommel gab daraufhin der gesamten Divisionsartillerie den Befehl zur Eröffnung des sorgsam vorbereiteten Feuers auf den Kriegshafen
von Cherbourg. Zugleich erhielt das Fort Zentral einen Stukavolltreffer; andere Aussenforts wurden wirksam mit Bomben belegt. Das Arsenal stand
in hellen Flammen. Ein dicke schwarze Rauchwolke zog über der Stadt hin. Aus den bombardierten Forts flogen grössere Betonstücke durch die Luft.
Auch die Schützen erhielten den Befehl zur Fortsetzung des Fussangriffs auf die Stadt. Bei der Aufklärung gegen das Innere der Stadt erlitt
Leutnant Erbe von der 1.Kompanie unmittelbar vor dem Haupteingang zum Kriegshafen den Heldentod. Die ausserordentlich heftige und überaus
wirksame Beschiessung des Kriegshafens verfehlte ihre Wirkung nicht. Schon 1/2 Stunde nach Eröffnung des Bombardements erschienen vor der
Redoute militärische Unterhändler, darunter der Kommandant des Forts Querqueville, das gerade unter dem zusammengefassten Feuer der leichten
Feldhaubitzen der 7.Panz.Div. lag. Generalmajor Rommel diktierte nach kurzer Besprechung die bedingungslose Übergabe der Festung.
Da diese von den Unterhändlern, die behaupteten, zum Abschluss ermächtigt zu sein, angenommen wurde, liess der Divisionskommandeur gegen
14,45 Uhr das deutsche Feuer einstellen. Bald ertönte seitens der Franzosen das vereinbarte Hornsignal. Die Kriegsfestung Cherbourg hatte
kapituliert! Die offizielle Übergabe der Festung durch den Kommandanten und die Fortbefehlshaber wurde auf 17 Uhr im Hofe der Präfektur
festgesetzt.
Diese Übergabe an Generalmajor Rommel, der bereits um 15,30 Uhr mit seinem Generalstabschef, Major Heidkämper, nach Cherbourg hineingefahren
war, vollzog sich zur festgesetzten Stunde. Hierbei erklärten jedoch sowohl der Festungskommandant als auch der bald darauf von Tourneville
eintreffende Kommandierende Admiral der französischen Nordstreitkräfte, Admiral Abrial, dass die Kapitulation gegen den Willen des
Kommandanten bzw. wegen Munitionsmangel erfolgt sei. Generalmajor Rommel nahm hiervon Kenntnis und ging zur Tagesordnung über.
Die Stadt konnte nun durch das auf Fahrzeugen vorfahrende Schütz.Rgt.7 kampflos besetzt werden. Da sich noch stärkere abgesprengte Kräfte
in der Stadt umhertrieben, musste im Interesse der Sicherheit der deutschen Wehrmacht die ganze Stadt, insbesondere auch die Vororte,
durchstreift und abgesucht werden.
Das II.Bataillon des Schütz.Rgts.6 setzte hierzu die 5.Kompanie zur Absuchung von Octeville und die 6.Kompanie zur Durchsuchung der
südwestlichen Vororte von Cherbourg an. Bei dem Abkämmen der Strassenviertel wurden zahlreiche französische Gefangene zusammengetrieben
und bei der Gefangenensammelstelle abgeliefert. Die 5.Kompanie, deren Führung anstelle des gefallenen Oberltn.Kiessling nunmehr
Hauptmann Schmidt übernahm, brachte in Octeville über 200, die 6.Kompanie noch weitere 32 Gefangene ein.
Um 17,30 Uhr besetzte ein Zug der 7.Kompanie unter der Führung von Leutn.Dr. Schulz auf Anweisung des Regimentsstabs das Stabsquartier
des französischen Admirals der Nordstreitkräfte, Schloss Tourlaville, und stellte dort wichtiges Aktenmaterial sicher.
Die 6.Kompanie, die bereits in schönen Häusern im Südwestteil von Cherbourg untergezogen war, wurde bald wieder zum Leidwesen der
enttäuschten Schützen zur Vermeidung zu starker Massierungen in Cherbourg nach Nouainville verlegt. Der Rest des Bataillons kam in
dem südlich des Kriegshafens gelegenen Stadtteil von Cherbourg unter.
Der Gefechtsstand von Oberstlt.Junck wurde an der Strasse nach Nouainville, 500 m nordostwärts des Forts le Tot eingerichtet.
Indessen waren alle Forts, soweit sie nicht im Wasser lagen, von den Truppen der 7.Panz.Div. besetzt worden. Auch auf dem weithin
beherrschenden Fort du Roule wehte die deutsche Kriegsflagge. Der Kommandant des Forts und sein Vertreter waren in den Kämpfen um
das Fort auf der Umwallung gefallen.
Beim I.Bataillon hatte die 2.Kompanie den Kriegshafen besetzt. Der Rest des I.Bataillons zog im Westteil von Cherbourg in Unterkunft.
Die Fahrzeugstaffel und der Tross des Bataillons wurden nachgezogen.
Die 2.Kompanie brachte im Hafengebiet noch Gefangene in Stärke von 2 Kompanien ein. Nach einer Mitteilung von General Rommel waren
in Cherbourg etwa 20 000 Franzosen, darunter sehr viel Farbige, in deutsche Hand gefallen. Unermesslich gross waren die im Hafen und
in der Stadt vorgefundenen Lebensmittelvorräte des Gegners. Auch über 100 englische Kraftfahrzeuge waren unter der grossen Kriegsbeute.
Besonders wertvoll waren die ungeheuren Munitionslager und die riesigen gefüllten Lebensmittelspeicher. Auch ein Oellager mit 100 000
Tonnen Inhalt wurde erbeutet. Die Bestände wurden beschlagnahmt, gesammelt, sichergestellt und durch Posten und Streifen vor
Plünderungen und Vergeudungen geschützt.
Die Bevölkerung der Stadt räumte in den späten Nachmittagsstunden teilweise fluchtartig den Stadtbezirk, da Gerüchte über einen
geplanten nächtlichen englischen Fliegerangriff grosse Unruhe verbreitet hatten. Streifen des I.Bataillons des Schütz.Rgts.6 und des
II./Schütz.Rgts.7 sorgten auf Befehl des neusernannten Ortskommandanten, Oberst Fürst, dafür, dass die Bevölkerung in ihren Wohnungen
verblieb. So wurde ein völliges Durcheinander, das den deutschen Plänen unerquicklich gewesen wäre, unterbunden. Das Regiment richtet
auf dem Napoleonplatz in Cherbourg einen Gefechtsstand ein.
Die 1.Kav.Div. hatte in der Nacht zum 19.Juni die Gegend Noyant–Rillé erreichen können, wenn auch ein gegen die Loirebrücke südlich
Bourgueil unternommener Handstreich missglückt war.
Die 18.Armee hatte bereits den Vormarsch südlich der Loire aufgenommen. Die Masse des XV.A.K. war mit der 2.mot.Div. über St. Brieue,
mit der 5.Panz.Div. über Loudéac und mit der 11.Schütz.Brig. von Pontivy auf Brest vorgegangen und hatte mit der Spitze die Gegend
von Brest erreicht.
Die Verluste des Schütz.Rgts.6 am 19.Juni betrugen: tot 1 Offizier (Leutn. Erbe) und 2 Schützen, verwundet 3 Unteroffiziere und
6 Schützen.
20.6.1940

Nachlaß Ortlepp.
Kav.Schtz.Rgt.6.2)

Die Hoffnung des Schütz.Rgts.6, einige Tage der Ruhe in Cherbourg verbringen zu können, erfüllte sich nicht. Nach ruhig verlaufener
Nacht traf um 9 Uhr der Befehl zur Herstellung der Marschbereitschaft für 10 Uhr ein. Bei einer Kommandeurbesprechung im Quartier
der Division erhielt das Schütz.Rgt.6 den Auftrag, die noch südlich Cherbourg umherstreifenden französischen Soldaten gefangen zu
nehmen. Ostwärts davon wurde der Brigade Senger die gleiche Aufgabe übertragen.
Um 12 Uhr trat das Regiment zur Säuberung des Hinterlandes bis zur Linie St. Lo – Coutances in 2 Marschkolonnen an. Links hinter
der Aufklärungsabteilung 37 marschierte das I.Bataillon mit dem Regimentsstab, 1 Zug Panz.Jäg.Abt. 42 und der 2./Art.Rgts.78 in
Richtung auf Villedieu. Unterwegs brachte das Bataillon zahlreiche Gefangene ein und erreichte bei schönem Sonnenwetter und einem
längeren Nachtmarsch gegen 2,30 Uhr vormittags des folgenden Tages den neuen Unterkunftsraum nördlich Villedieu.
Rechts war hinter dem Kradschütz.Btl.7 das II.Bataillon mit dem Rest der Panzerjägerkomp. und 4 Batterien vom Art.Rgt.78 unmittelbar
an der Küste des Atlantischen Ozeans auf Coutances angesetzt, um das Gelände beiderseits der Strasse von versprengten Feind zu
säubern. In Sideville gliederten sich die zugeteilten Teile in die Marschkolonne ein. Nach kurzer Marschrast in Les Pieux erreichte
das II.Bataillon ohne Feindberührung um 18,30 Uhr Lessay. Da auf der Marschstrasse starker Gegenverkehr herrschte, traten wiederholt
Hemmnisse, vor allem an den Strassenabzweigungen, ein, so dass die Fahrt des Bataillons stellenweise nur langsam vorwärts kam.
Die 7 Kompanie wurde zur Überwachung der nach La Haye du Puits abgeschobenen Gefangenen aus Cherbourg eingesetzt. Es handelte sich
dabei um einen Transport von 6000 französischen Gefangenen, einem Mischmasch von weissen Soldaten des französischen Heeres,
französischen Marinesoldaten, Niggern und Kolonialsoldaten und Hilfsvölkern aller Schattierungen und Rassen.
Während der Säuberungsaktion traf bei dem Divisionsstab der fernmündliche Armeebefehl ein, dass die 7.Panzerdivision am 21.Juni
möglichst frühzeitig den Raum südlich Rennes zu erreichen und St.Malo in Besitz zu nehmen habe. Generalmajor Rommel liess daraufhin
gegen 19 Uhr das Säuberungsunternehmen des Schütz.Rgts.6 abbrechen und setzte das Regiment zur Sammlung auf Villedieu an.
In diesem Raume sollten dem Regiment, dem die Wegnahme des Hafenstädtchens St.Malo übertragen wurde, eine leichte Artillerieabteilung,
eine Panzerjägerkompanie und eine Pionierkompanie zugeführt werden.
Nach Abbruch der Säuberungsaktion und 1 1/2 stündiger Rast in Lessay erreichte das II./Schütz.Rgt6 um 22 Uhr mit der Masse der
Marschgruppe den befohlenen Unterkunftsraum bei Cherceney, etwa 4 km südlich Villedieu.
Als letzte Kompanie traf die 7.Kompanie um 23,30 Uhr ein. Vom II.Bataillon waren untergebracht: Stab und Pionierzug in La Chapelle
Cecelin, 5. und 7.Kompanie in Cherceney le Heraie, 6.Kompanie südlich der 5. und 7.Kompanie an der Hauptstrasse in St. Ventin.
Die Beute der 7.Panz.Div. in der Zeit von 17. – 20. Juni 1940 belief sich auf rund 30 000 Gefangene (darunter den Befehlshaber der
französischen Seestreitkräfte Nord und 4 weitere Admirale), 23 Geschütze (ohne die von Cherbourg, deren Zahl noch nicht festgestellt
war), 1 Flakgeschütz, 25 Maschinengewehre, 5 Betriebsstofflager, 1 Sprengstofflager, 1 Kraftwagenpark für eine Division, eine
Grossfunkstelle.
Nach den Weisungen der Heeresgruppe fiel der 4.Armee nach der Wegnahme von Brest und Cherbourg die Inbesitznahme der Häfen St.Malo,
Lorient, St.Nazaire und Nantes zu. Da das Oberkommando des Heeres im übrigen bei den Waffenstillstandsverhandlungen mit Frankreich die
Festlegung einer Demarkationslinie plante, über die nicht mehr hinausgegangen werden sollte und diese im Bereich der Heeresgruppe B am
Cher und an der Loire bis Tours verlaufen sollte, kam es darauf an, dass die deutschen Divisionen noch entlang der Küste bis zur
Spanischen Grenze vorstiessen, um Frankreich auch jeden Fall von der Küste des Atlantischen Ozeans abzuschneiden.
Die Heeresgruppe B sollte auf Anweisung des O.K.H. die zur Besitznahme von Brest nicht unbedingt erforderlichen Schnellen Kräfte unter
dem Befehl von General der Inf.Hoth unverzüglich gegen und über die untere Loire ansetzen und sie mit den Schnellen Verbänden der Gruppe
von Kleist vereinigen.
Am 20.Juni gegen 14,30 Uhr waren die weiteren Aufgaben der 4.Armee dem Oberkommando der Armee bekannt gegeben worden. Während die Masse
der Armee über die Loire weiter nach Süden angesetzt blieb, sollte die Gruppe Rommel die Masse der Brigade Senger als Besatzung der
Festung Cherbourg zur Sicherung der Normandie zurücklassen. Die 7.Panz.Div. sollte baldigst über La Haye – Carentin in den Raum südlich
Rennes zum weiteren Vorgehen auf Nantes verlegt werden. Das Schütz.Rgt.6, das noch im Laufe des 20.Juni den Raum Brécey – Villedieu
erreichen sollte, hatte den Auftrag, am Morgen des 21.Juni über St.James vorzustossen, um St.Malo in Besitz zu nehmen.
Dem Schütz.Rgt.6 wurden hierzu unterstellt: II./Art.Rgt.78, II./Art.Rgt.45, 1 Kompanie Panz.Pion.Btln.58, 2 Flakbatterien,
1 Panzerjägerkompanie und eine gemischte Panzeraufklärungskompanie. Nach Inbesitznahme von St.Malo durch das verstärkte Schütz.Rgt.6
sollte auch dort die Brigade Senger den Küstenschutz übernehmen und das Schütz.Rgt.6 zur 7.Panz.Div. nachgezogen werden.

21.6.1940
Nachlaß Ortlepp.
Kav.Schtz.Rgt.6.2)

Nach dem am 20.Juni erlassenen Divisionsbefehl sollte die 7.Panz.Div. am 21.Juni zur Verfügung des XV.A.K. den Raum südlich Rennes
erreichen. Das Schütz.Rgt.6 hatte eine Sonderaufgabe übertragen bekommen. Es sollte hierzu um 6 Uhr aus dem Raum Brécey – Villedieu
antreten und über St.James, Dol vorgehen, um das Hafenstädtchen St.Malo in Besitz zu nehmen.
Zu diesem Zwecke war das Regiment durch folgende Einheiten verstärkt worden: II./Art.Rgt.78, II./Art.Rgt.45, 1 Kompanie vom
Panz.Pion.Btln 58, eine 2 cm und eine 8,8 cm – Flakbatterie, 1 Panzerjägerkompanie und eine gemischte Kompanie der Aufkl.Abt.37.
Der Grossteil der zugewiesenen Truppen hatte sich bereits am späten Vorabend in Villedieu dem Regiment angeschlossen. Nach Inbesitznahme
von St. Malo sollte ein Bataillon der Brigade Senger den Küstenschutz auch bei St.Malo übernehmen, das Schütz.Rgt.6 dort ablösen, so
dass dieses dem Gros der 7.Panz.Div. in der Gegend Rennes folgen konnte,
Gegen 7,30 Uhr trat das verstärkte Schütz.Rgt.6 mit der 6.Komp. als Spitze in allgemein südlicher, später westlicher Richtung über
Brécey, St. James, La Boussac, Dol den Vormarsch auf Fahrzeugen auf St.Malo an mit dem Auftrag, diesen wichtigen Hafenort zu besetzen.
Kurz vor Erreichen des Hafens St.Malo stellte das Schütz.Rgt.6 fest, dass die Stadt bereits seit dem 20.Juni mittags durch Truppen
der 2.mot.Div. erobert war und sich eine Panzerjägerabteilung dieser Division zum Schutze des Hafens dort niedergelassen hatte.
St.Malo bot mit seinen vorgelagerten Inseln, seinem Hafen und schönen Häusern einen herrlichen Anblick. Die Stadt unterschied sich in
dieser Hinsicht von den meisten französischen Landstädten und hinterliess bei den Schützen einen guten Eindruck. St. Malo ist der
Typ eines Seeräubernestes früherer Jahrhunderte. Es liegt malerisch auf einem vorspringenden Felsen und ist nur durch einen Damm mit
dem Festland verbunden. Die mittelalterlichen Befestigungen sind gut erhalten, Fünf Aussenforts sind auf Inseln der Stadt vorgelagert
und waren früher mit dieser durch unterirdische Gänge verbunden.
Nachdem sich herausgestellt hatte, dass St.Malo schon besetzt war, wurde das Schütz.Rgt.6 auf Befehl der 7.Panz.Div. alsbald in
Gouesnière nach Süden abgedreht. Nur Teile des II.Bataillons – vor allem die 6.Kompanie – rasteten um die Mittagsstunde für kurze Zeit
in St.Malo. In äusserst flotter und reibungsloser Fahrt fuhr das Schütz.Rgt.6 nunmehr in die Gegend von Rennes weiter.
Gegen 16 Uhr wurde der Raum unmittelbar nördlich der Stadt erreicht und bis zum Eintreffen weiterer Befehle beiderseits der
Marschstrasse gerastet. Die Fahrpause wurde zugleich zur Verpflegungsausgabe und zum Auftanken der Fahrzeuge ausgenutzt.
Gegen 17,30 Uhr traf bei Oberst von Unger der Befehl ein, dass das Regiment in dem erreichten Raum Unterkunft für die Nacht zu beziehen
habe.
Die dem Regiment unterstellten Einheiten wurden im Raume nördlich und nordwestliche Rennes untergebracht. Das I.Bataillon nächtigte im
Raum Vezin, Le Cecout und Pace, während das II.Bataillon mit Stab und Pionierzug in La Brosse, mit der 5. und 6.Komp. on La Chapelle
des Fougerets und der 7. und 8.Kompanie in Montgermont unterzog.
In den Abendstunden des 21.Juni stand das XV.A.K. mit der 5.Panz. Div. in Brest, der 2.mot.Div. in Rostrenen, mit der 11.Schütz.Brig.
in Lorient, während die Masse der 7.Panz.Div. sich im Marsch über Rennes nach Süden befand. Die Marschleistung des Tages betrug bei
der 7.Panz.Div. über 280 km, waren also recht erheblich. Trotzdem war der Ausfall an Kraftfahrzeugen nur ausserordentlich gering.
Der 21.Juni war ein Tag besonderer politischer Ereignisse. An diesem Tag empfing der Führer im Walde von Compiègne in dem gleichen
Sitzungswagen, in dem Marschall Foch am 11.November 1918 unter empörenden Umständen den deutschen Unterhändlern die
Waffenstillstandsbedingungen diktiert hatte, die französische Waffenstillstandskommission, bestehend aus dem General Huntzinger, dem
General der Luftwaffe Bergeret, dem Vizeadmiral LeLuc und Botschafter Noel zur Entgegennahme der deutschen Waffenstillstandsbedingungen.
Im Beisein des Führers verlas der Chef des Oberkommandos der Wehrmacht, Generaloberst Keitel, eine Präambel zu den
Waffenstillstandsbedingungen, in der die Gründe dargelegt wurden, die Deutschland bewogen hatten, die Bekanntgabe der Bedingungen an der
gleichen Stelle vorzunehmen, an der Deutschland und seine Armee 22 Jahre vorher von Frankreich auf das tiefste gedemütigt worden war.
Zugleich aber brachte die Präambel zum Ausdruck, dass, nachdem einmal für immer, die Erinnerung ausgelöscht sei, die für Frankreich kein
Ruhmesblatt seiner Geschichte war, vom deutschen Volk aber als tiefste Schande aller Zeiten empfunden wurde, Deutschland davon absehe,
das heroische Frankreich zu demütigen, sondern es der Zweck der deutschen Forderungen nur sei " eine Wiederaufnahme des Kampfes zu
verhindern, Deutschland alle Sicherheiten zu bieten für die ihm aufgezwungene Weiterführung des Krieges gegen England, sowie die
Voraussetzungen zu schaffen für die Gestaltung eines neuen Friedens, dessen wesentlicher Inhalt die Wiedergutmachung des dem Deutschen
Reich selbst mit Gewalt angetanen Unrechts sein wird."
22.6.1940
Nachlaß Ortlepp.
Kav.Schtz.Rgt.6.2)

Die Nacht verlief ruhig. Am Vormittag wurde bekannt, dass der Weitermarsch des Regiments voraussichtlich erst am 24.Juni zu erwarten war.
Die Bataillone und Kompanien verblieben daher in ihren Unterkünften. Lediglich der Stab des I.Bataillons verlegte am Nachmittag nach
vorheriger Erkundung das Stabsquartier aus Pace nach Château Montigny.
Der Tag wurde zur Instandsetzung von Waffen und Gerät benutzt. Teile der Einheiten fuhren zur Besichtigung der altertümlichen Stadt
Rennes nach diesem Ort, In den späten Abendstunden wurde nach 22 Uhr mit grosser Genugtuung im Rundfunk die Nachricht über den im Walde
von Compiègne zwischen Deutschland und Frankreich abgeschlossenen Waffenstillstandsvertrag abgehört. Die Waffen sollten jedoch erst
ruhen, wenn der Vertrag Frankreich - Italien unterzeichnet war.
Noch am Abend des 21.Juni hatte die Heeresgruppe B einen zusammenhängenden Befehl über die Weiterführung der Operationen zur
Inbesitznahme des Küstenstreifens am Atlantischen Ozean bis zur Spanischen Grenze durch die Schnellen Verbände der anrollenden Gruppe
von Kleist und des XV.A.K. erlassen. Daraufhin wurde der Eilmarsch der Gruppe Rommel und der freigewordenen Teile des XV.A.K. zunächst
bis zur Loire und Cher befohlen. Von dort aus sollten diese Kräfte nach ihrer Eingliederung in die Gruppe von Kleist unverzüglich über
Loudon - Poitiers nach Süden in den Raum von Bordeaux durchstossen.
Der 4.Armee war befohlen, ohne das Herankommen der Schnellen Verbände abzuwarten, über die Loire bis zum Atlantischen Ozean vorzugehen.
Am 22.Juni waren vom XV.A.K. die Brigade Senger in Cherbourg, die 5.Panz.Div. im Raum um Brest verblieben, während die 11.Schütz.Brig.
und 2.mot.Brig. St.Nazaire und Redon besetzt hatten. Die "Masse der Gruppe Kleist war in der Umgebung von Orléans angelangt.
Verluste: 1 Schütze tot.
23.6.1940
Nachlaß Ortlepp.
Kav.Schtz.Rgt.6.2)

Auch der 23.Juni diente als Ruhetag der Instandsetzung der Fahrzeuge und des Geräts. Gegen 23 Uhr wurde dem Regiment der Auftrag für
den kommenden Tag bekannt gegeben, das Schütz.Rgt.6 sollte im Verband der 7.Panz.Div. am 24.Juni in südlicher Richtung fahren, um den
Raum um Niort zu erreichen.
Die 7.Panz.Div. schied am 23.Juni aus dem Verband der 4.Armee unter Generaloberst von Kluge aus, nachdem sie in den vergangenen Wochen
des Westfeldzuges die Armee mehrfach vergrössert und ihr den Weg zum Siege geführt hatte, Sie wurde wieder dem XV.A.K. unterstellt,
das seinerseits der Gruppe von Kleist zugewiesen wurde. Aufgabe der Gruppe von Kleist war es, den Streifen zwischen der Küste des
Atlantischen Ozeans und der vereinbarten Demarkationslinie möglichst schnell zu besetzen, die Linie Royan - Saintes - Angoulême -
La Rochefoucould zu erreichen und das Küstengebiet zwischen dieser Linie und der vormarschierenden 4. und 18.Armee nach Süden und
gegen den Ozean und an der Demarkationslinie zu sichern.
Im Rahmen dieses Auftrags sollte das XV.A.K. nach dem Uebergang über die Loire bei Nantes und Ancenis so schnell wie möglich --
Räderteile voraus -- nach Süden vorgehen und mit Vorausabteilungen die Sicherung in der Linie La Rochelle - Mündung der Charente
westlich Rochefort, sowie die Uebergänge über die Charente zwischen Rochefort und Saintes übernehmen.
24.6.1940
Nachlaß Ortlepp.
Kav.Schtz.Rgt.6.2)

Die Gruppe von Kleist trat am 24.Juni aus dem Raum Orléans in südlicher Richtung gegen die Linie Royan - Angoulême - La Rochefoucold
an. Die Masse der Panzerkampfwagen wurde nördlich der Loire zurückgelassen, da das Eintreten der Waffenruhe stündlich erwartet wurde
und Panzerkampfwagen zur Durchführung des Besatzungsunternehmens nicht benötigt wurden. Deshalb sollte auch bei der 7.Panz.Div. der
Vormarsch lediglich von der Schützenbrigade der 7.Panz.Div. durchgeführt werden.
Die 7.Panz.Div. hatte den Auftrag, frühmorgens aus dem Raum Rennes auf Janzé - Chateaubriant bis zur Loire bei Ancenis vorzufahren,
diese zu überschreiten und dann auf zwei Strassen in den Raum L'Absie - La Chataigneraie - Fontenay le Comte - Niort weiter zu fahren.
Dem Schütz.Rgt.6 wurde die linke Marschstrasse über St.Florent - Cholet - Les Aubiers - Montcoutant - L'Absie - Coulonges zugewiesen.
Folgend marschordnung war befohlen: Schütz.Rgt.7, Divisionsstab und Stab Schütz.Brigade 7, Stab Art.Rgt.78 und I./Art.Rgt.78,
Panz.Nachr.Abt.83, Panz Pion.Batl.58, Schütz.Rgt.6, II./Art.Rgt.78, Brückenkolonne 637 und leichte Pionierkolonne 58.
Bei regnerischem, teil aufheiterndem Wetter trat das Schütz.Rgt.6 am 24. Juni gegen 7 Uhr den Marsch in der Reihenfolge Regimentsstab,
I.Bataillon, II.Bataillon über Rennes, dessen Bahnhof durch deutschen Fliegerangriff vollständig zerstört war, Chateaubriant, Ancenis,
Cholet Montcoutant , Coulonges auf Niort an. Dieser endgültige Marschweg wurde erst unterwegs befohlen, nachdem zunächst als Marschziel
der Unterkunftsraum um Chataignerain befohlen gewesen war. Dorthin waren auch die Quartiermacher unterwegs.
Nach anfänglich erheblichen Marschstockungen, die durch die vor dem Regiment marschierenden Teile der Division verursacht wurden, wurde
gegen 16 Uhr die Loire bei Ancenis erreicht. Vor dem Flussübergang wurde eine kurze technische Rast eingelegt und alsdann der Fluss auf
einer 375 m langen Kriegsbrücke überquert. Nach Ueberschreiten der Loire ging es in flotter, reibungsloser Fahrt in den Raum um Niort.
Das I.Bataillon hielt vor Niort, tankte auf und verpflegte. Es kamen noch fast 340 km Fahrt an einem Tage unter im Raum um Niort: Stab
in Chateau Lens, 1.Kompanie in Souche, 2.Kompanie in Bessines, 3.Kompanie in Aiffres, 4.Kompanie in Symphorien, Das II.Bataillon zog in
der Stadt Niort unter, wo auch der Regimentsstab sein Unterkommen fand. Mehrere Fahrzeuge, insbesondere die Sonderfahrzeuge der
5.Kompanie, erreichten ihren Bestimmungsort nicht rechtzeitig und blieben wegen technischer Schäden unterwegs liegen.
Die bisher dem Regiment unterstellt gewesenen fremden Einheiten traten nach Aufhebung des Unterstellungsverhältnisses zu ihren
Stammverbänden zurück. Die Panz.Aufkl.Abt.37 und das Kradschütz.Batl.7 hatten in den Abendstunden die Uebergänge über die Charente bei
Saintes und St. Savinien befehlsgemäss in Besitz genommen.
Die Masse des XV.A.K. stand somit am Spätabend im Raum Royan - Saintes und nördlich davon.
Am Abend kam die Sondermeldung durch, dass auch zwischen Frankreich und Italien der Waffenstillstandsvertrag unterschrieben worden war,
so dass nunmehr am 25.Juni um 1,35 Uhr der Waffenstillstand zwischen Deutschland und Frankreich in Kraft trat.
Um 23,30 Uhr wurde auch der folgende französische Funkspruch mitgehört:
"Den französischen Streitkräften zu Lande, Wasser und in der Luft ist der Befehl gegeben worden, am 25.Juni 1940 um 0,35 Uhr
(französische Sommerzeit) die Feindseligkeiten an allen Fronten einzustellen.
Der Minister der Nationalen Verteidigung,
gez. Weygand."
25.6.1940
Nachlaß Ortlepp.
Kav.Schtz.Rgt.6.2)

Da die 7.Panz.Div. zwei Tage im Raum um Niort ruhen sollte, wurden bei den Einheiten der Bataillone erneut Instandsetzungsarbeiten durchgeführt.
Abgehaltene Appelle gaben den Angehörigen des Regiments offiziell Kenntnis von dem in der Nacht in Kraft getretenen Waffenstillstand zwischen
Deutschland und Frankreich. Hierbei wurde auch der Gefallenen des Regiments gedacht, deren Tod dazu beigetragen hatte, diesen Erfolg in so kurzer
Zeit zu erreichen. Anschliessend fand die Verleihung einer Reihe Eiserner Kreuze an Angehörige des Regiments, die sich während des Feldzugs in
Belgien und Frankreich ausgezeichnet hatten, statt.
Auf Befehl des Oberquartiermeisters der Gruppe von Kleist musste der Regimentsstab sein schönes Stabsquartier in Niort räumen und im gleichen Orte
eine anderweitige Unterkunft beziehen.
Auch die Masse des II.Bataillons wurde aus Niort in die Gegend nordostwärts der Stadt umquartiert. Nur ein kleiner Rest des Bataillons durfte noch
in Niort verbleiben.
Die zur Führerreserve abgestellten Offiziere und Offiziersanwärter traten zum grössten Teil zu ihren Kompanien zurück.
Hauptm.Georgi, der bisherige Chef der 4.Kompanie, schied aus dem Regimentsverband aus und übergab die Kompanie an Hauptm.Cech.
Die Gesamtverluste der 7.Panz.Div. während des Westfeldzuges betrugen:
Tot: 52 Offiziere, 630 Unteroffiziere und Mannschaften, verwundet:
     76 Offiziere und 1 515 Unteroffiziere und Mannschaften, vermisst: 2 Offiziere und 283 Unteroffiziere und Mannschaften,
Die Taten der 7.Panzerdivision im Westfeldzug an denen das Schütz.Rgt.6 hervorragenden Anteil gehabt hatte, fanden u.a. ihre Würdigung in den
nachstehenden Tagesbefehlen der Heeresgruppe B und des Generalmajors Rommel vom 25.Juni 1940:
"Heeresgruppe B.
Der Krieg mit Frankreich ist zu Ende!
In 44 Tagen haben die Armeen der Heeresgruppe im stürmischen Anlauf die holländischen und belgischen Landesbefestigungen überrannt, die Heere
beider Staaten in harten Kampf zur Uebergabe gezwungen und die heraneilenden englischen - französischen Armeen in blutigen Ringen vernichtend
geschlagen; Paris und die französische Küste sind in unserer Hand.
Die Zahl der Gefangenen von der Heeresgruppenfront übersteigt 1 500 000 Mann, die Beute an Panzern, Geschützen und Waffen aller Art ist riesengross,
Schulter an Schulter mit der Luftwaffe ist ein Sieg errungen, wie die Geschichte ihn schöner und grösser nicht kennt.
Das junge deutsche Heer hat seine schwerste Probe vor aller Welt, vor der Geschichte und vor sich selbst bestanden! Was nach dem Weltkrieg an Not
und Schande über unser Volk hereingebrochen war, ist ausgelöscht durch Eure Treue und Tapferkeit!
Die Hauptlast des Opfers lag auf dem deutschen Heer, Wir wollen sie stolz und freudig tragen im festen Wissen zum endgültigen und vollen Sieg!
Es lebe der Führer!
gez. von Bock.
Generaloberst."

"7. Panzerdivision. Abt. Ia. Div.St.Qu., den 25. Juni 1940.
Tagesbefehl!
Seit dem 25.Juni 1940 1,35Uhr ruhen die Waffen.
Sechs Wochen harter Kämpfe der 7.Panzerdivision haben mit diesem Tage ihren Abschluss gefunden. Dinant, Morville, Philippeville, Avesnes, Le Cateau,
Cambrai, Arras, Mont Eloy, Herain, La Bassée, Lille, Durchbruch der Somestellung, Saumont, Rouen, Veulettes, Fécamp, St. Valery, le Havre und Cherbourg
sind Namen, die in die Geschichte dieses Krieges für unsere Division mit ehernen Lettern eingetragen werden.
Die Einnahme der Feste Cherbourg bildet die letzte Krönung unseres siegreichen Vormarsches. Der Führer und Oberste Befehlshaber hatte am 18.Juni die
Einnahme Cherbourgs als Ehrenpflicht des deutschen Heeres bezeichnet. Noch einmal mussten wir alle Kräfte einsetzen, um dann am 19. Juni die Erfüllung
dieser Ehrenpflicht melden zu können. Zwischen Rouen und Cherbourg liegen ungeheure Marschleistungen der Division und nach Cherbourg mussten abermals
gewaltige Märsche von der Division gefordert werden, um noch vor Abschluss des Waffenstillstandes die Südwestküste Frankreichs zu besetzen.
Dem restlosen Einsatz aller Fahrer ist es zu danken, dass diese bisher unvorstellbaren Marschleistungen in ihrer Länge und in diesem Tempo durchgeführt
werden konnten.
Mit dem 23.Juni ist die Division aus der 4.Armee ausgeschieden. An diesem Tage hat mir der Oberbefehlshaber der 4.Armee, Generaloberst von Kluge, in
Rennes persönlich seine uneingeschränkte Anerkennung und seinen Dank für die Leistungen der Division ausgesprochen. Die Armee sei sich darüber klar,
dass ohne das rastlose Vorwärtsstürmen der 7.Panzerdivision niemals die grossen Erfolge der 4.Armee hätten errungen werden können. Die Leistungen unserer
Division seien für alle Zeiten in die Geschichte eingegangen.
Wir alle sind stolz auf unsere Erfolge und für alle Zeiten werden wir leuchtenden Auges davon erzählen, dass wir in diesem Kriege Angehörige der
7.Panzerdivision sein durften.
Mir als Kommandeur der 7.Panzerdivision ist es heute ein besonderes Bedürfnis, allen Offizieren, Unteroffizieren und Mannschaften und allen Beamten meinen
Dank auszusprechen, dass sie trotz höchster Anforderungen, die ich an sie stellen musste, jederzeit ihr Letztes eingesetzt haben.
Unsere Verluste an Toten und Verwundeten sind gross, aber sie stehen in keinem Verhältnis zu unseren noch grösseren Erfolgen und wir wissen heute, dass
die Opfer, die unsere Division hat bringen müssen, der Armee weit grössere Opfer erspart haben. Wir werden unserer Toten und Verwundeten immer ehrend gedenken.
Nach Abschluss dieses Feldzugs rüsten wir uns, um jederzeit bereit zu sein, wenn des Führers Ruf erneut an die 7.Panzerdivision ergeht.
Es lebe unser Oberster Befehlshaber Adolf Hitler!
Es lebe Grossdeutschland!
gez. Rommel."
26.6.1940

Nachlaß Ortlepp.
Kav.Schtz.Rgt.6.2)

Das Schütz.Rgt.6 verblieb am 26.Juni im bisherigen Unterkunftsraum um Niort. Der Stab des II.Bataillons hatte jedoch Niort räumen und den höheren
Machtbefugnissen der Gruppe von Kleist weichen müssen, die das Quartier für sich beanspruchte, Oberstltn.Junck verlegte seine Unterkunft in das nordostwärts
Brulain gelegene Schloss de la Mothe. Teile des Regiments fuhren tagsüber an den Atlantischen Ozean nach La Rochelle zum Baden.
Endlich traf auch der seit längerer Zeit sehnsüchtig erwartete Ersatz ein. Die 367 Mann wurden nach Massgabe der bisher erlittenen Ausfälle auf Bataillone
und Kompanien verteilt.
Die 7.Panz.Div. erhielt am 26.Juni den Befehl, durch eine Vorausabteilung Besitz der Dordognebrücke bei St.André de Cubzac zu ergreifen. Da das Gebiet
nördlich der Linie La Rochelle - Niort von der Gruppe des Generals der Kavallerie von Kleist für die im Anmarsch befindliche 18.Armee freigemacht werden
musste, sollte die 7.Panz.Div. am 27.Juni in den Raum südlich der Linie Royan - Saintes verlegt werden. Nachdem ausserdem die französische Regierung zu
erkennen gegeben hatte, dass sie ihren Sitz von Bordeaux nach Clermont Ferrand zu verlegen beabsichtige, erhielt die Gruppe von Kleist Befehl, am 26.Juni
mit Vorausabteilungen, am 27. Juni mit der Masse der Gruppe zur friedlichen Besetzung des Küstenstreifens bis zur spanischen Grenze anzutreten.
Mit Rücksicht auf die noch in Bordeaux befindliche französische Regierung war die Belegung dieser wichtigen Hafenstadt erst für den 1.Juli vorgesehen.
27.6.1940
Nachlaß Ortlepp.
Kav.Schtz.Rgt.6.2)

Im Zuge der weiteren Besetzung der Südküste Frankreichs rückte die 7.Panz.Div. und mit ihr das Schütz.Rgt.6 am 27.Juni etwa 50 km weiter südlich in den
Raum unmittelbar nördlich Bordeaux vor. Bordeaux selbst durfte auf Grund der mit den französischen Behörden getroffenen Vereinbarungen nicht betreten werden.
In Bordeaux befanden sich ausser 300 000 ansässigen Bewohnern etwa 700 000 Flüchtlinge aus allen Gegenden Frankreichs, darunter auch annähernd 200 000 Spanier,
die  nach den Siegen General Frankos aus Spanien geflüchtet waren.
Bereits um 7,30 Uhr traten die vordersten Teile des Regiments aus der Unterkunftsräumen um Niort an und fuhren, der Regimentsstab an der Spitze, in südlicher
Richtung vor. Dem Stab folgte das I.Bataillon, dem sich das II.Bataillon anschloss, das zugleich das Ende der Marschgruppe der 7.Panz.Div. bildete.
Der Marschweg führte über St.Jean nach Saintes und Gemozac. Bei warmen und sonnigem Wetter verlief die Fahrt nach anfänglich erheblichen Stockungen planmässig,
so dass um die Mittagszeit die neuen Räume erreicht wurden.
Im Vormarschraum angetroffene französische Soldaten wurden weisungsgemäss entwaffnet und dann nach Osten über die Demarkationslinie in das unbesetzte Frankreich
abgeschoben.
Es kamen unter:
Regimentsstab in St.Seurin, Stab I.Bataillon in St.Denieslei Chenay, 1.Kompanie Talmont, 2.Kompanie Arces, 3.Kompanie Espargnes, 4.Kompanie Chenay,
Stab II.Bataillon Mortagne, 5.Kompanie Touvent, 6.Kompanie Le Port, 7. und 8.Kompanie Gemozac.
Der Nachmittag wurde zu Instandsetzungsarbeiten und zum Einrichten der Quartiere benutzt. Trotz des mehrfach eingetroffenen Ersatzes fehlten dem Regiment an dem
Sollbestand des Personals immer noch 10 Offiziere, 94 Unteroffiziere und 275 Mann.
Am 27.Juni hatten die Vorausabteilungen des XIV.A.K. die spanische Grenze erreicht.
Die Gruppe von Kleist sollte mit dem XIV.A.K. im Raum zwischen der Garonne und der spanischen Grenze bleiben und später durch Infanteriedivisionen abgelöst
werden. Das XV.A.K. wurde in die Gegend zwischen Charente - Gironde - Dordogne und der Demarkationslinie verlegt.
28.6.1940
Nachlaß Ortlepp.
Kav.Schtz.Rgt.6.2)

Der 28. und 29.Juni dienten der Fortsetzung der Instandsetzungsarbeiten an Kraftfahrzeugen, Ausrüstung, Gerät, Waffen und Bekleidung. Daneben kamen auch die
Erholung und die Körperpflege zu ihrem Recht. Bei Royan an der Girondemündung wurde ein reger Badebetrieb eingerichtet.
29.6.1940
Nachlaß Ortlepp.
Kav.Schtz.Rgt.6.2)

Am 29.Juni gegen Mittag traf der Befehl ein, dass das Schütz.Rgt.6 am 1.Juli auf das Westufer der Gironde nordwestlich Bordeaux verlegt werden sollte.
Befehlsgemäss fuhren Quartiermacherkommandos in den neuen Unterkunftsort voraus. Das Regiment sollte im Juli ausserdem voraussichtlich mit Teilen an einer
grossen Wehrmachtparade in Paris teilnehmen.
Das II.Bataillon setzte zu diesem Zwecke einen Offizier im Kraftwagen nach Saalfeld in Marsch, um vom Ersatzbataillon die Bataillonsstandarte zu holen.
Leutnant Doherr, der mit dieser Aufgabe betraut wurde, sollte bis zum 6.Juli nach Paris zurückkehren und dort zu den an der Parade teilnehmenden Teilen
des Regiments stossen.
30.6.1940
Nachlaß Ortlepp.
Kav.Schtz.Rgt.6.2)

Am 30.Juni wurden ausser Instandsetzungsarbeiten Vorbereitungen für die am 1.Juli in Bordeaux vor dem Kommandierenden General vorgesehene Parade getroffen.
Abends trafen beim Regiment etwa 400 ehemalige deutsche Kriegsgefangene ein, die durch ein Fahrzeugkommando des I. und II.Bataillons gemeinsam mit weiteren
Kommandos der Division aus Ortschaften 50 km südlich Bordeaux abgeholt worden waren. Die aus französischer Gefangenschaft befreiten Kriegsgefangenen wurden
gleichmässig auf die Kompanien der Bataillone verteilt und von den Kompanien untergebracht und verpflegt. Die grosse Freude der wiederbefreiten Kameraden
war verständlich.
Nach einem am Abend des 30.Juni eingehenden Divisionsbefehl sollte die 7.Panz.Div. am 1.Juli den Raum Bordeaux - Westufer der Garonne - Point de Grave -
Cap Ferret - Strasse Arcachon-Le Moutier verlegt werden.
Nur das Panz.Rgt.25 verblieb im bisherigen Quartier um Saintes. Hierzu war angeordnet, dass das Schütz.Rgt.6 mit der 3./Fla 59 um 6,15 Uhr im Marsch den
anschliessenden und bis 8,30 Uhr an der Ende des Kradschützenbataillons 7 den Bereitstellungsraum für die Parade in Bordeaux erreichen sollte.
Die nicht an der Parade teilnehmenden Bagagen hatten erst später abzumarschieren.
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Quellen:
2) BAMA N 787/111